Konrad der Rote                           Herzog von Lothringen (944-954)
---------------------                          Graf im Speyer-, Worms- und Nahegau
um 922-10.8.955
            bei Augsburg

Begraben: Worms, Dom
 

Sohn des Grafen Werner V. vom Worms- und Speyergau und der Hicha von Schaben, Tochter von Herzog Burchard II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1344
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Konrad der Rote, Herzog in Lothringen 944-953
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* ?, + 10. August 955 gefallen

Begraben: Worms, Dom

Vater: Graf Werner im Worms- und Speyergau

Mutter: ?

  oo 947 ? Liutgard (+ 953), Tochter König OTTOS I.

Als Nachfahre der aus Mittellothringen an den Rhein seit dem 8. Jh vordrängenden SALIER verfügte Konrad der Rote über die Grafschaften im Wormsgau, Speyer- und Nahegau sowie in der Wetterau. Durch die Niederlage der mit den SALIERN versippten KONRADINER in deren Auseinandersetzungen mit König OTTO I. wurde Konrads Position am Mittelrhein, verstärkt durch Reichsgut und Vogteien über Kirchenbesitz, in der Kooperation mit dem König weiter gefestigt und im Mayernfeld ausgebaut. Bereits als Jüngling (adolescens) erhielt Konrad der Rote 944 das Herzogtum Lothringen; durch die Vermählung mit Liutgard wurde seine Verbindung zum Herrscherhaus noch enger. Gegenüber dem Erzbischof Friedrich von Mainz trat Konrad der Rote als Rivale um die Macht am Mittelrhein auf. Dass er in Bingen, Mainz und Speyer Münzen schlagen ließ, ist wichtiges Indiz seiner Stärke. Mittelpunkt seiner Machtstellung und Grablege der Sippe war Worms. Am ersten Italienzug OTTOS 951 nahm Konrad der Rote teil, kehrte jedoch rasch wieder nach Deutschland zurück. Die Gründe für seine Beteiligung am Aufstand Liudolfs und das kriegerische Auftreten am Rhein dürften im Widerstand gegen das autokratische Regiment des Herrschers und in Hofintrigen zu suchen sein. Noch vor Liudolf suchte Konrad der Rote im Sommer 954 den Ausgleich mit dem königlichen Schwiegervater und unterwarf sich in Langenzenn. Allerdings verlor er sein lothringisches Herzogtum und mußte die Hoffnungen auf eine Wiederherstellung des ehedem konradinischen Herzogtums in Franken aufgeben. Für die weitere Zukunft gehalten werden konnte die Dukatstellung im Wormser Raum als eine der Grundlagen salischer Reichsherrschaft. Als Anführer des fränkischen Aufgebotes fiel Konrad der Rote am 10. August 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld.

Literatur:
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H. Büttner, Zur Gesch. des Erzstiftes Mainz im 10. Jh. (Jb. für das Bm. Mainz 2, 1947), 260-273, bes. 266 - H. Werle, Das Erbe des sal. Hauses [Diss. masch. Mainz 1952], 35 ff., 221ff., 230-243 - Ders., Titelhzm. und Hzg.sherrschaft, ZRGGerm Abt 73, 1956, 225-229, bes. 239-264 - Ders., Das Saliergut an Mittel- und Oberrhein (944-1125) (Pfalzatlas, Textbd. 1, hg. W. Alter, 1964), 105-110, Karte 4 - W.-A. Kropat, Reich, Adel und Kirche in der Wetterau ..., 1964, 42ff., 152ff., 200 - L. Falck, Mainz im frühen und hohen MA, 1972, 57-61, 65, 72-80 - E. Boshof, Die Salier, 1987, 7-20, 30ff. - St. Weinfurter, Herrschaftslegitmation und Kg.sautorität im Wandel (Die Salier und das Reich, I, hg. Ders., 1991), 55-96, bes. 64ff. - I. Heidrich, Bf.e und Bf.skirche von Speyer (ebd II), 187-244, bes. 188ff.



