Vladislav I.                                       Herzog von Böhmen (1109-1117)(1120-1125)
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um 1065
12.4.1125
 

Zweitjüngster Sohn des Königs Vratislav II. von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN aus seiner 2. Ehe mit der Swatawa von Polen, Tochter von Herzog Kasimir I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1804
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Vladislav I., Herzog von Böhmen  1109-1117
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12. April 1125

Zweitjüngster Sohn Vratislavs II.

  oo Richeza von Berg

Vladislav I. erlangte den Thron in Prag nach dem Tod Fürst Svatopluks (21. September 1109). Die Auseinandersetzungen um die Herrschaft während seiner Regierung führten zu einer Schwächung der fürstlichen Macht und der internationalen Bedeutung Böhmens. Ende 1109 verteidigte Vladislav I. erfolgreich den Thron gegen den Anspruch seines älteren Bruders Borivoj II., der 1107 von Svatopluk gestürzt worden war. 1110 folgten Kämpfe Vladislavs I. mit Polen. Vladislav I., 1114 als erster PREMYSLIDE 'Mundschenk des Reiches' genannt, war politisch eng verbunden mit Kaiser HEINRICH V. Abwechselnd bald seine Brüder (Borivoj II., Sobeslav I.), bald seine Vettern (Otto II. von Olmütz) unterstützend, suchte er im Innern seine Macht zu erhalten. 1116 erreichte die Spannung mit Ungarn ihren Höhepunkt, und eine für Böhmen siegreiche Schlacht begünstigte die Friedensverhandlungen Vladislavs I. mit König Stephan II. 1117 überließ Vladislav I. aus unbekannten Gründen die Regierung seinem Bruder Borivoj II., der jedoch bereits 1120 wieder vertrieben wurde. Vladislav I. übernahm erneut die Herrschaft und bestimmte entgegen früheren Versprechen gegen Otto II. von Olmütz seinen jüngeren Bruder Sobeslav zum Nachfolger.

Literatur:
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A. Bachmann, Geschichte Böhmens, I, 1899, 289-295 - B. Bretholz, Geschichte Böhmens und Mährens bis zum Aussterben der Premysliden (1306), 1912, 196-203.


Brandenburg Erich: Tafel 37 Seite 74
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XI. 194c. WLADISLAW I.
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* ca 1070,
1125 12. IV.

Herzog von Böhmen 1109

Gemahlin:
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Richza, Tochter des Grafen Heinrich von Berg-Schelklingen
    


Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Seite 7 Tafel 2
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"Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

WLADISLAW I.
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12.4.1125

1109-1125 Herzog

  oo RICHSA VON BERG
             
27.9.1125

Tochter des Grafen Heinrich I. von Berg

Thiele, Andreas: Tafel 81
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

WLADISLAW I.
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1125

Sohn des Herzogs (Königs) Wratislaw II. von Böhmen


Vladislav I.
verjagte 1107 seinen Bruder Boriwoi II. und folgte 1109 dem Cousin Swatopluk als Herzog von Böhmen, setzte Boriwoi 1117-1120 nochmals formal ein, anerkannte die deutsche Hoheit und zog 1110-1111 mit Kaiser HEINRICH V. nach Italien. Dieser übertrug ihm 1114 das Reichsamt des Mundschenks. Er verlor beide Lausitzen wieder und stritt ständig mit den Brüdern und Vettern in Mähren. Er bekriegte Polen wegen Schlesien und Österreich wegen Grenzfragen, förderte entscheidend die deutsche Besiedlung (Basis der späteren Sudetendeutschen).


