Die Rolle der Frauen beim Aufstieg der frühen Askanier
 

Lutz Partenheimer
 

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Die frühen Askanier. Protokoll der Wissenschaftlichen Konferenzen zur politischen und territorialen Herrschaftsgeschichte sowie (zu) den sozialen und kulturhistorischen Aspekten der frühen Askanierzeit am 19./20. Mai 2000 in Aschersleben/Ballenstedt und am 25. Mai 2002 in Bernburg (Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts 28). Halle 2003, S. 254-274.
 

Über die Gemahlinnen der ersten in den Quellen auftretenden Angehörigen dieser Dynastie [1 Zu ihren Ursprüngen Helmut ASSING: Die Anfänge askanischer Herrschaft im Raum Köthen. In: Helmut ASSING: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Zum 65. Geburtstag des Autors hg. von Tilo KÖHN/Lutz PARTENHEIMER/Uwe ZIETMANN. Köln/Weimar/Wien 1997, S. 177-188 (zuerst: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde (künftig: MVAL) 1/1992, S. 28-38); Helmut ASSING: Die frühen Askanier und ihre Frauen. Hg. von der Kulturstiftung Bernburg. Bernburg 2002; Lutz PARTENHEIMER: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. 2. Aufl., Köln/Weimar/Wien 2003, S. 15-31.] ist noch weniger als von den Männern bekannt. Immerhin läßt sich soviel sagen, daß das Geschlecht den Aufstieg zum Fürstenrang nicht zuletzt der Wahl der Frauen verdankt. Das rechtfertigt die folgende Vorstellung, wobei die überlieferten Familienmitglieder bis zu Albrecht dem Bären (+ 1170) berücksichtigt sind.
Das Hochadelshaus empfing den Namen nach Aschersleben am Harzrand, wo die frühen Vertreter im 11./12. Jahrhundert im Auftrag des deutschen Königs als Grafen Gericht hielten. Schriftlich wird Albrecht der Bär als erster ASKANIER 1147 mit dem Ort in Verbindung gebracht, als ihn eine Urkunde des Erzbischofs von Magdeburg „Graf von Aschersleben“ (comes de Aschersleve) nennt. [2 Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg. Teil 1 (937-1192). Bearb. von Friedrich ISRAEL unter Mitwirkung von Walter MÖLLENBERG (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt. Neue Reihe 18). Magdeburg 1937 (künftig: UBM), Nr. 264. Die Urkunde ist allerdings nur durch Drucke bekannt.]
Albrecht gab den Titel an den jüngsten Sohn Bernhard weiter. Der führte ihn bis zu seiner Erhebung zum Herzog von Sachsen im Jahre 1180, worauf die höhere Würde in den Vordergrund trat. Nach Bernhards Tod (1212) übernahm dessen ältester Sohn Heinrich den auf Aschersleben bezogenen Grafenrang, während der jüngere Bruder Albrecht den Herzogshut erbte. Heinrich verzichtete aber bereits in seiner ersten bekannten Urkunde von 1213 auf „-leben“, indem er sich comes Ascharie nannte [3 Codex diplomaticus Anhaltinus. Hg. von Otto VON HEINEMANN, Band (künftig: Bd.) 2. Dessau 1875 (Nachdruck (künftig: ND) Osnabrück 1986) (künftig: CDA), Nr. 9.]. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde dann „Aschkaria/Askaria“ zu „Aschkania/Askania“ [4 Das „n“ an Stelle des „r“ ist erstmals 1320 (CDA 3. Dessau 1877 (ND Osnabrück 1986), Nr. 406) belegt, als sich Fürst Bernhard III. von Anhalt-Bernburg comes Ascanie nannte, doch ist die Urkunde nur in einer Abschrift des 16. Jh. überliefert. Ein Originaldiplom Fürst Albrechts II. von Anhalt-Köthen aus dem Jahre 1323 (CDA 3, Nr. 454) bietet comes Asschanie.]. Daraus leiteten nach 1500 im Dienst des Fürstenhauses tätige Geschichtsschreiber die Abstammung ihrer Herren von Ascanius, dem Sohn des aus Troja entkommenen Helden Aeneas, und sogar von Aschkenas, dem Urenkel Noahs, ab. Nun mußten die Vorfahren Albrechts ebenfalls „ASKANIER“ heißen, und dieser Name wurde schließlich auch für die Angehörigen aller von seinen Söhnen begründeten Linien verwandt.
Nach der schriftlich zuerst 1140 – und zwar als Besitz Albrechts des Bären – erwähnten Burg Anhalt [5 Monumenta Germaniae historica (künftig: MG), Scriptores (künftig: SS), Bd. 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 80, 187, 258; Bd. 23. Hannover 1874 (ND Stuttgart 1986), S. 145. Wann und von wem die Burg Anhalt errichtet wurde, ist nicht überliefert. In Frage kommen als Erbauer Albrecht der Bär, einer seiner Vorfahren, ein anderes Adelsgeschlecht oder das Königtum (vor allem HEINRICH IV.).] auf dem Großen Hausberg über dem Selketal südlich von Ballenstedt nennt man die Familie außerdem „Haus ANHALT“ und ihre Mitglieder „ANHALTINER“. Schon Albrecht ist auf einer Prägung seiner Münzen „Anhaltischer Markgraf“ [6 Umschrift eines 1860 in Freckleben (südöstlich von Aschersleben) gefundenen Brakteaten (Hohlpfennig): ADELBERTVS MARCHIO ANEHALDENSI(S) (Heinz THORMANN: Die anhaltischen Münzen des Mittelalters. Münster/Westfalen 1976, Nr. 9 auf S. 19 und Tafel II).]. Noch bei Lebzeiten des alten ASKANIERS führte dessen Sohn Bernhard als erster Vertreter des Geschlechts 1170 den Titel „Graf von Anhalt“ [7 Pommersches Urkundenbuch. 1. Bd.: 786-1253. 2. Aufl., neu bearb. von Klaus CONRAD (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe 2). Köln/Wien 1970 (künftig: PUB 1), Nr. 54. S. dazu L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie Endnote (künftig: EN) 1), S. 180 mit EN 1536 auf S. 345.]. Er nannte sich bis zur Belehnung mit Sachsen zuweilen so, meist jedoch „Graf von Aschersleben“. Neben diesem Rang hinterließ Bernhard seinem ältesten Sohn auch die Bezeichnung „Graf von Anhalt“, woraus Heinrich 1215 „Fürst von Anhalt“[8 CDA 2, Nr. 14 (princeps in Anahalt).] machte. Dabei sollte es unter dessen Nachfolgern bleiben [9 Die Teilungen des Fürstentums Anhalt bleiben hier unberücksichtigt. „Graf von Ascanien“ wurde nach dem Verlust Ascherslebens an das Bistum Halberstadt (1315) nicht aufgegeben, trat aber an die zweite Stelle der Titulatur. S. dazu u. a. Werner FREITAG: Kleine Reichsfürsten im 15. Jahrhundert – das Beispiel Anhalt. In: Sachsen und Anhalt (künftig: SuA) 23/2001, S. 141-160, und Michael HECHT: Landesherrschaft im Spiegel der Heraldik: Das große Wappen des Fürstentums Anhalt in der frühen Neuzeit. In: SuA 22/1999/2000, S. 267-288.], bis sie 1806/07 die Herzogswürde annahmen.
Der früheste zeitgenössische (!) Bezug des Titels auf einen Ort ist für Albrechts Vater Otto überliefert, den eine Urkunde von 1106 „Graf von Ballenstedt“ nennt. [10 CDA 1, Dessau 1867 (ND Osnabrück 1986), Nr. 166 (comes Otto de Ballenstad).]  Er war Sohn des Grafen Adalbert. Dessen Vater Graf Esiko ist der erste namentlich bekannte ASKANIER. Auch diese beiden im 11. Jahrhundert lebenden Angehörigen der Dynastie nennt die um 1150 entstandene Reichschronik des Annalista Saxo – eines wahrscheinlich im Magdeburger Raum arbeitenden Geschichtsschreibers [11Klaus NAß: Die Reichschronik des Annalista Saxo und die sächsische Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert (MG, Schriften 41). Hannover 1996, S. 367, 375.] – nach Ballenstedt [12 Annalista Saxo. Hg. von Georg WAITZ. In: MG SS 6. Hannover 1844 (ND Stuttgart 1980). Über Graf Esiko S. 676 (zu 1026), 678 (zu 1030); zu Graf Adalbert S. 693 (zu 1062), 754 (zu 1117).]. Den darauf bezogenen Grafentitel führten ebenfalls Albrecht der Bär [13 Schon bei seiner ersten Erwähnung – noch zu Lebzeiten des Vaters – in einer Urkunde des Bischofs von Halberstadt aus dem Jahre 1120 (CDA 1, Nr. 187). Letztmals wird Albrecht der Bär am 1.1.1134 als Graf von Ballenstedt bezeichnet (Johann Friedrich BÖHMER: Regesta Imperii. IV, 1. Abteilung: Die Regesten des Kaiserreiches unter Lothar III. und Konrad III. 1. Teil: Lothar III. 1125 (1075)-1137, neubearb. von Wolfgang PETKE. Köln/Weimar/Wien 1994 (künftig: R L III.), Nr. 384).], bevor er 1134 endgültig in den Markgrafenrang aufstieg, und zuletzt dessen Sohn Adalbert kurz vor des Vaters Tod im Jahre 1170 [14 S. EN 7.]. Daher ist für die ersten in den Quellen erscheinenden ASKANIER bzw. ANHALTINER auch die Bezeichnung „BALLENSTEDTER“ oder „Grafen von Ballenstedt“ üblich.
Die älteste zeitgenössische Erwähnung Esikos stammt höchstwahrscheinlich vom 26. Oktober 1036. Einer an dem Tag auf der Pfalz Tilleda unterhalb des Kyffhäusers ausgefertigten Urkunde Kaiser KONRADS II. ist zu entnehmen, daß Esiko damals der für Kölbigk (bei Ilberstedt westlich von Bernburg) zuständige Graf war [15 MG, Diplomata regum et imperatorum Germaniae (Die Urkunden der Könige und Kaiser Deutschlands) (künftig: MG DD). Bd. 4: Die Urkunden Konrads II. Hg. von Harry BRESSLAU unter Mitwirkung von Hans WIBEL und A. HESSEL. Hannover/Leipzig 1909 (ND München 1980) (künftig: D K II.), Nr. 234. Dazu H. ASSING: Die frühen Askanier (wie EN 1), S. 6 f.; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), EN 18 auf S. 202.].
