Elisabeth von Ungarn                    Fürstin von Tarent
---------------------------
1352- kurz vor 6.4.1380
 

Einzige Tochter des Herzogs Stephan von Slawonien, Kroatien und Dalmatien aus dem Hause ANJOU und der Margarete von Bayern, Tochter von Kaiser LUDWIG IV.
Nichte und zeitweilig Erbin des Königs Ludwig I. von Ungarn
 

DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon: Seite 39
*****************************************
ALBRECHT III. "MIT DEM ZOPFE", Herzog von Österreich
-----------------------------------------------
* zwischen 18.11.1349 und 16.3.1350, + 29. (oder 28.)8.1395

Aus politischen Gründen 1362 mit Elisabeth von Anjou, Nichte König Ludwigs I. von Ungarn, verlobt, unterblieb eine Eheschließung infolge des Dazwischentretens von Kaiser KARLS IV. Dieser zwang Albrecht von der Verlobung zurückzutreten und dafür 1366 in Prag des LUXEMBURGERS erst achtjährige Tochter Elisabeth zu heiraten.



Thiele, Andreas: Tafel 359
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

ELISABETH
-----------------
    + 1380

  oo PHILIPP II., Fürst von Tarent
              + 1374



Thiele, Andreas: Tafel 414a
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

PHILIPP II.
---------------
* 1329, + 1374

  1. oo 1355
           MARIA D'ANJOU
           * 1328, + 1366 (im Kindbett)

Tochter des Herzogs Karl von Kalabrien

  2. oo 1370
           ELISABETH VON UNGARN
                   + 1380

Tochter des Herziogs Stephan von Slawonien
( 1 Kind + klein)



Elisabeth galt bis zur Geburt der Töchter von König Ludwig I. als dessen Thronerbin. Nach zahlreichen Verlobungen wurde sie schließlich 1370 die zweite Frau ihres Großonkels Philipp II. von Tarent,Titular-Kaiser von Konstantinopel (* 1329 + 25.11.1374).

Veldtrup Dieter: Seite 356-368,384,389
*************
"Zwischen Eherecht und Familienpolitk"

Als JOST 1356 durch das erwähnte Eheversprechen mit Elisabeth von Ungarn verbunden wurde, lebte zwar noch deren älterer Bruder, Herzog Johann von Dalmatien; die Aussicht, dass sie einmal Ungarn und Polen erben würde, hing also von dessen Überleben ab. Aber KARL war bestrebt, bereits jetzt die Grundlagen dafür zu schaffen, dass - sollte Johann sterben - die LUXEMBURGER durch die Ehe eines Angehörigen ihres Hauses mit der ungarischen Erbin die Ansprüche auf den Thron der ANJOU geltend machen konnten. KARLS Vorschau zahlte sich aus: Im Herbst 1360 starb Elisabeths Bruder. Am 19. November bittet KARL um die Erteilung der Dispens, die für eine Ehe zwischen Elisabeth und JOST wegen der Verwandtschaft im 4. Grad erforderlich war. Elisabeth war nach dem Tode ihres Bruders einzige Erbin der ANJOU in Ungarn; es galt, das nicht vom Papst sanktionierte Eheversprechen mit JOST von 1356 so schnell wie möglich in eine kirchenrechtlich wirksame desponsatio impeberum umzuwandeln. Ludwig von Ungarn verpflichtete sich am 2. Februar 1361, die Ehe vollziehen zu lassen, sobald Elisabeth das kanonisch zulässige Alter erreicht habe, und sicherte ihr eine zentrale Frauengabe von 10.000 Mark zu.
Hier lagen die wahren Ursachen für die vehemente Kampagne KARLS, mit der er der geplanten Ehe von Albrecht und Elisabeth begegnete: Er wollte sie verhindern, damit Elisabeth für WENZEL frei bliebe. Inzwischen hatte Ludwig von Ungarn am 20. Dezember 1365 Herzog Ladislaus von Oppeln zum Bevollmächtigten für den Abschluß des Ehevertrages zwischen WENZEL und Elisabeth ernannt. Am 7. Februar 1366 versprachen Ludwig und seine Mutter offiziell, Elisabeth mit WENZEL verloben zu wollen. Doch stand der Erfolg des Kaisers auf tönernen Füßen.
Ludwig von Ungarn muß das unverhohlene Buhlen KARLS um seinen und seines polnischen Onkels Thron in zunehmendem Maße gestört haben. Bereits 1361 hatte er nach Neapel geschickt, um seine dortigen entfernten Verwandten aus dem Hause ANJOU nach Ungarn zu holen. Tatsächlich berief Ludwig Ende 1365, also etwa zur gleichen Zeit, zu der er mit KARL über die Ehe seiner Nichte mit WENZELverhandelte, seinen Verwandten Herzog Karl von Durazzo nach Ungarn, ganz offensichtlich in der Absicht, ihn zu seinem Thronfolger zu erheben. Spätestens 1368 muß er jedoch über Ludwigs Pläne zur Änderung der Thronfolgeordnung in Ungarn unterrichtet gewesen sei; er reagierte in der von ihm bereits bekannten Weise, indem er seine Tochter Anna mit Karl von Durazzo verband.

