Heinrich II. der Reiche                               Vogt von Weida und Gera
------------------------
1164/65-3.8. vor 1209
 

Ältester Sohn des Vogtes Heinrich I. Probus von Weida und Gera aus seiner 2. Ehe mit der Juliane von Schwarzburg, Tochter von
 

Heinrich II. der Reiche folgte seinem Vater als Vogt zu Weida. Andere Hauptorte waren noch Greiz, Gera, Mylau und Ronneburg. Er förderte die deutsche Besiedlung im bisher vorwiegend slawischen Vogtland und baute mit Rodungslandschaften den Allodialbesitz aus. Er besaß unter anderem Lehen der Bischöfe von Naumburg und von Bamberg, der Abtei Quedlinburg (= Gera) und der Erzbischöfe von Mainz, woraus sich jeweils jahrhundertelange Auseinandersetzungen ergaben. Er mußte für Teilgebiete Vasall der Landgrafen von Thüringen werden (aller Besitz links der Weißen Elster), was ebenso zu jahrhundertelangen Auseinandersetzungen seines Hauses mit den WETTINERN als Rechtsnachfolgern der Landgrafen führte und die Familiengeschichte und den Niedergang des Hauses bestimmte. Er erwarb unter anderem noch die Vogtei Schmölln. Er weilte 1192 am kaiserlichen Hofe zu Magdeburg und wurde ausdrücklich als Ministeriale und Marschall bezeichnet. Wegen seiner Freundschaft und Verwandtschaft mit Kaiser HEINRICH VI. und aus Dankbarkeit für die zahlreichen Beweise kaiserlicher Huld legte er in einem Familiengesetz fest, dass alle Söhne des Geschlechts in der Taufe den Namen HEINRICH erhalten. Für einen in der Jugend aus Unachtsamkeit verursachten Brudermord stiftete er 1193 das Prämonstratenser-Mönchskloster Mildenfurth als Familienkloster.
 
Hans Patze/Walter Schlesinger: Seite 163-164
************************
"Geschichte Thüringens"

Trotzdem hat sein Sohn Heinrich II. von Weida [an der Unstrut] 1180 den Sachsenherzog im Stich gelassen und ist zum Kaiser übergetreten, wie Arnold von Lübeck berichtet. Dieser Heinrich II. ist es, der mehrfach in Urkunden BARBAROSSAS erscheint; ihm hatte der Erzbischof von Mainz den Hof Geismair an der Leine verpfändet.
Auf Grund und Boden, den er als Reichsafterlehen vom Landgrafen Hermann I. von Thüringen besaß, gründete Heinrich II. der Reiche das Prämonstratenserkloster Mildenfurt; es diente in der Folgezeit zahlreichen Mitgliedern des Hauses als Grablege. Zur Erstausstattung des Klosters gehörten die Pfarrkirche St. Veit sowie Grundbesitz und Rechte in Wünschendorf, Deschwitz, Untitz und zwei Forsten. Das große Privileg Gregors IX. von 1230 läßt erkennen, dass damals der spätere Herrschaftsraum der Weidaer bereits in ihrem Besitz war. Die Gegend von Elsterberg, Greiz, Mylau, Gera und Ronneburg hatten sie erreicht. Heinrich II. der Reiche stand als Ministerialer im Dienst des Reiches und des Bischofs von Naumburg. Seine Gemahlin Bertha, welche die Legende von Mildenfurth als Verwandte der Kaiserin bezeichnet, stammte entweder von den Herzögen von Meranien oder von den DIEPOLDINGERN ab.
Man kann vermuten, dass die Weidaer unter den Eversteinern in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts im Gebiet von Plauen weitgehend selbständig gewesen sind. Ob sie als Dienstmannen oder als Vasallen nach Lehnsrecht, wie Vogt Heinrich der Ältere von Plauen 1327 behauptete, von ihnen abhängig waren, steht dahin. Der Schluß, dass Heinrich II. der Reiche als "Vollender der Neusiedlungen im Vögteland" anzusehen sein könnte, hat von siedlungsgeschichtlichen Kriterien her, die hier allein weiterhelfen können, viel für sich.
Der Besitz Heinrichs II. des Reichen wurde wahrscheinlich schon um 1209 zwischen seinen Söhnen Heinrich III. und Heinrich IV. geteilt.
 
Karl Bosl: Seite 531,532
********
"Die Reichsministerilität der Salier und Staufer"

Rodungstätigkeit aber war die andere Quelle der Macht und des Reichtums, die sich bereits derselbe Heinrich von Weida 1193 erworben hatte. Jedenfalls war Heinrich der Reiche imstande, ein stattliches Hauskloster, Mildenfurth, zu gründen. Einer Bestätigungsurkunde der 3 Söhne Heinrichs II. des Reichen von 1209 nach, deren Original verloren ist, wäre zu schließen, dass die Gründung mit Zustimmung Kaiser HEINRICHS VI. und des Landgrafen Hermann von Thüringen erfolgte, Reich und Landgraf also am Boden Rechte hatten.
Heinrich war mit Bertha von Vohburg vermählt, was uns deshalb besonders auffällt, weil auch der früher erwähnte Walther von Weimar-Gleißberg  nach einer Inschrift in der Erfurter Schottenkirche mit Hedwig, einer Tochter des Markgrafen von Vohburg vermählt gewesen sein soll. Nehmen wir noch die an einen Ravensburger Dienstmann vermählte Gemahlin BARBAROSSAS, Adela von Vohburg, hinzu, so möchte es fast scheinen, als hätten wir es mit einem genealogischen Mythos zu tun, der sich vielleicht als Folge der Scheidung Kaiser FRIEDRICHS I. herausgebildet hat. 4 Grafentöchter als Gemahlinnen von 3 aufeinanderfolgenden Weidaern im 12. Jh. ist nach allem, was wir durch unseren großen Überblick über die gesamte Reichsministerialität, ihre Genealogie und Ständegeschichte wissen, eine Ungeheuerlichkeit.
 
