Wenzel II.                                        König von Böhmen (1278-1305)
-------------                                       König von Polen (1300-1305)
17.9.127121.6.1305
Prag           Prag

Begraben: Zisterzienser-Kloster Zbraslav (Königssaal)

Einziger Sohn des Königs Przemysl Ottokars II. von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN aus seiner 2. Ehe mit der Kunigunde von Kiew, Tochter von Herzog Rostislaw
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 2188
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Wenzel II., König von Böhmen 1278-1305
------------- König von Polen seit 1300
* 1271, 21. Juni 1305

Begraben: Zisterzienser-Kloster Zbraslav (Königssaal)

Einziger Sohn König Otakar II. Premysl und Kunigunde, Enkelin König Belas IV. von Ungarn

  1. oo Guta ( 1297), Tochter König RUDOLFS VON HABSBURG

  2. oo Rixa-Elisabeth ( 1335), Tochter König Przemysls II.

Kinder:
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von 1.:

Wenzel III., außerdem mehrere Töchter und uneheliche Kinder

Nach dem Tod seines Vaters (1278) stand Wenzel II. einige Jahre unter Vormundschaft seines Onkels, Markgraf Ottos IV. von Brandenburg. Erst seit 1283 regierte Wenzel II. selbständig, wobei seine Herrschaft bis 1290 unter dem Einfluß rivalisierender Adelsgruppen stand, besonders der WITIGONEN (Zawisch von Falkenstein, hingerichtet 1290) und der Gruppe um Bischof Tobias von Bechyn und Purkart von Janowitz. Doch erlangte der König von Böhmen bald wieder eine wichtige Rolle in der Politik Mittel-Europas. Dazu trug die Heirat mit der Tochter RUDOLFS VON HABSBURG bei. Wenzels II. Haltung beeinflußte das Ergebnis der deutschen Königswahlen in den Jahren 1292 und 1298. Mit Rücksicht auf die Interessen der HABSBURGER konzentrierte sich die böhmische Politik damals auf Meißen, das Pleißenland und besonders auf Polen. Wenzel II. profitierte von der politischen Zersplitterung Polens, festigte seine Macht zuerst in Ober-Schlesien (1289) und beherrschte bald Kleinpolen mit Krakau (1291). Im Wettbewerb um die polnische Krone unterlag Wenzel II. - unter dem Druck der päpstlichen Kurie - zunächst dem großpolnischen Fürsten Przemysl II. (1295). Als dieser 1296 ermordet wurde, konnte er sich bald darauf in Prag zum König krönen lassen (1297), die zeitgenössischen Chroniken berichten von dieser äußerst kostspieligen Festlichkeit. Diplomatisch und militärisch abgesichert sowie durch die Heirat mit Przemysls Tochter vorbereitet, gelang Wenzel II. im Sommer 1300 der Einzug in Polen, dem Wenzels Gegner, der PIAST Wladyslaw I. Lokietek, keinen Widerstand leisten konnte; im August wurde Wenzel II. in Gnesen zum König von Polen gekrönt. Als 1301 die ungarischen ARPADEN ausstarben, gewann Wenzel II. für seinen gleichnamigen Sohn Wenzel III. die ungarische Krone. Von dem raschen politischen Aufstieg der premyslidischen Macht, die nun die drei ostmitteleuropäischen Königskronen vereinte, fühlten sich nicht nur die HABSBURGER, sondern auch die päpstliche Kurie bedroht. Schon 1304 sah sich Wenzel II. gezwungen, in Ungarn zu intervenieren, um seinen Sohn sicher nach Böhmen zurückzuholen. Bald darauf mußte sich Wenzel II. gegen militärische Interventionen wehren. Im Herbst 1304 drang König ALBRECHT VON HABSBURG mit seinen ungarischen Verbündeten bis nach Kuta Hora (Kuttenberg) vor. Zwar konnte Wenzel II. den Angriff mit Hilfe des böhmischen Adels zurückschlagen, doch war die böhmische Herrschaft nicht nur in Ungarn, sondern auch in Polen erschüttert. Obwohl der böhmische König als einer der reichsten Herrscher Europas galt, brachten ihn die Bezahlung des Heeres und die Unterstützung der polnischen und ungarischen Magnaten mit riesigen Summen in finanzielle Schwierigkeiten. Die PREMYSLIDEN verzichteten auf die ungarische Krone, um die polnische Krone zu retten. Angesichts der Probleme der HABSBURGER in Österreich und im Deutschen Reich hofften die PREMYSLIDEN, doch erkrankte Wenzel II. im Frühjahr 1305 und starb am 21. Juni.
Wenzel II. war nicht nur einer der bedeutendsten Könige aus dem Hause der PREMYSLIDEN, sondern auch eine der hervorragendsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Mit Hilfe von Diplomatie und militärischer Stärke verfolgte er konsequent seine politischen Ziele und wählte dabei mit Bedacht seine Ratgeber und Helfer aus, häufig Kleriker und zugewanderte Gefolgsleute. Im Unterschied zu seinem Vater Otakar II. Premysl hatte Wenzel II. dennoch ein recht gutes Verhältnis zum böhmischen Adel. Er war bemüht, die wirtschaftliche und kulturelle Lage des Königtums zu bessern. Wenzel II. führte eine Münzreform durch (1303) und ließ die grossi Pragenses prägen. Er unterstützte den Aufschwung des Bergbaus (besonders im Gebiet von Kuttenberg) und erließ die Kuttenberger Bergordnung. Nur sein Versuch, in Prag eine Universität zu gründen, blieb infolge des Widerstands des Adels erfolglos. Gegen Ende seiner Regierung überschätzte er jedoch die politischen und ökonomischen Möglichkeiten seines böhmischen Königreiches.


