Philipp I.                                         Graf von Savoyen (1268-1285)
------------                                        Erzbischof von Lyon (1246-1267)
1207-16.8.1285
         in Roussillon (Bugey)
 

8. Sohn des Grafen Thomas I. von Savoyen und der Beatrix von Genf, Tochter von Graf Wilhelm I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 2073
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Philipp I., Graf von Savoyen
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     + 1285
      in Roussillon (Bugey)

10. Kind von Graf Thomas I., wurde für eine kirchliche Laufbahn bestimmt. Da die Wahl zum Bischof von Lausanne (1240) fehlschlug, erhielt Philipp im Austausch ein Dekanat in Lyon, ein weiteres in Vienne und wurde schließlich zum Bischof von Valence gewählt, Beginn einer großen Politik im Raum der Rhone. Als Papst Innozenz IV., der überstürzt Rom verlassen hatte, sich 1244 in Lyon etablieren wollte, bewog Philipp I. seinen Bruder Amadeus IV. (obwohl dieser Ghibelline war), den Heiligen Vater beim Durchzug durch Savoyen zu unterstützen. Innozenz IV. sorgte für die Wahl Philipps zum Erzbischof von Lyon (1245) und konnte bei der Abhaltung des 1. Konzils von Lyon und der Installation der päpstlichen Kurie in dieser Stadt auf die Hilfe Philipps zählen. Wohl an den gegen FRIEDRICH II. gerichteten Maßnahmen beteiligt und stets mehr weltlicher Politiker als Kirchenmann, baute Philipp in Lyon eine pro-savoyischer Faktion auf, kaufte Burgen und Feudalrechte zur Verstärkung dersavoyischen Herrschaft im Viennois und betrieb die Heirat seines Neffen, des künftigen Amadeus V., mit der Erbtochter von Bresse, Sibylle von Bage. Als ihm (gegen alle Erwartungen) die Erbfolge der Grafschaft Savoyen bevorstand, gab er seine kirchlichen Ämter auf und heiratete 1267 Alice, Gräfin von Burgund, um so die Rechte Savoyens im Königreich Burgund abzusichern und RUDOLF VON HABSBURG abzudrängen. Nach dem Tode Peters II. zum Grafen geworden (1268), erhielt er 1272 die Grafschaft Bresse, deren Besitzstand er sich durch Abkommen mit dem Herzog von Burgund garantieren ließ. Er unterstützte seinen Neffen Thomas III. in Piemont und nötigte den Markgrafen von Montferrat zur Abtretung seiner Rechte an das Haus SAVOYEN (1280). Doch sah er sich bald mit einer gefährlichen Koalition konfrontiert (1282), in der sich seine mächtigsten Gegner, RUDOLF VON HABSBURG, Karl von Anjou (als Graf von Provence), der Dauphin (Dauphine) und der Grafen von Genf, zusammengeschlossen hatten. Angesichts dieser bedrohlichen Situation favorisierte Philipp I. die Nachfolge des fähigsten unter seinen Neffen, Amadeus V. Als geschickter Diplomat und guter Verwalter hat Philipp I. die Position des Hauses SAVOYEN entlang der Saone-Rhoen-Achse gemehrt. Zu Unrecht steht er im Schatten seines ehrgeizigen Bruders Peter II.



Thiele, Andreas: Tafel 399
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

PHILIPP I.
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* 1207, + 1285

Philipp I.wurde auch ganz früh zum geistlichen Beruf bestimmt, obwohl er auch ganz weltlich-martialisch gesonnen war. Er wurde 1229 Archidiakon zu Metz und 1239 Elekt-Erzbischof von Lausanne und resignierte 1241 nach einer verheerenden Stiftsfehde. Er wurde von Papst Innocenz IV. gefördert, erhielt etliche Pfründen, wurde Fahnenträger der Kirche, Statthalter im Patrimonium Petri, päpstlicher Rat auf dem Konzil von Lyon und Protektor dieses Konzils, auf dem 1245 FRIEDRICH II. für abgesetzt erklärt wurde. Er wurde 1246 Erzbischof von Lyon, ohne jemals Weihen genommen zu haben. Er regierte sehr hart, eroberte durch Kriege etliche Gebiete dazu und resignierte 1267, da Peter II. söhnelos blieb und der Neffe kinderlos starb. Er wurde 1268 Graf von Savoyen und Chablais und Pfalzgraf von Burgund, das er vergeblich für sein Haus zu gewinnen versuchte. Er beeinflußte zusammen mit seinem erzbischöflichen Bruder Bonifatius jahrzehntelang das Papsttum entscheidend, verhinderte die geplante Ehe König KONRADS IV. mit seiner Nichte Beatrix, der Erbin der Provence, und lancierte ihre Heirat mit Karl I. von Anjou, womit er politisch bedeutsame Weichen für das Arelat stellte. Er stritt mit den kaiserlich gesonnenen Brüdern und unterstützte alle päpstlichen Aktionen gegen die STAUFER in Italien. Er geriet wegen des Kyburg-Erbes schroff gegen RUDOLF I. VON HABSBURG, schlug ihn in Waadt zurück, verlor aber 1278 die Schlacht bei Peterlingen und bekam durch päpstlich-englische Vermittlung 1283 auf Lebenszeit Peterlingen, Murten und die Vogtei Lausanne zugesprochen, sein Nachfolger sollte dafür die deutsche Lehenshoheit anerkennen. Er legte testamentarisch fest, dass der jüngere Neffe Amadeus V. erben soll, wodurch die Linie Piemont leer ausging, was über 100 Jahre Streit nach sich zog.

  oo 1267
       Adelheid von Andechs-Meranien-Burgund
              + 1279

Tochter des Herzogs Otto II. von Meranien, Erbin und 1248 Pfalzgräfin von Burgund-Freiburgund, Witwe des Pfalzgrafen Hugo d'Ivrea-Burgund



11.6.1267
   oo 2. Adelheid von Andechs-Meranien, Tochter des Herzogs Otto II.
   x       um 1225-8.3.1279

        Erbin und 1248 Pfalzgräfin von Burgund
 
 
 
 

Literatur:
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Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 399 -