Johannes XIX.                                Papst (IV./V.1024-6.XI.1032)
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    -6.XI.1032 ( 20. Oktober 1032 Herrmann)
 

Sohn des Grafen Gregor I. von Tusculum und der Maria

eigentlich Romanus, Graf von Tusculum
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 543
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Johannes XIX. (Romanus), Papst seit April 1024
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     + 20. Oktober 1032

Aus dem Hause der Grafen von Tusculum und unter seinem älteren Bruder und Vorgänger Benedikt VIII. als Consul, Dux, Senator weltlicher Machthaber in Rom und der Campagna. Als Laie gleichsam im Erbgang und angebliche simonistisch erhoben, sorgte Johannes XIX. für die Sicherung seiner regionalen Herrschaft und suchte das Einvernehmen mit KONRAD II., dem er am 26. März 1027 im Beisein der Könige Rudolf III. von Burgund und Knut von Dänemark-England die Kaiserkrönung gewährte. Im Streit zwischen Aquleia und Grado sowie bei der Verlegung des Bistums Zeitz nach Naumburg (1028) kam er dem Kaiser entgegen. Enge Beziehungen unterhielt er zu Abt Odilo von Cluny, dem er gegen alle Widerstände in Frankreich die völlige Exemtion seines Klosters verbriefte. Unglaubwürdig ist die Nachricht des Rudolf Glaber, Johannes XIX. habe gegen Geld weitreichenden Zugeständnisse an Byzanz machen wollen.

Quellen:
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LP II, 269 - Jaffe I, 514-519; II, 709, 748 - H. Zimmermann, Papsturkk. 896-1046, II, 1989, 1043-1126

Literatur:
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Haller II, 235-261 - Seppelt II, 408-412 - K.J. Herrmann, Das Tuskulanerpapsttum (1012-1046), 1973 [vgl. dazu: DA 34, 1978, 626f] - Die Synoden im Reichsgebiet und in Reichsitalien von 916 bis 1056, 1988, 325ff.



Thiele, Andreas: Tafel 394
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

JOHANN XIX.
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    + 1032

= Graf Romano von Tusculum

War vorher auch Herzog und Consul von Rom.

Erzwang nach dem Tod des Bruders (Papst Benedikt VIII.) seine Wahl zum Papst und läßt sich alle nötigen Weihen auf einmal geben. Beginnt schamlos, simonistischen Handel zu treiben, will wohl sogar die päpstlichen Primatialrechte an den Patriarchen von Byzanz verkaufen, da Byzanz damals seine Papstlisten beendet, wird de facto schon das große Schisma eingeleitet. Steht gegen die mächtige CRESCENTIER-Sippe und krönt am 26. März 1027 König KONRAD II. zum Kaiser.



Kühner Hans: Seite 130
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"Lexikon der Päpste"

Durch Bestechung und Gewaltanwendung machte sich der Bruder Benedikts VIII. und bisherige Consul et Dux et Senator omnium Romanorum zum Papst. Er setzte sich über alle kanonischen Gesetze hinweg und ließ sich am ersten Tage alle Weihen erteilen. Dann begann er einen schamlosen simonistischen Handel zu treiben und seine entsprechenden Geschäftsverbindungen auszubauen. Der Chronist Radulfus Glaber von Cluny behauptet, er sei nur mit Mühe daran gehindert worden, die Primatialrechte der Päpste an den Patriarchen von Byzanz zu verkaufen. Er krönte KONRAD II. und seine Gemahlin Gisela zu Kaiser und Kaiserin.


