Sobieslav II.                                     Herzog von Böhmen (1173-1179)
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1128
29.1.1180
 

Jüngerer Sohn des Herzogs Sobieslav I. von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN und der Adelheid von Ungarn-Kroatien, Tochter von Herzog Almos
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2017
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Sobeslav II., Herzog von Böhmen 1173-1179
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1180

Sohn Sobeslavs I.

Lebte seit dem Regierungsantritt Vladislavs II. (1140) im Exil in Deutschland. Die Teilnahme Vladislavs II. am 2. Kreuzzug nutzte Sobeslav zu einem Umsturzversuch in Böhmen, doch wurde er gefangengenommen und auf der Burg Primda (Pfraumberg) in W-Böhmen eingekerkert. Nach seiner Flucht 1150 lebte er erneut im Exil (zeitweise am Hof FRIEDRICH BARBAROSSAS), bis er sich 1161 der Burg Olmütz bemächtigte. Bei Friedensverhandlungen in Prag wurde Sobeslav von Vladislav festgenommen und erneut nach Primda verbracht. Erst 1173 erlangte er auf Intervention BARBAROSSAS die Freiheit, der die rechtswidrig, ohne Bewilligung des Kaisers vorgenommene Übertragung der Herrschaft auf Vladislavs Sohn Friedrich zum Anlaß nahm, beide ihrer Würde zu entkleiden und Sobeslav II. als Herzog einzusetzen. Sobeslav II. wurde in Böhmen begeistert aufgenommen (u.a. bestätigte er urkundlich die Privilegien der Deutschen in Prag), doch entspricht seine Politik nicht den Wünschen des Kaisers: Nach einem Einfall nach Österreich (1176-1177) fiel Sobeslav II. in Ungnade. BARABAROSSA gestattete dem vorher entthronten Friedrich die Wiedererlangung des Herzogtums (Anfang 1179 Sieg Friedrichs über Sobeslav II. bei Prag). Sobeslav II. floh und starb im Ausland.


Brandenburg Erich: Tafel 37 Seite 74
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XII. 306. SOBJESLAV II.
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* ...,
1180 29. I.

Herzog zu Olmütz 1160
gefangen 1161 bis 1173
Herzog von Böhmen 1173-1179

Gemahlin:
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ca. 1175
Elisabet, Tochter des Königs Miesco III. von Polen (siehe XIII. 507.)
    
1209 2. XI.


Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Seite 7 Tafel 2
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"Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

SOBIESLAV II.
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29.1.1180

1173-1178 Herzog

  oo ELISABETH VON POLEN
            

Tochter des Herzogs Miseko III. von Groß-Polen


Thiele, Andreas: Tafel 80
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

SOBIESLAW II.
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1180

Sobieslav II.
war Regent in Mähren und versuchte während der Abwesenheit Herzog Vladislavs II. auf dem 2. Kreuzzug die Krone zu gewinnen. Er war 1148-1150 inhaftiert, 1150-1161 im polnischen Exil, besetzte anschließend Olmütz und war erneut bis 1173 gefangengesetzt. 1173 von Kaiser FRIEDRICH I. gegen seinen Vetter Friedrich zum Herzog von Böhmen eingesetzt, erließ er das "Sobieslavum"-Privileg für deutsche Kaufleute. Er wurde nach jahrelangen Bürgerkriegen gegen die Vettern und Österreich durch die Schlacht bei Wyschehrad 1179 wieder verjagt, kämpfte bis zuletzt weiter und scheiterte gegen Herzog Friedrich. Er war wesentlich weniger fähig, kraftvoll und entschlossen als der Vater.

  oo ELISABETH VON POLEN
             
1209

Tochter des Herzogs Mieszko III.
(2. Ehe: oo Konrad II. von der Lausitz, siehe Wettin Ia)

Lechner, Karl: Seite 167
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"