Klauser, Heinrich: Seite 233
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"Lexikon deutscher Herrscher und Fürstenhäuser"

Wenzel II., König von Böhmen
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geb. 17.9.1271, gest. 21.6.1305
                         Prag

Erhielt nach dem Tod seines Vaters, König Ottokar II., in der Schlacht auf dem Marchfeld/Österreich 1278 von König RUDOLF VON HABSBURG Böhmen und Mären als Lehen. Wenzel wurde mit Guta, einer Tochter König RUDOLFS, verheiratet und stand bis 1281 unter der Vormundschaft des Markgrafen Otto IV. von Brandenburg. Anschließend führte seine Mutter bis zu seiner Volljährigkeit die Regierungsgeschäfte. 1289 erhielt Wenzel die böhmische Kurwürde. Er unterstützte nach dem Tod seines Schwieger-Vaters die Wahl König ADOLFS VON NASSAU, wechselte aber 1297 in das Lager seines Schwagers, König ALBRECHT I., über, der ihm große Besitzungen (Egerland, Meißen u.a.) überließ. Als Wenzel versuchte, seine Hausmachtpolitik auf habsburgische Interessengebiete auszudehnen, kam es zum Konflikt zwischen Wenzel II. und König ALBRECHT. Der erste Kriegszug ALBRECHTS scheierte 1304 am Widerstand der alten Bergwerkstadt Kuttenberg; vor dem zweiten Waffengang 1305 starb Wenzel. Sein Sohn Wenzel III. verständigte sich nach dem Tod seines Vaters mit ALBRECHT, verzichtete auf Ungarn, wurde 1305 zum böhmischen König gekrönt und ein Jahr später aus unbekannten Gründen ermordet. Mit ihm starb das Haus der PREMYSLIDEN im Mannesstamm aus. Innenpolitisch trug Wenzel II. wesntlich zur deutschen Kolonisierung bei.

Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Seite 6 Tafel 1
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"
Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

WENZEL II.
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* 17.9.1271,
21.6.1305

1283-1305 König (gekrönt 2.6.1297)