Seine Eltern sind nicht überliefert, doch wissen wir, daß die Mutter einen Bruder Siegfried hatte, dessen Vater Markgraf Hodo gewesen ist [16 Der Annalista Saxo (MG SS 6, S. 678) berichtet über jemand, der Herzog Mieszko II. bei dessen Angriff auf ostsächsische Gebiete im Jahre 1030 unterstützte: Iste est Sigefridus, avunculus Esici comitis de Ballenstide, filius Odonis incliti marchionis, qui sub tertio Ottone defunctus et in Nienburh sepultus fuerat. Danach erscheint Siegfried nicht mehr in den Quellen. Mit avunculus bezeichnete man damals in der Regel einen Bruder der Mutter. Die Nachricht darf aber nicht so gedeutet werden, daß Esiko im Jahre 1030 (oder 1026: MG SS 6, S. 676) zuerst erwähnt wurde, da der Chronist um 1150 schrieb.]. Der stand der sächsischen Ostmark (Niederlausitz) vor und gehörte zu den Hochadligen, die der deutsche König mit dem wichtigsten weltlichen Amt in den ab 928/29 unterworfenen Slawengebieten zwischen Elbe/Saale und Oder/Neiße [17 Zu diesen Kämpfen jetzt Lutz PARTENHEIMER: Krieg, Verrat und Diplomatie bei der Entstehung der Mark Brandenburg (928/29-1157). Ein Beitrag zur Vorbereitung des 850. Geburtstages der Mark Brandenburg (11. Juni 2007). In: Olaf GRÜNDEL/Ralf PRÖVE (Hg.): Mars an Havel und Spree. Militärgeschichte als Landesgeschichte (Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit 5). Münster/Hamburg/London 2003 (im Druck).] betraute. Das war die Funktion des Mark-, d. h. Grenzgrafen [18 Hodo starb 993 und wurde im Kloster Nienburg (nördlich von Bernburg) beigesetzt (s. EN 16). Zu seiner Einordnung in die sog. Christian-Sippe s. H. ASSING: Die Anfänge askanischer Herrschaft im Raum Köthen (wie EN 1), S. 179-181.]. Also gelang es von den frühen ASKANIERN spätestens Esikos Vater, eine Frau aus sehr vornehmer Familie zu heiraten. Daher dürfen dessen Besitz und Stellung nicht zu gering veranschlagt werden, auch wenn wir nicht wissen, ob er den für seinen Sohn belegten Grafenrang ebenfalls schon bekleidete. Esikos Vorfahren hatten nach den Untersuchungen Helmut Assings ihre Stammbesitzungen vermutlich im Raum Köthen, im damaligen Gau Serimunt [19 Ebda., S. 186-188; Helmut ASSING: Die askanischen Herrschaftsrechte auf dem Territorium des Herzogtums Anhalt in der Zeit Albrechts des Bären (1120-1170). In: H. ASSING: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter (wie EN 1), S. 189-209 (zuerst: MVAL 3/1994, S. 11-31); Helmut ASSING: Die Anfänge askanischer Herrschaft in den Gebieten östlich der Elbe. In: Friedrich BECK/Klaus NEITMANN (Hg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott ENDERS zum 70. Geburtstag (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs 34). Weimar 1997, S. 29 mit Anm. 71; H. ASSING: Die frühen Askanier (wie EN 1), S. 7 f.; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 15-20.].  Der wurde – wie Gertraud Eva Schrage zeigte – offenbar im 10. Jahrhundert von Initiativen zum Landesausbau erfaßt, die von den OTTONEN ausgingen [20 Gertraud Eva SCHRAGE: Zur Siedlungspolitik der Ottonen. Untersuchungen zur Integration der Gebiete östlich der Saale im 10. Jahrhundert. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 135/1999, besonders S. 222, 226, 233-239, 245, 251, 255, 257, 260-268.]. Diese Beobachtungen, verknüpft mit der Ehe zwischen Esikos Vater und der Tochter Markgraf Hodos, deuten vielleicht auf eine Förderung der ersten ASKANIER durch das Herrscherhaus hin. Möglicherweise waren beide Familien sogar miteinander verwandt. [21 Im 11. Jh. wird ein solches Verhältnis vielleicht durch Esikos Gemahlin Mathilde vermittelt, deren Vater, Herzog Hermann II. von Schwaben, 1002 – evtl. auf Grund seiner vermuteten Abstammung von den LIUDOLFINGERN – als Kandidat für die Nachfolge Kaiser OTTOS III. auftrat (s. dazu die bei Alois SCHÜTZ: Die Grafen von Dießen und Andechs, Herzöge von Meranien. In: Armin WOLF (Hg.): Königliche Tochterstämme, Königswähler und Kurfürsten (Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Frankfurt am Main) 152). Frankfurt am Main 2002, in den Anm. 40 und 47 f. auf den S. 237 und 239 f. verzeichneten Arbeiten).]
Hodos Dynastie starb im Mannesstamm zwischen 1032 und 1034 aus, und ihre Güter sowie Rechte gelangten wohl wenigstens teilweise [22 Im einzelnen ist das heute kaum noch feststellbar. Vgl. zu den in der EN 19 genannten Arbeiten auch Otto VON HEINEMANN: Albrecht der Bär. Eine quellenmäßige Darstellung seines Lebens. Darmstadt 1864 (ND Bernburg 2001, erschienen 2002), S. 5-13. ] – dann vermutlich auch über Esikos Mutter [23 Das war sicher ein Weg, muß aber nicht der einzige gewesen sein, auf dem Allodien, Lehen und Ämter der sog. Christian-Sippe – zu der Hodo wahrscheinlich gehörte – an das Haus BALLENSTEDT fielen. Hier ist auch an eine königliche Privilegierung zu denken, zumal Esiko, der damals lebende ASKANIER, zu dem Zeitpunkt Schwager der Kaiserin war, s. nächste EN. Von Esikos Eltern kennen wir weder die Namen, noch Lebensdaten oder Grablege.]  – an die ASKANIER.
Esikos Frau Mathilde entsproß noch höherem Adel. Sie war nach zum Jahre 1026 eingereihten Informationen des um 1150 schreibenden Sächsischen Annalisten eine Schwester Giselas, der Gemahlin Kaiser KONRADS II. [24 Annalista Saxo (MG SS 6, S. 676): Rex natale Domini Leodii celebravit; et Heinricum, filium suum ex Gisla, regem fecit. Hec Gisla et soror eius Machtildis fratresque eius Rodulfus et Bernhardus nati erant in Westfalia, de loco qui dicitur Werla ... Machtildem desponsavit comes Esicus de Ballenstide, genuitque ex ea comitem Adalbertum seniorem, patrem comitis Ottonis.]  Die Mutter der beiden Damen, Gerberga, gehörte dem WELFEN-Hause an. Ihr Vater war König Konrad I. von Burgund (937-993) [25 Dessen Schwester Adelheid heiratete der ostfränkische König OTTO I. Über Gerberga haben die ASKANIER also spätestens seit Mathildes Sohn Adalbert welfisches Blut in den Adern.], als Geschwister hatte sie u. a. König Rudolf III. von Burgund (993-1032) und Gisela [26 Sie entstammte der ersten Ehe KönigKonrads I. von Burgund.] , die als Gemahlin Herzog Heinrichs des Zänkers von Bayern die Mutter Kaiser HEINRICHS II. wurde. Gerberga heiratete nach dem Tod ihres ersten Mannes, des westfälischen Grafen Hermann von Werl (+ ca. 985/86), den späteren Herzog Hermann II. von Schwaben (997-1003). Während der Annalista Saxo Esikos Frau Mathilde und Kaiserin Gisela väterlicherseits dem Grafenhause WERL zuordnete, sahen manche Forscher sie als Halbschwestern an, indem sie vermuteten, daß diese der zweiten, jene der ersten Ehe Gerbergas entstammte [27 Z. B. CDA 1, S. 91.]. Inzwischen wurde wahrscheinlich gemacht, daß beide Töchter Herzog Hermanns II. von Schwaben gewesen sind. [28 Dazu und zum Folgenden Paul LEIDINGER: Untersuchungen zur Geschichte der Grafen von Werl. Ein Beitrag zur Geschichte des Hochmittelalters (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte 5). Paderborn 1965, S. 51-67; Eduard HLAWITSCHKA: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“ (Vorträge und Forschungen (künftig: VuF), Sonderbd. 35). Sigmaringen 1987, S. 52 mit Anm. 159, 138 mit Anm. 108, 152 mit Anm. 183; Winfrid GLOCKER: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Studien zur Familienpolitik und zur Genealogie des sächsischen Kaiserhauses (Dissertationen zur mittelalterlichen Geschichte 5). Köln/Wien 1989, S. 322; Mechthild BLACK-VELDTRUP: Kaiserin Agnes (1043-1077). Quellenkritische Studien (Münstersche Historische Forschungen 7). Köln/Weimar/Wien 1995, S. 151 f.; Franz-Reiner ERKENS: Konrad II. (um 990-1039). Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Regensburg 1998, S. 26 f., 36; Bernd SCHNEIDMÜLLER: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819-1252) (Urban-Taschenbücher 465). Stuttgart/Berlin/Köln 2000, S. 90; L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 21 f.]
Für die wohl um 988 geborene Mathilde war Graf Esiko bereits der dritte Gemahl. Zuerst hatte sie etwa 1002 Herzog Konrad I. von Kärnten (1004-1011), nach dessen Tod Herzog Friedrich II. von Ober-Lothringen (+ um 1026/27) die Hand gereicht. Der stand zu König KONRAD II. auf Distanz. Mathilde hatte damals durch Übersendung eines Gebetbuches [29 U. a. abgebildet bei Helmut MAURER: Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit. Sigmaringen 1978, S. 331. S. auch Brygida KÜRBIS: Die Epistola Mathildis Suevae an Mieszko II. in neuer Sicht. In: Frühmittelalterliche Studien 23/1989, S. 318-343.] Kontakte zu Mieszko II., dem mit dem Reich verfeindeten Polen-König, angeknüpft. Dessen Bundesgenosse war 1030 Esikos Onkel Siegfried, und daher suchte Mathilde bei der Wahl ihres dritten Mannes möglicherweise wieder Verbindung zu dem SALIER übelgesonnenen Kreisen, wenn Esikos Haltung gegenüber dem Herrscher auch unbekannt ist. Sollte das stimmen, hätte die Ehe zumindest zeitweise den Aufstieg der ASKANIER eher gefährden als fördern können.
