Kuno I. von Rott                                       Pfalzgraf von Bayern (1055-1086)
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um 1015-27.3.(1086)                               Graf von Vohburg 1040
              Palestrina

Sohn des Grafen Poppo II. von Rott aus der Familie der PILGRIMIDEN (Prinz Isenburg, W. Wegener)
Nach J.P.J. Gewin Sohn des Grafen Aribo und der Wichpurg, Tochter von Graf Otwin
Nach H.C. Faußner Sohn des PILGRIMIDEN Poppo und der NN von Viehbach, Tochter von Markgraf Markwart; Urenkel der Wigburg von Bayern und damit Verwandter der ARIBONEN
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Dr. Wilhelm Wegener: Seite 132
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12. Kuno I.

F. u. eV.
(1037) siehe 6
(1039 nach 28/11) verstorbenen ehemaligen Herzog Adalbero von Kärnten, bewidmen dessen Begräbnisort Geisenfeld; Spitzenzeugen die Brüder des Herzogs Eberhard und Ernst, Chuono de Ebenhusen (aus dem Hause LECHSGEMÜND), Chuono de Vohburch MB 14, 185 (die beiden Kuno sind mit Schwestern des WELFEN Kuno II., Grafen im Sualafeld, verheiratet, der anscheinend mit einer Tochter des verstorbenen Herzogs vermählt war)
c 1040 siehe 6
(vor 1055 10/12) Graf Piligrim (n 14) übergibt (letztwillig) dem Domkapitel Freising Gut zu Mauggen (G Salmannskirchen AG Erding, Sempt-Grafschaft) in Gegenwart Cuonos, des Bruders Piligrims, und seines Sohnes Cuono nQ 5, 459 n 1617
1058 26/10 König HEINRICH IV. schenkt dem Getreuen Cuono Königshufen in Guzbretdesdorf und an der Schwarza DD 6, 56 ff. n 45 (Identität zweifelhaft)
1059 13/4 Bamberg, Synode, 1. Laienzeuge Cuono palatinus comes von Guttenberg, Bamberger Regesten n 312
c 1060 Chuno aulicus preses Inhaber mehrerer Tegernsee entfremdeter Güter Archiv. Zs. nF. 20, 88 ff.
(1061/62) palatinus comes Chuono et filius eius Chuono von Guttenberg, Bamberg. Reg. n 328
c 1070 Chuono pal. com. Vogt von St. Paul in Regensburg Archiv. Zs. nF. 11, 267
1077 11/6 Cuono pal. com. DD 6, 389 f. n 296
1079 16/8 liegt Oberpöring (AG Osterhofen) in der Grafschaft (untere an Isar und Vils) des Pfalzgrafen Cuono DD 6, 416 f. n 316
c 1080 Widmung an Münchsmünster Chu(onone) comite (von Vohburg) vidente Nagel 21 n 54
(? 1086 Ende März/Anfang April Regensburg statt 1073 5/9) Kaiser HEINRICH IV. bestätigt zum Andenken an den Pfalzgrafen Cono dessen Klosterstiftung Rott; dieser hatte aus seiner Ehe die Kinder Cono und Ermingard, die sich beide verheirateten; die Tochter erhielt ihr Erbteil, der Sohn mit Gattin gelobten im Falle ihrer Kinderlosigkeit die Klosterstiftung, der Vater bestätigte diese nach dem Tode des Sohnes; Aufzählung der Stiftungsgüter; der Kaiser bestätigt die Stiftung auf Ansuchen des Vaters DD 6, 338 ff n 263 (unecht)
die Legende der Klosterheiligen Marianus und Anianus nennt den ersten Besitzer von Rott den Grafen Poppo (n 2), den Klostergründer Kuno I. Sohn und Enkel eines Poppo MB 1, 348
eine aus dem 15. Jh. stammende Rezension dieses Berichtes nennt unter den Klostergründern auch Kunos Gattin Uta und des jüngeren Kuno Gattin Elisabeth MB 1, 350 f.
Das Seeoner Nekrolog bringt Kunos (Chuono palatinus fundator) Todestag zum 27/3 (spätestens 1086), den der Uta zum 9/2 Necr. 3, 222, 220. Über die Abstammung der Uta siehe Andechs n 17.
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HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Dr. J.P.J. Gewin: Seite 63
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32. Chuono

