Faußner, Hans Constantin: Seite 68
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"Zur Frühzeit der Babenberger in Bayern und Herkunft der Wittelsbacher"

                                                     3. Die „Ebersberger"

Wie der Witwer Otto, dessen Haus- und Erbbesitz mit dem Tode seiner Frau seinen Kindern verhaftet war, die vermögende Frau Haziga von Scheyern heiratete, deren stattlicher Erbbesitz das standesgemäße Erbe der erhofften Kinder gewährleistete, so heiratete Witwer Ratold um 900 Engelmut, Tochter des Grafen Sighard aus dem hochvornehmen Geschlecht der SIGHARDINGER", Nachkommen der Genealogiae im Chiemgau. In diesem Geschlecht waren in jeder Generation neben dem Leitnamen Sig-hard die Namen Engel-bert und Engel-hard üblich [281
Siehe Tyroller, Genealogische Tafel 5/1, Seite 98.]. Wie die Kinder OTTOS aus seiner Zweitehe, so waren auch die Kinder Ratolds aus seiner Zweitehe mit Engelmut auf das mütterliche Erbgut, das Muttergut, verwiesen, wie es mit dem castrum Eberspergenses und seinem Pertinenzbesitz in die Ehe eingebracht wurde. Nach mittelalterlicher Auffassung waren die „EBERSBERGER" demnach eine (kognatische) Nebenlinie der SIGHARDINGER".
Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Engelmut genuit sibi (Ratoldo) duos filios Eberhardum et Adalperonem et unam filiam Willibirgam [282
Ex chronico Eberspergensi posteriore c. 9 (wie Anm. 56), Seite 868.]. Sie erbten das castrum Eberspergenses, wo sie nach der chronikalischen Überlieferung [283 Chronicon Eberspergense (wie Anm. 55) Seite 9-16 und Ex chronico, wie vor, Seite 867-872.] im Jahre 934 [284 Cartular I/1 (wie Anm. 56) Seite 22 (Seite 136).] ein dem hl. Sebastian geweihtes Kloster gründeten. Wenn es daher im Chronicon [285 Chronicon Seite 10, 38.] heißt: Sigihardus obiens Eberspergensem locum filio Ratoldo dedit, so war dies lediglich eine Folgerung des Redaktors aus der EBERSBERGER Besitzerfolge Sighard - Ratold - Eberhard/Adalpero, entsprechend auch der kommentierende Zusatz im überarbeiteten Nekrolog [286 Notae necrologicae Ebersbergenses zum 10. Oktober (MGH Necr. 3), Seite 78.] Sigihardus com., pater Ratoldi, ob.
Nach dem Tode der Gründer Eberhard und Adalpero ging das Kloster auf Oudalrico strennuissimo comite, predicti Adalperonis filio [284
Cartular I/1 (wie Anm. 56) Seite 22 (Seite 136).], über. Unter ihm wurde die Klosterkirche 970 geweiht [284 Cartular I/1 (wie Anm. 56) Seite 22 (Seite 136).], in der er und seine Gemahlin ihre Grablege fanden [287 Cartular 1/27 Seite 26 (Seite 140).], nachdem sein Vater Adalpero [288 Cartular I/11 Seite 24 (Seite 138).], wie dessen Großeltern, Graf Sighard ( 906) und seine Gemahlin Gottina [289 Vgl. Chronicon posterior c. 8 S. 868.], in Freising beigesetzt worden waren [290 Graf Ratold ( 919) und seine Gemahlin Engelmut hatten ihre Grablege in der Kapelle des hl. Amandus in Salzburg. Vgl. Chronicon posterior c. 10 Seite 868. Zu diesem Patrozinium vgl. Hermann Baltl, Der heilige Amandus, Admont und das frühe Christentum im steirischen Ennstal, in: Blätter für Heimatkunde 53, hg. vom Hist. Verein für Steiermark (1979), Seite 2-9.].
Aufschluß über die nähere Verwandtschaft Graf Udalrichs, des einzigen agnatischen EBERSBEREGERS der 3. Generation, erhalten wir durch die Zeugenreihen bei Vergaben von Haus- und Erbbesitz, wobei aber zu berücksichtigen ist, daß die so hilfreichen Angaben des Besitzes der Zeugen nicht zeitgenössisch sind. So erteilten, als Graf Udalrich um 970 dem hl. Sebastian zu Ebersberg dedit in propvieiatem, quicquid in villa nomine Risun in possessionibus habuit, exceptis duobus nobilibus mansis, quos Frisingensi ecclesie s. Marie dedit pro sepultura et commemoratione patris sui [291
Cartular 1/11 Seite 24 (Seite 138). Vgl. hierzu Freisinger Tr. 1152, 11 Seite 57.], dazu ihre Zustimmung, die durch ihre Zeugenschaft zum Ausdruck kam und festgehalten wurde:

