Cölestin III.                                     Papst (30.III.1191-8.I.1198)
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um 1100-8.I.1198
              Rom

Begraben: Rom, S. Giovanni in Laterano "iuxta S. Mariam de Reposo"

Sohn des Pietro Bobone

eigentlich Giacinto Boboni-Orsini
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 4
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Coelestin III., Papst spätestens seit 10. April 1191
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* Anfang des 12. Jh.(ca. 1105/06, + 8. Januar 1198
Rom                                                 Rom

eigentlich Giacinto (Hyacinthus) Bobone

Begraben: Rom, S. Giovanni in Laterano "iuxta S. Mariam de Reposo"

Devise: Perfice gressus meos in semitis tuis"

Vater: Pietro Bobone, entstammte einer römischen Adelsfamilie, die später den Namen ORSINI führen sollte. Früh für die kirchliche Laufbahn bestimmt, ist er schon 1126 als prior subdiaconorum von S. Giavanni in Laterano nachweisbar, studierte bei Abaelard in Paris Dialektik und Theologie und verteidigte denselben zusammen mit seinem Studiengefährten Arnold von Brescia auf dem Konzil von Sens (1140) gegen die Angriffe Bernhards von Clairvaux. Coelestin II. ernannte ihn 1143 zum Kardinaldiakon von S. Maria in Coemedin. Giacinto wurde mit wichtigen Legationen und schwierigen diplomatischen Missionen betraut. Zwei Gesandtschaften auf der Iberischen Halbinsel machten ihn zum Spezialisten der Kurie für die dort herrschenden Verhältnisse, was sich später auch in seinem Verhalten als Papst gegenüber den spanischen Reichen auswirken sollte. Unter Anastasius IV. zog er 1154/55 als Legat durch Aragon-Katalonien, Kastilien-Leon und Portugal und hielt Provinzialsynoden in Valladolid und Lerida (sowie auf dem Rückweg in Narbonne) ab, auf denen die politischen und kirchlichen Zustände auf der Halbinsel verhandelt wurden (Frage des Primats von Toledo, Streit zwischen Braga und Santiago de Compostela). Darüber hinaus trieb Giacinto die Organisation eines gemeinsamen spanischen Kreuzzugsunternehmens nachhaltig voran, indem er der Kreuzzugspredigt starke Impulse gab, selbst das Kreuz nahm und sich zumindest nominell die Führung übertragen ließ -  auch als Papst sollte er noch die Kreuzzugsidee in Spanien unterstützen. Eine zweite große Legatenreise nach Spanien unternahm er 1172-1174, bei der er einen Ausgleich der im Kern noch immer ungelösten Konflikte förderte. In den ereignisreichen Jahren zwischen seinen großen Legationen war Giacinto überdies mehr und mehr in die Rolle eines Vermittlers zwischen der päpstlichen Kurie, dem deutschen Kaiser und dem französischen König hinein gewachsen. Hatte er schon im Juni 1158 als Legat nach dem Eklat von Besancon beschwichtigend auf die kaiserliche Partei eingewirkt, so brachte er im Verein mit Bernhard von Porto die Unterredung von Souvigny (August 1162) zwischen dem französischen König und Alexander III. zustande, durch deren Verlauf ein Erfolg der Verhandlungen mit dem Kaiser nahezu ausgeschlossen wurde. 1177 wirkte er am Frieden von Venedig mit und war anschließend Mitglied der Kommissionen, die die Neuordnung der Verhältnisse in Mittelitalien vorbereiten sollten.