Graf, Pfalzgraf von Bayern, 1030/39-c. 1081.
1030/39. Graf Chuono und Graf Piligrim C. 33. fungierten als Zeugen bei der Gründung und Ausstattung des von Aribo C. 22. und Wichpurg (ihren Eltern) gegründeten Klosters Sonnenburg: T. U. I. nr. 54.
C. 1050-c. 1081. Chuono an der Spitze der Zeugenreihe bei Brixner Traditionen: A. t. I. nr. 96, 111, 204, 237, 249, 250, 285, 296, 301.
1059/65. Chuono schenkt der Brixner Kirche ein Gut zu Zeismering (siehe Tutzing): A. t. I. nr. 133.
C. 1065/c. 75. Derselbe schenkt Brixen ein Gut in Riegsee (nordöstlich Murnau in Ober-Bayern): A. t. I. nr. 207.
C. 1070/c. 80. Chuono fungiert mit Gundachar als Vogt des Bischofs Altwin: A. t. I. nr. 244.
1053/78. Chuono 1. Zeuge bei einer Schenkung durch Graf Piligrim C. 33.: F. nr. 1617.
1057/64 Erste Zeugen: palatinus comes Chuono et filius eius Chuono: Wiesflecker a.a. O. nr. 62.
1077 Juni 11. König HEINRICH IV. überlässt die Mark Krain dem Patriarchen Sigehard von Aquileja (D. 34.) auf Intervention der Königin Berta, der Bischöfe und des Pfalzgrafen Chuono: Pfeiffer. Urkundenbuch von Nürnberg nr. 16.
1079. Aug. 16. König HEINRICH IV., im Begriff ins Feld zu ziehen, übergibt Darlehen in Peringen situm in pago Brisgowe in comitatu Cuononis palatini comitis: Pfeiffer a.a.O. nr. 19.  Descriptio manifestat loca de Tegernsee ablata  cum nominibus eorum, qui eadem habent in beneficium. (post alia): Chuono aulicus preses habet: Fricchindorf (Frickendorf, L. K. Freising), Munihha (Ostermünchen, L. K. Aibling), Siezbach (Süssbach, L. K. Mainburg). Späteres Güterverzeichnis aus Tegernsee (Seite 83ff.), Reindel Seite 87.

