Elisabeth von Polen                        Königin von Ungarn
-------------------------                       Regentin von Polen
1305-29.12.1380
        Buda
 

Jüngere Tochter und Eventual-Erbin des Königs Wladyslaw I. Lokietek von Polen aus dem Hause der PIASTEN und der Hedwig von Groß-Polen, Tochter von Herzog Boleslaw der Fromme
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1835
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Elisabeth, Königin von Ungarn 1320-1342; Regentin in Polen 1370-1380
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* 1305, + 29. Dezember 1380

Tochter des Königs von Polen, Wladyslaw I. Lokietek

  oo 1320 Karl von Anjou, König von Ungarn

Söhne:
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Ludwig der Große
Andreas, König von Sizilien
Stefan

Die Ehe Elisabeths mit Karl von Anjou begründete die polnisch-ungarische Allianz, die als Gegengewicht zu den LUXEMBURGERN in Böhmen und im Reich für mehrere Jahre die politischen Verhältnisse in Mitteleuropa stark beeinflußte. In Ermangelung männlicher Thronerben schloß Elisabeths Bruder, König Kasimir der Große von Polen (1333-1370), einen Sukzessionsvertrag mit seinem Schwager Karl, der nach dessen Tod auf den Sohn und Nachfolger Ludwig überging und 1355 endgültig bestätigt wurde. 1370 übernahm Ludwig den polnischen Thron und übertrug seiner Mutter die Regentschaft in Polen, die sie bis zu ihrem Tode ausübte.



Thiele, Andreas: Tafel 339
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

ELISABETH
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* 1300, + 1381

Erbin von Polen

Elisabeth war ab 1370 mehrmals Regentin für ihren Sohn und wahrte dabei die polnische Eigenständigkeit.

  oo 1320
       KARL II. D'ANJOU, König von Ungarn
                + 1342



Hoensch Jörg: Seite 45,48
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"Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. "

Nach dem Tode Kasimirs III. 1370 eilte Ludwig I. von Ungarn nach Polen, ließ sich in Krakau krönen und übertrug die Statthalterschaft seiner dominanten Mutter. Die vor allem in Großpolen verbreitete Verärgerung über die Vernachlässigung der polnischen Interessen durch Ludwig und über die Regentschaft der unbeliebten, überforderten Königs-Mutter entlud sich in einem Aufstand, bei dem im Dezember 1376 in Krakau ihre ungarische Gefolgschaft erschlagen und Elisabeth zur Flucht gezwungen wurde.

Hoensch, Jörg K.: Seite 62
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Die im November 1318 geschlossene Ehe seiner jüngeren Schwester Beatrix mit dem ungarischen König Karl II. Robert von Anjou dauerte nur ein Jahr, weil die junge Frau im Kindbett starb, worauf sich der mit Mühe aus dem habsburgischen Lager herausgelöste Witwer wieder dem Gegen-König FRIEDRICH VON ÖSTERREICH und dem 1320 mit päpstlichem Segen zum König von Polen gekrönten Wladyslaw Lokietek anzunähern begann, desssen Tochter Elisabeth er noch im selben Jahr heiratete.

Rhode Gotthold: Seite 69,108,109,112
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"Kleine Geschichte Polens."

Nach erneuten Einfällen des Ordens kam im August 1329 in Landsberg an der Warthe wenigstens ein Friede Polens mit den WITTELSBACHERN zustande und gab die Grundlage, gemeinsam mit Karl Robert von Ungarn [2 Er hatte 1320 Lokieteks Tochter Elisabeth geheiratet, womit dem gleichzeitigen ungarisch-polnischen Bündnis eine feste Stütze gegeben wurde.] gegen den allzu mächtig werdenden LUXEMBURGER und seinen Verbündeten, den Orden, vorzugehen.
Die Union stand von vornherein unter dem Unstern, daß Ludwig Polen als Nebenland betrachtete, der polnische Adel dagegen den König im Lande haben wollte und jedenfalls nicht seine Mutter Elisabeth als Statthalterin wünschte, die allgemein unbeliebt gewesen zu sein scheint, obwohl sie Polin und PIASTIN war.
Die Statthalterschaft in Polen erhielt sogleich 1370 die Königin-Mutter Elisabeth, die in Reußen im Jahre 1372 Wladyslaw von Oppeln.
Als Ludwig am 11. September 1382 starb, war die Unzufriedenheit mit der Union und dem ungarischen Regiment im Lande groß [5 Im Dezember 1376 kam es in Krakau sogar zu einem Aufstand gegen die Ungarn, dem über hundert ungarische Adlige zum Opfer fielen.], zumal kurz vor dem König auch sein wichtigster Parteigänger Zawisza von Kurozwek, seit 1380 Bischof von Krakau, gestorben war. Dazu hatte die Rechtsunsicherheit im Lande erheblich beigetragen, an der man der Königin-Mutter und Statthalterin Elisabeth (gest. Dezember 1380) die Hauptschuld gab. Noch weniger als mit ihr, die 1380 die Statthalterschaft aufgeben mußte, und mit Wladyslaw von Oppeln war der Adel mit dem 1381 eingesetzten "Triumvirat" zufrieden.

