Die Kriege Albrechts des Bären
 

Lutz Partenheimer
 

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Die frühen Askanier. Protokoll der Wissenschaftlichen Konferenzen zur politischen und territorialen Herrschaftsgeschichte sowie (zu) den sozialen und kulturhistorischen Aspekten der frühen Askanierzeit am 19./20. Mai 2000 in Aschersleben/Ballenstedt und am 25. Mai 2002 in Bernburg (Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts 28). Halle 2003, S. 35-71.
 

Der schon zu Lebzeiten „der Bär“, spätestens seit dem 19. Jahrhundert „Albrecht der Bär“ genannte Graf Adalbert von Ballenstedt wurde um 1100 geboren und 1120 erstmals in den Quellen erwähnt. Nach dem Tode seines Vaters Otto übernahm er 1123 als der einzige bekannte Sohn den askanischen [1 Zur auf die alte Grafengerichtsstätte bei Aschersleben zurückgehenden Bezeichnung von Albrechts Familie als „ASKANIER“ jetzt Helmut ASSING: Die frühen Askanier und ihre Frauen. Hg. von der Kulturstiftung Bernburg. Bernburg 2002, S. 5 f. In den Quellen wird die Dynastie erstmals mit Albrecht dem Bären 1147 nach Aschersleben genannt.] Komplex von Besitzungen und Herrschaftsrechten. Der erstreckte sich damals ungefähr vom Ostharz zur Mulde und über die Elbe in Richtung Möckern und Görzke. Das bis 1170 währende Leben des Fürsten war eine lange Reihe von Erfolgen und Niederlagen. Vom Grafen von Ballenstedt stieg der ASKANIER zum Markgrafen der Lausitz auf, verlor das Amt, wurde Markgraf der Nordmark und sogar Herzog von Sachsen [2 Das damalige Sachsen umfaßte neben dem heutigen Niedersachsen Westfalen, Schleswig-Holstein, die Altmark, den Magdeburger Raum, das Harzgebiet und Thüringen.]. Auch diese Würde konnte Albrecht nicht behaupten. Schließlich schuf der ASKANIER mit der Mark Brandenburg – als deren erster Markgraf er in die Geschichte einging – ein neues Fürstentum, das nach 1701 zum Kern des Königreiches Preußen werden sollte [3 Im Rahmen dieses Aufsatzes werden vor allem die zum Thema gehörenden Aussagen belegt. S. darüber hinaus zu Leben und Werk des Markgrafen jetzt Lutz PARTENHEIMER: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. 2. Aufl., Köln/Weimar/Wien 2003.].
Wie bei den Anstrengungen der meisten damaligen Adligen zur Erweiterung und Festigung ihrer Herrschaftsbereiche üblich, spielten in dem Zusammenhang kriegerische Ereignisse auch im Leben Albrechts des Bären eine große Rolle. Soweit sie der Forschung bekannt sind, sollen sie hier vorgestellt und systematisiert werden. Wenn entsprechende Arbeiten für andere Fürsten dieser Zeit vorliegen, z. B. zu Albrechts Hauptkonkurrenten Heinrich dem Löwen, ermöglicht ein Vergleich vielleicht tiefgründigere Erklärungen für den Erfolg bzw. das Scheitern ihrer damaligen Politik als bisher.
Kaum war der ASKANIER durch des Vaters Tod alleiniger Graf von Ballenstedt, faßte er eine Chance zum weiteren Aufstieg beim Schopfe. Die folgenden Ereignisse sind mit militärischen Aktionen verknüpft, in die Albrecht verwickelt wurde. Allerdings berichten die Quellen in diesem Zusammenhang keine Details über den Ballenstedter. Worum ging es?
Nachdem 1123 der WETTINER Heinrich von Eilenburg, Markgraf von Meißen und der Lausitz, gestorben war, ernannte der Kaiser den alten Grafen Wiprecht von Groitzsch zum Nachfolger. Herzog Lothar von Sachsen, der den Norden des Reiches seit der Schlacht am Welfesholz 1115 dem Einfluß des SALIERS so gut wie völlig entzogen hatte, widersetzte sich auch dieser Entscheidung. Er bestimmte Albrecht den Bären zum Markgrafen der Lausitz und Konrad von Wettin, einen Verwandten des Eilenburgers, zum Nachfolger in Meißen. HEINRICH V. schickte deshalb dem von ihm Eingesetzten noch 1123 Erzbischof Adalbert I. von Mainz sowie den mit Wiprecht verschwägerten Herzog Wladislaw I. von Böhmen und dessen Vetter, Markgraf Otto II. von Mähren, zu Hilfe. Wiprecht und Adalbert warteten an der Mulde auf die bis zu einer Burg Gvozdec bei Meißen heranrückende Unterstützung, doch konnte Lothar die Vereinigung beider Heere unterbinden. Dann bewog er durch eine List Wladislaw und Otto zur Umkehr. Daraufhin zogen sich auch der GROITZSCHER und der Mainzer zurück [4 Regesta Imperii. Hg. von Johann Friedrich BÖHMER: 4, 1: Die Regesten des Kaiserreiches unter Lothar III. und Konrad III. 1. Teil: Lothar III. 1125 (1075)-1137, neubearb. von Wolfgang PETKE. Köln/Weimar/Wien 1994 (künftig: R L III.), Nr. 79. ].
Kämpfe melden die Quellen nur mit Bezug auf eine Burg Libuze, die von dem Reichsministerialen Heinrich mit dem Haupt befehligt und von Lothar belagert und genommen wurde. Auch über eine Teilnahme Albrechts des Bären erfahren wir nichts. Lag die Burg in der Lausitz, so mußte ihre Einnahme vor allem für ihn wichtig sein, befand sie sich im Raum Meißen, war es hauptsächlich eine Angelegenheit Konrads von Wettin. Es darf wohl angenommen werden, daß von den beiden zumindest derjenige, zu dessen Mark Libuze gehörte, dem Herzog von Sachsen bei der Belagerung und Einnahme des Platzes beistand [5 R L III., Nr. 80. Zur Lage der Burg (evtl. bei Herzberg oder Luckau) s. die im Regest genannte Literatur. Andere – z. B. die Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Bearb. von Hermann KRABBO/Georg WINTER, 1. Lieferung (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg). Leipzig 1910 (künftig: KW), Nr. 6, oder Dietrich CLAUDE: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert. 1. Teil: Die Geschichte der Erzbischöfe bis auf Ruotger (1124) (Mitteldeutsche Forschungen (künftig: MDF) 67, 1). Köln/Wien 1972, S. 405, – denken ohne Begründung an Lebus (nördlich von Frankfurt/Oder). Inzwischen wird die Burg Libuze auch bei Löbsal (an der Elbe, nordnordwestl. von Meißen) gesucht. Dazu demnächst Ralf GEBUHR: Der Kultplatz in der Wissenschaftslandschaft. Zur Suche nach der Burg „Liubusua“. In: Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geographie 20/2002, und Felix BIERMANN/Kerstin GEBUHR/Ralf GEBUHR: Liubusua. Interdisziplinäre Analyse eines Lokalisierungsproblems. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte (künftig: JBLG) 54/2003.].
Im Mai 1124 starb Wiprecht von Groitzsch, sein Sohn Heinrich konnte die Lausitz nicht behaupten. Als ihr Markgraf erscheint Albrecht der Bär in den Quellen erstmals im Dezember dieses Jahres, und nach der Wahl des SÜPPLINGENBURGERS zum Nachfolger HEINRICHS V. 1125 hatte der ASKANIER das Amt auch mit Billigung des Königs inne.
Anfang 1126 war der BALLENSTEDTER dann nachweislich in Kampfhandlungen verwickelt, nämlich in einem vom Herrscher gegen Böhmen aufgebotenen Heer. Dort war dem 1125 gestorbenen Wladislaw I. dessen Bruder Sobeslaw I. gefolgt, ohne die Zustimmung des deutschen Königs einzuholen. Zudem hatte sich Sobeslaws Vetter Otto II. von Mähren an LOTHAR gewandt, weil er den Prager Herzogsstuhl ebenfalls beanspruchte. Da Sobeslaw die deshalb erfolgten Ladungen vor den deutschen Herrscher ignorierte, zog dieser Anfang 1126 ungeachtet eines sehr strengen Winters mit angeblich 3.000 Mann von Sachsen nach Böhmen, um Otto dort einzusetzen [6 R L III., Nr. 116.]. Den Marsch über das Erzgebirge begleiteten heftige Schneefälle, dann begann es zu tauen. Am 18. Februar 1126 griff Sobeslaw die Herabsteigenden bei Kulm (nordwestlich von Aussig) mit einem Heer an, das 20.000 Mann umfaßt haben soll [7 Annales Hildesheimenses. Hg. von Georg WAITZ (Monumenta Germaniae historica (künftig: MG), Scriptores (künftig: SS) rerum Germanicarum in usum scholarum (künftig: rer. Germ.) [8]). Hannover 1878 (Nachdruck (künftig: ND) Hannover 1990), S. 66.], wobei Otto von Mähren und viele sächsische Adlige umkamen. Albrecht der Bär verlor angeblich sein ganzes Gefolge, wurde offenbar verwundet und mußte sich gefangengeben. Als der König das erfuhr, unternahm er alles, um das Treffen wiederherzustellen. Doch die Sachsen mußten sich auf eine Anhöhe zurückziehen, wo sie Sobeslaw einschloß. Heinrich von Groitzsch, Sohn einer Schwester des Böhmen-Herzogs, konnte schließlich bei seinem Onkel einen Waffenstillstand erreichen. Sobeslaw begab sich daraufhin zu LOTHAR, leistete den Vasalleneid, und der deutsche König erteilte ihm auf dem Schachtfeld die Belehnung. Die Böhmen ließen ihre Gefangenen frei, und das sächsische Heer kehrte um [8 Zusammenstellung der vielen Quellen zur Schlacht bei Kulm 1126 – mit der Information über die Gefangennahme Albrechts des Bären – bei Wilhelm BERNHARDI: Lothar von Supplinburg. Jahrbücher der Deutschen Geschichte. Leipzig 1879 (ND Berlin 1975), S. 75, Anm. 37; KW, Nr. 9 f.; R L III., Nr. 118. Die Rosenfelder Annalen. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 104, berichten, daß alle Männer Albrechts gefallen seien, nach der Sächsischen Weltchronik. Hg. von Ludwig WEILAND. In: MG, Deutsche Chroniken 2. Hannover 1877 (ND München 1980), S. 279, wurde der Markgraf verwundet. Das erklärt für Dietrich SCHÄFER: Lothars III. Heerzug nach Böhmen 1126. In: Historische Aufsätze. Karl ZEUMER zum 60. Geburtstag als Festgabe. Weimar 1910, S. 61-80, hier S. 72 (Ende der Anm. 1 von S. 71), Albrechts Gefangennahme.].
Die übermittelten Zahlen der getöteten deutschen Adligen betragen 270 [9 Annalista Saxo. Hg. von Georg WAITZ. In: MG SS 6. Hannover 1844 (ND Stuttgart 1980), S. 763.] und 540 [10 Sigeberti Gemblacensis chronographia. Anselmi Gemblacensis continuatio. Hg. von Ludwig Conrad BETHMANN. In: MG SS 6. Hannover 1844 (ND Stuttgart 1980), S. 380.]. Der Bischof von Hildesheim soll das ganze Gefolge – 50 Ritter – verloren haben [11Das berichtet die Chronik des Klosters auf dem Petersberg bei Halle (Lauterbergchronik): Chronicon Montis Sereni. Hg. von Ernst EHRENFEUCHTER. In: MG SS 23. Hannover 1874 (ND Stuttgart 1986), S. 140.], genauso viele der Halberstädter Kirchenfürst [12 So die Merseburger Bischofschronik. Hg. von Roger WILMANS. In: MG SS 10. Hannover 1852 (ND Stuttgart 1987), S. 188. – Daß nur der Halberstädter Bischof die 50 Ritter verlor, meint Wolfgang PETKE: Kanzlei, Kapelle und königliche Kurie unter Lothar III. (1125-1137) (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. BÖHMER, Regesta Imperii 5). Köln/Wien 1985, S. 257 f., 333 mit Anm. 15; R L III., Nr. 118.].
Diese Schlacht ist die einzige, an der der Markgraf nach den Quellen in einem Aufgebot des deutschen Königs teilnahm [13 Er ist in dem Zusammenhang überhaupt erstmals in der Umgebung eines Herrschers nachweisbar.], und nur in diesem Fall gibt es mit den Informationen über den Verlust seiner Mannen, die Verwundung und die Gefangennahme Nachrichten über eine direkte Verwicklung Albrechts in Kampfhandlungen. Die Paderborner Annalen bezeichnen den ASKANIER im Zusammenhang mit dem Gefecht bei Kulm als einen „jungen Mann und Ritter von ausgezeichneter Begabung“ [14 ... egregiae indolis iuvenis et militaris: Annales Patherbrunnenses. Eine verlorene Quellenschrift des zwölften Jahrhunderts aus Bruchstücken wiederhergestellt von Paul SCHEFFER-BOICHORST. Innsbruck 1870, S. 148, danach der Sächsische Annalist (MG SS 6), S. 763, und die Kölner Königschronik. Hg. von Georg WAITZ (MG SS rer. Germ. [18]). Hannover 1880 (ND Hannover 1999), S. 64.].
Im Falle der frühestens in den letzten Tagen des Jahres 1128 ausgebrochenen Spannungen zwischen Albrecht dem Bären und Konrad von Wettin werden keine Kämpfe erwähnt. Die Krise entstand wegen der Propstwahl im Peterskloster auf dem Lauterberg (heute Petersberg) bei Halle, dessen Stiftung der Markgraf von Meißen 1125 vollendet hatte. Zum Nachfolger Herminolds, des ersten Propstes, wurde nämlich jemand gewählt, der mit Angehörigen der familia des ASKANIERS verwandt gewesen sein soll [15 KW, Nr. 14; Lauterbergchronik (MG SS 23), S. 141: Post hunc (Herminold, gest. am 12. 12. 1128 – L. P.) electus est Luderus a fratribus illius temporis contra placitum quidem Conradi marchionis, quoniam prepositus idem familie marchionis Alberti de Brandenburgk consanguinitate iungebatur. Iamque gravis discordia inter prescriptos principes inflammata erat ...].
Der griff 1129 im eigenen Interesse zu den Waffen. Am 4. Dezember 1128 war Heinrich von Stade, der mit Albrechts Schwester Adelheid vermählte Markgraf der Nordmark, ohne Nachkommen gestorben. An den nordmärkischen Gebieten zwischen Elbe und Oder hatte der ASKANIER bereits vor Jahren Interesse gezeigt, als er wohl zwischen 1123 und 1125 seinem erstgeborenen Sohn Otto von Pribislaw-Heinrich, einem Mitglied der auf der Brandenburg residierenden slawischen Dynastie, die Zauche als Patengeschenk übertragen und sich selbst zum Erben des Hevellerfürstentums einsetzen ließ. Auch die Bischof Otto von Bamberg während dessen Pommernmission 1128 durch Albrecht angebotene Unterstützung weist in diese Richtung. Nach dem Tod des Schwagers wollte der ASKANIER wohl nicht nur stadische Besitzungen als Wittum seiner Schwester sichern, sondern Anspruch auf die Nordmark erheben. Deren Übernahme strebten allerdings auch die Vettern des verstorbenen Heinrich an. Einen von ihnen, Graf Udo von Freckleben, betraute der König anscheinend mit der vorläufigen Verwaltung des Gebietes.
Nachdem LOTHAR III., an dessen Hof in Goslar Albrecht am 13. Juni 1129 belegt ist [16 R L III., Nr. 194.], Sachsen verlassen hatte, besetzte und brach der ASKANIER eines Nachts die nördlich von Magdeburg – zwischen Elbeu und Barleben – gelegene Hildagesburg [17 KW, Nr. 16. Annalista Saxo (MG SS 6), S. 766: Adalbertus marchio Hildegesburh quadam nocte cepit et conbussit. Die Nachricht auch in den Magdeburger Annalen. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 183.]. Sie gehörte vermutlich wie Arneburg, Tangermünde, Werben und Salzwedel zu den alten Reichsburgen, die dem Markgrafen der Nordmark unterstanden [18 W. PETKE: Kanzlei (wie Endnote (künftig: EN) 12), S. 353. Er folgt Hans K. SCHULZE: Adelsherrschaft und Landesherrschaft. Studien zur Verfassungs- und Besitzgeschichte der Altmark, des ostsächsischen Raumes und des hannoverschen Wendlandes im hohen Mittelalter (MDF 29). Köln/Graz 1963, S. 185-207, und Wolfgang PODEHL: Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg. Untersuchungen zur mittelalterlichen Verfassungsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung von Altmark, Neumark und Havelland (MDF 76). Köln/Wien 1975, S. 17-29.]. Möglicherweise existiert ein Zusammenhang zwischen diesem Anschlag und dem am 29. und 30. Juni 1129 in Magdeburg wütenden Aufstand gegen Erzbischof Norbert.
