Konrad I. Otto                                  Herzog von Böhmen (15.1.-6.9.1092)
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um 1036
6.9.1092
 

3. Sohn des Herzogs Bretislav I. von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN und der Judith von Schweinfurt, Tochter von Markgraf Heinrich I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1343
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Konrad I., Herzog von Böhmen und mährischer Teilfürst
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* um 1035,
6. September 1092

Als dritter der fünf Söhne Bretislavs I. und der Judith von Schweinfurt wurde er mit einem von Böhmen abhängigen mährischen Teilfürstentum abgefunden. "Da er deutsch konnte" (Cosmas von Prag), bekam er den an Österreich grenzenden, südlichen Anteil (Brünn). Zu seinem Bruder Vratislav II. (seit 1061 Herzog von Böhmen), der sich mit dem neugegründeten Bistum Olmütz einen Stützpunkt in Mähren schuf, stand Konrad I. mit den Brüdern Otto von Mähren und Bischof Jaromir von Prag, dessen Wahl er durchsetzen half, in Opposition. Jedoch zog er 1082 mit allen PREMYSLIDEN gegen den österreichischen Markgrafen Leopold II., den Anhänger des Gegen-Königs HERMANN VON SALM, zu Felde (Schlacht bei Mailberg). Nach dem Tod der jüngeren Brüder suchte Vratislav 1091 Konrad I. aus seiner Herrschaft zu vertreiben, der sich jedoch durch ein Bündnis mit Vratislavs Sohn Bretislav halten konnte. Er vermittelte erfolgreich zwischen Vater und Sohn und wurde nach dem Tod Vratislavs (Januar 1092) für einige Monate Herzog von Böhmen, wie sein Vorgänger in gutem Einvernehmen mit HEINRICH IV. Konrad I. hinterließ von seiner Gattin Wirpirg zwei Söhne, Udalrich und Lutold.


Brandenburg Erich: Tafel 32 Seite 65
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

X. 104. KONRAD I.
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* ca. 1037,
1092 6. IX.

Herzog von Mähren 1061

Gemahlin:
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...


Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Tafel 1
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"Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

KONRAD I.
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6.9.1092

Fürst von Mähren-Brünn und Znaim (1054)
Herzog von Böhmen

  oo WIRPIRK (HILBURG?)
            

aus baierischem Adel


Thiele, Andreas: Tafel 77
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

KONRAD I.
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1092

Konrad I. Otto
wurde 1054 nach der Landesteilung im Rahmen der Senioratsverfassung Herzog von Mähren-Znaim. Er wurde von seinem Bruder Spitignev verjagt und enterbt, mußte sich als herzoglicher Ober-Jägermeister in dessen Hofdienste begeben und erhielt nach dessen Tode 1061 Znaim zurück. Von Otto I. erhielt er Brünn dazu und behauptete sich mit seinen jüngeren Brüdern gegen den regierenden Vratislav II. und dessen zentralistischen Bestrebungen. Er erreichte 1068 gegen Vratislavs Willen die Wahl Jaromirs zum Bischof von Prag. Zeitweise unterstützte er Vratislav in dessen Kriegen gegen Polen, Meißen und die Ostmark. 1088 geriet er wegen der Erbfrage Olmütz wieder gegen Vratislav und ab 1090 sogar in offenen Bürgerkrieg, ohne dass eine Entscheidung fiel. 1092 wurde er kraft Senioratsrechts für wenige Monate Herzog von Böhmen.

  oo WIRPIRK VON TENGLING
            

Tochter des Grafen Siegfried VII. im Pongau und der Pilihild von Andechs (vgl. Luitpoldinger Ia)


Weller Tobias: Seite 335
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv."

