Bernhard I.                                     Graf von Plötzkau-Hecklingen
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um 1030/40-
 

Sohn des Edelfreien Alvericus de Kakelinge
 

Annalista Saxo: Seite 125
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"Reichschronik"
 

Das Jahr 1117.

 
Der Herzog des Elsasses Friderich kämpft scharf mit den Mainzern und dabei wird Graf Emiko erschlagen, Folkold von Malesburg gefangen. Vor Weihnachten treffen sie aufs Neue zusammen und auf der Seite des Herzogs wird eine sehr große Menge Volkes vernichtet. Die edle und  mächtige sächsische Markgräfin Gertrudis starb. Auch starb der Mönch Bernhard, der Sohn Folkmars von Domenesleve, ein vornehmer Mann. Denn Egeno der Aeltere von Konradesburg zeugte den ältern Burchard; Burchard zeugte Egeno, welcher den Grafen Adalbert von Balenstide getödtet hat, und
er hatte zwei Töchter, von denen eine Namens Gerburg den Folkmar von Domenesleve heirathete und ihm Alverich und Bernhard gebar. Alverich wurde getödtet und hinterließ als Erben seinen Bruder Bernhard. Bernhard aber übergab sein ganzes Erbgut dem heiligen Mauricius und dem heiligen  Nikolaus und wurde selbst Mönch. Der oben erwähnte Egeno von Konradesburg aber und Alverich von Kakelinge waren Brudersöhne. Alverich zeugte den Grafen Bernhard, Bernhard den Theoderich, Theoderich den Heinrich von Plocike.

