Anna von Böhmen                          Herzogin von Nieder-Schlesien
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1201/04-26.4.1265
              (23.6.1265 Kuthan)
 

Tochter des Königs Ottokar I. Premysl von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN aus seiner 2. Ehe mit der Konstanze von Ungarn, Tochter von Königs Bela III.
 

Thiele, Andreas: Tafel 82
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

ANNA
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    + 1265

  oo 1216
       HEINRICH II., Herzog von Gesamt-Schlesien
               + 1241 gefallen



Thiele, Andreas: Tafel 82
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HEINRICH II. "DER FROMME"
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       + 1241

  oo 1216
       ANNA VON BÖHMEN
                 + 1265

Tochter des Königs Ottokar I.

1241 Regentin, förderte Klöster
(12 Kinder)



Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa: Seite 299
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Der Plan der Gründung des Klaraklosters in Breslau wurde zweifellos in persönlicher Absprache zwischen Anna, der Gemahlin Herzog Heinrichs II. des Frommen, und ihrer jüngeren Schwester, der heiligen Agnes von Böhmen, gefaßt. Nach dem Tod des Herzogs in der Schlacht bei Liegnitz 1241 ruhte das Vorhaben zunächst für einige Zeit. 1256 forderte Papst Alexander IV. die Bischöfe von Breslau und Lebus dazu auf, das in den Jahren davor offenbar intensiv vorangetriebene Vorhaben nach Kräften zu fördern. Von Anfang an stand das neue Kloster in Breslau in enger Verbindung zur Prager Niederlassung. Anna schenkte dem Agneskloster alljährlich Wachs, Fische und alles andere zum Leben Notwendige. Sie galt in der Folgezeit als eigentliche Fundatorin des Breslauer Stiftes. Zeitlich vor und neben der Gründung des Klarissenklosters hat Anna sich auch sonst durch ihre außerordentliche Stiftungstätigkeit ein bleibendes Andenken gesichert. Bereits ein Jahr nach der Schlacht von Liegnitz 1241 begründete sie zusammen mit ihrem Sohn Boleslaw II. das Kloster Grüssau. Anna trat möglicherweise nach 1241 als Terziarin in den Franziskanerorden ein.

Hoensch, Jörg K.: Seite 16,87
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"Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König."

König Premysl Otakar I. maß den Heiratsverbindungen einen besonders hohen Stellenwert zu, so daß er für seine zahlreiche Nachkommenschaft aus zwei Ehen unter anderem König Woldemar II. von Dänemark (Judith/Jutta), Herzog Heinrich von Breslau (Anna) und Graf Heinrich von Ortenburg (Bozislava) als Schwiegersöhne erwählte.
Im selben Jahr wußte sich Premysl Otakar die Dankbarkeit der Breslauer Fürstenlinie zu sichern, als er dem jüngsten Sohn des 1241 bei Liegnitz gefallenen Heinrich II. und seiner Tante Anna, einer Tochter König Premysl Otakars I., die hochdotierte Propstei auf dem Vysehrad übertrug und damit den damals noch in Padua studierenden Wladyslaw zum böhmischen Kanzler ernannte.

Kuthan, Jiri: Seite 291,380-383
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"Premysl Ottokar II. König, Bauherr und Mäzen. Höfische Kunst im 13. Jahrhundert."