Auch Gerbergas Schwester Ida heiratete in die böhmische Fürsten-Familie der PREMYSLIDEN ein. Sie wurde die Gemahlin des mährischen Teilfürsten Liutold von Znaim [58
Vgl. das Quellenzitat in Anm. 43. Denmach scheint Ida die mittlere der drei Schwestern Leopolds III. gewesen zu sein, deren Geburt zwischen der Elisabeths und der Gerbergas anzusetzen ist.]. Dieser war ein Sohn Konrads von Mähren ( 1092), welcher im Januar 1092 seinem Bruder Vratislav II. im böhmischen Dukat gefolgt war, aber schon nach achtmonatiger Regierungszeit starb [59 Vgl. Bretholz, Geschichte Böhmens 188f.]. 1100 mußte Liutold vor seinem Vetter Herzog Bretislav II. aus Mähren fliehen, konnte aber nach dessen Tod wieder zurückkehren und unterstützte im Jahr darauf den schon erwähnten, fehlgeschlagenen Versuch seines Bruders Odalrich von Brünn, Herzog Boriwoj zu stürzen [60 Vgl. Cosmas von Prag., Chron. Boem., 1ib. III, c.12, 14 u. 15, MGH SSrG NS 2, 172f, 176ff.]. Die Tatsache, daß Borivoj und Liutold Vettern und über ihre babenbergischen Ehefrauen auch noch verschwägert waren, hinderte sie also keineswegs daran, sich gegenseitig zu bekämpfen. Nach 1101 allerdings scheint sich Liutold aus den böhmischen Thronstreitigkeiten herausgehalten und auf seine Herrschaft in Znaim beschränkt zu haben. Sein Todesjahr läßt sich nur annäherungsweise bestimmen. Cosmas von Prag zufolge soll er vor Odalrich gestorben sein, dessen Tod um 1113/15 anzusetzen ist [61 Cosmas von Prag, Chron. Boem. zu 1115, lib.Ill, c.41, MGH SSrG NS 2, 214:  Iterna Odalrico, ducis Cunradi filio, inevitabili fato e medlio sublatoa, fratre vero eius iunioris Lutoldo olim antea similiter ab hac luce subtracto, .... Die Ann. Gradic., MGH SS 17, 649, melden den Tod Odalrichs zu 1113. Lechner, Babenberger 119, setzt den Tod Liutolds in das Jahr 1115; demgegenüber gibt das Stemma 'Premysliden, II (Mährische Linie)' von Josef Zemlicka, in: LMA 9 (1998), das Todesjahr Liutolds mit 1112 an; ebenso Europäische Stammtafeln NF 1/2 (1999), Taf.179.]. Über den Zeitpunkt seiner Eheschließung mit Ida sowie über ihr Todesdatum geben die Quellen keine Auskunft. Aus ihrer Ehe stammte der mährische Teil-Fürst Konrad II. ( nach 1161) [62 Vgl. zu ihm Peter Hilsch: Konrad II., Fürst von Mähren/Znaim, in: LMA 5 (1991) 1344.].
Die Verbindungen der beiden BABENBERGERINNEN mit Angehörigen der böhmischen Fürsten-Familie zeugen von dem Bestreben des österreichischen Markgrafen, mit den PREMYSLIDEN zu einem einvernehmlichen Verhältnis zu finden, deren Herrschaftsbereich sich unmittelbar im Norden der Mark anschloß. Dies schien um so mehr angebracht, als die Zeiten der Konfrontation noch nicht allzu lange zurücklagen. Wegen der staufer-feindlichen Haltung Leopolds II. im Investiturstreit hatte Heinrich II. die Mark 1081 seinem verläßlichen Parteigänger Vratislav von Böhmen zugesprochen, der - wie bereits erwähnt - dem BABENBERGER in der Schlacht von Mailberg (12. Mai 1082) ein empfindliche Niederlage beigebracht hatte, sich aber in Österreich nicht zu halten vermochte. Vor diesem Hintergrund signalisierten die Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts geknüpften babenbergisch-premyslidischen Familienverbindungen eine Bereinigung der politischen Beziehungen zwischen beiden Adelsgeschlechtern.




  oo Wirpirk (Hildburg)von Tengling, Tochter Siegfrieds VII. im Pongau
            

 
 
 
 
 
Kinder:

  Udalrich von Mähren-Brünn
       
11.11.1115
 
 Lutold von Mähren-Znaim
      
1112
 
 
 
 

Literatur:
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Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 32 Seite 65 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Köln 1985 Seite 94 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Pohl, Walter/Vacha, Brigitte: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, Verlag STYRIA Seite 116,118 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 77 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Tafel 1 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 335 -