Althoff Gerd: Seite 381
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen."

                                                H 26

Lü:    10.8.   Conradus dux   + 955 Konrad der Rote
Me:   10.8.   Conrad dux

Konrad fiel auf dem Lechfeld. Zu seiner Beteiligung am Aufstand Liudolfs (H 32), an dem auch die BILLUNGER Wichmann der Jüngere (G 127) und Egbert der Einäugige (G 33) beteiligt waren, vgl . BO Nr. 235a; Spoemberg, Lothringische Politik, Seite 50f. Die Teilnehmer an diesem Aufstand fanden zahlreich Aufnahme ins billungische Totengedenken; siehe dazu ausführlich oben Seite 79ff.
Konrad war ferner als Gemahl von Liudgard (K 43) Schwiegersohn OTTOS DES GROSSEN. Ins Merseburger Necrolog wurde sein Name jedoch nicht mit der Ergänzungsschicht, sondern schon früher eingetragen. Zu den früheren Einträgen siehe oben Seite 154f.
Allg. siehe FW H 18 mit weireren Hinweisen; zum Todesdatum: BO Nr. 240g.



Glocker Winfrid: Seite 279
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

V, 5 LIUTGARD
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* c 931, + 953 XI 18

c 947
oo Konrad ("der Rote"), Graf im Nahegau, Wormsgau und Speyergau

Liutgard ist als Tochter König OTTOS I. und dessen erster Gemahlin Edgith bezeugt bei Widukind I c. 37, S. 54, durch Hrotsviths Gesta Oddonis v. 420 f. und den Annales Quedlinburgenses a. 946, SS III 56.
Liutgard wird in der Literatur gemeinhin als nach ihrem Bruder geboren eingereiht, da sie in den Quellenerwähnungen immer an zweiter Stelle genannt wird; vgl. dazu Köpke-Dümmler S. 12.
Ihr Todestag ist im Merseburger Nekrolog genannt (vgl. Althoff, Adelsfamilien Kommentar K 43); ihr Todesjahr überliefert der Continuator Reginonis a. 953, S. 167.
Ebenfalls bei Continuator Reginonis a. 947 ist das Jahr der Heirat der Königs-Tochter Liutgard mit Herzog Konrad dem Roten genannt. Dieser war der Sohn des Grafen Werner, der seinerseits bereits im Wormsgau, Speyergau und Nahegau amtierte; diese Filiation ist in der Urkunde Konrads vom 946 III 13 (Druck: UB. Speyer, Nr. 4) bezeugt.
Zur Familie Konrads des Roten vgl. außerdem Metz, Miszellen S. 24 ff., und Hlawitschka, Kuno S. 43. Konrads Geburtsjahr ist nicht einfach zu bestimmen: der Vater verstarb 920, doch wird sein Sohn Konrad noch 944 als "adolescens" genannt.
Zur Amtsstellung Konrads des Roten vor seiner Erhebung zum lothringischen Herzog vgl. Köpke-Dümmler S. 101, Anm. 5.
Liutgards Gemahl überlebte seine Ehefrau und fiel in der Schlacht auf dem Lechfeld; dazu die Belege bei BO 240g.



Schwennicke Detlev: Tafel 12
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

KONRAD DER ROTE
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    + gefallen auf dem Lechfeld 10. VIII 955

