Nikolaus II.                                     Papst (6.XII.1058-27.VII.1061)
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    -27.VII.1061
    Florenz
 

Sohn des N.N.
 

eigentlich Gerhard
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1170
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Nikolaus II., Papst seit 6. Dezember 1058
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     + 20. Juli 1061
      Florenz

eigentlich Gerhard

Aus dem französischen Burgund, vor 1045 Bischof von Florenz, wo Papst Stephan IX. am 29. März 1058 starb; Nikolaus II. wurde gegen Benedikt X. auf Betreiben Hildebrands (Gregor VII.) und mit Zustimmung des deutschen Hofes, die man abwartete, von den aus Rom geflohenen Kardinalbischöfen in Siena gewählt und nach einer Synode in Sutri zur Exkommunikation Benedikts unter dem Schutz Herzog Gottfrieds III. des Bärtigen am 24. Januar 1059 in Rom inthronisiert. Der Legalisierung seiner Erhebung diente die Lateransynode von 1059, die das bedeutendste Ereignis in Nikolaus' II. Pontifikat wurde. Zukunftsweisend war auch das aus der Bekämpfung des Gegen-Papstes erwachsene Bündnis mit den zuvor feindlichen Normannen Unteritaliens, deren Anführer Robert Guiscard und Richard von Aversa, Nikolaus II. im August 1059 in Melfi als Vasallen annahm. Durch eine Legation unter dem Kardinal Petrus Damiani griff er in den Mailänder Streit zwischen Erzbischof Wido und der Patria ein. Kurz vor Nikolaus' II. Tod kam es aus ungeklärtem Grund zu einem schweren Zerwürfnis mit dem deutschen Hof. Als Persönlichkeit tritt Nikolaus II. schon in zeitgenössischen Zeugnissen hinter seinen Hauptberatern Hildebrand, Humbert von Silva Candida und Petrus Damiani zurück.

Quellen:
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LP II, 280 - Jaffe I, 557-566; II, 711, 750

Literatur:
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Haller II, 312-337, 586-594 - Seppelt III, 37-49 - D. Hägermann, Zur Vorgesch. des Pontifikats N., ZKG 81, 1970, 352-361 - W. Goez, Reformpapsttum, Adel und monastische Erneuerung in der Toscana (VuF 17, 1973), 205-239 - T. Schmidt, Alexander II. (1061-1073) und die röm. Reformgruppe seiner Zeit, 1977, bes. 63-80 - J. Laudage, Priesterbild und Reformpapsttum im 11. Jh., 1984, 207ff. [dazu AK 68, 1986, 479ff.] - G. Tellenbach, Die w. Kirche von 10. bis zum frühen 12. Jh. (Die Kirche in ihrer Gesch. 2, Lfg, F 1, 1988), 127ff., 158f.


Kühner Hans: Seite 140
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"Lexikon der Päpste"

Der nur kurze Pontifikat stand unter dem Zeichen bedeutungsvoller Ereignisse. Eine Synode im Lateran brachte ein Papstwahldekret heraus, nach welchem Klerus und Volk der Wahl der Kardinäle nur noch zustimmen konnten. Der Zölibat wurde zur kanonischen Pflicht gemacht, doch blieben die Bestimmungen weitgehend Theorie. Mit dem Verbot, Kirchenämter von Laien entgegenzunehmen, kündigte sich der bald ausbrechende erbitterte Kampf zwischen Kaisern und Päpsten an. Der Einfluß des deutschen Hofes wurde spürbar begrenzt.
Die von Hildebrand durchgesetzte Synode von Melfi erhob den Normannen Robert Guiscard zum Herzog von Apulien, Calabrien und Sizilien, der sich dem Papsttum als Lehnsfürst verbündete. Damit trat ein neuer Faktor in die italienische, päpstliche und kaiserliche Politik, der für Jahrhunderte Probleme, teilweise blutige Wirren heraufbeschwor.
 
 
 
 

Literatur:
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Cawthorne Nigel: Das Sexleben der Päpste. Die Skandalchronik des Vatikans. Benedikt Taschen Verlag 1999 Seite 98 - Goez Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 70,100,101,109,126, 129,131,146,154-158,165,179,206 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998 Seite 126-128,138,160,162,238 -