Adalbert:
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"Fortsetzung des Regino"

Die Jahre 924-928.
 
Im J. d. g. M. 924 verwüsteten die Ungarn das östliche Franken. Die Könige Karl und Heinric kommen bei der Feste Bonn zusammen, schließen Frieden, gehen ein Bündniß ein und Karl kehrt mit dem Versprechen zurück, nie wieder das Lotharische Reich für sich in Anspruch nehmen zu wollen. In demselben Jahre wird er von Heribert ergriffen und ins Gefängniß geschickt.

Im J.d. g. M. 925, während König Heinric das geeinte und beruhigte Lotharische Reich in seiner Gewalt hatte, starb König Karl in dem Gefängnisse, in welchem er gehalten wurde. Er soll ein Mann  von stumpfem Geiste gewesen sein und wenig geeignet für die Erfordernisse der Regierung. Es fallen auch alle von seinem Sohne ab, der nämlich zu der Zeit, als der Vater gefangen wurde, nach Hibernien ausgewandert war, und wählen sich einen gewissen Ruodolf zum König. In demselben Jahre starb Bischof Witger, zu dessen Nachfolger Benno aus den Straßburger Ordensgeistlichen, der früher in den Alpen ein Einsiedlerleben geführt  hatte, erwählt wird.

Im J. d. g. M. 926 verwüsteten die Ungarn ganz Franken, Elsaß, Gallien und Alamannien mit Feuer und Schwert. Burchard Herzog von Alamannien wird in Italien getödtet. Heriger, der des Herrn würdige Kirchenfürst starb. Hildibert der Abt von  Fulda folgte ihm. Das Herzogthum Alamannien wird Herimann übergeben, der Burchards Wittwe zur Frau nahm.

Die Jahre 934-938.
 
934 bewältigte König Heinric die Ungarn in einer großen Niederlage und nahm viele von ihnen gefangen. In demselben Jahre drang er feindlich gegen die Slaven vor, welche Vucranen genannt werden, besiegte sie und machte sie sich zinsbar. Die Kirche des heiligen Maximin stürzte durch Sturm ein; durch des Königs Milde ward den Mönchen die Wahl zurückgegeben, Ougo der bisherige Probst, zum Abte desselben Ortes erwählt und die daselbst nicht nach der Regel lebenden Mönche werden ausgetrieben.

Im  J. d. g. M. 935 wird König Heinric vom Schlage getroffen.

Im J.  d. g. M. 936 wird von mehreren Bischöfen in Thüringen zu Erfesfurd eine Synode gehalten. König Heinric, der den Frieden trefflich gefördert und die Heiden eifrig verfolgt hatte, fand sein  Lebensende, nachdem er viele Siege tapfer und männlich erfochten, die Grenzen seines Reiches überall erweitert hatte, am 2. Juli: sein Sohn Otto wird durch übereinstimmende Wahl der Großen des Reiches zum Nachfolger erkoren. Erzbischof Hildibert verschied: Friedrich folgte auf ihn. Erzbischof Unni verschied; Adaldag folgte auf ihn.

Im J. d. g. M. 937 ward das Kloster des heiligen Gallus und das Kloster des heiligen Bonifacius von Feuer verzehrt. Rudolf, König der Burgunder, und Arnolf, Herzog der Baiern verschieden. Schwerer Bürgerkrieg entsteht zwischen Heinric, dem Bruder des Königs und Eberhard, dem Herzog der Franken um Feindschaften, die sich unter ihren Vasallen gebildet hatten.

Im J. d. g. M. 938 empören sich die Söhne des Herzogs Arnolf gegen den König aus Ehrgeiz wegen des Herzogthums; sie zu bekämpfen ging er selbst nach Baiern; aber nicht im Stande sie, wie er wollte, zum Frieden zu bringen, kehrt er zurück. Inzwischen wird Heinric, der Bruder des Königs, von Eberhard in der Feste Badalikki verhaftet, nachdem er aber ziemlich rasch befreit worden, Eberhard in die Verbannung nach Hildinesheim geschickt. Und wiederum kehrte der König nach Baiern zurück, unterwarf sich Alle und sendete Eberhard Arnolfs Sohn, der widerspenstiger als die Uebrigen war, in die Verbannung. Die Ungarn wurden wiederum von den Sachsen mit großem Blutvergießen geschlagen.

