Lutz Partenheimer
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Die frühen Askanier. Protokoll der Wissenschaftlichen
Konferenzen zur politischen und territorialen Herrschaftsgeschichte sowie
(zu) den sozialen und kulturhistorischen Aspekten der frühen Askanierzeit
am 19./20. Mai 2000 in Aschersleben/Ballenstedt und am 25. Mai 2002 in
Bernburg (Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts
28). Halle 2003, S. 35-71.
Der schon zu Lebzeiten „der Bär“, spätestens
seit dem 19. Jahrhundert „Albrecht der Bär“ genannte Graf
Adalbert von Ballenstedt wurde um 1100 geboren und 1120 erstmals in
den Quellen erwähnt. Nach dem Tode seines Vaters Otto übernahm
er 1123 als der einzige bekannte Sohn den askanischen [1
Zur auf die alte Grafengerichtsstätte bei Aschersleben zurückgehenden
Bezeichnung von Albrechts Familie als „ASKANIER“ jetzt Helmut
ASSING: Die frühen Askanier und ihre Frauen. Hg. von der Kulturstiftung
Bernburg. Bernburg 2002, S. 5 f. In den Quellen wird die Dynastie erstmals
mit Albrecht dem Bären 1147 nach Aschersleben genannt.]
Komplex von Besitzungen und Herrschaftsrechten. Der erstreckte sich damals
ungefähr vom Ostharz zur Mulde und über die Elbe in Richtung
Möckern und Görzke. Das bis 1170 währende Leben des Fürsten
war eine lange Reihe von Erfolgen und Niederlagen. Vom Grafen von Ballenstedt
stieg der ASKANIER zum Markgrafen der Lausitz auf, verlor
das Amt, wurde Markgraf der Nordmark und sogar Herzog von Sachsen
[2 Das damalige Sachsen umfaßte neben dem heutigen Niedersachsen
Westfalen, Schleswig-Holstein, die Altmark, den Magdeburger Raum, das Harzgebiet
und Thüringen.]. Auch diese Würde konnte Albrecht nicht
behaupten. Schließlich schuf der ASKANIER mit der Mark
Brandenburg – als deren erster Markgraf er in die Geschichte einging
– ein neues Fürstentum, das nach 1701 zum Kern des Königreiches
Preußen werden sollte [3 Im Rahmen dieses Aufsatzes werden
vor allem die zum Thema gehörenden Aussagen belegt. S. darüber
hinaus zu Leben und Werk des Markgrafen jetzt Lutz PARTENHEIMER: Albrecht
der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums
Anhalt. 2. Aufl., Köln/Weimar/Wien 2003.].
Wie bei den Anstrengungen der meisten damaligen Adligen
zur Erweiterung und Festigung ihrer Herrschaftsbereiche üblich, spielten
in dem Zusammenhang kriegerische Ereignisse auch im Leben Albrechts
des Bären eine große Rolle. Soweit sie der Forschung bekannt
sind, sollen sie hier vorgestellt und systematisiert werden. Wenn entsprechende
Arbeiten für andere Fürsten dieser Zeit vorliegen, z. B. zu Albrechts
Hauptkonkurrenten
Heinrich dem Löwen, ermöglicht ein Vergleich vielleicht tiefgründigere
Erklärungen für den Erfolg bzw. das Scheitern ihrer damaligen
Politik als bisher.
Kaum war der ASKANIER durch des Vaters Tod alleiniger
Graf von Ballenstedt, faßte er eine Chance zum weiteren Aufstieg
beim Schopfe. Die folgenden Ereignisse sind mit militärischen Aktionen
verknüpft, in die Albrecht verwickelt wurde. Allerdings berichten
die Quellen in diesem Zusammenhang keine Details über den Ballenstedter.
Worum ging es?
Nachdem 1123 der WETTINER Heinrich von Eilenburg, Markgraf
von Meißen und der Lausitz, gestorben war, ernannte der Kaiser den
alten Grafen Wiprecht von Groitzsch zum Nachfolger. Herzog
Lothar von Sachsen, der den Norden des Reiches seit der Schlacht
am Welfesholz 1115 dem Einfluß des SALIERS
so gut wie völlig entzogen hatte, widersetzte sich auch dieser Entscheidung.
Er bestimmte Albrecht den Bären zum Markgrafen der Lausitz
und Konrad von Wettin, einen Verwandten des Eilenburgers, zum Nachfolger
in Meißen. HEINRICH V. schickte
deshalb dem von ihm Eingesetzten noch 1123 Erzbischof Adalbert I. von Mainz
sowie den mit Wiprecht verschwägerten Herzog Wladislaw I. von Böhmen
und dessen Vetter, Markgraf Otto II. von Mähren, zu Hilfe. Wiprecht
und Adalbert warteten an der Mulde auf die bis zu einer Burg Gvozdec
bei Meißen heranrückende Unterstützung, doch konnte
Lothar die Vereinigung beider Heere unterbinden. Dann bewog
er durch eine List Wladislaw und Otto zur Umkehr. Daraufhin zogen sich
auch der GROITZSCHER und der Mainzer zurück [4 Regesta Imperii.
Hg. von Johann Friedrich BÖHMER: 4, 1: Die Regesten des Kaiserreiches
unter Lothar III. und Konrad III. 1. Teil: Lothar III. 1125 (1075)-1137,
neubearb. von Wolfgang PETKE. Köln/Weimar/Wien 1994 (künftig:
R L III.), Nr. 79. ].
Kämpfe melden die Quellen nur mit Bezug auf eine
Burg
Libuze, die von dem Reichsministerialen Heinrich mit dem Haupt befehligt
und von Lothar belagert und genommen
wurde. Auch über eine Teilnahme Albrechts des Bären
erfahren
wir nichts. Lag die Burg in der Lausitz, so mußte ihre Einnahme vor
allem für ihn wichtig sein, befand sie sich im Raum Meißen,
war es hauptsächlich eine Angelegenheit Konrads von Wettin. Es darf
wohl angenommen werden, daß von den beiden zumindest derjenige, zu
dessen Mark Libuze gehörte, dem Herzog von Sachsen bei der Belagerung
und Einnahme des Platzes beistand [5 R L III., Nr. 80. Zur Lage
der Burg (evtl. bei Herzberg oder Luckau) s. die im Regest genannte Literatur.
Andere – z. B. die Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem
Hause. Bearb. von Hermann KRABBO/Georg WINTER, 1. Lieferung (Veröffentlichungen
des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg). Leipzig 1910 (künftig:
KW), Nr. 6, oder Dietrich CLAUDE: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis
in das 12. Jahrhundert. 1. Teil: Die Geschichte der Erzbischöfe bis
auf Ruotger (1124) (Mitteldeutsche Forschungen (künftig: MDF) 67,
1). Köln/Wien 1972, S. 405, – denken ohne Begründung an Lebus
(nördlich von Frankfurt/Oder). Inzwischen wird die Burg Libuze
auch bei Löbsal (an der Elbe, nordnordwestl. von Meißen) gesucht.
Dazu demnächst Ralf GEBUHR: Der Kultplatz in der Wissenschaftslandschaft.
Zur Suche nach der Burg „Liubusua“. In: Siedlungsforschung. Archäologie
– Geschichte – Geographie 20/2002, und Felix BIERMANN/Kerstin GEBUHR/Ralf
GEBUHR: Liubusua. Interdisziplinäre Analyse eines Lokalisierungsproblems.
In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte (künftig:
JBLG) 54/2003.].
Im Mai 1124 starb Wiprecht von Groitzsch, sein Sohn Heinrich
konnte die Lausitz nicht behaupten. Als ihr Markgraf erscheint Albrecht
der Bär in den Quellen erstmals im Dezember dieses Jahres, und
nach der Wahl des SÜPPLINGENBURGERS
zum Nachfolger HEINRICHS V. 1125 hatte
der ASKANIER das Amt auch mit Billigung des Königs inne.
Anfang 1126 war der BALLENSTEDTER dann nachweislich
in Kampfhandlungen verwickelt, nämlich in einem vom Herrscher gegen
Böhmen aufgebotenen Heer. Dort war dem 1125 gestorbenen Wladislaw
I. dessen Bruder Sobeslaw I. gefolgt, ohne die Zustimmung des deutschen
Königs einzuholen. Zudem hatte sich Sobeslaws Vetter Otto II. von
Mähren an LOTHAR gewandt, weil
er den Prager Herzogsstuhl ebenfalls beanspruchte. Da Sobeslaw die deshalb
erfolgten Ladungen vor den deutschen Herrscher ignorierte, zog dieser Anfang
1126 ungeachtet eines sehr strengen Winters mit angeblich 3.000 Mann von
Sachsen nach Böhmen, um Otto dort einzusetzen [6
R L III.,
Nr. 116.]. Den Marsch über das Erzgebirge begleiteten heftige Schneefälle,
dann begann es zu tauen. Am 18. Februar 1126 griff Sobeslaw die Herabsteigenden
bei Kulm (nordwestlich von Aussig) mit einem Heer an, das 20.000 Mann umfaßt
haben soll [7 Annales Hildesheimenses. Hg. von Georg WAITZ (Monumenta
Germaniae historica (künftig: MG), Scriptores (künftig: SS) rerum
Germanicarum in usum scholarum (künftig: rer. Germ.) [8]). Hannover
1878 (Nachdruck (künftig: ND) Hannover 1990), S. 66.], wobei Otto
von Mähren und viele sächsische Adlige umkamen. Albrecht der
Bär verlor angeblich sein ganzes Gefolge, wurde offenbar verwundet
und mußte sich gefangengeben. Als der König das erfuhr, unternahm
er alles, um das Treffen wiederherzustellen. Doch die Sachsen mußten
sich auf eine Anhöhe zurückziehen, wo sie Sobeslaw einschloß.
Heinrich von Groitzsch, Sohn einer Schwester des Böhmen-Herzogs, konnte
schließlich bei seinem Onkel einen Waffenstillstand erreichen. Sobeslaw
begab sich daraufhin zu LOTHAR, leistete
den Vasalleneid, und der deutsche König erteilte ihm auf dem Schachtfeld
die Belehnung. Die Böhmen ließen ihre Gefangenen frei, und das
sächsische Heer kehrte um [8 Zusammenstellung der vielen Quellen
zur Schlacht bei Kulm 1126 – mit der Information über die Gefangennahme
Albrechts
des Bären – bei Wilhelm BERNHARDI: Lothar von Supplinburg. Jahrbücher
der Deutschen Geschichte. Leipzig 1879 (ND Berlin 1975), S. 75, Anm. 37;
KW, Nr. 9 f.; R L III., Nr. 118. Die Rosenfelder Annalen. Hg. von Georg
Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 104,
berichten, daß alle Männer Albrechts gefallen seien,
nach der Sächsischen Weltchronik. Hg. von Ludwig WEILAND. In: MG,
Deutsche Chroniken 2. Hannover 1877 (ND München 1980), S. 279, wurde
der Markgraf verwundet. Das erklärt für Dietrich SCHÄFER:
Lothars III. Heerzug nach Böhmen 1126. In: Historische Aufsätze.
Karl ZEUMER zum 60. Geburtstag als Festgabe. Weimar 1910, S. 61-80, hier
S. 72 (Ende der Anm. 1 von S. 71), Albrechts Gefangennahme.].
Die übermittelten Zahlen der getöteten deutschen
Adligen betragen 270 [9 Annalista Saxo. Hg. von Georg WAITZ. In:
MG SS 6. Hannover 1844 (ND Stuttgart 1980), S. 763.] und 540 [10
Sigeberti Gemblacensis chronographia. Anselmi Gemblacensis continuatio.
Hg. von Ludwig Conrad BETHMANN. In: MG SS 6. Hannover 1844 (ND Stuttgart
1980), S. 380.]. Der Bischof von Hildesheim soll das ganze Gefolge – 50
Ritter – verloren haben [11Das berichtet die Chronik des Klosters
auf dem Petersberg bei Halle (Lauterbergchronik): Chronicon Montis Sereni.
Hg. von Ernst EHRENFEUCHTER. In: MG SS 23. Hannover 1874 (ND Stuttgart
1986), S. 140.], genauso viele der Halberstädter Kirchenfürst
[12 So die Merseburger Bischofschronik. Hg. von Roger WILMANS. In:
MG SS 10. Hannover 1852 (ND Stuttgart 1987), S. 188. – Daß nur der
Halberstädter Bischof die 50 Ritter verlor, meint Wolfgang PETKE:
Kanzlei, Kapelle und königliche Kurie unter Lothar III. (1125-1137)
(Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte
zu J. F. BÖHMER, Regesta Imperii 5). Köln/Wien 1985, S. 257 f.,
333 mit Anm. 15; R L III., Nr. 118.].
Diese Schlacht ist die einzige, an der der Markgraf nach
den Quellen in einem Aufgebot des deutschen Königs teilnahm [13
Er
ist in dem Zusammenhang überhaupt erstmals in der Umgebung eines Herrschers
nachweisbar.], und nur in diesem Fall gibt es mit den Informationen über
den Verlust seiner Mannen, die Verwundung und die Gefangennahme Nachrichten
über eine direkte Verwicklung Albrechts in Kampfhandlungen.
Die Paderborner Annalen bezeichnen den ASKANIER im Zusammenhang
mit dem Gefecht bei Kulm als einen „jungen Mann und Ritter von ausgezeichneter
Begabung“ [14 ... egregiae indolis iuvenis et militaris:
Annales Patherbrunnenses. Eine verlorene Quellenschrift des zwölften
Jahrhunderts aus Bruchstücken wiederhergestellt von Paul SCHEFFER-BOICHORST.
Innsbruck 1870, S. 148, danach der Sächsische Annalist (MG SS 6),
S. 763, und die Kölner Königschronik. Hg. von Georg WAITZ (MG
SS rer. Germ. [18]). Hannover 1880 (ND Hannover 1999), S. 64.].
Im Falle der frühestens in den letzten Tagen des
Jahres 1128 ausgebrochenen Spannungen zwischen Albrecht dem Bären
und Konrad von Wettin werden keine Kämpfe erwähnt. Die Krise
entstand wegen der Propstwahl im Peterskloster auf dem Lauterberg (heute
Petersberg) bei Halle, dessen Stiftung der Markgraf von Meißen 1125
vollendet hatte. Zum Nachfolger Herminolds, des ersten Propstes, wurde
nämlich jemand gewählt, der mit Angehörigen der familia
des ASKANIERS verwandt gewesen sein soll [15 KW, Nr. 14;
Lauterbergchronik (MG SS 23), S. 141: Post hunc (Herminold, gest.
am 12. 12. 1128 – L. P.) electus est Luderus a fratribus illius temporis
contra placitum quidem Conradi marchionis, quoniam prepositus idem familie
marchionis
Alberti de Brandenburgk consanguinitate iungebatur. Iamque gravis discordia
inter prescriptos principes inflammata erat ...].
Der griff 1129 im eigenen Interesse zu den Waffen. Am
4. Dezember 1128 war Heinrich von Stade, der mit Albrechts Schwester
Adelheid
vermählte
Markgraf der Nordmark, ohne Nachkommen gestorben. An den nordmärkischen
Gebieten zwischen Elbe und Oder hatte der ASKANIER bereits vor Jahren
Interesse gezeigt, als er wohl zwischen 1123 und 1125 seinem erstgeborenen
Sohn Otto von Pribislaw-Heinrich, einem Mitglied der auf der Brandenburg
residierenden slawischen Dynastie, die Zauche als Patengeschenk übertragen
und sich selbst zum Erben des Hevellerfürstentums einsetzen ließ.
Auch die Bischof Otto von Bamberg während dessen Pommernmission 1128
durch Albrecht angebotene Unterstützung weist in diese Richtung.
Nach dem Tod des Schwagers wollte der ASKANIER
wohl nicht nur stadische
Besitzungen als Wittum seiner Schwester sichern, sondern Anspruch auf die
Nordmark erheben. Deren Übernahme strebten allerdings auch die Vettern
des verstorbenen Heinrich an. Einen von ihnen, Graf Udo von Freckleben,
betraute der König anscheinend mit der vorläufigen Verwaltung
des Gebietes.
Nachdem LOTHAR III.,
an dessen Hof in Goslar Albrecht am 13. Juni 1129 belegt ist [16
R
L III., Nr. 194.], Sachsen verlassen hatte, besetzte und brach der
ASKANIER
eines Nachts die nördlich von Magdeburg – zwischen Elbeu und Barleben
– gelegene Hildagesburg [17
KW, Nr. 16. Annalista Saxo (MG SS 6),
S. 766: Adalbertus marchio Hildegesburh quadam nocte cepit et
conbussit. Die Nachricht auch in den Magdeburger Annalen. Hg. von Georg
Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 183.].
Sie gehörte vermutlich wie Arneburg, Tangermünde, Werben und
Salzwedel zu den alten Reichsburgen, die dem Markgrafen der Nordmark unterstanden
[18 W. PETKE: Kanzlei (wie Endnote (künftig: EN) 12), S. 353.
Er folgt Hans K. SCHULZE: Adelsherrschaft und Landesherrschaft. Studien
zur Verfassungs- und Besitzgeschichte der Altmark, des ostsächsischen
Raumes und des hannoverschen Wendlandes im hohen Mittelalter (MDF 29).