Mathilde starb 1031/32, nachdem sie dem dritten Gemahl mit ungefähr 40 Jahren die Kinder Adalbert und Adelheid geboren hatte. Was sie Esiko bzw. dem Sohn an Gütern und Rechten zubrachte, ist offen. Da ein etwaiges Zerwürfnis zwischen Mathilde und ihrem kaiserlichen Schwager wohl nur vorübergehend gewesen sein kann [30  L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 21 f.], profitierten die ASKANIER letztlich vielleicht doch von der erheirateten Nähe zu den SALIERN [31 1043 bezeichnet König HEINRICH III. den Grafen Esiko als nostre consanguinitati coniunctus (MG DD, Bd. 5: Die Urkunden Heinrichs III. Hg. von Harry BRESSLAU/Paul KEHR. Berlin 1926-1931 (ND München 1993) (künftig: D H III.), Nr. 106; CDA 1, Nr. 115 (D H III., Nr. 398 (Vorbemerkung); CDA 1, Nr. 129, ist eine Fälschung des 12. Jh.)), also als „Unserer (Bluts-) Verwandtschaft verbunden (oder auch: vermählt)“, was der ASKANIER als Mann der Schwester der Mutter des Herrschers ja auch war.], wenn hierfür auch keine Einzelheiten überliefert sind.
Von weiteren Gemahlinnen, die Esiko vor oder nach der Ehe mit Mathilde hatte, ist nichts bekannt. Er brachte möglicherweise mit Hilfe einer Propsteigründung den Ballenstedter Burgberg an sich [32 H. ASSING: Die frühen Askanier (wie EN 1), S. 8 f. Grafenrechte im Raum Aschersleben sind für Esico nur in der weiteren Umgebung des Ortes belegt (L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 17).] und wurde wahrscheinlich 1059 letztmalig erwähnt [33 CDA 1, Nr. 136. Vielleicht ließ sich Esiko in der wohl von ihm gegründeten Propstei zu Ballenstedt beisetzen. Zu beachten ist aber, daß der Ort vermutlich erst unter seinem Sohn Adalbert fester Sitz der ASKANIER wurde, nachdem der die Grafenrechte für diesen Raum erworben hatte. S. vorige EN und EN 76. Esikos Gemahlin Mathilde wurde im Wormser Dom bei ihrem 1011 verstorbenen ersten Mann Herzog Konrad I. von Kärnten bestattet, wie dessen Neffe Kaiser KONRAD II. 1034 beurkundete (D K II., Nr. 204).].
Auch seine Schwiegertochter entstammte einem vornehmen Geschlecht. Esikos 1063 erstmals erwähntem Sohn Graf Adalbert [34 CDA 1, Nr. 139-141.] reichte Adelheid von Orlamünde die Hand. Sie war eine der drei Töchter Graf Ottos von Weimar – der von 1062 bis zu seinem Tod 1067 das Amt des Markgrafen von Meißen bekleidete – und gebar ihrem Gemahl die Söhne Siegfried und Otto [35 Der Annalista Saxo (MG SS 6, S. 693) berichtet über Markgraf Otto: Habuit autem uxorem nomine Adhelam de Brabantia ... que peperit ei tres filias, Odam, Cunigundam, Adhelheidam ... Adhelheidis vero coniuncta fuit Adalberto comiti de Ballenstide ... Qui Adalbertus genuit ex ea Ottonem comitem et Sigefridum palatinum comitem. Zu diesem Hans PEPER: Graf Siegfried von Ballenstedt, Pfalzgraf bei Rhein, ein treuer Vasall Kaiser Heinrichs IV. In: Anhaltische Geschichtsblätter 10/11/1934/35, S. 1-37. Der Ur-Ur-Urgroßvater von Adelheids Mutter Adela von Löwen, Herzog Reginar Langhals von Lothringen (+ 915) war ein Sohn Irmgards, der Tochter Kaiser LOTHARS I., des Enkels KARLS DES GROSSEN. Also gab Adelheid dessen Blut (wie ihre Schwiegermutter Mathilde welfisches) an die ASKANIER weiter. Sie starb 1100 (Annalista Saxo, MG SS 6, S. 733: Adhela sive Adelheit palatina Romam pergens defuncta est. Hec et soror eius Cunigunda filie erant Adhele marchionisse ex Ottone marchione). Adelheids Beisetzungsort ist das Kloster Springiersbach zwischen Cochem und Bernkastel-Kues. Von ihren beiden Schwestern heiratete Oda Markgraf Ekbert II. von Meißen, der 1090 – angeblich bei der Selkemühle (unter der Burg Anhalt) – erschlagen wurde. Die Verbindung blieb kinderlos. Kunigunde war zuerst mit Großfürst Izjaslaw von Kiew, nach dessen Tod (1078) mit Kuno von Beichlingen, ermordet 1103 (Brüder: Heinrich der Fette von Northeim (nördlich von Göttingen) und Siegfried III. von Boyneburg (Burg südlich von Eschwege), und dann mit Wiprecht von Groitzsch (südlich von Leipzig) vermählt. Der Ehe mit dem Großfürsten entsproß eine Tochter, die ein Graf Günther, wohl ein Käfernburger, heimführte. Kunigunde die Jüngere, eine von vier Töchtern aus der Verbindung mit dem Beichlinger, heiratete Wiprecht den Jüngeren von Groitzsch, ihre Schwester Adela den Grafen Dietrich III. von Katlenburg, nach dessen Tod (1106) den Grafen Helperich von Plötzkau. Aus der dritten Ehe Kunigundes der Älteren – mit Wiprecht dem Älteren – gingen keine Kinder mehr hervor (Annalista Saxo, MG SS 6, S. 693, 737 f.; Hans PATZE/Walter SCHLESINGER (Hg.): Geschichte Thüringens. 2. Bd., 1. Teil: Hohes und spätes Mittelalter (Mitteldeutsche Forschungen (künftig: MDF) 48/2/1). Köln/Wien 1974, S. 180); dort, nach der S. 129, auch die Abbildung eines Siegels der Adelheid von Orlamünde).]. Beide erscheinen erstmals 1083 [36 L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), EN 128 auf S. 212.]. Adalbert hat wahrscheinlich bereits als Mitgift seiner Frau nicht näher bekannte weimar-orlamündische Besitzungen empfangen.
Als Otto von Weimar ohne Söhne starb, erbte Adelheid vermutlich einen Teil von dessen Gütern [37 Nach Hans PATZE/Walter SCHLESINGER (Hg.): Geschichte Thüringens 2, 1 (wie EN 35), S. 179 f. (ohne Beleg), erhielt sie von den Beichlinger Besitzungen, die „offenbar“ dem Markgrafen Otto von Meißen gehörten, „durch eine Erbteilung die Sachsenburg mit einem Teil von Frankenhausen“. Über den die obere und die untere Sachsenburg tragenden Berg und das unter ihm liegende Kloster Oldisleben (zu ihm s. EN 51) verfügten die ASKANIER später jedenfalls. Ein Graf von Anhalt (nach Hans PEPER: Die Ascherslebische Linie der Askanier: Heinrich II., Otto I., Otto II. (1233-1315). Ein Beitrag zur Geschichte des Anhaltischen Fürstenhauses. 1. Teil: Heinrich II. (1233-1266) (Diss. Jena). Ballenstedt a. H. 1912, S. 24-28: Heinrich II.) baute 1247 im Thüringischen Erbfolgekrieg die Sachsenburg (Annales Erphordenses fratrum praedicatorum. In: Monumenta Erphesfurtensia saec. XII., XIII., XIV. Hg. von Oswald HOLDER-EGGER (MG SS rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi (künftig: rer. Germ.) [42]). Hannover/Leipzig 1899, S. 101: ... comes etiam de Anhalt, sue partis non immemor, montem qui claustro Oldesleiben imminet occupans potenter incastellavit, adiacentem vastando viciniam). Armin TILLE: Die Anfänge der Stadt Weimar und die Grafen von Weimar und Orlamünde (Neue Beiträge zur Geschichte der Stadt Weimar 2, 3). Weimar 1939, S. 53, mutmaßte: „vielleicht sind ihr (Adelheid v. Orlamünde – L. P.) die Burgen Mühlburg und Gleichen zugefallen.“ S. EN 49.]. Doch ihr Gemahl erstrebte offenbar – worauf wohl seine gleich zu schildernden Aktivitäten deuten – weitere Stücke der thüringischen Hinterlassenschaft des Schwiegervaters. Allerdings trachteten danach auch Adalberts Schwager, der mit Adelheids Schwester Oda vermählte neue Meißener Markgraf Ekbert II. [38 Sein Vater, Ekbert I. von Braunschweig, hatte die Mark Meißen nach dem Tode Ottos von Weimar erhalten, war aber schon 1068 gestorben.], und der WETTINER Markgraf Dedi II. von der Ostmark, der Ottos Witwe Adela von Löwen heiratete. Der WEIMARER hatte jedoch von seinem Bruder Poppo einen Neffen Ulrich I. hinterlassen, der zwar seit spätestens 1058 Markgraf von Krain und Istrien war [39 Poppo wurde mit der Markgrafschaft Krain belehnt und heiratete eine Gräfin von Friaul.], aber außerdem die Grafschaft Orlamünde beanspruchte. Wenigstens Teile davon wollte zu allem Überfluß wohl auch noch der König an sich ziehen. In dieser Situation rebellierten Dedi und dessen Stiefschwiegersohn Adalbert 1069 gegen HEINRICH IV. Während der Kämpfe brachte der ASKANIER die Reichsabtei Nienburg in seine Gewalt und suchte sich die in deren Umgebung gelegenen königlichen Güter dienstbar zu machen. Allerdings gaben Adalbert und der WETTINER auf, weil der Herrscher die von Dedi besetzten Burgen Scheidungen (westlich von Freyburg an der Unstrut) und Beichlingen (nördlich von Kölleda) einnehmen konnte, und gerieten vorübergehend in salische Haft [40 S. dazu unter Angabe der Quellen und weiterer Literatur: L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), EN 104 f. auf S. 209 f.; außerdem Lutz FENSKE: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Entstehung und Wirkung des sächsischen Widerstandes gegen das salische Königtum während des Investiturstreites (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 47). Göttingen 1977, S. 86-91.].
