Keller Hagen: Seite 67,124,155,158,160
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Kloster Einsiedeln im ottonischen Schwaben."

Mit einer weiteren Auslassung muß man zumindest rechnen [126 Auf Auslassungen deuten außerdem hin: Zur Notiz Comes Uolricus de Bavaria. Richkarta uxor eius (Quellenwerk 11/3, 365) ist mense Aprili hinzugefügt; in Tschudis Kopie ist Richgard dort nicht mehr aufgeführt. Auch der Zusatz bei Richenza, uxor Adalperonis de quo supra 6. cal. Aprilis (a.a.O., 368), kann kaum von Tschudi stammen, der die Tagesdaten des Kalenders nicht mehr kannte. Ebenso geht es nicht auf Tschudi zurück, wenn eine Notiz mit etc. abbricht (a.a.O., 365).]: der Kopist bzw. Bearbeiter von ca. 1330 interessierte sich vornehmlich für die Traditionen und hat deshalb hauptsächlich die Namen aus dem alten Jahrzeitbuch bzw. Nekrolog ausgeschrieben, bei welchen eine Schenkung verzeichnet war. Daneben hat er einige Personen, deren Herkunft bzw. Geschlecht festgehalten war, und einige durch Titel gekennzeichnete Männer aufgenommen.
Unter Embrich sind zahlreiche Grafen aus Bayern in die Einsiedler Oberlieferung eingegangen; sie stehen im „Jahrzeitbuch" mit dem Zusatz comes de Baioaria [203
Nicht einzuordnen ist der im Januar genannte Comes Fridericus de Bavaria, Quellenwerk 11/3, 364. Er steht im Nekrolog von Niedermünster, das etwa bis in die Mitte des 11. Jh. geführt wurde, zum 23. I. nach OTTO III.]. Es handelt sich hauptsächlich um die EBERSBERGER Grafen: Ulrich ( 1029), den Bischof Ulrich von Augsburg aus der Taufe gehoben hatte [204 Volkert-Zoepfl, Regesten (127) Nr. 131.], mit seiner Gemahlin Richgard ( 1013), Adalbero (1045) mit seinem Bruder Eppo ( 1037) und Adalberos Gemahlin Richenza ( 1045) sind eingeschrieben [205 P. Kläui, Hochmittelalterliche Adelsherrschaften im Zürichgau (1960) = Mitt. d. Antiquarischen Ges. in Zürich 40/2, 23 f. Vgl. Anm. 212.]. Die Familie stand in enger Beziehung zum Bistum Freising; mehrere Angehörige haben dort ihr Grab gefunden [206 Chron. Eberspergense, SS XX, 9 ff. über die EBERSBERGER vgl. F. TyroIIer in: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, hgg, v. W. Wegener, Lieferung 4 19621, 62 ff.]. Ein Verwandter Adalberos, Etich [207 SS XX, 14 f.], lebte als Mönch in Einsiedeln [208 siehe oben Seite 80.]. Wie Embrich war er einst Kleriker gewesen. Durch einen Betrug erlangte er 1045 von HEINRICH III. das Kloster Ebersberg. Wenn das „Jahrzeitbuch" auch einen Grafen Etich de Baioaria und dessen Gemahlin Willa nennt, darf man in ihnen wohl Verwandte des Mönches sehen und sie damit selbst zur Umgebung der EBERSBERGER Grafen rechnen [209 Die Identifizierung mit dem WELFEN Eticho ( ca. 910) ist unmöglich, damit entfallen die Hypothesen bei Kläui, Adelsherrschaften, 66 ff. und Stammtafel. Der häufig in den Freisinger Traditionen, wo zum Beispiel Ende des 10. Jh. und 1022 ein nobilis Etich als Grundherr genannt wird; Die Traditionen des Hochstifts Freising, hgg. v. Th. Bitterauf, 2 (1909) = Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte NF 5, Nrn. 1289, 1392. Zu beachten Jänichen, Adalbert von Schaffhausen (I 182), Anm. 226. Tyro11er, a.a.O., sieht in Willa die ca. 980 gestorbene EBERSBERGERIN Willibirg und in ihrem Gatten Etich einen WELFEN, wobei er auf das Einsiedler „Jahrzeitbuch" verweist. Dieser Ansatz ist meines Erachtens zu früh; es handelt sich um Personen aus der ersten Hälfte des 11. Jh.]. Auch Ita, die Mutter von Adalberos Gemahlin Richenza und von Welf II., steht im „ Jahrzeitbuch" [210 Quellenwerk II/3, 369.]