Köln/Graz 1963, S. 185-207, und Wolfgang PODEHL: Burg und Herrschaft
in der Mark Brandenburg. Untersuchungen zur mittelalterlichen Verfassungsgeschichte
unter besonderer Berücksichtigung von Altmark, Neumark und Havelland
(MDF 76). Köln/Wien 1975, S. 17-29.]. Möglicherweise existiert
ein Zusammenhang zwischen diesem Anschlag und dem am 29. und 30. Juni 1129
in Magdeburg wütenden Aufstand gegen Erzbischof Norbert.
Im gleichen Jahr griff Albrecht der Bär auch
noch den Turm Gundersleben (bei Wegeleben östlich von Halberstadt)
an, wurde aber von Anhängern des Königs zurückgeschlagen
[19
KW, Nr. 17 (hier die Identifizierung mit der Wüstung Gundersleben
nordwestl. von Wegeleben östl. von Halberstadt); R L III., Nr. 209
(dort wird daneben Gunsleben westnordwestl. von Oschersleben erwogen);
Annalista Saxo (MG SS 6), S. 766: Adelbertus marchio turrim Gunderslevo
obsedit, a qua per amicos regis pellitur. Die Nachricht auch in den
Pöhlder Annalen. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover
1859 (ND Stuttgart 1994), S. 78. Hufen in Gundersleben und Wegeleben –
also wohl in dem einst neben diesem Ort liegenden Gundersleben – trugen
die Grafen Otto und Heinrich von Anhalt 1267 dem Magdeburger Erzstift zu
Lehen auf (CDA 2 (Dessau 1875 (ND Osnabrück 1986)), Nr. 330).]. Spätestens
jetzt scheint der ASKANIER also bei der Verfolgung seiner Interessen
ein mögliches Zerwürfnis mit dem Herrscher in Kauf genommen zu
haben. Nach Wolfgang Petke galt Albrechts Operation Udo von Freckleben,
oder sie stand im Zusammenhang mit der Wahl von Albrechts Vertrautem
und Verwandtem Martin zum Bischof in Halberstadt [20 R L III., Nr.
209; W. PETKE: Kanzlei (wie EN 12), S. 338 mit Anm. 43, 354 mit Anm. 42.
Martin konnte sich – wie auch bei seiner zweiten Kandidatur 1135/36 – nicht
als Bischof von Halberstadt durchsetzen.].
Am 15. März 1130 erreichte der Konflikt schließlich
seinen Höhepunkt. Bei Aschersleben fochten Mannen Albrechts des
Bären gegen Graf Udo von Freckleben, erschlugen ihn, verwundeten
Angehörige des stadischen Gefolges und nahmen sie in Haft [21R
L III., Nr. 236; Annalista Saxo (MG SS 6), S. 766: Udo comes de Frekenleve,
filius Rodolfi marchionis, aput Aschersleve ab hominibus Adalberti marchionis
occisus est, pluresque de parte eius capti ac vulnerati sunt, Idus martii.
Weitere Quellen bei KW, Nr. 17 a, wo vermutet wird, daß Udo das von
der Burg Freckleben 9 km entfernte askanische Aschersleben
angreifen wollte.]. Damit verlor der ASKANIER die Gunst des Königs
endgültig. Die Nordmark ging noch 1130 an Konrad von Plötzkau,
und im nächsten Jahr entzog LOTHAR III. Albrecht
die Lausitz, die Heinrich von Groitzsch erhielt. Der ASKANIER war
somit wieder auf den Rang eines Grafen von Ballenstedt zurückgestuft;
er hätte ohne weiteres in der historischen Bedeutungslosigkeit versinken
können. Doch es sollte anders kommen.
Auf LOTHARS Italienzug
1132/33 wurde durch den Tod des Grafen Konrad von Plötzkau die Nordmark
wieder vakant, mit der der in Rom zum Kaiser gekrönte Herrscher Anfang
1134 Albrecht den Bären belehnte. Der hatte den SÜPPLINGENBURGER
ebenfalls über die Alpen begleitet und sich dabei ausgezeichnet [22
Annalista
Saxo (MG SS 6), S. 768: Marchiam Conradi, videlicet septentrionalem,
pro studioso sibi exhibito obsequio in Romano itinere concessit.].
Welcher Art die Verdienste Albrechts in Italien waren, erfahren
wir nicht. Es ist anzunehmen, daß er sich bei militärischen
Operationen [23 Über solche berichten R L III., Nr. 317, 326
f., 340, 360.] hervortat.
Als Markgraf der Nordmark hatte der ASKANIER sein
Augenmerk vor allem wieder auf die Gebiete östlich der Elbe zu richten.
Zum Jahre 1136 melden die Quellen einen Slaweneinfall nach Sachsen. Albrecht
setzte deshalb mehrmals Streitkräfte gegen die Feinde in Marsch, um
deren Lande zu entvölkern [24 Paderborner Annalen (wie EN 14),
S. 163: Irruptio Sclavorum in partes Saxoniae; contra quos Athelbertus
marchio exercitum movens, terram eorum non semel hostiliter invasit
et depopulatus est. Die Nachricht auch in den Hildesheimer Annalen
(MG SS rer. Germ. [8]), S. 69, und beim Annalista Saxo (MG SS 6), S. 770.].
Mit dem Angriff könnte die Aktion der Söhne des Slawenfürsten
Wirikind von Havelberg gegen diesen Ort gemeint sein, wobei dessen Kirche
zerstört wurde [25 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 770: Havelberga
capta est a filiis Widikindi, et ecclesia destructa. Die Nachricht
auch in den Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 186.]. Die betreffende Information
geht beim sächsischen Annalisten der Meldung über den Einfall
und die dadurch ausgelösten Vergeltungszüge Albrechts
unmittelbar voraus. Auf Grund der Einordnung der Nachrichten in den Quellen
ist die erste dieser Aktionen des Markgrafen in den Juli 1136 datiert worden
[26 W. BERNHARDI: Lothar (wie EN 8), S. 600 f. mit Anm. 27; KW,
Nr. 47.]. Daß der ASKANIER bei seinen Unternehmungen Havelberg
eroberte [27 So Otto VON HEINEMANN: Albrecht der Bär. Eine
quellenmäßige Darstellung seines Lebens. Darmstadt 1864 (ND
Bernburg 2001, erschienen 2002), S. 106 – in der Anm. 46 auf S. 345 fügt
er hinzu, daß diese Besetzung Havelbergs noch nicht von Dauer war
–, und Fritz CURSCHMANN: Die Diözese Brandenburg. Untersuchungen zur
historischen Geographie und Verfassungsgeschichte eines ostdeutschen Kolonialbistums
(Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg).
Leipzig 1906, S. 90.], sagen die Schriftzeugnisse nicht.
Zu 1137 berichten die Paderborner Annalen von einem Beutezug
Albrechts
des Bären ins Slawenland [28 Paderborner Annalen (wie EN
14), S. 165: Marchio Athelbertus, collecta valida manu, hiemali
tempore terram Sclavorum praedabundus perambulat.], den ich in
den Anfang des Jahres setze und u. a. deshalb annehme, daß der Markgraf
Kaiser
LOTHARS zweitem Italienzug fernblieb [29 L. PARTENHEIMER:
Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 58-62.].
Der Tod des Herrschers nach der Rückkehr über
den Brenner im Dorf Breitenwang in Tirol am 4. Dezember 1137 leitete einen
der turbulentesten Abschnitte im Leben des ASKANIERS ein. Da LOTHAR
keine männlichen Nachkommen hinterließ, hatte er seinen Schwiegersohn,
den bayrischen Herzog Heinrich den Stolzen aus dem Hause der WELFEN,
als Nachfolger in Sachsen und wohl auch für den deutschen Thron vorgesehen.
Als die Kaiserin-Witwe Richenza für
den 2. Februar 1138 einen Fürstenkonvent nach Quedlinburg einberief,
sollte es wohl um die Realisierung dieser Pläne gehen. Doch Albrecht
hatte andere und verhinderte die Zusammenkunft mit Gewalt, indem er die
dafür bereits angelegten Vorräte vernichten, Richenza
den Zugang zu dem Harzort sperren sowie plündern und brennen ließ
[30 Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 165 f.: Imperatrix
Richeza indixit conventum principum in festo purificationis
sanctae Mariae Quidilingaburg. Qui conventus impeditus est ab Athelberto
marchione et suis commanipularibus, tollentibus omne servitium imperatricis,
quod ibi habere debuit, et introitum in urbem ei prohibentibus et plurima
dampna tam rapinis, quam incendiis ei inferentibus. Die Nachricht auch
beim Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776, und in der Kölner Königschronik
(MG SS rer. Germ. [18]), S. 75; KW, Nr. 59.]. Damit eröffnete er den
Kampf gegen den WELFEN um Sachsen
und empfahl sich der Fürstenpartei, die die Thronbesteigung Heinrichs
des Stolzen verhindern wollte. Nachdem der bayrische Herzog dem von dieser
Fraktion im März 1138 zum neuen deutschen Herrscher erhobenen KONRAD
III. die Huldigung verweigert hatte, entzog ihm der STAUFER
Sachsen [31 Albrecht der Bär war der Sohn von Eilika,
deren Schwester Wulfhild die Mutter Heinrichs des Stolzen. Bei den beiden
Frauen handelt es sich um die Erbtöchter von Magnus, dem letzten sächsischen
Herzog aus dem Hause der BILLUNGER. Als der 1106 ohne männliche Nachkommen
gestorben war, hatte HEINRICH V. Sachsen
dem Grafen Lothar von Süpplingenburg (bei
Helmstedt) übergeben.], das Albrecht der Bär wohl im Juli
des Jahres empfing.
Damit begann eine der an kriegerischen Aktionen reichsten
Zeiten und der offenbar schwierigste Abschnitt im Leben des ASKANIERS
[32 Zu Albrecht als Herzog von Sachsen s. auch: Lutz PARTENHEIMER:
Albrecht der Bär, Konrad III. und die Partei Heinrichs des Stolzen
im Kampf um das Herzogtum Sachsen (1138-1142). In: Mitteilungen des Vereins
für Anhaltische Landeskunde (künftig: MVAL) 4/1995, S. 78-112.].
Die wichtigsten ostsächsischen Großen unterstützten gemeinsam
mit Richenza Heinrich den Stolzen im
Kampf gegen den vom König eingesetzten neuen Herzog. Die Quellen nennen
Erzbischof Konrad von Magdeburg, Konrad von Wettin [33 Er hatte
zur Mark Meißen 1136 von Kaiser LOTHAR III.
auch noch die Lausitz erhalten, nachdem deren Markgraf Heinrich von Groitzsch
im Vorjahr ohne männliche Nachkommen gestorben war.], den sächsischen
Pfalzgrafen Friedrich von Sommerschenburg sowie die Grafen Rudolf von Stade,
Siegfried von Boyneburg und Adolf II. von Holstein. Die Grafen Hermann
von Winzenburg [34 Nordwestlich von Bad Gandersheim. Hermann war
vermutlich der Bruder von Albrechts Gemahlin Sophia.] und
Bernhard von Plötzkau [35 Südwestlich von Bernburg. Bernhard
war der Bruder vom Vorgänger des ASKANIERS in der Nordmark.]
erscheinen dagegen ebenso wie Heinrich von Badwide zunächst als Parteigänger
Herzog
Albrechts des Bären. Der wurde auch von seiner Mutter unterstützt.
Zunächst konnte der ASKANIER die Gegner 1138
bei einem heute nicht mehr bekannten Ort Mimirberg überwinden und
Gefangene einbringen [36 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Siquidem
animis accensis Conradus marchio, Fridericus palatinus comes, Sifridus
comes de Boumeneburh, Rodolfus comes de Stadhen, instigante eos inperatrice
Richeza, condixerunt, ut pariter venientes adversus Adalbertum
marchionem dimicarent. Anticipavit ille manum inimicam in loco qui
dicitur Mimirberh, et inopinate victor existens, plures adversariorum captivavit.
Pöhlder Annalen (MG SS 16),S. 80: Cui (Konrad III. – L. P.)
a
nonnullis contradicitur, precipue Saxonie principibus, quia ducatum regionis
ipsius absque consilio eorum Adelberto marchioni concesserat, volens
eo privare ducem Heinricum sibi contrarium. Hinc denique animis accensi
Conradus marchio, Fridericus palatinus, Sifridus et Rodolfus comites, instigante
eos regina Richence, condixerunt ut
pariter venientes dimicarent adversus marchionem Adelbertum. Anticipavit
ille manum inimicam, et inopinate victor existens plures adversariorum
captavit. Sächsische Weltchronik (MG, Deutsche Chroniken 2), S.
211: Dat (die Übergabe Sachsens an Albrecht – L. P.) clagede
diu koninginne (Richenza – L. P.)
iren
vrunden, deme marcgreven Conrade, palenzgreven Friderike, greven Sifride
unde greven Rodolve. Se quemen to stride wider den marcgreven (Albrecht
– L. P.); de gewan den sege unde vieng ere vile. KW, Nr. 64 a, Nr.
65.]. Im gleichen Jahr gelangen Albrecht dem Bären nach der
um 1170 verfaßten Slawenchronik des Pfarrers Helmold von Bosau [37
Am Plöner See zwischen Kiel und Lübeck.] weitere Erfolge. Der
Herzog eroberte Lüneburg, Bardowick (nördlich von Lüneburg),
Bremen, Westsachsen und Nordelbingen. Dort ersetzte er den Grafen Adolf
II. von Holstein, der nicht auf Albrechts Seite übertreten
wollte, durch Heinrich von Badwide. Der konnte auch die von Kaiser
LOTHAR 1134 angelegte Burg Segeberg [38 Westlich
von Lübeck. R L III., Nr. 399.] in seine Hand bringen [39 KW,
Nr. 66 f.; Helmoldi presbyteri Bozoviensis cronica Slavorum. Hg. von Bernhard
SCHMEIDLER (MG SS rer. Germ. [32]). 3. Aufl., Hannover 1937, I, 54: Statim
enim, ut corpus defuncti cesaris perlatum est in Saxoniam et Lutture tumulatum,
ortae sunt sediciones inter Heinricum regis generum et Adelbertum marchionem,
contendentium propter ducatum Saxoniae. Conradus autem rex in solium regni
levatus Adelbertum in ducatu firmare nisus est, iniustum esse perhibens
quemquam principum duos tenere ducatus. Nam Heinricus duplicem sibi vendicabat
principatum, Bawariae atque Saxoniae. Bellabant igitur hii duo principes,
duarum sororum filii, intestinis preliis, et commota est universa Saxonia.
Et quidem Adelbertus preripiens castrum Lunenburg cum civitatibus
Bardewich atque Brema, occidentali Saxonia potitus est. Sed et Nordalbingorum
fines partibus eius appliciti sunt. Quam ob rem comes Adolfus provincia
pulsus est, eo quod fidem iuratam
imperatrici
Rikenze et genero eius temerare noluisset. Comeciam eius, urbes
et servitia Heinricus de Badwide beneficio Adelberti assecutus est. Sed
et castrum Sigeberg in custodiam accepit, mortuo scilicet Herimanno ceterisque
exturbatis, quos cesar imposuerat.].
1138 erlitt die askanische Partei allerdings auch
schon ihre erste überlieferte Niederlage. Die Gegner steckten die
Bernburg, auf der Albrechts Mutter residierte, in Brand [40
KW, Nr. 67 a; Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Castrum quod Berneburh
dicitur, igne crematum est propter tirannidem, quam inde marchionissa
Eilica exercebat. Diese Nachricht auch in den Magdeburger Annalen
(MG SS 16), S. 186.]. Nun kam König KONRAD
nach Sachsen, um die Anerkennung des askanischen Herzogs durchzusetzen.
Doch die meisten Großen der Region boykottierten seine Hoftage am
5. Januar 1139 in Goslar und am 2. Februar in Quedlinburg. Deshalb ordnete
der Herrscher gegen sie zum Sommer einen Feldzug an und verließ den
Norden. Grund für den königlichen Rückzug war wahrscheinlich
die Ankunft Heinrichs des Stolzen in Sachsen.
Der wandte sich nun sofort gegen Herzog Albrecht
und eroberte zunächst mit Unterstützung des Grafen Rudolf von
Stade und der Kaiserin-Witwe Richenza
Lüneburg zurück [41 Stader Annalen. Hg. von Johann Martin
LAPPENBERG. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 323: Hinricus
dux, gener LOTHARII regis, auxilio
socrus sue Rikenze imperatricis castrum
Luneburg obsedit cum Rodulfo comite ...]. Nach Ostern 1139 traf es
auch die askanischen Parteigänger, zunächst den Grafen
Bernhard von Plötzkau, dessen Stammburg der WELFE
mit Erzbischof Konrad von Magdeburg und weiteren Fürsten nach einer
Belagerung einnahm und zerstörte [42 Annalista Saxo (MG SS
6), S. 776: Post pascha (23. 4. 1139 – L. P.) Conradus archiepiscopus
cum duce Heinrico et aliis principibus Plozeken, castrum Bernhardi comitis,
eo quod fautor esset marchionis (Albrecht – L. P.), obsedit,
cepit, destruxit. Diese Nachricht auch in den Magdeburger Annalen (MG
SS 16), S. 186. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Et quidem Heinricus
militari copia prevalens Adelberto, civitates eius et castella obsedit,
expugnavit et delevit; Plozeken quoque, Bernhardi comitis urbem, demolitus
est, eo quod faveret marchioni (Albrecht – L. P.).]. Graf Hermann
von Winzenburg wurde unterdessen vom Grafen Siegfried von Boyneburg bezwungen
[43 Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 167: Herimannus etiam
de Winceburg, a rege suscipiens bona minus sibi profutura, beneficia scilicet
ad regia vexilla pertinentia, quae hactenus comes Sigifridus de Homburg
possederat, ab ipso comite plurimis proeliis lascescitur, devincitur; ...
