Thomas I.                                       Graf von Savoyen (1188-1233)
-------------
20.5.1177-6.3.1233
 

Einziger Sohn des Grafen Humbert III. der Selige von Savoyen aus seiner 4. Ehe mit der Beatrix von Burgund, Tochter von Graf Gerhard I. von Macon-Vienne
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Seite 701
********************
Thomas I., Graf von Savoyen seit 1189
-------------
     + 1223

Beiname 'der Ghibelline' (wegen seiner konstanten Parteinahme für die STAUFER), gab der staatlichen Entwicklung und zwei Expansion Savoyens richtungsweisende Impulse. Thomas I. stand bis zur Volljährigkeit (1191) unter Vormundschaft des Markgrafen Bonifaz von Montferrat, baute ein erträgliches Verhältnis zu HEINRICH VI. auf, unterstützte energisch PHILIPP VON SCHWABEN, der seinerseits die savoyische Expansion förderte, und half FRIEDRICH II., der ihn zum Reichsvikar in der Lombardei (1226) bestellte und in die Provence entsandte. In Savoyen setzte Thomas (als neues Moment fürstlicher Administration) um 1200 in den gräflichen Burgen zunehmend Kastellane ein, ausgestattet mit umfassenden militärischen und zivilen Vollmachten, doch abberufbar, vielleicht auch bereits besoldet. Gleichzeitig band Thomas seine Vasallen durch zielbewußte Infeodationen verstärkt ein. Auch initiierte er die Politik der Privilegienverleihung an eine Reihe von Städten (unter anderem Aosta, um 1195; Chambery, 1232). Der Erwerb vom Chambery schuf die Voraussetzungen für den Aufbau eines am Weg zum Mt. Cenis (Alpenpässe) gelegenen Zentralortes, der zudem von bischöflichen Gewalten denkbar weit entfernt war. An der Peripherie der Grafschaft wurde die Expansion vorangetrieben: Im Westen bereitete der Abschluß eines Parege (1196) mit dem Abt von St-Rambert (Bugey) das savoyischen Vordringen in die Bresse vor, in Zusammenwirken mit den Herren von Beaujeu. Im Norden bildete die Übertragung von Moudon durch PHILIPP VON SCHWABEN (1207) den Ansatz zu einem allmählichen Vorrücken ins Waadtand (Pays de Vaud), auf Kosten der Bischöfe von Lausanne und der ZÄHRINGER. Im Osten war Thomas bestrebt, den savoyischen Einfluß in Piemont zu erweitern (Erwerb von Besitzungen im Süden von Turin). Die intensiven Beziehungen zum unteren Tal der Rhone gipfelten in der Heirat der Tochter des Grafen, Beatrix von Savoyen, mit Raimund Berengar V. von Provence (1219). Die politische Blickrichtung das Hauses SAVOYEN auf die Gesamtheit des alten Königreiches Burgund nahm am Ende der 44-jährigen Herrschaft des Fürsten und unter seinen (stärker dem Papsttum zugewandten) Nachkommen zunehmend Gestalt an.



Brandenburg Erich: Tafel 18 Seite 37
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen."

XIV. 398 d. THOMAS I., Graf von Savoyen 1189
--------------------------------
* 1178 oder 1179, + 1233 1. III.

Gemahlin:
------------
vor 1197
Margarete, Tochter des Grafen Wilhelm I. von Genf (siehe XIV ...
        + 1257



Thiele, Andreas: Tafel 398/99
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

THOMAS I.
----------------
* 1177, + 1233

Thomas I. folgte unter der Vormundschaft des kaiserlichen Markgrafen Bonifatius I. von Montferrat, was ihn sicherte. Er söhnte sich mit den STAUFERN aus und unterstützte König PHILIPP im Thronkrieg 1198. Es war eine Zeit ständiger Auseinandersetzungen, Fehden und Kriege mit den Städten, Bischöfen und Nachbarn (hier besonders Montferrat, Saluzzo, Zähringen und Dauphine-Vienne), band nach und nach Tarentaise und Sitten wieder enger an Savoyen und konnte viele kleine Herrschaften lehensartig an Savoyen binden, wie Busca, Cavour, Bagnolo und Piossasco. Er geriet mit seinem Streben zur Mittelmeerküste gegen Genua, brachte Savona und Albenga in Abhängigkeit, womit Savoyen erstmals zur Küste vorstieß. Er wurde für Teilgebiete päpstlicher Vasall, um sich gegen den Kaiser und die Städte abzusichern. Er erkannte Kaiser OTTO IV. an und ging erst 1220 endgültig zu Kaiser FRIEDRICH II. über. Er besiegte die ZÄHRINGER 1211 in der Schlacht bei St. Ulrich und sicherte damit Waadt usw. Er mußte den Städten Susa, Aosta, Pinerolo und Miradoglio Zugeständnisse machen. Er verstärkte die Stellung seines Hauses während der kaiserlichen Ohnmacht wieder in Piemont, gewann unter anderem Chieri und Tortona und die Kaiserpfalz Turin und wurde 1226 Reichsvikar der Lombardei. Er geriet so verstärkt gegen die Stadt Turin und die Bischöfe dieser Stadt wegen der Vormacht in Piemont und legte die für Jahrhunderte geltende politische Stoßrichtung fest.

  oo 1196
       Beatrix von Genf
             + 1236/57

Tochter des Grafen Wilhelm I.



 1196
  oo Beatrix von Genf, Tochter des Grafen Wilhelm I.
              -8.4.1257
 
 
 
 

15 Kinder:

  Amadeus IV.
  1197-13.7.1253

  Humbert Graf von Chillon
  1198-   1223
            in Ungarn

  Thomas II. Graf von Flandern-Hennegau
  1199-1.2.1259

  Beatrix
        -   1266

 1220
  oo Raimund Berengar V. Graf von Provence
       1198-19.8.1245

  Peter II.
  1203-28.5.1268

  Philipp I.
  1207-16.8.1285

  Alix Äbtissin von St. Pierre zu Lyon
       -

  Agathe Äbtissin von St. Pierre zu Lyon
         -

  Margarete
  1212-2.9.1273

1.4.1218
  oo Hartmann IV. Graf von Kyburg
              -27.11.1264

  Bonifatius Erzbischof von Canterbury
         -14.7.1270

  Haimon I. Graf von Romont
         -   1238

  Wilhelm
         -3.10.1239 ermordet

  Amadeus Bischof von Maurienne (1220-1268)
           -   1268
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 18 Seite 37 - Hellmann, S.: Die Grafen von Savoyen und das Reich bis zum Ende der staufischen Epoche, Verlag der Wagnerschen Universitäts-Buchhandlung Innsbruck 1900 Seite 71-124 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 398/99 -