Fenske Lutz: Seite 86-91
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Innerhalb eines seiner Genealogieexkurse kommt der Annalista Saxo auf die Vorfahren Graf Helperichs zu sprechen und nennt dabei in aufsteigender Generationsfolge Alvericus de Kakelinge, Graf Bernhard und Graf Dietrich. Von ihnen ist der Letztgenannte der Vater Helperichs von Plötzkau [333 Vgl. Ann. Saxo S. 754: Nam Egeno senior de Conradesburch genuit Burchardum seniorem; Burchardus genuit Egenomen, qui interfecit Adalbertum comitem de Balenstide ... Predictus vero Egeno de Conradesburch et Alvericus de Kakelinge patrueles erant. Alvericus genuit Bernhardum comitem, Bernhardus Teodericum, Teodericus Helpericum de Plocike.]. Außer den genealogischen Aufschlüssen vermittelt diese Quellenaussage aber auch hinsichtlich der Zeitstellung der genannten Personen wertvolle Anhaltspunkte durch die von ihr überlieferten Verwandtschaftsbeziehung zwischen den Grafen von Plötzkau und den Edelfreien von Konradsburg. Von den frühen PLÖTZKAUERN hat Beumann die Aufmerksamkeit besonders auf den Grafen Bernhard gerichtet. Zeitgenössische Quellenstellen, die diesen zweifelsfrei erkennen ließen, sind nicht vorhanden. Lediglich einer Papsturkunde von 1140 für das Kloster Keklingen läßt sich entnehmen, dass Graf Bernhard - der Großvater Helperichs - Gründer einer geistlichen Stiftung gewesen ist. Zunächst hat Beumann versucht, für den Grafen Bernhard zeitgenössische Quellenbelege zu finden, und glaubt, ihn mit einem comes Bernhart identifizieren zu können, der 1069 Zeuge der unter Vorsitz HEINRICHS IV. in Mühlhausen erfolgten Schlichtung des Zehntstreites zwischen dem Mainzer Erzbischof und dem Abt von Fulda war. Außerdem aber spielt in einem undatierten Brief des Domkapitels von Paderborn an HEINRICH IV., in welchem das Kapitel um die Restituierung von Grundbesitz nachsucht, der ihn propter regni discordiam verlorengegangen sei, ein Graf Bernhard eine Rolle. Im Einzelnen wird dabei der Verlust eines heute nicht mehr genau lokalisierbaren predium in Haion iuxta Salam fluvium angemerkt, das ein Graf Adalbert unrechtmäßig in seinen Besitz gebracht hatte. Im Unterschied zu anderen Datierungsversuchen hat Beumann das Schreiben mit einleuchtenden Argumenten in das Jahr 1069 gesetzt, indem er den ganzen Brief vor dem Hintergrund des Aufruhrs Markgraf Dedis und seines Schwiegersohnes Adalbert von Ballenstedt interpretiert. Das Schreiben macht als Personen, durch welche der König dem Domkapitel den entfremdeten Besitz zurückerstatten soll und deren Kenntnis der Angelegenheit besonders hervorgehoben wird, den Magdeburger Erzbischof Werner und einen Grafen Bernhard namhaft. Beumann hat diese Briefstelle und die Lage des Gutes in der Nähe der Saale als Indiz dafür gewertet, dass der hier genannte Bernhard mit Graf Bernhard von Plötzkau identisch sei [338 Plötzkau ca. 6 km ssw. von Bernburg an der Saale gelegen.]. Außerdem glaubt er die Voraussetzung machen zu dürfen, das Paderborner Schreiben sei zur Zeit des Hoftages von Mühlhausen, für den die Anwesenheit eines Grafen dieses Namens bezeugt ist, König HEINRICH übermittelt worden. In diesem Zusammenhang wichtig ist die Folgerung Beumanns, dass der von ihm identifizierte Graf Bernhard von Plötzkau durch beide Quellenstellen als "besonderer Vertrauter HEINRICHS IV. ausgewiesen wird". Da er als erster Vertreter seines Geschlechts Grafenrechte wahrgenommen habe, verdanke er das Grafenamt HEINRICH IV., der, wenn Beobachtungen Schulzes das Richtige treffen, aller Voraussicht nach die komplizierte Struktur der sich vielfach überlagernden Grafenrechte in vielen östlichen Gauen einer Neugliederung unterzog und dabei auch in personeller Hinsicht neue Wege ging, indem er nichtgräfliche Edelfreie mit der Wahrung von Grafenrechten auf Kosten der früheren Inhaber betraute. So könnte Graf Bernhard schon 1069 Nutznießer dieser Politik des Königs gewesen sein [341 Vgl. Beumann a.a.O. Seite 249. In das gleiche Bild fügt er auch die Edelfreien von Konradsburg als Verwandte der Grafen von Plötzkau und mögliche Parteigänger König HEINRICHS ein. Dazu vgl. unten Seite 91ff.].
Um von dem Plötzkauer Grafen Bernhard eine Vorstellung zu gewinnen, ist es zunächst erforderlich, ihn von seiner Zeitstellung her näher einzuordnen. Die Überlieferung des Annalista Saxo vermittelt die Kenntnis, dass Alvericus de Kakelinge, Bernhard, Dietrich und Helperich die ersten vier Generationen der Grafen von Plötzkau in der unmittelbaren Vater-Sohn-Abfolge bildeten. Sie läßt zugleich einen Verwandtschaftszusammenhang mit den Edelfreien von Konradsburg erkennbar werden, weil Alvericus de Kakelinge und Egeno von Konradsburg als Vettern - patrueles - aus dem gleichen Agnatenstamm hervorgingen. Bei letzteren werden die ersten drei Generationen von Egeno dem Älteren, Burchard dem Älteren und Egeno dem Jüngeren gebildet. Aus ihrer Frühgeschichte hat der Autor dieser Quelle ein Ereignis festgehalten, welches als chronologischer Orientierungspunkt wertvoll ist: Egeno der Jüngere tötete Graf Adalbert von Ballenstedt [347 Außer der in Anm. 333 genanten Textstelle vgl. zusätzlich Ann. Saxo Seite 693: Adhelheidis vero coniuncta fuit Adalberto comiti de Ballenstide, quem Egeno iunior de Conradesburch, filius Burchardi, nepos Egenonis senioris ... interfecit.]