Adolf III.                                                   Graf von Holstein-Wagrien (1164-1225)
-----------
um 1160-3.1.1225
 

Einziger Sohn des Grafen Adolf II. von Holstein-Wagrien und der Mechthild von Schwarzburg-Käfernburg, Tochter von Graf Sizzo III.
 

Adolf III. folgte 1164 dem Vater unter der Vormundschaft seiner Mutter. Er war eine Stütze Heinrichs des Löwen, begleitete ihn auf dessen Feldzug gegen den Erzbischof von Köln, machte die Schlacht bei Halerfeld mit und bekam damals die entscheidenden Rechte im Mittelwesergebiet von Heinrich, die zur Basis des Territorialstaates Schauenburg wurden. Er fiel 1180 von Heinrich dem Löwen ab, wurde von diesem aus Holstein verjagt, kehrte 1181 durch den erfolgreichen Reichskrieg BARBAROSSAS zurück und schlug den herzoglichen Parteigänger Graf Konrad von Rhoden zurück. Er gründete 1188 am westlichen Alsterufer (im heutigen Hamburg) eine Markt- und Handelssiedlung, die durch ein kaiserliches Diplom (7.5.1189) weitgehende Handels- und stadtrechtliche Privilegien bekam. Das kaiserliche Diplom kann als Gründungsurkunde der späteren Hansestadt Hamburg angesehen werden. Er führte ständig Kriege gegen die Slawen und die Herzöge von Schleswig, gegen Dänemark und die Erzbischöfe von Bremen, gewann Grafenrechte in Dithmarschen dazu und wurde 1189-1191 vom widerrechtlich zurückgekehrten Heinrich dem Löwen erneut verdrängt, zumal sich Adolf auf dem 3. Kreuzzug befand. Er bekam 1191 Lübeck als Lehen dazu, war 1196-1198 erneut in Palästina, verhinderte 1199 die Eroberungsversuche König Knuts VI. in Hamburg und verlor Dithmarschen und Rendsburg. Er gewann 1201 Ratzeburg nach dem Erlöschen des Hauses BADWIDE, dazu auch Lauenburg. Er unterstützte jahrelang den Prinzen Waldemar, Erzbischof von Bremen, und erhielt von ihm Dithmarschen zugesprochen. Er machte sich durch sein prunksüchtiges Wesen den einfachen Bauernadel zum Gegner, der sich an Dänemark wandte, wurde 1201 in der Schlacht bei Stellau gefangengenommen und verzichtete 1203, um freizukommen, auf Holstein und Wagrien zugunsten des Grafen Albrecht von Weimar-Orlamünde. Er zog sich nach Schauenburg zurück, baute hier die Territorialherrschaft konsequent aus, gewann unter anderem Stadthagen und Rhoden und stand besonders gegen die Bischöfe von Paderborn und Minden wegen deren Lehensrechte in Schauenburg. Weltliche Gegner waren besonders Schwalenberg, Ravensburg und Lippe. Er war auch zeitweise am kaiserlichen Hof um Hilfe gegen Dänemark, wurde dort 1223 wieder gefangen und mußte erneut verzichten.
 

Karl Jordan: Seite 116,200,205-208,217,221-225,227
**********
"Heinrich der Löwe"

