Bretislav I.                                        Herzog von Böhmen (1034-1055)
--------------                                       Fürst von Mähren seit 1028
um 1005
10.1.1055
                Chrudim

Illegitimer und einziger Sohn des Herzogs Udalrich von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN von der Bozena († 1052)
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 631
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Bretislav I., Fürst von Böhmen 9.11.1034-10.1.1055
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* um 1005/12,
10. Januar 1055

Natürlicher Sohn des böhmischen Fürsten Udalrich (Oldrich, 9. November 1034) aus dessen Verbindung mit Bozena ( 1052)

 1031
  oo Judith, Tochter des Markgrafen Heinrich von Schweinfurt (
2.8.1058)

Söhne:
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Spytihnev II. (* 1031,
28. Januar 1061)
Vratislav II. (
14. Januar 1092)
Konrad I. (
6. September 1092)
Jaromir-Gebhard (
26. September 1090)
Otto I., der Schöne (
9. Juli 1087).

Bereits zur Zeit der Regierung Udalrichs machte Bretislav I. sich um die Eroberung Mährens (1029) verdient. 1039 fiel Bretislav I. in Polen ein, verwüstete das Land, siedelte die Bevölkerung von Giecz und Kruschwitz in Böhmen an, besetzte Schlesien und führte die Reliquien des heiligen Adalbert, dessen Halb-Bruder, des heiligen Radim (Gaudentius von Gnesen) und der "fünf Märtyrer" nach Prag, für das er offensichtlich eine eigene Kirchenprovinz anstrebte. Die polnischen Proteste in Rom und Spannungen zwischen Bretislav I. und dem Prager Bischof Severus (Sebir) vereitelten diesen Plan. 1040 und 1041 griff der deutsche König HEINRICH III. in Böhmen ein und zwang Bretislav I. zur Unterwerfung - 1042,1044 und 1051 nahm Bretislav I. an HEINRICHS Feldzügen gegen Ungarn teil. Die Streitigkeiten mit Polen dauerten bis zum 22. Mai 1054 an, als Kaiser HEINRICH III. Schlesien Kasimir I. von Polen zusprach gegen Zahlung eines jährlichen Zinses an Böhmen. Bereits unter Udalrich war das Kloster Sazava um 1032 entstanden, das Bretislav I. bestätigte, der dann 1050 das lateinische Kloster Rajhrad sowie das Kollegiatskapitel in Alt-Bunzlau gründete. Bretislavs I. Regierung bedeutete die definitive Konsolidierung des PREMYSLIDEN-Staates, in dem neue Adels-Geschlechter mit Genealogien und Eigenkirchen erscheinen (zum Beispiel Vsebor, wahrscheinlich in Mähren), die im fürstlichen Herrschaftssystem eine wichtige Rolle zu spielen begannen. Bretislav I. erließ Dekrete, die der Chronist Kosmas von Prag überliefert hat, reformierte das Münzwesen (um 1050) und setzte in seiner Thronfolgeordnung das Senioratsprinzip fest. Bretislavs I. ältester Sohn Spytihnev wurde sein Nachfolger in Böhmen, die anderen Söhne Teil-Fürsten in Mähren, lehnsabhängig vom Senior.

Literatur:
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R. Turek, Zur Rolle der böhm. Münze in der Denaren-Epoche (Numismaticke listy XXXIV, 1979), 160ff. - F. Graus, St. Adalbert und St. Wenzel. Zur Funktion des ma. Heiligenverherung in Böhmen (Europa Slavica - Europa Orientalis, Fschr. H. Ludat [Gießener Abh. zur Agrar- und Wirtschaftsforsch. des europ. Ostens, 100], 1980), 211ff.


Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Tafel 1
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"Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

BRETISLAW I.
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* um 1005,
10.1.1055

1034-1055 Herzog

  oo 1021
       JUDITH VON SCHWEINFURT, Tochter des Markgrafen Heinrich im Nordgau
            
