Heinrich I. Probus                                     Vogt von Weida und Gera
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um 1122- vor 8.9.1193
 

2. Sohn des Vogtes Erkenbert I. von Weida und der Jordana von Gleissberg, Tochter von
 

Heinrich I. Probus wurde auch der Fromme, der Tapfere oder der Sachse genannt. Er erschien 1143 neben seinem Bruder Erkenbert II. in einer Urkunde Heinrich Jasomirgotts und seiner Gemahlin Gertrud für das Kloster Homburg. Er hatte ein Lehen zu Thiemburgk von Gertrud und ihrem Sohn Heinrich dem Löwen. Für das 1143 zugunsten von Homburg aufgegebene Lehen hatte Heinrich I. von Weida Einkünfte in Körner, Bremendorf und Bogisile erhalten, später auch zu Weida und erschien häufig in den Quellen und Urkunden als wichtige Stütze des Herzogs Heinrich der Löwe, woher sein Beiname der Sachse rührte. Zeitgenössische Chronisten nannten ihn einen mächtigen und einflußreichen Ministerialen. Trotzdem fiel er 1180 von Heinrich dem Löwen ab und wurde durch Kaiser FRIEDRICH I. Vogt im "Vogtland" und westlichen Pleißener Land. Er gewann den Dubnagau dazu mit Plauen/Elsterberg und anderen Gebieten, baute Weida/Veitsburg als erstes Machtzentrum aus und schuf die Machtstellung des Hauses. Er stand als Reichsministeriale bei verschiedenen Kämpfen an der Spitze kaiserlicher Aufgebote. Seine 1. Gattin brachte ihm Güter, die in der Umgebung der Unstrut gelegen waren, in die Ehe. Heinrich besaß Lehen und Einkünfte in Thiemsburg, Ringeln, Körner, Graba, Saalfeld, Bremendorf und Bogisile in der Nähe des Klosters Volkenroda.
 
Hans Patze/Walter Schlesinger: Seite 163
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"Geschichte Thüringens"

Erkenbert I. von Weida [an der Unstrut] erscheint 1143 in einer Urkunde des Klosters Homburg bei Langensalza als Vater Heinrichs von Weida (an der Unstrut), und dieser Heinrich ist identisch mit einem Ministerialen Heinrich von Weida [an der Unstrut], der in einer Urkunde des Markgrafen Heinrich Jasomirgott von Österreich und seiner Gemahlin Gertrud für dasselbe Kloster im Jahre 1143 begegnet. Außer Heinrich, der ein Lehen zu Thiemburgk von Gertrud und ihrem Sohn Heinrich dem Löwen besitzt, erscheint in der Urkunde, als Zeuge, dessen Bruder Erkenbert II. Für das 1143 zugunsten von Homburg aufgegebene Lehen hat Heinrich I. von Weida [an der Unstrut] Einkünfte in Körner, Bremendorf und Bogisile erhalten. Dieser Heinrich I. aus dem an der Unstrut gelegenen Weida erscheint häufig in den Zeugenreihen der Urkunden Heinrichs des Löwen. Chronisten nennen ihn einen mächtigen und einflußreichen Ministerialen. Trotzdem hat sein Sohn Heinrich II. von Weida [an der Unstrut] 1180 den Sachsenherzog im Stich gelassen und ist zum Kaiser übergetreten, wie Arnold von Lübeck berichtet. Dieser Heinrich II. ist es, der mehrfach in Urkunden BARBAROSSAS erscheint; ihm hatte der Erzbischof von Mainz den Hof Geismair an der Leine verpfändet.
 