Begraben: Worms Dom

941 Graf im NAHE-, WORMS-, SPEYER- und NIDDAGAU
942/45 Graf in FRANKEN
945/54 HERZOG VON LOTHRINGEN abgesetzt
944 adolescens

  oo 947 LIUTGARD VON SACHSEN (LIUDOLFINGER)
              * 931, + 18. XI 953

Tochter von OTTO I. DEM GROSSEN

Begraben: St. Albans vor Mainz



Konrad, der die Grafschaften seines Vaters übernommen und eine weitere im Niddagau erhalten hatte, war nach 939 einer der mächtigsten Großen in Franken. Er nahm nach dem Tode des Herzogs Eberhard in Franken eine herzogliche Stellung ein, bekam vom Erzbischof von Trier das Remigisland und besaß unter anderem auch Waiblingen, wonach seine Familie auch in den Quellen genannt wurde. Da diesen Ort später die STAUFER erbten, ging diese Bezeichnung auf sie über, woraus sich später "Ghibellinen" aus dem Italienischen entwickelte. Er erwarb Bad Dürkheim, war aber ansonsten als Territorialherr kaum greifbar. Er erschien bereits 941 im engsten Gefolge des Königs und trug wesentlich zur Aufdeckung der Verschwörung des Königs-Bruders Heinrich und der Bestrafung der Empörer bei. 944 wurde Konrad von OTTO I. als Herzog von Lothringen eingesetzt. Da er bei den lothringischen Großen als Fremder wenig Sympathie fand, konnte er seine Stellung nur mit Unterstützung des Königs behaupten. In dessen Auftrag vermittelte er wiederholt zwischen Ludwig IV. von Frankreich und seinen rebellischen Vasallen. Ehrgeiz und Machtbewußtsein waren Konrads des Roten hervorstechendste Charaktereigenschaften, wobei seine Geltung und Macht auf der engen Bindung an die Zentralgewalt beruhten. 951 blieb er als Statthalter in Italien zurück und als auf dem Reichstag zu Augsburg im August 952 sein mit Berengar von Ivrea ausgehandelter Frieden verworfen wurde, schloß er sich 953 der Empörung seines Schwagers Liudolf an, die sich vor allem gegen den Einfluß Heinrichs von Bayern und der Königin Adelheid am Hofe richtete. Konrad unterwarf sich nach dem Scheitern der Empörung im Juni 954 auf einem Reichstag zu Langenzenn bei Fürth dem König, der ihm das Herzogtum Lothringen und alle Reichslehen absprach. Daraufhin zwangen ihn die Lothringer sofort, das Land zu verlassen. Nach seiner Unterwerfung wurde er wieder in Gnade aufgenommen und trat vor allem als Feldherr hervor. Schon 954 unterstützte er den Markgrafen Gero gegen die Slawen. Er wurde in der Schlacht auf dem Lechfeld von OTTO I. mit der Leitung des fränkischen Aufgebots beauftragt und wurde durch einen Pfeilschuß in den Hals tödlich verwundet, als er den Helm abnahm. Er suchte wohl den Tod. Mit Konrads Scheitern war die Möglichkeit der Entstehung eines rheinfränkischen Herzogtums zunächst zunichte gemacht.