Herrmann Klaus-Jürgen
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"Das Tuskulanerpapsttum (1012-1046)
 

           I.  ADLIGE AUF DEM PAPSTTHRON

Als der Papst am 9. April l024 verstarb, war der Kirchenstaat wohl geordnet; sein Bruder Romanus konnte ohne jegliche Opposition spätestens am 19. April 1024 die Konsekration erlangen. Dieser Papst, der laut Breßlau "keine ... besondere Achtung zu erwecken oder einen imponierenden Eindruck hervorzubringen geeignet war", zeigte sich jedoch sehr wohl in der Lage, die Politik seines Bruders und Vorgängers in glücklichem Ausmaß fortzusetzen. Anders als Benedikt VIII., der die politische Macht einzelner Adelssippen einzudämmen versuchte, sah er in einer diplomatischen Aussöhnungspolitik mit den STEPHANIERN und OKTAVIANERN sowie ihren Parteigängern, in einem gezielten aber nicht ungezügelten "Laissez faire laissez aller" bessere Möglichkeiten, den Frieden im Kirchenstaat zu wahren und seine Position zu festigen. So verblieb der STEPHANIER Crescentius als Stadtpräfekt in seinem Amt, und die beiden OKTAVIANER, Oddo und sein Bruder Crescentius, konnten das Rektorat der Sabina ohne Beaufsichtigungen bis April 1035 verwalten. Der Bruder des Papstes, Alberich III., der bisher als "consul et dux" im Auftrag Benedikts VIII. Gerichtsbefugnisse des Stadtpräfekten mitübernommen hatte, wurde offensichtlich von Johannes XIX. aus diesem Amt abberufen und erhielt dafür ein päpstliches Hofamt als "comes sacri Lateranensis palatii". Wie sein Vorgänger war der Papst daran interessiert, die Stellung geistlicher Institutionen zu stärken. 1029 bestätigte er wohl in dieser Intention dem von ihm geweihten Bischof Benedikt von Tivoli u.a. die Befreiung vom Brückenzoll am Ponte Lucano, und im Dezember 1076 machte sich Johannes XIX. aus demselben Grund für die Rechte des Bischofs von Silva Candida stark. Auf einer Synode hatte der Papst - im Zusammenhang mit einem Streit zwischen den Klerikern der Kirchen St. Nikolaus und St. Andreas in Galeria, den es zu schlichten galt - erfahren müssen, dass dem zuständigen Diözesanbischof von der klagenden Geistlichkeit nicht der ihm privilegierte dritte Teil der Einkünfte, die Tertia, sondern nur ein Bruchteil dieses Betrages abgeliefert wurde. Energisch drang Johannes sofort darauf, dass dieser Mißbrauch abgestellt werde und dass die Kleriker durch feierliche Refutation, d. h. durch Verzicht auf die gewohnte Befreiung, dem nun mit diesen Rechten investierten Bischof Petrus von Silva Candida die Tertia zusicherten.
Die Zurückgabe alter Rechte, die die beiden CRESCENTIER-Zweige zu Zeiten Benedikts VIII. nur unter Kuratel und geschmälert genießen durften, sicherte Johannes XIX. den ruhigsten Pontifikat der drei TUSKULANER-Päpste. Ein Aufstand in Rom im März des Jahres 1027 anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten KONRADS II. entzündete sich diesmal nicht wie 1014 an der Opposition mißgelaunter Adelskreise gegenüber dem päpstlich-kaiserlichen Regiment, sondern an einer simplen