SANDOMIR
 

Lexikon des Mittelalters:
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Sandomir (Sandomierz)
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Burg, Stadt und Fsm. in Kleinpolen an der Weichsel, 10 km sw. der Mündung des San.

Die Mitte des 10. Jh. errichtete Burg S.andomir entwickelte sich zum Provinzhauptort und zu einer der bedeutendsten fürstlichen Residenzen Polens (um 1116: »sedes regni principalis«). Als Teilfürstentum gehörte Sandomir 1146/48-66 Heinrich von Sandomir, 1173-77 Kasimir II. dem Gerechten, 1194-1202 Leszek Bialy, 1227-43 Boleslaw V. dem Schamhaften, dann wurde es mit dem Fürstentum Krakau vereinigt und war seit dem 14. Jh. Hauptstadt einer Wojewodschaft. Neben der Burg entstand im 12. Jh. eine frühstädtische Siedlung mit Kollegiatstift (Weihe der Kirche 1161) und Dominikanerkloster (1226), die 1241 und 1260 Mongoleneinfällen zum Opfer fiel. 1286 gründete Leszek II. der Schwarze, Fürst von Krakau-Sandomir, die Stadt Sandomir formell zu Magdeburger Recht. Nach 1350 erweiterte König Kasimir III. das Stadtgebiet und vereinigte die Burg mit der neu errichteten Stadtmauer; zu dieser Zeit (vor 1359) übersetzte Stadtschreiber Konrad das Landrecht des Sachsenspiegels ins Lateinische (sogenannte Versio Sandomiriensis). An der Kreuzung der Handelswege zwischen Thorn, Krakau und Ruthenien gelegen, entwickelte sich Sandomir im 14. und 15. Jh. zum - nach Krakau - wichtigsten Zentrum des Handwerks in Kleinpolen.

S. Gawlas