Trillmich Werner: Seite 126
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Trotz seiner Jugend leistete Konrad der Rote durch diplomatisches Geschick und militärisches Geschick König OTTO I. wertvolle Dienste. 942 beteiligte sich der SALIER am Zustandekommen des Friedens von Vise, in dem Frankreich auf Lothringen verzichtete. Zum Dank erhielt er 944 die Herzogswürde des unruhigen Landes. Diese Auszeichnung stellte ihn allerdings vor Aufgaben, an denen der Königs-Bruder Heinrich gescheitert war, denn der größte Teil des Adels lehnte den wegen seiner Strenge wenig geschätzten Herrn aus Rheinfranken ab, und Konrad besaß in dem an Krongut arm gewordenen Lande keinerlei Rückhalt an Allodien oder eigenen Vasallen. Um ihn sich fest zu verpflichten, gab ihm OTTO DER GROSSE 947 seine Tochter Liutgard zur Frau, die Schwester Liudolfs, des designierten Thronfolgers, der 950 als Herzog von Schwaben das Erbe des Schwiegervaters antrat. Die blutigen Fehden in Frankreich dauerten an, die Konrad immer wieder zum Eingreifen nötigten, bis es den Deutschen 950 nochmals gelang, Frieden zu stiften. Vom Italienzug heimkehrend ließ OTTO I. Konrad, den bewährten Schwiegersohn, in Pavia zurück, und der verbürgte sich wenige Wochen später für die Anerkennung des besiegten Usurpators Berengar als König, falls er OTTO huldige. Der LIUDOLFINGER aber, beraten durch seinen Bruder Heinrich und Adelheid, dachte nicht daran, dem Gegner so weit entgegenzukommen. Er nötigte ihn, dem Bayern-Herzog das östliche Drittel Italiens abzutreten: Trient, Verona, Friaul und Istrien. Konrad empfand eine so rücksichtslose Nichtachtung der von ihm verbürgten Zusage an den Lombarden als tiefe, ungerechtfertigte, ehrverletzende Kränkung. Deshalb verständigte er sich mit Liudolf, der nach ruhmlosen Zurückweichen aus dem Süden in wachsender Sorge um sein Anrecht auf den Thron, Stiefmutter und Oheim als gefährliche Gegner betrachtete. 953 kam es zum Aufstand der beiden Herzöge, dem sich viele Unzufriedene anschlossen. Zwar ging Lothringen sofort an den König verloren, aber in S-Deutschland waren die Empörer zunächst sehr erfolgreich. Ins Unrecht setzten sie sich vor aller Welt dadurch, dass sie mit ungarischen Heerhaufen paktierten, ohne die heidnischen Bundesgenossen an Ausschreitungen hindern zu können. Nun wandte sich das Kriegsglück. Im Juni 954 unterwarf sich Konrad dem Herrscher zu Langenzenn unter der einzigen Bedingung, nichts Unehrenhaftes gegen die bisherigen Freunde unternehmen zu müssen. Er verlor Herzogswürde und Reichslehen. Seine Allodien blieben ihm ungeschmälert erhalten. Während der Herbstmonate, die der kriegskundige Mann in ehrenvoller Haft bei Markgraf Gero im östlichen Sachsen verbrachte, beteiligte er sich an einem Feldzug gegen die slawischen Ukrer. 955 unterstand ihm bereits wieder der gegen die Ungarn aufgebotene rheinfränkische Heerbann. In der Schlacht auf dem Lechfeld fand er, tapfer kämpfend, den Tod. Sein Grab birgt der Wormser Dom.

Schreibmüller Hermann: Seite 204-206
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"Ahnen Konrads II."

