Begraben: vermutlich Johanneskirche in Wannweil (nördlich von Reutlingen)
Sohn des Pfalzgrafen Berchthold I. von Schwaben
und der NNw. von Schwaben-Elsaß, Tochter des Grafen Erchanger
Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 2123
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Erchanger, Pfalzgraf aus der Sippe der ALAHOLFINGER
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+ 21. Januar 917
Begraben: vermutlich Johanneskirche in Wannweil (nördlich von Reutlingen)
Wohl Sohn des Pfalzgrafen Berthold und verwandt mit dem oberrheinischen Grafengeschlecht der ERCHANGARE, aus dem Richgard, die Frau Kaiser KARLS III., stammte. 912/13 erscheint Erchanger mehrfach im Gefolge KONRADS I. in Schwaben, am Mittelrhein und im Elsaß; dabei wird ihm einmal urkundlich der Titel Pfalzgraf zuerkannt, während nach einer späteren Überlieferung Erchanger und sein Bruder Berthold als "Kammerboten" das dem König unmittelbar unterstehende Schwaben verwaltet haben. Wenn auch der genaue Umfang des Pfalzgrafenamtes strittig ist (nur Bereich der zentralen Pfalz Bodman oder ganz Schwaben?), so kam ihm doch unzweifelhaft eine große Bedeutung in der Vorgeschichte des schwäbischen Herzogtums am Anfang des 10. Jh. zu. Nach dem Tod des der Rheinauer Stifterfamilie entstammenden Pfalzgrafen Gozbert 910 strebten sowohl die HUNFRIDINGER Graf Burchard und sein gleichnamiger Sohn als auch Erchanger nach der Vorherrschaft in Schwaben, stießen dabei jedoch auf den Widerstand Bischof Salomos III. von Konstanz als Sachwalter des Königtums. Ein erstes Zerwürfnis mit KONRAD I. (913) endete mit einer Versöhnung zwischen Erchanger und dem König, der durch einen Sieg über die Ungarn seine Stellung in Schwaben gefestigt hatte (Heirat König KONRADS mit Erchangers Schwester Kunigunde). 914 allerdings spitzte sich der Konflikt zu: Erchanger, von seinen Stützpunkten Bodman, Stammheim und Hohentwiel aus agierend, nahm Salomo gefangen, wurde dann aber selbst von KONRAD I. in der Burg Oferdingen am Neckar festgesetzt und daraufhin des Landes verwiesen. 915 heimgekehrt, errang Erchanger zusammen mit seinem Bruder Graf Berthold und mit dem jüngeren Burchard einen Sieg bei Wahlwies nahe Bodman über seine schwäbischen Gegner und wurde zum dux erhoben. Ein Jahr später verurteilte die Synode von Hohenaltheim Erchanger wegen seiner Vergehen an König und Bischof jedoch zur Klosterhaft. Bei einem erneuten Versuch, mit dem König zu einer Vereinbarung zu kommen, wurden Erchanger und sein Bruder auf KONRADS Befehl in Ötlingen bei Kirchheim unter Teck (?) getötet.
Literatur:
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NDB IV, 566f. [Lit.] - Th.L. Zotz, Der Breisgau
und das alem. Hzm. (VuF Sonderbd. 15, 1974) - H.W. Goetz, "Dux" und "ducatus",
1977 - H. Maurer, Der Hzg. v. Schwaben, 1978 - O.P. Clavadetscher, Wolfinus
Cozperti palatini comitis (Fschr. J. Duft, 1980) - M. Borgolte, Die Grafen
Alemanniens in merow. und karol. Zeit [im Dr.].
ERCHANGER
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+ 917 hingerichtet
Pfalzgraf von Schwaben
Erchanger war "Kammerbote"
und Verwalter der Reichsgüter in Schwaben. Er stritt mit den
HUNFRIDINGERN um den Vorrang und das Herzogtum in Schwaben und unterstützte
bis 911 den Bischof Salomo III. von Konstanz. Nachdem die BURCHARDINGER
ihre Vormachtstellung eingebüßt hatten, waren Erchanger
und
Berchthold
die einflußreichsten Grafen in Alemannien. Mit
König
KONRAD scheinen sich die beiden Brüder anfangs gut vertragen
zu haben, denn Erchanger
begegnet mehrmals
in den Diplomen als "comes",912 sogar einmal als "comes palatii".
Er war also damals Vertreter des Königtums in Schwaben. Den ersten
Streit gab es 913. Den Grund der Unzufriedenheit der Brüder bildeten
die allzu zahlreichen Vergabungen von Krongut an den Bischof Salomo III.
von Konstanz, weil dadurch ihre eigenen Einnahmen geschmälert wurden.