Diese Nachricht auch in der Kölner Königschronik (MG SS rer.
Germ. [18]), S. 76.]. Der von Herzog Albrecht dem Bären als
Graf von Holstein eingesetzte Heinrich von Badwide mußte Adolf II.
weichen, nicht ohne jedoch vorher die Burgen Hamburg und Segeberg anzustecken
[44 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]) I, 56: Adolfus comes rediit
in comeciam suam. Videns autem Heinricus de Badewid, quia subsistere non
potest, succendit castrum Sigeberg arcemque firmissimam Hammemburg, quam
comitis Adolfi mater murato opere construxerat, ut esset firmamentum urbi
contra impetus barbarorum. Hanc igitur domum et quicquid nobile senior
Adolfus construxerat Heinricus fugam meditans demolitus est.
– Weitere
Quellenpassagen, in denen ohne Nennung von Einzelheiten allgemein über
die Kämpfe in Sachsen berichtet wird, hat Wilhelm BERNHARDI: Konrad
III. Jahrbücher der Deutschen Geschichte. Leipzig 1883 (ND Berlin
1975), S. 79 f., Anm. 10, zusammengestellt.]. Pfalzgraf Friedrich von Sachsen
und Graf Rudolf von Stade plünderten – wahrscheinlich im Frühjahr
oder Sommer 1139 – das im Vorjahr von der askanischen Partei besetzte
Bremen, während dessen Erzbischof auf einer Romreise weilte [45
Stader
Annalen (MG SS 16), S. 324 (unmittelbar nach der Notiz über die ausgefallene
Schlacht bei Creuzburg – zu ihr weiter unten): Interea Rodulfus comes
et Fridericus palatinus adunata manu Bremam profecti, totam depopulati
civitatem sunt archiepiscopo Alberone Romam profecto. – Nach Auffassung
W. BERNHARDIs: Konrad III. (wie vorige EN), S. 115 mit Anm. 32, mußte
die Stadt dafür büßen, daß sich ihr Erzbischof auf
Albrechts
Seite gestellt hatte. – O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN
27), S. 354 f., Anm. 115, und Richard G. HUCKE: Die Grafen von Stade 900-1144.
Genealogie, politische Stellung, Comitat und Allodialbesitz der sächsischen
Udonen. Stade 1956, S. 110, verbinden diesen Überfall mit den Bremer
Ereignissen vom 1. 11. 1139 (dazu weiter unten).].
Der gegnerische Druck wurde so stark, daß Albrecht
mit seinen Anhängern Sachsen räumen mußte. Inzwischen bereitete
König Konrad den angekündigten Feldzug vor. Zu Pfingsten (Ende
Mai) 1139 fand ein Hoftag in Straßburg statt. Dort waren von den
Großen des Reiches die Metropoliten von Trier und Besan¸on,
die Bischöfe von Havelberg, Brandenburg, Worms, Würzburg, Metz,
Toul, Basel, Lüttich und Münster, Abt Wibald von Stablo sowie
die Herzöge von Schwaben, Oberlothringen und Zähringen. Sie beschworen
ihre Teilnahme an dem bevorstehenden Feldzug gegen die widerspenstigen
Sachsen.
Ende Juli/Anfang August 1139 versammelte sich das Heer
beim Kloster Hersfeld in Hessen. Ihm gehörten u. a. die Metropoliten
von Mainz und Trier, die Bischöfe von Speyer, Würzburg, Worms
und Naumburg, die Herzöge Leopold von Bayern [46 Am 5. 1. 1139
war Heinrich dem Stolzen auch das Herzogtum Bayern aberkannt worden, das
der STAUFER seinem Halbbruder Markgraf
Leopold IV. von Österreich verlieh.], Albrecht von Sachsen
und Sobeslaw von Böhmen, Landgraf Ludwig von Thüringen sowie
die Grafen Hermann von Winzenburg, Sigebodo von Scharzfeld [47 Am
südwestlichen Harzrand.] und Ernst [48
Nach W. BERNHARDI: Konrad
III. (wie EN 44), S. 110 mit Anm. 20, der Graf von Gleichen. Nach der
Burg Gleichen bei Wandersleben (südöstlich von Gotha) nannten
sich die Grafen von Tonna (Gräfen- und Burgtonna nördlich von
Gotha) erstmals 1162.] an. Es wird berichtet, daß der Trierer Erzbischof
500 Ritter ins Feld führte, obgleich er nur 20 zu stellen brauchte
[49 Gesta Alberonis archiepiscopi auctore Balderico. Hg. von Georg
WAITZ. In: MG SS 8. Hannover 1848 (ND Leipzig 1925), S. 252.]. Wahrscheinlich
Mitte August 1139 traf das Aufgebot des Königs bei Creuzburg an der
Werra auf die Scharen Heinrichs des Stolzen. Allerdings kam es nicht zu
der Schlacht, von der sich Albrecht der Bär seine Anerkennung
als sächsischer Herzog versprach. Man vereinbarte einen bis Pfingsten
1140 befristeten Waffenstillstand, wobei die Initiative dazu vor allem
von den Bischöfen ausgegangen sein soll [50 Obwohl der Erzbischof
von Trier für seine Teilnahme am Sachsenfeldzug endlich die von ihm
lange begehrte Reichsabtei St. Maximin durch KONRAD
III. erhalten hatte, soll vor allem er für die Vermeidung
des Kampfes plädiert haben, während der Mainzer Metropolit zur
Schlacht drängte, wobei er sicher von Herzog Albrecht dem Bären
unterstützt wurde, s. W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 88-97,
112 f.]. Der König forderte die sächsischen Fürsten auf,
im Februar des nächsten Jahres auf einem Reichstag in Worms zu erscheinen.
30 Wagenladungen Wein, die der Erzbischof von Trier eigentlich für
die Siegesfeier mitgeführt hatte, wurden aus Anlaß der vereinbarten
Waffenruhe an beide Seiten verteilt und getrunken [51 Gesta Alberonis
(MG SS 8), S. 252. – Über das „Treffen“ bei Creuzburg berichten u.
a. auch die Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 168; der Annalista Saxo
(MG SS 6), S. 776 f.; die Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ.
[18]), S. 76 f.; die Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 186; die Pöhlder
Annalen (MG SS 16), S. 80; die Pegauer Annalen. Hg. von Georg Heinrich
PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 257 f.; Helmold
(MG SS rer. Germ. [32]), I, 56; die Stader Annalen (MG SS 16); S. 323 f.,
und die Sächsische Weltchronik (MG Deutsche Chroniken 2), S. 211;
KW, Nr. 75.].
So schwanden Albrechts Hoffnungen, mit militärischer
Hilfe durch den König die Anerkennung als sächsischer Herzog
zu erzwingen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wechselten seine bisherigen
Anhänger Graf Hermann von Winzenburg und Graf Bernhard von Plötzkau
die Front [52 Zum WINZENBURGER Paderborner Annalen (wie EN 14),
S. 167 (unmittelbar im Anschluß an die in EN 43 zitierte Passage):
... unde et viribus diffidens, datis sacramentis, tam duci quam comiti
reconciliatur. Diese Nachricht auch in der Kölner Königschronik
(MG SS rer. Germ. [18]), S. 76 (in Fortsetzung der in EN 43 genannten Stelle);
zum PLÖTZKAUER: Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 167: Tunc Bernhardus
de Pluozeke, cognatus imperatricis, licet sero poenitentia ductus, tandem
post subversionem urbis et distractionem facultatem suarum domnam imperatricem
adiit, pro admissa infidelitate veniam petiit et impetravit. So auch
die Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 76; KW,
Nr. 75. Die Paderborner Annalen und danach die Kölner Königschronik
melden den Frontwechsel der beiden zwar schon zu 1138, aber da sie Ende
Mai 1139 bei Albrecht dem Bären sind (KW, Nr. 71) und der WINZENBURGER
am Sammelplatz des königlichen Heeres Ende Juli/Anfang August 1139
zu Hersfeld erscheint (MG, Diplomata regum et imperatorum Germaniae (Die
Urkunden der Könige und Kaiser Deutschlands). Bd. 9: Die Urkunden
Konrads III. und seines Sohnes Heinrich. Hg. von Friedrich HAUSMANN. Wien/Köln/Graz
1969 (ND München 1987), Nr. 33 f.), erfolgte ihr Abfall von dem ASKANIER
wohl
nicht davor. Vielleicht ist allerdings die Nichterwähnung des PLÖTZKAUERS
in Hersfeld ein Indiz dafür, daß er den Askanier doch schon
vor dem Feldzug des Staufers nach Sachsen verließ. – S. auch W. BERNHARDI:
Konrad III. (wie EN 44), S. 115, Anm. 31; KW, Nr. 75.]. Wie sich Heinrich
von Badwide verhielt, wissen wir nicht [53 Von ihm ist erst wieder
nach dem Ende des ganzes Krieges um Sachsen etwas zu hören. Er einigte
sich mit dem neuen Herzog, Heinrich dem Löwen, sowie Graf Adolf II.
von Holstein und wurde Graf von Ratzeburg (Helmold (MG SS rer. Germ. [32]),
I, 56).].
Trotzdem schien sich das Blatt noch einmal zugunsten
des ASKANIERS zu wenden, denn am 20. Oktober 1139 starb Heinrich
der Stolze plötzlich im Alter von etwa 35 Jahren in Quedlinburg. Sofort
versuchte Albrecht der Bär, wieder als Herzog aufzutreten.
Am 1. November des Jahres erschien er in Bremen, um dort während des
Marktes Gericht zu halten. Doch nach dem Tod des WELFEN
hatte offenbar dessen Schwiegermutter, die Kaiserin-Witwe
Richenza, in der anti-askanischen Front die Initiative
übernommen. Sie wollte Sachsen für ihren Enkel, den noch unmündigen
Sohn Heinrichs des Stolzen – den späteren Heinrich den Löwen
–, retten. Um ein Haar wäre Albrecht der Bär in Bremen
von Anhängern Richenzas gefangengenommen
worden. Im letzten Moment konnten ihm einige seiner Getreuen die Flucht
ermöglichen [54 Paderborner Annalen, S. 168: Athelbertus
marchio morte ducis exhilaratus, cum forum apud Bremam circa festum
omnium sanctorum (1. 11. – L. P.) gloriabundus adiret, ut a turbis
ibi confluentibus magnifice quasi dux patriae susciperetur, ab amicis imperatricis
circumventus, fuga usus vix cum paucis suorum evasit. Diese Nachricht
auch in der Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S.
77. Annalista Saxo (MG SS 6), S. 777: Tunc (nach der Notiz über
Heinrichs des Stolzen Beisetzung – L. P.) Adalbertus, estimans
se ammodo ducatu libere potiturum, cum forum aput Bremam in festo omnium
sanctorum adiit, loco conpetenti placitum habiturus; hic angustiatus, matura
sibi quorumdam familiarium ope fretus, ab amicis mirabiliter ereptus, amicis
illesus est restitutus. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Duce
(Heinrich der Stolze – L. P.) autem paulo post (nach der ausgefallenen
Schlacht bei Creuzburg – L. P.) veneno extincto, Adelbertus estimans
amodo se ducatu libere potiturum, cum episcopatum Bremensem tempore gloriabundus
adiret, quasi dux patrie a turbis suscipiendus, adversariorum insidiis
circumventus, fuga usus vix cum paucis suorum evasit. KW, Nr. 77. –
Zu 1155 ist auch für Heinrich den Löwen überliefert, daß
er den Bremer Markt am 1. November zur Machtdemonstration nutzte (Helmold
(MG SS rer. Germ. [32]), I, 83).]. Ob es dabei zu regelrechten Kampfhandlungen
kam, wissen wir nicht, zumindest ein Handgemenge scheint aber stattgefunden
zu haben.
Nun wandte sich das Schicksal erst richtig gegen Herzog
Albrecht. Seine Gegner suchten 1140 die Entscheidung zu erzwingen,
indem sie die askanischen Stammlande angriffen. Dort wurden vermutlich
im Januar [55 W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 130, Anm.
5.] die Burgen Gröningen, Anhalt, Jabilinze und
Wittecke
von Angehörigen der welfischen
Partei genommen und zerstört [56 Magdeburger Jahrbücher
(MG SS 16), S. 187: Eodem etiam anno (1140 – L. P.) obsesse sunt
et destructae munitiones iste, Groninge, Anehalt, Gebelinzi, Witekke.
So auch die Pegauer Annalen (MG SS 16), S. 258, und die Lauterbergchronik
(MG SS 23), S. 145.]. Den ersten der genannten Plätze hatte Pfalzgraf
Friedrich von Sachsen angegriffen und sieben Tage belagert [57 Pöhlder
Annalen (MG SS 16), S. 80: Fridericus palatinus comes oppidum Groninge
non parve munitionis obsidens, intra septem dies cepit et diruit. Gröningen
liegt nordwestlich von Halberstadt, an der Bode. Die Burg befand sich westlich
des Ortes östlich des Flusses, s. Paul GRIMM: Die vor- und frühgeschichtlichen
Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg (Handbuch vor- und frühgeschichtlicher
Wall- und Wehranlagen 1 = Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin.
Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte 6). Berlin
1958, Nr. 938.]. Er war offenbar auch – anscheinend mit Erzbischof Konrad
von Magdeburg – vor die Burg Anhalt gezogen [58 Nach der
Meldung von der Eroberung Gröningens durch den Pfalzgrafen (s. vorige
EN) und der Zerstörung Jabilinzes seitens des Metropoliten (s. nächste
EN) setzen die Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80, fort: His omnibus
necdum contenti, predicti principes marchionem patria eliminaverunt, Anaheld
urbem ipsius incendentes. Im Falle der Burg Anhalt ist die Nachricht
von der Zerstörung zugleich die älteste überlieferte schriftliche
Erwähnung der heute nur noch als Ruine auf dem Großen Hausberg
über dem Selketal südlich von Ballenstedt im Harz erhaltenen
zweiten Stammburg der ASKANIER. Albrecht der Bär heißt
auf einer seiner Münzen ADELBERTVS + MARCHIO + ANEHALDENSI(S). 1170
– noch vor dem Tod des alten ASKANIERS – nennt sich mit Bernhard,
dem jüngsten Sohn des Markgrafen, erstmals ein Angehöriger des
Geschlechts urkundlich nach der Burg Anhalt, die dabei (sicher wieder
aufgebaut) zum zweiten Male in den Schriftquellen erscheint. Seit 1212
existiert mit der Grafschaft Anhalt eine von damals mehreren eigenständigen
Herrschaften der Familie, deren Inhaber 1215 erstmals den Fürstentitel
führt. Die Anhalt wurde zur zweiten Stammburg der Dynastie, während
Aschersleben nach 1315 an das Bistum Halberstadt verlorenging. Der Erbauer
der 1140 im Besitz Albrechts des Bären befindlichen Burg ist
nicht bekannt; in Frage kommen neben dem Markgrafen einer seiner Vorfahren,
ein anderes Adelsgeschlecht oder das Königtum. Nach dem Verlust der
askanischen
Territorialherrschaften
Mark Brandenburg (1319/20), Grafschaft Weimar-Orlamünde (14. Jh.),
Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg (1422), Herzogtum Sachsen-Lauenburg
(1689) blieb dem Haus nur das Fürstentum Anhalt. Dies erfuhr 1603
eine Hauptteilung in die Linien Anhalt-Zerbst (erloschen 1793), Anhalt-Köthen
(erloschen 1847), Anhalt-Bernburg (erloschen 1863) und Anhalt-Dessau. 1806/07
nahmen die Fürsten den Herzogstitel an. Von 1863 bis 1918 bestand
das durch das Aussterben der genannten Zweige wiedervereinigte Herzogtum
Anhalt. Prinz Eduard von Anhalt, der Sohn des letzten Herzogs Joachim Ernst,
ist der letzte ASKANIER.]. Jabilinze wurde von dem Kirchenfürsten
zerstört [59 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Conradus
Magdeburgensis presul Iabilince municipium Sifridi comitis, quem Adelbertus
marchio propter coniurationem adversum se factam captum occidi iusserat,
et per absolutionem fratris eius Baderici cum eo pariter vincti, municipium
idem in suum ius receperat: hoc ergo episcopus circumvallavit, ac expugnatum
terre coequavit. KW, Nr. 78 f. Die bisher nicht lokalisierte Burg
Jabilinze wird von Helmut ASSING: Die Anfänge askanischer Herrschaft
in den Gebieten östlich der Elbe. In: Friedrich BECK/Klaus NEITMANN
(Hg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift
für Lieselott ENDERS zum 70. Geburtstag (Veröffentlichungen des
Brandenburgischen Landeshauptarchivs 34). Weimar 1997, S. 21-35, hier S.
28 mit Anm. 63, westlich der Elbe in der Nähe von Dornburg vermutet.