. So bestand ohne Zweifel eine engere Verbindung Einsiedelns mit der bayerischen Grafen-Familie, die unter KONRAD II. und HEINRICH III. eine bedeutende Rolle in Bayern spielte [211 Steindorff, Jbb. l, 230 f.]. Einsiedeln selbst konnte jedoch aus der Verbindung mit den mächtigen, beim König angesehenen Grafen von Ebersberg kein dauernder Vorteil erwachsen. Adalbero und Eppo verschieden ohne Nachkommen. Mit dem Tode Richenzas, die ihren Gemahl nur um wenige Monate überlebte, wurde die Verbindung für das Kloster bedeutungslos [212 K1äui, Adelsherrschaften, passim, identifiziert die im „Jahrzeitbuch" unter dem Monat Oktober genannte Willeburgis (Quellenwerk 11/3, 370,373) von Embrach/Wülflingen mit Willibirg von Ebersberg ( 25.XI.), der Tochter Ulrichs. Die Korrektur des Jahrzeitbuches wäre bei der Nennung der anderen EBERSBERGER an und für sich möglich, ihre Richtigkeit müßte dann aber erwiesen werden. Statt dessen korrigiert Kläui auf Grund dieser Identifizierung die ausdrückliche Angabe des Chronicon Eberspergense, daß Ulrich außer Hadamut, der Tochter Willibirgs, keine Enkel hatte (SS XX, 13), und schreibt Willibirg von Ebersberg die zahlreiche Nachkommenschaft der Willibirg von Wülflingen zu. Auch wenn man Williram von Ebersberg (1048-1085) kleinere Fehler nachweisen kann, so ist fast ausgeschlossen, daß der Abt des Ebersberger Hausklosters schon in der ersten Generation nach dem Tode Adalberos und Richinzas ( 1045) nichts von der blühenden Nachkommenschaft Willibirgs, der Schwester Adalberos, gewußt haben soll, zu der immerhin Erzbischof Hunfried von Ravenna ( 1051, Sohn Willibirgs von Wülflingen) und ein Bischof von Straßburg ( 1077, Enkel Willibirgs) gehörten. Von den Kindern Willibirgs von Wülflingen sind vier namentlich bekannt, ihre Tochter Adelheid hatte 10 namentlich bekannte Kinder. Keines trägt den Namen Ulrich, Adalbero oder Eberhard! Wo sind die zu erwartenden Überschneidungen des wülflingisch-achalmischen Besitzes mit dem Gut der EBERSBERGER? Warum sind nicht Willibirg und ihre Kinder, sondern das Kloster Ebersberg und Welf III. in das Erbe Adalberos und Richenzas eingetreten?].
Mein Vorgehen beim Vergleich mit anderen Nekrologien sei an einigen Beispielen erläutert. Eine Rihkart wurde zum 23. IV. im 11. Jh. in das Salzburger Nekrolog geschrieben. Ich habe sie mit Richgard von Ebersberg identifiziert [7
Name, Todestag und Zeit (11. Jh.) würden für die Zuweisung eines solchen Namens ohne jede nähere Bezeichnung kaum genügen.], da zum 12. III. auch ihr Gemahl Ulrich (mit dem Titel comes) aufgeführt ist. Ähnlich wird eine Rihlint des Benediktbeurer Totenbuchs durch ihren Gemahl Adalbero als Richlind (Richenza) von Ebersberg ausgewiesen; hier kommt erleichternd hinzu, daß Rihlint und Adalhero zu den wenigen Namen der alten Schicht gehören.

27. III.    Comos Adelberus de Bauvaria et Comes Eppo frater eins [37
Adalbero von Ebersberg ( 1045) und sein Bruder Eberhard (
              1040/44
), JB III, Vl. Adalbero in Ebersberg, Benediktbeuren, Obermünster: 27. III. Eberhard in St. Emmeram, Freising III, Ebersberg,
               Mallersdorf: 24. VII. Brixen: 23. VII.
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Aprilis

3. IV.    Ruodolfus de Habspurg episcopus Constantiensis obiit a. d. 1293
             Comes Ethich de Baioaria et Willa uxor eius [40
Nicht der WELFE Eticho ( ca. 910)! Siehe oben Seite 124 f.]

Junius

12. Vl.    D. Richenza coniunx comitis Adelberonis de Bavaria [58
Richlind/Richenza ( 1045), Gemahlin Adalberos von Ebersberg,
              Schwester Welfs II.
JB III (Ulrich, Adalbero), X. Ebersberg, Benediktbeuren, Freisieg: 12. Vl. Seeon: B. Vl.
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