Nach der Abdankung des Königs Wladislaws (1173) folgte nicht sein vorbestimmter Sohn Friedrich, sondern dessen Vetter Sobeslaw II., der Führer der nationalen Partei, der mit Elisabeth, der Tochter Herzog Mieczyslaws von Polen verheiratet war und Herzog von Böhmen wurde. Er fand dabei die volle Unterstützung Kaiser FRIEDRICHS. Es kam sofort zu schweren Gegensätzen, nicht zuletzt hervorgerufen durch die ungeheure Energie, mit der die österreichischen Herren und Kolonisten in die waldreichen Grenzgebiete gegen Böhmen vordrangen und die Grenze immer weiter gegen Norden vorschoben. Schon 1175/76 kam es zum Einfall in Österreich und zur Verwüstung des Landes nördlich der Donau, besonders des Waldviertels. Die österreichischen Annalen berichten zum Jahre 1176 von den verbündeten Böhmen, Ungarn, Polen und Sachsen, die in das Herzogtum Österreich einfielen.

Weller Tobias: Seite 177,389,390,601-602,690
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Überdies hatte sich Bela III. zeitweise mit Herzog Sobeslav II. von Böhmen (1173-1178), 1180) verbündet, der seinerseits ein aufsässiges Verhalten gegenüer seinem kaiserlichen Lehnsherrn an den Tag legte [904 Vgl. KRISTO/MAKK, Könige Ungarns 343.]. Als sich der nach Deutschland geflüchtete Thronprätendent Geza († vor 1210), ein Bruder Belas III., 1177 auf der Durchreise durch Böhmen befand, wurde er von Sobeslav gefangengenommen und kurzerhand nach Ungarn ausgeliefert, wo ihn Bela für die nächsten zwölf Jahre in Haft legte [905 Vgl. BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 276; HOMAN, Geschichte 1, 430f.; KOSTOL/NYIK, Coloman 206f.]. Dieses Vorgehen mußte BARBAROSSA als Affront empfinden, denn sein Hof war das eigentliche Ziel von Gezas Reise gewesen [906 Vgl. Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1177, MGH SS 17, 689.].
Mit dem Tod Manuels (
24. September 1180) und der Absetzung und Vertreibung Sobeslavs aus Böhmen (1178/79) [907 Vgl. hierzu BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 276ff.] waren jedoch die größten Hindernisse beseitigt.
In Böhmen hatte sich nach der Resignation König Vladislavs 1173 ein anderer Zweig der premyslidischen Fürsten-Familie im Besitz des Herzogtums durchsetzen können. Obwohl Vladislav seinen erstgeborenen Sohn Friedrich als Nachfolger eingesetzt hatte, konnten Udalrich und Sobeslav II., die Söhne Sobeslavs I. (
1140), den Kaiser dafür gewinnen, daß er ihre Ansprüche auf das Herzogtum anerkannte. BARBAROSSA setzte schließlich Friedrich im September 1173 ab und belehnte Udalrich mit dem Herzogtum Böhmen, der aber gleich zugunsten seines Bruders Sobeslav II. auf die Herrschaft verzichtete [401 Vgl. Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1173 und 1174, MGH SS 17, 685f. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 269ff.; OPLL, Itinerar 58f.; PRINZ, Böhmen 117; HOENSCH, Geschichte Böhmens 73. Zur Person des 1173 eingesetzten Herzogs vgl. Jiri KEJR: Sobeslav II., Herzog von Böhmen, in: LMA 7 (1995) 2017f.]. Bald jedoch verschlechterte sich das Verhältnis zwischen dem neuen Herzog und FRIEDRICH BARBAROSSA. Ende 1174/Anfang 1175 beschwerte sich der Kaiser bei Sobeslav über die mangelnde Disziplin und Kampfbereitschaft der böhmischen Truppen, die ihn auf dem fünften Italienzug begleiteten, und darüber, daß der Herzog dem Prager Bischof Friedrich die Reise zum kaiserlichen Hof verwehrt habe. 1176 fielen die Böhmen in Österreich ein und verwüsteten das Land; im Verlauf dieser Kämpfe war Heinrich Jasomirgott, der Onkel des Kaisers, tödlich verunglückt. Nachdem sich Sobeslav auch noch mit dem premyslidischen Teil-Fürsten Konrad-Otto von Znaim ( 1191) überworfen hatte, wurde er an den Hof BARBAROSSAS vorgeladen, um sich dort zu rechtfertigen. Da er nicht erschien, erkannte ihm der Kaiser das Herzogtum ab und verlieh es demselben Friedrich, dessen Erbfolge er 1173 noch verhindert hatte [405 Vgl. Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1177, MGH SS 17, 689. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 275f.].