Dazu paßt, daß „Jabilinze“ auf das slawische Wort für
„Apfelbaum“ zurückzuführen ist (Inge BILY: Ortsnamenbuch des
Mittelelbegebietes (Deutsch-slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte
38). Berlin 1996, S. 167 f.) und westlich von Dornburg (auf dem rechten
Elbufer gegenüber von Frohse – bei Schönebeck) ein „Apfelwerder“
liegt. Andere bekannte Besitzungen des Hauses Jabilinze – Salbke, Dornburg,
Mühlingen – befinden sich nordwestlich, östlich und südlich
von Schönebeck.], im Falle Witteckes sind die Angreifer in den Quellen
nicht genannt. Sollte diese Burg richtig lokalisiert sein [60 Nach
P. GRIMM: Burgwälle (wie EN 57), Nr. 1324, hätte G. H. Pertz
Wittecke südwestlich von Groß-Quenstedt lokalisiert. G. H. Pertz
(MG SS 16), S. 258, Anm. 72, sagt jedoch nur „ad Holtemmam“. Die Bestimmung
des Standortes auf der Flur „Widecke“ an der Grenze der Groß-Quenstedter
Feldmark am Fuße des Warmholzberges auf einem zur Holtemme schroff
abfallenden Hügel ohne Befestigungsreste geht auf Fr. SCHLEMM: Die
Obervögte von Halberstadt ... In: Leopold von Ledebur (Hg.): Allgemeines
Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates 13/1834,
S. 108, zurück, s. W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 128 f.,
Anm. 2.], lag sie in der Nähe von Gröningen. Dann kann vermutet
werden, daß beide Plätze Ziele eines Feldzuges waren. In dem
Fall dürfte auch Wittecke vom Pfalzgrafen gebrochen worden sein. Schließlich
erfahren wir noch zu 1140, daß Graf Rudolf von Stade die Mark Albrechts
des Bären besetzte, nachdem er namentlich nicht genannte Burgen
genommen hatte [61 Stader Annalen (MG SS 16), S. 324: Principes
Albertum
marchionem, qui ducatum a rege acceperat, patria expellunt; cuius marcam
Rodulfus comes adeptis urbibus occupavit. Hier dürften Burgen
in der Altmark, evtl. aber auch östlich der Elbe gemeint sein. – KW,
Nr. 79, faßt alle Schläge, die Albrecht 1140 hinnehmen
mußte, zusammen.]. Wieviele Dörfer und größere Orte
neben den befestigten Plätzen vor dem Hintergrund dieser Kämpfe
leiden mußten, sagen die Quellen nicht. Sie berichten in dem Zusammenhang
aber von einer Hungersnot [62 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S.
80: Animositate principum Saxonie contra regem suosque amicos nullatenus
desinente, magna famis necessitas huic ingruit provincie.]. Sicher
wurden Dörfer geplündert und angesteckt sowie Viehherden weggetrieben.
Im Sommer brannte man nicht selten sogar die Felder ab. Das waren Mittel
der damaligen Kriegführung zur Schwächung der gegnerischen Wirtschaftskraft.
Nach diesen Niederlagen verließ Herzog Albrecht
Sachsen erneut. Seit April/Mai 1140 hören wir ein ganzes Jahr lang
nichts von ihm. Der auf dem Würzburger Hoftag von Ende Mai 1141 angekündigte
zweite Feldzug KONRADS III. gegen die
Sachsen kam im Gegensatz zum 1139 unternommenen ersten Versuch gar nicht
zustande. Herzog Leopold von Bayern, auf dessen Hilfe sein königlicher
Halbbruder setzte, erkrankte. Außerdem legten einige Bischöfe
und Fürsten dem Herrscher einen Verzicht auf kriegerische Maßnahmen
nahe. Darüber hinaus riet Erzbischof Markolf von Mainz Albrecht
dem Bären zur Aufgabe der Herzogswürde und zu Verhandlungen
mit der WELFEN-Partei über die
Rückkehr nach Sachsen. Angesichts der Situation blieb dem ASKANIER
wohl keine Wahl. Am 14. September 1141 erscheint er in einer Königsurkunde
letztmals als Herzog von Sachsen. Seit dem 20. Januar 1142 wird er wieder
als Markgraf bezeichnet. Im Mai dieses Jahres belehnte der STAUFER
in Frankfurt den jungen Heinrich den Löwen mit dem Herzogtum Sachsen.
In Kriegshandlungen verwickelt finden wir Albrecht
den Bären dann erst wieder Mitte August 1146. Gemeinsam mit Konrad
von Wettin machte er damals von Sachsen aus einen Feldzug mit, durch den
der deutsche König polnische Thronstreitigkeiten regeln wollte [63Herzog
Wladislaw II., verheiratet mit der BABENBERGERIN Agnes, einer
Halbschwester KONRADS III., war von
seinen Brüdern aus Polen vertrieben worden und hatte den STAUFER
um Unterstützung gebeten.]. Das Unternehmen blieb aber stecken, und
beide Markgrafen rieten zu einer Verhandlungslösung [64 Magdeburger
Annalen (MG SS 16), S. 188: Rex autem cum principibus Saxoniae colloquio
habito, mense Augusto coadunato exercitu Poloniam ad restituendum ducem
(Wladislaw
II.) aggressus est. Fratres vero premunitas ingenti exercitu
itineris semitas observabant, regi prohibentes introitum. Tandem consilio
Adalberti et Conradi marchionum, obsidibus datis vicissim, regem adeunt,
iuniore fratre obside dato aut promissa pecunia, patriam ab ipso suscipiunt;
sicque rex reversus est.].
1147 führte Markgraf Albrecht maßgeblich
die Expedition, die vor allem ostsächsische Fürsten statt einer
Beteiligung am zweiten Kreuzzug in den Orient gegen die Slawen zwischen
Elbe und Oder unternahmen. Die Aktion diente wohl vor allem dem Abstecken
der Interessensphären bei der Wiederbesetzung dieser Gebiete. Für
den sogenannten Wendenkreuzzug wurden zwei Heere gebildet. Das nördliche
Kontingent mit angeblich 40.000 Mann wandte sich unter Führung von
Heinrich dem Löwen, Herzog Konrad von Zähringen, dem Bremer Metropoliten
Adalbert, Bischof Dietmar von Verden und Dompropst Hartwig von Bremen mit
dänischer Unterstützung gegen die Obodriten im Schweriner Raum.
Die südliche, größere Heeresgruppe operierte gegen die
Lutizen. Hier sprechen die Quellen von 60.000 Mann. Ihre Führer waren
die Markgrafen Albrecht der Bär von der Nordmark – der von
seinen beiden ältesten Söhnen Otto und Hermann
begleitet wurde – sowie Konrad von Meißen und der Lausitz, die Pfalzgrafen
Hermann bei Rhein und Friedrich von Sachsen sowie drei mährische Fürsten.
Dazu kamen der Magdeburger Metropolit Friedrich, die Bischöfe Anselm
von Havelberg, Wigger von Brandenburg, Reinhard von Merseburg, Werner von
Münster, Rudolf von Halberstadt und Heinrich von Olmütz sowie
Abt Wibald von Stablo und Corvey. Auch Graf Otto von Hillersleben (nordwestlich
von Magdeburg) und dessen Bruder, der Magdeburger Domherr Dietrich, gehörten
zur Gruppe der südlichen Streitkräfte. Geplant war ein Zusammenwirken
mit polnischen Kontingenten.
Das gegen die Lutizen bestimmte Heer sollte sich am 29.
Juni 1147 bei Magdeburg sammeln.
Den Abmarschtermin setzt die Forschung in die Zeit von
Juli bis Anfang August. Die Route führte über Havelberg [65
Urkunde
Erzbischof Wichmanns von Magdeburg aus dem Jahre 1157 (KW, Nr. 154; Urkundenbuch
des Erzstifts Magdeburg. Teil 1 (937-1192). Bearb. von Friedrich ISRAEL
unter Mitwirkung von Walter MÖLLENBERG (Geschichtsquellen der Provinz
Sachsen und des Freistaates Anhalt. Neue Reihe 18). Magdeburg 1937 (künftig:
UBM), Nr. 294): ... notum esse volumus ... qualiter tempore ... praedecessoris
mei domini Friderici archiepiscopi dominus Thiedericus canonicus huius
sanctae Magdeburgensis ecclesiae ... de proprietate haereditatis suae cum
consensu fratris sui excellentissimi comitis Ottonis decem mansos in Rotheneslöve
... contulit coenobio Ammeneslövensi ... Quam donationem ... praedecessor
meus penes Havelberg petente ipso Thioderico, praesentibus marchione Adelberto
cum filiis Ottone et Hermanno, Fritherico palatino, fratre praedicti Thiederici
comite Ottone (von Hillersleben – L. P. ), cum collecti essent ibi
in expeditione versus Dimin, confirmavit.] – das wahrscheinlich spätestens
jetzt durch Markgraf Albrecht und Bischof Anselm deutscher Herrschaft
unterworfen wurde – nach Malchow [66 Westlich von Waren an der Müritz.]
oder (weniger wahrscheinlich) Malchin [67 Nördlich von Waren.].
Der Ort mit seinem Götzentempel ging in Flammen auf [68 Magdeburger
Annalen (MG SS 16), S. 188 f.:
Hi equidem omnes cum maximo apparatu
et commeatu et mirabili devotione in diversis partibus terram paganorum
ingressi sunt, et tota terra a facie eorum contremuit, et fere per tres
menses peragrando omnia vastaverunt, civitates et oppida igni succenderunt,
fanum eciam cum idolis quod erat ante civitatem Malchon, cum ipsa civitate
concremaverunt.]. Dann marschierte man gegen die bereits christianisierten
Pommern. Dort wurde Demmin belagert [69 Helmold (MG SS rer. Germ.
[32]) I, 65: Partitoque exercitu duas munitiones obsederunt, Dubin (Ziel
der von Heinrich dem Löwen geführten nördlichen Heeresgruppe
– L. P.) atque Dimin, et fecerunt contra eas machinas multas. Der Zug
vor Demmin wird auch durch die unter EN 65 zitierte Quelle und einen Brief
des Abtes Wibald von Stablo und Corvey belegt: Wibaldi epistolae. Hg. von
Philipp JAFFÉ. In: Monumenta Corbeiensia (Bibliotheca rerum Germanicarum
1). Berlin 1864 (ND Aalen 1964), Nr. 150 (S. 244): Et eramus in obsidione
castri Dimin sub vexillo Crucifixi.], während ein Teil des Heeres
bis Stettin weiterzog [70 Die Annalen des Prager Kanonikers Vinzenz.
Hg. von Wilhelm WATTENBACH. In: MG SS 17. Hannover 1861 (ND Stuttgart 1990),
S. 663: Verum ubi ad metropolim eorum Stetin nomine perveniunt, illud,
prout possunt, armata militia circumdant. Pomerani autem cruces super castrum
exponentes, legatos suos una cum episcopo suo nomine Alberto, quem ...
Otto Bambergensis ecclesie episcopus ... eis dederat, ad eos mittunt: quare
sic armata manu venerint, causam exquirunt. Si pro confirmanda fide christiana
venerint, non armis sed predicatione episcoporum hoc eos facere debuisse
referunt. Sed quia Saxones potius pro auferenda eis terra, quam pro fide
christiana confirmanda tantam moverant militiam, episcopi Saxonie hoc audientes
cum Ratibor principe et cum Alberto ... episcopo consilio de his quae ad
pacem sunt habito, plurimis amissis militibus una cum principibus suis
ad propria redeunt ...]. Die Einschließung beider Plätze
endete durch Verhandlungen mit den Pommern, und die Sachsen kehrten nach
etwa drei Monaten zurück.
Außer der Besetzung des Havelberger Raumes brachte
Albrecht
der Bär beim Wendenkreuzzug vielleicht das Gebiet der slawischen
Retschanen um Gransee, Zehdenick, Lychen und Templin in seine Gewalt [71
Lieselott
ENDERS: Hochmittelalterliche Herrschaftsbildung im Norden der Mark Brandenburg.
In: Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus 9/1985, S. 19-52, hier
S. 29-50; DIES.: Die Uckermark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft
vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Brandenburgischen
Landeshauptarchivs Potsdam 28). Weimar 1992, S. 31-34.].
Durch das Erlöschen des PLÖTZKAUER Grafenhauses
im Oktober 1147 mehrten sich die Spannungen zwischen dem ASKANIER
und Heinrich dem Löwen, weil beide das Erbe antreten wollten. Trotzdem
unterstützte Albrecht der Bär 1148 – wohl im Juni – seinen
Rivalen wahrscheinlich bei dessen Zug gegen die Dithmarschen [72 Das
geht aus einer von Albrecht dem Bären (Athelbertus marchio)
beglaubigten Urkunde des WELFEN für
das Kloster Neumünster in Holstein hervor, die allerdings erst am
13. September 1148 ausgestellt wurde. Die Zeugenliste weist die Handlung
aber in den angegebenen Zeitraum. Außer dem ASKANIER erscheinen
u. a. der am 25. August 1148 verstorbene Erzbischof Adalbero von Bremen,
dessen noch als Bremer Dompropst bezeichneter Nachfolger Hartwig von Stade
sowie die Grafen Adolf von Holstein, Heinrich von Badwide und Christian
von Oldenburg. Codex diplomaticus Anhaltinus. Hg. von Otto VON HEINEMANN,
Bd. 1. Dessau 1867-1873 (ND Osnabrück 1986) (künftig: CDA 1),
Nr. 350; KW, Nr. 160; MG, Die Urkunden Heinrichs des Löwen, Herzogs
von Sachsen und Bayern (Laienfürsten- und Dynastenurkunden der Kaiserzeit
1). Bearb. von Karl JORDAN. Leipzig/Weimar 1941-1949 (ND Stuttgart 1995)
(künftig: D HdL.), Nr. 12: Acta sunt hec Heikenbutle coram frequentia
totius exercitus, qui nobiscum erat, quando reversi sumus accepta victoria
de hostibus regni, Thiedmarskiensibus, qui Rotholfum marchionem principem
et comitem suum iam pridem interfecerant ... Nach D HdL., Nr. 12, Vorbemerkung,
handelt es sich um ein ca. 1180 entstandenes Falsifikat nach einer echten
Urkunde Heinrichs von 1148, „der das Protokoll, die vielleicht auch überarbeitete
Zeugenliste und das Eschatokoll entnommen sind; der ganze übrige Teil
ist spätere Fälschung.“ Deren Ziel bestand darin, „das ganze
Gebiet an Wilster und Stör, in dem Erzbischof Adalbero lediglich die
Zehnten geschenkt hatte, für das Stift zu beanspruchen.“ Dieser Zweck
dürfte wohl kaum besser zu erreichen gewesen sein, wenn der Fälscher
Albrecht
den Bären als Zeugen erfand. Denn von dem sind im betreffenden
Gebiet keine Besitzungen oder Rechte bekannt. Der ASKANIER wird
demnach wahrscheinlich auch schon im Original aufgeführt worden sein.
– Der Ausstellungsort ist offenbar Egenbüttel, östlich von Pinneberg,
nördlich von Altona, so CDA, KW, D HdL. – Hans-Otto GAETHKE: Herzog
Heinrich der Löwe und die Slawen nordöstlich der unteren Elbe
(Kieler Werkstücke, Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen
und skandinavischen Geschichte 24). Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New
York/Wien 1999, S. 107-133, vermutet für 1148 noch einen Feldzug des
WELFEN
an die Peene, mit dem er Albrecht dem Bären, der 1147 ganz in der
Nähe der Grenze zwischen der herzoglichen Billunger Mark und der askanischen
Nordmark
(dazu ebd., S. 121) operiert hatte, ein Achtungszeichen geben wollte.].
1150 starb auf der Brandenburg Pribislaw-Heinrich [73
Pöhlder
Annalen (MG SS 16), S. 85: Heinricus de Brandeburg obiit ...]. Seine
Witwe ließ nach dem Bericht des Brandenburger Domherrn Heinrich von
Antwerpen [74 Drucke: Heinrici de Antwerpe tractatus de captione
urbis Brandenburg. Hg. von Oswald HOLDER-EGGER. In: MG SS 25. Hannover
1880 (ND Stuttgart 1974), S. 482-484; Heinrici de Antwerpe, Can. Brandenburg.,
Tractatus de urbe Brandenburg. Neu hg. und erläutert v. Georg SELLO.
In: 22. Jahresbericht, Heft 1, des Altmärkischen Vereins für
vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel, Magdeburg 1888,
S. 3-35; danach mit Übersetzung: Winfried SCHICH/Jerzy STRZELCZYK:
Slawen und Deutsche an Havel und Spree. Zu den Anfängen der Mark Brandenburg
(Studien zur internationalen Schulbuchforschung. Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts
82/B IV: Deutsche und Polen – Geschichte einer Nachbarschaft. Handbuch
für Geschichtslehrer. Teil B/IV. Hannover 1997, S. 34-41. Im Internet
veröffentlicht von Tilo KÖHN: http://golm.rz.uni-potsdam.de/hva/.
S. zum Sachverhalt Lutz PARTENHEIMER: Albrecht der Bär, Jaxa von Köpenick
und der Kampf um die Brandenburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts. In:
Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte (künftig:
FBPG), Neue Folge (künftig: N F) 4/1994, S. 151-193, hier S. 162-172.
Zur Abfassungszeit des Berichts Heinrichs von Antwerpen vgl. auch Helmut
ASSING: Albrecht der Bär als marchio de Brandenburg und marchio Brandenburgensis.
Werdegang und Hintergründe einer Titeländerung. In: DERS.: Brandenburg,
Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim
Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Zum 65. Geburtstag des
Autors hg. von Tilo KÖHN/Lutz PARTENHEIMER/Uwe ZIETMANN. Köln/Weimar/Wien
1997, S. 133-176 (zuerst: JBLG 46/1995, S. 7-45), hier S. 175 mit Anm.