H. G. Francke: Seite 174
************
"Weidas Dynasten und seine Entstehung"

Heinrich II. der Reiche, der Gründer vom Prämonstratenserkloster Mildenfurt, hat bereits Seite 170 Erwähnung gefunden. Arnold weist ihm als Gattin eine Verwandte König HEINRICHS VI., Berta, Gräfin von Tirol, zu. Das Totenregister des Klosters Mildenfurt tritt dieser Angabe bei und die Urkunde bestätigt den Vornamen Berta. Die fehlenden Familiennachrichten der Vögtin hat Schmidt, nachdem einige Versuche zur Erklärung ohne befriedigenden Erfolg veröffentlicht worden sind, durch eine glückliche Konjektur ergänzt, indem er die Berta, Gräfin von Vohburg, als des Kaisers Muhme ausfindig gemacht hat.
Arnold hat die weltlichen Ereignisse, die den Stadien der Gründung des Klosters Mildenfurt nebenher liefen, nicht im Zusammenhang dargestellt. Als Heinrich II. 1192/93 am kaiserlichen Hof zu Magdeburg verweilte, war er schon längere Zeit verheiratet. Er wird ausdrücklich Ministeriale und Marschall des Kaisers von Arnold genannt und dadurch in den Stand des Vaters und Großvaters eingewiesen. Hierdurch hebt Arnold den früher begangenen Fehler in der Standesbezeichnung auf. Heinrich II. hatte auch die Gattin nach Magdeburg mitgebracht und sie anderweit - vielleicht bei der Kaiserin - untergebracht, da er sein Absteigequartier bei den Kanonikern der Marienkirche genommen hatte. Hier schlief er mit Grafen und Herren zusammen. Als er nun für den in der Jugend aus Unachtsamkeit verursachten Brudermord zur Salvierung seines Gewissens eine Klostergründung gelobt hatte, konnte er alle, derselben entgegenstehenden Hindernisse nicht allein beseitigen, obwohl der Kaiser selbst dem Plane "seines speziellen Freundes" gnädig zustimmte, sondern fand in der Gattin eine geschickte Helferin, welche mit echt frauenhafter Zähigkeit dem kaiserlichen Vetter anlag und durch ihre Beharrlichkeit den Plan zur Vollendung gebracht hat. Die Auflassung der Lehen und Advocatia über den Grund und Boden des zukünftigen Klosters an den Landgrafen von Thüringen, beziehungsweise den Kaiser, sowie die Übertragung der Fläche an das Kloster und die Überlassung der Jurisdiktion und Schutzgewalt an den Landgrafen, beziehungsweise an Heinrich II., scheinen unter ihrer Ägide glatt durchgeführt worden zu sein, ohne dass der Landgraf dieses Vorhaben vereiteln konnte. Seit 1193 steht es durch diese, von vielen Historikern dem Wert einer Urkunde gleich geschätzte Nachricht des Arnold fest, dass Lehen über Grund und Boden, desgleichen die Vogtsgewalt im Territorium Weida, vom Reiche herrührten, aber den Landgrafen von Thüringen als Zwischenlehnsherrn eingeschoben erhalten hatten. Freilich wie lange vorher es in diesem Verhältnis zum Landgrafen gestanden hat, läßt sich nicht nachweisen.
Indem die Freundschaft und Verwandtschaft zwischen dem Kaiser und Vogt Heinrich II. wirklich blühte - nach Arnold -, kann sie dem Haus der Vögte Länder, Rechte, Ehren gebracht haben, wie viele Historiker vermuten. Leider lassen sich die einzelnen Begabungen weder feststellen nach ihrem Wert und Inhalt, noch der Zeit der Übertragung nach auseinander halten. Aus Dankbarkeit für die zahlreichen Beweise kaiserlicher Huld soll Heinrich II. - nach der Tradition - das bis heute geltende Familiengesetz erlassen haben, wonach alle Söhne des Geschlechtes den Namen "HEINRICH" in der Taufe erhalten.
Wenn Berta in ihrer Ehe 4 Söhne und 4 Töchter geboren hat, was Alexius Krössner 1515 aus anderen vorhandenen Quellen schöpfen konnte, so hat sie ihren Gatten mindestens 9-10 Jahre am Leben gehabt und ihn, falls die Verheiratung 1187 stattgefunden hat, erst 1196 oder 1197 eingebüßt, weswegen das Fehlen in kaiserlichen und bischöflich naumburgischen Urkunden von da an erklärlich wird.
Dass dieser Mann ein körperlich, geistig, moralisch hervorragender Beamter des Kaisers gewesen und geworden ist - ein Vorbild für zahlreiche, tüchtige Nachkommen - und so eine reiche Heirat zu Stande gebracht, dadurch das Glück seines Hauses erweitert und gesichert hat, das haben die von seinem Reichtum profitierenden Mönche in Mildenfurt 60 Jahre später noch nicht vergessen, sondern mit Urkunden bewiesen und jedem Fremdling - auch dem Arnold - mit Stolz berichtet.
 
 
 
 
 
 1187
  oo Bertha Gräfin von Vohburg, Tochter des Markgrafen
              -24.9. vor 1209
 
Von Bertha stammten die Ansprüche des Hauses auf Hof und das Regnitztal.
 
 
 
 
 
Kinder:
  4 T
 
  Heinrich III.
         -9.7. vor 1224

  Heinrich IV.
         - um 1250
 
  Heinrich V. Vogt zu Reichenbach und Greiz
         -28.5. nach 1239