          Otker de Persinpiugun               Rihheri de Hohinperc
          Adalhoh de Walda                     Adalrih de Mosareina
          Pero de Lenin                            Warmuni de Tengilingun
          Erchanger de Scammaha           Brun de Sura

Als erste wurden die Ehemänner von drei Schwestern Graf Udalrichs nach deren Anciennität aufgeführt: Otker von Persenbeug im Lande unter der Enns, Adalhoh von Wall (westlich von Miesbach), Nachkomme der Gründer des Klosters Schliersee [292
Störmer, Adelsgruppen (wie Anm. 280) Seite 136-147 Die Schlierseer Stiftersippe.] und Ahnherr der Herren von Waldeck [293 Vgl. Landgericht Aibling und Reichsgrafschaft Hohenwaldeck, bearb. von Franz Andrelang (Hist. Atlas von Bayern, Teil Altbayern Heft 17, 1967), Seite 250f.], und Pero von Berglern (LK Erding), westlich von Fraunberg, dem Stammsitz der FRAUNHOFER und FRAUNBERGER. Bei den FRAUNHOFER, bei denen sich im 13. Jahrhundert der Name Berchtold mehrfach findet, bestand die Familienüberlieferung, wie sie Hundt [294 Bayrisch Stammen Buch. Der ander Theil ... durch den Edlen Hochgelerten Herrn Wiguleum Hund zu Sulzenmos ... zusammen gebracht (Ingolstadt 1598), p. 87. Hier auch: Herr Seyfrid Ritter ward im andern Turnier zu Rotenburg/Anno/etc. 942. zu eim König in mittern Bayrn Turniershalb erwehlt.] wiedergibt, daß Herr Seyfrids Haußfraw/soll sein gewesen eine Gräuin von Sempt.
Erchanger, Rihheri und Adalrih könnten die Ehemänner der Töchter von Graf Eberhard dem Stifter gewesen sein, denen sich Warmunt von Tengling und Brun de Sura [295
Hofmarch im Salzburggau: in pago nominato Salzpurcgauni [in] villa nuncupata Sura (Das älteste Traditionsbuch des Klosters Mondsee nr. 60, bearb. von Gebhard Rath und Erich Reiter, Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs 16, hg. vom Oberösterreichischen Landesarchiv, 1989, Seite 161).] anschlossen. Bei diesen dürfte es sich um die Ehemänner von Cousinen 2. Grades von Graf Udalrich gehandelt haben, also um Nachkommen der Schwester seiner Großmutter Engelmut. Daß diese noch als Zeugen aufgeführt wurden, zeigt, daß die Hofmark (villa) Reisen [296 Gemeinde Eitting, LK Erding.] noch ungeteilter Erbbesitz der Nachkommen der beiden Schwestern war, der jetzt erst geteilt und abgelöst wurde. Graf Udalrichs kleine Schwester Hadamut war damals noch unverheiratet und stand damit noch unter seiner Munt. Ihre spätere Verheiratung mit Markgraf Markwart von Viehbach ist im Chronicon [297 Patrem ac matrem Lutecardem mortuos Frisingis sepelit, ac pro animarum eorum requie sancto Sebastiano predium nomine Risun dedit. Post haec duxit uxorem Rihcardem, sororem Marhwardi presidis de Carinthia, cui ipse suam in coniugium vocabulo Hademuodem dedit (Chronicon Seite 12,35).] vermerkt.
Zu den Kindern Graf Udalrichs vermerkte das Chronicon [298
Chronicon Seite 13,16.]: Oudalricus genuit Adalperonem, Eberhardum, Willibirgam et alias tres filias. Aus erster Ehe stammte Adalpero, aus der Zweitehe mit Richgard von Viehbach Eberhard. Erbe des EBERSBERGER Haus- und Erbbesitzes war daher Adalpero, während Eberhard und seine Schwestern auf ihr Muttergut verwiesen waren. Da aber Adalpero, verheiratet mit der WELFIN Richlint, kinderlos war [299 Siehe oben Seite 20.], waren seine nächsten Erben Eberhard und ihre Schwestern. Eberhard starb aber Anfang der 40-er Jahre vor Adalpero. Damit ging bei dessen Tod im März 1045 das EBERSBERGER Haus- und Erbgut auf seine Schwestern über, von denen aber nur Willibirg, verheiratet mit Graf Werigand, eine Tochter mit Nachkommenschaft hatte [300 Siehe unten Seite 72. Zu Willibirgs Nachkommenschaft siehe oben Seite 58.].
Als daher bei dieser erbrechtlichen Situation Graf Adalpero und seine Gemahlin Richlint um 1040 dem Kloster Ebersberg den Erbbesitz Pfeffenhausen übertrugen [301
Cartular 1/37 Seite 28 (Seite 142).] und dabei festgelegt wurde, daß Eberhard, der nächste Erbe, siquis illorum alium vita postcederet, in sua proprietate usque ad mortem suam retineret, waren die ersten Zeugen dieser Verfügung als nächstberechtigte Erben Poppo comes de Rota etfilius eins Chounrat, Marhwart de Viehtpah, also Graf Poppo, Gemahl der (letzten) Tochter von Hadamut von Ebersberg, der jüngsten Schwester Graf Udalrichs, aus ihrer Ehe mit Markwart von Viehbach, und deren Sohn und Erbe Kuno, der spätere Pfalzgraf [302 Siehe oben Seite 43.], ihnen folgend Markwart von Viehbach, Enkel Hadamuts und Sohn Herzog Adalberos von Kärnten ( 1039). Ihnen folgten