253.] sofort den Markgrafen benachrichtigen. Albrecht der Bär
begab sich zu der Havelfeste und übernahm sie gemäß der
mit dem letzten Hevellerfürsten etwa 25 Jahre früher getroffenen
Abmachung. Der Herrschaftswechsel vollzog sich anscheinend ohne Kampf.
Gewalt wurde dabei wohl nur bei der von Albrecht angeordneten Vertreibung
von „Räubern und Götzendienern“ aus der Brandenburg angewandt.
So bezeichnen die damaligen sächsischen Quellen oft Slawen, die sich
nicht unterwerfen wollten. Bevor der Markgraf die Feste wieder verließ,
übertrug er ihren Schutz einer aus deutschen und slawischen Kriegern
gebildeten Besatzung [75 Heinrich von Antwerpen (nach G. SELLO (wie
vorige EN)), S. 11 f.: Cum iam vero, senio confectus (Pribislaw-Heinrich
– L. P.), deficere inciperet, uxorem suam, quod marchioni Adelberto
urbem Brandenburg post mortem suam promiserat, fideliter commonuit. Porro
febribus aliquamdiu correptus et pregravatus, fideliter, ut speramus, in
domino obdormivit.
Vidua igitur ipsius, non immemor moniti novissimi
et mallens, cum sciret populum terre ad colenda idola pronum, Teutonicis
terram tradere, quam prophano idolorum cultui ultra consentire, sapientibus
usa consiliis maritum suum iam triduo mortuum nullo sciente preter familiarissimos
suos inhumatum observavit, et marchionem Adelbertum, quem sibi heredem
instituerat, ut urbem suscepturus veniret, rem gestam indicans advocavit.
Qui festinans in manu valida armatorum iuxta condictum
veniens, urbem Brandenburg velut hereditaria successione possedit, et prefati
defuncti exequias multorum nobilium obsequio iuxta magnificenciam principis
honorifice celebravit. Ideo marchio Adelbertus libera rerum suarum disponendarum
facultate potitus, paganorum scelere latrocinii notatos et immundicie idolatrie
infectos urbe expulit ac bellicosis viris Teutonicis et Sclavis, quibus
plurimum confidebat, custodiendam commisit. – Die Deutschen in der
von dem ASKANIER auf der Brandenburg zurückgelassenen Mannschaft
waren für Hans-Dietrich KAHL: Slawen und Deutsche in der brandenburgischen
Geschichte des zwölften Jahrhunderts. Die letzten Jahrzehnte des Landes
Stodor. 2 Halbbde. (MDF 30, 1, 2). Köln/Graz 1964, Anm. 81 auf S.
829, „wohl in erster Linie markgräfliche Ministeriale(n)“. Zur Ausdehnung
des Albrecht mit der Brandenburg zugefallenen Gebietes L. PARTENHEIMER:
Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 112 f.].
Ende 1151 mündeten die Gegensätze zwischen
Albrecht
dem Bären und Heinrich dem Löwen in Kämpfe. Der WELFE
hatte 1147 vor dem König Anspruch auf Bayern erhoben, KONRAD
III. eine Entscheidung darüber bis zu seiner Rückkehr
vom zweiten Kreuzzug vertagt. Zu den u. a. auch zur Regelung dieser neuen
Streitfrage 1149 und 1150 angesetzten Hoftagen erschien Heinrich der Löwe
allerdings nicht. Stattdessen begab er sich Ende 1150 in den Süden
des Reiches, um seinen Anspruch auf Bayern mit Gewalt durchzusetzen. Albrecht
der Bär und andere Fürsten schlugen im nächsten Jahr
dem König vor, die Abwesenheit des Herzogs für einen Überfall
auf dessen Hauptsitz Braunschweig und die sächsischen WELFEN-Anhänger
zu nutzen [76
Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 72: Audiens
igitur Adelbertus marchio et alii quam plures principum ducem nostrum minime
prosperari et veluti inter hostes conclusum, miserunt ad regem, ut quantocius
cum exercitu veniret in Saxoniam obsessurus Brunswich et obpressurus amicos
eius.].
Der in Franken weilende STAUFER
ließ daraufhin überall in Schwaben Wachen aufstellen, um Heinrich
den Löwen dort festzuhalten. Dann zog der Herrscher im Dezember 1151
über Erfurt nach Goslar und rückte bis zum Kloster Heiningen
(südlich von Wolfenbüttel) vor. Dort wurde ihm gemeldet, daß
der Herzog inzwischen Braunschweig erreicht habe. Heinrich, der vom Plan
seiner Gegner erfahren hatte, war es trotz deren Sicherheitsvorkehrungen
gelungen, sie unentdeckt zu überholen. KONRAD
III. kehrte daraufhin um und wandte sich über Goslar nach
Süddeutschland. So ließ er wie 1139 im Februar in Quedlinburg
und im August bei Creuzburg seine Verbündeten plötzlich wieder
allein.
Ungeachtet des wenig königlichen Rückzuges
nahm Albrecht der Bär noch 1151 den Kampf mit dem WELFEN
auf. Dabei soll der Markgraf 1.500, der Herzog 5.000 Männer ins Feld
geführt haben [77 Stederburger Annalen. Hg. von Georg Heinrich
PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 207: Werra
inter ducem Heinricum et marchionem Adelbertum, ita ut ad pugnam
dux circiter quinque milia fortissimorum militum, marchio mille quingentos
contraxerit. – Knappe Zusammenfassung der Kämpfe bei KW, Nr. 189.].
Ob der ASKANIER diesmal von Verbündeten unterstützt wurde,
wissen wir nicht. Auch überliefern die Quellen keine Einzelheiten
zu den Gefechten. Helmold berichtet jedenfalls, daß sich der Herzog
aus der Einkreisung der Fürsten befreien und Sachsen behaupten konnte
[78 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 72: Et defendit se dux
de circumventione principum, qui insidiabantur animae eius, et obtinuit
ducatum Saxoniae ...].
Doch die Spannungen zwischen Albrecht dem Bären
und Heinrich dem Löwen verschärften sich weiter, als beide nach
der Ermordung des Grafen Hermann II. von Winzenburg Ende Januar 1152 auch
auf dessen Erbe Anspruch erhoben. Der im März des Jahres zum neuen
König gewählte FRIEDRICH BARBAROSSA
[79 Sein Onkel KONRAD III. war
im Februar 1152 gestorben und hatte nur einen unmündigen Sohn hinterlassen.]
versuchte auf dem Merseburger Hoftag im Mai vergeblich, den Streit zu schlichten.
Die Kämpfe zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem
Löwen entbrannten von neuem. Diesmal kennen wir einige Einzelheiten.
Die Stadt Osterode (südwestlich von Goslar) und ein Gebäude in
Lutter am Barenberge (nordwestlich von Goslar) wurden neben vielen Burgen
und Dörfern in Mitleidenschaft gezogen [80 Cronica S. Petri
Erfordensis moderna. In: Monumenta Erphesfurtensia saec. XII., XIII., XIV.
Hg. von Oswald HOLDER-EGGER (MG SS rer. Germ. [42]). Hannover/Leipzig 1899,
S. 178: Ubi eciam gravis discordia inter Heinricum Saxonum ducem et
Adelbertum
marchionem oritur; quibus inter se hostiliter postea dimicantibus opulentissima
villa Osterroth, mire pulchritudinis edificium in Lutrede, pleraque castella
ac ville quam plurime devastantur.]. Der Tod des zwischen der Feste
Osterode und Herzberg gefallenen Grafen Liudger von Wöltingerode geschah
wahrscheinlich auch im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen [81
Darüber
berichten die Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 86 f., als sie zum Jahre
1153 das Ende von Liudgers Vater Graf Liudolf von Wöltingerode melden:
Liudolfus de Waltingerode, precipuus magnatuum sui temporis, longevus
obiit 10. Kal. Marcii. Huius filius Liudigerus in dissensione ducis et
marchionis occisus inter Osterrodense castrum et Hircesberg, voluntate
patris ad cenobium Palidense delatus, ibidem tumulatus est ...
Natürlich ist nicht ganz klar, ob Liudger in den
Gefechten zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen
umkam, die nach dem erfolglosen Versöhnungsversuch des Königs
auf dem Merseburger Reichstag des Jahres 1152 von neuem ausbrachen. Wir
wissen nur, daß sein Tod im Zusammenhang mit den Kämpfen beider
Fürsten erfolgte. So ist Liudgers Ende denn auch für 1151 vermutet
und sowohl auf welfischer als auch auf askanischer Seite – verknüpft
mit der Hypothese, der junge Wöltingeroder sei des Markgrafen Vetter
gewesen – angenommen worden (KW, Nr. 209).]. Wolfgang Petke vermutet, daß
er am 11. August 1152 auf welfischer Seite
fiel und Albrecht damals Osterode zerstörte [82 Wolfgang
PETKE: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum
und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert (Veröffentlichungen
des Instituts für historische Landesforschung der Universität
Göttingen 4). Hildesheim 1971, S. 46.].
Die Kämpfe erfolgten also zumindest teilweise am
Westrand des Harzes, ungefähr in der Mitte zwischen Heinrichs Hauptburg
Braunschweig und den askanischen Stammgütern um Ballenstedt
und Aschersleben. Der Krieg inspirierte sogar einen im thüringischen
Kloster Reinhardsbrunn arbeitenden Schreiber zu einem fiktiven Briefwechsel
[83 Darin werden der Landgraf von Thüringen und der Herzog
von Bayern vom Herzog von Sachsen um Unterstützung im Kampf gegen
den Markgrafen gebeten, während dieser in der gleichen Sache Beistand
vom Herzog von Böhmen fordert (KW, Nr. 210-216. Im letzten Regest
muß es natürlich in der ersten Zeile: „Der Herzog von Bayern“
(statt „Sachsen“) heißen.).]. Hermann Krabbo datiert die Fehde in
die Zeit zwischen Mai und September 1152 [84 KW, Nr. 219 (Nachbemerkung).].
Erst im Oktober des Jahres konnte der König in Würzburg den Kämpfen
ein Ende setzen, indem er Heinrich dem Löwen das WINZENBURGER, Albrecht
dem Bären das PLÖTZKAUER Erbe übergab.
Doch damit waren die Spannungen nicht völlig beigelegt.
Der PLÖTZKAUER Nachlaß besaß weniger Wert als die Hinterlassenschaft
der WINZENBURGER. Außerdem hat Albrecht wohl zeitlebens die
Hoffnung auf die Wiedererlangung Sachsens nie ganz aufgegeben. An dem im
Herbst 1154 beginnenden ersten Italienzug Barbarossas nahm er im Gegensatz
zu Heinrich dem Löwen nicht teil. Dafür gehörte der Askanier
sicher zu den ostsächsischen Fürsten, die in Abwesenheit von
König und Herzog mit dem Bremer Erzbischof und einigen bayrischen
Großen wohl Anfang 1155 im Erzgebirge zusammentrafen. Die Beratung
dürfte einen anti-welfischen Charakter
getragen haben [85 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 80: In
diebus illis orientalis Saxoniae principes et aliqui de Bawaria conspiracionis,
ut dicebatur, gratia condixere colloquium, evocatusque archiepiscopus occurit
eis in saltu Boemico. Damit meint Helmold offenbar das erst seit dem
16. Jahrhundert so genannte Erzgebirge, s. L. PARTENHEIMER: Albrecht der
Bär (wie EN 3), EN 1102 auf S. 304.]. Auch die Versammlung vieler
ostsächsischer Adliger um Albrecht den Bären an dessen
Stammsitz Aschersleben 1155 stand vermutlich unter ähnlichen Vorzeichen
[86 KW, Nr. 249; CDA 1, Nr. 413. Dazu Helmut ASSING: Die askanischen
Herrschaftsrechte auf dem Territorium des Herzogtums Anhalt in der Zeit
Albrechts des Bären (1120-1170). In: DERS.: Brandenburg, Anhalt und
Thüringen im Mittelalter (wie EN 74), S. 189-209 (zuerst: MVAL 3/1994,
S. 11-31), hier S. 192 f.; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie
EN 3), S. 128 mit EN 1103-1107 auf S. 304 f.].
Zum gleichen Jahr erfahren wir noch, daß Konrad
von Plötzkau und andere Getreue des Markgrafen durch slawische Hinterlist
umkamen. Ob es sich dabei um einen Kampf handelte, wird nicht gesagt. Auch
fehlen Angaben zur genaueren Datierung sowie zu Ort und Anlaß des
Vorgangs [87 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 89: Conradus
de Ploceke et alii fideles marchionis, Sclavorum perimuntur insidiis.].
1157 erfolgte dann die wohl bekannteste Unternehmung
des ASKANIERS. Dabei handelt es sich um ein kriegerisches Ereignis,
nämlich die Belagerung der Brandenburg. Zur Wiedereroberung der 1150
von ihm auf im wesentlichen friedlichem Wege übernommenen alten Hevellerfeste
wurde Albrecht der Bär gezwungen, weil sie ihm inzwischen von
einem plötzlich aufgetauchten Rivalen entrissen worden war. Es ist
der bekannte „Jaxa von Köpenick“, dessen Handstreich wieder im Bericht
Heinrichs von Antwerpen erwähnt wird. Darin heißt es, daß
der letzte Stodoranenherrscher einen Onkel Jaxa gehabt habe [88 Weil
Pribislaw-Heinrich offenbar hochbetagt starb, hat man sich in der Forschung
angewöhnt, das Verwandtschaftsverhältnis umzukehren und in Jaxa
einen Neffen des Stodoranenherrschers zu sehen.], der eine fürstliche
Stellung in Polen bekleidete und sich auf die Nachricht von der Übernahme
der Brandenburg durch Albrecht den Bären enterbt sah. Binnen
kurzer Zeit hatte er die von dem ASKANIER auf der Havelfeste zurückgelassene
Besatzung bestochen und wurde von ihr eines Nachts eingelassen, als er
mit einem großen Polenheer vor den Wällen erschien. Die verräterische
Mannschaft Albrechts des Bären ließ Jaxa zum Schein gefangennehmen
und nach Polen bringen [89 Heinrich von Antwerpen (nach G. SELLO
(wie EN 74)), S. 12 (unmittelbar anschließend an die unter EN 75
zitierte Stelle): Ubi autem huiusmodi fama (die Übernahme der
Brandenburg durch Albrecht im Jahre 1150 – L. P.), qua nullum
malum velocius, in auribus Jaczonis in Polonia tunc principantis, avunculi
supradicti nobilis sepulti (Pribislaw-Heinrichs – L. P.), percrepuit,
permaxime de morte nepotis sui doluit, et quia proxima linea consanguinitatis
defuncto iunctus erat, perpetuo se de urbe exhereditatum considerans miserabiliter
ingemuit. Verum tempore brevi elapso inhabitantibus urbem pecunia corruptis
proditam ab eis nocturno silencio cum magno exercitu Polonorum, reseratis
amicabiliter portis castri, intravit et homines marchionis, qui urbem tradiderant,
in Poloniam ducens simulatorie captivavit.]. Hans-Dietrich Kahl hat
diesen Handstreich für 1153 angenommen [90 H.-D. KAHL: Slawen
und Deutsche (wie EN 75), S. 358-368.], ich setze ihn in das Frühjahr
– vermutlich März – 1157 [91 L. PARTENHEIMER: Albrecht der
Bär, Jaxa von Köpenick (wie EN 74); DERS.: Albrecht der Bär
(wie EN 3), S. 133 f.].
Das Ereignis zwang den Markgrafen, die 1150 unblutig
übernommene Brandenburg nun doch mit dem Schwert zurückzuerobern.
Als er von den Vorgängen Kenntnis erhielt – so Heinrich von Antwerpen
weiter – entschloß sich der von Jugend an kriegserfahrene ASKANIER
zu einem Feldzug. Ihm gewährten Erzbischof Wichmann von Magdeburg
sowie andere Fürsten und Edle Unterstützung [92 Nach den
Pöhlder Annalen kam Graf Werner der Jüngere von Veltheim (nordwestlich
von Halberstadt), ein Neffe Albrechts des Bären, bei der Belagerung
um. Auch er befand sich also im Heer. Werners gleichnamigem Vater hatte
Adelheid,
die Schwester des ASKANIERS, nach dem Tod ihres ersten Gemahls,
des Nordmarkgrafen Heinrich von Stade, die Hand gereicht. Pöhlder
Annalen (MG SS 16), S. 90: Adelbertus marchio Brandenburg, diu
a Sclavis occupatam, maximo conprovincialium periculo Wicmanno Magdaburgensi
presule cooperante recepit; ubi consobrinum ipsius, iuniorem Wernerum de
Veltheim, atrox gentilium phalanx cum aliis quam plurimis interemit.
– Nach späterer Überlieferung starb Werner von Veltheim in einem
Schiff (gedruckt bei H.-D. KAHL: Slawen und Deutsche (wie EN 75), S. 522
f.), was seine Erklärung in der Bestürmung der von der Havel
umgebenen Brandenburg findet. Bei weiteren Angehörigen des sächsischen
Adels existieren Indizien für deren Beteiligung an der Wiedergewinnung
der Brandenburg, so im Falle der Herren von Schneidlingen, Bornstedt und
Jabilinze. S. dazu Helmut ASSING: Die Anfänge deutscher Herrschaft
und Siedlung im Raum Spandau-Potsdam-Berlin während des 12. und 13.
