Wulbrand                                       Erzbischof von Magdeburg (1235-1253)
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um 1180-5.4.1253
 

Sohn des Grafen Günther II. von Schwarzburg-Käfernburg aus seiner 2. Ehe mit der Adelheid von Hallemund-Loccum, Tochter von Graf Wulbrand I.
 

Thiele, Andreas: Tafel 432
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II"

WULBRAND
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       + 1253
 

Wulbrand wurde Probst zu Bibra und 1225 durch den Halbbruder Domprobst zu Magdeburg. Er war oft dessen Stellvertreter, wenn Albrecht außer Landes war. Er wurde 1235 Erzbischof von Magdeburg, hielt sich mehrmals beim Kaiser in Italien auf, hielt zu ihm, obwohl er auch von den Päpsten gefördert wurde. Er stand häufig gegen Brandenburg wegen Lebus, das er behaupten konnte. Er unterstützte den Markgrafen von Meißen (Hilfe beim Streit um Köpenick) und bestätigte der Stadt Magdeburg viele Privilegien, anerkannte 1252 König WILHELM VON HOLLAND und war dem Bruder ganz ebenbürtig.



Eberl Immo: Seite 101-103
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"Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft."

Die von Erzbischof Albrecht gelegten Grundlagen in Magdeburg haben schon bald dafür gesorgt, daß das Erzbistum für weitere fast zwei Jahrzehnte einem Mitglied des Hauses SCHWARZBURG übertragen wurde: Wilbrand, dem jüngeren Halbbruder Erzbischof Albrechts. Er soll um 1180 geboren sein [188 Lundgreen (wie Anm. 154) Seite 117; zur Herkunft insgesamt vgl. auch von Arnstedt (wie Anm. 144) Seite 21f.], dürfte aber wohl tatsächlich eine Jahre älter gewesen sein. Er war wohl von Jugend an für den geistlichen Stand bestimmt. Über seine Ausbildung ist im Gegensatz zu seinem Halbbruder Erzbischof Albrecht nichts bekannt. Doch spricht vieles für einen diesem vergleichbaren Bildungsweg. Wilbrand wird erstmals im August 1209 als Propst von St. Nicolai in Magdeburg und Domherr daselbst erwähnt [189 Schwineköper, Erzbistum (wie Anm. 145) Seite 315.]. Da sich diese 1190-1194 in der Hand Konrads von Querfurt befunden hatte, des Schwagers von Wilbrands Schwester, ist huier eine Unterstützung des Familienkreises und auch seines Bruders Erzbischof Albrecht zu vermuten. Wilbrand erhielt um 1212 auch die Propstwürde von Bibra und war von 1212-1226 als päpstlicher Subdiakon und Domkämmerer tätig [190 Ebenda.]. Dank dieser jahrzehntelangen Tätigkeit stieg er nach 16. August/September 1225 zum Dompropstauf [191 Vgl. Regesta Archiepiscopatus Magdeburgensis, Band 2, hrsg. von Gustav Adolf von Mülverstedt, Magdeburg 1881, Seite 345 Nr. 741, Seite 352 Nr. 749.]. Da Erzbischof Albrecht im Dienst für das Reich häufig von Magdeburg abwesend war, hat Wilbrand in den folgenden Jahren viele Verwaltungsaufgaben vor Ort übernehmen müssen. So trat er auch im Juli 1228 am Hofe HEINRICHS (VII.) in Nürnberg auf. Obwohl er aufgrund seiner Stellung im Domkapitel beim Tode seines Bruders Albrecht im Oktober 1232 für dessen Nachfolgge prädestiniert war, wählte das Domkapitel nicht ihn, sondern Burchard von Woldenberg [192 Lundgreen (wie Anm. 154) Seite 122 mit ebendort Anm. 31.]