Burchard I.                                      Herzog von Schwaben (909-911)
--------------                                      Markgraf von Rätien
855/60-5.11.911 hingerichtet          Graf im Thurgau und der Baar
 
 

Sohn des Grafen Adalbert II. der Erlauchte im Thurgau; Urenkel des Markgrafen Hunfried I.
 

Schwennicke, Detlef: Tafel 23
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"Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band XII, Schwaben"

BURCHARD I.
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    + gefallen (5.XI.) 911

891/911 MARCHIO in Rätien
893 GRAF in der Baar
909 DUX (HERZOG) von SCHWABEN

  oo N.N.



Thiele, Andreas: Tafel 20
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

BURCHARD
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    + 911 hingerichtet

Markgraf von Rätien, Graf im Thurgau un der Baar

Burchard strebte auch nach der Herzogswürde und geriet gegen Pfalzgraf Erchanger und Bischof Salomo von Konstanz (vgl. oben). Er wurde auf einem schwäbischen Landtag für schuldig des Hochverrats gefunden und auf Betreiben des Grafen Anselm von Nagold (= Stamvater der Pfalzgrafen von Tübingen und Grafen von Montfort) mit dem Bruder Adalbert hingerichtet. Weltliche Große und die Kirche waren entschieden gegen jede herzogliche Zwischengewalt.

  oo um 882
       LIUTGARD VON SACHSEN (?)

Tochter des Herzogs Liudolf, Witwe Königs Ludwigs III. (Ehe hypothetisch, auf Grund etlicher Indizien jedoch denkbar)



Burchard I. folgte dem WELFEN Ruadulf als dux in Rätien, dem keine Grafen unterstellt waren. 903 erschien er in dem DLK 20 als "marchio Curiensis Retiae", während er in einer Privaturkunde aus St. Gallen vom 28. Dezember 909 den Titel "dux" erhielt. Der angeführte "dux"-Titel bezog sich dabei nicht auf Schwaben, sondern auf Rätien, wo die Abtei Pfäfers lag. Der Titel "dux" und "marchio" bezog sich dabei auf die Verwaltung des Grenzgebietes Rätien. Neben Rätien verwaltete er auch noch eine Grafschaft im Baar, für die er den "comes"-Titel führte. Gegen die Annahme des schwäbischen Herzogstitel spricht auch die Tatsache, dass die von mehreren Bischöfen und Grafen besuchte Versammlung in St. Gallen vom 28. Dezember 909 nicht von Burchard geleitet wurde. In einem Tauschvertrag von 904 begegnete er schließlich als Vogt der schwäbischen Güter des Klosters Lorsch. Im Jahre 910 kämpfte ein schwäbisches Heer gegen die Ungarn, wobei Graf Gozbert an der Spitze des Aufgebotes stand. Burchard war um die Jahrhundertwende der mächtigste und angesehenste Große in Schwaben, strebte nach der Herzogswürde und geriet gegen die AHALOLFINGER und den Bischof Salomo III. von Konstanz, die Anhänger des späteren Königs KONRAD I. waren. Gegen Burchard I. setzten KONRAD und Salomo nicht nur die eigenen Kräfte, sondern auch die von ihnen usurpierte königliche Autorität ein. Burchard unterlag, wurde auf einem schwäbischen Landtag des Hochverrats für schuldig befunden und auf Betreiben des Grafen Anselm von Nagold (Stammvater der Pfalzgrafen von Tübingen) mit dem Bruder und seiner zur karolingischen Reichsaristokratie mit weitreichenden Verwandtschaftsbeziehungen gehörenden Schwiegermutter Gisela hingerichtet; der junge Burchard und seine Frau Regilinde konnten zu ihrer Verwandtschaft nach Italien fliehen, verloren aber ihren Besitz in Schwaben und Rätien. Die Beseitigung Burchards scheint fast als eine Vorbedingung für das Königtum KONRADS, der Weihnachten 911 am Bodensee verbrachte und Kunigunde, die Schwester Erchangers und Witwe Liutpolds von Bayern, heiratete, gewesen zu sein.
Während die Annales Alamannici berichten, Burchard sei nach einem ungerechten Urteile von Anselm getötet worden, ist er nach Hermann von Reichenau in einem Tumult umgekommen, der bei einer von ihm selbst einberufenen Versammlung entstanden war.


