Anna von Böhmen                           Königin von Böhmen
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15.10.1290
3.9.1313
 

Älteste Tochter des Königs Wenzel II. von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN aus seiner 1. Ehe mit der Jutta von Habsburg, Tochter von König RUDOLF I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 653
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Anna, böhmische Königin
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* 15. Oktober 1290,
3. September 1313

Älteste Tochter König Wenzels II. von Böhmen aus seiner 1. Ehe mit Guta von Habsburg

  oo 13. Februar 1306 Heinrich von Kärnten

Die faktisch kinderlos gebliebene Ehe (eine Tochter starb 1307, wenige Monate alt) begründete Heinrichs Ansprüche auf die böhmische Krone gegen die HABSBURGER und verhalf dem Kärntener Herzog nach der Ermordung Wenzels III., des letzten männlichen PREMYSLIDEN, zum Thron. Nachdem Heinrich als König gescheitert war, verließ Anna am 9. Dezember 1310 Prag und starb in der Fremde.

Literatur:
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L. Schönach, Beitr. zur Gesch. der Kgn. A. ..., MVGDB 45, 1907, 112-133.


Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Seite 7 Tafel 2
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"
Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte"

ANNA
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* 15.10.1290,
3.9.1313

  oo 13.2.1306
       HEINRICH Herzog von Kärnten
            
4.4.1335

1306, 1307-1310 König von Böhmen

(2. oo Adelheid von Braunschweig)

Thiele, Andreas: Tafel 83
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

ANNA, Erbin
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* 1290
1313

  oo 1300
        HEINRICH VI. VON KÄRNTEN 1306/07-1310 König von Böhmen
             
1335

Palacky Franz: Band II Seite 404/Band III Seite 4,45,48,51,56,58,77,90
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"Geschichte von Böhmen"