Im gleichen Jahr griff Albrecht der Bär auch noch den Turm Gundersleben (bei Wegeleben östlich von Halberstadt) an, wurde aber von Anhängern des Königs zurückgeschlagen [19 KW, Nr. 17 (hier die Identifizierung mit der Wüstung Gundersleben nordwestl. von Wegeleben östl. von Halberstadt); R L III., Nr. 209 (dort wird daneben Gunsleben westnordwestl. von Oschersleben erwogen); Annalista Saxo (MG SS 6), S. 766: Adelbertus marchio turrim Gunderslevo obsedit, a qua per amicos regis pellitur. Die Nachricht auch in den Pöhlder Annalen. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 78. Hufen in Gundersleben und Wegeleben – also wohl in dem einst neben diesem Ort liegenden Gundersleben – trugen die Grafen Otto und Heinrich von Anhalt 1267 dem Magdeburger Erzstift zu Lehen auf (CDA 2 (Dessau 1875 (ND Osnabrück 1986)), Nr. 330).]. Spätestens jetzt scheint der ASKANIER also bei der Verfolgung seiner Interessen ein mögliches Zerwürfnis mit dem Herrscher in Kauf genommen zu haben. Nach Wolfgang Petke galt Albrechts Operation Udo von Freckleben, oder sie stand im Zusammenhang mit der Wahl von Albrechts Vertrautem und Verwandtem Martin zum Bischof in Halberstadt [20 R L III., Nr. 209; W. PETKE: Kanzlei (wie EN 12), S. 338 mit Anm. 43, 354 mit Anm. 42. Martin konnte sich – wie auch bei seiner zweiten Kandidatur 1135/36 – nicht als Bischof von Halberstadt durchsetzen.].
Am 15. März 1130 erreichte der Konflikt schließlich seinen Höhepunkt. Bei Aschersleben fochten Mannen Albrechts des Bären gegen Graf Udo von Freckleben, erschlugen ihn, verwundeten Angehörige des stadischen Gefolges und nahmen sie in Haft [21R L III., Nr. 236; Annalista Saxo (MG SS 6), S. 766: Udo comes de Frekenleve, filius Rodolfi marchionis, aput Aschersleve ab hominibus Adalberti marchionis occisus est, pluresque de parte eius capti ac vulnerati sunt, Idus martii. Weitere Quellen bei KW, Nr. 17 a, wo vermutet wird, daß Udo das von der Burg Freckleben 9 km entfernte askanische Aschersleben angreifen wollte.]. Damit verlor der ASKANIER die Gunst des Königs endgültig. Die Nordmark ging noch 1130 an Konrad von Plötzkau, und im nächsten Jahr entzog LOTHAR III. Albrecht die Lausitz, die Heinrich von Groitzsch erhielt. Der ASKANIER war somit wieder auf den Rang eines Grafen von Ballenstedt zurückgestuft; er hätte ohne weiteres in der historischen Bedeutungslosigkeit versinken können. Doch es sollte anders kommen.
Auf LOTHARS Italienzug 1132/33 wurde durch den Tod des Grafen Konrad von Plötzkau die Nordmark wieder vakant, mit der der in Rom zum Kaiser gekrönte Herrscher Anfang 1134 Albrecht den Bären belehnte. Der hatte den SÜPPLINGENBURGER ebenfalls über die Alpen begleitet und sich dabei ausgezeichnet [22 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 768: Marchiam Conradi, videlicet septentrionalem, pro studioso sibi exhibito obsequio in Romano itinere concessit.]. Welcher Art die Verdienste Albrechts in Italien waren, erfahren wir nicht. Es ist anzunehmen, daß er sich bei militärischen Operationen [23 Über solche berichten R L III., Nr. 317, 326 f., 340, 360.] hervortat.
Als Markgraf der Nordmark hatte der ASKANIER sein Augenmerk vor allem wieder auf die Gebiete östlich der Elbe zu richten. Zum Jahre 1136 melden die Quellen einen Slaweneinfall nach Sachsen. Albrecht setzte deshalb mehrmals Streitkräfte gegen die Feinde in Marsch, um deren Lande zu entvölkern [24 Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 163: Irruptio Sclavorum in partes Saxoniae; contra quos Athelbertus marchio exercitum movens, terram eorum non semel hostiliter invasit et depopulatus est. Die Nachricht auch in den Hildesheimer Annalen (MG SS rer. Germ. [8]), S. 69, und beim Annalista Saxo (MG SS 6), S. 770.]. Mit dem Angriff könnte die Aktion der Söhne des Slawenfürsten Wirikind von Havelberg gegen diesen Ort gemeint sein, wobei dessen Kirche zerstört wurde [25 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 770: Havelberga capta est a filiis Widikindi, et ecclesia destructa. Die Nachricht auch in den Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 186.]. Die betreffende Information geht beim sächsischen Annalisten der Meldung über den Einfall und die dadurch ausgelösten Vergeltungszüge Albrechts unmittelbar voraus. Auf Grund der Einordnung der Nachrichten in den Quellen ist die erste dieser Aktionen des Markgrafen in den Juli 1136 datiert worden [26 W. BERNHARDI: Lothar (wie EN 8), S. 600 f. mit Anm. 27; KW, Nr. 47.]. Daß der ASKANIER bei seinen Unternehmungen Havelberg eroberte [27 So Otto VON HEINEMANN: Albrecht der Bär. Eine quellenmäßige Darstellung seines Lebens. Darmstadt 1864 (ND Bernburg 2001, erschienen 2002), S. 106 – in der Anm. 46 auf S. 345 fügt er hinzu, daß diese Besetzung Havelbergs noch nicht von Dauer war –, und Fritz CURSCHMANN: Die Diözese Brandenburg. Untersuchungen zur historischen Geographie und Verfassungsgeschichte eines ostdeutschen Kolonialbistums (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg). Leipzig 1906, S. 90.], sagen die Schriftzeugnisse nicht.
Zu 1137 berichten die Paderborner Annalen von einem Beutezug Albrechts des Bären ins Slawenland [28 Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 165: Marchio Athelbertus, collecta valida manu, hiemali tempore terram Sclavorum praedabundus perambulat.],  den ich in den Anfang des Jahres setze und u. a. deshalb annehme, daß der Markgraf Kaiser LOTHARS zweitem Italienzug fernblieb [29 L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 58-62.].
Der Tod des Herrschers nach der Rückkehr über den Brenner im Dorf Breitenwang in Tirol am 4. Dezember 1137 leitete einen der turbulentesten Abschnitte im Leben des ASKANIERS ein. Da LOTHAR keine männlichen Nachkommen hinterließ, hatte er seinen Schwiegersohn, den bayrischen Herzog Heinrich den Stolzen aus dem Hause der WELFEN, als Nachfolger in Sachsen und wohl auch für den deutschen Thron vorgesehen. Als die Kaiserin-Witwe Richenza für den 2. Februar 1138 einen Fürstenkonvent nach Quedlinburg einberief, sollte es wohl um die Realisierung dieser Pläne gehen. Doch Albrecht hatte andere und verhinderte die Zusammenkunft mit Gewalt, indem er die dafür bereits angelegten Vorräte vernichten, Richenza den Zugang zu dem Harzort sperren sowie plündern und brennen ließ [30 Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 165 f.: Imperatrix Richeza indixit conventum principum in festo purificationis sanctae Mariae Quidilingaburg. Qui conventus impeditus est ab Athelberto marchione et suis commanipularibus, tollentibus omne servitium imperatricis, quod ibi habere debuit, et introitum in urbem ei prohibentibus et plurima dampna tam rapinis, quam incendiis ei inferentibus. Die Nachricht auch beim Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776, und in der Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 75; KW, Nr. 59.]. Damit eröffnete er den Kampf gegen den WELFEN um Sachsen  und empfahl sich der Fürstenpartei, die die Thronbesteigung Heinrichs des Stolzen verhindern wollte. Nachdem der bayrische Herzog dem von dieser Fraktion im März 1138 zum neuen deutschen Herrscher erhobenen KONRAD III. die Huldigung verweigert hatte, entzog ihm der STAUFER Sachsen [31 Albrecht der Bär war der Sohn von Eilika, deren Schwester Wulfhild die Mutter Heinrichs des Stolzen. Bei den beiden Frauen handelt es sich um die Erbtöchter von Magnus, dem letzten sächsischen Herzog aus dem Hause der BILLUNGER. Als der 1106 ohne männliche Nachkommen gestorben war, hatte HEINRICH V. Sachsen dem Grafen Lothar von Süpplingenburg (bei Helmstedt) übergeben.], das Albrecht der Bär wohl im Juli des Jahres empfing.
Damit begann eine der an kriegerischen Aktionen reichsten Zeiten und der offenbar schwierigste Abschnitt im Leben des ASKANIERS [32 Zu Albrecht als Herzog von Sachsen s. auch: Lutz PARTENHEIMER: Albrecht der Bär, Konrad III. und die Partei Heinrichs des Stolzen im Kampf um das Herzogtum Sachsen (1138-1142). In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde (künftig: MVAL) 4/1995, S. 78-112.]. Die wichtigsten ostsächsischen Großen unterstützten gemeinsam mit Richenza Heinrich den Stolzen im Kampf gegen den vom König eingesetzten neuen Herzog. Die Quellen nennen Erzbischof Konrad von Magdeburg, Konrad von Wettin [33 Er hatte zur Mark Meißen 1136 von Kaiser LOTHAR III. auch noch die Lausitz erhalten, nachdem deren Markgraf Heinrich von Groitzsch im Vorjahr ohne männliche Nachkommen gestorben war.], den sächsischen Pfalzgrafen Friedrich von Sommerschenburg sowie die Grafen Rudolf von Stade, Siegfried von Boyneburg und Adolf II. von Holstein. Die Grafen Hermann von Winzenburg [34 Nordwestlich von Bad Gandersheim. Hermann war vermutlich der Bruder von Albrechts Gemahlin Sophia.] und Bernhard von Plötzkau [35 Südwestlich von Bernburg. Bernhard war der Bruder vom Vorgänger des ASKANIERS in der Nordmark.] erscheinen dagegen ebenso wie Heinrich von Badwide zunächst als Parteigänger Herzog Albrechts des Bären. Der wurde auch von seiner Mutter unterstützt.
Zunächst konnte der ASKANIER die Gegner 1138 bei einem heute nicht mehr bekannten Ort Mimirberg überwinden und Gefangene einbringen [36 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Siquidem animis accensis Conradus marchio, Fridericus palatinus comes, Sifridus comes de Boumeneburh, Rodolfus comes de Stadhen, instigante eos inperatrice Richeza, condixerunt, ut pariter venientes adversus Adalbertum marchionem dimicarent. Anticipavit ille manum inimicam in loco qui dicitur Mimirberh, et inopinate victor existens, plures adversariorum captivavit. Pöhlder Annalen (MG SS 16),S. 80: Cui (Konrad III. – L. P.) a nonnullis contradicitur, precipue Saxonie principibus, quia ducatum regionis ipsius absque consilio eorum Adelberto marchioni concesserat, volens eo privare ducem Heinricum sibi contrarium. Hinc denique animis accensi Conradus marchio, Fridericus palatinus, Sifridus et Rodolfus comites, instigante eos regina Richence, condixerunt ut pariter venientes dimicarent adversus marchionem Adelbertum. Anticipavit ille manum inimicam, et inopinate victor existens plures adversariorum captavit. Sächsische Weltchronik (MG, Deutsche Chroniken 2), S. 211: Dat (die Übergabe Sachsens an Albrecht – L. P.) clagede diu koninginne (Richenza – L. P.) iren vrunden, deme marcgreven Conrade, palenzgreven Friderike, greven Sifride unde greven Rodolve. Se quemen to stride wider den marcgreven (Albrecht – L. P.); de gewan den sege unde vieng ere vile. KW, Nr. 64 a, Nr. 65.]. Im gleichen Jahr gelangen Albrecht dem Bären nach der um 1170 verfaßten Slawenchronik des Pfarrers Helmold von Bosau [37 Am Plöner See zwischen Kiel und Lübeck.] weitere Erfolge. Der Herzog eroberte Lüneburg, Bardowick (nördlich von Lüneburg), Bremen, Westsachsen und Nordelbingen. Dort ersetzte er den Grafen Adolf II. von Holstein, der nicht auf Albrechts Seite übertreten wollte, durch Heinrich von Badwide. Der konnte auch die von Kaiser LOTHAR 1134 angelegte Burg Segeberg [38 Westlich von Lübeck. R L III., Nr. 399.] in seine Hand bringen [39 KW, Nr. 66 f.; Helmoldi presbyteri Bozoviensis cronica Slavorum. Hg. von Bernhard SCHMEIDLER (MG SS rer. Germ. [32]). 3. Aufl., Hannover 1937, I, 54: Statim enim, ut corpus defuncti cesaris perlatum est in Saxoniam et Lutture tumulatum, ortae sunt sediciones inter Heinricum regis generum et Adelbertum marchionem, contendentium propter ducatum Saxoniae. Conradus autem rex in solium regni levatus Adelbertum in ducatu firmare nisus est, iniustum esse perhibens quemquam principum duos tenere ducatus. Nam Heinricus duplicem sibi vendicabat principatum, Bawariae atque Saxoniae. Bellabant igitur hii duo principes, duarum sororum filii, intestinis preliis, et commota est universa Saxonia. Et quidem Adelbertus preripiens castrum Lunenburg cum civitatibus Bardewich atque Brema, occidentali Saxonia potitus est. Sed et Nordalbingorum fines partibus eius appliciti sunt. Quam ob rem comes Adolfus provincia pulsus est, eo quod fidem iuratam imperatrici Rikenze et genero eius temerare noluisset. Comeciam eius, urbes et servitia Heinricus de Badwide beneficio Adelberti assecutus est. Sed et castrum Sigeberg in custodiam accepit, mortuo scilicet Herimanno ceterisque exturbatis, quos cesar imposuerat.].
1138 erlitt die askanische Partei allerdings auch schon ihre erste überlieferte Niederlage. Die Gegner steckten die Bernburg, auf der Albrechts Mutter residierte, in Brand [40 KW, Nr. 67 a; Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Castrum quod Berneburh dicitur, igne crematum est propter tirannidem, quam inde marchionissa Eilica exercebat. Diese Nachricht auch in den Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 186.]. Nun kam König KONRAD nach Sachsen, um die Anerkennung des askanischen Herzogs durchzusetzen. Doch die meisten Großen der Region boykottierten seine Hoftage am 5. Januar 1139 in Goslar und am 2. Februar in Quedlinburg. Deshalb ordnete der Herrscher gegen sie zum Sommer einen Feldzug an und verließ den Norden. Grund für den königlichen Rückzug war wahrscheinlich die Ankunft Heinrichs des Stolzen in Sachsen.