. Ein Opponieren des zurückgesetzten Dompropstes ist jedoch nicht feststellbbar. Als der neugewählte Erzbischof schon im Februar 1235 starb, wählte das Domkapitel am 31. Mai Wilbrand zum Erzbischof. Im Unterschied zu seinem Amtsvorgänger brach er schon im Juli - also kurz nach der Wahl - nach Rom auf, um sich dort vom Papst bestätigen zu lassen. Er knüpfte damit - sicherlich bewußt - an die Politik seines Bruders Albrecht an, sowohl zum Kaiser als auch zum Papst gute Beziehungen zu unterhalten. Der sich als "erwählter Erzbischof" bezeichnende Wilbrand zog zunächst nach Mainz an den Hof FRIEDRICHS II., der gerade seinen Sohn HEINRICH (VII.) gestürzt hatte. Wilbrand nahm am dortigen Hoftag mit der Verkündigung des Mainzer Landfriedens teil und begab sich anschließend nach Rom. Er wurde dort am 25. November 1235 als Erzbischof bestätigt und geweiht und erhielt noch vor dem 22. Dezember das Pallium [193 Lundgreen (wie Anm. 154) Seite 125.].
Das Erzbistum mußte für den Dombau und den Reichsdienst Erzbischof Albrechts in Italien zweifellos umfangreiche Geldmittel aufwenden, und Erzbischof Wilbrand hatte ihn in Deutschland, aber auch in Italien bedrängenden finanziellen Anforderungen solche Bedenken, daß er sich vom Papst Geleit- und Empfehlungsschreiben ausstellen ließ [194 Lundgreen (wie Anm. 154) Seite 125f.]. Diese finanzielle Situation hat die weitere Tätigkeit Wilbrands sicherlich beeinflußt. Doch hat er sich trotzdem an den Fehden seiner benachbarten Fürsten beteiligt [195 Ebenda Seite 129ff.]. Obwohl er Anfang 1238 auch mit der Stadt Magdeburg selbst Schwierigkeiten hatte, brach er im August zu einem Italienzug auf, der ihn an den Hof FRIEDRICHS II. führte. Er ist aber rasch nach Magdeburg zurückgekehrt, vielleicht weil ihm die Fehde der sein Hochstift umgebenden Fürsten Territorialfürsten zu gefährlich erscheinen oder weil er nur auf Bitten des Papstes nach Italien gezogen ist, wie es allgemein für viele Bischöfe zu dieser Zeit eine Quelle überliefert [196 Vgl. Annales S. Pantaleonis, MGH. SS rer. Germ. Band 18, hrsg. von Georg Waitz, Hannover 1880, Seite 28: Papa ad imperatorem multos episcopus dirigit monitores, ...]. Mit der neuerlichen Bannung FRIEDRICHS II. 1239 hat für Erzbischof Wilbrand anscheinend vorläufig kein Grund bestanden, sich nach Italien an den kaiserlichen Hof zu begeben. Er hat sich in den folgenden Jahren weitgehend auf die Aufgaben seiner Diözese beschränkt. Doch scheint er dabei den STAUFERN treu geblieben zu sein, denn Papst Innozenz IV. ließ 1244 über den Erzbischof von Mainz und den Bischof von Meißen den Zustand der Erzdiözese Magdeburg uuntersuchen. Nach dem ihm vorgelegten Ergebnis Anfang 1245 hatte der Papst zumindest kurzfristig die Absicht, Erzbischof Wilbrand zu exkommunizieren [197 Lundgreen (wie Anm. 154) Seite 134f. und Seite 135 Anm. 75.]. Doch hat er diese Absicht nicht wahr gemacht. Ob der Papst diese Absicht aufgrund Wilbrands Verbindungen zu FRIEDRICH II. hatte oder  sonstiger Geschehnisse innerhalb der Erzdiözese Magdeburg, läßt sich nicht feststellen. Nach der Absetzung FRIEDRICHS II. auf dem Konzil von Lyon durch Papst Innozenz IV. (17. Juli 1245) und der durch denselbem veranlaßten Wahl des Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen zum deutschen König (22. Mai 1246) wurde Erzbischof Wilbrand am 5. Juli 1246 vom Papst aufgefordert, binnen Monatsfrist vor ihm zu erscheinen. Dieser hat sich weder um diesen Befehl des Papstes gekümmmert noch sich von der staufischen Partei getrennt. Ende 1247 ließ der Papst den widerspenstigen Kirchenfürsten erneut vor sich laden. Dieser scheint der Ladung wiederum nicht gefolgt zu sein, doch sich in der Folgezeit mit der päpstlichen Partei arrrangiert zu haben. Die Bestätigung einer Geldsammlung für die Kurie in der Kirchenprovinz Magdeburg durch Erzbischof Wilbrand läßt diese Entwicklung erkennen (30. Juni 1248). In den folgenden Jahren ist der Erzbischof dann kaum hervorgetreten. Er ließ sich im April 1252 vom König WILHELM in Merseburg belehnen und wurde im Januar 1253 vom Papst in einem Schreiben wegen seiner Ergebenheit gegenüber der Kurie gelobt [198 Ebenda Seite 144.]. Wenige Wochen später starb er am 5. April 1253 [199 Ebenda Seite 146.].