ELISABETH
-----------------
* 2. Jahreshälfte 1354, + (vor 6.4.)1380
 

   2.2.1361
  1. oo JOST VON MÄHREN
          1354-   1411

  7.1.1362
  2.oo Albrecht III. Herzog von Österreich
          1349/50-   1395

   8.1.1370
  3. oo 2. Philipp II. Fürst von Tarent
              1329-25.11.1374



Hoensch, Jörg K.: Seite 149,159,164
***************
"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437"

Größere Wichtigkeit dürfte KARL allerdings der - später nicht eingelösten - Heiratsabsprache zwischen seinem Neffen JOST (auch JOBST, JODOKUS) VON MÄHREN, dem Erstgeborenen seines Bruders Johann Heinrich, und Elisabeth, der Nichte des söhnelosen Ungarn-Königs, beigemessen haben.
Da Rudolf früher eine Erbverbindung mit Ludwig I. vereinbart hatte, konnte das Abkommen zugunsten der LUXEMBURGER allerdings erst nach dem Aussterben des ungarischen Königshauses in Kraft treten; diese Einschränkung wurde freilich bereits 1366 nach der Auflösung der Verlobung zwischen Albrecht III. von Habsburg und der Nichte Elisabeth des ungarischen Monarchen hinfällig.
Als sich im Herbst 1369 Spannungen im Verhältnis zwischen Papst und Kaiser ergaben, wußte der König von Ungarn jedoch die Verärgerung Urbans V. zu nutzen, um diesen am 9. Dezember zur Auflösung der Verlöbnisse von WENZEL mit seiner Nichte Elisabeth und der Kaiser-Tochter Anna mit seinem Verwandten Karl von Durazzo zu veranlassen.

Stoob Heinz: Seite 210,213,299
***********
"Kaiser Karl IV. und seine Zeit."