Der wandte sich nun sofort gegen Herzog Albrecht und eroberte zunächst mit Unterstützung des Grafen Rudolf von Stade und der Kaiserin-Witwe Richenza Lüneburg zurück [41 Stader Annalen. Hg. von Johann Martin LAPPENBERG. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 323: Hinricus dux, gener LOTHARII regis, auxilio socrus sue Rikenze imperatricis castrum Luneburg obsedit cum Rodulfo comite ...]. Nach Ostern 1139 traf es auch die askanischen Parteigänger, zunächst den Grafen Bernhard von Plötzkau, dessen Stammburg der WELFE mit Erzbischof Konrad von Magdeburg und weiteren Fürsten nach einer Belagerung einnahm und zerstörte [42 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Post pascha (23. 4. 1139 – L. P.) Conradus archiepiscopus cum duce Heinrico et aliis principibus Plozeken, castrum Bernhardi comitis, eo quod fautor esset marchionis (Albrecht – L. P.), obsedit, cepit, destruxit. Diese Nachricht auch in den Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 186. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Et quidem Heinricus militari copia prevalens Adelberto, civitates eius et castella obsedit, expugnavit et delevit; Plozeken quoque, Bernhardi comitis urbem, demolitus est, eo quod faveret marchioni (Albrecht – L. P.).]. Graf Hermann von Winzenburg wurde unterdessen vom Grafen Siegfried von Boyneburg bezwungen [43 Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 167: Herimannus etiam de Winceburg, a rege suscipiens bona minus sibi profutura, beneficia scilicet ad regia vexilla pertinentia, quae hactenus comes Sigifridus de Homburg possederat, ab ipso comite plurimis proeliis lascescitur, devincitur; ... Diese Nachricht auch in der Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 76.]. Der von Herzog Albrecht dem Bären als Graf von Holstein eingesetzte Heinrich von Badwide mußte Adolf II. weichen, nicht ohne jedoch vorher die Burgen Hamburg und Segeberg anzustecken [44 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]) I, 56: Adolfus comes rediit in comeciam suam. Videns autem Heinricus de Badewid, quia subsistere non potest, succendit castrum Sigeberg arcemque firmissimam Hammemburg, quam comitis Adolfi mater murato opere construxerat, ut esset firmamentum urbi contra impetus barbarorum. Hanc igitur domum et quicquid nobile senior Adolfus construxerat Heinricus fugam meditans demolitus est. – Weitere Quellenpassagen, in denen ohne Nennung von Einzelheiten allgemein über die Kämpfe in Sachsen berichtet wird, hat Wilhelm BERNHARDI: Konrad III. Jahrbücher der Deutschen Geschichte. Leipzig 1883 (ND Berlin 1975), S. 79 f., Anm. 10, zusammengestellt.]. Pfalzgraf Friedrich von Sachsen und Graf Rudolf von Stade plünderten – wahrscheinlich im Frühjahr oder Sommer 1139 – das im Vorjahr von der askanischen Partei besetzte Bremen, während dessen Erzbischof auf einer Romreise weilte [45 Stader Annalen (MG SS 16), S. 324 (unmittelbar nach der Notiz über die ausgefallene Schlacht bei Creuzburg – zu ihr weiter unten): Interea Rodulfus comes et Fridericus palatinus adunata manu Bremam profecti, totam depopulati civitatem sunt archiepiscopo Alberone Romam profecto. – Nach Auffassung W. BERNHARDIs: Konrad III. (wie vorige EN), S. 115 mit Anm. 32, mußte die Stadt dafür büßen, daß sich ihr Erzbischof auf Albrechts Seite gestellt hatte. – O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 27), S. 354 f., Anm. 115, und Richard G. HUCKE: Die Grafen von Stade 900-1144. Genealogie, politische Stellung, Comitat und Allodialbesitz der sächsischen Udonen. Stade 1956, S. 110, verbinden diesen Überfall mit den Bremer Ereignissen vom 1. 11. 1139 (dazu weiter unten).].
Der gegnerische Druck wurde so stark, daß Albrecht mit seinen Anhängern Sachsen räumen mußte. Inzwischen bereitete König Konrad den angekündigten Feldzug vor. Zu Pfingsten (Ende Mai) 1139 fand ein Hoftag in Straßburg statt. Dort waren von den Großen des Reiches die Metropoliten von Trier und Besan¸on, die Bischöfe von Havelberg, Brandenburg, Worms, Würzburg, Metz, Toul, Basel, Lüttich und Münster, Abt Wibald von Stablo sowie die Herzöge von Schwaben, Oberlothringen und Zähringen. Sie beschworen ihre Teilnahme an dem bevorstehenden Feldzug gegen die widerspenstigen Sachsen.
Ende Juli/Anfang August 1139 versammelte sich das Heer beim Kloster Hersfeld in Hessen. Ihm gehörten u. a. die Metropoliten von Mainz und Trier, die Bischöfe von Speyer, Würzburg, Worms und Naumburg, die Herzöge Leopold von Bayern [46 Am 5. 1. 1139 war Heinrich dem Stolzen auch das Herzogtum Bayern aberkannt worden, das der STAUFER seinem Halbbruder Markgraf Leopold IV. von Österreich verlieh.], Albrecht von Sachsen und Sobeslaw von Böhmen, Landgraf Ludwig von Thüringen sowie die Grafen Hermann von Winzenburg, Sigebodo von Scharzfeld [47 Am südwestlichen Harzrand.] und Ernst [48 Nach W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 110 mit Anm. 20, der Graf von Gleichen. Nach der Burg Gleichen bei Wandersleben (südöstlich von Gotha) nannten sich die Grafen von Tonna (Gräfen- und Burgtonna nördlich von Gotha) erstmals 1162.] an. Es wird berichtet, daß der Trierer Erzbischof 500 Ritter ins Feld führte, obgleich er nur 20 zu stellen brauchte [49 Gesta Alberonis archiepiscopi auctore Balderico. Hg. von Georg WAITZ. In: MG SS 8. Hannover 1848 (ND Leipzig 1925), S. 252.]. Wahrscheinlich Mitte August 1139 traf das Aufgebot des Königs bei Creuzburg an der Werra auf die Scharen Heinrichs des Stolzen. Allerdings kam es nicht zu der Schlacht, von der sich Albrecht der Bär seine Anerkennung als sächsischer Herzog versprach. Man vereinbarte einen bis Pfingsten 1140 befristeten Waffenstillstand, wobei die Initiative dazu vor allem von den Bischöfen ausgegangen sein soll [50 Obwohl der Erzbischof von Trier für seine Teilnahme am Sachsenfeldzug endlich die von ihm lange begehrte Reichsabtei St. Maximin durch KONRAD III. erhalten hatte, soll vor allem er für die Vermeidung des Kampfes plädiert haben, während der Mainzer Metropolit zur Schlacht drängte, wobei er sicher von Herzog Albrecht dem Bären unterstützt wurde, s. W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 88-97, 112 f.]. Der König forderte die sächsischen Fürsten auf, im Februar des nächsten Jahres auf einem Reichstag in Worms zu erscheinen. 30 Wagenladungen Wein, die der Erzbischof von Trier eigentlich für die Siegesfeier mitgeführt hatte, wurden aus Anlaß der vereinbarten Waffenruhe an beide Seiten verteilt und getrunken [51 Gesta Alberonis (MG SS 8), S. 252. – Über das „Treffen“ bei Creuzburg berichten u. a. auch die Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 168; der Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776 f.; die Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 76 f.; die Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 186; die Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80; die Pegauer Annalen. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 257 f.; Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 56; die Stader Annalen (MG SS 16); S. 323 f., und die Sächsische Weltchronik (MG Deutsche Chroniken 2), S. 211; KW, Nr. 75.].
So schwanden Albrechts Hoffnungen, mit militärischer Hilfe durch den König die Anerkennung als sächsischer Herzog zu erzwingen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wechselten seine bisherigen Anhänger Graf Hermann von Winzenburg und Graf Bernhard von Plötzkau die Front [52 Zum WINZENBURGER Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 167 (unmittelbar im Anschluß an die in EN 43 zitierte Passage): ... unde et viribus diffidens, datis sacramentis, tam duci quam comiti reconciliatur. Diese Nachricht auch in der Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 76 (in Fortsetzung der in EN 43 genannten Stelle); zum PLÖTZKAUER: Paderborner Annalen (wie EN 14), S. 167: Tunc Bernhardus de Pluozeke, cognatus imperatricis, licet sero poenitentia ductus, tandem post subversionem urbis et distractionem facultatem suarum domnam imperatricem adiit, pro admissa infidelitate veniam petiit et impetravit. So auch die Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 76; KW, Nr. 75. Die Paderborner Annalen und danach die Kölner Königschronik melden den Frontwechsel der beiden zwar schon zu 1138, aber da sie Ende Mai 1139 bei Albrecht dem Bären sind (KW, Nr. 71) und der WINZENBURGER am Sammelplatz des königlichen Heeres Ende Juli/Anfang August 1139 zu Hersfeld erscheint (MG, Diplomata regum et imperatorum Germaniae (Die Urkunden der Könige und Kaiser Deutschlands). Bd. 9: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich. Hg. von Friedrich HAUSMANN. Wien/Köln/Graz 1969 (ND München 1987), Nr. 33 f.), erfolgte ihr Abfall von dem ASKANIER wohl nicht davor. Vielleicht ist allerdings die Nichterwähnung des PLÖTZKAUERS in Hersfeld ein Indiz dafür, daß er den Askanier doch schon vor dem Feldzug des Staufers nach Sachsen verließ. – S. auch W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 115, Anm. 31; KW, Nr. 75.]. Wie sich Heinrich von Badwide verhielt, wissen wir nicht [53 Von ihm ist erst wieder nach dem Ende des ganzes Krieges um Sachsen etwas zu hören. Er einigte sich mit dem neuen Herzog, Heinrich dem Löwen, sowie Graf Adolf II. von Holstein und wurde Graf von Ratzeburg (Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 56).].
Trotzdem schien sich das Blatt noch einmal zugunsten des ASKANIERS zu wenden, denn am 20. Oktober 1139 starb Heinrich der Stolze plötzlich im Alter von etwa 35 Jahren in Quedlinburg. Sofort versuchte Albrecht der Bär, wieder als Herzog aufzutreten. Am 1. November des Jahres erschien er in Bremen, um dort während des Marktes Gericht zu halten. Doch nach dem Tod des WELFEN hatte offenbar dessen Schwiegermutter, die Kaiserin-Witwe Richenza, in der anti-askanischen Front die Initiative übernommen. Sie wollte Sachsen für ihren Enkel, den noch unmündigen Sohn Heinrichs des Stolzen – den späteren Heinrich den Löwen –, retten. Um ein Haar wäre Albrecht der Bär in Bremen von Anhängern Richenzas gefangengenommen worden. Im letzten Moment konnten ihm einige seiner Getreuen die Flucht ermöglichen [54 Paderborner Annalen, S. 168: Athelbertus marchio morte ducis exhilaratus, cum forum apud Bremam circa festum omnium sanctorum (1. 11. – L. P.) gloriabundus adiret, ut a turbis ibi confluentibus magnifice quasi dux patriae susciperetur, ab amicis imperatricis circumventus, fuga usus vix cum paucis suorum evasit. Diese Nachricht auch in der Kölner Königschronik (MG SS rer. Germ. [18]), S. 77. Annalista Saxo (MG SS 6), S. 777: Tunc (nach der Notiz über Heinrichs des Stolzen Beisetzung – L. P.) Adalbertus, estimans se ammodo ducatu libere potiturum, cum forum aput Bremam in festo omnium sanctorum adiit, loco conpetenti placitum habiturus; hic angustiatus, matura sibi quorumdam familiarium ope fretus, ab amicis mirabiliter ereptus, amicis illesus est restitutus. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Duce (Heinrich der Stolze – L. P.) autem paulo post (nach der ausgefallenen Schlacht bei Creuzburg – L. P.) veneno extincto, Adelbertus estimans amodo se ducatu libere potiturum, cum episcopatum Bremensem tempore gloriabundus adiret, quasi dux patrie a turbis suscipiendus, adversariorum insidiis circumventus, fuga usus vix cum paucis suorum evasit. KW, Nr. 77. – Zu 1155 ist auch für Heinrich den Löwen überliefert, daß er den Bremer Markt am 1. November zur Machtdemonstration nutzte (Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 83).]. Ob es dabei zu regelrechten Kampfhandlungen kam, wissen wir nicht, zumindest ein Handgemenge scheint aber stattgefunden zu haben.
Nun wandte sich das Schicksal erst richtig gegen Herzog Albrecht. Seine Gegner suchten 1140 die Entscheidung zu erzwingen, indem sie die askanischen Stammlande angriffen. Dort wurden vermutlich im Januar [55 W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 130, Anm. 5.] die Burgen Gröningen, Anhalt, Jabilinze und Wittecke von Angehörigen der welfischen Partei genommen und zerstört [56  Magdeburger Jahrbücher (MG SS 16), S. 187: Eodem etiam anno (1140 – L. P.) obsesse sunt et destructae munitiones iste, Groninge, Anehalt, Gebelinzi, Witekke. So auch die Pegauer Annalen (MG SS 16), S. 258, und die Lauterbergchronik (MG SS 23), S. 145.]. Den ersten der genannten Plätze hatte Pfalzgraf Friedrich von Sachsen angegriffen und sieben Tage belagert [57 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Fridericus palatinus comes oppidum Groninge non parve munitionis obsidens, intra septem dies cepit et diruit. Gröningen liegt nordwestlich von Halberstadt, an der Bode. Die Burg befand sich westlich des Ortes östlich des Flusses, s. Paul GRIMM: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg (Handbuch vor- und frühgeschichtlicher Wall- und Wehranlagen 1 = Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte 6). Berlin 1958, Nr. 938.]. Er war offenbar auch – anscheinend mit Erzbischof Konrad von Magdeburg – vor die Burg Anhalt gezogen [58 Nach der Meldung von der Eroberung Gröningens durch den Pfalzgrafen (s. vorige EN) und der Zerstörung Jabilinzes seitens des Metropoliten (s. nächste EN) setzen die Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80, fort: His omnibus necdum contenti, predicti principes marchionem patria eliminaverunt, Anaheld urbem ipsius incendentes. Im Falle der Burg Anhalt ist die Nachricht von der Zerstörung zugleich die älteste überlieferte schriftliche Erwähnung der heute nur noch als Ruine auf dem Großen Hausberg über dem Selketal südlich von Ballenstedt im Harz erhaltenen zweiten Stammburg der ASKANIER. Albrecht der Bär heißt auf einer seiner Münzen ADELBERTVS + MARCHIO + ANEHALDENSI(S). 1170 – noch vor dem Tod des alten ASKANIERS – nennt sich mit Bernhard, dem jüngsten Sohn des Markgrafen, erstmals ein Angehöriger des Geschlechts urkundlich nach der Burg Anhalt, die dabei (sicher wieder aufgebaut) zum zweiten Male in den Schriftquellen erscheint. Seit 1212 existiert mit der Grafschaft Anhalt eine von damals mehreren eigenständigen Herrschaften der Familie, deren Inhaber 1215 erstmals den Fürstentitel führt. Die Anhalt wurde zur zweiten Stammburg der Dynastie, während Aschersleben nach 1315 an das Bistum Halberstadt verlorenging. Der Erbauer der 1140 im Besitz Albrechts des Bären befindlichen Burg ist nicht bekannt; in Frage kommen neben dem Markgrafen einer seiner Vorfahren, ein anderes Adelsgeschlecht oder das Königtum. Nach dem Verlust der askanischen Territorialherrschaften Mark Brandenburg (1319/20), Grafschaft Weimar-Orlamünde (14. Jh.), Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg (1422), Herzogtum Sachsen-Lauenburg (1689) blieb dem Haus nur das Fürstentum Anhalt. Dies erfuhr 1603 eine Hauptteilung in die Linien Anhalt-Zerbst (erloschen 1793), Anhalt-Köthen (erloschen 1847), Anhalt-Bernburg (erloschen 1863) und Anhalt-Dessau. 1806/07 nahmen die Fürsten den Herzogstitel an. Von 1863 bis 1918 bestand das durch das Aussterben der genannten Zweige wiedervereinigte Herzogtum Anhalt. Prinz Eduard von Anhalt, der Sohn des letzten Herzogs Joachim Ernst, ist der letzte ASKANIER.]. Jabilinze wurde von dem Kirchenfürsten zerstört [59 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Conradus Magdeburgensis presul Iabilince municipium Sifridi comitis, quem Adelbertus marchio propter coniurationem adversum se factam captum occidi iusserat, et per absolutionem fratris eius Baderici cum eo pariter vincti, municipium idem in suum ius receperat: hoc ergo episcopus circumvallavit, ac expugnatum terre coequavit. KW, Nr. 78 f. Die bisher nicht lokalisierte Burg Jabilinze wird von Helmut ASSING: Die Anfänge askanischer Herrschaft in den Gebieten östlich der Elbe. In: Friedrich BECK/Klaus NEITMANN (Hg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott ENDERS zum 70. Geburtstag (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs 34). Weimar 1997, S. 21-35, hier S. 28 mit Anm. 63, westlich der Elbe in der Nähe von Dornburg vermutet. Dazu paßt, daß „Jabilinze“ auf das slawische Wort für „Apfelbaum“ zurückzuführen ist (Inge BILY: Ortsnamenbuch des Mittelelbegebietes (Deutsch-slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte 38). Berlin 1996, S. 167 f.) und westlich von Dornburg (auf dem rechten Elbufer gegenüber von Frohse – bei Schönebeck) ein „Apfelwerder“ liegt. Andere bekannte Besitzungen des Hauses Jabilinze – Salbke, Dornburg, Mühlingen – befinden sich nordwestlich, östlich und südlich von Schönebeck.], im Falle Witteckes sind die Angreifer in den Quellen nicht genannt. Sollte diese Burg richtig lokalisiert sein [60 Nach P. GRIMM: Burgwälle (wie EN 57), Nr. 1324, hätte G. H. Pertz Wittecke südwestlich von Groß-Quenstedt lokalisiert. G. H. Pertz (MG SS 16), S. 258, Anm. 72, sagt jedoch nur „ad Holtemmam“. Die Bestimmung des Standortes auf der Flur „Widecke“ an der Grenze der Groß-Quenstedter Feldmark am Fuße des Warmholzberges auf einem zur Holtemme schroff abfallenden Hügel ohne Befestigungsreste geht auf Fr. SCHLEMM: Die Obervögte von Halberstadt ... In: Leopold von Ledebur (Hg.): Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates 13/1834, S. 108, zurück, s. W. BERNHARDI: Konrad III. (wie EN 44), S. 128 f., Anm. 2.], lag sie in der Nähe von Gröningen. Dann kann vermutet werden, daß beide Plätze Ziele eines Feldzuges waren. In dem Fall dürfte auch Wittecke vom Pfalzgrafen gebrochen worden sein. Schließlich erfahren wir noch zu 1140, daß Graf Rudolf von Stade die Mark Albrechts des Bären besetzte, nachdem er namentlich nicht genannte Burgen genommen hatte [61 Stader Annalen (MG SS 16), S. 324: Principes Albertum marchionem, qui ducatum a rege acceperat, patria expellunt; cuius marcam Rodulfus comes adeptis urbibus occupavit. Hier dürften Burgen in der Altmark, evtl. aber auch östlich der Elbe gemeint sein. – KW, Nr. 79, faßt alle Schläge, die Albrecht 1140 hinnehmen mußte, zusammen.]. Wieviele Dörfer und größere Orte neben den befestigten Plätzen vor dem Hintergrund dieser Kämpfe leiden mußten, sagen die Quellen nicht. Sie berichten in dem Zusammenhang aber von einer Hungersnot [62 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 80: Animositate principum Saxonie contra regem suosque amicos nullatenus desinente, magna famis necessitas huic ingruit provincie.]. Sicher wurden Dörfer geplündert und angesteckt sowie Viehherden weggetrieben. Im Sommer brannte man nicht selten sogar die Felder ab. Das waren Mittel der damaligen Kriegführung zur Schwächung der gegnerischen Wirtschaftskraft.
