Sobieslav I.                                      Herzog von Böhmen (1125-1140)
---------------                                     Herzog zu Znaim (1112-1125)
um 1075
14.2.1140                       Herzog zu Brünn (1115-1123)
               Hostinne (Arnau) in NO-Böhmen

Jüngster Sohn des Herzogs Vratislav II. von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN aus seiner 2. Ehe mit der Swatawa von Polen, Tochter von Herzog Kasimir I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2017
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Sobeslav I., Herzog von Böhmen 1125-1140
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14. Februar 1140
      Hostinne (Arnau) in NO-Böhmen

Sohn Vratislavs II.

Lebte wegen Streitigkeiten mit dem regierenden Herzog Vladislav I. lange im Ausland (vor allem in Polen), wurde nach dem Tode Vladislavs zum Herzog gewählt. Dagegen erhob Fürst Otto von Olmütz Einwände, der König LOTHAR III. bat, ihm aufgrund eines höheren Nachfolgeanspruchs das Herzogtum zu übertragen. Es gelang Otto, den König zu einem Feldzug nach Böhmen zu bewegen. Doch erlitt LOTHAR 1126 eine verheerende Niederlage bei Kulm (Chlumec), in der Otto getötet wurde. Der König war genötigt, Sobeslavs I. Huldigung entgegenzunehmen und ihn als Herzog anzuerkennen; ihr Verhältnis zueinander war seither friedlich. Sobeslav I. regierte unabhängig und knüpfte internationale Beziehungen an, besonders zu Ungarn. Seine Sorge galt der öffentlichen Ordnung (1130 Bestrafung von Aufständischen) und der Sicherheit des Landes (Befestigung der Grenzgebiete). In seinen letzten Lebensjahren suchte er die Nachfolge seines Sohnes Vladislav zu sichern: 1138 erbat er erfolgreich von König KONRAD III. das Herzogtum für Vladislav und zwang die böhmischen Adligen zu einem Treueschwur. Doch begannen bereits 1140, als Sobeslav I. im Sterben lag, im Adel Auseinandersetzungen um die Nachfolge, und nach Sobeslavs I. Tod erlangte nicht der bereits belehnte Sohn Sobeslavs, sondern der gleichnamige Sohn Vladislavs I., Vladislav II., das Herzogtum.


Brandenburg Erich: Tafel 37 Seite 74
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XI. 196c. SOBIESLAV I.
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* ca. 1075,
1140 14. II.

Herzog von Brünn 1115
Herzog von Böhmen 1125

Gemahlin:
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ADELHEID (? Tochter König Kolomans oder des Prinzen Alomus von Ungarn (siehe XII. 275.)
     
1140 15.  IX.

Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Seite 7 Tafel 2
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"Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

SOBIESLAW I. UDALRICH
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14.2.1140

1125-1140 Herzog

  oo um 1123
       ADELHEID VON UNGARN
              
15.9.1140

Tochter des Herzogs Almos


Thiele, Andreas: Tafel 80
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

SOBIESLAW I.
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* um 1075
1140

1112 Herzog von Znaim
1115-1123 Herzog von Brünn

Sobieslav I.
stand seit 1109 ständig gegen seinen Bruder Vladislav I., wurde von diesem mehrmals verjagt und inhaftiert und folgte ihm als Senior 1125 auf dem Herzogsstuhle. Am 18.2.1126 besiegte er Kaiser LOTHAR III. und Otto II. von Olmütz bei Kulm. In der Folgezeit erkannte er die anfangs verweigerte deutsche Lehnshoheit an, half den WELFEN im Thronkrieg und besetzte die Lausitzen. Er anerkannte 1138 erneut die deutsche Lehnshoheit und behielt die Lausitzen, die ein ständiger Zankapfel mit den WETTINERN waren. Er förderte die Missionsarbeit der Zisterzienser, zog Znaim, Brünn und Olmütz ein und beherrschte damit auch Mähren, was zu ständigen Streitereien mit den verdrängten Vettern und Neffen führte.

  oo um 1123
       ADELHEID VON UNGARN
             
1140

Tochter des Herzogs Almos von Ungarn-Kroatien

Lechner, Karl: Seite 145
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"

Markgraf Leopold IV. von Österreich heiratete Maria, die Tochter des Böhmen-Herzogs Sobieslaw, der im ersten Jahr seiner Regierung dem König den Vasalleneid geleistet hatte. Sobieslaw, 1125-1140 Herzog von Böhmen, war der jüngste Bruder des unglücklichen Herzogs Boriwoi ( 1124), der bekanntlich mit einer Schwester Markgraf Leopolds III. Gerbirg verheiratet war.