Nachdem der ASKANIER um 1080 durch Egino den Jüngeren von der Konradsburg erschlagen und wohl in Ballenstedt beigesetzt worden war, heiratete die Witwe den Pfalzgrafen Hermann vom Rhein. Dieser starb 1085, worauf sich Adelheid mit dessen Nachfolger Heinrich von Laach vermählte. Da der kinderlos blieb, adoptierte er die Söhne seiner Frau aus deren erster Ehe, zumindest aber Siegfried. Dem fiel daher nach Heinrichs Tod (1095) die rheinische Pfalzgrafschaft zu. So stieg mit Siegfried zum ersten Male ein ASKANIER in den Rang eines Reichsfürsten auf, und der Anteil seiner Mutter daran darf wohl nicht zu gering veranschlagt werden.
Spätestens nach der Ermordung Markgraf Ekberts II. von Meißen im Jahre 1090 konnte Ulrich II., der Sohn des 1070 gestorbenen Ulrich I., die Grafschaft Weimar-Orlamünde übernehmen. Doch als er 1112 ohne Nachkommen verschied [41 Er war zwar kurz mit Adelheid, der Tochter Graf Ludwigs des Springers von Thüringen, verheiratet, hatte sie aber verstoßen.], brach der Streit darum erneut aus. Vor allem machte jetzt der ASKANIER Siegfried, Pfalzgraf vom Rhein, Ansprüche geltend, die er wohl auf seine Mutter, die 1100 gestorbene Adelheid von Orlamünde, zurückführte. Siegfrieds Bruder Otto konnte darüber hinaus sogar noch auf eine weitere Spur verweisen, die auf das Erbe des erloschenen thüringischen Grafenhauses deutete: Ulrich I. hatte nach dem 1062 erfolgten Tod seines Onkels, Wilhelms IV. von Weimar, dessen Verlobte Sophia – eine Tochter König Belas I. von Ungarn(1061-1063) – geheiratet. Nachdem ihr Gemahl 1070 entschlafen war, ehelichte sie Herzog Magnus von Sachsen und gebar ihm u. a. Eilika, die Graf Otto von Ballenstedt zum Altar führte.
Aber – wie gesagt – nicht dieser, sondern dessen Bruder Siegfried erhob 1112 Anspruch auf den Nachlaß des Weimarer Grafenhauses. So wollte er wohl seine Stellung in Thüringen stärken, hatte er doch vielleicht durch die Ehe mit Gertrud, der Tochter Graf Heinrichs des Fetten von Northeim [42 Gestorben 1101, Sohn des als Gegner König HEINRICHS IV. bekannten Otto von Northeim (+ 1083). Die Vermählung mit einer Frau aus diesem Geschlecht zeigt, daß auch Siegfried versuchte, durch die Ehe Macht und Ansehen zu stärken. Seine Bewidmung des Klosters Herrenbreitungen an der Werra nordwestlich von Schmalkalden (1112: CDA 1, Nr. 181) könnte darauf hindeuten, daß er in dem betreffenden Raum über Gertrud zu Northeimer Gütern gelangt war.], bereits Besitzungen an der Werra erlangt. Im Konflikt mit HEINRICH V., der die Güter Ulrichs II. für das Reich einziehen wollte, wurde Siegfried mit zwei Verbündeten [43 Es handelte sich um Graf Ludwig den Springer von Thüringen und Graf Wiprecht von Groitzsch.] am 21. Februar 1113 durch den kaiserlichen Feldhauptmann Hoyer von Mansfeld an der Teufelsmauer bei Warnstedt (nördlich von Thale) überrascht. Schwer verwundet entkam der Pfalzgraf, starb aber bereits am 9. März. Seine damals noch unmündigen Söhne, Siegfried (II.) und Wilhelm, hinderte der Kaiser vermutlich zunächst daran, von ihrem Erbe Besitz zu ergreifen. Die Pfalzgrafschaft am Rhein erhielt ein anderer.
Doch der Sieg der weiter gegen den SALIER opponierenden sächsischen Fürsten am Welfesholz über Hoyer von Mansfeld 1115 verbesserte auch die Chancen der Söhne Siegfrieds. Dessen Bruder Otto versuchte anscheinend, den auch durch seine Mutter Adelheid erworbenen Anspruch der ASKANIER auf das Reichsfürstentum im Westen aufrechtzuerhalten [44 So ist wohl die Fehde zu erklären, die er offensichtlich gegen das Erzbistum Trier führte. Dessen Kleriker informieren nämlich in einem in die Jahre um 1118 datierten Schriftstückrest ihren Metropoliten über eine mit Graf Otto von Ballenstedt vereinbarte Waffenruhe (CDA 1, Nr. 185).]. Spätestens 1119 dürfte Siegfried (II.) zumindest Teile der vom Vater begehrten Güter in Thüringen besessen haben [45 Damals bezeichnet ihn der Erzbischof von Mainz als Vogt der Erfurter Marienkirche (CDA 1, Nr. 186). Die Verwaltung dieses Amtes dürfte Besitzungen von nicht unerheblichem Ausmaß in der Umgebung vorausgesetzt haben.]. Schließlich ging es sogar in den im gleichen Jahr zu Metz geführten Verhandlungen zwischen Kaiser und Papst u. a. um das Erbe Pfalzgraf Siegfrieds [46 Das erfahren wir ohne weitere Einzelheiten aus den Bestimmungen des im Oktober 1121 in Würzburg geschlossenen Friedens zwischen dem Kaiser und seinen Gegnern (CDA 1, Nr. 191; Annalista Saxo, MG SS 6, S. 757: Hoc est consilium, in quod convenerunt principes de controversia inter domnum imperatorem et regnum: ... De hereditate palatini comitis Sigefridi, sicuti Metis (Metz 1119 – L. P.) inter ipsum (Papst Calixt II. – L. P.) et domnum imperatorem definitum fuit, ita permaneat. Die Grablege Pfalzgraf Siegfrieds ist nicht bekannt, u. a. sind dafür Braunschweig (als Erbe seiner Gemahlin Gertrud von Northeim) oder das Kloster Herrenbreitungen an der Werra vermutet worden (H. PEPER: Graf Siegfried von Ballenstedt, Pfalzgraf bei Rhein (wie EN 35), S. 26).Nach Peter LANGE: Zur Geschichte der Grafschaft Weimar-Orlamünde. In: Thüringen im Mittelalter. Die Schwarzburger (Beiträge zur
schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte 3). Rudolstadt 1995, S.188 f., wurde Siegfried im Kloster Springiersbach zwischen Cochem und Bernkastel-Kues bestattet ].
