Schütz Alois: Seite 3
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"Die Andechs-Meranier in Franken und ihre Rolle in der europäischen Politik des Hochmittelalter"

Die Hauptmasse des Familienbesitzes scheint um die namengebende Burg Schweinfurt gelegen zu haben. Dazu kamen Güter im Aischtal zu Höchstadt, Lonnerstadt, Gutenstetten, Wachenroth, Sambach, Steppach und Etzelkirchen, Streubesitz zu Retzstadt, Ochsenfurt, Frickhausen und Heidingsfeld sowie ein Güterkomplex um den Hof "Rounveldt", der Ursprungssiedlung, wie es scheint, von Grafenrheinfeld an Main. In den östlichen Maingegenden bildeten die Burgen Kronach und Creußen die Mittelpunkte größerer Gutsbezirke, denen auch der ansehnliche Streubesitz in den dazwischenliegenden Gebieten, den späteren Herrschaften Kulmbach und Bayreuth, zugeordnet gewesen sein dürfte. Zur Burg auf dem Banzer Berg gehörte dagegen der Güterkomplex zwischen Main und Itz mit dem großen Lichtenfelser Forst. Ein weiteres Zentrum Schweinfurter Besitzes lag auf der gegenüberliegenden Seite des Mains, aus dem später die Herrschaft Lichtenfels-Giech hervorging. Weiter südlich, im Jura, besaß die Familie Güter um Pottenstein und Tüchersfeld. Möglicherweise gehörte Thurnau gleichfalls zum Hausgut. Auch in den altbayerischen Gegenden links der Donau, auf dem Nordgau, faßten die SCHWEINFURTER Fuß. Hier gehörten ihnen die Burgen Ammerthal bei Amberg und Hersbruck an der Pegnitz sowie Besitz um Nahburg und Cham. Außerdem besaßen sie in Regensburg, am Sitz des bayerischen Herzogs, eine Hofstätte.
Nach Bertholds Tod im Jahr 980 übernahm sein Sohn, Markgraf Heinrich von Schweinfurt, den Besitz und die öffentlichen Ämter des Hauses. Er diente Kaiser OTTO II. und dessen Sohn, OTTO III., ebenso treu wie sein Vater, ließ aber, nachdem König HEINRICH II. 1002 den Thron bestiegen hatte, im Jahr darauf zum Aufruhr verleiten. Die Empörung war rasch niedergeschlagen. Der Markgraf erhielt auch bald wieder die Gnade des Herrschers zurück. Er mußte aber zur Strafe auf seinen Lehensbesitz sowie auf sämtliche Grafschaftsrechte verzichten.
Die Verluste, die das Geschlecht erlitten hatte wurden unter Markgraf Otto von Schweinfurt zum Teil wieder rückgängig geacht. Der Sohn Markgraf Heinrichs, der 1017 seinem Vater in der Herrschaft nachfolgte, erhielt wieder Grafschaftsrechte auf dem bayerischen Nordgau. Er wurde Markgraf der 1040 gegründeten böhmischen Mark. 1048 übertrug ihm Kaiser HEINRICH III. sogar das Herzogtum Schwaben.
Otto von Schweinfurt war mit Irmgard, der Tochter des Markgrafen Maginfred von Susa, verheiratet. Aus ihrer Ehe gingen fünf Töchter, jedoch kein Sohn hervor. Von den Töchtern des markgräflichen Paares trat Heilica in den geistlichen Stand. Sie wurde später Äbtissin zu Niedermünster in Regenburg. Ihre Schwester Beatrix heiratete dagegen den schwäbischen Grafen Heinrich von Hildrizhausen, der sich nach dem Tod Ottos von Schweinfurt den Markgrafentitel beilegte. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor, die alle dem geistlichen Stand angehörten, sowie eine Tochter, die den Namen der Mutter trug und mit einem Grafen von Kappenberg in Westfalen verheiratet war. Eine weitere Tochter, Judith, war zunächst mit dem 1053 abgesetzten Herzog Konrad von Bayern verheiratet. Nach dessen Tod 1055 vermählte sie sich mit dem Pfalzgrafen Boto aus dem Hause der ARIBONEN. Aus ihrer zweiten Ehe stammte eine Tochter Adelheid, die Graf Heinrich von Limburg, den späteren Herzog von Lothringen, heiratete. Judiths Schwester Berta, auch Alberada genannt, ging dagegen die Ehe mit Graf Hermann von Habsberg aus dem Hause der Grafen von Sulzbach ein. Dieser nahm ebenso wie sein Schwager Heinrich von Hildrizhausen den Markgrafentitel seines Schwiegervaters an.
Eine weitere SCHWEINFURTERIN trug den Namen Gisela. Sie soll dem Bericht des "Sächsischen Annalisten" aus dem 12. Jahrhundert zufolge mit dem Grafen Wichmann von Seeburg verheiratet gewesen sein. Im Kloster Kastl behauptete man dagegen zu Beginn des 14. Jahrhunderts, Gisela habe sich mit einem Grafen von Andechs vermählt. Die Aussagen des spätmittelalterlichen Autors aus dem Kloster Kastl werden durch die Angaben des Dießener Stiftsnecrologs bestätigt. Im Totenverzeichnis des Andechser Hausklosters findet sich, vom Stiftsherrn Liutold Anfang des 13. Jahrhunderts eingetragen, zum 22. Februar der Vermerk: "Gräfin Gisela starb". Um die Mitte des 13. Jahrhunderts fügte ein anderer Schreiber hinzu: "Gemahlin des Grafen Arnold".
Als Markgraf Otto von Schweinfurt am 27. September 1057 starb, wurde der Besitz des Hauses unter seiner Witwe und seinen Töchtern aufgeteilt. Die oberfränkischen Güter fielen dabei an die Töchter Berta und Gisela. Die Gemahlin des ANDECHSERS erhielt bei der Erbteilung neben Streugütern im Werngau vor allem Besitzungen des Hauses im Zweistromgebiet um Kulmbach und Bayereuth. Sie wurden die Zentren der meranischen Herrschaft am Obermain.
An Irmgard, die Witwe des Markgrafen, fiel dagegen die Besitzgruppe um Lichtenfels - Giech - Scheßlitz. Die Güter dürften ihr bereits zu Beginn der Ehe als Heiratsgut überschrieben worden sein. Nachdem Irmgard sich bald nach dem Tod des Markgrafen mit dem sächsischen Grafen Ekbert von Braunschweig vermählte, kamen die Besitzungen zunächst an das Haus der BRUNONEN, das allerdings schon 1090 mit Markgraf Ekbert II. von Meißen ausstarb. In den 30-er Jahren des 12. Jahrhunderts war der größte Teil der Güter in der Hand eines Grafen Reginbodo vereinigt, der allem Anschein nach aus dem Hause der Grafen von Wertheim stammte. Daneben lassen sich um diese Zeit vereinzelt auch noch sächsische Besitzrechte in der Gegend feststellen, die offenbar aus der Hinterlassenschaft Irmgards von Susa stammten. Die Güter Irmgards mit Giech und Lichtenfels als ihren Mittelpunkten gelangten später ebenfalls in den Besitz der ANDECHSER.