Nach diesen Niederlagen verließ Herzog Albrecht Sachsen erneut. Seit April/Mai 1140 hören wir ein ganzes Jahr lang nichts von ihm. Der auf dem Würzburger Hoftag von Ende Mai 1141 angekündigte zweite Feldzug KONRADS III. gegen die Sachsen kam im Gegensatz zum 1139 unternommenen ersten Versuch gar nicht zustande. Herzog Leopold von Bayern, auf dessen Hilfe sein königlicher Halbbruder setzte, erkrankte. Außerdem legten einige Bischöfe und Fürsten dem Herrscher einen Verzicht auf kriegerische Maßnahmen nahe. Darüber hinaus riet Erzbischof Markolf von Mainz Albrecht dem Bären zur Aufgabe der Herzogswürde und zu Verhandlungen mit der WELFEN-Partei über die Rückkehr nach Sachsen. Angesichts der Situation blieb dem ASKANIER wohl keine Wahl. Am 14. September 1141 erscheint er in einer Königsurkunde letztmals als Herzog von Sachsen. Seit dem 20. Januar 1142 wird er wieder als Markgraf bezeichnet. Im Mai dieses Jahres belehnte der STAUFER in Frankfurt den jungen Heinrich den Löwen mit dem Herzogtum Sachsen.
In Kriegshandlungen verwickelt finden wir Albrecht den Bären dann erst wieder Mitte August 1146. Gemeinsam mit Konrad von Wettin machte er damals von Sachsen aus einen Feldzug mit, durch den der deutsche König polnische Thronstreitigkeiten regeln wollte [63Herzog Wladislaw II., verheiratet mit der BABENBERGERIN Agnes, einer Halbschwester KONRADS III., war von seinen Brüdern aus Polen vertrieben worden und hatte den STAUFER um Unterstützung gebeten.]. Das Unternehmen blieb aber stecken, und beide Markgrafen rieten zu einer Verhandlungslösung [64 Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 188: Rex autem cum principibus Saxoniae colloquio habito, mense Augusto coadunato exercitu Poloniam ad restituendum ducem (Wladislaw II.) aggressus est. Fratres vero premunitas ingenti exercitu itineris semitas observabant, regi prohibentes introitum. Tandem consilio Adalberti et Conradi marchionum, obsidibus datis vicissim, regem adeunt, iuniore fratre obside dato aut promissa pecunia, patriam ab ipso suscipiunt; sicque rex reversus est.].
1147 führte Markgraf Albrecht maßgeblich die Expedition, die vor allem ostsächsische Fürsten statt einer Beteiligung am zweiten Kreuzzug in den Orient gegen die Slawen zwischen Elbe und Oder unternahmen. Die Aktion diente wohl vor allem dem Abstecken der Interessensphären bei der Wiederbesetzung dieser Gebiete. Für den sogenannten Wendenkreuzzug wurden zwei Heere gebildet. Das nördliche Kontingent mit angeblich 40.000 Mann wandte sich unter Führung von Heinrich dem Löwen, Herzog Konrad von Zähringen, dem Bremer Metropoliten Adalbert, Bischof Dietmar von Verden und Dompropst Hartwig von Bremen mit dänischer Unterstützung gegen die Obodriten im Schweriner Raum. Die südliche, größere Heeresgruppe operierte gegen die Lutizen. Hier sprechen die Quellen von 60.000 Mann. Ihre Führer waren die Markgrafen Albrecht der Bär von der Nordmark – der von seinen beiden ältesten Söhnen Otto und Hermann begleitet wurde – sowie Konrad von Meißen und der Lausitz, die Pfalzgrafen Hermann bei Rhein und Friedrich von Sachsen sowie drei mährische Fürsten. Dazu kamen der Magdeburger Metropolit Friedrich, die Bischöfe Anselm von Havelberg, Wigger von Brandenburg, Reinhard von Merseburg, Werner von Münster, Rudolf von Halberstadt und Heinrich von Olmütz sowie Abt Wibald von Stablo und Corvey. Auch Graf Otto von Hillersleben (nordwestlich von Magdeburg) und dessen Bruder, der Magdeburger Domherr Dietrich, gehörten zur Gruppe der südlichen Streitkräfte. Geplant war ein Zusammenwirken mit polnischen Kontingenten.
Das gegen die Lutizen bestimmte Heer sollte sich am 29. Juni 1147 bei Magdeburg sammeln.
Den Abmarschtermin setzt die Forschung in die Zeit von Juli bis Anfang August. Die Route führte über Havelberg [65 Urkunde Erzbischof Wichmanns von Magdeburg aus dem Jahre 1157 (KW, Nr. 154; Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg. Teil 1 (937-1192). Bearb. von Friedrich ISRAEL unter Mitwirkung von Walter MÖLLENBERG (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt. Neue Reihe 18). Magdeburg 1937 (künftig: UBM), Nr. 294): ... notum esse volumus ... qualiter tempore ... praedecessoris mei domini Friderici archiepiscopi dominus Thiedericus canonicus huius sanctae Magdeburgensis ecclesiae ... de proprietate haereditatis suae cum consensu fratris sui excellentissimi comitis Ottonis decem mansos in Rotheneslöve ... contulit coenobio Ammeneslövensi ... Quam donationem ... praedecessor meus penes Havelberg petente ipso Thioderico, praesentibus marchione Adelberto cum filiis Ottone et Hermanno, Fritherico palatino, fratre praedicti Thiederici comite Ottone (von Hillersleben – L. P. ), cum collecti essent ibi in expeditione versus Dimin, confirmavit.] – das wahrscheinlich spätestens jetzt durch Markgraf Albrecht und Bischof Anselm deutscher Herrschaft unterworfen wurde – nach Malchow [66 Westlich von Waren an der Müritz.] oder (weniger wahrscheinlich) Malchin [67 Nördlich von Waren.]. Der Ort mit seinem Götzentempel ging in Flammen auf [68 Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 188 f.: Hi equidem omnes cum maximo apparatu et commeatu et mirabili devotione in diversis partibus terram paganorum ingressi sunt, et tota terra a facie eorum contremuit, et fere per tres menses peragrando omnia vastaverunt, civitates et oppida igni succenderunt, fanum eciam cum idolis quod erat ante civitatem Malchon, cum ipsa civitate concremaverunt.]. Dann marschierte man gegen die bereits christianisierten Pommern. Dort wurde Demmin belagert [69 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]) I, 65: Partitoque exercitu duas munitiones obsederunt, Dubin (Ziel der von Heinrich dem Löwen geführten nördlichen Heeresgruppe – L. P.) atque Dimin, et fecerunt contra eas machinas multas. Der Zug vor Demmin wird auch durch die unter EN 65 zitierte Quelle und einen Brief des Abtes Wibald von Stablo und Corvey belegt: Wibaldi epistolae. Hg. von Philipp JAFFÉ. In: Monumenta Corbeiensia (Bibliotheca rerum Germanicarum 1). Berlin 1864 (ND Aalen 1964), Nr. 150 (S. 244): Et eramus in obsidione castri Dimin sub vexillo Crucifixi.], während ein Teil des Heeres bis Stettin weiterzog [70 Die Annalen des Prager Kanonikers Vinzenz. Hg. von Wilhelm WATTENBACH. In: MG SS 17. Hannover 1861 (ND Stuttgart 1990), S. 663: Verum ubi ad metropolim eorum Stetin nomine perveniunt, illud, prout possunt, armata militia circumdant. Pomerani autem cruces super castrum exponentes, legatos suos una cum episcopo suo nomine Alberto, quem ... Otto Bambergensis ecclesie episcopus ... eis dederat, ad eos mittunt: quare sic armata manu venerint, causam exquirunt. Si pro confirmanda fide christiana venerint, non armis sed predicatione episcoporum hoc eos facere debuisse referunt. Sed quia Saxones potius pro auferenda eis terra, quam pro fide christiana confirmanda tantam moverant militiam, episcopi Saxonie hoc audientes cum Ratibor principe et cum Alberto ... episcopo consilio de his quae ad pacem sunt habito, plurimis amissis militibus una cum principibus suis ad propria redeunt ...]. Die Einschließung beider Plätze endete durch Verhandlungen mit den Pommern, und die Sachsen kehrten nach etwa drei Monaten zurück.
Außer der Besetzung des Havelberger Raumes brachte Albrecht der Bär beim Wendenkreuzzug vielleicht das Gebiet der slawischen Retschanen um Gransee, Zehdenick, Lychen und Templin in seine Gewalt [71 Lieselott ENDERS: Hochmittelalterliche Herrschaftsbildung im Norden der Mark Brandenburg. In: Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus 9/1985, S. 19-52, hier S. 29-50; DIES.: Die Uckermark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Potsdam 28). Weimar 1992, S. 31-34.].
Durch das Erlöschen des PLÖTZKAUER Grafenhauses im Oktober 1147 mehrten sich die Spannungen zwischen dem ASKANIER und Heinrich dem Löwen, weil beide das Erbe antreten wollten. Trotzdem unterstützte Albrecht der Bär 1148 – wohl im Juni – seinen Rivalen wahrscheinlich bei dessen Zug gegen die Dithmarschen [72 Das geht aus einer von Albrecht dem Bären (Athelbertus marchio) beglaubigten Urkunde des WELFEN für das Kloster Neumünster in Holstein hervor, die allerdings erst am 13. September 1148 ausgestellt wurde. Die Zeugenliste weist die Handlung aber in den angegebenen Zeitraum. Außer dem ASKANIER erscheinen u. a. der am 25. August 1148 verstorbene Erzbischof Adalbero von Bremen, dessen noch als Bremer Dompropst bezeichneter Nachfolger Hartwig von Stade sowie die Grafen Adolf von Holstein, Heinrich von Badwide und Christian von Oldenburg. Codex diplomaticus Anhaltinus. Hg. von Otto VON HEINEMANN, Bd. 1. Dessau 1867-1873 (ND Osnabrück 1986) (künftig: CDA 1), Nr. 350; KW, Nr. 160; MG, Die Urkunden Heinrichs des Löwen, Herzogs von Sachsen und Bayern (Laienfürsten- und Dynastenurkunden der Kaiserzeit 1). Bearb. von Karl JORDAN. Leipzig/Weimar 1941-1949 (ND Stuttgart 1995) (künftig: D HdL.), Nr. 12: Acta sunt hec Heikenbutle coram frequentia totius exercitus, qui nobiscum erat, quando reversi sumus accepta victoria de hostibus regni, Thiedmarskiensibus, qui Rotholfum marchionem principem et comitem suum iam pridem interfecerant ... Nach D HdL., Nr. 12, Vorbemerkung, handelt es sich um ein ca. 1180 entstandenes Falsifikat nach einer echten Urkunde Heinrichs von 1148, „der das Protokoll, die vielleicht auch überarbeitete Zeugenliste und das Eschatokoll entnommen sind; der ganze übrige Teil ist spätere Fälschung.“ Deren Ziel bestand darin, „das ganze Gebiet an Wilster und Stör, in dem Erzbischof Adalbero lediglich die Zehnten geschenkt hatte, für das Stift zu beanspruchen.“ Dieser Zweck dürfte wohl kaum besser zu erreichen gewesen sein, wenn der Fälscher Albrecht den Bären als Zeugen erfand. Denn von dem sind im betreffenden Gebiet keine Besitzungen oder Rechte bekannt. Der ASKANIER wird demnach wahrscheinlich auch schon im Original aufgeführt worden sein. – Der Ausstellungsort ist offenbar Egenbüttel, östlich von Pinneberg, nördlich von Altona, so CDA, KW, D HdL. – Hans-Otto GAETHKE: Herzog Heinrich der Löwe und die Slawen nordöstlich der unteren Elbe (Kieler Werkstücke, Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte 24). Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Wien 1999, S. 107-133, vermutet für 1148 noch einen Feldzug des WELFEN an die Peene, mit dem er Albrecht dem Bären, der 1147 ganz in der Nähe der Grenze zwischen der herzoglichen Billunger Mark und der askanischen Nordmark (dazu ebd., S. 121) operiert hatte, ein Achtungszeichen geben wollte.].
1150 starb auf der Brandenburg Pribislaw-Heinrich [73 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 85: Heinricus de Brandeburg obiit ...]. Seine Witwe ließ nach dem Bericht des Brandenburger Domherrn Heinrich von Antwerpen [74 Drucke: Heinrici de Antwerpe tractatus de captione urbis Brandenburg. Hg. von Oswald HOLDER-EGGER. In: MG SS 25. Hannover 1880 (ND Stuttgart 1974), S. 482-484; Heinrici de Antwerpe, Can. Brandenburg., Tractatus de urbe Brandenburg. Neu hg. und erläutert v. Georg SELLO. In: 22. Jahresbericht, Heft 1, des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel, Magdeburg 1888, S. 3-35; danach mit Übersetzung: Winfried SCHICH/Jerzy STRZELCZYK: Slawen und Deutsche an Havel und Spree. Zu den Anfängen der Mark Brandenburg (Studien zur internationalen Schulbuchforschung. Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts 82/B IV: Deutsche und Polen – Geschichte einer Nachbarschaft. Handbuch für Geschichtslehrer. Teil B/IV. Hannover 1997, S. 34-41. Im Internet veröffentlicht von Tilo KÖHN: http://golm.rz.uni-potsdam.de/hva/. S. zum Sachverhalt Lutz PARTENHEIMER: Albrecht der Bär, Jaxa von Köpenick und der Kampf um die Brandenburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte (künftig: FBPG), Neue Folge (künftig: N F) 4/1994, S. 151-193, hier S. 162-172. Zur Abfassungszeit des Berichts Heinrichs von Antwerpen vgl. auch Helmut ASSING: Albrecht der Bär als marchio de Brandenburg und marchio Brandenburgensis. Werdegang und Hintergründe einer Titeländerung. In: DERS.: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Zum 65. Geburtstag des Autors hg. von Tilo KÖHN/Lutz PARTENHEIMER/Uwe ZIETMANN. Köln/Weimar/Wien 1997, S. 133-176 (zuerst: JBLG 46/1995, S. 7-45), hier S. 175 mit Anm. 253.] sofort den Markgrafen benachrichtigen. Albrecht der Bär begab sich zu der Havelfeste und übernahm sie gemäß der mit dem letzten Hevellerfürsten etwa 25 Jahre früher getroffenen Abmachung. Der Herrschaftswechsel vollzog sich anscheinend ohne Kampf. Gewalt wurde dabei wohl nur bei der von Albrecht angeordneten Vertreibung von „Räubern und Götzendienern“ aus der Brandenburg angewandt. So bezeichnen die damaligen sächsischen Quellen oft Slawen, die sich nicht unterwerfen wollten. Bevor der Markgraf die Feste wieder verließ, übertrug er ihren Schutz einer aus deutschen und slawischen Kriegern gebildeten Besatzung [75 Heinrich von Antwerpen (nach G. SELLO (wie vorige EN)), S. 11 f.: Cum iam vero, senio confectus (Pribislaw-Heinrich – L. P.), deficere inciperet, uxorem suam, quod marchioni Adelberto urbem Brandenburg post mortem suam promiserat, fideliter commonuit. Porro febribus aliquamdiu correptus et pregravatus, fideliter, ut speramus, in domino obdormivit.