Mit der wuchtigen Persönlichkeit Konrads des Roten [von der "hochgeröteten Gesichtsfarbe"], des außergewöhnlich tüchtigen Herzogs von Lothringen, beginnt in der dreigipfligen Geschichte der SALIER der zweite Höhepunkt. Sein Vater Wernher war Graf im Nahe-, Speyer- und Wormsgau gewesen; man wäre wegen des zeitlichen Abstandes fast versucht zwischen Wernher und Konrad noch eine Generation einzuschieben. Der in der SALIER-Sippe neue Name Konrad erklärt sich sehr wahrscheinlich aus einer Eheverbindung mit den mittelrheinischen "KONRADINERN", ohne dass sich die Art dieser Verbindung näher bestimmen ließe. W. Schlesinger hat das Emporkommen Konrads "bemerkenswert" gefunden, denn er allein erscheine in den Jahren 942 bis 945 als Graf in Franken; erst nachdem er das Herzogtum Lothringen erhalten habe, tauchten in Franken Grafen in größerer Zahl auf, unter anderem sein Sohn Otto. Seit 942 ist der damals noch sehr junge Konrad, der noch 944 als adulescens bezeichnet wird, als Graf in rheinischen Gauen bezeugt, zuerst im Nahegau. Bei OTTO DEM GROSSEN stand Konrad früh in ungewöhnlicher Geltung: 944 ernannte er ihn zum Herzog in dem schwer zu behandelnden Lothringen. In kurzer Zeit löste er diese schwierige Aufgabe so glänzend, dass ihn der König in sein Haus aufnahm und ihm 947 oder vielleicht schon früher seine 931 geborene Tochter Liutgard zur Frau gab. Wie immer steigerte dieser Zufluß königlichen Blutes auch Konrads Adelstum; ebenso war es später bei dem Pfalzgrafen Ehrenfried oder Ezzo. Diese Verbindung, die nicht glücklich endete, brachte in das salische Geschlecht die neuen Namen Otto und Heinrich. Wie kein zweiter verdiente Konrad die ihm erwiesenen Ehren, denn zweifellos war er, wie Ranke bemerkt hat, "das bedeutendste militärisch-politische Talent um König OTTO", aber auch in der ganzen Geschichte der SALIER. Konrad war auch zu diplomatischen Sendungen verwendbar, ein tapferer Bekämpfer der Wenden, aber auch eigenwillig und trotzig, im ganzen mehr gefürchtet als geliebt. 953 beteiligte er sich am Aufstande Liudolfs gegen seinen Vater; wir sind in den letzten Jahren darüber belehrt worden, dass wir solchen "Hochverrat" nicht mit unseren Augen betrachten dürfen, sondern mit denen des Mittelalters: als trotziges Behaupten eines uralten, adeligen Eigenrechts. Wie uns Widukind sicher zuverlässig, mitteilt, beklagte der Herrscher, tiefgetroffen, den Abfall Konrads, den er "aus mittlerer Stellung zum höchsten Ehrengrad emporgeführt habe, und entsetzte ihn seines Herzogtums. Bezeichnend aber ist, dass er ihn bald wieder zu Gnaden aufnahm; Ähnliches ist in der Geschichte des Mittelalters nicht eben selten. In der Schlacht auf dem Lechfeld hat Konrad durch seinen Tod seine "Schuld" gebüßt, wenn das Mittelalter in seinem Tun überhaupt eine solche gesehen hat.
Als Territorialpolitiker wird Herzog Konrad, dem nur eine kurze Lebenszeit beschieden war, nicht deutlich erkennbar. Mehrfach, in den Jahre 945 und 947, erscheint er als "Graf und Herzog" zugleich. Eine besondere Betrachtung verdient die vielerörterte Urkunde vom 13. März 946, deren Original verloren ist; sie ist nur aus einem Karlsruher Kopialbuche bekannt. Ihre Echtheit ist bestritten worden, sicherlich aber enthält sie sehr altertümliche Bestandteile. Die Urkunde ist im Text als "traditio" das heißt Übergabe bezeichnet, und sie ist es im doppelten Sinn: im ersten Teil übergibt Konrad dem Bischofe von Speyer Hörige, in besonders auffälliger Weise die Münzprägung, einen Bauplatz, das Recht des Salz-, Pech-, Pflicht- und Ohmpfennigs, vier Hufen in Luzheim, die "Gesamtgewalt" inner- und außerhalb der Stadt Speyer, das Recht, gegen Diebe einzuschreiten, und gewisse Rechte gegenüber den Kaufleuten. Alles, was Konrad der Speyerer Kirche übergibt, stammt aus "königlicher Übergabe und Schenkung" an die SALIER und war bis dahin Konrads Erbgut. Mit "parentes" sind nicht Konrads Eltern gemeint, sondern seine Vorfahren, von denen er das genannte Erbgut überkommen hat.
Ob wir dabei über Konrads Vater, den Grafen Wernher, noch zurückkommen können, wird leider nicht ersichtlich, da weder frühere Könige noch salische Ahnen über Wernher hinaus hier mit Namen genannt werden. Jedenfalls aber erkennt man, dass Speyer im Jahre 946 schon längere Zeit eine "königliche" Stadt im vollen Sinne des Wortes war, wo der König umfangreichen Besitz und ergiebigste Rechte besessen hatte, die aber früh an das Hauptgeschlecht im Speyergau, die SALIER, gekommen waren. Auffällig könnte erscheinen, dass die SALIER schon so frühe gerade in Speyer begütert waren, da doch noch im 10. Jahrhundert die eigentliche SALIER-Stadt nicht Speyer war, sondern Worms.
Im zweiten Teile der Urkunde beschenkt oder belehnt der Speyerer Bischof den Herzog Konrad mit gewissen Gütern in Rodersheim, Dürkheim (Thuringeheim) und Erpolzheim.
Von den Brüdern, die in der wichtigen Urkunde bloß allgemein ohne Anzahl und Namen als zustimmend zweimal erwähnt werden (das zweite  Mal mit ihrem Zehntrecht in Dürkheim), ist keine weitere Spur erhalten! Die 946 genannten Brüder müßten damals sehr jung gewesen sein; wenn ihre Erwähnung ein echter Teil der Urkunde ist, würde die Vermählung Konrads mit Liutgard in das Jahr 944 rücken, also gleichzeitig sein mit seiner Erhebung zum Herzog von Lothringen. Der Versuch von H. Baldes, die Grafen Udo und Hermann, die 963/64 bezeugt sind, als SALIER zu betrachten, dürfte schon deswegen gescheitert sein, da die Namen der beiden durchaus konradinisch, also unsalisch sein; ein konradinisches Paar Udo und Hermann ist bereits 949 gestorben.
 