Dessen gleichnamiger Sohn starb 1124/25. Wilhelm, der Bruder Siegfrieds (II.), erscheint 1125 als Pfalzgraf [47 Im April des Jahres bezeichnet ihn der Kaiser als Wilhelmus palatinus, Sigefridi filius (CDA 1, Nr. 196). Den Tod Siegfrieds (II.) melden die Annales S. Petri Erphesfurtenses antiqui. In: Monumenta Erphesfurtensia (wie EN 37), S. 16, zum Jahre 1125: Sigefridus iunior palatinus comes obiit; cui Willehelmus frater eius successit. Zur Vermutung, daß Siegfried (II.) evtl. schon 1124 starb, s. H. PEPER: Graf Siegfried von Ballenstedt, Pfalzgraf bei Rhein (wie EN 35), S. 23, 28.] und ist auch als Herr von Orlamünde nachweisbar [48 Das belegen zwei Quellen, nämlich eine Urkunde Erzbischof Konrads von Mainz von 1194, in der der WITTELSBACHER auf Wunsch Graf Siegfrieds III. von Weimar-Orlamünde (1176-1206, Vater: Albrechts des Bären Sohn Hermann) u. a. ein (nicht erhaltenes) Diplom des Pfalzgrafen für die Orlamünder Nikolaikirche bestätigt (Mainzer Urkundenbuch. Bd. 2: Die Urkunden seit dem Tode Erzbischof Adalberts I. (1137) bis zum Tode Erzbischof Konrads (1200), Teil 2: 1176-1200. Bearb. von Peter ACHT (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt). Darmstadt 1971, Nr. 588; CDA 5, Dessau 1881 (ND Osnabrück 1986), Nr. 271 a), und die Bezeichnung als Willehelmus palatinus comes de Orlahemunde durch den Abt von Hersfeld 1137 (Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. Hg. von Otto DOBENECKER. 1. Bd. Jena 1896, Nr. 1343; CDA 1, Nr. 247).]. Laut einer nur in die Jahre zwischen 1125 und 1137 zu datierenden Schenkung an den Mainzer Erzbischof war Wilhelm außerdem im Besitz der thüringischen Festen Gleichen und Mühlburg. Weil Albrecht der Bär dabei als Zeuge auftrat, galt er offenbar als Erbe des kinderlosen Vetters [49  Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Bearb. von Hermann KRABBO (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg). 1. Lieferung, Leipzig 1910 (künftig: Krabbo), Nr. 56; Mainzer Urkundenbuch. Bd. 1: Die Urkunden bis zum Tode Erzbischof Adalberts I. (1137). Bearb. von Manfred STIMMING (Arbeiten der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen). Darmstadt 1932, Nr. 616; CDA 1, Nr. 271 (hier zu 1140): ... castra Gliche et Muleburch cum universo monte qui dicitur Reberc et Breidenride, quod dedit palatinus Willehelmus et mater eius annuente marchioneAdelberto ...). Obwohl wir durch eine Urkunde Pfalzgraf Wilhelms von 1130 wissen, daß er eine Gemahlin Adelheid – deren Familie allerdings nicht überliefert ist – hatte (CDA 1, Nr. 203), starb er 1140 ohne Erben (Annales Rodenses. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 714: Wilemmus comes palatinus obiit, cui nullus haeres successit). Er wurde im Kloster Springiersbach zwischen Cochem und Bernkastel-Kues beigesetzt (H. PEPER: Graf Siegfried von Ballenstedt, Pfalzgraf bei Rhein (wie EN 35), S. 35 f.; Meinrad SCHAAB: Geschichte der Kurpfalz. Bd. 1: Mittelalter. 2. Aufl., Stuttgart/Berlin/Köln 1999, S. 31), sein Bruder Siegfried (II.) vermutlich in Herrenbreitungen an der Werra (H. PEPER: Graf Siegfried von Ballenstedt, Pfalzgraf bei Rhein (wie EN 35), S. 28).]. Trotzdem erlangte der Markgraf nach Wilhelms Tod (1140) vermutlich erst mit mehrjähriger Verzögerung die Herrschaft Weimar-Orlamünde [50 L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 81 f., 93.]. Als deren Graf bezeichnet Albrecht den Bären zwar keine Quelle, er war aber Inhaber von Rechten in Thüringen [51 Spätestens 1148 dürfte Albrecht der Bär Vogt des wohl von Kunigunde von Beichlingen, der Schwester seiner Großmutter Adelheid von Orlamünde (s. EN 35), – evtl. unter deren Mitwirkung – um 1088/89 gegründeten Klosters Oldisleben (südlich des Kyffhäusers) gewesen sein. Denn damals wandte sich ein Hildesheimer Geistlicher an Wibald von Stablo und Corvey, damit der beim Markgrafen erreiche, daß Heinrich von Boyneburg den vakanten Oldislebener Abtsposten erhalte (Krabbo, Nr. 162). S. dazu auch L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), EN 515 auf S. 245 f., S. 103 mit EN 873 auf S. 281, 108 f., 175 f.] und Lehnsherr dort ansässiger Vasallen und Ministerialen [52 L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 130, 139 f., 181.]. Und gewiß durch ihn hat sein zweiter Sohn Orlamünde erhalten, in dessen Besitz Hermann allerdings erst 1165 sicher nachweisbar ist [53 Eine auf 1155 datierte Urkunde BARBAROSSAS, unter deren Zeugen marchio Albertus senior und comes Hermannus de Orlagmunde erscheinen, bezieht sich vermutlich auf eine 1156 erfolgte Handlung und ist wohl sogar erst 1165 ausgefertigt (MG DD, Bd. 10, 1: Die Urkunden Friedrichs I. 1152-1158. Hg. von Heinrich APPELT unter Mitwirkung von Rainer Maria HERKENRATH/Walter KOCH/Josef RIEDMANN/Winfried STELZER/Kurt ZEILLINGER. Hannover 1975 (künftig: D F I.), Nr. 153 (einschließlich Vorbemerkung).]. Das alles kann wohl nur so erklärt werden, daß Albrecht der Bär die Grafschaft Weimar-Orlamünde schließlich doch – und zwar wahrscheinlich zwischen 1143 und 1148 [54 S. EN 50 f.]  – empfing. Daß sein Onkel Siegfried Pfalzgraf bei Rhein (also Reichsfürst) wurde und außerdem in Thüringen Fuß fassen konnte, verdanken die ASKANIER also wesentlich Adelheid von Orlamünde, der Gemahlin Graf Adalberts, des zweiten namentlich belegten BALLENSTEDTERS.
Wenden wir uns nun Adalberts anderem Sohn, Siegfrieds bereits mehrfach genanntem Bruder Otto, zu. Seine Gemahlin Eilika war bekanntlich eine Tochter von Magnus, dem letzten Herzog von Sachsen aus dem Hause der BILLUNGER, und dessen Frau Sophia, der Tochter König Belas I. von Ungarn(1061-1063) und Witwe Graf Ulrichs I. von Weimar (+ 1070). Beinahe hätte ein anderer Eilika zum Altar geführt, nämlich Markgraf Udo III. von der Nordmark. Der gehörte dem Hause der Grafen von Stade an, wollte die BILLUNGERIN heiraten, lernte dann aber beim Grafen Helperich von Plötzkau dessen Schwester Irmgard kennen und entschied sich für diese [55 Annales Stadenses auctore Alberto. Hg. von Johann Martin LAPPENBERG. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 326: Marchio Udo (1087-1106 – L. P.) proponens ducere Eilikam, filiam Magni ducis, declinavit in domum Helprici comitis de Ploceke, et videns valde pulchram sororem suam, Ermengardam, duxit eam.].
Wenn die betreffende Information der allerdings erst im 13. Jahrhundert entstandenen Stader Annalen stimmt und Udo tatsächlich zunächst Eilika erwählt hatte, dann können wir aus den dazu meist nur selten Auskunft gebenden Quellen hier vielleicht individuelle Züge der Gemahlin Graf Ottos des Reichen von Ballenstedt und Mutter Albrechts des Bären erschließen: Die Ehe mit ihr – einer der beiden Erbtöchter des letzten Herzogs von Sachsen aus der Dynastie der BILLUNGER [56 Wulfhild wurde wohl spätestens um 1075, Eilika anscheinend um 1080 geboren. S. dazu Ruth BORK: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Diss. Greifswald 1951, S. 189 f.; Gerd ALTHOFF: Die Billunger in der Salierzeit. In: Stefan WEINFURTER unter Mitarbeit von Helmuth KLUGER (Hg.): Die Salier und das Reich. Bd. 1: Salier, Adel und Reichsverfassung. 2. Aufl., Sigmaringen 1992, S. 309-329. Daß Eilika Wulfhilds jüngere Schwester war, sagt die in der ersten Redaktion wohl um 1278 verfaßte Markgrafenchronik (Chronica Marchionum Brandenburgensium. Hg. von Georg SELLO. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 1/1888, S. 117): Eylicham, secundam filiam ducis Magoni, duxit Otto comes Ascharie vel de Ballenstede, et genuit ex ea Albertum Ursum ...] – versprach sicher einen wesentlich größeren Zuwachs an Besitz und Ansehen als eine Verbindung mit der Plötzkauer Grafentochter. Da sich Markgraf Udo dennoch für Irmgard entschied, dürfte sie Eilika an Liebreiz bei weitem übertroffen haben. Die BILLUNGERIN heiratete schließlich Graf Otto von Ballenstedt [57 Annalista Saxo (MG SS 6, S. 744 (zu 1106)): Magnus quoque dux Saxonie obiit, qui duxerat uxorem Sophiam, viduam Odelrici de Wimmar, sororem Ladislai regis Ungarorum, genuitque illi duas filias Wifhildem et Eilicam. Eilica nupsit Ottoni comiti de Ballenstide, genuitque ex ea Adelbertum marchionem et filiam Adhelheidem, que nupsit Heinrico marchioni de Stathen. Wifhildis nupsit Heinrico duci, filio Welfi ducis senioris de Bawaria, genuitque Heinricum inclitum ducem Saxonie et Bawarie et Welfonem et quatuor filias.
Helmoldi presbyteri Bozoviensis cronica Slavorum. Hg. von Bernhard SCHMEIDLER (MG SS rer. Germ. [32]). 3. Aufl., Hannover 1937, I, 35: Mortuus est post haec dux Saxoniae Magnus, et dedit cesar ducatum Ludero comiti, eo quod Magnus non haberet filium, sed filias. Quarum una, Eilike nomine, nupsit Ottoni comiti genuitque ei Adalbertum marchionem cognomento Ursum. Altera vero filiarum Vulfildis nomine data est duci Bawariae Catulo, quae peperit ei Heinricum Leonem. Im letzten Satz sind der welfische Herzog Heinrich der Schwarze von Bayern (1120-1126) und dessen Sohn Heinrich der Stolze (1126-1139) gemeint. Die Eheschließung zwischen Otto und Eilika erfolgte wohl zwischen um 1095 und 1100; für die erste der beiden Jahreszahlen O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 22), S. 319, Anm. 6.].