Jahrhunderts. In: DERS.: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter
(wie EN 74), S. 103-131 (zuerst: FBPG, N F 3/1993, S. 1-34), hier S. 104-108,
112 f.; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 141 mit EN
1209 auf S. 314. Schneidlingen liegt nördlich von Aschersleben, Bornstedt
südlich von Eisleben, zur Burg Jabilinze s. EN 59.]. Das zusammengesetzte
Heer belagerte von drei Seiten die Brandenburg, die erst nach längeren,
blutigen Kämpfen kapitulierte. Am 11. Juni 1157 zog Albrecht der
Bär wieder in die Havelfeste ein, auf der er sein Banner hissen
ließ und Gott für den Triumph dankte [93 Heinrich von
Antwerpen (nach G. SELLO (wie EN 74)), S. 12 f. (in direkter Fortsetzung
der unter EN 89 angeführten Passage): Quo audito marchio Adelbertus,
a iuventute sua in bello strennue exercitatus, quid facto opus esset, extemplo
consideravit, et expedicionem edicens ope et industria domini Wichmanni,
in Magdeburg tunc metropolitani, et aliorum principum ac nobilium copiosum
exercitum congregavit, et die condicto fortium pugnatorum vallatus auxilio
ad urbem Brandenburg sibi a Jaczone supplantatam quantocius duxit ac tribus
in locis circa eam dividens longo tempore propter municionem loci eam obsedit,
sed post hinc inde sanguinis effusionem, cum hic, qui in urbe erant, cernerent
se nimis angustiatos, nec posse evadere manus adversancium, condicione
firmata dextris sibi datis marchioni coacti reddiderunt. Anno igitur dominice
incarnacionis 1157, III. idus Junii, predictus marchio divina favente clemencia
urbem Brandenburg victoriosissime recepit, ac cum multo comitatu letus
introiens erecto in eminenciori loco triumphali vexillo, deo laudes, qui
sibi victoriam de hostibus contulerat, merito persolvit. – Die überlieferte
Fassung des Traktats gibt eigentlich 1158 an, was aber nach den anderen
über das Ereignis berichtenden Quellen zu korrigieren ist. Sie hat
H.-D. KAHL: Slawen und Deutsche (wie EN 75), S. 518-528, zusammengestellt.].
Damit ging der seit 928/29 nachweisbare Kampf um die
Brandenburg zwischen Slawen und Sachsen [94 Dazu Lutz PARTENHEIMER:
Krieg, Verrat und Diplomatie bei der Entstehung der Mark Brandenburg (928/29-1157).
Ein Beitrag zur Vorbereitung des 850. Geburtstages der Mark Brandenburg
(11. Juni 2007). In: Olaf GRÜNDEL/Ralf PRÖVE (Hg.): Mars an Havel
und Spree. Militärgeschichte als Landesgeschichte (Herrschaft und
soziale Systeme in der Frühen Neuzeit 5). Münster/Hamburg/London
2002 (im Druck).] siegreich zu Ende.
Für Albrecht den Bären besaß die
Rückeroberung der alten Hevellerresidenz mit dem Schwert offenbar
eine besondere Bedeutung. Zwischen wahrscheinlich 1140 und 1152 hatte ihn
die königliche Kanzlei – wohl von Abt Wibald von Stablo ausgehend
– bereits 13mal als „brandenburgischen Markgrafen“ bezeichnet [95 S.
dazu und zu den vermutlichen Gründen für das Aufkommen des Titels
H. ASSING: Albrecht der Bär als marchio (wie EN 74); L. PARTENHEIMER:
Albrecht der Bär (wie EN 3), EN 1183 auf S. 311 f.]. Albrecht folgte
dem auch nach der Übernahme der Havelfeste 1150 zunächst nicht.
Doch nun begann er, seinen Titel auf sie zu beziehen. Vom 3. Oktober 1157
datiert die erste Urkunde Albrechts des Bären, die er als „Markgraf
in Brandenburg“ (marchio in Brandenborch) ausstellte [96 KW, Nr.
275; CDA 1, Nr. 436: ... ego Adelbertus Dei gratia marchio
in Brandenborch ...]. Deshalb gilt die endgültige Einnahme
des alten Fürstensitzes der Stodoranen durch den Askanier am 11. Juni
1157 als Geburtstag der Mark Brandenburg [97 Zum weiteren Schicksal
der Mark Johannes SCHULTZE: Die Mark Brandenburg, 5 Bde., ND Berlin 1989;
Ingo MATERNA/Wolfgang RIBBE (Hg.): Brandenburgische Geschichte. Berlin
1995; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 141, 166-168,
191-197; DERS.: Von der Herausbildung der Mark Brandenburg zur Entstehung
des Königreiches Preußen. In: Mathias IVEN (Hg.): Lindstedter
Begegnungen. Gespräche über Preußen (Teil 2: 1999-2001).
Milow/Berlin 2002, S. 14-32.], der sich 2007 zum 850. Male jährt.
Nur wenige Wochen nach Albrechts Sieg begann Kaiser
FRIEDRICH BARBAROSSA im August von Halle aus einen Polenfeldzug.
Da der Markgraf am Sammelplatz des Heeres nachweisbar ist, dürfte
er an dem Unternehmen auch beteiligt gewesen sein. Außerdem ist davon
auszugehen, daß Albrecht über die polnische Attacke gegen
seine Brandenburg wütend war [98 Jaxas Handstreich richtete
sich immerhin gegen den Schwiegervater Judiths,
einer Schwester der Polen-Herzöge, die frühestens 1148 Albrechts
ältester Sohn Otto geheiratet hatte.].
Nun folgen mehrere Jahre, aus denen keine Nachrichten
über Verwicklungen des alten ASKANIERS in kriegerische Handlungen
vorliegen. Am 1158 beginnenden zweiten Zug BARBAROSSAS
nach Italien nahm der Markgraf nicht teil, obwohl er im Juli 1160 in Erfurt
mit anderen Fürsten dem Kaiser Hilfe geschworen hatte. Als ersten
ASKANIER finden wir danach Ende 1161 (!) Albrechts Sohn Adalbert
in Lodi bei Hofe. Der alte Markgraf erschien allerdings im April 1162 in
Pavia gerade noch rechtzeitig zu der anläßlich der Kapitulation
Mailands stattfindenden Feier. Erst für 1163 gibt es wieder Anzeichen
für kommende kriegerische Verwicklungen, in die der ASKANIER
einbezogen werden sollte: Wohl im August oder September dieses Jahres schrieb
Bischof Albert von Freising an den Salzburger Metropoliten Eberhard, daß
Albrecht
der Bär, Pfalzgraf Adalbert von Sachsen, Bischof Udo von Naumburg
und Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen ein Bündnis gegen
Heinrich den Löwen eingegangen seien. Der Kaiser habe König
Wladislaw von Böhmen, Herzog Friedrich
von Schwaben und vermutlich auch Herzog Heinrich Jasomirgott
von Österreich sowie Markgraf Ottokar von der Steiermark von einer
Beteiligung an dieser Verschwörung abbringen können. Die Kräfte
der verbliebenen Verbündeten würden als zu schwach eingeschätzt
[99 Regesta Imperii. Hg. von Johann Friedrich BÖHMER: 4, 2:
Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)-1190. 2.
Lief.: 1158-1168, bearb. von Ferdinand OPLL. Wien/Köln 1991 (künftig:
R F I.), Nr. 1226, 1239; KW, Nr. 335; CDA 1, Nr. 482: Venerabili patri
et domino Eberhardo Saltzburgensi archiepiscopo Albertus Dei gratia Frisingensis
ecclesiae minister humilis orationes, servitium cum debita reverentia ...
Praeter hoc dicebatur, quod contra ducem Bavariae guerram movere velint
marchio Albertus de Saxonia, palatinus comes item de Saxonia, episcopus
Cicensis, comes provintiae Turingiae. De hac autem coniuratione per dominum
imperatorem remoti sunt rex Bohemiae, dux Suevie, et, ut putabatur, dux
Austriae et marchio Stirensis. Ceteri a duce parvi habentur.].
Von direkten Spannungen, die vielleicht mit Kämpfen
verbunden waren, hören wir allerdings erst zwei Jahre später
[100 Trotz der von Helmold von Bosau überlieferten Aufforderung
durch Heinrich den Löwen an Albrecht den Bären nahm der
am Slawenfeldzug des Herzogs im Jahre 1164 gegen den Obodritenfürsten
Pribislaw wahrscheinlich nicht teil, s. dazu L. PARTENHEIMER: Albrecht
der Bär (wie EN 3), S. 161-164. Und eine Quelle von 1199, die davon
spricht, daß Sachsen zu Zeiten Albrechts des Bären
und Heinrichs des Löwen von täglichen Kämpfen erschüttert
wurde – wobei die Jahre um 1160 gemeint sind –, kann durch zeitgenössische
Berichte nicht bestätigt werden, s. L. PARTENHEIMER: Albrecht der
Bär (wie EN 3), S. 149 f.]. Es heißt zu 1165, daß Pfalzgraf
Adalbert von Sachsen mit Albrecht dem Bären gegen Heinrich
den Löwen verbündet gewesen, doch von dem ASKANIER im
Stich gelassen worden sei. Der Sommerschenburger mußte dem Herzog
die Lauenburg (bei Bad Suderode) im Harz und ein bischöflich-halberstädtisches
Lehen übergeben, um von dem WELFEN
wieder Frieden zu erhalten [101
KW, Nr. 351; Pöhlder Annalen
(MG SS 16), S. 93: Dissensio facta inter Heinricum ducem et marchionem
Adelbertum et palatinum iuniorem Adelbertum. Sors cecidit super palatinum;
derelictus enim a marchione, per resignationem castri Lewenberg et beneficii
Halberstadensis ecclesie gratiam et pacem ducis promeruit. Danach die
Stederburger Annalen (MG SS 16), S. 209:
Dissensio inter Heinricum ducem
et marchionem et palatinum. Sors super palatinum cecidit, Lewenberch castrum
suum duci resignat.]. Nun sollte keines der letzten Lebensjahre Albrechts
des Bären ohne Spannungen und Krieg mit Heinrich dem Löwen
mehr verstreichen.
Kaum hatte BARBAOSSA
im Oktober 1166 seinen vierten Italienzug begonnen, wurde das ganze Ausmaß
der inzwischen entstandenen Fürstenkoalition gegen denWELFEN
sichtbar. Als deren Führer nennt Helmold von Bosau den Magdeburger
Metropoliten Wichmann und Bischof Hermann von Hildesheim. Weiter gehörten
Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen, Albrecht der Bär
mit seinen Söhnen, Markgraf Otto der Reiche von Meißen, dessen
Brüder und Pfalzgraf Adalbert von Sachsen dem Bündnis an, das
zudem von den Grafen Otto von Assel (bei Hildesheim), Widukind von Schwalenberg
(bei Höxter) und Christian von Oldenburg (westlich von Bremen) unterstützt
wurde. Sogar der in Italien weilende Erzbischof Rainald von Köln begünstigte
die anti-welfische Koalition. Nach
Helmold war der Neid der Verschworenen auf Reichtum, Macht und Ruhm des
Herzogs von Sachsen und Bayern Ursache des Bündnisses [102
Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), II, 103: Sed quia gloria parit invidiam,
et quia nil durabile in rebus humanis, tantam viri gloriam zelati sunt
omnes principes Saxoniae. Ille enim inmensis diviciis locuples, clarus
victoriis et propter geminum Bawariae et Saxoniae principatum sublimis
in gloria sua, omnibus Saxoniae tam principibus quam nobilibus inportabilis
visus est. Sed manus principum formido cesaris continuit, ne concepta molimina
transferrent in effectum. Postquam autem cesar quartam profectionem paravit
in Italiam, et oportunitatem tempus adduxit, statim inveterata conspiracio
processit in publicum, et facta est coniuracio valida omnium contra unum.
Fueruntque inter eos primi Wichmannus Magdeburgensis archiepiscopus, Heremannus
Hildensemensis episcopus. Post hos fuerunt principes hii: Lodewicus provincialis
comes Thuringiae, Adelbertus marchio de Saltwedele et filii eius, Otto
marchio de Camburg et fratres eius, Adelbertus palatinus comes de Someresburg.
Hos adiuverunt nobiles hii: Otto de Asle, Wedekindus de Dasenburg, Christianus
de Aldenburg, quae est in Amerland. Super hos omnes prepotens ille Reinoldus
Coloniensis archiepiscopus et cancellarius imperii insidiatus est duci,
facie quidem absens et in Italia positus, sed totus consilio expugnacioni
ducis intentus.].
Am 20. Dezember 1166 begannen Wichmann, Albrecht der
Bär und Ludwig der Eiserne unter Einsatz von Belagerungsmaschinen
mit der Einschließung der welfischen
Feste (Alt-) Haldensleben bei Magdeburg. Dabei wurde natürlich auch
das ganze Umland in Mitleidenschaft gezogen [103 KW, Nr. 357; Helmold
(unmittelbar an die eben zitierte Passage anschließend): Tunc
principes qui erant in orientali Saxonia cum Thuringorum principe Lodewico
obsederunt municionem ducis quae vocatur Aldeslef et fecerunt contra eam
machinas multas. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 93: Dissensio
exorta est inter Heinricum ducem et Adelbertum marchionem. Wichmannus Magdaburgensis
archiepiscopus cooperante marchione castrum ducis Haldesleve in vigilia
sancti Thome obsedit, et circumiacens provincia non parum ab exercitu gravatur.].
Während die Blockade des Platzes andauerte, hielt Graf Christian von
Oldenburg mit seinen Friesen zu Beginn des Jahres 1167 Westsachsen in Atem
und besetzte Bremen. Dessen Erzbischof zögerte den Anschluß
an die antiwelfische Koalition zunächst noch hinaus.
Der ausgebrochene Krieg wurde zehn Jahre nach der Geburt
der Mark Brandenburg zum Hintergrund der Entstehung eines weiteren deutschen
Staates: Um wenigstens im Nordosten freie Hand zu haben, gab Heinrich der
Löwe vermutlich Ende Januar oder Anfang Februar 1167 dem nach Pommern
geflohenen Slawenfürsten Pribislaw den östlichen Teil des Obodritenlandes
als Lehen zurück. Dieser empfing auch das lutizische Gebiet der Kessiner
an der unteren Warnow. Damit wurde die Herausbildung des Mecklenburger
Fürstentums eingeleitet, und Albrecht der Bär gehörte
– sicher ungeplant – zu den Geburtshelfern [104 Dazu H.-O. GAETHKE:
Heinrich der Löwe und die Slawen (wie EN 72), S. 337-345.].
Nachdem Heinrich der Löwe noch seine Burgen verstärkt,
zusätzliche Besatzungen in geeignete Plätze gelegt und dem unmündigen
Grafen Adolf III. von Holstein einen kampferprobten Vormund gegeben hatte,
zog er wohl im Februar/März 1167 gegen die Koalition. Die ostsächsischen
Fürsten wichen einem Treffen aus, und der Herzog verwüstete ihre
Gebiete bis vor die Mauern Magdeburgs [105 Helmold (MG SS
rer. Germ. [32]), II, 104: Tunc (nach dem Bericht über Pribilaws
Belehnung, s. vorige EN – L. P.) congregavit dux exercitum grandem et
intravit orientalem Saxoniam, ut pugnaret cum inimicis suis in medio terrae
ipsius. Et viderunt, quia venit cum manu forti, et timuerunt occurrere
illi. Et fecit plagam magnam in terra hostili et vastavit eam incendiis
et depredacionibus et pervagatus est terram usque ad muros Magdeburg.].
Als der WELFE den Belagerungsring um
Haldensleben sprengen wollte, vereinbarte man auf Vermittlung von Bischöfen
und Äbten einen Waffenstillstand. Dabei verpflichtete sich Heinrich
der Löwe, die Burg spätestens auf dem nach Ostern (6. April)
1167 stattfindenden Gerichtstag an Erzbischof Wichmann von Magdeburg zu
übergeben [106 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 93:
Heinricus
dux soluturus obsidionem, cum exercitu Haldesleve tendit, sed intervenientibus
religiosis viris episcopis et abbatibus, pace facta utrobique discessum
est, datis fideiussoribus quatinus proximo placito, quod post pascha futurum
erat, castrum episcopo resignaretur.]. Die Atempause nutzte der Herzog,
um sich gegen den OLDENBURGER zu wenden.
Allerdings dachte er nicht daran, Haldensleben auszuliefern.