 
 
 

  947
  oo Liutgard von Sachsen, Tochter des Königs OTTO I.
       931-18.11.953
 
 
 
 

Kinder:

  Otto Herzog von Kärnten
   um 948-4.11.1004
 
 
 
 

Literatur:
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Adalbert: Fortsetzung des Regino a. 947 - Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 60,79,81,83,86, 91,158,381 H 26 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 90,92,95,99-107 - Barth Rüdiger E.: Der Herzog in Lothringen im 10. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 100-102,105-129,141,145,147,157,154,160,169,173,177,190 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 62,71-73,75,79,115,157 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 7,10-17,19,30 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 23,64,66,69,186,222,227,229,241/Band III Seite 490 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 184, 412,416 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 14,18,22,24 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 127,131, 137,143-151,153-159,161,169-173,251 - Köpke, Rudolf/Dümmler Ernst: Kaiser Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1962 - Körntgen, Ludger: Ottonen und Salier. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2002 -Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 276,279,290 - Schneidmüller Bernd/ Weinfurter Stefan (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge. Symposium zur Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa" Verlag Philipp von Zabern Mainz 2001 Seite 158,161 - Schreibmüller, Hermann: Die Ahnen Kaiser Konrads II. und Bischof Brunos von Würzburg, in Herbiopolis Jubilans. 1200 Jahre Bistum Würzburg Festschrift zur Säkularfeier der Erhebung der Kiliansreliquien Würzburger Diözesangeschichtsblätter 14/15 1952 Seite 204-206 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 138,177,186, 189-192,194,269,298,331 - Schwarzmaier Hansmartin: Von Speyer nach Rom. Wegstationen und Lebensspuren der Salier. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992, Seite 8,14,17,20-28,36,47,121 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 12 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 38,40,42,44,58,76, 218 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 126 - Weinfurter, Stefan: Herrschaftslegitimation und Königsautorität im Wandel: Die Salier und ihr Dom zu Speyer, in Die Salier und das Reich Band 1 Seite 55-97, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992 - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart 1981 - Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 9,18,117,119,128,135,138,153,158,167,176,180,188,235,273 - Wolfram, Herwig: Konrad II. 990-1039. Kaiser dreier Reiche. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 2000 Seite 36-40, 45,53,56,89,338 - Zimmermann, Harald: Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1976 -