  1. oo GUTA VON HABSBURG
           * 13.3.1271,
18.6.1297

Tochter des Königs RUDOLF VON HABSBURG

  2. oo 1303
           ELISABETH (RICHSA) VON POLEN
                
18.10.1335

Tochter des Königs Przemysl II. von Polen

  oo 2. Rudolf VI. von Habsburg, König von Böhmen 1306-1307
                
4.7.1307

Thiele, Andreas: Tafel 83
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

WENZEL II.
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* 1271
1305

Wenzel II. folgte seinem Vater unter der Regentschaft Ottos von Brandenburg und seines Stief-Vaters. Er mußte 1278 alle Reichslehen und Eroberungen herausgeben und Mähren für 10 Jahre verpfänden. Im Jahre 1283 übernahm er selbst die Regierung, die von Kämpfen zwischen pro- und anti-habsburgischen Geschlechtern erfüllt. Am 24.8.1290 ließ er seinen Stief-Vater, Zawisch von Falkenstein, den Exponenten der anti-habsburgischen Adelsgruppierung, hinrichten. In den Jahren 1291 und 1292 eroberte er Krakau und Sandomierz, Groß-Polen und Pommern und erreichte im Jahre 1300 in Gnesen seine Krönung zum König von Polen. Er versuchte Österreich und Steiermark zurückzugewinnen, was ihm die erbitterte Feindschaft ALBRECHTS VON HABSBURG einbrachte. Wenzel verhinderte 1291 dessen Wahl zum deutschen König und wählte ADOLF VON NASSAU mit. Er geriet auch 1290 mit ALBRECHT wegen Ungarn in Konflikt. Bei den Krönungsfeierlichkeiten Wenzels II. in Prag (2.6.1297) trafen Wenzel, der Mainzer Erzbischof, die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, die vertriebenen WETTINER und Herzog Albrecht von Habsburg Absprachen zur Absetzung ADOLFS VON NASSAU. Der neugewählte König sprach Wenzel die Lausitzen, das Egerland, Meißen und das Pleißenland zu. Nach dem Aussterben der ARPADEN eroberte er 1301 Ungarn und ließ seinen Sohn zum König von Ungarn krönen, womit er sowohl gegen den Papst, der Ungarn als päpstliches Lehen ansah, und das Haus ANJOU damit belehnte, als auch gegen ALBRECHT I., der Ungarn als Reichslehen ansah, geriet. Die immer bedrohlicher anwachsende Macht Wenzels versuchte ALBRECHT 1304 vergeblich zu brechen. Wenzel stellte die königliche Gewalt in Böhmen voll wieder her, verbündete sich mit Brandenburg und trat Meißen ab.

  1. oo 1285
            JUTTA VON HABSBURG
            1271
1297

Tochter des deutschen Königs RUDOLF I.

  2. oo 1303
            ELISABETH VON POLEN
                 
1335

Tochter und Erbin des Königs Przemislaw II. von Groß-Polen; (2. Ehe oo Rudolf III. von Habsburg, Herzog von Österreich, 1306 König von Böhmen)


Reifenscheid Richard: Seite 24
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."

9. JUTTA, GRÄFIN VON HABSBURG
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   * 13.3.1271, 18.6.1297
     Rheinfelden   Prag

Grabstätte: Fürstengruft im St-Veits-Dom in Prag

  oo 24.1.1285 in Prag
      WENZEL II., König von Böhmen
      * 17.9.1271, 21.6.1305
        Prag            Prag

Grabstätte: Gruft in der St-Jacobs-Kirche zu Zbraslav (Königsaal bei Prag)

Eltern: Ottokar II., König von Böhmen, und Kunigunde von Halicz, Tochter Rostislaws, Fürst von Halicz


Veldtrup, Dieter: Seite 230
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"Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV."