So schenkte schon König Wenzel I. dem Kloster eine Altarplatte, einen goldenen Kelch mit Edelsteinen und zwei Kristallampullen. Die schlesische Herzogin Anna widmete dem Kloster wertvolle Gegnstände für den Gottesdienst.
Heinrich II., der Fromme, dem also keine lange selbständige Herrschaft vergönnt war, hatte sich bereits 1216 mit Anna, einer Tochter des böhmischen Königs Premysl Ottokar I., vermählt. Zu Annas Geschwistern zählten Margarete-Dagmar, die Gemahlin des dänischen Königs Waldemar II., und Judith, die Gattin Bernhards von Kärnten aus dem Hause SPANHEIM, ferner der böhmische König Wenzel I., dessen Ehefrau aus dem Hause HOHENSTAUFEN stammte, und schließlich auch die hl. Agnes von Böhmen, die Äbtissin des Prager Klarissenklosters.
Die Ehe zwischen Heinrich II. und Anna von Böhmen führte zu einer engen Annäherung der Breslauer Linie der PIASTEN an die PREMYSLIDEN und blieb auch in kultureller Hinsicht nicht ohne Folgen. Heinrich der Fromme war zusammen mit seiner Gemahlin Anna, die nach dem Tod ihres Mannes als Regentin herrschte, ein größzügiges Stifterpaar. Fürstin Anna von Böhmen gründete nach dem Vorbild des Prager Klosters ihrer Schwester, der hl. Agnes, neben dem Minoritenkloster ein Kloster der Klarissen.
Daneben gründete Fürstin Anna in Breslau auch eine Kommende der Kreuzherren mit dem Roten Stern. Damit faßte dieser Orden, den der böhmische König Wenzel I. und seine Schwester, die hl. Agnes, gegründet hatten, in Schlesien Fuß.
Wir wissen, daß die Breslauer Fürstin Anna selbst kostbare Gewänder anfertigte, die als ihre Geschenke nach Rom, Krakau und Marburg geschickt wurden. Reich bedachte Anna auch das Prager Kloster ihrer Schwester Agnes. Aus der Beschreibung von Annas Leben erfahren wir auch von der Gründung des bereits erwähnten Klarissenklosters in Breslau.
Anna von Böhmen gelang es während ihrer Regentschaft nicht, alle Gebiete zu halten, die Heinrich der Bärtige einst vereinigt hatte. Zunächst ging Kleinpolen verloren, das nach der Schlacht bei Liegnitz Konrad von Masowien und bald darauf Boleslaw der Schamhafte von Sandomierz an sich gerissen hatten. Vom einstigen Besitz Heinrichs des Bärtigen wurde auch Großpolen abgetrennt. Die Herrschaft im restlichen Teil seines Reiches teiltenn sich schließlich seine Enkel: Boleslaw der Kahle mit Beinamen Rogatka, Heinrich III. und zwei weitere Brüder, Konrad und Wladislaw, die für den geistlichen Stand bestimmt waren.

Schnith Karl: Seite 261,263
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"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern."

Lag er krank zu Bett, so besuchte sie ihn nur mit ihrer Schwiegertochter, der Herzogin Anna, und in Begleitung anderer Frauen. Das enge Zusammanwirken mit Anna, die dem böhmischen Königshaus entstammte, ist auch anderweitig bezeugt. Sie war seit etwa 1218/20 mit Heinrich II., der 1238 den niederschlesischen Herzogsstuhl bestieg, verheiratet.
Sie vergoß keine Tränen und offenbarte kein Zeichen des Schmerzes, sondern tröstete ihre Tochter, die Abtissin in Trebnitz, und ihre Schwiegertochter, die Gemahlin des gefallen Herzogs. Hedwig und Anna stifteten auf dem Schlachtfeld von Liegnitz ein  Benediktinerpriorat.
Die Herzogin Anna übernahm 1241 für kurze Zeit als Verweserin die Regierung des Herzogtums, weil ihr ältester Sohn - Boleslaus - noch nicht volljährig war. Hedwig hatte sich wohl bis dahin um die Erziehug der zehn Kinder - fünf Söhne und fünf Töchter - gekümmert, die aus der Ehe Heinrichs II. mit der przemyslidischen Prinzessin hervorgegangen waren.
 
 
 
 

1214/18
  oo Heinrich II. der Fromme Herzog von Schlesien, Krakau und Großpolen
       1196/1204-9.4.1241 gefallen
                         bei Liegnitz
 
 
 
 

12 Kinder:

  Gertrud
  1218/20-23./30.4.1244-4.1245/47

um 1232
  oo Boleslaw I. Herzog von Masowien
      1208- 1248 nach 25.2.

  Boleslaw II. Herzog von Liegnitz
  1220/25-26./31.12.1278

  Mieszko
  1223/27-   1241/42

  Konstanze
  1221/27- 1253/3.5.1257

 1239
  oo Kasimir I. Herzog von Kujawien
             -14.12.1267

  Elisabeth
  1224/32-16.1.1265

 1244
  oo Przemyslaw I. Herzog von Posen und Gnesen
              -4.6.1257

  Heinrich III. Herzog vom Breslau
  1227/30-3.12.1266

  Konrad I. Herzog von Glogau
  1228/31-6.8.1273/74

  Agnes I. Äbtissin von Trebnitz
  1230/36-14.5. nach 1277

  Wladislaw Bischof von Bamberg
  1237-27.4.1270 ermordet

  Hedwig Äbtissin von Trebnitz
  1238/41-3.4.1318
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König. Verlag Styria Graz Wien Köln 1989 Seite 16,87 - Kuthan, Jiri: Premysl Ottokar II. König, Bauherr und Mäzen. Höfische Kunst im 13. Jahrhundert, Böhlau Verlag Weimar 1996 Seite 291,380-383,386 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 261,263 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 82 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 82 - Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, hg. von Winfried Eberhard, Hans Lemberg, Heinz-Dieter Heimann und Robert Luft, R. Oldenbourg Verlag München 1992 Seite 94,299-300,304 -