. Da Adalbert 1075 den Weg in die Gefangenschaft des Königs antrat, kann sich diese Begebenheit frühestens 1076 nach der Haftentlassung der sächsischen Fürsten, spätestens aber in den frühen achtziger Jahren abgespielt haben [348 Nach der Ermordung Graf Adalberts ging seine Gattin Adelheid mit dem rheinischen Pfalzgrafen Hermann eine zweite Ehe ein. Hermann starb 1085/86, vgl. Exkurs 1 Seite 341, worauf Adelheid in dritter Ehe dessen Amtsnachfolger Heinrich von Laach verheiratete.]. Beumann hat aus der überlieferten Verwandtschaftsverbindung beider Geschlechter den Schluß gezogen, Alvericus de Kakelinge und Egeno der Jüngere seien Vettern gewesen. Eine einfache Überlegung zeigt jedoch die Unvereinbarkeit dieser Interpretation mit der überlieferten Generationenfolge der Grafen von Plötzkau: Falls die beiden genannten Personen, von denen Egeno der Jüngere mindestens 1076 noch lebte, Vettern gewesen sein sollten und somit der gleichen Generation zugerechnet werden müßten, so ist es aus chronologischen Gründen nahezu ausgeschlossen, daß die maximal 42 Jahre, die von 1076 bis 1118, dem Todesjahr Helperichs, bleiben, genügend Raum für eine sinnvolle zeitliche Einordnung der nächstfolgenden vier Generationen Plötzkauer Grafen - also Bernhard, Dietrich, Helperich und dessen 1118 noch im Kindesalter stehender Nachkommenschaft - gewähren. Selbst wenn man zugunsten dieses Ansatzes annehmen wollte, Alverich sei sehr viel älter als sein vermeintlicher Vetter Egeno der Jüngere gewesen, um man ferner berücksichtigt, daß Helperich 1118 verhältnismäßig jung gestorben sein dürfte, ist die Zusammenschiebung mehrerer Generationenn in einen so begrenzten Zeitraum sehr unwahrscheinlich. Deswegen läßt sich die vom Annalista Saxo festgehaltenen Verwandtschafstbeziehung nur so deuten, daß nicht Egeno der Jüngere, sondern sein gleichnamiger Großvater und Alverich Vettern waren [350 Der Sprachgebrauch der Quelle für das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Egeno den Älteren und Alvericus de Kakelinge, die als patrueles bezeichnet werden, läßt schließen, daß diese in männlicher Linie vom selben Großvater abstammten, da ihre Väter Brüder waren.]. Auch vom textlichen Zusammenhang her scheint es viel sinnvoller, peredictus vero Egeno auf den zuerst genannten KONRADSBURGER dieses Namens zu beziehen. Als Konsequenz ergibt sich aus diesen Überlegungen, daß die Plötzkauer Grafen zeitlich alle viel weiter ins 11. Jahrhundert zurückrücken. Ihrer Zeitstellung nach gehören Egeno der Ältere und Alvericus de Kakelinge in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts, Graf Bernhard in die Jahrhundertmitte und dessen Sohn Dietrich in die zweite Hälfte. Diese chronologische Zuordnung erfährt eine indirekte Bestätigung durch die Beobachtung, daß das Auftreten Helperichs als politisch handlungsfähige Person erst in die Zeit nach 1100 fällt [351 Helperich heiratete Adela, die Witwe des 1106 gestorbenen Dietrich III. von Katlenburg. Während einer Auseinandersetzung mit Herzog Lothar und Markgraf Rudolf von Stade belehnte Kaiser HEINRICH V. 1112 Helperich mit der sächsischen Nordmark, die er Rudolf entzogen hatte. Wegen der bald erfolgten Versöhnung des Kaisers mit seinen Gegnern blieb diese Disposition von kurzer Dauer, denn Lothar und Rudolf wurden in ihren früheren Rechten bestätigt. Vgl. Hucke a.a.O. Seite 97 f.].
Weitere Kriterien stützen diese chronologische Abfolge innerhalb des Plötzkauer Grafengeschlechts: Helperich starb aller Wahrscheinlichkeit nach in jüngerem Lebensalter, denn seine Schwester Irmingard - sie starb 1153 - überlebte ihn um 35 Jahre. Sie dürfte, wenn man ihr Todesjahr zugrunde legt und berücksichtigt, daß sie vermutlich ein hohes Lebensalter erreichte, zwischen 1070 und 1080 geboren sein [353 Die Annahme, dass Irmingard ein hohes Lebensalter erreichte, findet indirekt eine Bestätigung in ihrer ersten Ehe mit Markgraf Udo III., der nach dem erbenlosen Tod seines Bruders Heinrich 1087 dessen Amtsnachfolger wurde. Als Udo III. 1106 starb, war sein Sohn Heinrich noch im Kindesalter, so dass die Markgrafschaft zunächst an Udos Bruder Rudolf überging, der sie erst 1114 an seinen Neffen abtrat. Dieser Sachverhalt und die Überlieferung Lamperts, der man entnehmen muß, dass 1075 noch keiner der Söhne Udos II. erwachsen war, ermöglicht Rückschlüsse auf das Lebensalter Udos III. und stützt die Überlegungen über das Alter seiner Gattin Irmingard von Plötzkau. Deswegen darf man vermuten, dass die Ehe zwischen Irmingard und Udo III. nicht vor 1090/95 geschlossen sein wird, denn Irmingard überlebte ihren ersten Gatten um immerhin 47 Jahre und wird daher bei der Eheschließung mindestens 15 Jahre alt gewesen sein. Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen dürfte sie frühestens 1070 geboren sein.]. Diese zeitliche Eingrenzung legt ungefähr auch den Geburtstermin ihres Bruders fest.
Daraus ergeben sich wiederum Konsequenzen für die Zeitstellung Graf Bernhards, des Großvaters Helperichs, dessen Gestalt Beumann umrißhaft zu skizzieren versucht hat. Unter den zeitlich günstigsten Voraussetzungen im Sinne der Interpretation Beumanns dürfte dieser zwischen 1030 und 1040 geboren sein. Deshalb ist eine persönliche Beteiligung an der Umwandlung der als Kanonikerstift von ihm selbst begründeten Eigenkirche der Plötzkauer Grafen in ein Benediktinerinnenkloster um 1130 alles in allem sehr unwahrscheinlich.
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Dietrich
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Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 125 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 86-91 -