Weller Tobias: Seite 47-48,51,353-354,369
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"
Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

HEINRICH (VI.) wurde bereits früh in die heiratspolitischen Konzeptionen Konrads III. eingebunden. Wie die Visegrader Fortsetzung der Chronik des Cosmas von Prag berichtet, wurde er 1139, im Alter von zwei oder drei Jahren, mit Sophia von Ungarn, der Tochter König Belas II. des Blinden (1131-1141) verlobt; die nuptiae der Königskinder - gemeint sind offenbar die Verlobungsfeierlichkeiten - fanden demnach zu Pfingsten desselben Jahres statt. Dieselbe Quelle überliefert, bei dieser Gelegenheit habe auch Herzog Sobeslav I. von Böhmen (1125-1140) den Ungarn-König aufgesucht. In ihm darf man wohl den Vermittler der Eheabsprache sehen, denn der PREMYSLIDEN-Herzog war nicht
nur ein Schwager Belas [226
Sobeslav ( 1140) war mit Belas ( 1141) Schwester Adelheid ( 1140) verheiratet; vgl. Europäische Stammtafeln NF 1/2 (1999), Tafel 177.], sondern er hatte sich noch im Vorjahr mit KONRAD III. hinsichtlich der Erbfolge im böhmischen Dukat ins Benehmen gesetzt und seine Tochter Maria dem österreichischen Markgrafen Leopold IV. ( 1141), einem Halb-Bruder des STAUFER-Königs, in die Ehe gegeben [227 Zu den Verhandlungen zwischen Sobeslav und KONRAD III. auf dem Bamberger Hoftag 1138 und der Eheschließung Leopolds IV. von Österreich mit Maria von Böhmen vgl. unten Seite 353 f.]. Als Verwandter des ungarischen wie auch des römisch-deutschen Königs war Sobeslav der geeignete Mittelsmann für die Heitratsvereinbarung zwischen beiden Herrscher-Familien.
Womöglich trat schon 1140/41 eine Verschlechterung des Verhältnisses zwischen KONRAD III. und dem ungarischen König ein. Im Februar 1140 starb Herzog Sobeslav I., der mutmaßliche Vermittler der staufisch-arpadischen Eheabsprache. Als Nachfolger im böhmischen Dukat wurde sein Neffe Vladislav II. (
1174) gewählt. Dies war ein Affront gegen die 1138 zwischen KONRAD III. und Sobeslav vereinbarte Sukzessionsregelung, wonach der Sohn des letzteren, ebenfalls Vladislav ( 1165) mit Namen, die Erbfolge vorgesehen war. Dieser Vladislav war damals - noch zu Lebzeiten seines Vaters - mit dem Herzogtum belehnt worden. Nun aber anerkannte KONRAD die gegebenen Verhältnisse in Böhmen. Wahrscheinlich schon im April 1140 belehnte er Vladislav II. mit der Herzogsfahne [241 Vgl. BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 213f.]. Der jüngere, ursprünglich zur Nachfolge bestimmte Vladislav hingegen floh um die Jahreswende 1140/41 an den ungarischen Königshof, was sicherlich eine gewisse Verstimmung zwischen KONRAD III. und dem ARPADEN-König zur Folge hatte.
Die Gründe für diese Verbindung sind wohl in den Bemühungen Sobeslavs zu suchen, seinem noch minderjährigen Sohn Vladislav (
1165) die Erbfolge in der Herzogswürde zu sichern [169 Vgl. im folgenden BERNHARDI, Konrad III. 1, 47f.]. Auf dem Bamberger Hoftag zu Pfingsten 1138 hatte Sobeslav den erst kürzlich zum König erhobenen KONRAD III. dafür gewonnen, seinen Sohn förmlich mit dem böhmischen Dukat zu belehnen und die anwesenden böhmischen Adligen auf seine Nachfolge zu verpflichten [170 Vgl. BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 213; HOENSCH, Geschichte Böhmens 69.]. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß Sobeslav dies als Gegenleistung dafür betrachtete, daß er selbst den "staatsstreichartig vollzogene Thronerhebung des STAUFERS" [171 So BOSHOF, Herrschaft 19.] anerkannte. Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen scheint auch die babenbergisch-premyslidische Heirat verabredet worden zu sein. Der Bräutigam Leopold IV. war ein Halb-Bruder des Königs.
Die Erwartungen, mit denen sich Sobieslav im Hinblick auf die Thronfolge seines Sohnes getragen hat erfüllten sich freilich nicht [173 Siehe unten Seite 369.]. Desungeachtet kann man in seinem Verhalten das Bestreben fassen, sich dem neuen König durch das Anknüpfen verwandtschaftlicher Beziehungen politisch zu nähern. Und in der Tat war Leopold IV. hierfür das geeignete Verbindungsglied, denn die Kooperation zwischen ihm und KONRAD III. gestaltete sich sehr eng.

Vladislav II. war nach dem Tod seines Onkels Sobeslav I. (
14. Februar 1140) auf den böhmischen Herzogsthron gelangt, wobei er von eienm Großteil des eingesessenen Adels unterstützt wurde [264 Vgl. BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 213f.].


 

 

 
um 1123
  oo Adelheid von Ungarn, Tochter des Prinzen Almos von Ungarn-Kroatien
       um 1105/10
15.9.1140
 
 
 
 
 
Kinder:

  Vladislav Herzog zu Olmütz
      
1165

  Udalrich II. Herzog zu Königsgrätz
       
11.11.1177
 
  Sobieslav II.
  1128
29.1.1180
 
  Marie
       
nach 1172
 
  29.9.1138
  1. oo Leopold IV. Markgraf von Österreich
           um 1108
18.10.1141
 
  2. oo Hermann II. Herzog von Kärnten
                
4.10.1181
 
  Wenzel II. Herzog von Mähren-Olmütz
  um 1137
1192



Literatur:
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Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg, Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1879 - Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 37 Seite 74 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Köln 1985 Seite 130,145 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 80 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Seite 7 Tafel 2 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 47-48,51,353-354,369,389,598,676