Sie brachte den ASKANIERN einen Teil des Erbes des sächsischen Herzogs, den Anspruch auf dessen Stellung und durch die Ehe ihrer Schwester die Rivalität mit den WELFEN ein. Die über Eilika an das Haus ANHALT gelangten billungischen Güter sind nur schwer zu ermitteln. Die Gräfin von Ballenstedt ist nach dem Tod des Gemahls (1123) im Besitz von Werben [58 Vermutlich Burgwerben (nördlich von Weißenfels), denn dort ließ Eilika nach der Gosecker Chronik eine Burg bauen; die Annalen des Klosters Pegau (südsüdwestlich von Leipzig) nennen sie Herrin von Werben (Krabbo, Nr. 17 b). 1139 wird sie auch vom König als Eilika von Werben bezeichnet und verfügt über Besitz im benachbarten Kriechau (MG DD, Bd. 9: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich. Hg. von Friedrich HAUSMANN. Wien/Köln/Graz 1969 (ND München 1987) (künftig: D K III.), Nr. 28; Krabbo, Nr. 72; CDA 1, Nr. 263. – Zur mitunter angefochtenen Echtheit dieser Urkunde s. Lutz PARTENHEIMER: Albrecht der Bär, Konrad III. und die Partei Heinrichs des Stolzen im Kampf um das Herzogtum Sachsen (1138-1142). In: MVAL 4/1995, EN 109 auf S. 108). – Auch das Dorf Obschütz (bei Weißenfels, vielleicht auch Oetzsch bei Lützen) scheint dazugehört zu haben, denn es ist wohl jenes Ouziz, das Albrechts des Bären Tochter Hedwig, Witwe Markgraf Ottos des Reichen von Meißen, am 5. 1. 1197 (als ihr Sohn Dietrich der Bedrängte zum Kreuzzug aufbrach) im Landgericht Schkölen (südlich von Naumburg) dem Kloster Altzella schenkt, wobei sie es als väterliches Erbe bezeichnet (CDA 1, Nr. 712 f.). Die Vogtei des Klosters Goseck (westlich von Weißenfels) hatte Eilika ebenfalls inne, allerdings den thüringischen LUDOWINGERN abgerungen (Krabbo, Nr. 17 c; 24 a, c; 33 a). Wohl 1132 oder 1133 ertauschte Eilika vom Herrscher Güter, die in der Nähe von Goseck lagen (R L III., Nr. 365 in Verbindung mit Nr. 304). Dietrich CLAUDE: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert. Teil 2 (MDF 67, 2). Köln/Wien 1975, S. 8 f., rechnete allerdings damit, daß Albrecht der Bär Burgwerben in den Jahren 1123/24 dem Erzbistum Magdeburg im Kampf mit dessen Vogt Wiprecht von Groitzsch entrissen hatte.] und Bernburg [59 Zu 1138 ist die Bernburg als Eilikas Sitz überliefert: Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Castrum quod Berneburh dicitur, igne crematum est propter tirannidem, quam inde marchionissa Eilica exercebat. Annales Magdeburgenses. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994), S. 186: Eodem tempore castrum quod Berneburch dicitur igne crematum est propter tyrannidem, quam exercebat inde Eilica cometissa cum suis (Krabbo, Nr. 67 a). Allerdings könnte Bernburg – mit Blick auf die umliegenden askanischen Besitzungen – auch Eilikas Witwengut gewesen, ihr also von ihrem Gemahl übertragen worden sein.] nachzuweisen. Beide Orte könnten aus dem Nachlaß ihres Vaters stammen. Vielleicht kamen durch Eilika auch ehemals billungische Güter in der seit dem 14. Jahrhundert so genannten Altmark an die ASKANIER [60 1519 schrieb Heinrich Basse (Mönch des Klosters Ballenstedt) in seinem „Panegiricus Genealogiarum Illustrium Principum Dominorum in Anhalt“. In: Johann Christoph BECKMANN: Accessiones Historiae Anhaltinae ... Zerbst 1716, S. 10: ... Otho vero accepit cum Uxore sua in dotem Soldveddel cum sex Civitatibus que nunc Vetus appellatur Marchia ... Johannes SCHULTZE: Die Mark Brandenburg. 1. Bd.: Entstehung und Entwicklung unter den askanischen Markgrafen (bis 1319). Berlin 1961 (ND Berlin 1989), S. 61, vermutet, daß Otto das wohl zunächst als Allod oder Lehen den Markgrafen der Nordmark aus dem Hause STADE gehörende Salzwedel als Entschädigung für den Verzicht auf das Herzogtum Sachsen im Jahre 1112 (dazu gleich weiter unten) erhalten haben könnte. Helmut ASSING: Albrecht der Bär. Markgraf von Brandenburg (1150/57-1170). In: Eberhard HOLTZ/Wolfgang HUSCHNER (Hg.): Deutsche Fürsten des Mittelalters. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Leipzig 1995, S. 222, meint: „Er (Graf Otto v. Ballenstedt – L. P.) ... konnte dank dieser Ehe anscheinend seinen Herrschaftsbereich beträchtlich nach Norden in den Raum Stendal-Salzwedel erweitern.“ – Als Albrecht der Bär 1160 die Kirche zu Werben in der Wische dem Johanniter-Orden schenkt, erklärt er, daß das Gotteshaus zu seinem Erbe gehöre (Urkunden und erzählende Quellen zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter. Hg. von Herbert HELBIG/Lorenz WEINRICH. Erster Teil: Mittel- und Norddeutschland, Ostseeküste (Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe 26 a). 3. Aufl., Darmstadt 1984, Nr. 16; CDA 1, Nr. 456; bei Krabbo, Nr. 306, fehlt die Passage: de hereditate mea). Demnach kommen als Vorbesitzer nur die Eltern des Markgrafen in Frage. Sollte Otto der Reiche Werben besessen haben, dann dürfte es ihm wohl durch die Gemahlin zugefallen sein, da Ottos Vater kaum schon in der Altmark Fuß gefaßt haben wird. Oder Werben ging direkt von Eilika auf ihren Sohn über. Natürlich könnte Otto auch auf andere Weise Grund und Boden in der Altmark erlangt haben, z. B. durch Kauf – wie für seinen Nachfolger bezeugt (Krabbo, Nr. 301). Aber es ist wohl zumindest wahrscheinlicher, daß Albrecht der Bär von den Eltern übernommene altmärkische Güter gegen Bezahlung erweiterte, als daß Otto auf diese Weise dort erst den Grundstein für askanischen Besitz legte. – Daß Albrechts Erbe im Falle Werbens wohl eher von der Mutter stammen dürfte, scheint auch das Eigentum Heinrichs des Löwen in der Wische zu belegen, auf das dessen Sohn König OTTO IV. 1208 zugunsten des Erzstifts Magdeburg verzichtete: Conferemus ecclesie Magdeburgensi ... omnem proprietatem, quam pater noster habuit in Marchia Brandenburch et in terra, que wisch vocatur (Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Hg. von Adolph Friedrich RIEDEL, Hauptteile A (25 Bde.), B (6), C (3), D (1 Bd.), SB (Ergänzungsbd.), 5 Registerbde. Berlin 1838-1869, A 17, S. 436 f.). Vor 1150 ist zudem Besitz des WELFEN in Wittenmoor (südwestlich von Stendal) bezeugt (D K III., Nr. 241). Auch hier dürfte Eigentum zugrunde gelegen haben, das der Vater Heinrichs des Löwen, Heinrich der Stolze, von seiner Mutter, der BILLUNGERIN Wulfhild, übernommen hatte (so auch Johannes SCHULTZE: Nordmark und Altmark. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 6/1957, S. 95 f.). – Es bleibt die Frage, ob Eilika ihren Anteil an der BILLUNGER Erbschaft nach dem Tod Herzog Magnus’ (1106) ihrem Gemahl Otto übergab oder ob ihn erst beider Sohn Albrecht nach Ottos Ableben (1123) oder sogar erst nach Eilikas Tod (1142) erlangte. – S. auch L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), EN 237 auf S. 225, EN 336 auf S. 234.]  Möglicherweise verfügte die Mutter Albrechts des Bären außerdem im Raum Halle über Allod oder Lehen bzw. Rechte [61 1130 war Eilika bei Halle in Kampfhandlungen verwickelt (Krabbo, Nr. 17 b). Ob hier billungische Ansprüche bestanden, ist aber offen, s. O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 22), Anm. 129 auf S. 333.].
Johannes Schultze vermutete, daß sie vielleicht Erbansprüche auf die Hildagesburg (nördlich von Magdeburg, zwischen Elbeu und Barleben) besaß [62 J. SCHULTZE: Nordmark (wie EN 60), S. 85.],  die aber wohl eher eine alte Reichsfeste war, die dem Markgrafen der Nordmark unterstand [63 So Hans K. SCHULZE: Adelsherrschaft und Landesherrschaft. Studien zur Verfassungs- und Besitzgeschichte der Altmark, des ostsächsischen Raumes und des hannoverschen Wendlandes im hohen Mittelalter (MDF 29). Köln/Graz 1963, S. 185-207. Ihm folgt Wolfgang PODEHL: Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg. Untersuchungen zur mittelalterlichen Verfassungsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung von Altmark, Neumark und Havelland (MDF 76). Köln/Wien 1975, S. 17-29. Beide versuchen wahrscheinlich zu machen, daß neben der Hildagesburg auch Arneburg, Tangermünde, Werben und Salzwedel als Reichsburgen den Markgrafen der Nordmark unterstanden.]. Im Gebiet um Bremen hatte Eilika dagegen offenbar Anteil an billungischen Rechten und Besitzungen [64 Eine nachträglich gefälschte Urkunde Kaiser LOTHARS III. von 1134 (R L III., Nr. 400) und ein Diplom König KONRADS III. von 1145 (D K III., Nr. 133) informieren darüber, daß Eilika mit ihrem Sohn auf eigentlich dem Kloster Corvey zustehende Fischereirechte (bei Blumenthal nordwestlich von Bremen) verzichtete. S. dazu auch L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 52 mit EN 344 auf S. 234 f. Darüber hinaus belegt eine von 1142 stammende Urkunde des Erzbischofs von Bremen, daß Albrecht der Bär im westlich der Weserstadt gelegenen Sumpfgebiet Besitz hatte, der wahrscheinlich aus den billungischen Gütern in diesem Raum stammte (Quellen zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter (wie EN 60), Nr. 24; CDA 1, Nr. 292; Krabbo, Nr. 107). S. dazu auch L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 91 mit EN 750-752 auf S. 266.]. Daß ihr auch bei Querfurt Güter gehörten, sollte man nicht daraus schließen, daß sie 1139 Grund und Boden im benachbarten Gatterstedt vom Bremer Erzbischof ertauschte [65  D K III., Nr. 28.], denn sie schenkte die Liegenschaft dem thüringischen Kloster Paulinzella (östlich von Ilmenau) [66 CDA 1, Nr. 408.].
Die genaue Lage des Dorfes Diwiche an der Saale, von dem Eilika der Abtei Huysburg (nördlich von Halberstadt) zwei Hufen übertrug [67 CDA 1, Nr. 445.], ist unbekannt. Der Besitz Graf Dietrichs von Werben, eines Sohnes Albrechts des Bären, beim Kloster Obernkirchen (östlich von Minden) und im benachbarten Vehlen [68 CDA 1, Nr. 524.]  sowie bei Apelern (zwischen Bückeburg und Hannover) [69 Ein Viertel des Kirchenlehens zu Apelern, das zum Erbteil seines Sohnes Dietrich gehörte, schenkte Albrecht der Bär 1162 dem Nonnenkloster Lamspringe (nördlich von Bad Gandersheim, nordöstlich der Winzenburg), in dem des Markgrafen Tochter Adelheid bestattet worden war (CDA 1, Nr. 463).] könnte ebenfalls von seiner Großmutter Eilika stammen. Deren Mitwirkung an der Resignation von vier Hufen in Löpitz (östlich von Merseburg) durch Markgraf Albrecht an KONRAD III. zum Zwecke der Übergabe an den Konvent in Pforta bei Naumburg weist vielleicht auf ehemals billungischen Besitz im Merseburger Raum hin.[70 D F I., Nr. 178.]