Karl Bosl: Seite 531
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"Die Reichsministerilität der Salier und Staufer"

Unter den Dienstmannen Heinrichs des Löwen spielt Erkenberts Sohn, Heinrich von Weida, eine ganz hervorragende Rolle. Von ihm erzählt Helmhold in seiner Cronica Slavorum, dass Bischof Vizelin, dessen Freund er war, auf das Drängen des Henricus de Witha, vir potens de militaris, sich trotz aller Bedenken von Heinrich dem Löwen anstatt vom Kaiser mit den Regalien belehnen ließ. Heinrich war ständig in der Begleitung seines Herrn, selbst in Bayern ist er zu finden. Er oder besser sein Sohn fiel 1180 nach der Ächtung des Löwen zum Kaiser ab und wurde und blieb Reichsministerialer. Jetzt erfolgt nun ihr bedeutsamer Einsatz als Vögte des Kaisers im Westen und Süden der einstigen Mark im Osten Thüringens und Leiter des Landesausbaus in einem Gebiet, das für das werdende große Reichsterritorium, dessen Eckpfeiler Egerland und Pleißenland, schon im Aufbau begriffen waren, als bindende Brücke von entscheidender Bedeutung war. Der Kaiser bedachte das welfische Dienstmannengeschlecht, das schon eine bedeutende Rolle gespielt und so wertvolle politische Erfahrung gesammelt hatte, mit einer großen Aufgabe, schon um es fest an sich zu ketten.
Erkenberts Sohn Heinrich, Probus Advocatus, sei zweimal verheiratet gewesen, mit Lutkard, Tochter des Grafen Burchard von Leutenberg und Yliana, Tochter des Grafen Sygard von Schwarzburg.
 
H. G. Francke: Seite 173-174,177
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"Weidas Dynasten und seine Entstehung"

