Bühler, Heinz: Seite121,166
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"Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze."

Da mehrere Kinder unverheiratet bzw. früh verstorben sind, eine Tochter sich nach dem Hennegau, eine andere sich nach Ostfranken verheiratete und der Sohn BERENGAR König von Italien, ja schließlich sogar Kaiser wurde (+ 924), dürften in erster Linie die Abkömmlinge der Tochter Judith, die man nach ihrem Erbgut "von Balingen" nennen könnte (+ um 870), als Erben der schwäbischen Güter Ludwigs des Kindes in Frage kommen. Judiths Gemahl ist vorläufig noch unbekannt; unseres Erachtens müßte er der Sippe angehören, die Kloster Rheinau bei Schaffhausen gegründet hat [55
Die früher weit verbreitete Ansicht L. Schmidts (Ältere Geschichte der Hohenzollern I, 1884 Seite 306f. Anm. 95f.), Judith sei mit dem HUNFRIDINGER Adalbert dem Erlauchten (+ 894) vermählt gewesen, können wir ebensowenig zustimmen wie der Auffassung von Prof. Dr. Hansmartin Decker-Hauff, Ottonen und Schwaben (Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte XIV, 1955, Seite 308 und Tafel Seite 293), der Judith mit Heinrich von Ostfranken (+ 886) vermählen wollte; letzterer ist eher der Gemahl von Judiths Schwester Angiltrud [K. A. Eckhardt, Genealogische Funde, 1963; Seite 50.]. An Hand der Ortsgeschichte von Balingen glauben wir nachweisen zu können, daß Judith "von Balingen" die Mutter jener Gisela war, die im Jahre 911 als Mutter der Herzogin Reginlind und damit als Schwiegermutter Herzog Burchards I. von Schwaben (917-926) bezeugt ist. Gisela [57 Gisela ist unseres Erachtens eine Schwester der beiden Grafen Eberhard und Berengar zu 888 (Dipl. Arn. Nr. 37), keinesfalls die Gemahlin Eberhards, wie seit Neugart fast allgemein angenommen wurde, so auch von Decker-Hauff a.a.O- Seite 291 mit Anm. 209 a und Seite 293 und Hans Kläui, Geschichte von Oberwinterthur im Mittelalter, 1968-1969, Seite 55.] bzw. ihre Tochter Reginlind waren somit Erben Ludwigs des Kindes und damit Teilerben des karolingischen Hausbesitzes in Schwaben. Reginlind brachte ihrem Gemahl, Burchard I., nicht nur ehemals karolingischen Hausbesitz zu, der damit schwäbisches Herzogsgut wurde; sie vermittelte ihm zugleich auch den Anspruch auf das Herzogtum in Schwaben, einen Anspruch, der legitimer war als der Anspruch seines Vaters Burchard (+ 911) und der seines Rivalen Erchanger (+ 917). Das nunmehrige Herzogsgut erbten die Kinder der Reginlind, in erster Linie ihr Sohn, Herzog Burchard II., der Mitbegründer des Klosters auf dem Hohentwiel, sowie ihre Tochter Berta, die Gemahlin König Rudolfs von Burgund (+ 937). Nach dem kinderlosen Tode Burchards II. 973 fiel sein Erbteil gleichfalls den Nachkommen seiner Schwester Berta zu. Daraus erklärt sich das Anrecht OTTOS III. am Hohentwiel; denn er war ein Urenkel Bertas. Durch Berta wurde also die Masse dessen, was einst karolingisches Königsgut, dann burchardingisches Herzogsgut war, in den Händen der burgundischen WELFEN wieder vereinigt.
Placidius Braun nahm an, Dietpirch seine eine Tochter des Markgrafen Burchard (+ 911) und damit eine Schwester des Herzogs Burchard I. gewesen. Er stützt sich offenbar auf die Überlieferung der Klöster Heiligkreuz in Donauwörth und St. Ulrich in Augsburg. Ihm folgten Chr. F. Stälin, A. v. Streichele und Fr. Zoepfl. Bischof Ulrich wäre demnach ein Schwestersohn des Herzogs. Hansmartin Decker-Hauff setzte Dietpirch eine Generation früher an und machte sie zur Schwester des Markgrafen Burchard (+ 911). Demnach wäre Ulrich ein richtiger Vetter Herzog Burchards I.