LIEGNITZ
 

Lexikon des Mittelalters:
********************
Liegnitz.

[1] Stadt: Einer der ältesten Hauptorte Schlesiens, strategiosch und verkehrsgünstig am Katzbachübergang zweier sich kreuzender Straßen zwischen Oder und Bober-Katzbachgebirge einerseits sowie Breslau und der westlichen schlesiscehn Landesgrenze am Queis andererseits gelegen. Hier befand sich vielleicht bereits die Hauptburg der slavischen Trebowanen. Die aus dem 11. Jh. stammende Burg, 1149 erstmals (mit Benedikt-Kapelle) urkundlich bezeugt, war 1175 Sitz eines landesherrl. Kastellans und häufiger Aufenthaltsort der schlesischen Herzöge. Bei der Burg entstand früh eine Marktsiedlung, die mit ihren Kirchen im Mongolensturm 1241 zerstört wurde. An ihrer Stelle gründete Herzog Boleslaw II. zwischen 1242-52 die deutschrechtliche Stadt Liegnitz als Plananlage um einen rechteckigen Marktplatz mit Rathaus (1320), Tuchhallen und Marktbuden, zwischen zwei leicht gekrümmten Hauptstraßen. Innerhalb des 1281-1326 errichteten Mauerrings befanden sich 366 brauberechtigte Häuser. Liegnitz erhielt 1315 das Zoll-, 1352 das Münzrecht, 1372 erwarb es die Erbvogtei und strebte im 15. Jh. (nach dem Vorbild von Breslau) nach Landbesitz. Nach einem verheerenden Stadtbrand 1338 wurde das Stadtgebiet nach W, N und O auf eine Fläche von insgesamt ca. 750 × 450 m erweitert und mit einer neuen Mauer umgeben. Die von Handel, Handwerk (Tuchmacherei) und Landwirtschaft lebende Stadt Liegnitz war stets auch das kirchliche und kulturelle Zentrum des nordwestlichen Schlesiens: seit 1262 Archidiakonatssitz bei der Hl.-Geist-Kirche (seit 1348 Kollegiatstift) in der »Domvorstadt«; Pfarrkirchen St. Peter (und Paul) in der Oberstadt und Liebfrauen in der Unterstadt; Dominikanerkl. Hl. Kreuz (1277), Franziskanerkl. St. Johannes (1294), Benediktinerinnenkl. Hl. Leichnam (1348), Kartäuserkl. Leiden Christi (1423),Bernardinerkl. Hl. Dreifaltigkeit (1475), vier Hospitäler und drei Schulen.

[2] Herzogtum: Es entstand 1248 durch piastische Erbteilung des Herzogtums Schlesien und umfaßte anfänglich dessen gesamten Westteil, schrumpfte aber durch weitere Teilungen und Absonderungen, vor allem von Glogau 1251, Jauer und Löwenberg 1278, Brieg 1311, auf den Umfang etwa der späteren Landkreise Liegnitz, Goldberg-Haynau und Lüben. Beim Aussterben der direkten Liegnitzer Piasten-Linie 1419 fiel deren Land an die Brieger, dann an die Lübener Linie, doch blieb Liegnitz bis 1675, als die neue Brieg-Liegnitzer Linie als letzte des schlesischen Gesamthauses ausstarb, Residenz. Die Piasten-Gruft befindet sich in der Johannes-Kirche.

J.J. Menzel