Außerdem kam nach dem durch ihre Mitwirkung herbeigeführte Sturz
Burchards ihr Streben nach der herzoglichen Gewalt hinzu, der der Bischof
feindlich gegenüber stand, wobei das Beispiel ihres Neffen
Arnulf als Vorbild diente. Man versöhnte sich jedoch bald
wieder und
KONRAD heiratete als "Unterpfand
des Friedens" die verwitwete Schwester Erchangers
und Berchtholds, Kunigunde,
die Mutter Arnulfs von Bayern. Er bekriegte
anschließend Bischof Salomo, den erbittertesten Gegner jeder herzoglichen
Gewalt, und setzte ihn 914/15 auf dem Burg Diepoltsburg am Neckar,
seiner Stammburg, gefangen, worauf es zum endgültigen Bruch mit dem
König kam. Dieser griff nun ein, bemächtigte sich Erchangers
bei der Burgfeste Oferdingen und wies ihn aus dem Lande. Hierdurch
erlangte Bischof Salomo seine Freiheit zurück. Er hatte den Hohentwiel
befestigt, der aus diesem Anlaß erstmals als Herzogsburg Schwabens
genannt wurde, und schlug 913 in der Schlacht am Inn mit seinem Bruder
Berchthold,
seinem Neffen Arnulf von Bayern
und
dem Grafen Udalrich die Ungarn zurück. Er wurde mit dem Bruder zum
Neffen nach Bayern verjagt, einigte sich mit Herzog Burchard II., kehrte
zurück und schlug den königlichen Schwager 915 von Wahlwies bei
Stockach im Hegau und wurde vom siegreichen Heer auf dem Schlachtfeld zum
Herzog
von Schwaben ausgerufen. Er blieb ein schroffer Gegner Salomos, zumal
er kirchliche Güter für seine Anhänger konfiszierte.
KONRAD
schien
sich zunächst damit anfinden zu wollen, aber als die Brüder Erchanger
und Berchthold, seine Schwäger, der Ladung zu einer Reichsversammlung
Folge leisteten, ließ er sie festnehmen, auf der Synode zu Hohenaltheim
zu lebenslanger Kirchenbuße verurteilen und im Januar 917 hinrichten.
Ihre Güter fielen dem Staate zu mit Ausnahme derjenigen, welche zum
Leibgedinge von Erchangers Gemahlin
Bertha
gehörten.
Er oder sein Bruder können agnatisch (oder kognatisch)
Vorfahren der ZÄHRINGER sein.
Die Jahre 917-919.
Im J. d. g. M. 917 gelangten die Ungarn durch Alamannien ins Elsaß und bis zu den Grenzen des Lotharischen Reiches. Erchanger und Berahtold werden enthauptet. Arnulf der Herzog der Baiern empört sich gegen den König.
6) Salomon III. von Constanz wurde von dem Schwabenherzog
Erchanger gefangen. Beide Nachrichten aus den größeren Annalen
von St. Gallen übergegangen.
911. Der junge König
Ludwig stirbt und wird in Regensburg begraben. Da in unseren
Landen der königliche Stamm zu Ende war, wurde nach ihm
Konrad, der Sohn Konrads, zum König gewählt und gesalbt,
und regierte 7 Jahre. Herzog Burchard von Alamannien wird auf seinem Landtag
bei einem Aufruhr erschlagen; an seiner Stelle riß Erchanger das
Herzogtum
an sich [10 In den zeitgenössischen Quellen erhalten weder
Burchard noch Erchanger den Herzogstitel.].
914. Salomon, der Bischof von Konstanz und Abt
des Klosters St. Gallen, wird von einem Verwegenen gefangen und in Haft
gebracht. In Reichenau regierte nach Hugo Thieting als 19. Abt 3 Jahre.
917. Nachdem die Ungarn, wie begonnen, Alamannien
verheert haben, zerstören sie Basel, fallen von dort aus nach Verwüstung
des Elsaß in Lothars Reich ein
und tun viel Üblers. Erchanger, der sich in das Herzogsamt
von Alamannien eingedrängt hatte, und sein Bruder Berthold
lehnen sich gegen König Konrad
auf, kommen schließlich in der Hoffnung auf einen Vertrag zur Unterwerfung
zu ihm und werden auf seinen Befehl bei dem Dorf Aldingen am 21. Janaur
enthauptet.
oo Bertha
- nach 917
Literatur:
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