So vereinigten sich seine Feinde erneut. Auch das wahrscheinlich zwischen
März und Juli 1167 erfolgte Zusammentreffen Albrechts des Bären
mit
dem Magdeburger Erzbischof [107 Der ASKANIER ist Zeuge einer
wohl in diesem Zeitraum ausgestellten Urkunde Wichmanns für das Magdeburger
Kloster Unser Lieben Frauen (UBM, Nr. 325; KW, Nr. 362, dazu KW, 12. Lieferung,
Berlin-Dahlem 1955, Nachtrag zu Nr. 362 auf S. 889).] diente sicher der
Abstimmung weiterer Aktionen gegen Heinrich den Löwen. Am 12. Juli
des Jahres trat in Magdeburg der beim Kaiser in Italien weilende Kölner
Metropolit Rainald von Dassel durch Gesandte der anti-welfischen
Koalition
bei. Als deren Mitglieder erscheinen in dem darüber aufgesetzten Schriftstück
Erzbischof Wichmann von Magdeburg, Albrecht der Bär mit seinem
ältesten Sohn Markgraf Otto von Brandenburg, Markgraf Otto
der Reiche von Meißen, dessen Bruder Graf Dedo von Groitzsch und
Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen. Zwei Tage später,
am 14. Juli, beschworen in Sandersleben (bei Aschersleben) weitere Männer
ihren Beitritt zu dem Bündnis gegen Heinrich den Löwen. Das waren
neben Pfalzgraf Adalbert von Sachsen drei weitere Söhne Albrechts
des Bären, nämlich die Grafen Hermann von Orlamünde,
Adalbert
(von Ballenstedt) und Bernhard (von Aschersleben), außerdem
Ludwig der Fromme – der Sohn des Thüringer Landgrafen – sowie weitere
Personen, deren Namen nicht überliefert sind [108
KW, Nr. 359
f.; UBM, Nr. 324: ... Archidiaconi, abbates ac prepositi et universus
clerus, nobiles et beneficiati ministeriales Coloniensis ecclesie ac burgenses
eiusdem civitatis ... Igitur ... nuncii nostri ad civitatem Magdeburgensem
pervenientes a venerabili domino eiusdem civitatis archiepiscopo Wychmanno
et universis principibus ibi tunc congregatis honorifice suscepti sunt
... prepositus Bruno ex parte ... universi cleri nostri memorato archiepiscopo
Magdeburgensi, marchioni Alberto, Ludewico lantgravio, marchioni
Misnensi Ottoni, marchioni Brandeburgensi Ottoni et comiti Dedoni
dextera porrecta in fide promisit et super sancrosancta ewangelia iuramento
firmavit, quod dominus Raynoldus, nostre civitatis archiepiscopus, fedus
amicicie, quod litteris et legacione promisit domino Wychmanno et principibus,
qui ei confederati sunt, observet et post reditum suum ab Ytalica expedicione
omni certitudine, qua debeat, corroboret et quod universa familia Coloniensis
ecclesie cum familia Magdeburgensi in una ac pari voluntate semper permaneat.
Deinde ... (die Abgesandtendes Kölner Erzbistums – L. P.) secundum
formam promissi et iuramenti prepositi Brunonis eisdem principibus in fide
promittentes super sacras reliquias iuraverunt, quod nobiles, beneficiati,
ministeriales et burgenses nostri cum nobilibus et beneficiatis ac ministerialibus
et civibus Magdeburgensibus concordent consilio et auxilio in omni necessitate
et in werra, que est inter principes et ducem de Brunswich, fideli auxilio
Magdeburgensi archiepiscopo et ceteris principibus, qui eis confederati
sunt, quanto melius possint, contra ducem subveniant et, quocumque eos
auxilii prestandi gracia invitaverint, strenue veniant. Preterea a familia
utriusque ecclesie et a principibus sub stabili fide promissum est et iuratum,
quod nullam composicionem, nisi deliberato communi consilio, faciant cum
duce, et si pax vel plena composicio unanimi consensu facta fuerit et si
dux, memor pressure preterite, postea ad vindicandum se in alteram partem
vehementiam animi sui inclinet, manifeste sub fideli potissimum consilio
et iuramento est constitutum, ut manifeste et communiter se ei opponant
et resistant. ... Magdeburgensis archiepiscopus in fide promisit et prenominati
principes in fide promiserunt et in reliquiis iuraverunt, ut Coloniensi
ecclesie semper assistant. ... stabilis permaneat ista confederacio et
inter utramque ecclesiam familiaris amicicie connexio, que in urbe Magdeburch
consumata et confirmata est. Anno ... MCLXVII ... hec IIII. idus Iulii
aput Magdeburch facta sunt. Sed pridie idus Iulii Santersleue, ubi maior
multitudo nobilium et ministerialium convenerat, dominus Albertus palatinus
comes de Sommersenburch, Hermannus de Orlagemunde et duo fratres sui comes
Albertus et comes Bernhardus, nec non filius lantgravii Ludewicus cum aliis
multis nobilibus et ministerialibus Magdeburgensis ecclesie certitudinem
sancte Coloniensi ecclesie fide data et prestito iuramento secundum formam,
que supradicta est, fecerunt.]. Nun schloß sich auch der Bremer
Erzbischof Hartwig der Allianz an.
Noch im Sommer 1167 griffen Albrecht der Bär
und Wichmann von Magdeburg wieder zu den Waffen und ließen welfische
Besitzungen plündern und anstecken. Sie zerstörten ein Haus –
also wohl eine Burg – des Herzogs bei Goslar, das besetzt wurde. Heinrich
der Löwe konnte die Stadt offenbar nicht zurückgewinnen. So beschränkte
er sich darauf, die Getreidezufuhr zu verhindern, was eine Hungersnot in
Goslar zur Folge hatte. Die Verbündeten eroberten und brachen unterdessen
weitere welfische Burgen, so (Alt-) Haldensleben und das benachbarte Niendorf
[109 Heute wüst. Zu den Burgen Althaldensleben und Niendorf
s.
P. GRIMM: Burgwälle (wie EN 57), Nr. 829 f. Vielleicht kommt für
Niendorf auch Hausneindorf (östlich von Halberstadt, ebd., Nr. 55)
in Frage, so O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 27), S. 254,
und Anm. 63 auf S. 402.]. Helmold meint, daß ganz Sachsen vom Sturm
ergriffen worden sei, weil alle Fürsten gegen den Herzog fochten.
Darüber hinaus berichtet der Chronist über gefangene und verstümmelte
Krieger, zerstörte Burgen und Häuser sowie verbrannte Städte
[110 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), II, 105: Fervebat autem
sedicionum seva tempestas per omnem Saxoniam, contendentibus scilicet universis
principibus adversus ducem, et factae sunt captiones militum et demembraciones
et eversiones urbium atque domorum et incendia civitatum. Et addita est
Goslaria principibus. Et precepit dux custodiri vias, ne quis frumentum
induceret Goslariae, et esurierunt valde. Pöhlder Annalen (im
Anschluß an die in der EN 106 zitierten Stelle): Quo
(die
vereinbarte Auslieferung der Burg Althaldensleben – L. P.) minime persoluto,
prefati principes (Albrecht und Wichmann, s. EN 103 – L. P.) congregato
exercitu regionem predis et incendiis vastant, domum ducis prope
Goslariam destruunt. Inde revertentes, munitiones quasdamducis
cum castro Haldesleve capiunt, captas destruunt. Weitere Quellenberichte
über diese Kämpfe bei Willy HOPPE: Erzbischof Wichmann von Magdeburg.
In: DERS.: Die Mark Brandenburg, Wettin und Magdeburg. Ausgewählte
Aufsätze. Hg. von Herbert LUDAT. Köln/Graz 1965, S. 1-152 (zuerst:
Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg 43/1908, S. 134-294),
S. 59, Anm. 20. In ihnen wird auch die Eroberung Niendorfs erwähnt,
während Albrecht der Bär nicht erscheint.].
Von der Bedrängnis Heinrichs des Löwen erhielt
auch der Kaiser in Italien Kunde, der sich dort selbst in schwieriger Situation
befand. Nachdem er noch Ende Juli 1167 Rom hatte besetzen können,
zwang ihn eine sein Heer Anfang August dezimierende Seuche zum Rückzug
nach der Lombardei. BARBAROSSA mußte
an einer möglichst schnellen Beilegung des sächsischen Krieges
interessiert sein, weil er in Italien frische Truppen aus Deutschland brauchte.
Wahrscheinlich im September 1167 sandte er deshalb von Pavia aus Erzbischof
Christian von Mainz und Herzog Berthold von Zähringen über die
Alpen. Sie erreichten gegen Ende des Jahres den Abschluß mehrerer
Waffenstillstände in Sachsen, die die Lage dort langsam beruhigten.
Die Atempause nutzte Heinrich der Löwe, um am 1.
Februar 1168 in Minden mit der englischen Königs-Tochter
Mathilde seiner zweiten Gemahlin die Hand zu reichen. Deren
Mitgift dürfte die finanzielle Situation des Herzogs verbessert haben.
Seine Gegner erneuerten indes spätestens im Frühjahr 1168 in
Merseburg ihre Koalition [111 Die Stader Annalen (MG SS 16), S.
346, sprechen bei dieser Meldung nur von „Fürsten“ (principes), Albrecht
der Bär war sicher dabei.] und mißachteten auch eine Ladung
des im März nach Deutschland zurückgekehrten Kaisers zum 5. Mai
nach Würzburg. Stattdessen verwüsteten sie wieder Besitzungen
Heinrichs des Löwen. Auch ein zweiter Termin, den der Herrscher den
gegen den Herzog fechtenden Fürsten zum 19. Mai angesetzt hatte, verstrich
unbeachtet.
Als sie FRIEDRICH BARBAROSSA
zum dritten Male, und zwar zum 29. Juni 1168 nach Würzburg, rief,
folgten die sächsischen Großen endlich dem kaiserlichen Gebot.
Unter ihnen waren Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär
mit seinen Söhnen Adalbert und Dietrich (dem Grafen
von Werben), Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen, Markgraf Otto
der Reiche von Meißen sowie dessen Brüder Markgraf Dietrich
von der Lausitz, Graf Dedo von Groitzsch und Graf Heinrich von Wettin.
Außerdem hatten sich die Metropoliten Wichmann von Magdeburg, Hartwig
von Bremen und die Bischöfe Hermann von Hildesheim, Gero von Halberstadt,
Udo von Naumburg sowie Werner von Minden vor dem Thron eingefunden [112
Regesta
Imperii. Hg. von Johann Friedrich BÖHMER: 4, 2: Die Regesten des Kaiserreiches
unter Friedrich I. 1152 (1122)-1190. 3. Lief.: 1168-1180, neubearb. von
Ferdinand OPLL. Wien/Köln/Weimar 2001, Nr. 1791.]. Der Kaiser erreichte
diesmal den Abschluß eines Friedens, der allerdings nur bis zum nächsten
Reichstag gelten sollte. Wohl bei der Gelegenheit mußte Goslar wieder
an die Krone herausgegeben werden.
Die Situation in Sachsen spitzte sich erneut zu, als
der Bremer Erzbischof am 11. Oktober 1168 starb. Das Domkapitel der Weserstadt
spaltete sich: Eine Fraktion wählte den Welfenanhänger Otbert
zum Nachfolger, die zweite den ASKANIER Siegfried. Der war ein Sohn
Albrechts
des Bären und Kanoniker am Magdeburger Liebfrauenkloster. Heinrich
der Löwe weilte damals nicht in Deutschland, und so handelte einer
seiner Vasallen, Graf Gunzelin von Schwerin. Er erregte in Bremen einen
solchen Tumult, daß der schon dort eingetroffene Siegfried die Flucht
ergreifen mußte.
Von den wieder aufflammenden Kämpfen in Sachsen
erfuhren auch die Engländer. Der Zisterzienser Johann von Salisbury
berichtet 1168 in einem Brief, er habe gehört, daß Heinrich
der Löwe von dem Magdeburger Metropoliten, dem Bischof von Halberstadt
und Markgraf Albrecht geschlagen worden sei. 22 Grafen der welfischen
Streitmacht wären dabei getötet oder gefangengenommen worden.
Die Zahl der Gefallenen betrüge 700, während die Sieger kaum
Verluste gehabt hätten [113 KW, Nr. 366; The Letters of John
of Salisbury. Bd. 2: The Later Letters (1163-1180). Hg. von William J.
MILLOR/Christopher N. L. BROOKE. Oxford 1979, Nr. 276 (S. 588): De cetero
noueritis nos audisse pro certo quod Henricus dux Saxonum in solempni praelio
victus est ab archiepiscopo Magdeburgensi, episcopo Elvestadensi et Alberto
marchione, cecideruntque ex parte ducis septingenti milites et capti
aut occisi sunt viginti duo comites, et in parte episcoporum adeo pauci
ceciderunt aut capti sunt ut nullus de iactura queratur.]. Deutsche
Quellen wissen allerdings nichts von dieser Schlacht.
Nun begab sich der Kaiser selbst nach Sachsen, um endlich
Frieden zu schaffen. Am 20. Januar 1169 weilte er in Begleitung Heinrichs
des Löwen in Heiligenstadt auf dem Eichsfeld [114 R F I., Nr.
1826.]. Am 2. Februar fand in der Pfalz Wallhausen (westlich von Sangerhausen)
ein Hoftag statt, den auch Albrecht der Bär mit namentlich
nicht genannten Söhnen sowie die wettinischen Markgrafen Otto der
Reiche von Meißen und Dietrich von der Lausitz mit ihrem Bruder Graf
Dedo von Groitzsch besuchten. Burggraf Burchard von Magdeburg war ebenfalls
anwesend. Von den sächsischen Kirchenfürsten lassen sich der
Magdeburger Metropolit Wichmann und die Bischöfe Gero von Halberstadt,
Hermann von Hildesheim, Udo von Naumburg sowie Wilmar von Brandenburg in
Wallhausen nachweisen. Über Herzog Heinrich den Löwen von Sachsen
und Bayern und den Thüringer Landgrafen Ludwig den Eisernen verlautet
hingegen im Zusammenhang mit diesem Hoftag nichts. Es gelang BARBAROSSA,
die Ruhe wiederherzustellen. Dann nahm er Friedensbrecher mit, deren Namen
leider unbekannt sind [115
R F. I., Nr. 1828 f., 1831; Pöhlder
Annalen (MG SS 16), S. 94:
Imperator curiam habuit Walehusen in purificatione
sancte Marie, ubi denuo pacem renovavit, violatoribus pacis secum abductis.].
Noch einmal erlitt Albrecht der Bär eine
Niederlage: Im Juni 1169 kassierte der Kaiser in Bamberg die Bremer Doppelwahl
und ernannte zum neuen Erzbischof der Weserstadt mit dem Halberstädter
Dompropst Balduin einen Kandidaten Heinrichs des Löwen.
Der erneuerte Ende Februar 1170 den Kampf, indem er einen
Einfall in die Gebiete des Erzstifts Magdeburg unternahm. Ob der alte Markgraf
Wichmann zu Hilfe kam, erfahren wir aus den Quellen nicht.
Ende Juni 1170 begab sich der Kaiser nach Erfurt, um
in Sachsen erneut Frieden zu schaffen. Dort versammelten sich auch Heinrich
der Löwe, Albrecht der Bär, die markgräflichen Brüder
Otto der Reiche von Meißen und Dietrich von der Lausitz sowie Landgraf
Ludwig der Eiserne von Thüringen. Von den in Erfurt anwesenden Grafen
Dietrich, Hermann, Heinrich, Günther, Edelger und Sigeboto sind die
beiden ersten wohl Söhne des ASKANIERS und die nächsten
zwei SCHWARZBURGER. Ihnen folgen der Graf von Hohnstein und der Graf von
Scharzfeld. Von den geistlichen Fürsten Sachsens waren der Magdeburger
Metropolit Wichmann sowie die Bischöfe Udo von Naumburg, Wilmar von
Brandenburg, Gerung von Meißen und Ludwig von Münster gekommen
[116 R F I., Nr. 1885.]. Auf dem Erfurter Reichstag Ende Juni 1170
konnte der Kaiser endlich einen Frieden zwischen den seit 1166 kämpfenden
Parteien stiften [117 KW, Nr. 379; Cronica S. Petri Erfordensis
moderna (MG SS rer. Germ. [42]), S. 185: Imperator in nativitate sancti
Iohannis baptiste habito generali conventu Erphordie Heinricum ducem aliosque
principes Saxonie iam diu inter se dissidentes pacificavit, et sic terra
aliquanto tempore quievit.]. Der sollte im wesentlichen bis 1177/78
halten.