Note:
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Über die Herkunft des Pfalzgrafen Chuono wird in der einschlägigen Literatur allgemein angenommen, dass Chuonos Vater Graf Poppo (C. 20.) war. Diese Auffassung gründet man wohl auf das Diplomatarium Num. I. des Klosters Rott am Inn (M. B. I. Seite 341-351) und die sogenannte Bestätigung der Stiftung des Klosters Rott durch HEINRICH IV. d.a. 1073 (M. B. I. 352-356). Das unter I. nummerierte miscellum ist gedruckt nach einer Handschrift aus späterer Zeit, die III. nummerierte Urkunde eine ausgesprochene Fälschung. Zu der Verwirrung hat vielleicht auch die Tatsache beigetragen, dass Graf Poppo von Rott (C. 20.) wirklich einen Sohn Chuonrat (C. 31.) hatte (siehe oben) und dieser Poppo nach seiner Grafschaft oder seinem Sitz von Rott genannt wurde.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf die urkundliche Erwähnung des Ortes Rott und des Namens Poppo zu lenken. Wie wir schon oben erwähnten, erwarb der ältere Graf Poppo, in dem wir den Schwiegervater
Chuonos C. 11. erblicken 977/81, gegen Übergabe anderer Besitzungen "in vico Rota hobam I. cum curtifero et omnibus rebus ad eundem locum pertinentibus" (F. nr. 1280a.). Da Tauschverträge meistens zur Abrundung eigenen Besitzes geschahen, ist anzunehmen, dass dieser Graf Poppo ebenda Güter besaß. Für die von Bitterauf gegebene Deutung Niederroth (B. A. Dachau) liegt nach unserer Meinung kein Anlass vor.
Es entspricht gänzlich dem mittelalterlichen Brauch, dass Poppos Schwiegersohn Chuono C. 11. einem Sohn den Namen seines Schwiegervaters, einem anderen seinen eigenen Namen gab. Bezeichnend ist weiter, dass diese beiden Söhne einen Sohn mit Namen Poppo hatten, während dieser Name bei den Deszendenten des Pfalzgrafen Chuono C. 32. weder in der männlichen noch in der weiblichen Linie vorkommt.
Nachdem um 1080 das Kloster Rott am Inn (B. A. Wasserburg) vom Pfalzgrafen Chuono gestiftet worden war, bereiteten in der 1. Hälfte des 12. Jh. die Nachkommen des Grafen Poppo C. 20. die Gründung und Ausstattung des gleichfalls am Inn (B. A. Wasserburg) gelegenen Klosters Au vor. Sie nannten sich nach ihrem Sitz Mödling in der Nähe des Klosters: von Mödling (siehe unten).
Für die Verwandtschaftsbeziehungen Chuonos ist der Eintrag über die obengenannte Schenkung des Grafen Piligrim C. 33. (sein Bruder) sehr wichtig. Dieser übergab 1053/78 der Freisinger Kirche ein Gut zu Mauggen (Pf. Bockhorn, B. A. Erding) in Gegenwart und mit Zustimmung seines Bruders Chuono C. 32. und von dessen Sohne Chuono C. 38. die auch die gemachten Bedingungen bestätigten "qui etiam eandem traditionem conditione sub hac faciebant et confirmabunt conditione quantinus si illud predium a communi fratrum oblatione auferatur aliquo, idem Cvono vel filius eius vel quilibet proximus heres ius habeat in suam redigere potestatem appensis ad idem altare tribus aureis. Et hi testes nobiles: Chvono, Hartmann, Heinrich Welf. De familia etc." (F. nr. 1617).
Die Beziehungen der beiden Brüder Chuono und Piligrim zu dem Kloster Sonnenburg im Pustertal zeigen sich durch ihre in einer Aufzeichnung des Klosters 1030/39 datierte Anwesenheit als Zeugen. Diese lautete folgendermaßen: "Volchold; Sohn des Grafen Otwin, gründet Sonnenburg und setzt seine Nichte Wichpurg (Nonne des von seiner Mutter Wichpurg (D. 20.) gestifteten Benediktinerklosters St. Georgen am Längsee) als Äbtissin ein. Er dotiert das Kloster im Beisein Bischof Hartwigs von Brixen (D. 31.) mit reichem Besitz im mittleren Pustertal (ausgenommen das schon früher an Trient gegebene Reischach), und tradiert es der bischöflichen Kirche Trient, der damals sein Bruder Ulrich vorstand. siehe Tafel D.
An einem Pfingstfeste wird hierauf die Äbtissin unter Beihilfe Bischof Ulrichs (II.) von Trient in den Besitz des Klosters eingeführt. Testes Erchenger etc. - Berichtet, dass Bischof Ulrich II. von Trient dem Stifte Sonnenburg ungenannte Güter entzogen habe, der dann auf dem Vergleichstage den Bischof zur Zahlung von 10 Mark und 20 Pfund Regensburger verhielt. Auf die Einhaltung des Spruches wurden 100 Pfund Regensburger gesetzt. Als Zeugen erscheinen die Grafen Piligrim und dessen Bruder Chuono, Grimolt etc."
Diese Aufzeichnung gibt Anlass zu den folgenden Bemerkungen. Bischof Oudalrich war ein Bruder Volcholts; beide waren Söhne des Ehepaares Otwin und Wichpurg D. 20. Das Kloster Sonnenburg wurde von Aribo C. 22. und seiner Gemahlin Wichpurg, Tochter der ebengenannten Wichpurg, gestiftet; Wichpurgs Bruder Volcholt, der vielleicht Mitgründer war, hat das Kloster wahrscheinlich nach dem Tode Aribos seinem Bruder, dem Bischof Ulrich II., übertragen; Volcholts Nichte Wichpurg, die er als Äbtissin des Klosters einsetzte, war wohl eine Tochter des Ehepaars Aribo und Wichpurg.
Von den Urkunden des Klosters sind nur spärliche Reste auf uns gekommen. In einer Urkunde vom 9 September 1120, das Kloster betreffend, ist ein Aribo comes genannt; sie scheint aber gefälscht zu sein. Dann erscheinen später als Zeugen im Kloster Sonnenburg 1156/64 ein Graf von Flavon Aribo (C. 62.) zusammen mit seinem Bruder Eberhard C. 63. (A. t. I. nr. 481). Hier zeigen sich schon Verbindungen dieser Grafen mit dem Kloster. Wie wir bei der Beschreibung der Grafen von Flavon erwähnen, ist in einer Urkunde des Bischofs von Trient festgestellt, dass das Kloster Sonnenburg von Vorfahren der Grafen von Flavon gestiftet wurde.
Im Kapitel A. über das RUPRECHTS-Geschlecht zogen wir die Folgerung, dass aus einem Urteil Bischof Alberts von Trient um 1166 hervorgeht, dass die Grafen von Flavon, die von Severs und Heinrich von Lechsgemünd (siehe Kapitel A. und F.) Beziehungen zu dem vom Pfalzgrafen Chuono gestifteten Kloster Rott hatten.
Von Chuonos Grundbesitz sind Liegenschaften zu Zeismering (südlich Tutzing) und Riegsee (nordöstlich Murnau) urkundlich genannt. Dass er an dem von seinem Bruder Graf Piligrim an Freising geschenkten Gut zu Mauggen (B. A. Erding), beteiligt war, beweist seine und seines Sohnes Anwesenheit und Zustimmung beider Schenkung.
Da Chunrad im Zeitraum 1050/65-c. 1070/80 häufig in der Brixner Diözese, meistens zu Aufhofen, als Zeuge fungierte, war er wohl längere Zeit im Pustertal ansässig. Einmal ist er zu Höflein 1070/80 mit Gundachar als Vogt Bischof Altwins genannt (A. t. I. nr. 244). Ob er ebenda auch als Pfalzgraf residierte, steht nicht fest. Nach einer Urkunde König HEINRICHS IV. vom 16. August 1079 scheint er damals eine Grafschaft im Breisgau verwaltet zu haben.
Als Pfalzgraf Aribo II. C. 23., der seinem Vater, Pfalzgraf Hartwig II. C. 14. nachgefolgt war, infolge seiner Acht von König HEINRICH III. aus seinem Amt entsetzt worden war, kam dasselbe in die Hände einer anderen Linie des ARIBONEN-Geschlechtes, die dem Bruder des Pfalzgrafen Aribo I., Chuono C. 11. entstammte. Als seine milites werden die im Kapitel A. erwähnten Nortbert III., Eberhard von Bernhard von Sachsenkam (A. 45, 46, 60.) bezeichnet. Durch den frühen Tod seines Sohnes Chuono C. 38. im Jahre 1081 ging das Pfalzgrafenamt in andere Geschlechter über.
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H.C. Faußner: Seite 42
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"Zur Frühgeschichte der Babenberger"