Die Wahl des fast 90-jährigen zum Papst - er erhielt erst am 13. April 1191 die Priesterweihe - trug alle Anzeichen einer Kopromißentscheidung, durch die eine Spaltung innerhalb des Kardinalskollegs vermieden wurde; die Namenswahl muß als programmatische Rückbesinnung aufgefaßt werden. Der Pontifikat Coelestins III. ist im innerkirchlichen Bereich gekennzeichnet durch den festen Willen zu einer Strukturreform, die wirkungsvoll durch administrative, die kurialen Behörden aufwertende Maßnahmen eingeleitet wurde und selbst vor dem Kardinalkolleg nicht haltmachte. Sie schloß, ungeachtet zunehmender Widerstände, die gezielt fortschreitende personelle Umgestaltung dieses Gremiums durch die Kreation neuer, dem Papst nahestehender Mitglieder ein und trieb zudem die Neuordnung des Kirchenbesitzes und die Zusammenfassung kirchlicher Rechts- und Zinsansprüche unter zentralistischen Gesichtspunkten voran, wozu die Anlage des Liber censuum durch den Kämmerer Cencio Savelli (Honorius III.) zwischen 1192 und 1195 ein entscheidender Beitrag war. Coelestins erprobtes diplomatisches Geschick sowie sein zähes Beharrungsvermögen gestatten dem Papst die Vorbereitung einer Rekuperationspolitik auf lange Sicht. Von dieser Zielsetzung und der Abwehr der drohenden Umklammerung des Kirchenstaates durch die staufische Macht wurde das Verhältnis Coelestins III. zu HEINRICH VI. hauptsächlich bestimmt. Die Anerkennung der Königsherrschaft Tankreds von Lecce auf lehnsrechtlicher Basis durch das Konkordat von Gravina (Juni 1192) war sowohl der Aufrechterhaltung der päpstlichen Lehenshoheit über S-Italien und Sizilien als auch der Ausdehnung der Kirchenhoheit über den Rahmen des Vertrags von Benevent (Juni 1156) hinaus förderlich. Das Verhalten Coelestins III. in Fragen der Heiratspolitik zielte in vieler Hinsicht auf eine weitgehende Isolierung und letztlich Sprengung des staufisch-kapetingischen Bündnisses, wenn auch die englandfeindliche Politik des französischen Königs in der Normandie solchen Versuchen Grenzen zog. Nachdem die 1194 eingetretene "Union regni ad imperium" die päpstliche Lehns- und Kirchenhoheit über Sizilien mehr denn je in Frage gestellt hatte, zudem die Beziehungen zum Kaiser durch die Ermordung des Bischofs Albert von Lüttich (1192) und die Vorgänge um die Gefangennahme und Freilassung von Richard Löwenherz empfindlich gestört waren, konnte die Unvereinbarkeit der politischen Vorstellungen auf päpstlicher und kaiserlicher Seite weder durch die Kreuznahme HEINRICHS VI. noch durch Verhandlungen über den mittelitalienischen Kirchenbesitz und den Rechtsstatus Siziliens überwunden werden, zumal die Kurie trotz eines bis heute inhaltlich nicht geklärten "hohen Angebots" von kaiserlicher Seite keinerlei Bereitschaft zeigte, den Erbreichplan zu unterstützen. Erst der überraschende Tod HEINRICHS VI. (28. September 1197) beendete den schließlich permanenten Zustand erhöhter Gereiztheit, der durch die unklare Rolle der Kurie beim sizilianischen Aufstand von 1197 verstärkt worden war, und ermöglichte der päpstlichen Seite Rekuperationen im Kirchenstaat sowie die Sicherung der Mathildischen Güter. Die Absicht des altersschwachen Coelestin III., durch eine freiwillige Renuntiation Ende 1197 den von ihm favorisierten Kardinal Giovanni di S. Paolo die Nachfolge auf dem Papstthron zu sichern, scheiterte am Widerstand der oppositionellen Kräfte im Kardinalkollegium, die noch am Todestag des Papstes die Wahl des Kardinakdiakons Lothar von Segni (Innozenz III.) durchsetzen.