Erste Pläne, eine derartige Vereinigung zu erreichen, hatte es bereits unter den PRZEMYSLIDEN gegeben [1369 Vgl. dazu die zusammenfassende Darstellung bei K. RICHTER 1967, Seite 282f.]. Wenzel II. hatte in zweiter Ehe Richsa-Elisabeth, die Tochter des großpolnischen Fürsten Przemysl, geheiratet, der 1295 zum König von Polen gekrönt worden war. Nach dessen Tod rückte er 1300 nach Polen vor und ließ sich in Gnesen als Nachfolger des Verstorbenen zum König krönen [1370 Zu Wenzels Herrschaft in Polen vgl. J. CARO II, 1863, Seite 2-20.]. Als im folgenden Jahr nach dem Aussterben der ARPADEN der böhmische Thronfolger Wenzel (III.) zum ungarischen König gewählt und gekrönt wurde [1371 Er war mit Elisabeth, der Tochter des letzten ARPADEN Andreas III., verlobt; zu den Verhältnissen in Ungarn am Anfang des 14. Jahrhunderts vgl. vor allem M. SPINDLER 1974, hier besonders das Kapitel: "Das ungarische Königtum Herzog Ottos von Niederbayern", Seite 110-118. Vgl. B. HOMAN II, 1935, Seite 275-280. Dazu auch J. CARO II, 1863, Seite 13.], schien sich der Plan der PRZEMYSLIDEN, ein großes Ost-Reich unter ihrer Führung zu schaffen, zu verwirklichen. Aber in Ungarn geriet der junge Wenzel bereits kurze Zeit später in den Sog der entstehenden Thronwirren und entsagte nach dem Tod seines Vaters 1305 der Krone zugunsten Ottos III. von Nieder-Bayern [1372 Seine Mutter Elisabeth von Ungarn war eine Schwester des vorletzten ARPADEN-Königs Stefan V. (1270-1272) gewesen. Zu Otto III. vgl. J. WIDEMANN 1905 und DERS. 1907; vgl. zu ihm auch B. HOMAN II, 1935, Seite 280ff.; J. Gotschalk 1978, Seite 283f.], um sich auf die Erhaltung Polens konzentrieren zu können.

Rhode Gotthold: Seite 60,61,89
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"Kleine Geschichte Polens."

Es lag nahe, diese beiden Hauptteile wieder zusammenzuschließen, und Przemysl II. nahm 1290 auch Krakau in Besitz, verzichtete aber schon 1291 zugunsten König Wenzels II. von Böhmen, der auf Grund eines Erbvertrags mit Heinrich IV. Erbansprüche anmeldete und dem 1289-1291 drei der vier oberschlesischen Herzöge huldigten.
Da auch ein Teil der kleinpolnischen Ritterschaft sich auf Wenzels Seite stellte, konnte dieser Krakau in Besitz nehmen. In Sandomir hielt sich zunächst Leszek des Schwarzen jüngerer Bruder Wladyslaw Lokietek (Ellenlang) von Sieradz, mußte sich aber 1292 nach der Einnahme von Sieradz unterwerfen, und Klein-Polen blieb fest in der Hand des böhmischen Königs, der es durch Statthalter, die Starosten, verwaltete.
Da Przemysl nur eine Tochter Rixa Elisabeth hinterließ, begann eine lebhafte Auseinandersetzung um die Nachfolge zwischen Wladyslaw Lokietek von Sieradz, Herzog Heinrich III. von Glogau und König Wenzel II. von Böhmen, aus der der letztere als Sieger hervorging, obwohl Przemysl einen Erbvertrag mit dem GLOGAUER hatte, und Lokietek sich zunächst (1297) mit Hilfe des großpolnischen Adels hatte durchsetzen können. Unterstützt von der Geistlichkeit konnte Wenzel II. Groß-Polen und Pommerellen im Jahre 1300 in Besitz nehmen. Zur Sicherung seiner Herrschaft verlobte er sich mit Przemysl's Tochter Rixa und ließ sich von Jakob Swinka in Gnesen zum König von Polen krönen. Da sich ihm auch die kujawischen Fürsten einschließlich Lokieteks unterworfen hatten, standen mit Ausnahme Nieder-Schlesiens und Masowiens alle Landesteile des PIASTEN-Reiches unter seiner Herrschaft, die er, nach Prag zurückgekehrt, durch capitanei (Starosten) ausübte. Die Anerkennung der deutschen Lehnsherrschaft (1300) über die polnischen Gebiete, die er von ALBRECHT I. zu Lehen nahm, bedeutete eine weitere Sicherung nach außen. Der Griff nach der ungarischen Königskrone für seinen Sohn Wenzel III. zog ihm zwar die Gegnerschaft des Papstes Bonifaz VIII. und des Kaisers zu, die beide den nach Ungarn ins Exil gegangenen Wladyslaw Lokietek unterstützten, doch wurde Wenzels Herrschaft nicht ernsthaft bedroht.
Ein Erbrecht der Töchter der Fürsten-Familie bleibt weiter ausgeschlossen, auch Kasimirs Familienverbindungen (siehe Tafel III) dienen nur der Festigung der Beziehungen. Auch Wenzels II. von Böhmen Ehe mit der Tochter Przemysl's II. von Groß-Polen begründete seine Herrschaftsansprüche nicht, sondern diente lediglich ihrer Stützung.