Albrecht, den wir nach dem Aufenthalt in Erfurt
nur noch am 16. August 1170 anläßlich der Havelberger Domweihe
erblicken, starb drei Monate später, am 18. November. Die letzten
Lebensjahre hatten im Zeichen des Kampfes gegen seinen Hauptrivalen Heinrich
den Löwen gestanden. Dessen Macht konnte die Fürstenkoalition,
die der ASKANIER maßgeblich anführte, zwar schwer erschüttern,
doch wegen des wiederholten kaiserlichen Eingreifens nicht brechen. Diese
Erkenntnis dürfte das Lebensende des alten ASKANIERS überschattet
haben. Doch während der Herrschaftsbereich Heinrichs des Löwen
nach dessen Sturz im Jahre 1180 zerfiel, überdauerten die auf das
Wirken Albrechts des Bären zurückgehenden Fürstentümer
Brandenburg [118 Nach 1701 wurde die Markgrafschaft (offiziell ab
1356 auch Kurfürstentum) Brandenburg zum Kern des ursprünglich
nur Ost-, seit 1772 auch Westpreußen umfassenden Königreiches
Preußen.] und Anhalt bis 1918.
| Jahre | Feldzüge, Fehden und Spannungen, in die Albrecht der Bär nach den Quellen verwickelt war |
| 1123-1125 | A. erstreitet im Bündnis mit Herzog Lothar von Sachsen die Lausitz gegen den dort von Kaiser HEINRICH V. als Markgrafen eingesetzten Wiprecht von Groitzsch und dessen Sohn Heinrich. |
| 1126 (18. Februar) | A. kämpft im Heer König LOTHARS bei Kulm gegen die Böhmen. Er soll sein ganzes Gefolge verloren haben, verwundet worden und in Gefangenschaft geraten sein. |
| 1128/29 | Für die im Zusammenhang mit der Lauterberger Propstwahl (nach dem 12. 12. 1128) zwischen A. und Konrad von Wettin entstandenen Spannungen werden keine weiteren Einzelheiten genannt. |
| 1129 (nach Mitte Juni) | A. besetzt und zerstört die Hildagesburg nördlich von Magdeburg. Als er den Turm Gundersleben bei Halberstadt angreift, wird er von Anhängern des Königs abgewiesen. |
| 1130 (15. März ) | A. Mannen erschlagen bei Aschersleben den Grafen Udo von Freckleben. |
| 1132/33 | A. (dem der König 1131 die Mark Lausitz entzogen hatte) zeichnet sich auf dem ersten Italienzug LOTHARS aus. |
| 1136 (ab Juli?) | A. (seit 1134 Markgraf der Nordmark) unternimmt mehrere Einfälle in slawisches Gebiet (in den Havelberger Raum?) und entvölkert es. |
| 1137 (Anfang des Jahres?) | A. macht einen Beutezug ins Slawenland. |
| 1138 (2. Februar) | A. verhindert die für diesen Tag von der Kaiserin-Witwe Richenza nach Quedlinburg einberufene Fürstenversammlung mit Gewalt. |
| 1138-1141/42 | A. stößt als neuer Herzog von Sachsen (wohl seit Juli 1138) auf den Widerstand Heinrichs des Stolzen, der (nach seinem Tod 1139 dessen Sohn Heinrich der Löwe) von Erzbischof Konrad von Magdeburg, Markgraf Konrad von Meißen und der Lausitz, Pfalzgraf Friedrich von Sachsen, Graf Rudolf von Stade, Graf Siegfried von Boyneburg, Graf Adolf II. von Holstein und der Kaiserin-Witwe Richenza unterstützt wird. Auf Seiten des ASKANIERS stehen zunächst König KONRAD III., die Grafen Bernhard von Plötzkau und Hermann von Winzenburg sowie Heinrich von Badwide. A. siegt 1138 bei Mimirberg (?) und erobert Lüneburg, Bardowick, Bremen, Westsachsen und Nordelbingen, verliert all das aber 1139. Die Burgen Bernburg (1138), Plötzkau (1139), Gröningen, Wittecke, Anhalt und Jabilinze (1140) werden von der WELFEN-Partei zerstört. Graf Rudolf von Stade besetzt 1140 ebenfalls Burgen und A.s Mark. A. muß Sachsen 1139 und erneut 1140 verlassen sowie zur Jahreswende 1141/42 darauf zugunsten Heinrichs des Löwen verzichten. |
| 1146 (Mitte August) | A. beteiligt sich an einem in Sachsen beginnenden Polenfeldzug KONRADS III. Das Unternehmen bleibt stecken, und der ASKANIER rät mit Konrad von Wettin zu einer Verhandlungslösung. |
| 1147 | Wohl im Juli beginnt der Wendenkreuzzug. A. gehört zu den vor allem ostsächsischen Fürsten, die ein angeblich 60.000 Mann starkes Heer von Magdeburg über Havelberg, Malchow (Malchin) nach Demmin und Stettin führen. |
| 1148 (wohl Juni) | A. unterstützt wahrscheinlich Heinrich den Löwen bei einem Zug gegen die Dithmarschen. |
| 1150 | Nach dem Tode des letzten Stodoranenherrschers Pribislaw-Heinrich kann A. gemäß einem vermutlich 1123-25 ausgehandelten Erbvertrag das zur Brandenburg gehörende slawische Hevellerfürstentum übernehmen. Kämpfe meldet der Bericht Heinrichs von Antwerpen in dem Zusammenhang nicht. |
| 1151 (Ende des Jahres) | Die Fehde zwischen A. und Heinrich dem Löwen bricht aus. Eine Ursache ist der Anspruch beider auf die Hinterlassenschaft der im Oktober 1147 ausgestorbenen Grafen von Plötzkau. Der Markgraf hatte angeblich 1.500, der Herzog 5.000 Streiter. |
|
1152 |
Die Spannungen zwischen A. und Heinrich dem Löwen
erhalten einen weiteren Grund, weil beide nun auch das Erbe des Ende Januar
erloschenen Winzenburger Grafenhauses beanspruchen. Vergeblich versucht
der neue König FREIDRICH I. BARBAROSSA,
ihren Streit auf dem Merseburger Hoftag im Mai zu schlichten. Neue Kämpfe
zwischen beiden brechen aus. Viele Burgen und Dörfer werden in Mitleidenschaft
gezogen. Die Gefechte ergreifen auch den Goslarer Raum und wohl das Gebiet
zwischen Osterode und Herzberg. Dort fällt wahrscheinlich in diesem
Zusammenhang vermutlich am 11. August offenbar auf welfischer
Seite
der junge Graf Liudger von Wöltingerode. Im Oktober kann der König
in Würzburg Frieden stiften. A. erhält das Plötzkauer, der
Herzog das Winzenburger Erbe.
1155 Während BARBAROSSA und Heinrich der Löwe in Italien sind, konspiriert A. offenbar gegen den WELFEN. Konrad von Plötzkau und weitere Getreue des Markgrafen kommen durch slawische Hinterlist ums Leben. |
| 1157 | Vermutlich im März bemächtigt sich Jaxa „von Köpenick“ eines Nachts mit einer polnischen Streitmacht durch Verrat der Brandenburg. Die daraufhin von A. mit Unterstützung Erzbischof Wichmanns von Magdeburg sowie weiterer Fürsten und Edlen eröffnete Belagerung führt am 11. Juni zur endgültigen Eroberung der Hevellerfeste. Im Heer waren auch A.s Neffe, der junge Graf Werner von Veltheim, und vermutlich die Herren von Schneidlingen, Bornstedt und Jabilinze. A. beteiligt sich wahrscheinlich an dem im August von Halle aus beginnenden Polenfeldzug Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSAS. |
| 1163 | In einem wohl im August oder September des Jahres von Bischof Albert von Freising an den Salzburger Metropoliten Eberhard verfaßten Brief heißt es, daß A., Pfalzgraf Adalbert von Sachsen, Bischof Udo von Naumburg und Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen eine Allianz gegen Heinrich den Löwen geschlossen hätten. |
| 1165 | Pfalzgraf Adalbert von Sachsen ist mit A. gegen den WELFEN verbündet, wird aber von dem Askanier im Stich gelassen |
| 1166 | A., Erzbischof Wichmann von Magdeburg, Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen, Markgraf Otto der Reiche von Meißen, Pfalzgraf Adalbert von Sachsen und weitere Fürsten und Edle schließen ein Bündnis gegen Heinrich den Löwen. Am 20. Dezember beginnen die ersten drei mit der Belagerung der welfischenBurg (Alt-) Haldensleben bei Magdeburg. |
| 1167 | Wohl im Februar/März zieht Heinrich der Löwe unter Verwüstungen bis Magdeburg. Für die Belagerung Haldenslebens wird ein Waffenstillstand vereinbart. Heinrich der Löwe verpflichtet sich, die Burg spätestens auf dem nach Ostern (6. April) stattfindenden Gerichtstag Erzbischof Wichmann zu übergeben. Er wird wortbrüchig, und die Koalition seiner Feinde wächst. Am 12. Juli tritt der mit dem Kaiser in Italien weilende Erzbischof Rainald von Köln in Magdeburg durch Gesandte dem Bündnis bei. Am 14. Juli folgen in Sandersleben (bei Aschersleben) Pfalzgraf Adalbert von Sachsen, drei Söhne A.s, der Sohn des Thüringer Landgrafen und weitere Männer. Nun schließt sich auch Erzbischof Hartwig von Bremen der Koalition an.Im Sommer besetzen A. und Wichmann Goslar und nehmen und zerstören (Alt-) Haldensleben und Niendorf. Die wahrscheinlich im September von Pavia aus vom Kaiser nach Sachsen entsandten Legaten Erzbischof Christian von Mainz und Herzog Berthold von Zähringen können zum Jahresende durch Vermittlung mehrerer Waffenstillstände die Lage allmählich beruhigen. |
| 1168 | Spätestens im Frühjahr erneuern die Gegner Heinrichs des Löwen in Merseburg ihr Bündnis und verwüsten welfische Besitzungen. Sie ignorieren Ladungen vor den Kaiser zum 5. sowie zum 19. Mai und erscheinen erst zum dritten Termin am 29. Juni in Würzburg. BARBAROSSA gebietet Frieden bis zum nächsten Reichstag.Nach dem Tod Erzbischof Hartwigs von Bremen spaltet sich das Domkapitel. Eine Partei wählt einen WELFEN-Anhänger, die andere A.s Sohn Siegfried zum Nachfolger. Der wird vom Grafen von Schwerin aus Bremen vertrieben.Nach einem Brief des englischen Zisterziensers Johann von Salisbury erlitt Heinrich der Löwe eine vernichtende Niederlage gegen A., Wichmann von Magdeburg und den Halberstädter Bischof. Deutsche Quellen wissen davon nichts. |
| 1169 | Am 2. Februar stiftet BARBAROSSAa auf einem Hoftag in der Pfalz Wallhausen (bei Sangerhausen) Frieden. Im Juni kassiert der Kaiser in Bamberg die Doppelwahl von Bremen und ernennt für diese Stadt einen Kandidaten Heinrichs des Löwen zum neuen Erzbischof. |
| 1170 | Im Februar fällt der WELFE ins Magdeburgische ein. Ende Juni stiftet der Kaiser zu Erfurt einen Frieden zwischen Heinrich dem Löwen und dessen sächsischen Gegnern, der A.s Tod (18. 11. 1170) überdauert. |
Zusammenfassung:
Die erste Stelle unter den kriegerischen Unternehmungen
Albrechts des Bären nehmen die gegen Heinrich den Löwen –
am Anfang noch gegen dessen Vater Heinrich den Stolzen – ein. Hier sind
direkte Kampfhandlungen für die Jahre 1138-1140, 1151/52 und 1166-1168,
zumindest Spannungen zu 1155, 1163, 1165 und 1169/70 bezeugt. Dabei ging
es zunächst um Sachsen, später auch um das Plötzkauer und
Winzenburger Erbe sowie die Beschneidung der zunehmenden Macht des Welfen.
Von 1123 bis 1125 kämpfte Albrecht im Bündnis
mit Herzog Lothar von Sachsen erfolgreich
um die Übernahme der Lausitz (gegen den Willen
Kaiser HEINRICHS V.), 1129/30 um die Belehnung mit der Nordmark
bzw. zumindest um stadische Güter (gegen den Willen König
LOTHARS III.).
Slawenfeldzüge sind für 1136/37 (Havelberger
Raum?), 1147 (Wendenkreuzzug) und 1157 (die von Jaxa erzwungene Rückeroberung
der 1150 vertragsgemäß übernommenen Brandenburg) überliefert.
Im Gefolge der Könige zog Albrecht 1126 gegen Böhmen,
1132/33 nach Italien [119 Dabei handelt es sich um lediglich einen
von sechs königlichen Italienzügen während seiner Amtszeit
von 1123 bis 1170 (1132/33, 1136/37, 1154/55, 1158-1162, 1163/64, 1166-1168).]
sowie 1146 und wahrscheinlich 1157 gegen Polen.
1148 unterstützte er offenbar Heinrich den Löwen
auf einem Zug gegen die Dithmarschen.
Auswertung:
Bei der Untersuchung der von ihm geführten Kriege
kann man wohl recht deutlich erkennen, wofür sich ein mittelalterlicher
Fürst vor allem einsetzte. Insofern erlaubt die Analyse der militärischen
Aktionen Albrechts des Bären wichtige Aussagen zu seinen Zielen.
Unter diesen nahm die Unterstützung des Königs keinen vorderen
Platz ein – wenn nicht gerade die Pläne der Krone mit des Askaniers
Wünschen übereinstimmten. Daher muß die Einschätzung,
zu der der Biograph des Markgrafen 1864 gelangte, in mindestens einem wichtigen
Aspekt erheblich korrigiert werden. Damals schrieb Otto von Heinemann:
„Dem hohenstaufischen Hause, welches
den Übergriffen der päpstlichen Kurie in Deutschland und Italien
kräftig entgegentrat, ist er stets, obwohl er ihm seine liebsten Hoffnungen
zum Opfer bringen mußte, mit Treue und Ergebenheit zugetan gewesen
... [120 O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 27), S.
272.]“
Aber bereits im Mai 1152 widersetzte sich in Merseburg
mit Heinrich dem Löwen auch dessen Rivale Albrecht der Bär
dem Versuch des neuen Königs, zwischen beiden Frieden zu stiften.
Angesichts der Feststellung, daß Albrecht vor allem gegen den
WELFEN kämpfte, darf nicht vergessen werden, daß
BARBAROSSAS
Politik nicht unwesentlich auf der Zusammenarbeit mit dem Herzog basierte.
So konnte der Kaiser in der schwierigen Lage, in die die Seuche sein Heer
in Rom Anfang August 1167 gebracht hatte, kaum Hilfe aus Sachsen erwarten.
Denn dort mußte sich Heinrich der Löwe seit Ende 1166 eben der
ostsächsischen Fürstenkoalition erwehren, die nicht zuletzt Albrecht
der Bär anführte. Und es ist gezeigt worden, wie viele vergebliche
Anstrengungen es den Kaiser kostete, diesen Krieg zu beenden. Zu der Haltung
des ASKANIERS mag die letztlich unzureichende Unterstützung
beigetragen haben, die er von FRIEDRICHS I.
Vorgänger im Kampf um Sachsen erfahren hatte.
Darüber hinaus war ein Hauptziel Barbarossas die
Durchsetzung seiner Herrschaft in Italien. In diesem entscheidenden Punkt
hat bereits Helmut Assing Albrechts geringes Engagement auf dem
Gebiet festgestellt: „In der Zeit seiner Volljährigkeit fanden sechs
Italienzüge [121 S. EN 119.] statt: zwei unter
LOTHAR und vier unter FRIEDRICH.
Nur einmal – 1132/33 – machte Albrecht den ganzen Zug mit, als er
allen Grund hatte, durch Botmäßigkeit die Gunst des Königs
wiederzuerlangen. Dann war er noch einmal 1162 am Ende von Friedrichs zweitem
Italienzug dabei [122 Ich erinnere daran, daß Albrecht
der Bär mit anderen Fürsten dem Kaiser bereits im Juli 1160
in Erfurt Unterstützung geschworen hatte. Danach ist als erster ASKANIER
aber nur sein Sohn Adalbert Ende 1161 (!) in Italien bei Hofe zu
finden.]. Weitere Italienaufenthalte Albrechts sind nicht bekannt
[123 Helmut ASSING: Albrecht der Bär. Markgraf von Brandenburg
(1150/57-1170). In: Eberhard HOLTZ/Wolfgang HUSCHNER (Hg.): Deutsche Fürsten
des Mittelalters. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Leipzig 1995, S. 221-233,
hier S. 229 f.].“
Auch unter Barbarossas Vorgängern war der ASKANIER
keine ständige Stütze der Krone. Als er gleich im ersten Jahr
seiner selbständigen Herrschaft den Kampf um die Lausitz aufnahm,
geschah das gegen den Willen Kaiser HEINRICHS
V. 1126 folgte er zwar LOTHAR,
der ihm zur Markgrafenwürde verholfen hatte, nach Böhmen, doch
schon 1129/30 riskierte er dessen Gunst. Außerdem ist nichts davon
zu hören, daß Albrecht den SÜPPLINBURGER
bei seinen vielen Kämpfen gegen dessen innenpolitische Hauptgegner,
die STAUFER, unterstützte. Nach
LOTHARS
Tod begann der ASKANIER
durch den Angriff auf Quedlinburg (am oder
vor dem 2. 2. 1138) sofort, die Pläne des Kaisers zu unterlaufen.
An der Seite KONRADS III. zog Albrecht
1139
und 1151 ins Feld, als es mit den WELFEN
um gemeinsame Feinde ging. Im Gegensatz zur Italienpolitik der Könige
mußten deren Feldzüge gegen Polen und Böhmen natürlich
schon wesentlich stärker das Interesse eines sächsischen Markgrafen
erregen.
Es ist also festzustellen, daß Albrecht der
Bär das Schwert vor allem für seine Ziele zog. Das waren
1123-25 die Erwerbung der Lausitz, 1129/30 der Kampf um (wahrscheinlich)
die Nordmark, 1138-1141/42 die Erlangung und Verteidigung der sächsischen
Herzogswürde und 1151/52 sowie 1165/66-70 der Krieg gegen Heinrich
den Löwen. Das Hauptziel des ASKANIERS bestand offensichtlich
in der Erringung und Behauptung einer herzoglichen oder wenigstens herzogsgleichen
bzw. herzogsähnlichen, vom König möglichst unabhängigen
Stellung in Sachsen und im ostelbischen Markengebiet. Dabei stand – gemessen
an der Länge und Schwere der Auseinandersetzungen – für Albrecht
den Bären die Beseitigung oder zumindest Eindämmung der welfischen
Macht an erster Stelle. Das Brandenburger Slawenfürstentum übernahm
der Markgraf dagegen auf friedlichem Wege, nachdem er erstaunlicherweise
rund 25 Jahre geduldig auf den vereinbarten Erbfall gewartet hatte. Man
vergegenwärtige sich zum Vergleich, wieviel Blut Heinrich der Löwe
bei seinen Kämpfen gegen die Obodriten vergossen hat [124 S.
dazu H.-O. GAETHKE: Heinrich der Löwe und die Slawen (wie EN
72).]. Erst Jaxa „von Köpenick“ zwang Albrecht den Bären
1157 zur endgültigen Eroberung der Brandenburg.