Heinrich I. probus, der Tapfere oder der Fromme, der 2. Sohn Erkenberts nach Arnolds Bericht, dürfte um 1122 geboren uns 1143 mündig geworden sein. War Erkenbert ein Reichsministeriale, so war es Heinrich auch und nahm mit anderen Reichsministerialen der Umgebung an der Versammlung vor König KONRAD zu Zeitz, desgleichen 1172 in Altenburg vor Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA teil. Die Stellung Heinrichs auf Seiten des Kaisers und der HOHENSTAUFEN ist eine Tatsache und wird von Arnold durch die Angabe gestützt, dass er verschiedene Kämpfe für den Kaiser als Anführer (rexit) bis zu Ende geführt hat (tenuit). Um 1143 muß er sich verheiratet haben mit einer "Gräfin Lucardis von Lauterberg". Da diese Dame der Kirche St. Viti vor ihrem Tode das Dorf Rohna bei Weida vermacht hat, so wird sie auch das Recht dazu gehabt haben, indem sie für ihre eingebrachten Güter von ihrem Gatten Einkünfte verschrieben erhielt als Witwengut. Dadurch wird bewiesen, dass Lucardis Güter in die Ehe gebracht hat. Dieselben könnten in der Umgebung der Unstrut gelegen haben, über welche die Vögte von Weida nach Schmidt UB. I 37 bei Graba (Rietmühle), UB. I 160 in Wennungen und UB. I 924 in Crawinkel verfügen. Die Besitzungen in Thiemsburg (Holz, Hufe und eine andere Mühle bei Graba), Bremendorf, Ringeln, Bogisila scheiden hierbei aus, weil sie Lehnsgüter einer gleichnamigen, aber fremden Familie sind. Andere, jetzt unbekannte Güter können die Vögte von Weida, die später in Not geraten waren, zu unbekannten Zeiten an unbekannte Personen veräußert haben, so dass nur ein geringfügiger Rest dieses vermuteten, aber möglichen Heiratsgutes übrig geblieben sein kann. Oder - könnten diese Güter nicht auch letzte allodiale Anteile der Osterodaer Erbschaft sein? Diese Vermutungen stehen ebenso sicher da, als die vermutete Abstammung dieser weidaischen Güter von der ebengenannten gleichnamigen Familie, der herzoglich-sächsischen Ministerialenfamilie in Weida, an der Unstrut. Nach dem Tod der Lukardis, 1162, freite Heinrich nach Arnolds Bericht die Gräfin Iliana von Schwarzburg (1163, nach obiger Beweisführung). Seine Beteiligung an der Gründung von Neustadt-Weida und anderen väterlichen Unternehmungen, seine Erlebnisse durch seinen Sohn Burkhardt sind bereits erwähnt.
Er dürfte auch advocatus de Gera gewesen sein: denn wenn Heinrich IV., Vogt von Gera, in Schmidt UB. I 66, 1237 erklärt, dass seine progenitores schon die advocatia über Gera innegehabt haben, so sind darunter mindestens der Vater, Heinrich II. der Reiche, und Heinrich I. Probus, der Großvater, als Inhaber des Amtes zu verstehen; aber auch den Urgroßvater Erkenbert mit hereinzuziehen, kann nicht verboten werden. Da aber ein Vogt der Äbtissin auch ein gewisses Ansehen, eine einflußreiche Stellung besessen haben wird, so liegt die Annahme sehr nahe, dass der Vogt von Gera vorher schon mit der Vogtei Weida betraut worden ist. Vor 1180 kann diese Doppelvogtei nach obiger Urkunde bestanden haben.
Man kann daher Arnold beipflichten, wenn er den Heinricus Probus "Vogt" nennt. Wenn ich Erkenbert
1. als kaiserlichen Ministerialen
2. als in Weida amtierend aufgefaßt habe, so bin ich gezwungen, ihm die advocatia in Weida als Amt beizulegen, selbst ohne dass Arnold für mich spricht; denn dies ist ein Postulat der damals vorliegenden Verhältnisse, ein Ergebnis, das sich von selbst aus den Tatsachen herauslöst. Das Todesjahr Heinrich I. ist unbekannt. Der in den Urkunden noch 1187 genannte "Heinrich von Weida" kann wohl richtiger in seinem Sohn und Nachfolger Heinrich II. gefunden werden.
Als 1180 die Nachbarn rüsteten, um die Reichsacht auszuführen, als der Landgraf von Thüringen heranrückte, mußten sie sich über ihre schließliche Stellungsnahme im klaren sein, sie blieben bei ihrem Lehnsherrn, bis der Kaiser selbst eintraf. Nun fielen sie von jenem ab und diesen zu. Zu den Abtrünnigen gehörte Heinricus de Wida qui ab incunabulis eo (Herzog von Sachsen) educatus erat, cujus pater sine omni contradictione ipsi (dem Herzog) servivit, das heißt: Der Vater Heinrichs von Weida war ohne jeglichen Widerspruch sächsischer Vasall, hatte demnach keinen anderen Lehnsherrn über sich gehabt. Heinrich, der Sohn, hat schon als kleiner Knabe vom Herzog Heinrich dem Löwen seine Erziehung erhalten, diente demnach sine contradictione seinem Erzieher. Er beging eine moralische Felonie, insofern er nicht mit seinem Pflegevater und Herren in das Elend floh. Die Lehngüter Heinrichs rührten nur vom Herzoge her.
Cohn nimmt an, dass dieser Unstrut-Heinrich mit dem im Elstergebiet ansässigen Heinrich I. Probus identisch sei. Wegen der Herrschaft Weida, mit welcher vielleicht schon damals das Hinterland von Gera und Langenberg verbunden war, mußte dieser Heinrich dem Heerbann Thüringens sich anschließen, seine Mannen dem kaiserlichen Heere zuführen und konnte vielleicht gar dem sächsischen Heinrich mit den Waffen in der Hand gegenüber gestanden haben.
 
 
 
 

    1143
  1. oo Lukardis Gräfin von Lauterberg
                 -    1162
 
    1163
  2. oo Juliane Gräfin von Schwarzburg
               -
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Burkhard
  1144/50-

2. Ehe
 
  Heinrich II. der Reiche
  1164/65-3.8. vor 1209