Jäschke Kurt-Ulrich: Seite 40,53,85,86,91
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"Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300."

Doch die Stunde der ANJOUS schlug, als Andreas III. schon 1301 starb und nur eine Tochter von seiner ersten Gattin Fennena von Kujawien hinterließ. Die verfassungsgeschichtliche Feststellung, Ungarn sei jetzt Wahl-Monarchie mit starker dynastischer Bindung geworden, kann sich gleich an dem ungarischen Kurzkönigtum des PREMYSLIDEN Wenzel III. von Böhmen orientieren. Denn er wurde gewählt und geweiht, weil er Enkel einer Bela-Enkelin und mit jener Fennena-Tochter Elisabeth verlobt war, und zwar als Ladislaus V. Doch spätestens nach Wenzels II. Tod vom 21. Juni 1305 kehrte er sich von der Ungarn-Politik ab, heiratete Viola von Teschen schon am 7. Oktober 1305 und wandte sich nach Polen. Doch auf dem Zug nach Krakau wurde er in Olmütz von eigenen Leuten ermordet.
Nach den PREMYSLIDEN Wenzel II. und III. aus Böhmen war es dann Wladyslaw II. Ellenlang (Lokietek) aus Kujawien, der sich 1320 in Krakau weihen ließ.
Daß König Wenzel II. von Böhmen nicht nur durch freie Hand für seine Polen-Politik, sondern neben der Pfandschaft Eger auch im Nordwesten mit Reichsvikariaten für Meißen, Osterland und Pleißenland belohnt wurde, verhieß den WETTINERN allerdings nichts Gutes.
Im selben Jahr hatte ein Reichshoftag zu Nürnberg mit Königinweihe für Elisabeth von Görz-Tirol das Einverständnis mit den Kurfürsten demonstriert, unter denen besonders der Böhmen-König mit den erwähnten Reichsvikariaten für Meißen sowie das Oster- und Pleißenland und mit der Pfandschaft über Eger hohen Lohn einstrich, ganz abgesehen von der HABSBURGER Zustimmung zur Polen-Politik des PREMYSLIDEN; diese führte seit 1300 tatsächlich zum dortigen Königtum Wenzels II.
Doch als der päpstliche ANJOU-Kandidat Karl Robert - seine Mutter war König RUDOLFS I. Tochter Clementia - trotz seiner Weihe durch den Elekten von Gran in Agram von 1301 durch eine Stuhlweißenburger Erhebung Wenzels III. von ebenfalls 1301 gefährdet schien, änderte sich die Haltung König ALBRECHTS I. Die premyslidische Expansion lediglich nach Polen hin hatte er unterstützt, und zwar bis hin zu deren Legitimierung durch König Wenzels II. Gnesener Weihe und dessen großpolnische Ehe von 1300; aber Wenzels III. eventueller Erbanspruch in Ungarn gründete sich immerhin darauf, daß er Enkel von König Belas IV. Enkelin Kunigunde von Tschernigov und Halitsch war.
Wahrscheinlich für die HABSBURGER überraschend, hatten sich die PREMYSLIDEN 1301 auch in Ungarn als königsfähig und sogar kirchlich legitimierbar erwiesen. König ALBRECHT I. befürchtete nunmehr eine Umfassung der HABSBURGER-Herrschaft durch die PREMYSLIDEN und forderte deshalb im Einvernehmen mit Bonifaz VIII. den Rückzug aus Ungarn, zur Vorbereitung eines einträglichen Kompromissses aber darüber hinaus auch noch den Abzug der PREMYSLIDEN aus Meißen, dem Pleißenland und Eger sowie 80.000 Mark in bar oder eine entsprechende Direktbeteiligung aus den Kuttenberger Silbergruben. Militärisch fuhr sich die Auseinandersetzung eben vor Kuttenberg fest und kostete den HABSBURGER sogar seine Verbündeten aus Nieder-Baiern und Württemberg, so daß erst das Ableben des höchstens 34-jährigen Wenzel II. am 21. Juni 1305 einen Ausgleich zugunsten des römischen Königs ermöglichte, und als jahrs darauf Wenzel III. zu Olmütz überraschend ermordet wurde, konnte König ALBRECHT I. Böhmen sogar als erledigtes Reichslehen für seinen ältesten Sohn Rudolf III. einzuziehen versuchen.

