Elisabeth die Selige                           Prinzessin von Ungarn
------------------------
1292
6.5.1338
           Töss (Schweiz) als Nonne
 

Einzige Tochter des Königs Andreas III. der Venezianer von Ungarn aus dem Hause der ARPADEN aus seiner 1. Ehe mit der Fennena von Kujawien, Tochter des Herzogs Ziemomysl
 

Thiele, Andreas: Tafel 357
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

ELISABETH "DIE SELIGE"
--------------------------------------
* 1292
1338 (als Nonne)

Verlobt zuerst mit König Wenzel III. von Böhmen, der 1301 König von Ungarn wurde und an Otto von Bayern verzichtete.


Elisabeth war die Braut des Königs Wenzel III. von Böhmen

Palacky Franz: Band II Seite 383-384,403
*************
"Geschichte von Böhmen"

Nach dem Tode dieses Königs (Andreas' III.), der nur eine einzige, bereits 1298 mit dem böhmischen Kronprinzen Wenzel verlobte Tochter Elisabeth hinterließ, wendeten sich die ungarischen Stände an den König von Böhmen. Dieser schlug aber den Ständen seinen nunmehr 12-jährigen Sohn Wenzel an seiner Statt zur Annahme vor, gewiß nicht ohne die Hinderung, daß derselbe mit der Prinzessin Elisabeth, der wahren Erbin des ungarischen Reiches, ohnehin schon verlobt sei.
In Verbindung mit diesem, in aller Geschichte seltenen Akte, standen auch die Auflösung des Ehegelübdes, das den jungen König seit 1298 an die ungarische Prinzessin Elisabeth gebunden hatte.

Hoensch, Jörg K.: Seite 260,262
***************
"Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König."

Sein Hauptaugenmerk mußte Wenzel II. jetzt aber nach Ungarn lenken. Bereits im Februar 1298 hatte er bei einer festlich gestalteten Zusammenkunft in Wien seinen neunjährigen Sohn Wenzel mit Elisabeth, der Tochter des letzten ARPADEN, verlobt. Als Andreas III. am 14. Janaur 1301 starb, meldete Wenzel II. sofort Erbansprüche an, verzichtete dann aber auf die ihm von einer ungarischen Magnatenpartei angebotene Krone zugunsten seines kleinen Sohnes. Wenzel III. wurde als Ladislaus (Laszlo) V. in Stuhlweißenburg auch gekrönt und konnte die Residenz in Ofen einnehmen, mußte sich aber sofort der Angriffe Karl Roberts von Anjou erwehren, der mit Unterstützung von Papst Bonifaz VIII. die St.-Stephans-Krone ebenfalls für sich reklamierte. Sollte die angestrebte dauerhafte Herrschaftsübernahme tatsächlich gelingen, dann hatten die PREMYSLIDEN mit Polen und Ungarn einen immensen Machtzuwachs gesichert.
Sein Sohn Wenzel III. (Vaclav, 1305/06), der als Sechzehnjähriger die Nachfolge antrat, konzentrierte sich in der realistischen Einsicht, daß sein Anspruch auf die St.-Stephans-Krone gegen Karl Robert von Anjou nicht durchzusetzen war, auf die Verteidigung der gefährdeten Herrschaft über Polen. Deshalb löste er auch seine Verlobung mit der ungarischen Elisabeth und vermählte sich mit Viola, Tochter Herzog Mieszkos I. von Teschen. Da Wladyslaw Lokietek bereits seit 1303 mit Unterstützung der ungarischen ANJOU-Partei seine militärischen Aktivitäten intensiviert und nach Sandomierz auch Teile Kleinpolens zurückgewonnen hatte, sah sich Wenzel III. zu raschem Handeln gezwungen. Um sich den Rücken freizuhalten, schloß Wenzel am 18. August 1305 unter erneutem Verzicht auf das Egerland und Meißen ebenfalls Frieden mit seinem Onkel, König ALBRECHT I., und trat seine Ansprüche auf das ungarische Königreich an Herzog Otto von Nieder-Bayern ab, dem er auch die magyarischen Kroninsignien überließ. Während der Vorbereitungen eines Feldzugs gegen Wladyslaw Lokietek wurde Wenzel III. aber bereits am 4. August 1306 im Haus des Olmützer Domdekans ermordet. Da die Motive für die Bluttat nicht einwandfrei geklärt werden konnten, schoben die Zeitgenossen unzufriedenen Adligen, König ALBRECHT, aber auch ungarischen und polnischen Parteigängern die Verantwortung für den Mord zu. Mit Wenzel III. starben die PREMYSLIDEN im legitimen Agnatenstamm aus, obgleich die auf eine außereheliche Verbindung Premysl Otakars II. zurückgehende Troppauer Nebenlinie fortbestand.

Veldtrup, Dieter: Seite 230
**************
"Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV."

Erste Pläne, eine derartige Vereinigung zu erreichen, hatte es bereits unter den PRZEMYSLIDEN gegeben [1369 Vgl. dazu die zusammenfassende Darstellung bei K. RICHTER 1967, Seite 282f.]. Wenzel II. hatte in zweiter Ehe Richsa-Elisabeth, die Tochter des großpolnischen Fürsten Przemysl, geheiratet, der 1295 zum König von Polen gekrönt worden war. Nach dessen Tod rückte er 1300 nach Polen vor und ließ sich in Gnesen als Nachfolger des Verstorbenen zum König krönen [1370 Zu Wenzels Herrschaft in Polen vgl. J. CARO II, 1863, Seite 2-20.]. Als im folgenden Jahr nach dem Aussterben der ARPADEN der böhmische Thronfolger Wenzel (III.) zum ungarischen König gewählt und gekrönt wurde [1371 Er war mit Elisabeth, der Tochter des letzten ARPADEN Andreas III., verlobt; zu den Verhältnissen in Ungarn am Anfang des 14. Jahrhunderts vgl. vor allem M. SPINDLER 1974, hier besonders das Kapitel: "Das ungarische Königtum Herzog Ottos von Niederbayern", Seite 110-118. Vgl. B. HOMAN II, 1935, Seite 275-280. Dazu auch J. CARO II, 1863, Seite 13.], schien sich der Plan der PRZEMYSLIDEN, ein großes Ost-Reich unter ihrer Führung zu schaffen, zu verwirklichen. Aber in Ungarn geriet der junge Wenzel bereits kurze Zeit später in den Sog der entstehenden Thronwirren und entsagte nach dem Tod seines Vaters 1305 der Krone zugunsten Ottos III. von Nieder-Bayern [1372 Seine Mutter Elisabeth von Ungarn war eine Schwester des vorletzten ARPADEN-Königs Stefan V. (1270-1272) gewesen. Zu Otto III. vgl. J. WIDEMANN 1905 und DERS. 1907; vgl. zu ihm auch B. HOMAN II, 1935, Seite 280ff.; J. Gotschalk 1978, Seite 283f.], um sich auf die Erhaltung Polens konzentrieren zu können.



Literatur:
-----------
Hoensch, Jörg K.: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König. Verlag Styria Graz Wien Köln 1989 Seite 260,262 -
Homan Balint: Geschichte des Ungarischen Mittelalters. Walter de Gruyter & CO Berlin 1943 Band II Seite 276-280 - Jäschke Kurt-Ulrich: Europa und das römisch-deutsche Reich um 1300. Verlag W. Kohlhammmer Stuttgart Berlin Köln 1999 Seite 40,41 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 Band II Seite 383-384,403 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 357 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 230 -