Quellen:
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Watterich, II, 708-748 - MPL 206, 864-1304 - J. Pflugk-Hartung, Acta Pontificum Romanorum, 3 Bde, 1881-1888, I, 352-383; II, 396-402 - PU, passim [Ergänzungen durch: F. Bartoloni, QFIAB 34, 1954, 59-63 - W. Holtzman, QFIAB 25, 1955, 6ß-64 - R. Volpini, RSCI 22, 1968, 415-424 - Jaffe II, Nr. 16675-17679 [Nachträge dazu: V. Pfaff, Hjb 78, 1959, 137-141] - Ders., ADipl 18, 1972, 367-398 - Ders., ZRGKanAbt 60, 1975, 157-167 - GP, passim - IP, passim

Literatur:
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DBI XXIII, 392-398 [V. Pfaff, Lit.] - DHGE XII, 62-77 - LThk II, 1254f. - J. Haller, Ks. Heinrich VI. und die römische Kurie, MIÖG 35, 1914, 385-454, 545-669 [Neudr. 1962] - K. Wenck, Die röm. Päpste zw. Alexander III. und Innozenz III. ... (Fschr. P. Kehr, 1926), 442-474 - V. Pfaff; Ks. Heinrichs VI. höchstes Angebot an die römische Kurie, 1927 - G. Säbekow, Die päpstl. Legationen nach Spanien und Portugal [Diss. Berlin], 48-51, 53-61 - V. Pfaff, Die Kard.e unter Papst C. III., T. 1, ZRGKanAbt 41, 1955, 58-94; T. 2, ZRGKan Abt 52, 1966, 332-269 - V. Pfaff, Pro Posse Nostro. Die Ausübung der Kirchengewalt durch C. III., ZRGKan Abt 43, 1957, 89-131 - W. Janssen, Die päpstl. Legaten in Frankreich (1130-1198), 1961, 59, 80ff., 138-150 - V. Pfaff, Papst C. III., ZRGKan Abt 47, 1961, 109-128 - G. Baaken, Die Verhandlungen zw. Ks. Heinrich VI. und Papst C. III. in den Jahren 1195-1197, DA 27, 1971, 457-513 - J. Deer, Papsttum und Normannen, 1972 - O. Engels, Die Staufer, 1972 - V. Pfaff, Die innere Verwaltung der Kirche unter Papst C. III., ADipl 18, 1972, 342-366 - Ders., Der Vorgänger: Das Wirken C.s III. aus der Sicht Innozenz III., ZRGKan-Abt 60, 1974, 121-157 - Ders., Das Papsttum in der Weltpolitik des endenden 12. Jh., MIÖG 82, 1974, 338-375 - K. Jordan, Papst C. und die Welfen zu Beginn seines Pontifikats, ADipl 23, 1977, 242-256 - V. Pfaff, Das kirchl. Eherecht am Ende des 12. Jh., ZRGKan Abt 63, 1977, 73-177.


Kühne Hans: Seite 171
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"Lexikon der Päpste"

Der Pontifikat war ganz mit der Umgestaltung der für das Papsttum bedrohlichen Verhältnisse in Sizilien ausgefüllt, und der Papst sah die Gefahren klar voraus. Zunächst saßen die kreuzfahrenden Könige Philipp II. August von Frankreich und Richard I. Löwenherz von England lange Zeit in Sizilien, ehe sie in den Orient weiterfuhren. König Tankred schaukelte zwischen den beiden Rivalen, und der gerade zum Kaiser gekrönte HEINRICH VI. rüstete sich zur Eroberung Siziliens, des Erbes der Kaiserin Konstanze - gegen den Willen des machtlosen Papstes, der, unter Zusicherung von Privilegien, eindeutig Tankred unterstützte. Der Kaiser blieb erfolglos und kehrte vorläufig nach Deutschland zurück. Tankred gelang es, die in Salerno zurückgebliebene Kaiserin gefangenzunehmen. Der Papst bemühte sich, Kaiser und König zu versöhnen und erreichte, daß ihm die Kaiserin übergeben wurde, die jedoch an der Grenze zum Kirchenstaat von Kaiserlichen befreit werden und nach Deutschland weiterreisen konnte. HEINRICH VI. war durch die WELFEN, seine Hauptgegner, gebunden. In Rom sah der Papst sich dem kaisertreuen Senat gegenüber, und im Süden des Landes konnte Tankred gegen die Kaiserlichen keine eindeutigen Erfolge erringen. Als er starb, blieb nur das Kind Wilhelm III. als König unter der Regentschaft seiner Mutter Sibylle übrig.
Der erneute Vormarsch des Kaisers war nicht zum wenigsten durch das Geld und die Flotte erfolgreich, die Richard I. Löwenherz - er war nach der Rückkehr vom Kreuzzug erst in Gefangenschaft Herzog Leopolds von Österreich geraten, dann von diesem in die Haft des Kaisers übergeben worden - als Lösegeld für seine Freilassung hatte bereitstellen müssen. S-Italien kapitulierte, nicht zuletzt angesichts der grauenhaften Blutbäder, die HEINRICH VI. beim geringsten Widerstand anrichtete. Das Normannenreich brach nach 64 Jahren Königtum zusammen. HEINRICH VI. wurde zum König von Sizilien gekrönt - ohne Konstanze, die einen Tag später in Jesi bei Ancona ihren Sohn, den Halbnormannen FRIEDRICH gebar.
Vier  Tage nach der Krönung soll eine Verschwörung gegen den Kaiser aufgedeckt worden sein, was jedoch nie erwiesen worden ist. Ex-Königin Sibylle, ihre drei Töchter und der Kindkönig Wilhelm III. nebst allen Großen wurden nach Deutschland deportiert und inhaftiert. Ansonsten hauste der Kaiser wie ein Wilder in Sizilien. Die Opfer seiner Metzeleien als Folge der "Verschwörung", die Verstümmelungen und Blendungen sind nicht zu zählen. Die wenigen Jahre bis zu seinem Tode im Messina herrschte HEINRICH VI. als Despot und träumte dabei, wie Ferdinand Gregorovius sagt, "von der Knechtung Italiens, von der Zertrümmerung des gregorianischen Papsttums". Mit dem Papst kam es zum Bruch, als der Kaiser den Kirchenstaat zum zweiten Male bedrohte.
 
 
 

Literatur:
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Cawthorne Nigel: Das Sexleben der Päpste. Die Skandalchronik des Vatikans. Benedikt Taschen Verlag 1999 Seite 105,109 -