Vidua igitur ipsius, non immemor moniti novissimi et mallens, cum sciret populum terre ad colenda idola pronum, Teutonicis terram tradere, quam prophano idolorum cultui ultra consentire, sapientibus usa consiliis maritum suum iam triduo mortuum nullo sciente preter familiarissimos suos inhumatum observavit, et marchionem Adelbertum, quem sibi heredem instituerat, ut urbem suscepturus veniret, rem gestam indicans advocavit.
Qui festinans in manu valida armatorum iuxta condictum veniens, urbem Brandenburg velut hereditaria successione possedit, et prefati defuncti exequias multorum nobilium obsequio iuxta magnificenciam principis honorifice celebravit. Ideo marchio Adelbertus libera rerum suarum disponendarum facultate potitus, paganorum scelere latrocinii notatos et immundicie idolatrie infectos urbe expulit ac bellicosis viris Teutonicis et Sclavis, quibus plurimum confidebat, custodiendam commisit. – Die Deutschen in der von dem ASKANIER auf der Brandenburg zurückgelassenen Mannschaft waren für Hans-Dietrich KAHL: Slawen und Deutsche in der brandenburgischen Geschichte des zwölften Jahrhunderts. Die letzten Jahrzehnte des Landes Stodor. 2 Halbbde. (MDF 30, 1, 2). Köln/Graz 1964, Anm. 81 auf S. 829, „wohl in erster Linie markgräfliche Ministeriale(n)“. Zur Ausdehnung des Albrecht mit der Brandenburg zugefallenen Gebietes L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 112 f.].
Ende 1151 mündeten die Gegensätze zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen in Kämpfe. Der WELFE hatte 1147 vor dem König Anspruch auf Bayern erhoben, KONRAD III. eine Entscheidung darüber bis zu seiner Rückkehr vom zweiten Kreuzzug vertagt. Zu den u. a. auch zur Regelung dieser neuen Streitfrage 1149 und 1150 angesetzten Hoftagen erschien Heinrich der Löwe allerdings nicht. Stattdessen begab er sich Ende 1150 in den Süden des Reiches, um seinen Anspruch auf Bayern mit Gewalt durchzusetzen. Albrecht der Bär und andere Fürsten schlugen im nächsten Jahr dem König vor, die Abwesenheit des Herzogs für einen Überfall auf dessen Hauptsitz Braunschweig und die sächsischen WELFEN-Anhänger zu nutzen [76 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 72: Audiens igitur Adelbertus marchio et alii quam plures principum ducem nostrum minime prosperari et veluti inter hostes conclusum, miserunt ad regem, ut quantocius cum exercitu veniret in Saxoniam obsessurus Brunswich et obpressurus amicos eius.].
Der in Franken weilende STAUFER ließ daraufhin überall in Schwaben Wachen aufstellen, um Heinrich den Löwen dort festzuhalten. Dann zog der Herrscher im Dezember 1151 über Erfurt nach Goslar und rückte bis zum Kloster Heiningen (südlich von Wolfenbüttel) vor. Dort wurde ihm gemeldet, daß der Herzog inzwischen Braunschweig erreicht habe. Heinrich, der vom Plan seiner Gegner erfahren hatte, war es trotz deren Sicherheitsvorkehrungen gelungen, sie unentdeckt zu überholen. KONRAD III. kehrte daraufhin um und wandte sich über Goslar nach Süddeutschland. So ließ er wie 1139 im Februar in Quedlinburg und im August bei Creuzburg seine Verbündeten plötzlich wieder allein.
Ungeachtet des wenig königlichen Rückzuges nahm Albrecht der Bär noch 1151 den Kampf mit dem WELFEN auf. Dabei soll der Markgraf 1.500, der Herzog 5.000 Männer ins Feld geführt haben [77 Stederburger Annalen. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 207: Werra inter ducem Heinricum et marchionem Adelbertum, ita ut ad pugnam dux circiter quinque milia fortissimorum militum, marchio mille quingentos contraxerit. – Knappe Zusammenfassung der Kämpfe bei KW, Nr. 189.]. Ob der ASKANIER diesmal von Verbündeten unterstützt wurde, wissen wir nicht. Auch überliefern die Quellen keine Einzelheiten zu den Gefechten. Helmold berichtet jedenfalls, daß sich der Herzog aus der Einkreisung der Fürsten befreien und Sachsen behaupten konnte [78 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 72: Et defendit se dux de circumventione principum, qui insidiabantur animae eius, et obtinuit ducatum Saxoniae ...].
Doch die Spannungen zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen verschärften sich weiter, als beide nach der Ermordung des Grafen Hermann II. von Winzenburg Ende Januar 1152 auch auf dessen Erbe Anspruch erhoben. Der im März des Jahres zum neuen König gewählte FRIEDRICH BARBAROSSA [79 Sein Onkel KONRAD III. war im Februar 1152 gestorben und hatte nur einen unmündigen Sohn hinterlassen.] versuchte auf dem Merseburger Hoftag im Mai vergeblich, den Streit zu schlichten. Die Kämpfe zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen entbrannten von neuem. Diesmal kennen wir einige Einzelheiten. Die Stadt Osterode (südwestlich von Goslar) und ein Gebäude in Lutter am Barenberge (nordwestlich von Goslar) wurden neben vielen Burgen und Dörfern in Mitleidenschaft gezogen [80 Cronica S. Petri Erfordensis moderna. In: Monumenta Erphesfurtensia saec. XII., XIII., XIV. Hg. von Oswald HOLDER-EGGER (MG SS rer. Germ. [42]). Hannover/Leipzig 1899, S. 178: Ubi eciam gravis discordia inter Heinricum Saxonum ducem et Adelbertum marchionem oritur; quibus inter se hostiliter postea dimicantibus opulentissima villa Osterroth, mire pulchritudinis edificium in Lutrede, pleraque castella ac ville quam plurime devastantur.]. Der Tod des zwischen der Feste Osterode und Herzberg gefallenen Grafen Liudger von Wöltingerode geschah wahrscheinlich auch im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen [81 Darüber berichten die Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 86 f., als sie zum Jahre 1153 das Ende von Liudgers Vater Graf Liudolf von Wöltingerode melden: Liudolfus de Waltingerode, precipuus magnatuum sui temporis, longevus obiit 10. Kal. Marcii. Huius filius Liudigerus in dissensione ducis et marchionis occisus inter Osterrodense castrum et Hircesberg, voluntate patris ad cenobium Palidense delatus, ibidem tumulatus est ...
Natürlich ist nicht ganz klar, ob Liudger in den Gefechten zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen umkam, die nach dem erfolglosen Versöhnungsversuch des Königs auf dem Merseburger Reichstag des Jahres 1152 von neuem ausbrachen. Wir wissen nur, daß sein Tod im Zusammenhang mit den Kämpfen beider Fürsten erfolgte. So ist Liudgers Ende denn auch für 1151 vermutet und sowohl auf welfischer als auch auf askanischer Seite – verknüpft mit der Hypothese, der junge Wöltingeroder sei des Markgrafen Vetter gewesen – angenommen worden (KW, Nr. 209).]. Wolfgang Petke vermutet, daß er am 11. August 1152 auf welfischer Seite fiel und Albrecht damals Osterode zerstörte [82 Wolfgang PETKE: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen 4). Hildesheim 1971, S. 46.].
Die Kämpfe erfolgten also zumindest teilweise am Westrand des Harzes, ungefähr in der Mitte zwischen Heinrichs Hauptburg Braunschweig und den askanischen Stammgütern um Ballenstedt und Aschersleben. Der Krieg inspirierte sogar einen im thüringischen Kloster Reinhardsbrunn arbeitenden Schreiber zu einem fiktiven Briefwechsel [83 Darin werden der Landgraf von Thüringen und der Herzog von Bayern vom Herzog von Sachsen um Unterstützung im Kampf gegen den Markgrafen gebeten, während dieser in der gleichen Sache Beistand vom Herzog von Böhmen fordert (KW, Nr. 210-216. Im letzten Regest muß es natürlich in der ersten Zeile: „Der Herzog von Bayern“ (statt „Sachsen“) heißen.).]. Hermann Krabbo datiert die Fehde in die Zeit zwischen Mai und September 1152 [84 KW, Nr. 219 (Nachbemerkung).]. Erst im Oktober des Jahres konnte der König in Würzburg den Kämpfen ein Ende setzen, indem er Heinrich dem Löwen das WINZENBURGER, Albrecht dem Bären das PLÖTZKAUER Erbe übergab.
Doch damit waren die Spannungen nicht völlig beigelegt. Der PLÖTZKAUER Nachlaß besaß weniger Wert als die Hinterlassenschaft der WINZENBURGER. Außerdem hat Albrecht wohl zeitlebens die Hoffnung auf die Wiedererlangung Sachsens nie ganz aufgegeben. An dem im Herbst 1154 beginnenden ersten Italienzug Barbarossas nahm er im Gegensatz zu Heinrich dem Löwen nicht teil. Dafür gehörte der Askanier sicher zu den ostsächsischen Fürsten, die in Abwesenheit von König und Herzog mit dem Bremer Erzbischof und einigen bayrischen Großen wohl Anfang 1155 im Erzgebirge zusammentrafen. Die Beratung dürfte einen anti-welfischen Charakter getragen haben [85 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), I, 80: In diebus illis orientalis Saxoniae principes et aliqui de Bawaria conspiracionis, ut dicebatur, gratia condixere colloquium, evocatusque archiepiscopus occurit eis in saltu Boemico. Damit meint Helmold offenbar das erst seit dem 16. Jahrhundert so genannte Erzgebirge, s. L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), EN 1102 auf S. 304.]. Auch die Versammlung vieler ostsächsischer Adliger um Albrecht den Bären an dessen Stammsitz Aschersleben 1155 stand vermutlich unter ähnlichen Vorzeichen [86 KW, Nr. 249; CDA 1, Nr. 413. Dazu Helmut ASSING: Die askanischen Herrschaftsrechte auf dem Territorium des Herzogtums Anhalt in der Zeit Albrechts des Bären (1120-1170). In: DERS.: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter (wie EN 74), S. 189-209 (zuerst: MVAL 3/1994, S. 11-31), hier S. 192 f.; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 128 mit EN 1103-1107 auf S. 304 f.].
Zum gleichen Jahr erfahren wir noch, daß Konrad von Plötzkau und andere Getreue des Markgrafen durch slawische Hinterlist umkamen. Ob es sich dabei um einen Kampf handelte, wird nicht gesagt. Auch fehlen Angaben zur genaueren Datierung sowie zu Ort und Anlaß des Vorgangs [87 Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 89: Conradus de Ploceke et alii fideles marchionis, Sclavorum perimuntur insidiis.].
1157 erfolgte dann die wohl bekannteste Unternehmung des ASKANIERS. Dabei handelt es sich um ein kriegerisches Ereignis, nämlich die Belagerung der Brandenburg. Zur Wiedereroberung der 1150 von ihm auf im wesentlichen friedlichem Wege übernommenen alten Hevellerfeste wurde Albrecht der Bär gezwungen, weil sie ihm inzwischen von einem plötzlich aufgetauchten Rivalen entrissen worden war. Es ist der bekannte „Jaxa von Köpenick“, dessen Handstreich wieder im Bericht Heinrichs von Antwerpen erwähnt wird. Darin heißt es, daß der letzte Stodoranenherrscher einen Onkel Jaxa gehabt habe [88 Weil Pribislaw-Heinrich offenbar hochbetagt starb, hat man sich in der Forschung angewöhnt, das Verwandtschaftsverhältnis umzukehren und in Jaxa einen Neffen des Stodoranenherrschers zu sehen.], der eine fürstliche Stellung in Polen bekleidete und sich auf die Nachricht von der Übernahme der Brandenburg durch Albrecht den Bären enterbt sah. Binnen kurzer Zeit hatte er die von dem ASKANIER auf der Havelfeste zurückgelassene Besatzung bestochen und wurde von ihr eines Nachts eingelassen, als er mit einem großen Polenheer vor den Wällen erschien. Die verräterische Mannschaft Albrechts des Bären ließ Jaxa zum Schein gefangennehmen und nach Polen bringen [89 Heinrich von Antwerpen (nach G. SELLO (wie EN 74)), S. 12 (unmittelbar anschließend an die unter EN 75 zitierte Stelle): Ubi autem huiusmodi fama (die Übernahme der Brandenburg durch Albrecht im Jahre 1150 – L. P.), qua nullum malum velocius, in auribus Jaczonis in Polonia tunc principantis, avunculi supradicti nobilis sepulti (Pribislaw-Heinrichs – L. P.), percrepuit, permaxime de morte nepotis sui doluit, et quia proxima linea consanguinitatis defuncto iunctus erat, perpetuo se de urbe exhereditatum considerans miserabiliter ingemuit. Verum tempore brevi elapso inhabitantibus urbem pecunia corruptis proditam ab eis nocturno silencio cum magno exercitu Polonorum, reseratis amicabiliter portis castri, intravit et homines marchionis, qui urbem tradiderant, in Poloniam ducens simulatorie captivavit.]. Hans-Dietrich Kahl hat diesen Handstreich für 1153 angenommen [90 H.-D. KAHL: Slawen und Deutsche (wie EN 75), S. 358-368.], ich setze ihn in das Frühjahr – vermutlich März – 1157 [91 L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär, Jaxa von Köpenick (wie EN 74); DERS.: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 133 f.].
Das Ereignis zwang den Markgrafen, die 1150 unblutig übernommene Brandenburg nun doch mit dem Schwert zurückzuerobern. Als er von den Vorgängen Kenntnis erhielt – so Heinrich von Antwerpen weiter – entschloß sich der von Jugend an kriegserfahrene ASKANIER zu einem Feldzug. Ihm gewährten Erzbischof Wichmann von Magdeburg sowie andere Fürsten und Edle Unterstützung [92 Nach den Pöhlder Annalen kam Graf Werner der Jüngere von Veltheim (nordwestlich von Halberstadt), ein Neffe Albrechts des Bären, bei der Belagerung um. Auch er befand sich also im Heer. Werners gleichnamigem Vater hatte Adelheid, die Schwester des ASKANIERS, nach dem Tod ihres ersten Gemahls, des Nordmarkgrafen Heinrich von Stade, die Hand gereicht. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 90: Adelbertus marchio Brandenburg, diu a Sclavis occupatam, maximo conprovincialium periculo Wicmanno Magdaburgensi presule cooperante recepit; ubi consobrinum ipsius, iuniorem Wernerum de Veltheim, atrox gentilium phalanx cum aliis quam plurimis interemit. – Nach späterer Überlieferung starb Werner von Veltheim in einem Schiff (gedruckt bei H.-D. KAHL: Slawen und Deutsche (wie EN 75), S. 522 f.), was seine Erklärung in der Bestürmung der von der Havel umgebenen Brandenburg findet. Bei weiteren Angehörigen des sächsischen Adels existieren Indizien für deren Beteiligung an der Wiedergewinnung der Brandenburg, so im Falle der Herren von Schneidlingen, Bornstedt und Jabilinze. S. dazu Helmut ASSING: Die Anfänge deutscher Herrschaft und Siedlung im Raum Spandau-Potsdam-Berlin während des 12. und 13. Jahrhunderts. In: DERS.: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter (wie EN 74), S. 103-131 (zuerst: FBPG, N F 3/1993, S. 1-34), hier S. 104-108, 112 f.; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 141 mit EN 1209 auf S. 314. Schneidlingen liegt nördlich von Aschersleben, Bornstedt südlich von Eisleben, zur Burg Jabilinze s. EN 59.]. Das zusammengesetzte Heer belagerte von drei Seiten die Brandenburg, die erst nach längeren, blutigen Kämpfen kapitulierte. Am 11. Juni 1157 zog Albrecht der Bär wieder in die Havelfeste ein, auf der er sein Banner hissen ließ und Gott für den Triumph dankte [93 Heinrich von Antwerpen (nach G. SELLO (wie EN 74)), S. 12 f. (in direkter Fortsetzung der unter EN 89 angeführten Passage): Quo audito marchio Adelbertus, a iuventute sua in bello strennue exercitatus, quid facto opus esset, extemplo consideravit, et expedicionem edicens ope et industria domini Wichmanni, in Magdeburg tunc metropolitani, et aliorum principum ac nobilium copiosum exercitum congregavit, et die condicto fortium pugnatorum vallatus auxilio ad urbem Brandenburg sibi a Jaczone supplantatam quantocius duxit ac tribus in locis circa eam dividens longo tempore propter municionem loci eam obsedit, sed post hinc inde sanguinis effusionem, cum hic, qui in urbe erant, cernerent se nimis angustiatos, nec posse evadere manus adversancium, condicione firmata dextris sibi datis marchioni coacti reddiderunt. Anno igitur dominice incarnacionis 1157, III. idus Junii, predictus marchio divina favente clemencia urbem Brandenburg victoriosissime recepit, ac cum multo comitatu letus introiens erecto in eminenciori loco triumphali vexillo, deo laudes, qui sibi victoriam de hostibus contulerat, merito persolvit. – Die überlieferte Fassung des Traktats gibt eigentlich 1158 an, was aber nach den anderen über das Ereignis berichtenden Quellen zu korrigieren ist. Sie hat H.-D. KAHL: Slawen und Deutsche (wie EN 75), S. 518-528, zusammengestellt.].