Am 13. Februar 1306 vermählte König Wenzel III. seine älteste Schwester Anna mit großem Gepräge dem Herzog Heinrich von Kärnten in Prag; die zweite, Elisabeth, hatte er den Jungfrauen im Kloster bei St. Georg zur Erziehung übergeben und die dritte, Margareth, erst 10 Jahre alt, war schon im vorigen Jahre mit ihrem verlobten, Herzog Boleslaw von Breslau, nach Schlesien abgeführt worden.
Das königliche Haus der PREMYSLIDEN bestand beim Erlöschen des Mannesstammes aus folgenden Mitgliedern:
1) zwei jungen königlichen Witwen, Elisabeth von Polen nach Wenzel II. und Viola von Teschen nach Wenzel III.
2) fünf Prinzessinnen, darunter vier Schwestern des ermordeten Königs, Anna von 16, Elisabeth von 14, Margareth von 10 und Agnes von 2 Jahren; die fünfte Prinzessin, die älteste des Hauses, war Otakars II. noch lebende Tochter Kunigunde, seit 1302 Äbtissin des Jungfrauenklosters zu St. Georg auf dem Prager Schlosse.
Als nächster Cognat ist der damals 16-jährige Johann zu nennen, der Könige RUDOLF I. und Otakar II. Enkel, Sohn Rudolfs von Schwaben und der böhmischen Agnes; entferntere Verwandte waren die Markgrafen von Brandenburg.
Als König Wenzel III. jenen Zug nach Polen antrat, von dem er nimmer wiederkehren sollte, übergab er die Verwaltung Böhmens seinem Schwager, Herzog Heinrich von Kärnten.
Die Erbansprüche der Prinzessinnen und somit die Anwartschaft des Herzogs von Kärnten fanden nicht beim gemeinen Volke, sondern auch bei den Ständen lebhafte Unterstützung.
Die böhmischen Stände bestanden darauf, daß Herzog Rudolf sich mit einer der Prinzessinnen ihres Hofes, deren Wahl sie ihm freistellten, vermähle. Da er sich dazu willig erwies, so wurde er vom Landtag zwischen dem 8. und 15. Oktober förmlich zum König von Böhmen gewählt. Rudolf wählte sich König Wenzels II. Witwe, Elisabeth von Polen, zur Gemahlin und wurde um den 16. Oktober 1306 in der Prager Domkirche feierlich getraut. Dagegen waren die übrigen Prinzessinnen, die nun einen Fremden in ihrem väterlichen Hause herrschen sahen, um so untröstlicher; insbesondere weinte die 14-jährige Elisabeth viel, da sie sich nun auch von ihrer älteren Schwester Anna für immer getrennt sah.
Kaum war König Rudolf tot, so beeilte man sich schon, den beliebten Kärntner Herzog ins Land wieder einzuladen und ihm den Weg zum Throne zu ebnen. Am 15. August 1307 ging die Wahl Herzog Heinrichs von Kärnten zum König von Böhmen ohne weiteren Widerstand über die Bühne.
Der neue König Heinrich kam mit seiner Gemahlin aus Kärnten durch Bayern schnell herbei und wurde vom Volk mit Jubel begrüßt.
Elisabeths gesunder, stattlicher und schöner Körperbau, ihr königlicher Anstand, ihr verständiges und weiblich züchtiges Benehmen bei offenem heiteren Gemüthe und festem Willen, schienen dafür zu bürgen, daß ihr eine große Zukunft bevorstehe. Um sie unschädlich zu machen, bestimmte König Heinrich sie einem jungen Baron von Bergow (auch von Lobdeburg genannt) zur Braut, welchen sie jedoch mit kräftiger Entschiedenheit zurückwies. Von Neid und Haß geblendet, soll auch Königin Anna sich so weit vergessen haben, daß sie die einst so geliebte Schwester nicht allein im In- und Ausland schamlos verleumden, sondern auch ihrem Leben nachstellen ließ. Es wurde ihr einst Gift beigebracht.
Fünf Tage lang wurde nun erfolglos zwischen Stadt und dem Hradschin unterhandelt, da man sich über die Bedingungen der Abdankung Heinrichs nicht einigen konnte; vergebens warf die Königin Anna selbst dem Mainzer Erzbischof sich zu Füßen; kaum konnte sie ein sicheres ehrenvolles Geleit bis an die Grenzen des Landes erlangen. In der Nacht des 9. Dezembers 1310 verließ der Kärntner Hof unter großem Wehklagen die Prager Burg, um nach Kärnten zurückzukehren. Königin Anna starb dort kinderlos schon im Jahre 1313; ihr Gemahl ließ sich aber noch bis zu seinem Tod am 4. April 1335 erfolgten Tode sich stets einen "König von Böhmen" nennen.

H
oensch, Jörg K.: Seite 37
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Nach dem Aussterben der PREMYSLIDEN im Königreich Böhmen nach der Ermordung Wenzels III. im August 1306 hatte kurz darauf eine Adelsversammlung Herzog Heinrich VI. von Kärnten zum Nachfolger gewählt, der seit einigen Moaten mit der älteren Schwester Anna des letzten Königs verheiratet war. ALBRECHT I. zog das Königreich Böhmen dagegen as erledigtes Lehen ein, ermutigte seinen Sohn Rudolf III., dort mit Waffengewalt einzufallen, die Witwe des 1305 verstorbenen Wenzel II., Rychesa Elisabeth von Groß-Polen, zu ehelichen und sich ebenfalls von Adelsfaktion zum König wählen zu lassen. Danach belehnte der Vater ihn und seine jüngeren Brüder, also das Haus HABSBURG "zur gesamten Hand", mit dem Königreich Böhmen und sprach ihnen das Erbrecht auf die St. Wenzelskrone zu. Da Rudolf aber bereits sechs Monate später, am 3. Juli 1307, starb, bestimmten Teile der böhmischen Herren unter Mißachtung der Erbansprüche Herzog Friedrichs I. des Schönen von Österreich erneut den wegen eines Streits um die Grafschaft Tirol mit den HABSBURGERN verfeindeten Heinrich VI. von Kärnten zum Monarchen.
 