Kuno von Rott erhielt 1055 auf dem Reichstag zu Regensburg neben der Pfalzgrafenwürde auch die Tegernseegüter. Die Herren von Rott und Vohburg waren wiederum mit den "Freisinger ARIBONEN" verwandt, von denen auch die pfalzgräflichen ARIBONEN abstammten.
Mit der Übertragung auf Kuno von Rott im Jahre 1055 dokumentierten sich bei der Pfalzgrafschaft derselbe geblütsrechtliche Folgeanspruch und dasselbe königliche Auswahlrecht wie beim Herzogtum. War kein Sohn vorhanden, wie beim geächteten Pfalzgrafen Aribo II., so hatte der König das Auswahlrecht unter denen, die für die Pfalzgrafschaft die geblütsmäßige Voraussetzung hatten. Er entschied sich für Kuno von Rott, der wie Aribo II. ein Urenkel von Frau Wigburg von Bayern war, Aribo aus ihrer 2. Ehe mit Hartwig, Kuno aus ihrer 1. Ehe mit Graf Pilgrim.
Die Übertragung der Pfalzgrafschaft und der Tegernseer Güter von dem geächteten Aribo auf seinen Vetter Kuno zeigt aber auch die in solchen Fällen übliche Rechtspraxis: Die aberkannten und konfiszierten Regalien und Besitzungen werden einem mehr oder weniger nahen Verwandten übertragen und damit durch den Ächtungsfall der erb- und geblütsrechtliche Anspruch der Nachkommen- und Sippschaft als solcher nicht beeinträchtigt.
Pfalzgraf Kuno starb um 1086. Da sein gleichnamiger, einziger Sohn 1081 bei Hochstätt an der Donau gefallen war und ihn somit kein Sohn überlebte, konnte der König erneut von seinem Auswahlrecht Gebrauch machen.
 
 
 
 

  oo Uta von Andechs, Tochter des Grafen Friedrich II.
             -9.2.
 
 
 
 

Kinder:

  Kuno II.
          -11.8.1081
 
  Irmgard
        -14.6.1101
 
  1. oo Engelbert V. Graf im Chiemgau (SIEGHARDINGER)
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  2. oo Gebhard II. Graf von Sulzbach
                 -   1085

  3. oo Kuno Graf von Horburg (LECHSGEMÜND)
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