Doch nicht nur Teile der Hinterlassenschaft Herzog Magnus’ von Sachsen kamen über dessen Tochter Eilika an Graf Otto von Ballenstedt und ihren Sohn, auch der Aufstieg der ASKANIER in die Hochadelshierarchie dürfte durch die Ehe nicht unerheblich gefördert worden sein. Das zeigte sich schon 1112. Nach Zerwürfnissen zwischen dem 1106 von HEINRICH V. zum neuen sächsischen Herzog berufenen Grafen Lothar von Süpplingenburg und dem Kaiser ersetzte dieser jenen durch Otto, einen der beiden Schwiegersöhne des letzten BILLUNGERS. Allerdings einigten sich der SAALIER und der von ihm Gestürzte wenige Wochen später wieder, und der BALLENSTEDTER verlor noch 1112 den neuen Herzogshut. Als im nächsten Jahr sein Bruder, Pfalzgraf Siegfried bei Rhein, infolge der bei Warnstedt empfangenen Wunden starb, waren die ASKANIER den reichsfürstlichen Rang ganz los.
Daß sie ihn spätestens 1125 mit Siegfrieds Sohn Wilhelm im Amt des Vaters wiederhatten [71Von spätestens 1125 an sollten sich Mitglieder des Hauses ANHALT bis 1918 im Besitz reichsfürstlicher Würden behaupten. Zwar starb Wilhelm 1140 ohne Kinder, doch sein Vetter Albrecht der Bär und einzelne Linien von dessen Nachkommen trugen seit 1134 ununterbrochen markgräfliche (bis 1320), herzogliche (1180-1689, ab 1806), fürstliche (1215-1807) oder kurfürstliche (1198/1356-1422) Titel.], geht kaum auf die Verbindung mit der BILLUNGERIN Eilika zurück, eher schon die Durchsetzung ihres Sohnes Albrecht als Markgraf der Lausitz. Gegen den Willen des Kaisers wurde der neue Graf von Ballenstedt dabei von 1123 bis 1125 von Herzog Lothar von Sachsen unterstützt. [72 Graf Otto der Reiche von Ballenstedt starb 1123. Zum unmittelbar darauf einsetzenden ersten Aufstieg seines Sohnes Albrecht des Bären in den Markgrafenrang L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 33-47.] Vielleicht spielte die Abkunft Eilikas auch eine gewisse Rolle, als Lothar, der 1125 deutscher König und 1133 Römischer Kaiser geworden war, Albrecht den Bären 1134 zum Markgrafen der Nordmark ernannte [73 Ebda., S. 47-52. Als Markgraf der Lausitz war Albrecht 1131 abgesetzt worden, nachdem er den König provoziert hatte.]. Von größerem Gewicht dürfte sie jedoch beim 1138 zunächst erfolgreichen Plan ihres Sohnes gewesen sein, wie Vater und Großvater Herzog von Sachsen zu werden. Als Albrecht nach der Erhebung durch König KONRAD III. auf die Opposition einiger sächsischer Fürsten stieß, unterstützte ihn die Mutter sogar mit Gewalt [74 S. EN 59 und L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 63-84.]. Sie starb am 16. Januar 1142 [75  Krabbo, Nr. 99 a.]  – während Albrechts Herzogszeit ablief – und wurde wahrscheinlich an der Seite ihres 1123 entschlafenen Gemahls im askanischen Hauskloster Ballenstedt beigesetzt [76 Heinrich Basse (wie EN 60) schreibt über Graf Otto von Ballenstedt und dessen Gemahlin (S. 11): ... sepultus cum Patribus suis in Oratorio monasterii sui novi Anno Domini Millesimo Centesimo Vicesimo tercio. Heylicha vero ejus Uxor ... sepulta ibidem juxta maritum suum.].
Abschließend sei noch das wenige vorgestellt, was wir von der Frau desjenigen wissen, der die reichsfürstliche Stellung des Hauses ANHALT – als letzter Markgraf der Nordmark und erster Markgraf von Brandenburg – endgültig errang. Die Herkunft der Gemahlin Albrechts des Bären steht im Gegensatz zu den Gattinnen seiner Vorfahren nicht fest. Wir wissen, daß sie Sophia hieß und eine Schwester Beatrix hatte. Diese wurde 1123 Äbtissin des Klosters Heerse und leitete seit 1138 das Quedlinburger Stift [77 Annalista Saxo (MG SS 6), S. 776: Pro Gerburga Quidelingeburgensi abbatissa substituta est Beatrix, abbatissa cenobii quod dicitur Herse. Hierbei handelt es sich um das Kanonissenstift Heerse (Neuenheerse) östlich von Paderborn, wo Beatrix seit 1123 Äbtissin war (Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zu ihrer Aufhebung (Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte 2 – Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen 44). Teil 2: Münster-Zwillbrock. Hg. von Karl HENGST. Münster 1994, S. 140, 146).]. Beide starben 1160 [78 Magdeburger Annalen (MG SS 16), S. 191: Sophia marchionissa obiit. Annales Palidenses auctore Theodoro monacho. Hg. von Georg Heinrich PERTZ. In: MG SS 16. Hannover 1859 (ND Stuttgart 1994) (Pöhlder Annalen), S. 92: Anno Domini 1160. domna Sophia marchionissa obiit, quam pie memorie soror eius Beatrix, abbatissa Quidilingeburgensis, octavo die moriendo subsecuta est. Im Necrologium Herisiense. Hg. von Julius EVELT. In: Zeitschrift (künftig: Zs.) für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde (Westfälische Zs.), 36, 2 /1878, steht unter dem 25. März (S. 47) : O(biit – L. P.). Sophia marchionissa.]. Erwähnt ist Sophia allerdings erst 1155 [79 UBM, Nr. 282.]. Wahrscheinlich zu Unrecht nahm man denn auch an, daß Albrecht der Bär zweimal verheiratet gewesen sei [80 Leopold VON LEDEBUR: Die Grafen von Valkenstein am Harze und ihre Stammgenossen. Berlin 1847 (ND Naumburg 2000), S. 47-49, wollte Albrecht als erste Gemahlin Mechthild, eine Schwester der beiden letzten Plötzkauer Grafen Konrad und Bernhard, zuweisen. Gerlinde SCHLENKER: Die Rolle der Askanier und Albrechts des Bären. In: Die Altmark – eine Region in Geschichte und Gegenwart. Protokoll des Wissenschaftlichen Kolloquiums am 11./12. 10. 1997 in Havelberg (Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts 8). Halle 1998, S. 12, meint, daß der Markgraf zuerst mit Sophie von „Rineck“, dann mit Sophie von Assel verheiratet gewesen sei. Sie bringt dafür keinen Beleg und stützt sich offensichtlich auf recht alte Publikationen (s. dazu O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 22), S. 411-413). Wichtig zur Klärung dieser Frage ist die Feststellung, daß alle bekannten Söhne des Markgrafen – also von Otto, dem Ältesten, bis zu Bernhard, dem Jüngsten (das Altersverhältnis der Töchter ist noch schwerer zu ermitteln) – durch drei Quellen als Kinder Albrechts und seiner Gemahlin Sophia ausgewiesen sind. Das geschieht erstens in einer Urkunde des Ballenstedter Abtes Arnold von 1159 (sub testimonio marchionis Adalberti atque nobilissime coniugis eius Sophie necnon filiorum ipsorum, scilicet Ottonis, Adalberti, Theoderici, Hermanni, Bernhardi ... (Quellen zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter (wie EN 60), Nr. 8; CDA 1, Nr. 454)); zweitens bezeichnet Otto I. von Brandenburg anläßlich der Havelberger Domweihe vom 16. August 1170 seine Mutter Sophia und Markgraf Albert als Eltern (Quellen zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter (wie EN 60), Nr. 17; CDA 1, Nr. 513: pro animabus parentum nostrorum, hoc est marchionis Alberti et Sophie matris nostre); und drittens berichtet die Markgrafenchronik (wie EN 56, S. 117 f.): Marchio primus. Albertus Ursus ex uxore sua genuit Ottonem; Bernardum ducem Saxonie; iste Bernardus 1180 coram Frederico imperatore dominica Judica (6. April – L. P.) Geylenhusen ducatum Saxonie ex sententia principum optinuit duci Henrico abiudicatum; Hermannum comitem de Orlemunde; Albertum comitem de Anhalt; Syfridum episcopum Brandeburgensem, postea archiepiscopum Bremensem, et Hadewigem, quam duxit Otto marchio Misnensis ... – Zwar fehlen in der Aufzählung neben mehreren Töchtern Albrechts dessen Söhne Heinrich, der Magdeburger Domherr, und Dietrich, der Graf von Werben, aber wieder ist wichtig, daß Sophia sowohl als Mutter des Ältesten wie des Jüngsten erscheint. – S. auch O. v. Heinemann: Albrecht der Bär (wie EN 22), Ende der Anm. 6 auf S. 413, der darauf hinweist, daß des Markgrafen Kinder Sophia urkundlich als Mutter, nicht als Stiefmutter bezeichnen. Auch gedenkt Albrecht der Bär in seinen beiden darauf Bezug nehmenden Urkunden nur des Seelenheils einer verstorbenen Gemahlin (CDA 1, Nr. 456 (1160): Athelbertus divina favente clementia Brandeburgensis marchio. Noverit ... universitas, quod ego Athelbertus Dei gracia Brandeburgensis marchio ob mee videlicet et uxoris mee Sophie liberorumque meorum necnon et predecessorum posterorumque meorum salutis recordacionem ...; CDA 1, Nr. 463 (1162): ... Ego Adelbertus Dei gratia Brandenburgensis marchio pro remedio anime mee et patris mei et matris mee et uxoris mee, precipue filie mee Adelheitis, que sepulta est in ecclesia que Lamesprinhe vocatur...).]. Sophia dürfte ihm spätestens zwischen 1123 und 1125 die Hand gereicht haben, da ihr ältester bekannter Sohn, Markgraf Otto I. von Brandenburg (+ 1184), offenbar in dem Zeitraum zur Welt kam [81Helmut ASSING: Albrecht der Bär als marchio de Brandenburg und marchio Brandenburgensis. Werdegang und Hintergründe einer Titeländerung. In: DERS.: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter (wie EN 1), (zuerst: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 46/1995), S. 144-150, 167-170.].  