Veldtrup, Dieter: Seite 165,190,193,194
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"Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit."

Es ist zumindest bezeichnend, daß in einem Fall, in dem eine Morgengabsehe vereinbart wird, die beobachtete terminologische Einheitlichkeit insofern durchbrochen wird, als hier der Frau eine bestimmte Leistung zcu einer widerlegunge ires lipgedingis und morgingabe versprochen wird: Hier wird der Begriff „Widerlegung" - soweit ersichtlich - zum einzigen Mal als Bezeichnung für die Frauengabe verwendet, was auf einer Verwechslung mit der Benennung für die Mannesgabe beruhen wird. Immerhin ist es auffällig, daß der Ausdruck „Widerlegung" in dem ausgewerteten urkundlichen Material nie auftaucht, wenn eine Leibgedingsehe vereinbart wird [970 Einzig bei der Verabredung des KÄRNTNER Doppelprojektes, für das eine Leibgedingsehe vorgesehen war, ist von leypgeding und ... widerlegung der Braut die Rede, die an Johann von Böhmen zurückfallen sollen; hier ist „Widerlegung" jedoch im ursprünglichen Sinne als Sicherstellung der Mannesgabe zu verstehen: Da Heinrich von Kärnten die Heimsteuer seiner ersten Frau Anna von Böhmen noch nicht erhalten hatte, verpflichtete sich Johann nun, ihm diesen Betrag zu zahlen, den Heinrich seinerseits als Leibgeding für seine dritte Frau auszusetzen und sicherzustellen (also zu widerlegen) versprach: L. SCHÖNACH 1907 (Luxemburger), Nr. 1 Seite 200f., und CODMOR VII, Nr. 224 Seite 826, beide zu 1324 Juli 2 (Munzilles).].
Heinrich, Herzog von Kärnten und Graf von Tirol, war der letzte männliche Vertreter der Dynastie der MEINHARDINGER [1106 Zu ihm: F. GASSER 1950; H. WIESFLECKER 1969. Auf Heinrich und seine Politik wird in umfassender Weise auch in der äußerst gründlichen Arbeit von J. RIEDMANN 1977 eingegangen.]; aus seinen drei Ehen hatte er nur zwei überlebende Töchter [1107 Die ältere Tochter Adelheid war wegen Krankheit nicht erbfähig; ALF. HUBER 1864 Seite 20f; vgl. auch Heinrichs Verfügung zur finanziellen Absicherung seiner
kranken Tochter ebd., Nr. 39 Seite 137ff. zu 1334 August 25 (Tirol). - Aus Heinrichs erster Ehe mit Anna von Böhmen, die gemeinhin als kinderlos bezeichnet wird (vgl. F. GASSER 1950, S. 103), stammte jedoch ein Sohn (Leopold), der 1307 Mai 17 geboren wurde, aber wohl früh starb, vgl. L. SCHONACH 1907 (Anna), Seite 122; vgl, auch JOH. VON VICTRING II, Rez. A, Buch IV Kap. 6, Seite 15 Z. 10, der zu 1310 von Annas puellis spricht.]. In erster Ehe war er mit Anna von Böhmen verheiratet gewesen [1108 Der Heiratsvertrag von 1306 Februar 28 (Landshut) ist abgedruckt bei L. SCHÖNACH 1907 (Anna), Nr. 1 Seite 126-129. Vgl. F. GASSER 1950, Seite 47,49. ]; durch sie, die älteste überlebende Schwester des letzten przemyslidischen Königs, hatte er, nach einem kurzen Zwischenspiel durch den früh verstorbenen Rudolf III. von Habsburg 1307 die Krone Böhmens erhalten. Aber seine Regierung war so glücklos, daß die Wortführer des unzufriedenen böhmischen Adels eine Gesandtschaft an HEINRICH VII. schickten und ihn baten, er möge seinen einzigen Sohn Johann durch die Heirat mit Annas jüngerer Schwester Elisabeth zum neuen böhmischen König machen. Heinrich mußte daraufhin fliehen und ging in seine Stammlande zurück. Sein Verhältnis zu seinem glücklicher agierenden Schwager und