Stoob Heinz: Seite 11,186,210,298,303
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"Kaiser Karl IV. und seine Zeit."

Wichtiger noch war es, daß Lokietek 1320 seine Tochter Elisabeth mit dem Ungarn-König Karl II. Robert verheiraten konnte, weil damit PIASTEN und ANJOU in Erbverbindung kamen.
Vielleicht hing damit auch jene Wallfahrt im Mai 1357 zusammen, als der Kaiser mit der Kaiserin Anna von Schweidnitz und ihrer Großmutter Elisabeth, Schwester Kasimirs III. von Polen, Mutter Ludwigs von Ungarn, nach Mergentheim zu Besuch gekommen war, um dann von da aus zu dritt die spektakuläre Reise fortzusetzen zum Grabe der Heiligen Elisabeth in Marburg.
In den folgenden dreiwöchigen Verhandlungen erreichte KARL eine ganze Reihe wichtiger Entscheidungen. Zunächst verbot der Papst im Schreiben an Elisabeth von Polen und ihren Sohn Ludwig von Ungarn, daß dessen zu dieser Zeit als Erbin Ungarns geltende Nichte mit Albrecht III. von Habsburg verheiratet würde. KARL hatte dagegen schon länger eingewendet, daß Albrecht bereits 1353 mit seiner eigenen Nichte Katharina von Mähren verlobt worden sei. Dahinter stand natürlich KARLS Ziel, selbst den noch immer kinderlosen Ungarn zu beerben. Urban benutzte das Verbot seinerseits gleich, um Elisabethfür eine Ehe mit Philipp Valois von Burgund zu werben, den sein königlicher Bruder ja bereits für die flämische Heirat vorgesehen hatte.
Kasimir war inzwischen fast 60-jährig und infolge seines ausschweifenden Lebens nicht mehr gesund. Er hatte keine legitimen Söhne, auch der Sohn seines Vetters, Ladislaus von Kujawien, war ohne Erben. Die piastische Krone von Krakau stand also auf den Augen der Nachkommenschaft von Kasimirs um zehn Jahre älterer Schwester Elisabeth von Polen, der Mutter König Ludwigs, oder denen dessen eigener Töchter. Aus erster Ehe mit Anna von Litauen hatte Kasimir zwei weibliche Erbinnen gehabt, die mit dem Pommern Bogislaw verheiratete Mutter der Kaiserin und kinderlos gebliebene Frau des brandenburgischen WITTELSBACHERS Ludwig VI. Beide Töchter waren lange tot; aus der Ehe mit Adelheid von Hessen hatte Kasimir keine Kinder gewonnen, wir erinnern uns daran, daß die Hessin, von ihm abstoßend hart behandelt, aus Krakau abgereist war, nachdem der König sich eine Prager Bürgerin mit heimgebracht hatte. Der 1365 gerschlossenen dritten Ehe mit Hedwig von Sagan waren auch nur zwei Töchter entsprossenn, beide als Kleinkinder für die Nachfolge ohne Belang.
KARL kannte Kasimirs fast 70-jährige Schwester, die ungarische Königin-Witwe Elisabeth, von gemeinsamer Wallfahrt über Mergentheim, Marburg und Aachen genau, wie wir uns erinnern; er wußte, daß sie eine Gegnerin seiner Politik war.
Beginnen wir mit Polen-Ungarn, das mit Kasimirs Tod am 5. November 1370 den Mannesstamm der piastischen Königsfamilie erlöschen sah. Der letzte noch lebende polnische PIAST Ladislaus von Kujawien, ohnehin seinerseits kinderlos, kam für die Nachfolge ebensowenig infrage, wie die nur weitläufig verwandten schlesischen Herzöge. Von den Ansprüchen, die Kasimirs Urgroßneffe WENZEL, der kaiserliche Thronerben, rechtens erheben konnte, war schon die Rede; WENZELS Erblinie lief aber nur, wie auch die seines jüngeren Halbbruders SIGMUND über zwei Frauen, Mutter und Großmutter, zum Polen-König hinauf, und WENZELS wittelsbachische Heirat schob ihn zusätzlich weiter aus dem Gesichtskreis der polnischen Nachfolgeregelung. Sie erfolgte zugunsten von Kasimirs Neffen Ludwig von Ungarn, während ein pommerischer Enkel in Kasimirs Testament mit den Ländern Dobrin, Lentschütz und Sieradz, also gerade dem Randgebiet zum Ordensstaat abgefunden werden sollte.
Damit nicht genug, erwies der Ungarn-König aus dem Hause ANJOU sich alsbald den Polen gegenüber, das er als Nebenland betrachtete, wenig glücklich. Er hatte seine Mutter Elisabeth, damals 70-jährig, als Polin und PIASTIN zur Statthalterin in Krakau ernannt, doch bei Adel und Klerus war sie unbeliebt; hier wurde Ludwig zudem vorgeworfen, daß er keine Krönungshandlung in Gnesen vornehmen ließ.

