Jolanthe von Valois                        Herzogin von Savoyen
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23.9.1434-29.8.1478
 

3. Tochter des Königs Karl VII. der Siegreiche von Frankreich und der Marie von Anjou, Tochter von Titular-König Ludwig II. von Anjou-Neapel
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 415
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Yolande de France, Herzogin von Savoyen
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* 1433, + 1478

Tochter König Karls VII. von Frankreich und der Maria von Anjou, aufgrund eines Ehevertrags 1436 mit kaum drei Jahren dem einjährigen Amadeus IX. von Savoyen, Enkel von Amadeus VIII. anvermählt. Die Ehe wurde 1451 vollzogen: Yolande begann eine politische Rolle zu spielen, als ihr Gemahl 1456 die Bresse als Apanage erhielt. Mit dem Regierungsantritt Amadeus‘ IX. (1465) zur Herzogin geworden, drängte sie ihren Mann zu einer Annäherung an Frankreich, doch gab dieser die Beziehungen zu Burgund letztlich nicht preis. Einträchtig betrieb das Fürstenpaar intensive religiöse Stiftungspolitik: 1467 erwirkten Amadeus und Yolande das Privileg zur Gründung der Sainte-Chapelle in Chambery, die einem savoyschen Dekan, unabhängig von der Jurisdiktion des Bischofs von Grenoble, unterstellt war und für die sie den Glockenturm stifteten. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes ihres Gamahls übernahm Yolande die Regentschaft, wurde aber von ihren drei Söhnen mit Waffengewalt bekämpft, so dass die Herzogin ihre Autorität nur dank der Militärmacht ihres Bruderas, König Ludwig XI., aufrechterhalten konnte. Nach dem Tode ihres Mannes (1472) fungierte sie als Regentin ihres Sohnes Philibert, konnte aber ihre Position nur durch Schaukelpolitik zwischen Ludwig XI. und Karl dem Kühnen behaupten. Die schweizerischen Eidgenossen nutzten die Schwäche Savoyens ab 1475 zur Besetzung von Gebieten der ‚pagus romands‘ aus (Vaud); Karl der Kühne ließ im Gegenzug die Herzogin in der Nähe von Genf entführen. Ludwig XI. befreite seine Schwester, war aber seinerseits bestrebt, sie seiner politischen Kontrolle zu unterwerfen; Yolande de France suchte sich dem Einfluß Frankreichs zu entziehen, indem sie bevorzugt in Vercelli residierte und Piemontesen stärker an Politik und Verwaltung des savoyischen Staates beteiligte. Es gelang ihr, die Regierungsgewalt in ihren letzten Lebensjahren wieder weitgehend in den Griff zu bekommen; ihr minderjähriger Sohn stand nach ihrem Tode aber unter dem doppelten Expansionsdruck des Königreiches Frankreich wie der Berner.



Thiele, Andreas: Tafel 52
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOLANTHE
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    + 1478

  oo 1452
       Amadeus IX. Herzog von Savoyen
       * 1435,  + 1472



Jolanthe gewährte ihrem Bruder, König Ludwig XI. von Frankreich, als Regentin großen Einfluß und war 1476/77 in burgundischer Haft.

Calmette, Joseph: Seite 323,337
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"Die großen Herzöge von Burgund."

