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"Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437."

Hedwig (Jadwiga) war ihrem Verlobten Wilhelm von Österreich sehr zugetan, während ihre Schwester Maria unter dem Einfluß ihrer Mutter gegen ihren späteren Gemahl unüberwindliche Vorbehalte entwickelte.
Eine von ihrer Mutter Elisabeth Ende 1383 abgefertigte Gesandtschaft entband die Polen noch einmal von allen Verpflichtungen gegenüber Maria und SIGISMUND, an deren Stelle sie jetzt die 10-jährige Hedwig als Thronfolgerin benannte unter dem Vorbehalt, dass diese nach der bald in Krakau vorzunehmenden Krönung zur weiteren Erziehung bis zur Volljährigkeit am ungarischen Hof bleiben könne. Als die Großen des polnischen Reiches ihre künftige Königin feierlich an der Landesgrenze einholen wollten, wurden sie nach Kaschau gebeten. Königin Elisabeth, die offensichtlich Zeit zu gewinnen trachtete, rang den durch großzügige Geschenke freundlich gestimmten Polen nicht nur eine Verschiebeung der Krönung bis zum 11. November 1383 ab, sondern auch völlig neue Abmachungen, die beim kinderlosen Tod der einen Schwester der anderen die Nachfolge und eine Doppelherrschaft zugestand, bis nachwachsenden Söhne das Erbe antreten könnten. Hedwigs Verlobung mit dem in Polen ebenfalls unwillkommenen Wilhelm von Habsburg war freilich dafür aufzulösen. Dieses Nachgeben fachte den polnischen Bürgerkrieg von neuen an. Am 25. Juni 1383 wurde Siemowit zum König ausgerufen, doch Elisabeth dachte auch jetzt nicht daran, Hedwig den Polen zu überstellen, sondern nahm sie im Herbst nach Dalmatien mit.
Die über das Taktieren der Königs-Witwe verärgerten Polen verloren die Geduld: Auf einer Adelsversammlung in Radomsk wurde Elisabeth am 2. März ultimativ aufgefordert, ihre Tochter Hedwig bis zum 8. Mai, dem Fest des Nationalheiligen Stanislaw, zur Krönung nach Krakau zu entsenden, andernfalls würden sie von ihren Recht der freien Königswahl Gebrauch machen. Doch auch jetzt noch suchte Elisabeth den Termin hinauszuschieben und schickte SIGISMUND als Hedwigs Statthalter nach Polen. Dieser erreichte erneut einen Aufschub für das Eintreffen Hedwigs. Mit der - nicht zuletzt dank SIGISMUNDS persönlichem Einsatz, aber auch auf Kosten seiner Ambitionen - am 15. Oktober 1384 erfolgten Krönung der übereinstimmend als außerordentlich schön und klug geschilderten Hedwig wurde das zweijährige Interregnum beendet. Nach den Vorstellungen des kleinpolnischen Amtsadels sollte eine politische Heirat den Einfluß Polens im europäischen Mächtekonzert stärken und neue Expansionsmöglichkeiten schaffen.
Wilhelm von Habsburg und der sich anbietende Siemowit IV. von Masowien schienen als Prinzgemahl nicht das notwendige Format mitzubringen; dagegen eröffnete eine Verbindung mit dem litauischen Großfürsten Jagiello dem Adel großzügige Perspektiven. Die Hochzeit zwischen Hedwig und Jagiello fand im Frühjahr 1386 statt.
Ein von Königin Hedwig angeführtes Heer hatte im Februar 1387 das Interregnum in Ungarn zu nutzen gewußt, diese Provinz zurückzugewinnen und im August dank litauischer Militärhilfe auch Halic zu besetzen.
Nach dem Unfalltod Marias von Ungarn richteten unter Berufung auf die nach Pfingsten 1384 von der Königs-Witwe Elisabeth mit den polnischen Baronen vereinbarte Sukzessionsregelung mehrere ungarische Herren an das polnische Königspaar die Aufforderung, den ungarischen Königsthron zu besteigen. Hedwig, die sogleich ihre Titular um "Erbin des Königsreichs Ungarn" ergänzte und Wladyslaw Jagiello schlossen im Juni 1395 mit dem von seinen Verwandten hart bedrängten WENZEL IV. eine Vereinbarung zu gegenseitiger Hilfeleistung ab und rüsteten eine Eingreiftruppe aus, die von Primas Kanizsai allerdings in der Zips zurückgeschlagen wurde. König SIGISMUND mußte einsehen, dass ihn nur ein Ausgleich mit Hedwig in die Lage versetzen würde, seine Gegner mundtot zu machen. Mitte Juli 1397 fand ein Zusammentreffen zwischen SIGISMUND und dem polnischen Königspaar auf ungarischem Boden - in Zisper Neudorf oder Käsmark - statt, bei dem die Streitpunkte beigelegt und ein Frieden mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von 16 Jahren geschlossen wurde. Da das Dokument nicht erhalten blieb, kann nur vermutet werden, dass sich SIGISMUND für den Verzicht Hedwigs auf die Nachfolge in Ungarn mit dem Verlust Rotreussens abfand und wohl auch zusagte, nicht länger die Bemühungen Wladyslaws von Oppeln zu unterstützen. Mit dem Tod Hedwigs am 13. Juli 1399 verloren die Drohungen der Amtsenthebung durch die Opposition ihren Schrecken.