          Gerolt de Walda                     Ougo de Pelaheim
          Gerolt de Eberaha                 Oudalrih de Heida
          Magonus de Frichindorf        Oudalrih de Gasteiga
          Routperht de Sliwisheim        Eberhart de Aragarten
          Pillunc de Lerun

Während der Haus- und Erbbesitz, wie ihn Graf Adalpero bei seinem Tode besaß, auf seine Schwestern überging, folgte ihm als Herr des Klosters Ebersberg Rudpert von Schleißheim [303
Wie Anm. 286: 6. Juli. Ruodpreht de Sliwisheim ob. ], so wie er nach den Grundsätzen des Seniorats seinem Vater als primogenitus suus [304 Cartular I/16 Seite 24 (Seite 138). ] 1029 gefolgt war. Wie bei Familien- und Sippenklöstern die Regel, ging die Herrschaft über das Kloster auf den jeweils ältesten männlichen Nachkommen des oder der Stifter über. So heißt es denn auch in einer Ebersberger Notiz [305 Ebenda 1/30 Seite 27 (Seite 141).]: comes Eberhardus, filius Oudalrici, dedit in proprietatem s. Sebastiano predium... Hanc donationem germanus eius Adalpero suscepit, quia ipse monasterii dominus erat.
Anspruch und Übergang der Klosterherrschaft nach den Grundsätzen des Seniorats gewannen daher besondere Bedeutung, als mit Graf Adalpero die „EBERSBERGER" bereits in der vierten Generation im Mannesstamm ausstarben und die Klosterherrschaft auf kognatische Abkömmlinge der Stifter überging. Die Nachfolge Rudperts von Schleißheim ergibt sich aus einer später überarbeiteten Notiz [306
Ebenda 1/46 S. 30 (Seite 144). Siehe auch 1/47, ebenda, und 1/53, Seite 31 (Seite 145): II. non. iul. Routperht obiit. Routpertus comes de Sliwisheim b. Sebastiano dedit dimidium mansum, situm in villa Herilinchoven cum omnibus attinentibus. T. Routperht et Tagini filius eins ...] zu Adalperos Witwe Richlint, die kurz darauf, im Juni 1045, bei dem Einsturzunglück in Persenbeug ums Leben kam [307 Siehe oben Seite 20.]: Hec ergo detenta languore, quo et mortua est, in manum Routperhti de Sliwisheim, scilicet advocati,fiscalis, dedit predium, quod habuit aput Ascahafurt, ut per eum monasterio traderetur.
Bei Rudpert von Schleißheim kann es sich nicht um einen Nachkommen Graf Udalrichs handeln, da das Chronicon [308
Chronicon (wie Anm. 55) Seite 13,30.] eindeutig festhält: Oudalricus ergo nullam ex filüs prolem videns preter unam virginem Hadamuoden vocabulo, neptem suam de filia Willibirga. Rudpert und seine Nachfolger als Klosterherren können daher nur von Schwestern Graf Udalrichs abstammen. Dies wird auch durch das Cartular [309 Cartular I/8 Seite 23 (Seite 137).] gestützt: Sed ad voti expletionem fratris sui Adalperonis, qui mullos filios habuit ... in brevi temporis spatio tres f lie et duo fiii, qui ei elegantissimi erant, vitam finierant. . . . Oudalricus, qui ei solus erat superstes de prole mascula, ita ut succrescente per dies langueret ignavia. Die Klosterherren waren die Nachkommen der Zeugen um 970 [310 Siehe oben Seite 70.].
So folgten auf Rudpert von Schleißheim als Klosterherren, soweit dem Cartular zu entnehmen, Gerold de Ebaraha [311
