Heinrich IV. Probus                       Herzog von Schlesien-Breslau (1266-1290)
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1257/58-23.6.1290

Begraben: Breslau, Kreuzstift
 

Einziger Sohn des Herzogs Heinrich III. von Schlesien-Breslau aus seiner 1. Ehe mit der Judith von Masowien-Kujawien, Tochter von Herzog Konrad I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2078
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Heinrich IV., Herzog von Schlesien-Breslau aus dem Haus der Piasten
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     + 1290

Begraben: Breslau, Kreuzstift (von ihm gegründet)

Enkel von Heinrich II. dem Frommen, beherrschte als Herr von Breslau nur noch Mittel-Schlesien. In Prag erzogen, stand er auch nach Regierungsantritt beim Tod seines Vaters Heinrich III. (1266) unter dem Einfluß seines Onkels König Ottokars II. von Böhmen. Nach dessen Tod 1278 konnte er das Glatzer Land (Glatz), nicht aber die Regentschaft Böhmens erringen. 1280 nahm er als erster schlesischer Herzog sein Land von König Rudolf von Habsburg zu Lehen und wurde deutscher Reichsfürst. 1288 erlangte er das polnische Herzogtum Krakau und soll nach der polnischen Königswürde gestrebt haben. Mit dem Bischof von Breslau focht er einen heftigen Immunitätsstreit aus, der mit einem großen Privileg für das Bistum, der Gewährung der Landeshoheit für das Bistumsland, endete. Das Erbe des kinderlos verstorbenen Herzogs fiel an seine schlesischen Verwandten. Heinrich IV. ist der bedeutendste schlesische Piast der 2. Hälfte des 13. Jh. In der Manesseschen Liederhandschriftensammlung sind unter seinem Namen zwei deutsche Minnelieder und eine Turnierszene überliefert.

J.J. Menzel



Thiele, Andreas: Tafel 83
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HEINRICH IV. "PROBUS"
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* um 1255, + 1290

Heinrich IV. Probus wuchs bis 1273 am böhmischen Hof auf und folgte 1266 seinem Vater als Herzog von Breslau unter der Regentschaft seines erzbischöflichen Onkels Wladislaw, der die alten herzoglichen Rechte im Bistum Breslau erneuerte und das enge Verhältnis zu Böhmen schuf. Heinrich geriet besonders gegen seinen Onkel Boleslaw II. und wurde 1277/78 gefangen und zur Herausgabe von Grenzgebieten mit Neumarkt und Striegau gezwungen. Im böhmisch-mährischen Regentschaftsstreit ging er zu König RUDOLF I. VON HABSBURG über und erhielt als Ersatz für die erstrebte Regentschaft die Grafschaft Glatz mit Wünschelburg und Landeck. Heinrich IV. huldigte 1280 dem deutschen König, womit sein Part Breslau als erstes schlesisches Teilgebiet aus dem polnischen Lehensverband gelöst wurde. Er zwang 1281 den Liegnitzer Vetter zu einem lehensartigen Verhältnis, womit er das größte schlesische Teilgebiet beherrschte; Breslaus Stellung wurde so weiter gestärkt. Heinrich IV. Probus stritt jahrelang mit Bischof Thomas II. von Breslau um Rechte und Besitz und war deshalb zweitweise gebannt, was seine Stellung jedoch nicht schwächte und zwang den Bischof 1287 zur völligen Unterwerfung und Unterordnung. Er schloß nach vielem Streit mit Brandenburg um Lebus, Barnim und Teltow 1288 Frieden, um den Rücken freizuhaben für den Erbkrieg um Polen gegen Wladislaw Lokietek von Sendomir und Premislaw II. von Großpolen und eroberte 1289 Krakau-Kleinpolen. Heinrich IV. wurde damit auch Seniorchef aller PIASTEN und markierte so einen letzten Höhepunkt schlesicher Herrschaft in Polen. Er war einer der bedeutendsten Vertreter des Rittertums, förderte das Turnierwesen sehr und bekämpfte energisch das Fehdewesen. Er konnte sich in Krakau auf eine starke deutsche Partei (Magdeburger Recht) stützen und sorgte für geordnete Finanzen. Er war eng befreundet mit König Wenzel II. von Böhmen und setzte ihn zuletzt als Erben in Kleinpolen und Glatz ein, ebenso auch in Breslau und legte damit den Grundstein zur böhmischen Lehensherrschaft in Schlesien. Heinrich IV. gab in einem bis heute sehr umstrittenen Testament auf dem Totenbett alle der schlesischen Kirche genommenen Rechte und Privilegien zurück und trat die herzoglichen Rechte im Bistumsland Neiße an den Bischof von Breslau ab und begründete damit eine Staat im Staate-Position der schlesischen Kirche, Anlaß für jahrhundertelange Streitigkeiten zwischen Herzögen und Kirche.

  1. oo N.N., VON OBER-SCHLESIEN
                 + um 1286

Tochter des Herzogs Wladislaw I. zu Oppeln

  2. oo um 1288
           MECHTHILD VON BRANDENBURG
                     + um 1298

Tochter des Markgrafen Otto V.



   1277/80
  1. oo N.N. von Oppeln, Tochter des Herzogs Wladislaws
     x           -   1287/88

   1287/88
  2. oo Mechthild von Brandenburg, Tochter des Markgrafen Otto V. der Lange
     x           -1.6.1298
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König. Verlag Styria Graz Wien Köln 1989 Seite 155,160,170,222,233,256 - Kuthan, Jiri: Premysl Ottokar II. König, Bauherr und Mäzen. Höfische Kunst im 13. Jahrhundert, Böhlau Verlag Weimar 1996 Seite 214,276,300,384 - Rhode Gotthold: Kleine Geschichte Polens. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 55,59, 60,88 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 83 - Veldtrup, Dieter: Frauen um Herzog Ladislaus (+ 1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen und dem Reich. Fahlbusch Verlag 1999 Seite 264 - Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, hg. von Winfried Eberhard, Hans Lemberg, Heinz-Dieter Heimann und Robert Luft, R. Oldenbourg Verlag München 1992 Seite 91-92,94-95 -