Damit ging der seit 928/29 nachweisbare Kampf um die Brandenburg zwischen Slawen und Sachsen [94 Dazu Lutz PARTENHEIMER: Krieg, Verrat und Diplomatie bei der Entstehung der Mark Brandenburg (928/29-1157). Ein Beitrag zur Vorbereitung des 850. Geburtstages der Mark Brandenburg (11. Juni 2007). In: Olaf GRÜNDEL/Ralf PRÖVE (Hg.): Mars an Havel und Spree. Militärgeschichte als Landesgeschichte (Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit 5). Münster/Hamburg/London 2002 (im Druck).] siegreich zu Ende.
Für Albrecht den Bären besaß die Rückeroberung der alten Hevellerresidenz mit dem Schwert offenbar eine besondere Bedeutung. Zwischen wahrscheinlich 1140 und 1152 hatte ihn die königliche Kanzlei – wohl von Abt Wibald von Stablo ausgehend – bereits 13mal als „brandenburgischen Markgrafen“ bezeichnet [95 S. dazu und zu den vermutlichen Gründen für das Aufkommen des Titels H. ASSING: Albrecht der Bär als marchio (wie EN 74); L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), EN 1183 auf S. 311 f.]. Albrecht folgte dem auch nach der Übernahme der Havelfeste 1150 zunächst nicht. Doch nun begann er, seinen Titel auf sie zu beziehen. Vom 3. Oktober 1157 datiert die erste Urkunde Albrechts des Bären, die er als „Markgraf in Brandenburg“ (marchio in Brandenborch) ausstellte [96 KW, Nr. 275; CDA 1, Nr. 436: ... ego Adelbertus Dei gratia marchio in Brandenborch ...]. Deshalb gilt die endgültige Einnahme des alten Fürstensitzes der Stodoranen durch den Askanier am 11. Juni 1157 als Geburtstag der Mark Brandenburg [97 Zum weiteren Schicksal der Mark Johannes SCHULTZE: Die Mark Brandenburg, 5 Bde., ND Berlin 1989; Ingo MATERNA/Wolfgang RIBBE (Hg.): Brandenburgische Geschichte. Berlin 1995; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 141, 166-168, 191-197; DERS.: Von der Herausbildung der Mark Brandenburg zur Entstehung des Königreiches Preußen. In: Mathias IVEN (Hg.): Lindstedter Begegnungen. Gespräche über Preußen (Teil 2: 1999-2001). Milow/Berlin 2002, S. 14-32.], der sich 2007 zum 850. Male jährt.
Nur wenige Wochen nach Albrechts Sieg begann Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA im August von Halle aus einen Polenfeldzug. Da der Markgraf am Sammelplatz des Heeres nachweisbar ist, dürfte er an dem Unternehmen auch beteiligt gewesen sein. Außerdem ist davon auszugehen, daß Albrecht über die polnische Attacke gegen seine Brandenburg wütend war [98 Jaxas Handstreich richtete sich immerhin gegen den Schwiegervater Judiths, einer Schwester der Polen-Herzöge, die frühestens 1148 Albrechts ältester Sohn Otto geheiratet hatte.].
Nun folgen mehrere Jahre, aus denen keine Nachrichten über Verwicklungen des alten ASKANIERS in kriegerische Handlungen vorliegen. Am 1158 beginnenden zweiten Zug BARBAROSSAS nach Italien nahm der Markgraf nicht teil, obwohl er im Juli 1160 in Erfurt mit anderen Fürsten dem Kaiser Hilfe geschworen hatte. Als ersten ASKANIER finden wir danach Ende 1161 (!) Albrechts Sohn Adalbert in Lodi bei Hofe. Der alte Markgraf erschien allerdings im April 1162 in Pavia gerade noch rechtzeitig zu der anläßlich der Kapitulation Mailands stattfindenden Feier. Erst für 1163 gibt es wieder Anzeichen für kommende kriegerische Verwicklungen, in die der ASKANIER einbezogen werden sollte: Wohl im August oder September dieses Jahres schrieb Bischof Albert von Freising an den Salzburger Metropoliten Eberhard, daß Albrecht der Bär, Pfalzgraf Adalbert von Sachsen, Bischof Udo von Naumburg und Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen ein Bündnis gegen Heinrich den Löwen eingegangen seien. Der Kaiser habe König Wladislaw von Böhmen, Herzog Friedrich von Schwaben und vermutlich auch Herzog Heinrich Jasomirgott von Österreich sowie Markgraf Ottokar von der Steiermark von einer Beteiligung an dieser Verschwörung abbringen können. Die Kräfte der verbliebenen Verbündeten würden als zu schwach eingeschätzt [99 Regesta Imperii. Hg. von Johann Friedrich BÖHMER: 4, 2: Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)-1190. 2. Lief.: 1158-1168, bearb. von Ferdinand OPLL. Wien/Köln 1991 (künftig: R F I.), Nr. 1226, 1239; KW, Nr. 335; CDA 1, Nr. 482: Venerabili patri et domino Eberhardo Saltzburgensi archiepiscopo Albertus Dei gratia Frisingensis ecclesiae minister humilis orationes, servitium cum debita reverentia ... Praeter hoc dicebatur, quod contra ducem Bavariae guerram movere velint marchio Albertus de Saxonia, palatinus comes item de Saxonia, episcopus Cicensis, comes provintiae Turingiae. De hac autem coniuratione per dominum imperatorem remoti sunt rex Bohemiae, dux Suevie, et, ut putabatur, dux Austriae et marchio Stirensis. Ceteri a duce parvi habentur.].
Von direkten Spannungen, die vielleicht mit Kämpfen verbunden waren, hören wir allerdings erst zwei Jahre später [100 Trotz der von Helmold von Bosau überlieferten Aufforderung durch Heinrich den Löwen an Albrecht den Bären nahm der am Slawenfeldzug des Herzogs im Jahre 1164 gegen den Obodritenfürsten Pribislaw wahrscheinlich nicht teil, s. dazu L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 161-164. Und eine Quelle von 1199, die davon spricht, daß Sachsen zu Zeiten Albrechts des Bären und Heinrichs des Löwen von täglichen Kämpfen erschüttert wurde – wobei die Jahre um 1160 gemeint sind –, kann durch zeitgenössische Berichte nicht bestätigt werden, s. L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 3), S. 149 f.]. Es heißt zu 1165, daß Pfalzgraf Adalbert von Sachsen mit Albrecht dem Bären gegen Heinrich den Löwen verbündet gewesen, doch von dem ASKANIER im Stich gelassen worden sei. Der Sommerschenburger mußte dem Herzog die Lauenburg (bei Bad Suderode) im Harz und ein bischöflich-halberstädtisches Lehen übergeben, um von dem WELFEN wieder Frieden zu erhalten [101 KW, Nr. 351; Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 93: Dissensio facta inter Heinricum ducem et marchionem Adelbertum et palatinum iuniorem Adelbertum. Sors cecidit super palatinum; derelictus enim a marchione, per resignationem castri Lewenberg et beneficii Halberstadensis ecclesie gratiam et pacem ducis promeruit. Danach die Stederburger Annalen (MG SS 16), S. 209: Dissensio inter Heinricum ducem et marchionem et palatinum. Sors super palatinum cecidit, Lewenberch castrum suum duci resignat.]. Nun sollte keines der letzten Lebensjahre Albrechts des Bären ohne Spannungen und Krieg mit Heinrich dem Löwen mehr verstreichen.
Kaum hatte BARBAOSSA im Oktober 1166 seinen vierten Italienzug begonnen, wurde das ganze Ausmaß der inzwischen entstandenen Fürstenkoalition gegen denWELFEN sichtbar. Als deren Führer nennt Helmold von Bosau den Magdeburger Metropoliten Wichmann und Bischof Hermann von Hildesheim. Weiter gehörten Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen, Albrecht der Bär mit seinen Söhnen, Markgraf Otto der Reiche von Meißen, dessen Brüder und Pfalzgraf Adalbert von Sachsen dem Bündnis an, das zudem von den Grafen Otto von Assel (bei Hildesheim), Widukind von Schwalenberg (bei Höxter) und Christian von Oldenburg (westlich von Bremen) unterstützt wurde. Sogar der in Italien weilende Erzbischof Rainald von Köln begünstigte die anti-welfische Koalition. Nach Helmold war der Neid der Verschworenen auf Reichtum, Macht und Ruhm des Herzogs von Sachsen und Bayern Ursache des Bündnisses [102 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), II, 103: Sed quia gloria parit invidiam, et quia nil durabile in rebus humanis, tantam viri gloriam zelati sunt omnes principes Saxoniae. Ille enim inmensis diviciis locuples, clarus victoriis et propter geminum Bawariae et Saxoniae principatum sublimis in gloria sua, omnibus Saxoniae tam principibus quam nobilibus inportabilis visus est. Sed manus principum formido cesaris continuit, ne concepta molimina transferrent in effectum. Postquam autem cesar quartam profectionem paravit in Italiam, et oportunitatem tempus adduxit, statim inveterata conspiracio processit in publicum, et facta est coniuracio valida omnium contra unum. Fueruntque inter eos primi Wichmannus Magdeburgensis archiepiscopus, Heremannus Hildensemensis episcopus. Post hos fuerunt principes hii: Lodewicus provincialis comes Thuringiae, Adelbertus marchio de Saltwedele et filii eius, Otto marchio de Camburg et fratres eius, Adelbertus palatinus comes de Someresburg. Hos adiuverunt nobiles hii: Otto de Asle, Wedekindus de Dasenburg, Christianus de Aldenburg, quae est in Amerland. Super hos omnes prepotens ille Reinoldus Coloniensis archiepiscopus et cancellarius imperii insidiatus est duci, facie quidem absens et in Italia positus, sed totus consilio expugnacioni ducis intentus.].
Am 20. Dezember 1166 begannen Wichmann, Albrecht der Bär und Ludwig der Eiserne unter Einsatz von Belagerungsmaschinen mit der Einschließung der welfischen Feste (Alt-) Haldensleben bei Magdeburg. Dabei wurde natürlich auch das ganze Umland in Mitleidenschaft gezogen [103 KW, Nr. 357; Helmold (unmittelbar an die eben zitierte Passage anschließend): Tunc principes qui erant in orientali Saxonia cum Thuringorum principe Lodewico obsederunt municionem ducis quae vocatur Aldeslef et fecerunt contra eam machinas multas. Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 93: Dissensio exorta est inter Heinricum ducem et Adelbertum marchionem. Wichmannus Magdaburgensis archiepiscopus cooperante marchione castrum ducis Haldesleve in vigilia sancti Thome obsedit, et circumiacens provincia non parum ab exercitu gravatur.]. Während die Blockade des Platzes andauerte, hielt Graf Christian von Oldenburg mit seinen Friesen zu Beginn des Jahres 1167 Westsachsen in Atem und besetzte Bremen. Dessen Erzbischof zögerte den Anschluß an die antiwelfische Koalition zunächst noch hinaus.
Der ausgebrochene Krieg wurde zehn Jahre nach der Geburt der Mark Brandenburg zum Hintergrund der Entstehung eines weiteren deutschen Staates: Um wenigstens im Nordosten freie Hand zu haben, gab Heinrich der Löwe vermutlich Ende Januar oder Anfang Februar 1167 dem nach Pommern geflohenen Slawenfürsten Pribislaw den östlichen Teil des Obodritenlandes als Lehen zurück. Dieser empfing auch das lutizische Gebiet der Kessiner an der unteren Warnow. Damit wurde die Herausbildung des Mecklenburger Fürstentums eingeleitet, und Albrecht der Bär gehörte – sicher ungeplant – zu den Geburtshelfern [104 Dazu H.-O. GAETHKE: Heinrich der Löwe und die Slawen (wie EN 72), S. 337-345.].
Nachdem Heinrich der Löwe noch seine Burgen verstärkt, zusätzliche Besatzungen in geeignete Plätze gelegt und dem unmündigen Grafen Adolf III. von Holstein einen kampferprobten Vormund gegeben hatte, zog er wohl im Februar/März 1167 gegen die Koalition. Die ostsächsischen Fürsten wichen einem Treffen aus, und der Herzog verwüstete ihre Gebiete bis vor die Mauern Magdeburgs [105  Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), II, 104: Tunc (nach dem Bericht über Pribilaws Belehnung, s. vorige EN – L. P.) congregavit dux exercitum grandem et intravit orientalem Saxoniam, ut pugnaret cum inimicis suis in medio terrae ipsius. Et viderunt, quia venit cum manu forti, et timuerunt occurrere illi. Et fecit plagam magnam in terra hostili et vastavit eam incendiis et depredacionibus et pervagatus est terram usque ad muros Magdeburg.]. Als der WELFE den Belagerungsring um Haldensleben sprengen wollte, vereinbarte man auf Vermittlung von Bischöfen und Äbten einen Waffenstillstand. Dabei verpflichtete sich Heinrich der Löwe, die Burg spätestens auf dem nach Ostern (6. April) 1167 stattfindenden Gerichtstag an Erzbischof Wichmann von Magdeburg zu übergeben [106  Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 93: Heinricus dux soluturus obsidionem, cum exercitu Haldesleve tendit, sed intervenientibus religiosis viris episcopis et abbatibus, pace facta utrobique discessum est, datis fideiussoribus quatinus proximo placito, quod post pascha futurum erat, castrum episcopo resignaretur.]. Die Atempause nutzte der Herzog, um sich gegen den OLDENBURGER zu wenden.