Kuhhaut, um deren Teilung sich deutsche Soldaten und römischen Pöbel ohne ersichtlichen Grund prügelten und tot stachen. Es scheint, dass sich nur einer mit der Machtaufteilung in Rom und seiner neuen Position nicht abfinden konnte: der eigene Bruder des Papstes, Alberich III. Um 1027 verfaßte ein tuskulanischer Parteigänger die Streitschrift Libellus de ceremoniis aule imperatoris mit der Absicht, dem weltlichen Flügel der TUSKULANER-Partei eine quasi-patriciale Stellung innerhalb Roms zu erstreiten. Auffällig an dieser Schrift war jedenfalls, dass dem Aufgabenbereich des Papsttums keine Zeile gewidmet wurde, die Kompetenzen eines weltlichen TUSKULANER-Diktators aber aufs ausführlichste dargelegt wurden. Sollte man daraus etwa ablesen, dass Alberich zu dieser Zeit in einer gewissen Opposition zu Johannes stand? Mit Sicherheit ist das nicht auszumachen, doch verrät die Nachbildung der Titular des künftigen TUSKULANER-Diktators "comes caesarini palatii" deutlich, auf wessen Initiative dieser Entwurf entstand.
Nach den Plänen des Libellus sollte künftig alle Macht einzig beim Imperator und Monokrator, dem Kaiser, liegen. Zweiter im Reich und ausführendes Organ ist der "comes caesariani palatii", der über den anderen "comites, qui sunt in mundo" steht, auf fünf Jahre vom Kaiser ernannt, sein Amt verwaltet und TUSKULANER sein muß. Dieser tuskulanische Diktator wird "princeps" und Führer wie Lenker des Volkes sein, während er als Patricius die Rechte des Imperiums gegenüber Adel und Volk vertritt und dein Kaiser unbedingt gehorsam und treu sein muß.
Sollte diese streng kaiserlich ausgerichtete Schrift also letztlich dazu dienen, den TUSKULANERN den Patriciustitel zu gewinnen, ihre weltliche Macht in Rom auf Kosten des Papsttums und des Adels mit Hilfe und Konsens des Kaisers zu zementieren? Vielleicht wollte Alberich III. zu dieser Zeit auch nur eine Machtverschiebung vom Papst zurück zur tuskulanischen Familie erreichen, um über eine Art von "Gewaltenteilung" eine ähnliche Stellung gegenüber dem Papsttum beziehen zu können wie sein großer Ahn Alberich II. Wir wissen nicht, ob diese höchst merkwürdige Schrift KONRAD II. vorgelegt wurde; dass sie jedoch keinerlei Auswirkungen zeitigte, steht fest. Sollte sich Alberich je ernstlich mit dem Gedanken einer teilweisen Entmachtung des Papstes getragen haben, so mußte er bis Oktober 1032 warten, als der Tod seines Bruders Johannes XIX. für ihn die Möglichkeit eröffnete, über den eigenen Sohn als Papst mehr politischen Einfluß zu gewinnen.
Als Johannes XIX. am 20. Oktober 1032 verstarb, war sein Bruder Alberich III. der letzte überlebende der drei Brüder, die im Mai des Jahres 1012 die Macht für ihr Haus errungen hatten. An ihm, dem Familienoberhaupt, lag es nun, den tuskulanischen Einfluß auch weiterhin zu sichern. Bereits zwei Tage nach dem Tod des Bruders gelang es dem Grafen durch Zugeständnisse an die Wählerschaft und den Adel, seinen Sohn Theophylakt, noch Laie, als Benedikt IX. wählen und krönen zu lassen .
 