Machilek Franz: Seite 295
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"Premysliden, Piasten und Arpaden und der Klarissenorden" in: Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag.

Die erste königliche Gründung war das 1334 durch Königin Elisabeth, die Tochter des polnischen Königs Wladyslaw I. Lokietek und Gemahlin König Karl Roberts von Anjou, errichtete Kloster zu Altofen (Obuda).

Seibt Ferdinand: Seite 307
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"Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378."

Die Fama berichtet, Ludwig von Ungarn hätte sich an der Koalition diesmal wegen einer Schmähung der Königin-Mutter Elisabeth beteiligt, die KARL, ausgerechnet er, betrunken geäußert haben soll.  Das ist gewiß eine Rechtfertigungsfabel [673 Das erwähnt noch ohne Kritik, Fiala 1968, Seite 158.].
 
 
 
 

20.7.1320
  oo 3. Karl II. Robert König von Ungarn
          1288-16.7.1342
 
 
 
 

Kinder:

  Karl
  1321- klein

  Ladislaus
  1.10.1324- um 24.2.1329

  Ludwig I. der Große
  5.3.1326-11.9.1382

  Andreas
  30.11.1327-19.9.1345

  Stephan Herzog von Slawonien, Kroatien, Dalmatien
  26.12.1332-9.8.1354
 
 
 
 

Literatur:
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DIE BEGEGNUNG DES WESTEN MIT DEM OSTEN. Kongreßakten des 4. Symposiums des Mediävistenverbandes in Köln 1991 aus Anlaß des 1000. Todesjahres der Kaiserin Theophanu.Hg. Odoilo Engels und Peter Schreiber, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 216 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 62,150 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 45,48 - Lebe Reinhard: Ein Königreich als Mitgift. Heiratspolitik in der Geschichte. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1998 Seite 191 - Pfitzner Josef: Kaiser Karl IV. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Potsdam 1938 Seite 83 - Rhode Gotthold: Kleine Geschichte Polens. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 69,108,109,112 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 332,339 - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH&Co. KG München 1994 Seite 307 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 11,18,187,210,298,303 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 339,359 - Veldtrup, Dieter: Frauen um Herzog Ladislaus (+ 1401). Oppelner Herzoginnen in der dynastischen Politik zwischen Ungarn, Polen und dem Reich. Fahlbusch Verlag 1999 Seite 2,15,19, 25-28,33-44,46,49-52,58,82,140,145,167,268,279 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit. Verlag Fahlbusch/Hölscher/ Rieger Warendorf 1988 Seite 50,190,199,210,213,226,231, 242,325,329,339,358,371,383,389,395 - Westmitteleuropa - Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, hg. von Winfried Eberhard, Hans Lemberg, Heinz-Dieter Heimann und Robert Luft, R. Oldenbourg Verlag München 1992 Seite 295 -