Nachfolger auf dem Königsthron konnte nur gespannt sein: erant inimici propter expulsionem eiusdem ducis, schreibt KARL in seiner Vita; doch war es offenbar für beide wichtig, zu einer friedlichen Annäherung zu kommen: Für Johann, weil er die Ansprüche eines Mitkonkurrenten um die böhmische Krone aus dem Weg räumen mußte, und für Heinrich, weil er unbedingt Geld benötigte; ihm war nicht einmal die Heimsteuer, die seine böhmische Frau mit in die Ehe hätte bringen sollen, ausbezahlt worden. Als 1320 seine zweite Frau Adelheid von Braunschweig-Grubenhagen starb, schlug Johann vor, den Ausgleich durch eine Eheabsprache herzustellen: Seine Schwester Maria sollte Heinrich heiraten; gleichzeitig wurde aber noch beschlossen, daß Johanns ältester Sohn Wenzel (der spätere KARL) Heinrichs jüngere Tochter Margaretha (später mit dem Beinamen Maultasch versehen) zur Frau nehmen sollte. Das Projekt scheiterte an dem entschiedenen Widerstand Marias.
Um Heinrichs Interesse an der Verbindung  zu vergrößern, stellte er ihm in Aussicht, er werde ihm die Heimsteuer seiner böhmischen Frau in Höhe von 20.000 Mark endlich auszahlen; aber auch Beatrix von Löwen-Gaesbeck winkte ab.
Um ihn bei der Stange zu halten, sicherte Johann von Böhmen seiner savoyardischen Cousine Beatrix statt der ihr von Albrecht in Aussicht gestellten 5.000 Mark als Heimsteuer die ungeheure Summe von 40.000 Mark [1132
Wahrscheinlicher ist, daß sich diese Summe zusammensetzt aus den beiden Einzelbeträgen, die Johann als Erstattung der Heimsteuer von Heinrichs erster Frau in Höhe von 20.000 Mark zu zahlen bereit war, sowie der Heimsteuer, die der Bruder der Braut, Graf Eduard von Savoyen, auf ebenfalls 20.000 Mark festgesetzt hatte (J. RIEDMANN 1977, Seite 447f.). Wenn ebd., Seite 445, die Tatsache, daß die HABSBURGER-Herzöge „die Garantie der von Heinrich der Braut als Widerlage und Morgengabe versprochenen Einkünfte" übernommen hätten, als Beweis für die weitere Förderung des Eheprojektes durch sie angesehen wird, so ist dieses Argument nicht beweiskräftig: Sie verbürgten sich damit nur für die Sicherstellung der von ihrem Oheim seiner Braut angewiesenen zentralen Mannesgabe; das war ein Verhalten, das lediglich ihr Verhältnis zu Heinrich betraf, aber nichts über ihre weitere Rolle in der Eheangelegenheit aussagt.] zu - dieser pekuniären Verlockung konnte Heinrich, wie erwartet, nicht widerstehen: Johann (- Heinrich) wurde am 16. Oktober 1327 als zukünftiger Ehemann von Margaretha nach Tirol gebracht, wo im September 1330, zwei Jahre nach Heinrichs eigener Hochzeit mit Beatrix, die Vereinigung der beiden Kinder durch das symbolische Beilager vollzogen wurde.

 


13.2.1306
   oo 1. Heinrich VI. Herzog von Kärnten
           1276/73
2.4.1335



Kinder:

  Leopold
  17.5.1307
früh 
 
 
 
 
Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 37 - Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1994, Seite 102,104 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 Band II Seite 404/Band III Seite 4,45,48,51,56,58,77,90 - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH&Co. KG München 1994, Seite 84 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 83 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 165,190,193,194 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Seite 7 Tafel 2 -