  oo RICHZA VON BERG
            
1125

Tochter des Grafen Heinrich I. zu Schelklingen, förderte den Schwager
 

Weller Tobias: Seite 333-334,368
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"
Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Borivojs Regierungszeit war geprägt von ständigen Auseinandersetzungen um die böhmische Herzogswürde, die in der Fürsten-Familie der PREMYSLIDEN geradezu notorisch waren. Begründet lagen sie in dem Gegensatz widerstreitender Erbfolgeprinzipien. Das althergebrachte Senioratsprinzip sah vor, daß die (teil)fürstlichen Herrschaften der Familienmitglieder unter der Oberhoheit des ältesten Sippenangehörigen stehen sollten (maior natu summum ius et solium obtineat) [48 Nach Cosmas von Prag, Chron. Boem, lib. II, c.13, MGH SSrG NS 2, 101ff., soll diese
Sukzessionsordnung in Böhmen auf Bretislav I. (
1055) zurückgehen (hier 102).]. Dagegen setzte im Laufe des 12. Jhs. das Prinzip der Primogenitur seine Geltung auch in Böhmen durch [49 Vgl. Stanislaw RUSSOCKI: Senior (Seniorat), II. Böhmen und Polen, in: LMA 7 (1995) 1756f.]. Dieser an sich schon prekäre Grundsatzkonflikt wurde durch den hemmungslosen Ehrgeiz einzelner Familienmitglieder weiter verschärft. So geriet Borivojs Herrschaft gleich nach Regierungsantritt in Gefahr, als 1101 sein Vetter Odalrich von Brünn ( 1113/15) eigene Thronfolgeansprüche mit Waffengewalt durchzusetzen versuchte [50 Cosmas von Prag, Chron. Boem., lib.III, c.15, MGH SSrG NS 2, 176ff.]. Zwar konnte dieser Umsturzversuch abgewehrt werden, doch 1107 mußte Borivoj nach mehrjährigen Auseinandersetzungen mit Svatopluk von Olmütz, einem anderen Vetter, nach Polen fliehen. Seine Klage vor König HEINRICVH V. führte zur vorübergehenden Inhaftierung Svatopluks, doch gelang es Borivoj nicht, währendessen in Böhmen Fuß zu fassen, woraufhin Svatopluk freigelassen wurde [51 Cosmas von Prag, Chron. Boem., lib III, c.16-21, MGH SSrG NS 2, 178-188. Beim Bericht des Thronwechsels vergleicht Cosmas Borivoj mit einem Lamm, Svatopluk hingegen  mit einem Tiger und Löwen (vgl. ebd., lib. III, c.19, 185). Vgl. zum Gesamtzusammenhang MEYER VON KNONAU, Heinrich V. 6, 61-65; BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 191ff.; HOENSCH, Geschichte Böhmens 66.]. Er wurde allerdings im September 1109, wiederum auf Anstiftung der VRSOVCI, ermordet. In den nachfolgenden Auseinandersetzungen um die Herzogsnachfolge konnte sich Borivojs jüngerer Bruder Vladislav ( 1125) gegen Svatopluks Bruder Otto von Mähren ( 1126) durchsetzen. Nun aber trat auch der aus dem polnischen Exil zurückgekehrte Borivoj als Prätendent auf. Es gelang ihm, Prag einzunehmen, während Vladislav auf dem Weg nach Regensburg war, um bei HEINRICH V. um die Belehnung nachzusuchen. Durch das Eingreifen des Königs konnte Vladislav die Herrschaft jedoch wiedergewinnen. Borivoj wurde vor den königlichen Hof bei Pilsen geladen, dort unverzüglich gefangengenommen und zur Verbannung auf die rheinische Burg Hammerstein gebracht [52 Cosmas von Prag, Chron. Boem., lib. III, c. 27-32, MGH SSrG NS 2, 195-203. Vgl. zum Gesamtzusammenhang MEYER VON KNONAU, Heinrich V. 6, 112f.; BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 196f.; HOENSCH, Geschichte Böhmens 67.].
Ende 1117 wendete sich das Blatt wieder. Herzog Vladislav sah sich gezwungen, seinen Bruder Borivoj aus der Verbannung zurückzurufen und ihm die Herzogswürde abzutreten, während er selbst sich mit der Herrschaft in den Landesteilen nördlich der Elbe begnügte. Die Hintergründe dieses seltsamen Vorgangs bleiben im dunkeln. Die Chronik Cosmas' von Prag läßt sich hierüber ebenso wenig aus wie über die Umstände, warum Borivoj im August 1120 wieder von Vladislav entthront wurde und erneut ins Exil fliehen mußte, diesmal nach Ungarn [53
Vgl. Cosmas von Prag, Chron. Boem., lib. III, c. 43 und 46, MGH SSrG NS 2, 217 ff. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 199f.; HOENSCH, Geschichte Böhmens 67.]. Hier starb er am 2. Februar 1124 nach einem wechselvollen Lebensweg [54 Vgl. Cosmas von Prag, Chron. Boem., lib. III, c. 54, MGH SSrG NS 2, 217f., der hier in einem dichterischen Einschub sowohl der zweimaligen Herzogserhebung und des zweimaligen Sturzes als auch der 15-jährigen Verbannung inklusive der sechsjährigen Haft Borivojs gedenkt; der Chronist versagt sich dabei ausdrücklich, die Hintergründe hierfür darzulegen.].
Gertrud, die dritte Tochter Markgraf Leopolds III. wurde dem Böhmen-Herzog Vladislav II. in die Ehe gegeben [262 Vgl. die Quellenzitate in Anm. 220 und 221. Zur Person des Herzogs vgl. Josef Zemlicka: Vladislav II., Herzog und König von Böhmen, in: LMA 8 (1997) 1804f.]. Derselbe war ein Sohn jenes Vladislav ( 1125), der sich 1109/10 gegen die Anfechtungen seines Bruders Borivoj im Besitz der Herzogswürde behauptet hatte, später aber zeitweise die Herrschaft mit ihm teilen mußte. 





 um 1110

  oo Richinza von Berg-Schelklingen, Tochter des Grafen Heinrich I.
       um 1095
27.9.1125
 
 
 
 

Kinder:

  Diepold I. Herzog von Mähren-Jamnitz
       
14./15.8.1167

  Vladislav II.
       
18.1.1175

  Swatawa
      
um 1146

  1124
   oo Friedrich von Bogen Burggraf von Regensburg
           
1148

  Heinrich
      
nach 1169
 
 
 
 

Literatur:
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Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 37 Seite 74 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 81 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Seite 7 Tafel 2 -  Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 333-334,353,368, 598,656-657,707 -