Hermann von Reichenau: Seite 630
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"Chronicon." in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI

911. Der junge König Ludwig stirbt und wird in Regensburg begraben. Da in unseren Landen der königliche Stamm zu Ende war, wurde nach ihm Konrad, der Sohn Konrads, zum König gewählt und gesalbt, und regierte 7 Jahre. Herzog Burchard von Alamannien wird auf seinem Landtag bei einem Aufruhr erschlagen; an seiner Stelle riß Erchanger das Herzogtum an sich [10 In zeitgenössischen Quellen erhalten weder Burchard noch Erchanger den Herzogstitel.].

Dümmler Ernst: Band II Seite 566-567
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"Geschichte des Ostfränkischen Reiches"

Erst am Ende der Regierung Ludwigs versuchte auch in Schwaben einer der mächtigsten unter den Großen des Landes dem Beispiel zu folgen, welches Adalbert mit unglücklichem, Arnolf mit glücklichem Erfolg ihm gegeben hatten. Burchard, der Sohn Adalberts und Urenkel eines Hunfrid, der unter KARL DEM GROSSEN und LUDWIG DEM FROMMEN die rätische Mark verwaltete, ebenfalls Markgraf von Rätien oder Churwalschen und Graf im Baar erscheint mit seinem Bruder Adalbert, dem Grafen vom Scherragau und Thurgau zusammen unter der späteren Regierung ARNOLFS sowie unter seinem Sohne als einer der angesehnsten alamannischen Grafen. Er wird in den Urkunden Ludwigs des Kindes mit Auszeichnung erwähnt und erhielt von ihm die Abtei Pfäfers zur Nutznießung, die er jedoch bald wieder dem Altbischof Salomon abtrat.
Seine ehrgeizigen Bestrebungen führten zu einem gewaltsamen Ende: auf einem schwäbischen Landtage im Herbst des Jahres 911 wurde Burchard, der Graf und Fürst der Alamannen, wie ihn der Jahrbuchschreiber nennt, nach dem ungerechten Urteil eines gewissen Anselm getötet, nach anderen Angaben in wildem Volksgetümmel erschlagen. Seiner Witwe wurden alle ihre Güter entzogen, seine Söhne Burchard und Udalrich des Landes verwiesen, ihre Eigengüter sowohl als ihre Lehen unter die Gegner verteilt. Sein Bruder Adalbert, der Graf vom Thurgau wegen seiner Gerechtigkeitsliebe allgemein geachtet, erlitt auf Anstiften des Bischofs Salomo und anderer Feinde gleichfalls den Tod. Sogar der Schwiegermutter des jüngeren Burchard, Gisla, wurden, während sie auf einer Wallfahrt nach Rom begriffen war, alle ihre Besitzungen genommen und verteilt. Nach ihrer Heimkehr rechtfertigte man dies Verfahren in der schmählichen Weise durch falsche Zeugnisse und verurteilte auf einer Versammlung zu Bodman daraufhin die Beraubte nachträglich als Hochverräterin.

Stälin Paul Friedrich: Seite 127,175
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"Geschichte Württembergs"

Zuerst strebte hier nach der herzoglichen Gewalt Burchard, Urenkel eines Hunfrid, der unter KARL DEM GROSSEN und LUDWIG DEM FROMMEN die rätische Mark verwaltet hatte, selbst auch Markgraf von Rätien, im Jahre 889 als Graf in der Baar genannt. Mit seinem Bruder Adalbert hatte er in den Zeiten Kaiser ARNULFS und König Ludwigs zu den angesehensten schwäbischen Grafen gezählt. Allein er unterlag im Jahre 911: "nach dem ungerechten Urteilsspruch eines gewissen Anselm", vielleicht eines Ahnherrn der Tübinger Pfalzgrafen, wurde er, "der Graf und Fürst der Alamannen", wie sich ein Burchard und seiner Familie geneigter St. Gallener Zeitgenosse der Begebenheit etwas dunkel ausdrückt, "unter dem Vorwurf der Bedrückung getötet", während er zufolge dem Bericht des ziemlich jüngeren Hermann von Reichenau auf einem Landtag, den er abhielt, in wildem Volksgetümmel erschlagen worden wäre. Auch seine ganze Familie traf schwere Verfolgung. Seine Söhne Burchard und Ulrich wurden des Landes verwiesen, ihre Eigengüter sowohl als ihre Lehen unter die Gegner verteilt, seine Witwe wurde aller Güter entsetzt, sein Bruder Adalbert, der wegen seiner Gerechtigkeitsliebe allgemein geachtet war, erlitt auf Anstiften besonders des Bischofs Salomo den Tod. Selbst die Schwiegermutter des  jüngeren Burchard verlor, auf falsche Zeugnisse hin als Hochverräterin verurteilt, ihre ganze Habe.