Allerdings dachte er nicht daran, Haldensleben auszuliefern. So vereinigten sich seine Feinde erneut. Auch das wahrscheinlich zwischen März und Juli 1167 erfolgte Zusammentreffen Albrechts des Bären mit dem Magdeburger Erzbischof [107 Der ASKANIER ist Zeuge einer wohl in diesem Zeitraum ausgestellten Urkunde Wichmanns für das Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen (UBM, Nr. 325; KW, Nr. 362, dazu KW, 12. Lieferung, Berlin-Dahlem 1955, Nachtrag zu Nr. 362 auf S. 889).] diente sicher der Abstimmung weiterer Aktionen gegen Heinrich den Löwen. Am 12. Juli des Jahres trat in Magdeburg der beim Kaiser in Italien weilende Kölner Metropolit Rainald von Dassel durch Gesandte der anti-welfischen Koalition bei. Als deren Mitglieder erscheinen in dem darüber aufgesetzten Schriftstück Erzbischof Wichmann von Magdeburg, Albrecht der Bär mit seinem ältesten Sohn Markgraf Otto von Brandenburg, Markgraf Otto der Reiche von Meißen, dessen Bruder Graf Dedo von Groitzsch und Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen. Zwei Tage später, am 14. Juli, beschworen in Sandersleben (bei Aschersleben) weitere Männer ihren Beitritt zu dem Bündnis gegen Heinrich den Löwen. Das waren neben Pfalzgraf Adalbert von Sachsen drei weitere Söhne Albrechts des Bären, nämlich die Grafen Hermann von Orlamünde, Adalbert (von Ballenstedt) und Bernhard (von Aschersleben), außerdem Ludwig der Fromme – der Sohn des Thüringer Landgrafen – sowie weitere Personen, deren Namen nicht überliefert sind [108 KW, Nr. 359 f.; UBM, Nr. 324: ... Archidiaconi, abbates ac prepositi et universus clerus, nobiles et beneficiati ministeriales Coloniensis ecclesie ac burgenses eiusdem civitatis ... Igitur ... nuncii nostri ad civitatem Magdeburgensem pervenientes a venerabili domino eiusdem civitatis archiepiscopo Wychmanno et universis principibus ibi tunc congregatis honorifice suscepti sunt ... prepositus Bruno ex parte ... universi cleri nostri memorato archiepiscopo Magdeburgensi, marchioni Alberto, Ludewico lantgravio, marchioni Misnensi Ottoni, marchioni Brandeburgensi Ottoni et comiti Dedoni dextera porrecta in fide promisit et super sancrosancta ewangelia iuramento firmavit, quod dominus Raynoldus, nostre civitatis archiepiscopus, fedus amicicie, quod litteris et legacione promisit domino Wychmanno et principibus, qui ei confederati sunt, observet et post reditum suum ab Ytalica expedicione omni certitudine, qua debeat, corroboret et quod universa familia Coloniensis ecclesie cum familia Magdeburgensi in una ac pari voluntate semper permaneat. Deinde ... (die Abgesandtendes Kölner Erzbistums – L. P.) secundum formam promissi et iuramenti prepositi Brunonis eisdem principibus in fide promittentes super sacras reliquias iuraverunt, quod nobiles, beneficiati, ministeriales et burgenses nostri cum nobilibus et beneficiatis ac ministerialibus et civibus Magdeburgensibus concordent consilio et auxilio in omni necessitate et in werra, que est inter principes et ducem de Brunswich, fideli auxilio Magdeburgensi archiepiscopo et ceteris principibus, qui eis confederati sunt, quanto melius possint, contra ducem subveniant et, quocumque eos auxilii prestandi gracia invitaverint, strenue veniant. Preterea a familia utriusque ecclesie et a principibus sub stabili fide promissum est et iuratum, quod nullam composicionem, nisi deliberato communi consilio, faciant cum duce, et si pax vel plena composicio unanimi consensu facta fuerit et si dux, memor pressure preterite, postea ad vindicandum se in alteram partem vehementiam animi sui inclinet, manifeste sub fideli potissimum consilio et iuramento est constitutum, ut manifeste et communiter se ei opponant et resistant. ... Magdeburgensis archiepiscopus in fide promisit et prenominati principes in fide promiserunt et in reliquiis iuraverunt, ut Coloniensi ecclesie semper assistant. ... stabilis permaneat ista confederacio et inter utramque ecclesiam familiaris amicicie connexio, que in urbe Magdeburch consumata et confirmata est. Anno ... MCLXVII ... hec IIII. idus Iulii aput Magdeburch facta sunt. Sed pridie idus Iulii Santersleue, ubi maior multitudo nobilium et ministerialium convenerat, dominus Albertus palatinus comes de Sommersenburch, Hermannus de Orlagemunde et duo fratres sui comes Albertus et comes Bernhardus, nec non filius lantgravii Ludewicus cum aliis multis nobilibus et ministerialibus Magdeburgensis ecclesie certitudinem sancte Coloniensi ecclesie fide data et prestito iuramento secundum formam, que supradicta est, fecerunt.]. Nun schloß sich auch der Bremer Erzbischof Hartwig der Allianz an.
Noch im Sommer 1167 griffen Albrecht der Bär und Wichmann von Magdeburg wieder zu den Waffen und ließen welfische Besitzungen plündern und anstecken. Sie zerstörten ein Haus – also wohl eine Burg – des Herzogs bei Goslar, das besetzt wurde. Heinrich der Löwe konnte die Stadt offenbar nicht zurückgewinnen. So beschränkte er sich darauf, die Getreidezufuhr zu verhindern, was eine Hungersnot in Goslar zur Folge hatte. Die Verbündeten eroberten und brachen unterdessen weitere welfische Burgen, so (Alt-) Haldensleben und das benachbarte Niendorf  [109 Heute wüst. Zu den Burgen Althaldensleben und Niendorf s. P. GRIMM: Burgwälle (wie EN 57), Nr. 829 f. Vielleicht kommt für Niendorf auch Hausneindorf (östlich von Halberstadt, ebd., Nr. 55) in Frage, so O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 27), S. 254, und Anm. 63 auf S. 402.]. Helmold meint, daß ganz Sachsen vom Sturm ergriffen worden sei, weil alle Fürsten gegen den Herzog fochten. Darüber hinaus berichtet der Chronist über gefangene und verstümmelte Krieger, zerstörte Burgen und Häuser sowie verbrannte Städte [110 Helmold (MG SS rer. Germ. [32]), II, 105: Fervebat autem sedicionum seva tempestas per omnem Saxoniam, contendentibus scilicet universis principibus adversus ducem, et factae sunt captiones militum et demembraciones et eversiones urbium atque domorum et incendia civitatum. Et addita est Goslaria principibus. Et precepit dux custodiri vias, ne quis frumentum induceret Goslariae, et esurierunt valde. Pöhlder Annalen (im Anschluß an die in der EN 106 zitierten Stelle): Quo (die vereinbarte Auslieferung der Burg Althaldensleben – L. P.) minime persoluto, prefati principes (Albrecht und Wichmann, s. EN 103 – L. P.) congregato exercitu regionem predis et incendiis vastant, domum ducis prope Goslariam destruunt. Inde revertentes, munitiones quasdamducis cum castro Haldesleve capiunt, captas destruunt. Weitere Quellenberichte über diese Kämpfe bei Willy HOPPE: Erzbischof Wichmann von Magdeburg. In: DERS.: Die Mark Brandenburg, Wettin und Magdeburg. Ausgewählte Aufsätze. Hg. von Herbert LUDAT. Köln/Graz 1965, S. 1-152 (zuerst: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg 43/1908, S. 134-294), S. 59, Anm. 20. In ihnen wird auch die Eroberung Niendorfs erwähnt, während Albrecht der Bär nicht erscheint.].
Von der Bedrängnis Heinrichs des Löwen erhielt auch der Kaiser in Italien Kunde, der sich dort selbst in schwieriger Situation befand. Nachdem er noch Ende Juli 1167 Rom hatte besetzen können, zwang ihn eine sein Heer Anfang August dezimierende Seuche zum Rückzug nach der Lombardei. BARBAROSSA mußte an einer möglichst schnellen Beilegung des sächsischen Krieges interessiert sein, weil er in Italien frische Truppen aus Deutschland brauchte. Wahrscheinlich im September 1167 sandte er deshalb von Pavia aus Erzbischof Christian von Mainz und Herzog Berthold von Zähringen über die Alpen. Sie erreichten gegen Ende des Jahres den Abschluß mehrerer Waffenstillstände in Sachsen, die die Lage dort langsam beruhigten.
Die Atempause nutzte Heinrich der Löwe, um am 1. Februar 1168 in Minden mit der englischen Königs-Tochter Mathilde seiner zweiten Gemahlin die Hand zu reichen. Deren Mitgift dürfte die finanzielle Situation des Herzogs verbessert haben. Seine Gegner erneuerten indes spätestens im Frühjahr 1168 in Merseburg ihre Koalition [111 Die Stader Annalen (MG SS 16), S. 346, sprechen bei dieser Meldung nur von „Fürsten“ (principes), Albrecht der Bär war sicher dabei.] und mißachteten auch eine Ladung des im März nach Deutschland zurückgekehrten Kaisers zum 5. Mai nach Würzburg. Stattdessen verwüsteten sie wieder Besitzungen Heinrichs des Löwen. Auch ein zweiter Termin, den der Herrscher den gegen den Herzog fechtenden Fürsten zum 19. Mai angesetzt hatte, verstrich unbeachtet.
Als sie FRIEDRICH BARBAROSSA zum dritten Male, und zwar zum 29. Juni 1168 nach Würzburg, rief, folgten die sächsischen Großen endlich dem kaiserlichen Gebot. Unter ihnen waren Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär mit seinen Söhnen Adalbert und Dietrich (dem Grafen von Werben), Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen, Markgraf Otto der Reiche von Meißen sowie dessen Brüder Markgraf Dietrich von der Lausitz, Graf Dedo von Groitzsch und Graf Heinrich von Wettin. Außerdem hatten sich die Metropoliten Wichmann von Magdeburg, Hartwig von Bremen und die Bischöfe Hermann von Hildesheim, Gero von Halberstadt, Udo von Naumburg sowie Werner von Minden vor dem Thron eingefunden [112 Regesta Imperii. Hg. von Johann Friedrich BÖHMER: 4, 2: Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)-1190. 3. Lief.: 1168-1180, neubearb. von Ferdinand OPLL. Wien/Köln/Weimar 2001, Nr. 1791.]. Der Kaiser erreichte diesmal den Abschluß eines Friedens, der allerdings nur bis zum nächsten Reichstag gelten sollte. Wohl bei der Gelegenheit mußte Goslar wieder an die Krone herausgegeben werden.
Die Situation in Sachsen spitzte sich erneut zu, als der Bremer Erzbischof am 11. Oktober 1168 starb. Das Domkapitel der Weserstadt spaltete sich: Eine Fraktion wählte den Welfenanhänger Otbert zum Nachfolger, die zweite den ASKANIER Siegfried. Der war ein Sohn Albrechts des Bären und Kanoniker am Magdeburger Liebfrauenkloster. Heinrich der Löwe weilte damals nicht in Deutschland, und so handelte einer seiner Vasallen, Graf Gunzelin von Schwerin. Er erregte in Bremen einen solchen Tumult, daß der schon dort eingetroffene Siegfried die Flucht ergreifen mußte.
Von den wieder aufflammenden Kämpfen in Sachsen erfuhren auch die Engländer. Der Zisterzienser Johann von Salisbury berichtet 1168 in einem Brief, er habe gehört, daß Heinrich der Löwe von dem Magdeburger Metropoliten, dem Bischof von Halberstadt und Markgraf Albrecht geschlagen worden sei. 22 Grafen der welfischen Streitmacht wären dabei getötet oder gefangengenommen worden. Die Zahl der Gefallenen betrüge 700, während die Sieger kaum Verluste gehabt hätten [113 KW, Nr. 366; The Letters of John of Salisbury. Bd. 2: The Later Letters (1163-1180). Hg. von William J. MILLOR/Christopher N. L. BROOKE. Oxford 1979, Nr. 276 (S. 588): De cetero noueritis nos audisse pro certo quod Henricus dux Saxonum in solempni praelio victus est ab archiepiscopo Magdeburgensi, episcopo Elvestadensi et Alberto marchione, cecideruntque ex parte ducis septingenti milites et capti aut occisi sunt viginti duo comites, et in parte episcoporum adeo pauci ceciderunt aut capti sunt ut nullus de iactura queratur.]. Deutsche Quellen wissen allerdings nichts von dieser Schlacht.
Nun begab sich der Kaiser selbst nach Sachsen, um endlich Frieden zu schaffen. Am 20. Januar 1169 weilte er in Begleitung Heinrichs des Löwen in Heiligenstadt auf dem Eichsfeld [114 R F I., Nr. 1826.]. Am 2. Februar fand in der Pfalz Wallhausen (westlich von Sangerhausen) ein Hoftag statt, den auch Albrecht der Bär mit namentlich nicht genannten Söhnen sowie die wettinischen Markgrafen Otto der Reiche von Meißen und Dietrich von der Lausitz mit ihrem Bruder Graf Dedo von Groitzsch besuchten. Burggraf Burchard von Magdeburg war ebenfalls anwesend. Von den sächsischen Kirchenfürsten lassen sich der Magdeburger Metropolit Wichmann und die Bischöfe Gero von Halberstadt, Hermann von Hildesheim, Udo von Naumburg sowie Wilmar von Brandenburg in Wallhausen nachweisen. Über Herzog Heinrich den Löwen von Sachsen und Bayern und den Thüringer Landgrafen Ludwig den Eisernen verlautet hingegen im Zusammenhang mit diesem Hoftag nichts. Es gelang BARBAROSSA, die Ruhe wiederherzustellen. Dann nahm er Friedensbrecher mit, deren Namen leider unbekannt sind [115 R F. I., Nr. 1828 f., 1831; Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 94: Imperator curiam habuit Walehusen in purificatione sancte Marie, ubi denuo pacem renovavit, violatoribus pacis secum abductis.].
Noch einmal erlitt Albrecht der Bär eine Niederlage: Im Juni 1169 kassierte der Kaiser in Bamberg die Bremer Doppelwahl und ernannte zum neuen Erzbischof der Weserstadt mit dem Halberstädter Dompropst Balduin einen Kandidaten Heinrichs des Löwen.
Der erneuerte Ende Februar 1170 den Kampf, indem er einen Einfall in die Gebiete des Erzstifts Magdeburg unternahm. Ob der alte Markgraf Wichmann zu Hilfe kam, erfahren wir aus den Quellen nicht.
Ende Juni 1170 begab sich der Kaiser nach Erfurt, um in Sachsen erneut Frieden zu schaffen. Dort versammelten sich auch Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär, die markgräflichen Brüder Otto der Reiche von Meißen und Dietrich von der Lausitz sowie Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen. Von den in Erfurt anwesenden Grafen Dietrich, Hermann, Heinrich, Günther, Edelger und Sigeboto sind die beiden ersten wohl Söhne des ASKANIERS und die nächsten zwei SCHWARZBURGER. Ihnen folgen der Graf von Hohnstein und der Graf von Scharzfeld. Von den geistlichen Fürsten Sachsens waren der Magdeburger Metropolit Wichmann sowie die Bischöfe Udo von Naumburg, Wilmar von Brandenburg, Gerung von Meißen und Ludwig von Münster gekommen [116 R F I., Nr. 1885.]. Auf dem Erfurter Reichstag Ende Juni 1170 konnte der Kaiser endlich einen Frieden zwischen den seit 1166 kämpfenden Parteien stiften [117 KW, Nr. 379; Cronica S. Petri Erfordensis moderna (MG SS rer. Germ. [42]), S. 185: Imperator in nativitate sancti Iohannis baptiste habito generali conventu Erphordie Heinricum ducem aliosque principes Saxonie iam diu inter se dissidentes pacificavit, et sic terra aliquanto tempore quievit.]. Der sollte im wesentlichen bis 1177/78 halten.
Albrecht, den wir nach dem Aufenthalt in Erfurt nur noch am 16. August 1170 anläßlich der Havelberger Domweihe erblicken, starb drei Monate später, am 18. November. Die letzten Lebensjahre hatten im Zeichen des Kampfes gegen seinen Hauptrivalen Heinrich den Löwen gestanden. Dessen Macht konnte die Fürstenkoalition, die der ASKANIER maßgeblich anführte, zwar schwer erschüttern, doch wegen des wiederholten kaiserlichen Eingreifens nicht brechen. Diese Erkenntnis dürfte das Lebensende des alten ASKANIERS überschattet haben. Doch während der Herrschaftsbereich Heinrichs des Löwen nach dessen Sturz im Jahre 1180 zerfiel, überdauerten die auf das Wirken Albrechts des Bären zurückgehenden Fürstentümer Brandenburg [118 Nach 1701 wurde die Markgrafschaft (offiziell ab 1356 auch Kurfürstentum) Brandenburg zum Kern des ursprünglich nur Ost-, seit 1772 auch Westpreußen umfassenden Königreiches Preußen.] und Anhalt bis 1918.
 
 
Jahre Feldzüge, Fehden und Spannungen, in die Albrecht der Bär nach den Quellen verwickelt war
1123-1125 A. erstreitet im Bündnis mit Herzog Lothar von Sachsen die Lausitz gegen den dort von Kaiser HEINRICH V. als Markgrafen eingesetzten Wiprecht von Groitzsch und dessen Sohn Heinrich.
1126 (18. Februar) A. kämpft im Heer König LOTHARS bei Kulm gegen die Böhmen. Er soll sein ganzes Gefolge verloren haben, verwundet worden und in Gefangenschaft geraten sein.
1128/29  Für die im Zusammenhang mit der Lauterberger Propstwahl (nach dem 12. 12. 1128) zwischen A. und Konrad von Wettin entstandenen Spannungen werden keine weiteren Einzelheiten genannt.
1129 (nach Mitte Juni) A. besetzt und zerstört die Hildagesburg nördlich von Magdeburg. Als er den Turm Gundersleben bei Halberstadt angreift, wird er von Anhängern des Königs abgewiesen.
1130 (15. März )  A. Mannen erschlagen bei Aschersleben den Grafen Udo von Freckleben.
1132/33 A. (dem der König 1131 die Mark Lausitz entzogen hatte) zeichnet sich auf dem ersten Italienzug LOTHARS aus.