2.8.1058


Thiele, Andreas: Tafel 77
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

BRETISLAW I.
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* um 1005
1055

unehelicher und einziger Sohn des Herzogs Udalrich von Böhmen-Mähren

Bretislav I.
war der Heerführer seines Vaters, eroberte 1028 Mähren von Polen zurück und wurde dort Regent. Er folgte 1032 dem abgesetzten Vater zusammen mit seinem Onkel Jaromir als Herzog von Böhmen und wurde 1034 vom Vater wieder verdrängt. Nach dessen Tode im selben Jahr folgte er ihm zusammen mit dem Onkel, der 1037 verzichtete. Er führte Plünderungszüge gegen Polen durch und gewann aus dem auseinanderfallenden Polen Schlesien und besetzte Teile von Polen dazu. Bretislav überführte die Gebeine des Heiligen Adalbert von Prag von Gnesen nach Prag, womit der Streit zwischen Polen und Böhmen um diese Gebeine und um Schlesien begann. Er gab 1038/40 Polen an die PIASTEN zurück, behielt aber Schlesien. Er schlug 1040 mit ungarischer Hilfe Kaiser HEINRICH III., unterwarf sich aber 1041 in Regensburg, zahlte 4.000 Mark Tribut und leistete mehrmals Heeresfolge gegen Ungarn. Er unterstützte 1053/55 die bayrischen Rebellionen und mußte deshalb Schlesien gegen jährliche polnische Tributzahlungen an Polen zurückgeben, was zum Anlaß für weitere jahrhundertelange Auseinandersetzungen wurde, in denen sich Böhmen letztlich voll durchsetzte. Er geriet mehrmals gegen die Bischöfe von Prag wegen Rechten, Rangfragen und Besitzungen und führte zuletzt nach polnischem Beispiel eine Senioratsverfassung ein, die zu jahrhundertelangen Bürgerkriegen führte.

  oo um 1029
      JUDITH VON SCHWEINFURT
           

Tochter des LUITPOLDINGERS Markgraf Heinrich I., die er aus dem Kloster entführte, da sie ihm (unehelich) verweigert wurde.


Lechner, Karl: Seite 60,69,71-73,79,94
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"

Innere Kämpfe in Polen führten zum Zusammenbruch des Reiches und Herzog Bretislaw von Böhmen konnte nun Mähren aus dem Verband des großpolnischen Reiches lösen und seinem Herzogtum Böhmen einfügen.
Glücklicher war der Kaiser in seinen Kämpfen gegen den Böhmen-Herzog Udalrich, dem nach seinem Tod (
1033) auf ein Jahr sein älterer, gemeinsam belehnter Bruder Jaromir folgte, und gegen Udalrichs Sohn Bretislaw I., seit 1028 Fürst von Mähren, seit 1034 Herzog von Böhmen. Dieser war vermählt mit Judith, einer Tochter des Grafen Heinrich von Schweinfurt aus der älteren babenbergischen Linie, die er aus Schweinfurt entführt hatte. Ihr Bruder Otto aber hatte Mathilde, die Tochter Boleslaws Chrobry von Polen, eine Halb-Schwester Mieszkos II. zur Frau. Wir sehen das Zusammenrücken der slawischen Staaten durch eheliche Verbindungen, aber auch eine Annäherung zu angrenzenden deutschen Hoheitsbereichen.
Im Jahre 1039 begannen die Kämpfe gegen Böhmen und seinen Herzog Bretislaw I., der ja zugleich auch die Pläne des Prager Bischofs nach Ausdehnung seiner Diözese nach Süden und Erhebung zum Erzbistum begünstigte, was jedoch vom Papst abgelehnt wurde. Die Kämpfe wurden mit wechselndem Erfolg geführt. Auch König Peter von Ungarn, der Neffe des verstorbenen Königs Stephan, leistete den Böhmen Hilfe. Aber erst im Jahre 1041 gelang es, einen dauerhaften Erfolg zu erringen, nicht zuletzt durch innenpolitische Wirren in Ungarn. Zum Ausgriff auf Böhmen vom Westen und Südwesten, von Regensburg und der Oberpfalz her, kamen die bedeutenden Erfolge Markgraf Adalberts und seines Sohnes Leopold im Süden. Herzog Bretislaw unterwarf sich im Oktober 1041 in Regensburg und leistete den Vasalleneid für Böhmen. Der Friede wurde geschlossen und bestätigte die Thaya-Grenze.
Herzog Bretislaw beteiligte sich 1044 mit einem böhmischen Heer am Zug HEINRICHS III. gegen Ungarn, das am 5. Juli 1044 bei Menfö eine schwere Niederlage hinnehmen mußte.
Im Jahre 1055/56 haben noch in anderer Beziehung Veränderungen gebracht. Zunächst starb Herzog Bretislaw von Böhmen der sich als treuer Vasall des Reiches, besonders auch im Kampf gegen die Ungarn erwiesen hatte.
 
 
 
 
 
um 1029
  oo Judith von Schweinfurt, Tochter des Markgrafen Heinrich I.
            
2.8.1058
              in Ungarn
 
 
 
 

Kinder:

  Spitignev II.
  1031
28.1.1061

  Jaromir Bischof von Prag (1068-1089)
       
26.6.1090  

  Konrad I. Herzog von Böhmen
       
6.9.1092
 
  Vratislav II.
  um 1035
14.1.1092

  Otto I. der Schöne Herzog zu Olmütz
        
9.6.1087
 
 
 
 

Literatur:
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Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 73,118 -
Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band II Seite 383/Band III Seite 198 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1998, Seite 155 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Köln 1985 Seite 60,69,71-73,79,94 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 99,101 - Rhode Gotthold: Kleine Geschichte Polens. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 21 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 377,381 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 77 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Tafel 1 - Wolfram Herwig: Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche. Verlag C.H. Beck München 2000 Seite 236,240,244 -