Daraufhin lieferten sich die beiden Rivalen um den böhmischen Herzogsthron wechselvolle und blutige Auseinandersetzungen, wobei Friedrich auch Unterstützung durch österreichische Truppen erhielt, die ihm Konrad-Otto zuführte [406 Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1177, MGH SS 17, 689.]. Im Januar 1179 endlich wurde der Streit durch eine Schlacht vor Prag zugunsten Friedrichs entschieden; letzte Scharmützel zogen sich indes noch bis in den Herbst des Jahres hin [407 Vgl. BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 276ff.]. Angesichts dieser Sachlage darf man annehmen, daß es nicht zuletzt an der entgegenkommenden Haltung Herzog Friedrichs lag, wenn im Juni 1179 auf dem Hoftag zu Eger der böhmisch-österreichische Grenzkonflikt geregelt werden konnte und hierbei der Verlauf der Grenzlinie zugunsten Östererichs in das böhmisch-mährische Gebiet vorgeschoben wurde. Immerhin stand Friedrich wegen der österreichischen Waffenhilfe gewissermaßen in der Schuld des babenbergischen Herzogs.
Die Möglichkeit hierzu bot sich ihm erst 1173 nach der Belehnung durch FRIEDRICH BARBAROSSA. Udalrich aber trat die Herzogsherrschaft sogleich an seinen älteren Bruder Sobeslav II. (
1180) ab [154 Vgl. Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1174, MGH SS 17,686. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 270f.], der zuvor von König Vladislav über zwölf Jahre auf Burg Primda in Haft gehalten worden war [155 Sobeslavs Herrschaft in Böhmen war indes keine lange Dauer beschieden; 1178 wurde ihm von FRIEDRICH BARBAROSSA die Herzogswürde aberkannt und wieder an Friedrich, den Sohn König Vladislavs, verliehen. Vgl. Jiri KEJR: Sobeslav II., Herzog von Böhmen, in: LMA 7 (1995) 2017f.]. Für den Verzicht auf die böhmische Herzogswürde wurde Udalrich mit Mähren entschädigt [156 Seinen gehobenen Adelsrang vertrat Udalrich auch als Fürst von Mähren weiter; in einer Urkunde von 1174 führte er den stolzen Titel Oldricus, dei gratia Morauorum dux (CDRB 1, No. 270,238f.]. 1174 begleitet er den Kaiser auf dessn fünftem Zug nach Italien, wo die Quellen seine Teilnahme an der Belagerung von Alessandria erwähnen [157 Vgl. Gerach von Mühlhausen, Cont. zu 1175, MGH SS 17, 687. Bezeugt ist Vlricus dux Boemorum auch in einer am 19. Dezember 1174 ausgestellten Herrscherurkunde (D F. I. 633). Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 273f., GATTERMANN Reichsheerfahrt, Anhang (217).]. Drei Jahre später wurde er aus unbekannte Gründen von Sobeslav II. eingekerkert [158 Vgl. Ann. Prag. zu 1177, MGH SS 3, 121: Odalricus dux a fratre suo capitur. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 274; HOENSCH, Geschichte Böhmens 74.] und scheint wenig später gestorben zu sein.
Dieser Konrad nahm eine PIASTEN-Prinzessin namens Elisabeth eine Tochter des polnischen Großfürsten Mieszko III. (
1202), zur Frau, die zuvor in erster Ehe mit Herzog Sobeslav II. von Böhmen verheiratet gewesen war [366 Gen. Wettin..MGH SS 23, 230.]. Die Ehe muß demzufolge nach dem 29. Januar 1180, dem Todestag des PREMYSLIDEN, geschlossen worden sein.



 

 

  oo 1. Elisabeth von Polen, Tochter des Herzogs Mieszko III.
           um 1153
2.4.1209

     2. oo Konrad II. Graf von Groitzsch
              nach 13.9.1159
6.5.1210
 
 
 
 

Literatur:
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Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 37 Seite 74 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 163 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Köln 1985 Seite - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 161,166 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 80 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Seite 7 Tafel 2 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 177,363,386,389,390,601-602,670,677,690,696 -