Cartular 1/60 Seite 32 (Seite146); I/102 Seite 37 (Seite 151); I/104 Seite 37 (Seite 151); 1/94 Seite 36 (Seite 150): Eberhardus s. Sebastiani Servus 8 iugera pratovum dedit in manum Dietmari prepositi pro precio et ea pactione, ne salica Opera cogeretur usquam facere, nisi in Gurte, que est ad Semitaha. T. Aldieo ... Et hec pactio in legali placito Geroldi advocati dicta ac firmata est. Wie Anm. 286: 10. August. Gerolt de Eberaha ob.] (Ebrach, Gemeinde Pfaffing, LK Wasserburg), sodann Graf Walther von Wifling [312 Ebenda I/124 Seite 40 (Seite 154); 11/ 17, 21, 23 Seite 45 (Seite 159); 11/24 Seite 46 (Seite 160); 111/2, 6 Seite 47.] und Kling [313 Vgl. C. Trotter, Ueber den Grafen Walther von Chling, in: Altbayerische Monatsschrift, hg. vom Hist. Verein von Oberbayern Jg. 12 (1913/14), S. 61-72.]. Unter der kurzen Regierung Abt Adalberos (1115-1117) folgte auf Chadalhoch [314 Cartular 111/38 Seite 54 (Seite 168).] Graf Ekkehard von Scheyern [315 Ebenda III/39,40 Seite 54 (Seite 168); III/58 Seite 58 (Seite 172): insinuamus, quod quidam nobilis homo, comes scilicet Eckehardus, principalis advocatus ecclesie nostre, tradidit potestativa manu ... Zu ihm siehe oben Seite 65.]. Sein Folgeanspruch kann nur durch seine Mutter, Gemahlin Graf Bernhards von Scheyern, abstammungsmäßig vermittelt worden sein [316 Sie war eine Schwester von nobilis matrona Irmingart, die predium Winden durch ihren Sohn Baltwin pro alenda filia sua dem Kloster Geisenfeld übertrug, Spitzenzeuge: Bernhart de Schaeir (Jäger, Tr. Geisenfeld 39 (wie Anm. 221) Seite 67 = Monumenta nr. 32 Seite 193). Zu Paltwin de Burcstal siehe Traditionen Mönchsmünster (wie Anm. 277) Seite 61*.]. Ihm folgte sein Vetter, Pfalzgraf Otto II. von Wittelsbach, nach [317 Cartular 111/63 Seite 59 (Seite 173): Ottone advocato consentiente.].
Auf die falschen Vogteiurkunden werden wir noch zurückkommen [318
Siehe Exkurs II Seite 88 f.].

                                                 4. Kloster Geisenfeld, eine viehbachsche Gründung

Das Chronicon Eberspergense [319
Chroncion (wie Anm. 55) Seite 13,18.] vermerkt zu Graf Eberhard, dem Sohn Graf Udalrichs von Ebersberg aus seiner Zweitehe mit Richgard von Viehbach [320 Siehe oben Seite 25.]: Eberhardus vero duxit Adelheidem Saxonem, quae tres genuit filios, quorum biennio vix. Eberhard, das Schicksal seines Halb-Bruders Adalperos vor Augen, von dieser Welt kinderlos zu scheiden, gründete in seinen letzten Lebensjahren im Zusammenwirken mit seinen viehbachschen Erben in Geisenfeld an der Ilm ein Kloster für Benediktinerinnen.
Das predium Geisenfeld war noch ungeteilter Besitz, von Eberhards Mutter Richgard und ihren Geschwistern überkommen. Dies weist darauf hin, daß es sich auch bei diesen um Muttergut, und somit um einstiges luitpoldingisches Haus- und Erbgut handelte, das von Herzog Arnulf über seine Tochter, die Mark- und Burggräfin Burchard, auf deren Tochter, die Mutter von Richgard und ihren Geschwistern übergegangen war [320
Siehe oben Seite 25.]. Im übrigen: Daß dieses Gebiet südlich der Donau, in dem Geisenfeld lag, einstiger karolingischer, dann luitpoldingischer Besitz war, zeigt sich allein schon darin, daß es mit der Großen Rebellion zu einem weitgehend geschlossenen Herrschaftsgebiet der POPPONEN-BABENBERGER wurde [321 Siehe oben Seite 15.].
Wie die Traditionsnotizen des Klosters Geisenfeld [322
Der Codex ist eine 1281 angefertigte Abschrift eines älteren Traditionscodex. Vgl. Jäger, Traditionsnotizen (wie Anm. 221) Seite 7.] zeigen, trug zu dessen Besitzausstattung die viehbachsche Verwandtschaft entscheidend bei. So fand
auch bald nach der Gründung der Cousin von Graf Eberhard, Herzog Adalpero von Kärnten (
1039), hier seine Grablege, und seine beiden Söhne, Markwart und Adalpero, der spätere vierte Bischof von Bamberg (1053-1057), tradierten ein Seelgerät pro anima patris sui prefati ducis Adalberonis in eodem monasterio sepulti in manus Heberhardi comitis, eiusdem Geisenueldensis ecclesie constructoris [323 Ebenda Tr. 2 Seite 43 = Monumenta nr. 9 Seite 184.]. Zeugen:

          Heberhardus et Ernestus, fratres eiusdem ducis

          Chuno de Uohburch                            Erchenger de Schambach
          Wezil de Lintach                                 Magonus de Frichendorf
          Haertwich de Perchouen                    Diemar de Asinchouen Chüno de Ebenhusen   
          Vdelschalch de Elisendorf

Aus diesem Verwandtenkreis kamen dann auch die Klosterherren nach den Grundsätzen des Seniorats, wie Hartwich [324
Ebenda Tr. 4 Seite 44 = Monumenta nr. 3 Seite 181: advocatus Haertwicus.] und Erchenger [325 Ebenda Tr. 6 Seite 46 = Monumenta nr. 7 Seite 183: advocatus Erchenger.]. Im letzten Drittel des Jahrhunderts war Klosterherr Eberhard von Ratzenhofen ( 1097), verheiratet mit Mathilde, Tochter Graf Kunos von Reipertsberg [326 Siehe oben Seite 63 und unten Seite 78.]. Ihm folgte sein gleichnamiger Sohn [327 Ebirhardns de Razinhovin cum matris sue Maihhilde fratrumque suorum manibns totem predium, quod ad Nestheinriuth haben, (pro) patris sui Eberhardi sepultura ac debitorum snornm animarum regnie... legavit der Klosterkirche Mönchsmünster (Tr. 68, wie Anm. 277, Seite 60). Nestheinriuth (Neusreuth, Gde. Hirtlbach, LK Dachau) war Erbbesitz von Mathilde. Ein weiteres Seelgerät von Mathilde nach Geisenfeld, siehe Tr. 32 Seite 61 = Monumenta nr. 30 Seite 192.] und diesem sodann gegen 1130 Pfalzgraf Otto II. von Wittelbach [328 Vgl. Jäger, Traditionsnotizen Seite 227 Anhang II.], ein Enkel von Eberhard von Ratzenhofen und seiner Gemahlin Mathilde.

                                                 5. Die „Kühbacher"

Seit der WELFEN-Historiograph [329
Zu ihm vgl. Faussner, Kuno von Öhningen (wie Anm. 3) Seite 22f. ] Adalpero von Kühbach mit Adalpero von Ebersberg ( 1045), dem Gemahl der WELFIN Richlint [330 Siehe oben Seite 21.], identifizierte und ihn neben dem Kloster Ebersberg, hier verwechselnd mit seinem gleichnamigen Großvater, auch noch die Benediktinerinnenklöster Kühbach und Geisenfeld gründen ließ [331Historia Welforum c. 7 (wie Anm. 215), S. 12: Sed quia ex ea (Richgarda) heredem non habuit, tres abbatias ex suis praediis magnifice, ut adhuc cernitur, fundavit, quae surrt Ebersperch, Choubach, Gisinvelt. MGH SS 21 (1869) Seite 460, 13.] werden die „KÜHBACHER" den „EBERSBERGERN" zugerechnet [332 So auch noch Volker von Volckamer, Das Landgericht Pfaffenhofen und das Pfleggericht Wolnzach (Hist. Atlas von Bayern, Teil Altbayern Heft 14, 1963), S. 8 und Störmer, Adelsgruppen (wie Anm. 280) Seite 174. Dagegen Wilhelm Liebhart, Die Wittelsbacher und das Benediktinerinnen-Kloster Kühbach im Mittelalter, in: Die Wittelsbacher im Aichacher Land, hg. von T. Grad (1980), Seite 174: „Die immer wieder zitierte Stelle aus ... Historia Welforum,... trifft mit Sicherheit selbst für Geisenfeld nicht zu und darf nach dem Befund der Kühbacher Traditionen auch für Kühbach ausgeschlossen werden."].
Und dies, obwohl die wenigen auf uns gekommenen Traditionsnotizen des Klosters Kühbach [333
Edmund Freiherr von Oefele, Traditionsnotizen des Klosters Kühbach (Sitzungsberichte der philosophisch-philologischen und der historischen Classe der k. b. Akademie der Wissenschaften 1894. Heft III, 1895), Seite 269-286.] die Gründergeneration in seltener Klarheit aufzeigen.
Die Stammeltern waren der BABENBERGER Poppo und die EBERSBERGERIN Willibirg (Willa), Schwester der Grafen Adalpero und Eberhard, der Gründer des Klosters Ebersberg [334
Siehe oben Seite 69.]. Dies ist einem Eintrag im Reichenauer Verbrüderungsbuch [335 Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau, hg. von J. Autenrieht, D. Geuenich und K. Schmid (MGH Libri memoriales et necrologia N. S. 1, 1979), Faksimile Seite 6 B 3-4.] zu entnehmen, der wie folgt beginnt:

          Uuilla                     Heinrih
          Heinrih                  Chunegund
         Chunegund             Popo Purechart
        Popo                        Hiltegart
        Perettolt                  Chunegund

Der Anlaß zu diesem Eintrag dürfte die Verlobung Poppos und Willas gewesen sein: Nach ihr, der Braut [336
Damit berichtige ich meine Auffassung in: Kuno von Öhningen (wie Anm. 3) Seite 45.], die Eltern des Bräutigams, Graf Heinrich der Babenberger und Königin-Witwe Kunigunde [337 Vgl. Faussner, Kuno von Öhningen Seite 40ff.], der Bräutigam, seine Brüder Berthold, der Markgraf, und Heinrich, der spätere Erzbischof von Trier (956-964), und Schwester Kunigunde mit ihren vier Kindern, darunter wohl der spätere Bischof Poppo II. von Würzburg (961-983) und Hiltegart, die spätere Gemahlin des letzten LUITPOLDINGERS Herzog Heinrich III. von Bayern und Kärnten [338 Vgl. ebenda Seite 45.].
Mit der Großen Rebellion wurden Poppo die Grafschaft im westlichen Donaugau und die darin gelegenen villae übertragen, die sich sodann unter seinen Nachkommen, so seinem Sohn Papo, vererbten.
Popos Sohn, Graf Udalschalk, der kinderlos war, beabsichtigte, daß nach seinem Tode auf seinem hinterlassenen Besitz Kühbach, nordöstlich des heutigen Aichach, von seinem Bruder, Graf Adalpero, ein Nonnenkloster errichtet werde [339
Kühbacher Tr. 1 (wie Anm. 333) S. 278: comes Udalscalcus in extremis positus tradidit fratri suo Adalperoni partem sui predii in loco, quod vocatur Chubach, cum ... ad id pertinentibus, eo tenore ut, si monasterium ibi construat, deo inibi servientes illud potestative habeant.]. Da er von Kindern unbeerbt und das vorgesehene Dotationsgut Kühbach Erbbesitz war, mußte er bei seinen Verwandten, die einen gestaffelten Erb- und Nachfolgeanspruch auf seinen Haus- und Erbbesitz hatten, deren Zustimmung, verbunden mit ihrem Verzicht, erreichen. Da Besitz nach Gott das Höchste auf Erden war und zu allen Zeiten „das Erben" einen hohen Stellenwert besaß, war dies ein harter Handel. So erhielt Udalschalks Schwester Liutkart das predium Langenwiesen (Gde. Tegernbach) mit der Absprache, daß dieses an das Kloster übergehe, wenn ihre Kinder absque legalibus liberis vitam finiant. Seine Schwester Hilta erhielt das predium Taiting, scilicet ut, si filius suus Adalpero heredem non habeat, cenobium illud potenter teneat. Den weiteren Verwandten dagegen mußte er den jeweiligen Besitz nur auf ihre Lebzeiten übertragen [340 ut post obitum singularuni hec omnia predia predicto cenobio in ius proprietatis accedant pro remedio anime suae ac parentum suorum.] so seinem nepos Babo: den zu Felber (Gde. Gerolsbach), Andersbach (Gde. Klingen), Wineden, Beren und Tuscinga [341 Dürfte bei einer Abschrift verlesen worden sein.]; Adalpert: Mondloch (Gde. Handzeh); Altolf: Wöresbach (Gde. Oberwittelsbach) und Emechenhusen [341 Dürfte bei einer Abschrift verlesen worden sein.]. Walperga: Chrageheim; Helmpert: Weilach; Marquard: Cruti und Udalschalch: Hardt (Gde. Weilach). Diese Abfindungsreglung wurde bezeugt durch:

          Adalpero comes                                Arnolt
          Babo                                                 Babo (et) filius eius Eigel
          Sigemar                                            Adalhart et filius eius Marquart
          Pirhtilo                                             Ilsunch
          Crimolt et frater eius Babo              Udalscalch
                                                     Rutpreht

Wie wir sehen, eine recht umfangreiche Verwandtschaft, die bei einem Tode ohne Nachkommenschaft abgestuft folgeberechtigt als Erbe des „dinglichen Stammvaters" auftrat. Aufschlußreich auch für den Besitz der „KÜHBACHER" die Verfügungen.
Die Kirchweih und die damit verbundene Dotation der Klosterkirche fanden aber nicht vor 1025 statt [342
Zu den falschen Diplomen für Kühbach siehe Exkurs II Seite 93 f.]. Das ergibt sich aus einer weiteren Traditionsnotiz [343 Kühbacher Tr. 11 Seite 284. MGH DD III. D Kunigunde 1.] nach der Kaiserin-Witwe Kunigunde - über ihre Mutter, die BABENBERGERIN Hedwig, eine Enkelin Markgraf Bertholds [344 Vgl. Faussner, Königliches Designationsrecht (wie Anm. 140) Seite 19. ] - mit ihrer ererbten curtis Ecknach nahe dem späteren Aichach zur Dotation des Klosters beitrug. So übertrug sie diese pro redemptione anime Heinrici imperatoris, sui vero mariti ( 13.7.1024), per manum sui advocati Adelp. cuidam nobili viro nomine Babo cum omnibus utensilibus ad prefatam curtem pertinentibus, mit der Bestimmung, daß Babo als Salmann ad monasterium in loco Chubach constructum in veram et legitimam traderet dotem deo et sanctimonialibus ... in perpetuum servienda. Diese Traditio an Salmann Babo wurde bezeugt, und dieser Verfügung damit zugestimmt durch Rutpreht, Gerolt, Grimolt, Udalscalc, Ilsunc, Dieto, Rudolf. Die Investitur Babos, durch die er potestativa manus zur weiteren dinglichen Verfügung erlangte, bezeugten Grimolt, Ilsunc, Rudolf. Babo, bei dem es sich um Kunigundens Cousin, den Vater von Gräfin Haziga [345 Siehe oben Seite 31.] gehandelt haben könnte, übertrug sodann eandem curtem cum mancipiis omni lege, qua sibi ab imperatrice tradita est, an den Altar der Klosterkirche an deren feierlichen Kirchweihtag, in die vero, qua festum dedicacionis eiusdem ecclesiae Chubach celebratur, clero universoque populo astantibus. Dazu wurden 35 in der Traditionsnotiz namentlich aufgeführte Zeugen nach bairischem Gerichtsgebrauch am Ohr gezogen [346 Hii autem per aurem tracti sunt testes], und die Investitur der Kirche durch sieben, nämlich Engelpreht, Arbo, Grimolt, Udalscalc, Reginprecht, Etich, Eginolf, bezeugt.
Auch Gräfin Hiltegart, wohl die Tochter Graf Adalperos von Kühbach, sah einen ansehnlichen Beitrag zur Ausstattung des Klosters aus ihrer Hinterlassenschaft vor. So veranlaßte sie ihren Gemahl, Graf Adalpero de Patrashusum, wie er in den Tegernseer Aufzeichnungen genannt wurde [347
Siehe oben Seite 21 f.], die Verpflichtung einzugehen [348 Kühbacher Tr. 6 Seite 282.], an das Kloster nach ihrem Tode von ihrem Erbbesitz um Kühbach, an dem er die ehemännliche Verfügungsgewalt hatte [349 Daher: comes Adalbero sui iuris prediorum sic nominatorum.] den zu Paar (Gde. Haslangkreut), Inchenhofen, Winden (Gde. Stockensau), Reifersdorf und Taxberg (beide Gde. Unterbernbach) pro remedio animarum sui amborum, Adalber. videlicet et Hiltegarde, ac parentum eorum zu übergeben. Aber Adalbero starb vor ihr, ebenso der gleichnamige Sohn, und sie heiratete einen