Erzbischof Wilbrand hatte seinen Aufstieg in Magdeburg entweder durch Förderung aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem Burggrafen von Magdeburg aus dem Hause QUERFURT oder seines Bruders Erzbischof Albrecht begonnen. Seine Wirksamkeit war durch die in Magdeburg knapp gewordenen Geldmittel begrenzt, wobei er die Nachbarn in ihren Fehden vom Hochstift Magdeburg fernhalten mußte. Daher befand er sich in einer völlig anderen Situation als sein Bruder Erzbischof Albrecht drei Jahrzehnte zuvor. Erzbischof Wilbrand hat nach dem wiederholten gemeinsamen Auftreten in Urkunden ein gutes Verhältnis zu seinem Bruder Graf Ludolf II. von Hallermund gehabt. Zu seinen Neffen in den Grafschaften Schwarzburg und Käfernburg war die Verbindung dagegen kaum vorhanden [200 Lundgreen (wie Anm. 154) Seite 138 Anm. 93, macht dafür den Altersunterschied und die verschiedenen politischen Meinungen verantwortlich.]. Der Erzbischof hat aber seine Verwandtschaft trotzdem gefördert, was von der bisherigen Forschung völlig übersehen wurde [201 Lundgreen hat in keiner seiner Arbeiten darauf aufmerksam gemacht. Aber auch bei den übrigen einschlägigen Werken ist davon keine Rede.]. Als Propst von Bibra und Domherr zu Magdeburg erscheint ein Albrecht von Schwarzburg im Juni 1244 erstmals urkundlich [202 Vgl. dazu Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae, hrsg. von Otto Dobenecker, Band 3, Jena 1925, Seite 193 Nr. 1170.]. Diese Benefizien hatte Erzbischof Wilbrand innegehabt, bis er 1225 Dompropst wurde. Die Herkunft dieses jüngeren Albrecht blieb in der Forschung unerörtert, obwohl sie eigentlich sehr nahegelegen hätte [203 Schwineköper, Erzbistum (wie Anm. 145)  Seite 371f. gibt keinen Hinweis auf die Herkunft des Domherrn.]. Der Domherr Albrecht von Schwarzburg war nach seinem Vornamen ein Neffe der beiden Erzbischöfe Albrecht und Wilbrand von Magdeburg. Nach seiner Bezeichnung als "von Schwarzburg" ist er diesem sich im frühen 13. Jahrhundert immer deutlicher heraushebenden Familienzweig zuzurechnen und zwar als Sohn des Grafen Heinrich II. Er ist damit wohl mit dem in der Literatur als dessen Sohn erwähnten "Albrecht, Großmeister des Johanniterordens" zu identifizieren [204 Vgl. dazu Apfelstedt (wie Anm. 1) Seite 5; Vater (wie Anm. 1) Stammtafel. Ist bereits dieser Ordensrang für einen deutschen Johanniter des 13. Jahrhunderts auffällig, so ist besonders merkwürdig, daß ein Johanniter Albrecht von Schwarzburg in dem einschlägigen Regestenwerk des Gebiets und der Zeit (wie Anm. 201) überhaupt nicht erwähnt ist. Bei Herrmann (wie Anm. 57) Seite 21, ist er sogar weltlichen Standes geblieben.]. Dieser Domherr Albrecht von Schwarzburg dürfte spätestens um 1210 geboren worden sein. Sein Name deutet darauf hin, daß er unter den Söhnen Graf Heinrichs II. der jüngste ist.
 
 
 

Literatur:
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Eberl Immo: Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft. in: THÜRINGEN IM MITTELALTER. DIE SCHWARZBURGER. Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte Band 3. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Rudolstadt Seite 101-103 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 432 -