Der von Aragon ausgeübte Druck hatte Karl noch zu einem weiteren Freund verholfen, dem mailändischen SFORZA, der bisher stark in der französischen Allianz engagiert war, nun aber das Steuer herumwarf. Insgeheim trat auch noch Savoyen in diesen Bund ein. Obwohl Jolanthe von Savoyen eine Schwester Ludwigs XI. war, zögert sie nicht, die Annäherung zwischen Mailand und Burgund zu begünstigen. Es geschah versteckterweise, denn indem sie vorgab, mit Bern zu verhandeln und an der Koalition gegen Burgund teilzunehmen, hatte sie im Gegenteil in anderer Richtung gearbeitet und für Sforza und Karl den Kühnen den Vertrag von Moncalieri vom 30. Januar 1475 zustande gebracht.
Der Herzog war ohne Aufenthalt nach Morges am Genfer See durchgeritten. Dort hörte er am Morgen des 23. die Messe. Gegen sechs Uhr abends traf er bei der Herzogin von Savoyen in Gex ein. Er hielt sich dort bis zum 27. auf.
Der beste Beweis dafür ist der gerade in diesem Moment am Hof von Burgund zur Unzeit verübte Anschlag auf das Haus SAVOYEN. Die Herzogin Jolanthe von Savoyen, die Schwester Ludwigs XI., hatte Burgund ihr Wohlwollen bewiesen, ohne sich gänzlich bloßzustellen und ein Bündnis mit dem Feind ihres Bruders zu schließen. Unter dem Vorwand, es gehe das Gerücht um, daß der König demnächst Savoyen einziehen werde, entschließt sich Karl der Kühne, angeblich um dem König zuvorzukommen und sich zu schützen, zu einem Handstreich und verletzt damit jegliches Völkerrecht. Jolanthe war verwitwet und seit dem 3. Juli 1475 Regentin. Der Herzog will sich ihrer und ihres ältesten Sohnes, des zwölfjährigen jungen Herzogs Philibert, bemächtigen. Es gab einen ungeheuren Skandal.
Jolanthe hatte sich von Gex aus, wo sie den Herzog kurz nach der Niederlage bei Murten empfangen hatte, auf den Weg nach Genf begeben. Sie wurde kurz vor der Stadt, in Grand-Saconnex, von Olivier de la Marche überrascht, der den Auftrag zu dieser dreisten Entführung hatte. Der Streich gelang übrigens nur zum Teil. Philibert und sein kleiner Bruder wurden von einem Genossen Oliviers, Lodovico Taglianti aus Ivrea "gestohlen". Die Herzogin indessen, welche La Marche auf seinem Pferd entführte, wurde über den Jura nach Saint-Claude und von dort erst nach Rochefort-sur-Nenon bei Dole und dann weiter nach Schloß Rouvres in der Nähe von Dijon geschafft.
Auf diese Behandlung hin rief Jolanthe ihren Bruder zu Hilfe. Im Grund war es Ludwig sehr lieb, daß er die Gelegenheit wahrnehmen konnte, um Savoyen von der burgundischen Hypothek zu befreien. Die Sache glückte vollkommen. Mit zweihundert Lanzen entführt der Seigneur de Chaumont Jolanthe aus Rouvres und geleitet sie nach Langres. Der König beschied seine Schwester, nach dem Schloß Plessis-lez-Tours zu kommen. Er empfing sie, wie der Chronist berichtet, an der Pforte mit der freeundlichsten Miene und begrüßte sie mit den Worten: "Madame la Bourguignonne, vous soyez la tres bien venue." Sie sah ihm an, daß er scherzte, und gab die sehr kluge Antwort: "qu'elle estoit bonne Francoise." Gerade das war der Wunsch Ludwigs XI. Das Abschwenken Savoyens, das, ohne mit Burgund befreundet zu sein, doch mit ihm sympathisert hatte, war der Schlußstein zum Gesinnungswechsel von ANJOU, Neapel und Mailand.
 
 
 
 

 1452
  oo Amadeus IX. Herzog von Savoyen
      1.2.1435-30.3.1472
 
 
 
 

10 Kinder:

  Ludwig
  5.10.1453- jung

  Karl
  15.9.1456- 7./8.1471

  Marie
         - nach 1512

 1476
  oo Philipp Markgraf von Baden-Hochberg-Sausenberg
      1452-9.9.1503

  Luise
  28.12.1461-24.7.1503

24.8.1479
  oo Hugo II. von Chalons Seigneur zu Arlay
             -3.7.1490

  Anna
         - 2.1480

11.9.1478
  oo Friedrich IV. König von Neapel
      19.4.1452-9.11.1504

  Philibert I. der Jäger
  7.8.1465-22.4.1482

  Bernhard
  4.2.-3.9.1467

  Karl I. der Kämpfer
  29.3.1468-14.3.1490

  Jakob Ludwig Markgraf von Gex
   7.1470-27.7.1485

 1483
  oo Louise von Savoyen-Faucigny, Tochter des Grafen Janus
      1467-1.5.1530

  Johann Claudius
   8.1472-7.11.1472
 
 
 
 

Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 323,337 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 369 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 449,451 - Schelle, Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner und Reichsadler. Magnus Verlag Essen Seite 154,158,166,180,197,212 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 52 -