Boleslaw I. der Lange                    Herzog von Schlesien (1163-1201)
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1127-8.12.1201
 

Ältester Sohn des Herzogs Wladyslaw II. der Vertriebene von Polen aus dem Hause der PIASTEN und der Agnes von Österreich, Tochter von Markgraf Leopold III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 368
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Boleslaw I. Wysoki (der Lange), Herzog von Schlesien(Breslau) seit 1163
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* 1127, + 8. Dezember 1201

Sohn Wladyslaws II. (des Verbannten) von Polen und der Agnes von Babenberg

1. oo 1144 Zvinislawa, Tochter des Großfürsten Vsevolod

2. oo eine nicht näher bekannte Christine aus einem mitteldeutschen Grafengeschlecht

Als nach dem Tod Boleslaws III. zwischen dessen Söhnen Wladyslaw II. und Boleslaw IV. Kedzierzawy (Kraushaar) ein Konflikt ausbrach, unterlag Wladyslaw und mußte 1146 zusammen mit seinem Sohn Boleslaw I. Wysoki Polen verlassen; er floh zu seinem Schwager König Konrad III. Vorher hatte Boleslaw I. Wysoki vergeblich als Vermittler seines Vaters in Kiev um Hilfe ersucht. Boleslaw I. Wysoki begleitete König Konrad III. auf dem Kreuzzug von 1147 und dann Friedrich Barbarossa auf den Italienzügen von 1154/55 und 1158-62. Unter dem Druck des Kaisers gestattete Boleslaw Kraushaar, der Inhaber des Seniorates in Polen, 1163 den Söhnen Wladyslaws die Rückkehr nach Polen und gab ihnen das Erbfürstentum Schlesien zurück. Bald entstanden Streitigkeiten zwischen Boleslaw I. Wysoki und seinem Bruder Mieszko; außerdem forderte der älteste Sohn Boleslaws I. Wysoki, Jaroslaw, einen Anteil an der Regierung. Mit Unterstützung von Boleslaw Kraushaar wurde Boleslaw I. Wysoki 1172 verbannt, kehrte jedoch 1173 mit Hilfe des Kaisers zurück und wurde dafür dem Kaiser tributpflichtig. Er mußte aber Ratibor an Mieszko und Oppeln an Jaroslaw abtreten. Trotzdem wollte Boleslaw I. Wysoki. als Oberhaupt der älteren Piasten-Linie den Krakauer Thron wiedergewinnen und nahm an der Verschwörung gegen den nunmehrigen Senior Mieszko III. teil (1177), wurde jedoch von seinem Bruder und von Jaroslaw abermals vertrieben. Erst mit Hilfe des neuen Herzogs von Krakau, Kasimir des Gerechten, konnte Boleslaw I. Wysoki. zurückkehren. In Schlesien begann Boleslaw I. Wysoki., eigene Münzen zu schlagen; er förderte den Landesausbau (teilweise mit deutschen Siedlern) sowie den Bergbau. Boleslaw I. Wysoki gründete das Zisterzienserkloster Leubus mit einem Konvent aus Pforta (Privileg 1175) und erlaubte die Umwandlung des Vinzenzstiftes an der Elbing in Breslau in ein Prämonstratenserkloster. Seine zweite Frau war nicht Adelheid von Sulzbach, wie früher angenommen wurde, sondern (nach K. Jasinski) eine nicht näher bekannte Christine.

B. Zientara



Thiele, Andreas: Tafel 82
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BOLESLAW I. "DER LANGE"
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* um 1127, + 1201

Sohn des polnischen Seniorchefs Herzog Wladislaw II. von Polen und Schlesien

Boleslaw I. wurde 1146 zusammen mit dem Vater und seinen Brüdern verjagt und fand Asyl bei den STAUFERN. Er zog 1158-1163 mit nach Italien und bekam 1163 zusammen mit seinen Brüdern Schlesien, behielt davon Nieder-Schlesien mit Oppeln, womit jahrelange Bruderkriege begannen. Boleslaw erbte vom jüngsten Bruder um 1190 Glogau. Er griff oft in die polnischen Thronkriege ein, half Kasimir II., was die Feindschaft zum oberschlesischen Bruder verstärkte, der Kasimirs Bruder Mieszko III. förderte und wurde 1174 verjagt. Er stützte ab 1194 Mieszko im Seniorat, das er als eigentlicher Familiensenior selbst anstrebte und mußte auf alle weiteren polnischen Gebiete verzichten. Boleslaw gründete unter anderem das Zisterzienserkloster Lebus (ist das erste dieses Ordens in Schlesien) und war 1195-1197 bei Kaiser HEINRICH VI. in Italien. Er stritt auch viel mit den Söhnen, förderte stark die Kolonisation, sicherte die Herrschaft seiner Familie und gab ihr gegenüber Ober-Schlesien ein politisches Übergewicht.

  1. oo 1142
           WENZESLAWA VON KIEW
                     + um 1163

Tochter des Großfürsten Wsewolod II. von Tschernigow-Kiew

  2. oo um 1163
           CHRISTINA N.
                    + 1204/08

wohl eine deutsche Fürstentochter
(Insgesamt 9 Kinder)



    1142
  1. oo Swinislawa von Kiew-Tschernigow, Tochter des Fürsten Wsewolod II.
                  -   1155/63

    um 1163
  2. oo Christina, wohl eine deutsche Fürstentochter
           vor 1150-23.2.1204/08
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Jaroslaw Herzog von Oppeln
  nach 1142-22.3.1201

  Olga
  1155/60-27.6.1175/80

  Berta
         -7.5. nach 1162

2. Ehe

  Boleslaw
  1157/63-2./3.5.1175/81

  Konrad
  1158/68-5.7.1175/90

  Er wurde Mönch in Lebus.

  Johann
  1161/69-10.3. vor 1174

  Heinrich I. der Bärtige
  1165/70-9.3.1238

  Adelheid
  nach 1265-9.3. nach 1213

1177/82
  oo Theobald Herzog von Böhmen
             -21./22.11.1190

  Wladislaw
  nach 1180- 4.6. vor1199
 
 
 
 

Literatur:
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Opll Ferdinand: Friedrich Barbarossa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1998 Seite 109, 281 - Rhode Gotthold: Kleine Geschichte Polens. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 42,44 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 82 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 368,559,735-736,747 -