Über ihre Besitzungen wissen wir kaum etwas [82 1157 bestätigt Albrecht der Bär dem Kloster Leitzkau u. a. eine Hufe zu Wolmirsleben (an der Bode, östlich von Egeln), die seine Gemahlin dem Konvent bei dessen Weihe (1155) zur Beschaffung von Kerzen geschenkt hatte (... unum mansum situm Wolmersleve, quem uxor mea Sophia largitione mera et annuentibus filiis in dedicatione ecclesiae in monte beatae Mariae Leetzekeensi ad luminaria comparanda contulit ... (CDA 1, Nr. 441)). Als der Markgraf dem Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg – wohl vor dem 15.1.1149 – einen benachbarten Hof und Besitzungen nördlich und östlich der Domstadt an der Elbe schenkte, heißt es in der darüber ausgestellten Urkunde, die in der überlieferten Form vermutlich der Zeit um 1160 angehört (CDA 1, Nr. 362, dazu Rainer Maria HERKENRATH: Wibald von Stablo, Albrecht der Bär und die Mark Brandenburg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 98/1990, S. 110-112; H. ASSING: Albrecht der Bär als marchio (wie vorige EN), S. 161 f.), daß er die Übereignung zusammen mit seiner Gemahlin vorgenommen habe. Ob Teile dieser Güter wirklich Sophia gehörten und welche das in dem Fall waren, ist unbekannt. Außerdem bliebe offen, inwiefern es sich bei Besitzungen der Markgräfin um deren Mitgift oder um Wittum handelt, das sie von Albrecht erhalten hatte. Deshalb ist es kaum möglich, aus der Lage von Gütern Sophias auf ihre Abstammung zu schließen.]. 1158 begleitete sie den Gemahl auf einer Wallfahrt nach Jerusalem [83 Daß der Markgraf das Heilige Grab besuchen wollte, hatte er 1158 urkundlich erklärt (timore et amore creatoris mei permotus, cum ad visendum sepulchrum eius votum fecissem (CDA 1, Nr. 445)). Die Pöhlder Annalen (MG SS 16), S. 90, berichten denn auch zu dem Jahr: Adelbertus marchio cum Odelrico Halberstadensi episcopo per Greciam Ierosolimam causa orationis proficiscitur. Weitere Quellen mit dieser Meldung bei Krabbo, Nr. 289. Die Teilnahme Sophias und „vieler anderer“ ist der im 13. Jh. entstandenen Chronik des Klosters auf dem Petersberg bei Halle zu entnehmen (Chronicon Montis Sereni. Hg. von Ernst EHRENFEUCHTER. In: MG SS 23. Hannover 1874 (ND Stuttgart 1986), die zu 1158 berichtet (S. 151): Ulricus Halverstadensis episcopus et Albertus marchio cum uxore et aliis multis iter peregrinacionis ad partes transmarinas assumpserunt.]. Sophia wurde vermutlich im Kloster Ballenstedt beigesetzt, der 1170 verstorbene Albrecht der Bär neben ihr. Dort fand der Bernburger Baurat Friedrich Maurer im Jahre 1880 in der Nikolaikapelle des erhaltenen Westwerks die wahrscheinlichen Gräber [84  L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 183 f. Der durch den 1860 gehobenen Frecklebener Münzfund bekannte Brakteat Albrechts des Bären, der den Markgrafen und eine offenbar weibliche Person – anscheinend seine Gemahlin – nebeneinanderstehend zeigt (Umschrift: ADELBERT(V)S MARCHIO), ist u. a. abgebildet bei H. THORMANN: Die anhaltischen Münzen des Mittelalters (wie EN 6), Nr. 8 auf S. 19 und Tafel II; Matthias PUHLE (Hg.): Erzbischof Wichmann (1152-1192) und Magdeburg im hohen Mittelalter. Stadt – Erzbistum – Reich. Magdeburger Museen 1992, S. 266.].
Im Falle Sophias, deren Herkunft die Quellen nicht nennen, schlug man dafür – wie schon angegeben – bereits mehrere Adelshäuser vor. So ist z. B. auf Grund der späteren Grabinschrift ihrer Schwester [85 Äbtissin Beatrix von Quedlinburg gründete das Kloster Michaelstein bei Blankenburg im Harz, wo sie sich auch bestatten ließ. Ihre dortige spätere Grabinschrift, die O. V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 22), S. 412, älterer Literatur entnommen hat, gab an: ... Orta de stemmate regali Friderici ... Per XXIII annos abbatissa praefui. Incarnationis Domini MCLXI anno, ind. VIII, Jd. Julii. – Jahr und Todestag sind nach der Indiktion und den unter EN 78 genannten Quellen zu korrigieren. S. auch Marita KREMER: Die Personal- und Amtsdaten der Aebtissinnen von Quedlinburg bis zum Jahre 1574. Diss. Leipzig 1924, S. 30.] die Abstammung der beiden Damen von den HOHENSTAUFEN vermutet worden [86 Otto V. HEINEMANN: Albrecht der Bär (wie EN 22), S. 413, meint, daß – die Richtigkeit der in der vorigen EN zitierten Grabinschrift vorausgesetzt – Sophia und Beatrix dann Töchter Herzog Friedrichs I. von Schwaben und seiner Gemahlin Agnes (deren Vater Kaiser HEINRICH IV. war), also Schwestern Herzog Friedrichs II. und König KONRADS III., gewesen sein müßten. Horst GAISER: Orta de stemmate regali Friderici. Ist die Gemahlin Albrechts des Bären doch eine Stauferin? Zur ottonisch-salischen Abstammung der Quedlinburger Äbtissinnen. In: Zs. für Württembergische Landesgeschichte 40/1981, S. 221-229, hat diese Variante noch einmal ins Spiel gebracht. Doch bezeichnet weder der erste staufische Herrscher Albrecht als Schwager, noch nennt der zweite ihn Oheim. Außerdem bemerkt Wolfgang PETKE: Kanzlei, Kapelle und königliche Kurie unter Lothar III. (1125-1137) (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. BÖHMER, Regesta Imperii 5), Köln/Wien 1985, S. 38 mit Anm. 136, wohl zu Recht, daß die Erhebung einer STAUFERIN zur Äbtissin in dem westfälischen Stift (Neuen-) Heerse schlecht zur politischen Lage der Jahre vor 1125 passe. Beatrix übernahm das Amt 1123.]. Die größte Wahrscheinlichkeit darf derzeit jedoch wohl die Identifikation der Gemahlin Albrechts des Bären mit einer Tochter Graf Hermanns I. von Winzenburg (+ 1122) beanspruchen [87  Die Winzenburg liegt nordwestlich von Bad Gandersheim. Adolf COHN: Beiträge zur älteren deutschen Geschlechtskunde. I: Zur Geschichte der Grafen von Reinhausen und Winzenburg. In: Forschungen zur Deutschen Geschichte 6. Göttingen 1866, S. 529-584, versuchte wahrscheinlich zu machen, daß Graf Hermann II. von Winzenburg der Bruder von Albrechts Gemahlin Sophia und deren Schwester Beatrix, der Äbtissin von Quedlinburg, war. Dazu paßt nach W. PETKE: Kanzlei (wie vorige EN), S. 37 f. mit Anm. 136, daß Hermanns Ermordung in der Nacht vom 29. zum 30. Januar 1152 gerade im Necrologium Herisiense (wie EN 78, S. 43) erwähnt wird. Weiterhin kann diese These dadurch gestützt werden, daß die beiden ältesten Söhne Albrechts des Bären Otto und Hermann, also nach dem Vater des Markgrafen und wohl dem seiner Gemahlin, hießen. Außerdem wissen wir laut Albrechts eigenem Zeugnis aus dem Jahre 1162, daß dessen Tochter Adelheid im Nonnenkloster Lamspringe (bei der Winzenburg!) begraben wurde, demnach vermutlich diesem Konvent beigetreten war (s. EN 80). Daß Graf Hermann II. von Winzenburg zunächst Albrecht den Bären 1138/39 als neuen Herzog von Sachsen unterstützte (L. PARTENHEIMER: Albrecht der Bär (wie EN 1), S. 71-76) und dieser nach dem erbenlosen Tod Hermanns 1152 dessen Erbe beanspruchte (ebda., S. 122, 124 f.), würde sich natürlich gut erklären, wenn beide Schwäger gewesen waren. Auch die 1147 belegte Stellvertretung des ASKANIERS für den WINZENBURGER als Corveyer Vogt (D K III., Nr. 182) ist vielleicht damit zu begründen. Eduard HLAWITSCHKA: Die ‚Verwandtenehe‘ des Gegenkönigs Hermann von Salm und seiner Frau Sophie. Ein Beitrag zu den Familienbeziehungen der rheinischen Ezzonen/Hezeliniden und des Grafenhauses von Formbach/Vornbach. In: Konrad ACKERMANN/Alois SCHMID/Wilhelm VOLKERT (Hg.): Bayern. Vom Stamm zum Staat. Festschrift für Andreas KRAUS zum 80. Geburtstag, Bd. 1 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 140). München 2002, S. 41-43 mit Anm. 92, meint jetzt, daß Sophia nicht der Ehe Hermanns I. von Winzenburg mit Hedwig von Windberg, sondern der vermuteten vorangegangenen Verbindung dieses Grafen mit einer EBENSTEINERIN entsprossen war.]. Die Güter dieser Familie waren nicht unerheblich, wie allein schon der erbitterte Streit beweist, der nach ihrem Erlöschen (1152) über die Hinterlassenschaft zwischen Albrecht und Heinrich dem Löwen geführt wurde [88  S. vorige EN.].

Fazit: Daß Adlige Besitz, Macht und Ansehen u. a. durch die Auswahl der Gemahlinnen zu mehren suchten, ist bekannt. Die Konsequenz jedoch, mit der die ersten überlieferten ASKANIER in jeder Generation – Esikos Vater, Esiko, Adalbert, Otto (auch dessen Bruder Siegfried) und Albrecht der Bär – dabei verfuhren, darf wohl Aufmerksamkeit beanspruchen und erklärt neben noch weiter zu untersuchenden Faktoren den Aufstieg des Hauses ANHALT im 11. und 12. Jahrhundert vom Grafen- in den reichsfürstlichen Rang.
 


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