Machilek Franz: Seite 297-299,302,304-305
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"Premysliden, Piasten und Arpaden und der Klarissenorden" in:
Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag

1277 war die erstgeborene Tochter Premysl Ottokars II., Kunigunde (gest. 1291), im Rahmen der premyslidischen Heiratspolitik zunächst einem Fürsten aus dem Hause WETTIN, dann aus dem Hause ANJOU und schließlich aus dem Hause HABSBURG bestimmt worden, trat aber nach Aufgabe des letztgenannten Heiratsplanes mit zwölf Gefährtinnen in einer feierlichen Zeremonie in das Agneskloster zu Prag ein. 14 Jahre später spielte sie im Rahmen der premyslidischen Territorialpolitik erneut eine Rolle als Objekt eines dynastischen Heiratsprojektes: Im Sinne der Politik Wenzels II. heiratete die PREMYSLIDEN-Tochter 1291 Herzog Boleslaw II. von Masowien.
1296 ließ Wenzel II. die Gebeine seines Vaters in die Prager Domkirche St. Veit übertragen, wo dieser mit großem Pomp beigesetzt wurde. Das Znaimer Klarissenkloster erfuhr durch Wenzel II. besondere Förderung. Elisabeth, die erste Äbtissin, stand mit ihm in enger Verbindung. Das Klarissenkloster zu Troppau wurde nach mehrjähriger, mit dem Jahr 1288 einsetzender Vorbereitungszeit zu Beginn der neunziger Jahre durch Wenzel II. in Absprache mit den am Ort bereits ansässigen Minderbrüdern begründet.
1292 wurde das neue Stift zu Alt-Sandez durch den böhmischen König Wenzel II., dem damals die Herrschaft über Krakau zustand, bestätigt. 

Benker Gertrud: Seite 32,35,40,43,51
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"Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron."