In den folgenden dreiwöchigen Verhandlungen erreichte KARL eine ganze Reihe wichtiger Entscheidungen. Zunächst verbot der Papst im Schreiben an Elisabeth von Polen und ihren Sohn Ludwig von Ungarn, daß dessen zu dieser Zeit als Erbin Ungarns geltende Nichte mit Albrecht III. von Habsburg verheiratet würde. KARL hatte dagegen schon länger eingewendet, daß Albrecht bereits 1353 mit seiner eigenen Nichte Katharina von Mähren verlobt worden sei. Dahinter stand natürlich KARLS Ziel, selbst den noch immer kinderlosen Ungarn zu beerben. Urban benutzte das Verbot seinerseits gleich, um Elisabeth für eine Ehe mit Philipp Valois von Burgund zu werben, den sein königlicher Bruder ja bereits für die flämische Heirat vorgesehen hatte.
KARL ging nach Budapest, um im Verein mit dem Papst König Ludwigs Nichte Elisabeth aus ihrem Verlöbnis mit dem jungen HABSBURGER zugunstens des eigenen Sohnes WENZEL zu lösen. Ludwig willigte grundsätzlich ein und man vereinbarte ein Schiedsgericht unter Einbeziehung Kasimirs von Polen sowie der WETTINER und der Bayern, um die Streitigkeiten wegen der bisherigen Verlöbnisse beizulegen.
Herzog Albrecht III. von Habsburg verzichtete daraufhin auf die ungarische Verlobte und wählte stattdessen die Kaiser-Tochter Elisabeth. Die Hochzeiten beider Töchter konnte KARL im März 1366 in Prag ausrichten; dazu waren auch Ludwigs Gesandte gekommen. Sie brachten zwei Urkunden ihres Königs mit, in denen dieser sein Bündnis mit Österreich kassierte und der Verlobung seiner Nichte mit WENZEL VON BÖHMEN zustimmte. In Znaim nahm er die wechselweise Eventualbelehnung seines Sohnes und seines Bruders für die österreichischen, der jungen HABSBURGER für die böhmischen Lande vor und ging dann über Wien nach Preßburg, wo man die Verlobung  des fünfjährigen WENZEL mit der 13-jährigen Elisabeth von Ungarn gefeiert wurde.
KARL seinerseits dachte kaum an einen Feldzug gegen Polen und Ungarn, ihm ging es um Schlesien, die Lausitzen und die Kurmark. Gleichwohl mußte er aus dem Verhalten Kasimirs und Ludwigs Konsequenzen ziehen, die ihm zugleich eine erneute Spaltung der WITTELSBACHER erlauben konnten. Erinnern wir uns an die im Sommer 1366 für den fünfjährigen WENZEL ausgehandelte Verlobung mit Ludwigs Nichte Elisabeth; sie wurde nun aufgelöst und statt dessen mit Herzog Albrecht von Straubing und Holland-Hennegau eine Ehe ausgehandelt, die dessen Tochter Johanna mit dem um fünf Jahre jüngeren Thronfolger des Kaisers verband.

Veldtrup, Dieter: Seite 84,131,277
**************
"Frauen um Herzog Ladislaus (+ 1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen und dem Reich."

KARL IV. hatte eine heliche Beziehung zwischen seinem Sohn WENZEL und der damaligen präsumptiven Erbin des ungarischen reiches, Ludwigs Nichte Elisabeth, vorgeschlagen [146 Vgl. dazu im einzelnen D. Veldtrup 1988, Seite 384-390; St. A. Sroka 1996 (Politsky).]; um dieses Projekt realisieren zu können, begab er sich im November zu mehhhrwöchigen Beratungen mit Ludwig nach Buda, wo sich um diese Zeit auch Ladislaus einfand. Nach des Kaisers Abreise ernannte Ludwig seinen Oppelner Neffen am 20. Dezember zum Unterhändler, der die weiteren Verhandlungen führen sollte.
 
 
 
 
 
 

8.1.1370
  oo 2. Philipp II. Fürst von Tarent
          1329-25.11.1374
 
 
 
 

Kinder:

  Philipp
  1371- klein
 
 
 
 

Literatur:
-----------
DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon. Piper Verlag GmbH & Co. KG, München 1988 Seite 36 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 149,159,164 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 183,210,213,299 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 359, 414 a - Veldtrup, Dieter: Frauen um Herzog Ladislaus (+ 1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen und dem Reich. Fahlbusch Verlag 1999 Seite 84,131,277 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit. Verlag Fahlbusch/Hölscher/ Rieger Warendorf 1988 Seite Seite 36,39,50,53,58,61,68,73,75,77,81,89,92,101,114,179,346,347, 355-358,360,371,377,381,384,387,389-391,393,396,423,445 -