Lechner, Karl: Seite 45,74,49
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"

Es handelt sich zweifellos um die gleiche Person, die Verschiedenheit des Grundwortes des Namens läßt sich sprachgeschichtlich erklären (Richarda = Richwarda). Der Name Richardis aber war im Hause der EPPENSTEINER, der späteren Herzoge von Kärnten, verbreitet: Marchwards I. (von Eppenstein,
um 960/65) gleichnamiger Sohn ist ab 970 als Markgraf (der karantanischen Mark) bezeugt und um 995/1000 gestorben. Marchward I. hatte eine Schwester und eine Tochter dieses Namens; letztere war mit Graf Ulrich von Ebersberg ( nach 1029) verheiratet. Der Sohn aus dieser Ehe, Adalbero, war mit einer Richalindis verheiratet; diese beiden waren die Stifter des Klosters Ebersberg. Marchward II. von Eppenstein war wieder mit einer EBERSBERGERIN verheiratet [23 Zu den Grafen von Ebersberg vgl. K. Trotter, Die Grafen von Ebersberg und die Ahnen der Garfen vob Görz (ZsHVStm 25,1929,5-17) und Mitis, Studien 175-177, sowie Tyroller, Genealogie, Tafel 2, 64ff.]. Wir sehen also, daß schon der erste österreichische Markgraf mit zwei höchst angesehenen Familien des Reiches verbunden war, den EPPENSTEINERN, die seit 976 auch Markgrafen der südlich der Ostmark gelegenen karantanischen Mark, der späteren Steiermark, waren, und den Grafen von Ebersberg, die letztlich in der neuen Ostmark einen großen Hoheitsbezirk, die Grafschaft Persenbeug, innehatten. Und beide waren streng kaiserlich gesinnt.
Im Mai des Jahres 1045 zog König HEINRICH nochmals auf der Donau gegen Ungarn. Bei einem Aufenthalt in Persenbeug, dem Sitz Richlinds, Witwe nach Adalbero II., dem letzten Grafen von Ebersberg, die dessen Hoheitsgebiete, besonders die Grafschaft Persenbeug, ihrem Neffen Welf III. zubringen wollte, kam es zu einem schweren Unfall. Die Gräfin, Bischof Bruno von Würzburg und der Abt des Klosters Ebersberg, der gleichfalls auf die Besitzungen seines Stifter- und Vögtegeschlechtes Ansprüche erhoben hatte, kamen dabei ums Leben [6969 MGH SS rerum German. 4. Die ältere Chronik von Ebersberg aus dem 11. Jh. (MGH SS XX, 13 f.) erwähnt (allerdings von späterer Hand) die comicia Persinbeuga. Die Burg (castrum) Persenbeug kam an das Kloster Ebersberg, die Herrschaft vorübergehend an Welf, fiel aber bald an das Reich zurück, von dem sie die BABENBERGER später zu Lehen besaßen, so wie die Burg vom Kloster Ebersberg. Noch im 14. Jh. belegt im EBERSBERGER Cartular. (Vgl. 4. Kap., Anm. 6).69 MGH SS rerum German. 4. Die ältere Chronik von Ebersberg aus dem 11. Jh. (MGH SS XX, 13 f.) erwähnt (allerdings von späterer Hand) die comicia Persinbeuga. Die Burg (castrum) Persenbeug kam an das Kloster.].
Da wir sehr wenig urkundliche Zeugnisse über Königsschenkungen an hochadelige Geschlechter in der Mark kennen, sind wir auf Rückschlüsse bzw. auf spätere annalistische Quellen angewiesen. Große Teile des Landes waren in der Hand eines der bedeutendsten bayerischen Hochadels-Geschlechter, der Grafen von Ebersberg, Nachfolger des karolingischen Grenzgrafen-Geschlechtes, der WILHELM-ENGELSCHALKE. Wie bereits erwähnt, war Markgraf Liutpold durch seine Frau auf dem Weg über die EPPENSTEINER mit den EBERSBERGERN verwandt. Wir können sie vor allem zu beiden Seiten der Donau nachweisen, etwa von der Erla- und der Aistmündung an bis über die Ybbs hinaus, ferner zwischen Perschling und Tulln, im Wienerwald und am unteren Kamp. Wir müssen annehmen, daß die Ipseburch, vermutlich die karolingische Eparesburch, das spätere Ybbs, als Königsgut und Reichsfeste den EBERSBERGERN anvertraut war, die ihre Grafschaft Persenbeug zu beiden Seiten der Donau bis gegen Ardagger und Amstetten ausweiteten. Sie und ihre Verwandten, die Grafen von Kühbach, sind als Freisinger Hochstiftsvögte und Vögte ihrer Hausklöster Ebersberg, Geisenfeld und Kuhbach, von denen die ersten beiden auch in der Mark Besitz hatten, nachzuweisen [6 Mitis, Studien 171-177; Lechner, Besiedlung 103 f. In dem nach der Mitte des 11. Jh. angelegten Cartular des Klosters Ebersberg (hg. von F. H. Hundt, Abh. der Münchener Akademie, Historische Classe XIV/3, 1879, 115-196) findet sich (129, Nr. 42) eine Schenkung der Witwe Graf Adalberos von Ebersberg von 10 Edelhufen in Norico ripensi in predio, quod dicitur ad Champa, mit dem Recht der Holzschlägerung in silva, que vocatur Nortwalt. Die Schenkung wurde auf die Mark Cham und den Böhmerwald bezogen. Sie bezieht sich aber auf das linke Ufer des Kampffusses und den Holzbezug in den anliegenden, beidufrigen Wäldern (tatsächlich der Ausläufer des Nordwaldes). Das St. Sebastian Patrozinium von Engabrunn (1108/20 Emichinbrunnin) und der südöstlich davon liegende, dem Kloster Ebersberg bis ins 16. Jh. gehörige, Hof Weidling zeugen davon.].