Das Jahr 939.
 
Im J. d. g. M. 939 wird Eberhard aus der Verbannung entlassen und das  ganze Land mit Feindseligkeiten und Empörung erfüllt. Denn Eberhard und Gisalbert verschwören sich mit Heinric, dem Bruder des Königs gegen den König, aber auch einige verbrecherische und Gott verhaßte geistliche Männer einigen sich mit ihnen in Parteiung und brachten an verschiedenen Orten alle Rechte des Friedens und der Eintracht in Verwirrung. Wie da der König die Lothringer angreift, bei denen damals die Empörung vorzüglich ihren Sitz hatte, trifft Gisalbert, als er mit des Königs Bruder den Uebergang über den Rhein wehren wollte, und es  nicht vermochte, bei Biertana mit den Bundesgenossen des Königs zusammen, denen Gott den Sieg verlieh, und nachdem Mehrere von den Seinen getödtet und Andere in die Flucht geschlagen waren, sucht er selbst und des Königs Bruder Schutz in der Flucht. Der König gelangte sie verfolgend bis nach Caprimons und schloß die dortige Burg ringsum ein. Inzwischen drang Ludwig, der König des romanischen Galliens, Karls Sohn auf den Rath der Feinde des Königs unter dem Vorgeben das lotharische Reich wieder zu gewinnen, das sein Vater verloren hatte, ins Elsaß ein, wo er, so viel er vermochte, mehr feindlich als königlich sich benahm. König Otto ertrug das nicht ruhig, hob die Belagerung von Caprimons auf, rückte gegen das Elsaß und vertrieb König Ludwig. Nach seiner Vertreibung belagerte er die sehr feste Burg Brisaca. Wie viel kriegerische Heldenthaten da von beiden Seiten geschehen sind, wird der Folge  nachkommender Geschlechter unverborgen bleiben. Frideric der Erzbischof von Mainz und Ruodhard der Bischof von Straßburg, welche ihre Zelte unter den Belagerern aufgeschlagen, flohen heimlich in der Nacht, ließen das Gepäck der Truppen, das sie mitgebracht, zurück und hofften, indem sie nach Metz gingen, wie sie sich verschworen, Gisalbert und Heinric zu begegnen. Doch ganz anders geschah ihnen, da die eitelste Hoffnung sie täuschte, denn Gisalbert und Eberhard wurden, als sie bei der Feste Anternac mit den Ihrigen über den Rhein setzen wollten, von den Grafen Udo und Chuonrad und den übrigen Getreuen des Königs am Uebergange durch kriegerischen Kampf und ein schnelles  Ende verhindert; Eberhard nämlich wurde erschlagen und Gisalbert kam um, indem er im Rheine ertrank, und die meisten ihrer Genossen wurden getödtet, die übrigen aber in die Flucht geschlagen oder gefangen. Auf diese Nachricht unterwerfen sich die Burgleute von Brisaca den königlichen Geboten und die Burg wird der Belagerung ledig. Darauf griff der König wieder die Lothringer an und unterwarf sie alle seiner Herrschaft. Aber auch seinen Bruder, der die Waffen weggeworfen hatte und zuihm gekommen war, nahm er in gewohnter Milde wieder auf;  denn er verzieh ihm Alles, was er gegen ihn begangen und behielt ihn in brüderlicher Liebe bei sich. Nachdem alle Lothringer  unterworfen waren, versuchte der Bischof von Metz eine Zeitlang zu  widerstehen, daher er auch die Kapelle des Herrn Kaisers Ludwig des Frommen in Theodonis Villa, welche wie die von Achen  begonnen war, zerstörte, damit sie nicht vollendet oder als Befestigung betrachtet würde. Doch verharrte er nicht sehr lange in dieser Empörung; denn das ganze Land wird alsbald unter Gottes Beistand, wie aus innerster Herzenstreue zum Könige bekehrt, und nachdem die Feinde unterdrückt waren, Frieden und Eintracht erneuert, Erzbischof Frideric in das Kloster Fulda geschickt, Ruodhard von Straßburg in das Kloster Corbeia entsendet. Während das Erzählte geschieht, weilt die Frau  Königin Edgid im Kloster Lauresham. In derselben Zeit wird Dankmar der Bruder des Königs von einem Kebsweibe, als er sich empörte, in der Burg Eresburg erschlagen, und die übrigen  Anhänger desselben verstümmelt oder erhängt. Diese Bewegung stürmte nicht nur in einer, sondern in allen Provinzen von Sachsen und Franken hin und wieder. Der Sachse Wigmann, der sich empört, wird wieder versöhnt. König Ludwig nahm Gerbirga, Gisalberts Wittwe, zur Frau.