Grafen Konrad. Als es dann auch mit ihr zu Ende ging (in extremis posita) [350 Kühbacher Tr. 5 Seite 281.] übertrug sie cuidam nobili viro Ulscalch als Salmann ihren Besitz Wollomoos, Biberbach, den 3. Teil der Weinberge in Rehling und Liupheringen und dazu iuxta fluvium Naba tantum predii, quod possit persolvere tres libras nummorum, auf das er diese Besitzungen der Kühbacher Klosterkirche übergebe pro requie anime suae et anima Adalberonis comitis marin sui et amborum filiorum. Weiteren Erbbesitz übertrug sie ihrer Tochter Willibirg, gegebenenfalls auch für deren Nachkommen [351 tradidit nate suae Willibirgae, ea contraditione ut ipsa habeat dum vivat, et si filios vel filias genuerit, qui illi superstites sint, ipsi habeant.]. Sollte sie aber keine haben, so hatten nach ihrem Tode die fünf Besitzungen, die bereits einst durch ihren, Hiltegarts Gemahl Adalbero dem Kloster zugesagt worden waren, in dessen Eigentum überzugehen. Ihr restlicher Erbbesitz, so verfügte comitissa Hiltegart, hatte zwischen Graf Konrad, ihrem Gemahl, und dem Kloster geteilt zu werden.
Salmann Udelscalch kam seiner Verpflichtung getreulich nach, sicut illi traditum est, potestativa mann sine contradictione eidem monasterio tradidit in Gegenwart der Zeugen Engelmar, Wirnt, Udalscalch, Aribo, Aribo, Aribo, Aribo, Chuno, Sigemar, Otto, Otto, Sigepreht, Meingozo, Adalbero. Weiter übertrug nobilis vir nomine Udalscalch de Elsindorf [352
Kühbacher Tr. 7 Seite 282. ] potestativa manu der Klosterkirche tale predium, quale habuerunt Chounradus comes et Hiltegart uxor eins in loco Talenhuf [353 Thalhausen sö. von Aichach] nominato. Atque hec pro redemptione animarum Chounradi et Hiltegarde uxoris eius et Adalperonis comitis filiorumque eius sunt acta. Zeugen: Ilsunc, Engelmar, Udalscalc, Dieto, Sigimar, Pabo, Aribo, Sigipreht, Adalpero, Otto.
Konrad, der Sohn von Gräfin Hiltegart und Graf Konrad, fand in den Tegernseer Aufzeichnungen als Chuono preses de Rihpoldisperga Erwähnung [354
Siehe oben Seite 21 f. ] Da ihn kein Sohn überlebte, wurden zwei Töchter zu seinen Erbinnen. Die eine, Beatrix (?), verheiratete sich mit Arnolt von Scheyern, der sich dann nach dem erheirateten Besitz Graf von Dachau nannte [355 Siehe oben Seite 67f.] die andere Tochter, Mathilde, mit Eberhard von Ratzenhofen, Vogt des Klosters Geisenfeld [356 Siehe oben Seite 74. ]. Ihre Tochter wurde die Gemahlin des Pfalzgrafen Otto I. [357 Siehe oben Seite 61 f.], der sich nach ihrem Muttergut, dem alten Kühbacher Erbbesitz Wittelsbach, nannte. Der Sohn, Pfalzgraf Otto II., erbte über seine Mutter die Vogtei der Klöster Kühbach [358 In einer Urkunde Bischof Hermanns von Augsburg von 30. Januar 1127: palatini comitis, eiusdem ecclesie defensoris ... collaudacione (Regesten der Bischöfe von Augsburg nr. 457, wie Anm. 32, Seite 270).] und Geisenfeld [359 Siehe oben Seite 74.].
Damit sind wir aber mit den „KÜHBACHERN" noch nicht zu Ende gekommen; denn ihnen war die Vogtei des Hochstiftes Freising überlassen, und dieser kommt für uns ein besonderes Gewicht zu, da über sie der einzige gesicherte Weg führt, der Abstammung des „Ahnherrn" Graf Otto von Scheyern näherzukommen. Auszugehen ist nämlich von dem Faktum, daß Graf Otto seit den 40-er Jahren advocatus principalis des Freisinger Hochstifts [360 Siehe oben Seite 65.] war, die Vogtei nach den Grundsätzen des Seniorats überlassen wurde und somit Graf Otto von dem mit der Hochstiftsvogtei Erstinvestierten abstammen mußte.