Boleslav II. der Fromme                  Herzog von Böhmen (967/72-999)
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um 920
7.2.999
 

Älterer Sohn des Herzogs Boleslav I. der Grausame von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN und der Biagota
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 358
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Boleslav II., Fürst von Böhmen 967 (973?)-999 aus dem Hause der PREMYSLIDEN
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999

Sohn Boleslavs I.

Boleslav II. erhielt wegen seiner geistlichen Stiftungen (angeblich 20 Kirchenbauten) den Beinamen "der Fromme".

  oo Emma ( 1006)

Herkunft umstritten (bayerisch?, burgundisch? oder identisch mit westfränkischen Königin Emma?)

Eine 1. Ehe mit der angelsächsischen Prinzessin Adivea-AElfgiffa ist unbewiesen.

Söhne:
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Boleslav III. (
1037)
Jaromir (
1035)
und Oldrich (Udalrich,
1034)

Während Boleslavs II. Regierung fand 973 die Errichtung des Bistums Prag als Suffragan-Bistum von Mainz ihren Abschluß; erste Bischöfe waren der Sachse Thietmar (geweiht 976) und der heilige Adalbert (geweiht 29. Juni 983). - Boleslav II. geriet wegen seiner Unterstützung der Politik der bayerischen OTTONEN, namentlich der Aufstände Heinrichs des Zänkers, in militärische Auseinandersetzungen mit OTTO II. (975,976,977) und mit dem Markgrafen von Meißen (976,984-985); seit 980 waren auch Boleslavs II. Beziehungen zu Polen durchweg feindlich. Die innerböhmischen Verhältnisse blieben bis zum Tod Slavniks ( 981), des Fürsten von Libice, der Nordost-Böhmen und vielleicht auch Süd-Böhmen beherrschte, ruhig; Slavniks Sohn Sobeslav strebte jedoch nach voller Selbständigkeit, wobei er sich politisch an Sachsen und Polen orientierte. Diese Politik der SLAVNIKIDEN führte zu kriegerischen Spannungen und behinderte auch die Amtstätigkeit des Bruders des Sobeslav, Adalberts, Bischof von Prag, der zweimal nach Italien emigrierte (987-992, 994). Während des Feldzuges OTTOS III. gegen die Abodriten, an dem sowohl Truppen Boleslavs II. als auch Sobeslavs teilnahmen, wurde die Burg Libice kurz vor dem St-Wenzel-Fest (28. September) von Leuten Boleslavs II. überfallen und alle anwesenden Mitglieder des SLAVNIKIDEN-Hauses ermordet. Sobeslav blieb am polnischen Hof. Trotz der politisch-kirchlichen Wirren in Böhmen wurden in dieser Zeit drei Klöster gegründet: St. Georg (in Prag, St. Bonifatius und Alexius in Prag-Brevnov (um 993, der Bau ist jedoch jünger), kurz vor seinem Tode stiftete Boleslav II. das Kloster Ostrov südlich von Prag.

Literatur:
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P. Hilsch, Der Bf. v. Prag und das Reich in sächs. Zeit, DA 28, 1972, 1-41 - R. Turek, Böhmen im Morgengrauen der Gesch., 1974.


Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Tafel 1
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"Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

BOLESLAW II.
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* vor 929 (ca. 920),
7.2.999

(967) 973-999 Herzog

  oo HEMMA, aus bair. Adel
            
1005 oder 1006


Thiele, Andreas: Tafel 77
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

BOLESLAW II. "DER FROMME"
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* um 920
999

Boleslav II. der Fromme war bereits Mitregent seines Vaters, nahm 973 am Reichstag von Quedlinburg teil und erreichte die Gründung des Bistums Prag, wo der Kult des Heiligen Wenzel eingeführt wurde. 977 entstand dazu das Bistum Olmütz für Mähren, beide Bistümer unterstanden dem Erzbistum Mainz. Er unterstützte 974-977 die Rebellionen gegen Kaiser OTTO II. und gab zeitweise Herzog Heinrich von Bayern Asyl. Boleslav huldigte 978 endgültig, akzeptierte Bischof Thietmar von Prag (976-983), unterstützte 983-985 den Gegen-König Heinrich II. von Bayern gegen OTTO III., huldigte Heinrich 983 in Quedlinburg und besetzte 983-985 die Burg Meißen. 983 wurde der SLAWNIKIDE Adalbert Bischof von Prag, er geriet dadurch in erneute erbitterte Gegnerschaft zu diesem Haus und wurde zeitweise gebannt. 985 führte er besonders gegen Polen Kriege und verlor große Teile Schlesiens. Er stritt auch viel mit Österreich und Ungarn, rottete zuletzt grausam das fürstliche Geschlecht der SLAWNIKIDEN aus und beherrschte damit ganz Böhmen. Er baute das Kirchenwesen aus und 997 wurde Bischof Adalbert im Baltikum erschlagen. 

  oo HEMMA, aus bayerischem Hochadel
             
um 1005

Lechner, Karl: Seite 35
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"

Schon im Sommer 974 empörte sich Herzog Heinrich II. von Bayern gegen seinen kaiserlichen Vetter OTTO II. Mit Heinrich im Bunde war auch Berthold von Reisensburg und die Witwe des früheren Herzogs Berthold von Bayern; vor allem aber Herzog Boleslaw II. von Böhmen und Herzog Mieszko von Polen. Doch der Kaiser setzte sich rasch durch, Herzog Heinrich mußte sich stellen und wurde in Haft genommen. Eine Strafexpedition ging nach Böhmen. Boleslaw II. und Mieszko huldigten dem Kaiser. Im Jahre 976 konnte Herzog Heinrich aus der Haft entkommen. Er zog sich nach Regensburg zurück und entfachte einen neuen Aufstand gegen den Kaiser, an dem sich auch zahlreiche sächsische Hochedle und wieder Herzog Boleslaw von Böhmen beteiligten.
 




 
 
  1. oo N.N.
                

 
  2. oo Hemma aus bayrischem Hochadel (eventuell Emma von Italien)
                 
1006
 
 
 
 

Kinder:

  Boleslav III. der Rote
        
1037
 
  Udalrich
       
9.11.1034
 
  Jaromir
       
4.11.1038
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Otto III., Primus Verlag, Darmstadt 1997, Seite 8,44,52,63,65,80 Anm. 25 -
Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 111,115,124,128,131,135,138 - Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 47,106,109,205,222,224,378,395,397,461,474,480 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 25,142 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Köln 1985 Seite 35 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 25, 28,37,48;148,156,160,162,179,181,184,205,268,272,346,349 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 63,71 - Rhode Gotthold: Kleine Geschichte Polens. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 12,15 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 95,99-101,102A,104-107,153,157A,288,296,310 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 243,250,266,299 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Seite 77 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 68,92,116-122,126,128,170,172,416 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Tafel 1 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 212,214 - Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, hg. von Winfried Eberhard, Hans Lemberg, Heinz-Dieter Heimann und Robert Luft, R. Oldenbourg Verlag München 1992, Seite 82,84, 88-89 - Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 273,284,286 -