Annalen von Magdeburg
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Die Jahre 1009-1014.
 

1009. Der heilige Erzbischof Bruno, zubenannt Bonifacius, war zuerst Kanoniker von Sankt Mauricius in  Magdeburg, dann nahm er Mönchskleidung an und kam zur Zeit desselben Kaisers nach Merseburg - - Der Vater desselben Bischofs hieß Bruno, die Mutter Ida, sein Bruder Gevehard. Gevehard erzeugte Burchard und Ida, Burchard erzeugte Gevehard, den Vater des Magdeburger Erzbischofs Conrad. Ida aber gebar den Grafen Gevehard, den Vater des Kaisers Lothar. - - In demselben Jahre starb Alfker der Abt vom Kloster des heiligen Johannes des Täufers in Magdeburg, und ihm folgte dann, von derselben Genossenschaft erwählt, Sigifrid, des vorgenannten Bischofs Thietmar Bruder.

1012. In diesem Jahre wurde der Grund zur Kirche des heiligen Täufers Johannes in der Vorstadt von Magdeburg von dem Herrn Abte Sigifrid begonnen, im vierten Jahre seiner Weihe.

1014. Vielen erschien mitten im Tage ein Stern.
 

Das Jahr 1136.
 

Der Kaiser feiert Weihnachten in Speier. Der Markgraf und Magadaburger Graf Heinrich starb damals auf der Reise an den Hof in Mainz, und ihm folgte in der Magadaburger Grafschaft des Erzbischofs Bruder Burchard. Die Mark aber wurde dem Markgrafen Kuonrad verliehen. Der  Kaiser feiert Ostern [22. März] in Aachen, Pfingsten [10. Mai] in Merseburg, den Sterbetag der Apostel Petrus und Paulus [29. Juni] in Goslar, und daselbst kam der Havelberger Bischof Anshelm auf der Rückreise von Konstantinopel, wohin er geschickt gewesen war, zu ihm. Havelberg wurde von Widekinds Söhnen eingenommen und die Kirche zerstört. Der Kaiser feiert die Himmelfahrt der heiligen Maria [15. August] in Werzeburg, und von dort richtete er seinen Weg zu den Gebieten Italiens.
 

Das Jahr 1176.
 

Der Kaiser sandte Briefe durch alle Theile des deutschen Reiches an die Erzbischöfe, Bischöfe und Aebte, Herzoge, Markgrafen und Grafen, indem er ihnen kraft kaiserlicher Vollmacht befahl, ihm zu Hülfe zu kommen. Deshalb sind die Erzbischöfe Wichmann von Magdeburg und Philipp von Köln
mit allen Bischöfen, Fürsten und Rittern, welche sie an sich zu ziehen vermochten, nachdem sie noch zu Hause das Osterfest [4. April] gefeiert hatten, acht Tage nach demselben Feste in großer Freude ausgezogen und nach Uebersteigung der Joche der Alpen in Longabardien eingedrungen. Als der Kaiser, der sich zu Papia befand, ihre Ankunft erfuhr, ging er ihnen mit wenigen entgegen und empfing sie in großer Freude. Plötzlich aber wurde die Freude in Trauer verwandelt, weil sie hörten, daß die Longabarden ihnen in großer Menge entgegenkämen und daß auf allen Straßen, auf denen der Weg
nach Papia ging, Hinterhalte gelegt seien. Wie der Kaiser sich nun von den Feinden umzingelt und nirgends die Möglichkeit sah, so lange auszuweichen, bis der Mainzer Erzbischof Christian und der Markgraf von Monteferran und die Papienser mit vielen anderen Getreuen herbeikommen könnten, zog er einen ehrlichen Tod der schimpflichen Flucht vor, und sich Gott vertrauend griff er sie an. In diesem Kampfe wurde von den wenigen Deutschen gut und heftig gestritten, von deutschen Rittern sind zwei dort gefallen, die Meisten aber gefangen fortgeführt worden. Von den Longabarden fiel daselbst eine Menge, von ihnen wurden wenige gefangen. Der Kaiser, der sich durch sie mit dem Schwerte einen Weg bahnte, kam mit wenigen unversehrt nach Papia; von den Uebrigen, die nach allen Richtungen zerstreut waren, kamen einige in der Nacht, andere am zweiten oder dritten, einige selbst am  siebenten Tage. Die Longabarden hofften, daß der Kaiser getödtet worden, und suchten ihn sorgsam unter allen Leichen der Getödteten; als sie aber nach wenigen Tagen erfuhren, daß er
unversehrt nach Papia gekommen und niemand von den Fürsten gefallen oder gefangen war, verfluchten sie den Sieg selbst, welchen sie errungen hatten, und hielten ihn für nichts. Dieses ist geschehen am Pfingstsonnabende, wann das Fasten der Quatuortempora gehalten wird [29. Mai]. Die Bischöfe Deutschlands und Longabardiens beschlossen, die schon lange zwischen dem Papste Alexander und dem Kaiser bestehende Feindschaft zu Eintracht und Frieden zurückzuführen.