                        EXKURS: DIE DATIERUNG DER PONTIFIKATE

                 b) Johannes XIX.

Wenn wir den 9. April 1024 als Datum für Benedikts VIII. Tod annehmen, konnte sein Bruder Romanus/Johannes nicht vor dem 12., einem Sonntag, konsekriert worden sein. Es erscheint aber wahrscheinlicher, dass die Inthronisation erst am 19. April 1024, dem darauffolgenden Sonntag, erfolgte, da für eine überstürzte Wahl und Erhebung innerhalb dreier Tage kein zwingender Anlaß vorlag. Während Santifaller: Verzeichnis 35, als zuletzt ermittelten Termin für die Erhebung Johannes' XIX.Juni 1024 ansieht, datiert eine Urkunde des stadtrömischen Klosters SS. Cosina e Damiano (Fedele - Carte no. 32) den 29. April 1028 bereits ins 5. Jahr des Papstes, was zumindest beweist, dass Romanus vor dem 29. April inthronisiert sein mußte. Die Sedenzdauer des Papstes wird in den Katalogen verschieden angegeben. Der Liber Pontificalis (Duchesne II 269) verzeichnet 8 Jahre und 6 Monate, 8 Jahre, 9 Jahre und 9 Monate und 11 Jahre.
Wenn man die Lesart 8 Jahre und 6 Monate annimmt, weil die anderen Daten zweifelsfrei zu lang sind, so ergibt dies, vom 19. April 1024 ausgehend, ein Sterbedatum Johannes' XIX. am 19. Oktober 1032. Der Sterbetermin im Nekrolog des stadtrömischen Cyriakus-Klosters (FSI 44,72) eines Johannes-Papstes unter dem 6. November (= 8. Id. Nov.), ist jedoch nicht, wie Hartmann: Chronologie 485, und Poole: Chronology 148, noch annahmen, auf Johannes XIX. zu beziehen, sondern auf Johannes XVII. (Vgl. Zimmermann: Papstregesten no. 979 Kommentar, und Poupardin: Note sur Jean XVII. 387). Mit Interesse habe ich daher einen bisher übersehenen Eintrag im Kalender des Leo Marsicanus (Hoffmann: Der Kalender 120) vermerkt, der den Tod eines Johannes pa(pa) am 20. Oktober (= XIII. kal. Nov.) verzeichnet. Es handelt sich hierbei mit größter Wahrscheinlichkeit um Johannes XIX., da für Leo keinerlei Anlaß bestehen konnte, die beiden anderen noch in Frage kommenden Johannes-Päpste (Johannes IV., + 12. Oktober 642; Johannes VII., + 18. Oktober 707) in sein Obituarium aufzunehmen, denn sie wurden weder als Heilige noch als Selige verehrt. Für ein Sterbedatum am 20. Oktober 1032 würde auch eine Urkunde des Klosters SS. Cosma e Darniano (Fedele: Carte no. 39) sprechen, die den 29. Oktober 1033 bereits in das zweite Pontifikatsjahr Benedikts IX. setzt, sowie eine andere aus Farfa (Giorgi-Balzani: Regesto IV no. 761), die den 2. Oktober 1042 noch in sein 10. datiert. Dagegen hat G. Buzzi: Per la cronologia 619, aufgrund von Urkundendatierungen aus dem Cesenatischen und Ravennatischen Gebiet den Pontifikatsbeginn Benedikts IX. auf die Zeit zwischen dem 27. August und 3. September festgelegt (so auch Borino: L'elezione 157 Anm. 1). Zuletzt meinte Messina: Benedetto 47, gestützt auf Buzzi wie auch anhand von Datierungsangaben der Annales Romani (Duchnese: Liber Pontificalis II 331), den Pontifikatsbeginn Benedikts IX. auf den 3. September 1032 setzen zu können, was bedeuten würde, dass Johannes XIX. Ende August oder Anfang September 1032 verstorben sein muß. Den von Buzzi, Borino und Messina angenommenen Sterbetermin für Johannes XIX. bekräftigen zwei Urkunden des Marien-Klosters (Fedele: Tabularium no. 11 und 13), die den 11. Oktober 1039 ins 8. Jahr bzw. den 13. Oktober 1042 ins 11. Jahr Benedikts IX. datieren. Die Angabe einer Urkunde, die Benedikts eigener Bruder Gregor unterzeichnete und die den 22. August 1043 ins 11. Jahr Benedikts IX. setzt (Monaci: Regesto 374-376), stützt sowohl meine wie auch die These der anderen. Den Terminen 27. August, 3. September und 22. Oktober 1032 für die Inthronisation Benedikts IX. widersprechen aber die Datierungen Farfenser Urkunden vom 30. September 1038 (Giorgi-Balzani: Regesto III no. 595), vom November 1033 (Giorgi-Balzani: Regesto IV no. 686) und vom 28. November 1042 (Giorgi-Balzani: Regesto IV no. 762), die ins 5., 1. bzw. 10. Jahr Benedikts IX. datieren. Dennoch scheint mir, dass der Termin vom 20. Oktober 1032 für das Sterbedatum Johannes' XIX.die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat. Zum Grab des Johannes vgl. F. Gregorovius: Die Grabmäler 234, und Montini: Tombe 174.
 
 
 

Literatur:
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Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 302 - Cawthorne Nigel: Das Sexleben der Päpste. Die Skandalchronik des Vatikans. Benedikt Taschen Verlag 1999 Seite 80,91 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998 Seite 67 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 570, 662-668 -