Die Vormundschaft über den unmündigen Grafen Adolf III. von Holstein, die zunächst dessen Mutter Mathilde von Schwarzburg geführt hatte, übertrug der Herzog jetzt ihrem Bruder, Graf Heinrich von Schwarzburg. Dieser kampferprobte Fürst schien die Gewähr dafür zu bieten, daß die Ruhe im Lande nördlich der Elbe gewahrt blieb.
Herzog Heinrich der Löwe brachte sich aber teilweise selbst um diese Erfolge seiner Anhänger, da er von ihnen die Auslieferung der Gefangenen verlangte. Nur einige kamen dieser Forderung nach; andere, so Graf Adolf III. von Holstein, erklärten, dass sie diesen Krieg auf eigene Kosten geführt hätten und deshalb das Lösegeld für die Gefangenen beanspruchen könnten. So kam es damals zum ersten Male zu einer Entfremdung zwischen dem Herzog und dem SCHAUENBURGER. Bereits vor der Ankunft des Kaisers in Sachsen war es wegen des Streits um die Gefangenen der Schlacht auf dem Halerfeld zum endgültigen Bruch zwischen Herzog Heinrich und Graf Adolf III. von Holstein gekommen, der sich dem Heer des Kaisers anschloß. Während sich der Kaiser noch in Altenburg aufhielt, war Heinrich der Löwe nach Holstein gezogen, um die Grafschaft des abgefallenen Adolfs III. in seine Hand zu bringen. Graf Adolf wurde zur Belohnung für die Dienste, die er in den Kämpfen gegen den WELFEN dem Kaiser geleistet hatte, mit der Hälfte der Einnahmen aus dem Zoll, den Mühlen und den Wechselbanken in Lübeck belehnt.
Graf Adolf III. von Holstein war jetzt der mächtigste Mann im Gebiet an der unteren Elbe. Er vertrieb die Anhänger Heinrichs des Löwen aus seiner Grafschaft und konnte seine Herrschaft auch zeitweilig auf Dithmarschen und die Grafschaft Stade ausdehnen. Als Herzog Bernhard im Jahre 1182 zur Ertheneburg kam, um sich hier als neuem Herrn huldigen zu lassen, leistete Adolf III. der Aufforderung des Herzogs nicht Folge. Als Herzog Bernhard damit begann, Abgaben zu erheben und Besitzungen zu beanspruchen, die früher Heinrich dem Löwen gehört hatten, schlossen sich die Grafen von Holstein, Ratzeburg und Schwerin zusammen und zerstörten noch im Jahre 1182 die Lauenburg. Auf Befehl des Kaisers mußten sie aber Buße leisten und die Burg wiederaufbauen.
Im Jahre 1187 oder 1188 hatte Graf Adolf III. in Hamburg neben dem dort links der Alster bestehenden älteren Wikort auf dem rechten Ufer des Flusses im Gebiet der zerstörten Burg im Zusammenwirken mit einer Gruppe von Kaufleuten eine neue Siedlung, die spätere Hamburger Neustadt, gegründet, bei der ein Hafen entstehen sollte.
Unter den weltlichen Fürsten, die aus Niedersachsen an Kreuzzug BARBAROSSAS teilnahmen, war Graf Adolf III. von Holstein der angesehenste.
Anschließend überschritt Herzog Heinrich der Löwe Anfang November die Elbe nach Norden, um in Holstein den letzten Widerstand zu brechen. Als er sich Lübeck näherte, öffneten ihm die Bürger der Stadt kampflos die Tore, nachdem er dem Grafen Adolf von Dassel mit seinen Mannen, der Mutter und der Frau Graf Adolfs III., die sich in der Stadt aufhielten, freien Abzug zugesichert hatten. Die Kämpfe, die im Frühjahr 1190 in Holstein wieder ausbrachen, verliefen für die WELFEN keineswegs günstig. Ein Heer, das unter der Führung der Grafen Bernhard von Ratzeburg und Helmold von Schwerin und des Truchsesses Jordan von Blankenburg stand, wurde von Adolf von Dassel, dem Statthalter Adolfs III., geschlagen. Helmhold und Jordan wurden gefangengenommen und nur gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. Im Frieden mußte sich der Löwe verpflichten, die Befestigungen der Stadt Braunschweig teilweise niederzulegen und die Feste Lauenburg zu schleifen. Dafür überließ ihm der König die Hälfte der Einnahmen aus der Stadt Lübeck. Die andere Hälfte sollte Adolf III. behalten, der auch im ungeschmälerten Besitz seiner Grafschaft bleiben sollte.
Während des Italienzugs des Kaisers hatte Heinrich der Löwe die Bedingungen des Friedens von Fulda nicht erfüllt. Er legte weder die Lauenburg nieder noch trat er die Hälfte der Lübecker Einnahmen an Adolf von Dassel, den Vertreter des SCHAUENBERGERS, ab. Von den in seiner Hand befindlichen festen Plätzen in Nordelbingen aus versuchte er, seine Herrschaft im Lande auszudehnen.
Als Graf Adolf III. im Frühjahr 1191 aus dem Heiligen Land zurückkehrte, mußte er deshalb den Kampf um seine Grafschaft wieder aufnehmen. Heinrich der Löwe, der sich in den nächsten Jahren wohl meist in Braunschweig aufhielt, war an diesen kriegerischen Auseinandersetzungen in Nordelbingen selbst nicht mehr beteiligt. Mit Hilfe der ASKANIER, des Herzogs Bernhard und des Markgrafen Otto von Brandenburg, konnte Adolf seine Grafschaft wieder in seinen Besitz bringen. Nachdem er Hamburg und Stade erobert hatte, mußte im Sommer 1192 auch Lübeck ihm seine Tore öffnen.
 
 
 
 

    1182
  1. oo Adelheid von Asselburg, Erbtochter des Grafen Otto
                  -25.12.1185
 
    1189
  2. oo Adelheid von Querfurt, Tochter des Burggrafen Burchard II. von Querfurt-Magdeburg
                   -6./7.4. um 1210
 
 
 
 
 
Kinder:
2. Ehe

  Adolf IV.
  vor 1205-8.7.1261

  Konrad
          -   1237/38
 
  Mechthilde
          - um 1264
 
  Bruno Bischof von Olmütz (1246-1281)
         -18.2.1281
 
  Margarete
          -

  oo Johann I. von Adensen
              -   1253
 
  Hildegunde
         - nach 1230
 
  oo Burchard I. Graf von Oldenburg
              -6.7.1233
 
 
 
 

Literatur:
----------
Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 75,82,106,168,199 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 95,116,200,205,208,217,221-225,227 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 21-24,247 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 426,427,434, 441,442 - Toeche Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 68,96,98,120,123, 125,160,167,211-215,133,134,137,282,301,306,385-387, 389,390,460-462,476 -