Die Jahre 944-946.
 
Im J. d. g. M. 944 hielt der König bei Diusburg in den Rogationen einen Tag mit den Großen der Lothringer und Franken, wo auf das Betreiben des Herzogs Chuonrad, Ruotbert, der Erzbischof von Trier und Richar der Bischof von Tongern, der Untreue bei dem Könige beschuldigt werden, aber in Kurzem werden sie von dem ihnen vorgeworfenen Verbrechen freigesprochen. Dahin wurde auch von den Geistlichen von Mastricht der Körper des heiligen Servatius wegen der vielfältigen Unbilden gebracht, die ihm von dem Grafen Immo zugefügt waren. Die Ungarn werden von den Baiern und Kärntnern bei dem Orte Weles in einer solchen Niederlage hingestreckt, daß sie nie vorher von den Unsrigen auf gleiche Weise besiegt wurden. Graf Adalbert, der Sohn Matfrids, wird von Ido erschlagen.

Im J. d. g. M. 945 verschied Bischof Richar; Ougo, der Abt von Trier folgte ihm im Bisthum. Die Herzöge Herimann und Chuonrad,  die gewisse Zwistigkeiten mit einander hatten, sind in Gegenwart  des sehr frommen Königs in Cassella wieder versöhnt worden. Bertald der bairische Herzog verschied. Heinric, des Königs Bruder folgte ihm im Herzogthume.

Im J. d. g. M. 946 ging König Ludwig, von den Seinen aus dem Königreiche vertrieben, den König Otto Hilfe bittend an und erlangte sie, wie er gewünscht hatte; denn mit starker Kriegsmacht begab  sich der König nach Gallien, ließ die Remensische Stadt und Laudunum und mehrere andere sichere und befestigte Plätze dem Könige zurückgeben, er selbst gelangte mit dem Kriegsheer bis nach  Rothomagum. Nachdem hierauf, mit Ausnahme von Ruodberts Sohn Hugo fast alle Große des Reiches ihrem Könige unterworfen worden waren, kehrt er in die Heimath zurück.

Die Jahre 947-949.

Im J. d. g. M. 947 verschied die Frau Königin Edgid, welche unter größtem Wehklagen des Königs und all der Seinen in Magdeburg  begraben wird. Herzog Chuonrad, dem Könige in dieser Zeit fast  vor Allen theuer, heirathete Liutgarda des Königs Tochter. Liutolf der Sohn des Königs, vermählte sich mit Ita der Tochter Herzog Herimanns mit solchem Aufwand, wie sich geziemte.

Im J.  d. g. M. 948 wird in Inglenheim eine Synode von 34 Bischöfen  gehalten, welcher unter Vorsitz des Bischofs Marinus, des Legaten der römischen Kirche, die berühmten Könige Otto und Ludwig  beiwohnten. Hier wurden viele Dinge zum Vortheil der Kirche verkündet und auch die Sache Hugos, des Sohnes Heriberts verhandelt, der den Erzbischof Artald vertrieben und den Sitz der Reimser Kirche eingenommen hatten nach dem Urtheile aller anwesenden Bischöfe wurde er verurtheilt. Graf Chuonrad, der Curcibold genannt wurde, der Sohn Eberhards, ein weiser und  verständiger Mann, verschied .

Im J. d. g. M. 949 verschied Waldo, der Bischof von Curia, dem Hardbert folgte. Graf Uto verschied, der mit Erlaubniß des Königs unter seine Söhne wie ein Erbe vertheilte, was er an Lehen und Aemtern  besaß. Herzog Herimann der weiseste und verständigste unter den Seinen, verschied am 10. December. In demselben Jahre wird Liutolf, dem Sohne des Königs, eine Tochter Mathildis geboren.