Böhmens Freundschaft hatte man sich zu sichern geglaubt, als man König Wenzel II. die Schwester ALBRECHTS, Guta, zur Gemahlin gab. Aber ihr Einfluß war großen Schwankungen unterworfen, und die Beziehungen zu dem nicht nur politisch unbeständigen Wenzel erwiesen sich als schwierig. Wie oft wurde in den nächsten Jahren der Versuch unternommen, das böhmische Problem auf dem Weg der Verschwägerung anzugehen!
Bereits im November 1296 hatte Peter von Aspelt als böhmischer Kanzler den Mainzer Erzbischof Gerhard nach Prag gebeten, damit er die längst fälligen Krönungszeremonien an Wenzel II. und seiner Gemahlin vornehme. Er war als Arzt am Hofe der HABSBURGER zu Ansehen und Einfluß gelangt. Als dann die Königs-Tochter Guta dem Böhmen-König Wenzel II. angetraut wurde, fand sich keiner, dem man die Beziehungen Österreichs zu diesem gefährlichen Nachbarn im Osten getroster anvertrauen konnte, als Peter von Aspelt. Es war ein Fest, das nichts zu wünschen übrig ließ. Natürlich mußte die Pracht der Krönung auch an Wenzels Gemahlin, der Schwester ALBRECHTS, zur Schau gestellt werden: man nahm da keine Rücksicht auf die im Kindbett liegende Frau, sie mußte die langwierigen Zeremonien über sich ergehen lassen - "daz kam ir übel hernach". Die Krönungstage boten Gelegenheit, die wichtigsten Reichsfürsten in Gespräche zu verwickeln und ein Netz von Intrigen auszulegen. Anfang Februar 1298 kam es auf einem Fürstentag in Wien zu weiteren Verhandlungen, bei denen es bereits um die Absetzung König ADOLFS ging.
Um seinen unzuverlässigen Schwager, König Wenzel II. von Böhmen, für seine eigene Wahl zu gewinnen, hatte er ihm Güter aus dem Konradinischen Erbe verpfändet; der letzte STAUFER war der Sohn einer niederbayerischen Herzogs-Tochter gewesen, und der Schwager [Richtig: Onkel] Konradins, Herzog Heinrich von Nieder-Bayern, und dessen Nachfolger beanspruchten mit Recht den Nachlaß. ALBRECHT verfügte bereits am 12. Februar 1298 über einen Teil dieser Güter und sprach sie nun als König der böhmischen Krone zu: Es waren die Länder um Floß, Parkstein und Weiden im Nordgau sowie das Egerland und das Pleißner Land mit Altenburg.
Weitere politische Fäden wurden gezogen: Eine Verlobung des böhmischen Königs-Sohnes Wenzel (III.) mit einer ungarischen Königs-Tochter sollte im Osten den aggresiven Geist besänftigen und befriedete Verhältnisse schaffen.
1301 war in Ungarn der letzte ARPADE, König Andreas III., kinderlos verstorben, und nun gerieten sich nicht nur die innerungarischen Parteien um die Nachfolge in die Haare, sondern auch die außerungarischen Dynastien, die irgendwelche Verwandtschaftsrechte anzumelden hatte: das Haus HABSBURG (ALBRECHTS Tochter Agnes war die Witwe Andreas' III.); König Wenzel II. von Böhmen war ebenso ein Enkel des ARPADEN-Fürsten Bela IV. [Richtigstellung: Ur-Enkel], wie Herzog Otto  III. von Nieder-Bayern (über seine Mutter Elisabeth) und Karl Martell von Anjou (über seine Mutter Maria). Wenzels II. gleichnamiger Sohn war von einer ungarischen Adelspartei erhoben worden, konnte sich aber gegenüber der ANJOU-Partei mit ihrem Kandidaten Karl Robert (Sohn Karl Martells) nicht halten und wich 1304 nach Prag zurück. Dabei nahm er die ungarischen Kroninsignien mit sich.
Otto der Ältere von Nieder-Bayern glaubte nun, er könne mit Unterstützung der ungarischen Großen das Unternehmen wagen. Er reiste nach Prag und bestimmte den sterbenden Wenzel II. auf die ungarische Krone zu erzichten. Der junge Wenzel III. bestätigte vor dem Landtag in Brünn diese Verzichterklärung und ließ sich zur Herausgabe der Kroninsignien bewegen (Oktober 1305).





 
  21.1.1285
  1. oo Jutta von Habsburg, Tochter des Königs RUDOLF I.
          13.3.127121.6.1297
          Rheinfelden  Prag

  26.5.1300
  2. oo 1. Elisabeth-Richsa von Polen, Tochter des Königs Przemyslaw II.
               um 128618.10.1335
               Lemberg Brünn

       16.10.1306
        2. oo Rudolf III. Graf von Habsburg
                12814.7.1307
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Przemysl Ottokar
  6.5.128819.11.1288

  Wenzel III.
  6.10.12894.8.1306

  Agnes
  6.10.12891293

  Anna
  15.10.12903.9.1313

13.2.1306
   oo Heinrich VI. Herzog von Kärnten
       1265/732.4.1335

  Elisabeth
  20.1.1292 28.9.1330
  Prag      Prag

31.8.1310
  oo Johann Graf von Luxemburg
       10.8.1296 26.8.1346

  Judith
  4.3.12933.8.1294

  Johann I.
  26.2.12941.3.1294

  Johann II.
  21.3.12956.12.1296

  Margarete
  9.2.12967./8.4.1322

 1308/10
  oo 1. Boleslaw III. Herzog von Schlesien-Liegnitz
          23.3.1291 21.4.1352

  Agnes
         um 1296

 1296
  oo Ruprecht VI. Graf von Nassau
       um 1280 2.11.1304

2. Ehe

  Agnes
  15.6.13051336/4.1.1337

 1319
  oo Heinrich I. Herzog von Schlesien-Schweidnitz-Jauer
       1292/966.3./15.5.1346
 

Illegitim

  Johann Wolek Bischof von Olmütz (1334-1351)
        27.9.1351
 
 
 
 

Literatur:
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