1136 (ab Juli?)  A. (seit 1134 Markgraf der Nordmark) unternimmt  mehrere Einfälle in slawisches Gebiet (in den Havelberger Raum?) und entvölkert es.
1137 (Anfang des Jahres?)  A. macht einen Beutezug ins Slawenland.
1138 (2. Februar) A. verhindert die für diesen Tag von der Kaiserin-Witwe Richenza nach Quedlinburg einberufene Fürstenversammlung mit Gewalt.
1138-1141/42 A. stößt als neuer Herzog von Sachsen (wohl seit Juli 1138) auf den Widerstand Heinrichs des Stolzen, der (nach seinem Tod 1139 dessen Sohn Heinrich der Löwe) von Erzbischof Konrad von Magdeburg, Markgraf Konrad von Meißen und der Lausitz, Pfalzgraf Friedrich von Sachsen, Graf Rudolf von Stade, Graf Siegfried von Boyneburg, Graf Adolf II. von Holstein und der Kaiserin-Witwe Richenza unterstützt wird. Auf Seiten des ASKANIERS stehen zunächst König KONRAD III., die Grafen Bernhard von Plötzkau und Hermann von Winzenburg sowie Heinrich von Badwide. A. siegt 1138 bei Mimirberg (?) und erobert Lüneburg, Bardowick, Bremen, Westsachsen und Nordelbingen, verliert all das aber 1139. Die Burgen Bernburg (1138), Plötzkau (1139), Gröningen, Wittecke, Anhalt und Jabilinze (1140) werden von der WELFEN-Partei zerstört. Graf Rudolf von Stade besetzt 1140 ebenfalls Burgen und A.s Mark. A. muß Sachsen 1139 und erneut 1140 verlassen sowie zur Jahreswende 1141/42 darauf zugunsten Heinrichs des Löwen verzichten.
1146 (Mitte August) A. beteiligt sich an einem in Sachsen beginnenden Polenfeldzug KONRADS III. Das Unternehmen bleibt stecken, und der ASKANIER rät mit Konrad von Wettin zu einer Verhandlungslösung.
1147 Wohl im Juli beginnt der Wendenkreuzzug. A. gehört zu den vor allem ostsächsischen Fürsten, die ein angeblich 60.000 Mann starkes Heer von Magdeburg über Havelberg, Malchow (Malchin) nach Demmin und Stettin führen.
1148 (wohl Juni)  A. unterstützt wahrscheinlich Heinrich den Löwen bei einem Zug gegen die Dithmarschen.
1150 Nach dem Tode des letzten Stodoranenherrschers Pribislaw-Heinrich kann A. gemäß einem vermutlich 1123-25 ausgehandelten Erbvertrag das zur  Brandenburg gehörende slawische Hevellerfürstentum übernehmen. Kämpfe meldet der Bericht Heinrichs von Antwerpen in dem Zusammenhang nicht.
1151 (Ende des Jahres) Die Fehde zwischen A. und Heinrich dem Löwen bricht aus. Eine Ursache ist der Anspruch beider auf die Hinterlassenschaft der im Oktober 1147 ausgestorbenen Grafen von Plötzkau. Der Markgraf hatte angeblich 1.500, der Herzog 5.000 Streiter.

1152 
Die Spannungen zwischen A. und Heinrich dem Löwen erhalten einen weiteren Grund, weil beide nun auch das Erbe des Ende Januar erloschenen Winzenburger Grafenhauses beanspruchen. Vergeblich versucht der neue König FREIDRICH I. BARBAROSSA, ihren Streit auf dem Merseburger Hoftag im Mai zu schlichten. Neue Kämpfe zwischen beiden brechen aus. Viele Burgen und Dörfer werden in Mitleidenschaft gezogen. Die Gefechte ergreifen auch den Goslarer Raum und wohl das Gebiet zwischen Osterode und Herzberg. Dort fällt wahrscheinlich in diesem Zusammenhang vermutlich am 11. August offenbar auf welfischer Seite der junge Graf Liudger von Wöltingerode. Im Oktober kann der König in Würzburg Frieden stiften. A. erhält das Plötzkauer, der Herzog das Winzenburger Erbe.
1155 Während BARBAROSSA und Heinrich der Löwe in Italien sind, konspiriert A. offenbar gegen den WELFEN. Konrad von Plötzkau und weitere Getreue des Markgrafen kommen durch slawische Hinterlist ums Leben.
1157 Vermutlich im März bemächtigt sich Jaxa „von Köpenick“ eines Nachts mit einer polnischen Streitmacht durch Verrat der Brandenburg. Die daraufhin von A. mit Unterstützung Erzbischof Wichmanns von Magdeburg sowie weiterer Fürsten und Edlen eröffnete Belagerung führt am 11. Juni zur endgültigen Eroberung der Hevellerfeste. Im Heer waren auch A.s Neffe, der junge Graf Werner von Veltheim, und vermutlich die Herren von Schneidlingen, Bornstedt und Jabilinze. A. beteiligt sich wahrscheinlich an dem im August von Halle aus beginnenden Polenfeldzug Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSAS.
1163 In einem wohl im August oder September des Jahres von Bischof Albert von Freising an den Salzburger Metropoliten Eberhard verfaßten Brief heißt es, daß A., Pfalzgraf Adalbert von Sachsen, Bischof Udo von Naumburg und Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen eine Allianz gegen Heinrich den Löwen geschlossen hätten.
1165 Pfalzgraf Adalbert von Sachsen ist mit A. gegen den WELFEN verbündet, wird aber von dem Askanier im Stich gelassen
1166 A., Erzbischof Wichmann von Magdeburg, Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen, Markgraf Otto der Reiche von Meißen, Pfalzgraf Adalbert von Sachsen und weitere Fürsten und Edle schließen ein Bündnis gegen Heinrich den Löwen. Am 20. Dezember beginnen die ersten drei mit der Belagerung der welfischenBurg (Alt-) Haldensleben bei Magdeburg.
1167 Wohl im Februar/März zieht Heinrich der Löwe unter Verwüstungen bis Magdeburg. Für die Belagerung Haldenslebens wird ein Waffenstillstand vereinbart. Heinrich der Löwe verpflichtet sich, die Burg spätestens auf dem nach Ostern (6. April) stattfindenden Gerichtstag Erzbischof Wichmann zu übergeben. Er wird wortbrüchig, und die Koalition seiner Feinde wächst. Am 12. Juli tritt der mit dem Kaiser in Italien weilende Erzbischof Rainald von Köln in Magdeburg durch Gesandte dem Bündnis bei. Am 14. Juli folgen in Sandersleben (bei Aschersleben) Pfalzgraf Adalbert von Sachsen, drei Söhne A.s, der Sohn des Thüringer Landgrafen und weitere Männer. Nun schließt sich auch Erzbischof Hartwig von Bremen der Koalition an.Im Sommer besetzen A. und Wichmann Goslar und nehmen und zerstören (Alt-) Haldensleben und Niendorf. Die wahrscheinlich im September von Pavia aus vom Kaiser nach Sachsen entsandten Legaten Erzbischof Christian von Mainz und Herzog Berthold von Zähringen können zum Jahresende durch Vermittlung mehrerer Waffenstillstände die Lage allmählich beruhigen.
1168  Spätestens im Frühjahr erneuern die Gegner Heinrichs des Löwen in Merseburg ihr Bündnis und verwüsten welfische Besitzungen. Sie ignorieren Ladungen vor den Kaiser zum 5. sowie zum 19. Mai und erscheinen erst zum dritten Termin am 29. Juni in Würzburg. BARBAROSSA gebietet Frieden bis zum nächsten Reichstag.Nach dem Tod Erzbischof Hartwigs von Bremen spaltet sich das Domkapitel. Eine Partei wählt einen WELFEN-Anhänger, die andere A.s Sohn Siegfried zum Nachfolger. Der wird vom Grafen von Schwerin aus Bremen vertrieben.Nach einem Brief des englischen Zisterziensers Johann von Salisbury erlitt Heinrich der Löwe eine vernichtende Niederlage gegen A., Wichmann von Magdeburg und den Halberstädter Bischof. Deutsche Quellen wissen davon nichts.
1169  Am 2. Februar stiftet BARBAROSSAa auf einem Hoftag in der Pfalz Wallhausen (bei Sangerhausen) Frieden. Im Juni kassiert der Kaiser in Bamberg die Doppelwahl von Bremen und ernennt für diese Stadt einen Kandidaten Heinrichs des Löwen zum neuen Erzbischof.
1170 Im Februar fällt der WELFE ins Magdeburgische ein. Ende Juni stiftet der Kaiser zu Erfurt einen Frieden zwischen Heinrich dem Löwen und dessen sächsischen Gegnern, der A.s Tod (18. 11. 1170) überdauert.

Zusammenfassung:

Die erste Stelle unter den kriegerischen Unternehmungen Albrechts des Bären nehmen die gegen Heinrich den Löwen – am Anfang noch gegen dessen Vater Heinrich den Stolzen – ein. Hier sind direkte Kampfhandlungen für die Jahre 1138-1140, 1151/52 und 1166-1168, zumindest Spannungen zu 1155, 1163, 1165 und 1169/70 bezeugt. Dabei ging es zunächst um Sachsen, später auch um das Plötzkauer und Winzenburger Erbe sowie die Beschneidung der zunehmenden Macht des Welfen.
Von 1123 bis 1125 kämpfte Albrecht im Bündnis mit Herzog Lothar von Sachsen erfolgreich um die Übernahme der Lausitz (gegen den Willen Kaiser HEINRICHS V.), 1129/30 um die Belehnung mit der Nordmark bzw. zumindest um stadische Güter (gegen den Willen König LOTHARS III.).
Slawenfeldzüge sind für 1136/37 (Havelberger Raum?), 1147 (Wendenkreuzzug) und 1157 (die von Jaxa erzwungene Rückeroberung der 1150 vertragsgemäß übernommenen Brandenburg) überliefert.
Im Gefolge der Könige zog Albrecht 1126 gegen Böhmen, 1132/33 nach Italien [119 Dabei handelt es sich um lediglich einen von sechs königlichen Italienzügen während seiner Amtszeit von 1123 bis 1170 (1132/33, 1136/37, 1154/55, 1158-1162, 1163/64, 1166-1168).] sowie 1146 und wahrscheinlich 1157 gegen Polen.
1148 unterstützte er offenbar Heinrich den Löwen auf einem Zug gegen die Dithmarschen.
 

Auswertung:

Bei der Untersuchung der von ihm geführten Kriege kann man wohl recht deutlich erkennen, wofür sich ein mittelalterlicher Fürst vor allem einsetzte. Insofern erlaubt die Analyse der militärischen Aktionen Albrechts des Bären wichtige Aussagen zu seinen Zielen. Unter diesen nahm die Unterstützung des Königs keinen vorderen Platz ein – wenn nicht gerade die Pläne der Krone mit des Askaniers Wünschen übereinstimmten. Daher muß die Einschätzung, zu der der Biograph des Markgrafen 1864 gelangte, in mindestens einem wichtigen Aspekt erheblich korrigiert werden. Damals schrieb Otto von Heinemann: „Dem hohenstaufischen Hause, welches den Übergriffen der päpstlichen Kurie in Deutschland und Italien kräftig entgegentrat, ist er stets, obwohl er ihm seine liebsten Hoffnungen zum Opfer bringen mußte, mit Treue und Ergebenheit zugetan gewesen ... [120 O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 27), S. 272.]“
Aber bereits im Mai 1152 widersetzte sich in Merseburg mit Heinrich dem Löwen auch dessen Rivale Albrecht der Bär dem Versuch des neuen Königs, zwischen beiden Frieden zu stiften. Angesichts der Feststellung, daß Albrecht vor allem gegen den WELFEN kämpfte, darf nicht vergessen werden, daß BARBAROSSAS Politik nicht unwesentlich auf der Zusammenarbeit mit dem Herzog basierte. So konnte der Kaiser in der schwierigen Lage, in die die Seuche sein Heer in Rom Anfang August 1167 gebracht hatte, kaum Hilfe aus Sachsen erwarten. Denn dort mußte sich Heinrich der Löwe seit Ende 1166 eben der ostsächsischen Fürstenkoalition erwehren, die nicht zuletzt Albrecht der Bär anführte. Und es ist gezeigt worden, wie viele vergebliche Anstrengungen es den Kaiser kostete, diesen Krieg zu beenden. Zu der Haltung des ASKANIERS mag die letztlich unzureichende Unterstützung beigetragen haben, die er von FRIEDRICHS I. Vorgänger im Kampf um Sachsen erfahren hatte.
Darüber hinaus war ein Hauptziel Barbarossas die Durchsetzung seiner Herrschaft in Italien. In diesem entscheidenden Punkt hat bereits Helmut Assing Albrechts geringes Engagement auf dem Gebiet festgestellt: „In der Zeit seiner Volljährigkeit fanden sechs Italienzüge [121 S. EN 119.] statt: zwei unter LOTHAR und vier unter FRIEDRICH. Nur einmal – 1132/33 – machte Albrecht den ganzen Zug mit, als er allen Grund hatte, durch Botmäßigkeit die Gunst des Königs wiederzuerlangen. Dann war er noch einmal 1162 am Ende von Friedrichs zweitem Italienzug dabei [122 Ich erinnere daran, daß Albrecht der Bär mit anderen Fürsten dem Kaiser bereits im Juli 1160 in Erfurt Unterstützung geschworen hatte. Danach ist als erster ASKANIER aber nur sein Sohn Adalbert Ende 1161 (!) in Italien bei Hofe zu finden.]. Weitere Italienaufenthalte Albrechts sind nicht bekannt [123 Helmut ASSING: Albrecht der Bär. Markgraf von Brandenburg (1150/57-1170). In: Eberhard HOLTZ/Wolfgang HUSCHNER (Hg.): Deutsche Fürsten des Mittelalters. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Leipzig 1995, S. 221-233, hier S. 229 f.].“
Auch unter Barbarossas Vorgängern war der ASKANIER keine ständige Stütze der Krone. Als er gleich im ersten Jahr seiner selbständigen Herrschaft den Kampf um die Lausitz aufnahm, geschah das gegen den Willen Kaiser HEINRICHS V. 1126 folgte er zwar LOTHAR, der ihm zur Markgrafenwürde verholfen hatte, nach Böhmen, doch schon 1129/30 riskierte er dessen Gunst. Außerdem ist nichts davon zu hören, daß Albrecht den SÜPPLINBURGER bei seinen vielen Kämpfen gegen dessen innenpolitische Hauptgegner, die STAUFER, unterstützte. Nach LOTHARS Tod begann der ASKANIER durch den Angriff auf Quedlinburg (am oder vor dem 2. 2. 1138) sofort, die Pläne des Kaisers zu unterlaufen. An der Seite KONRADS III. zog Albrecht 1139 und 1151 ins Feld, als es mit den WELFEN um gemeinsame Feinde ging. Im Gegensatz zur Italienpolitik der Könige mußten deren Feldzüge gegen Polen und Böhmen natürlich schon wesentlich stärker das Interesse eines sächsischen Markgrafen erregen.
Es ist also festzustellen, daß Albrecht der Bär das Schwert vor allem für seine Ziele zog. Das waren 1123-25 die Erwerbung der Lausitz, 1129/30 der Kampf um (wahrscheinlich) die Nordmark, 1138-1141/42 die Erlangung und Verteidigung der sächsischen Herzogswürde und 1151/52 sowie 1165/66-70 der Krieg gegen Heinrich den Löwen. Das Hauptziel des ASKANIERS bestand offensichtlich in der Erringung und Behauptung einer herzoglichen oder wenigstens herzogsgleichen bzw. herzogsähnlichen, vom König möglichst unabhängigen Stellung in Sachsen und im ostelbischen Markengebiet. Dabei stand – gemessen an der Länge und Schwere der Auseinandersetzungen – für Albrecht den Bären die Beseitigung oder zumindest Eindämmung der welfischen Macht an erster Stelle. Das Brandenburger Slawenfürstentum übernahm der Markgraf dagegen auf friedlichem Wege, nachdem er erstaunlicherweise rund 25 Jahre geduldig auf den vereinbarten Erbfall gewartet hatte. Man vergegenwärtige sich zum Vergleich, wieviel Blut Heinrich der Löwe bei seinen Kämpfen gegen die Obodriten vergossen hat [124 S. dazu H.-O. GAETHKE: Heinrich der Löwe und die Slawen (wie EN 72).]. Erst Jaxa „von Köpenick“ zwang Albrecht den Bären 1157 zur endgültigen Eroberung der Brandenburg.
 


www.850-jahre-mark-brandenburg.de

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