Holtzmann Robert: Seite 42
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"

Tatsächlich finden wir denn auch in Schwaben zwei Geschlechter, die um das werdende Herzogtum rangen, die ALAHOLFINGER aus dem Lande nördlich des Bodensees und die HUNFRIDINGER aus Rätien, Nachkommen jenes Markgrafen Hunfrid, dessen wir schon einmal gedachten. Hunfrids Urenkel Burchard I. gehörte um die Jahrhundertwende zu den mächtigsten Herren  in Schwaben. Als er aber nach dem Herzogtum griff, stellten sich ihm die ALAHOLFINGER entgegen. Auch bei der schwäbischen Geistlichkeit, deren Haupt der gebildete und tatkräftige Bischof Salomon III. von Konstanz war, stieß Burchardauf Gegnerschaft, wie die Geistlichkeit überhaupt die Bildung der Herzogtümer zu unterbinden suchte. Und als Burchardim Jahre 911 wirklich, auf seine Anhänger gestützt, die Herzogswürde über ganz Schwaben übernahm, unterlag er. Er wurde auf einem schwäbischen Landtag vor Gericht gestellt, verurteilt und hingerichtet, seine Söhne Burchard II. und Udalrich des Landes verwiesen.
 
 
 
 

     882
  1. oo 2. Liutgard von Sachsen, Tochter des Liudolf dux (Nach Decker-Hauff)
               840/50-17.11.885

           867
        1. oo Ludwig der Jüngere König von Ostfranken
                 835-20.1.882
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Burchard II.
  883/84-28.4.926

  Udalrich
  884/85-30.9.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 35,38,40,46,52 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 28 - Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 12,26,31,79,85-87,111,141,171, 204,266,268 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 157,159,162, 197,205,237,256 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 121,132,144/45,158,166,176/7,213,390/91, 529,599,624/25,752/53,760,784/85,1104/05,1114 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 567,591,594,606,609 -
Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 Band 1 Seite 165,176,178 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 630 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seit 66 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 47,65-67,71 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 42,62 - Maurer, Helmut: Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1978  Seite 30,36,48,129 - Meyer-Marthaler, Elisabeth: Rätien im frühen Mittelalter. Eine verfassungsgeschichtliche Studie, Verlag Leemann Zürich  1948 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 542, 561,617,627 - Rappmann Roland/Zettler Alfons: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998 Seite 440,443-445,465, 484 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 268,271 - Rogge, Helmuth: Das Verbrechen des Mordes begangen an weltlichen deutschen Fürsten in der Zeit von 911 bis 1056. Dissertation Berlin 1918, Seite 15-20 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 108 - Schulze Hans K. Schulze: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 126 - Schwennicke, Detlef: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band XII, Schwaben, Verlag von J.A. Stargardt Marburg 1984 Tafel 23 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 20 - Weller, Karl: Geschichte des schwäbischen Stammes bis zum Untergang der Staufer. München und Berlin 1944 - Wolf Armin: Zur Königswahl Heinrichs II. im Jahre 1002. Verwandtschaftliche Bedingungen des Königswahlrechts. in: Genealogisches Jahrbuch Band 42 Verlag Degener & Co. Neustadt a.d.Aisch 2002, Seite 69,72 - Zettler, Alfons: Geschichte des Herzogtums Schwaben. Verlag W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 2003 Seite 78,80-83,87,109,113-116, 118,120 -