Calixtus II.                                      Papst (2.II.1119-13.XII.1124)
--------------                                     Erzbischof von Vienne (1088-1119)
um 1055/60-13.XII.1124
                   Rom

Begraben: Rom Lateran

Jüngerer Sohn des Grafen Wilhelm I. Testardita von Burgund und der Stefanie von Longwy, Tochter von Graf Adalbert-Albert

eigentlich Guido, Graf von Burgund
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1397
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Calixtus II., Papst Weihe: 2. Februar 1119 Cluny
---------------        Krönung: 9. Februar 1119 Vienne
     + 13. oder 14. Dezember 1124
      Rom

Begraben: Rom Lateran

Als Sohn des Grafen Wilhelm von Burgund mit den meisten europäischen Fürstenhäusern verwandt, regierte er seit 1088 das Erzbistum Vienne. Die innerkirchliche Opposition gegen Paschalis II. wegen des HEINRICH V. zugestandenen Investiturprivilegs fand ihren schärfsten Ausdruck in der von Calixtus II. 1112 in Vienne geleiteten Synode. Da sich die wenigen beim Tod Gelasius' II. versammelten Kardinäle auf keinen unter ihnen einigen konnten, fiel die Wahl auf Calixtus II., dem die übrigen Kardinäle und der römische Klerus brieflich zustimmte. Auf einer Rundreise durch Frankreich ließ Calixtus II. eine Synode von Toulouse am 8. Juli 1119 die Petrobrusianer (Petrus von Bruis) verurteilen und erstmalig die weltliche Gewalt zur Verfolgung der Häresie einschalten. Die für Oktober 1119 in Mouzon geplante Aussöhnung zwischen Kaiser HEINRICH V. und dem Papst kam wegen des tiefen Mißtrauens nicht zustande. Die seit dem 20. Oktober 1119 in Reimes tagende Synode wiederholte deshalb die Exkommunikation des Kaisers und die üblichen Reformdekrete. Anfang 1120 kehrte Calixtus II. nach Italien zurück, wurde am 3. Juni 1120 in St. Peter inthronisiert und festigte im folgenden seiner Herrschaft im Patrimonium Petri durch die mühelose Unterwerfung des Gegen-Papstes Gregors VIII. "Burdinus" (April 1121) und in S-Italien, wo er auf Reisen 1120, 1121 und 1123 die Lehnshoheit gegenüber den Normannen betonte. Die größte Leistung des Pontifikats ist der Abschluß des Wormser Konkordats am 23. September 1122. Dieser Kompromiß wurde zwar von der I. Lateransynode (18.-27. März 1123) zum Teil nur mit Widerstreben akzeptiert, ermöglichte aber eine Neuorientierung der Kirchenpolitik, die auf eine Stärkung der Diözesanbischöfe besonders gegenüber dem Mönchtum hinzielte. Diese sachte Abkehr von gregorianischen Traditionen machte sich auch in der Auswahl der Kardinäle Calixtus' II. bemerkbar, von denen der Kanzler Haimerich (seit 28. April 1123) eine Schlüsselstellung in den folgenden Pontifikaten einnehmen sollte.

Literatur:
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DBI XVI, 761-768 - DHGE XI, 424-438 - M. Maurer, Papst C., 2 Bde, 1886-1889 - A. Hofmeister, Das Wormser Konkordat. zum Streit um seine Bedeutung, 1979.


Kühner Hans: Seite 157
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"Lexikon der Päpste"

Der mit den SALIERN wie mit den KAPETINGERN und dem englischen Königshaus verwandte Papst wurde in Cluny gewählt: der Vorkämpfer des französischen Episkopates gegen die Investitur, seit er Erzbischof von Vienne geworden war. Er zeichnete sich durch jene hohe staatsmännische Begabung aus, die seinen letzten Vorgängern gefehlt hatte. Überlegen und gewandt verfolgte er seine Ziele. Noch in Frankreich erneuerte er die Investiturverbote und bannte Kaiser HEINRICH V. wie Gegen-Papst Gregor VIII. Erst 16 Monate nach seiner Wahl zog er in Rom ein. Der Gegen-Papst entfloh und wurde vom Papst später in ein Kloster verwiesen. Der Kaiser hatte ihn fallen gelassen, nachdem die Unzufriedenheit mit seinem eigenen diktatorisch-rücksichtslosen Regiment ständig wuchs.
Um den Investiturkrieg, den der Kaiser weiterführte, beizulegen, ging der Papst weder hart noch nachgiebig zu Werke, sondern mit Klarheit und Konsequenz, ohne den Rechten Roms etwas zu vergeben und das Imperium zu überfordern. So verzichtete HEINRICH V. schließlich auf die Investitur mit Ring und Stab sowie die Wahl von Bischöfen und Äbten, während der Papst die Wahl reichsunmittelbarer Bischöfe und Äbte in Anwesenheit des Kaisers und dessen Recht auf Belehnung mit den Regalien zugab. Dadurch sollten Simonie und Gewaltmaßnahmen ausgeschlossen werden. Die Grundforderung der Reform war damit erfüllt. Von der Investitur blieb nur noch der zweite, weltliche Teil, nämlich die Einsetzung in die kirchlichen Reichslehen, die den Inhaber zu Lehensdienst ohne Schaden für die geistlichen Belange verpflichteten. Das berühmte Wormser Konkordat, auch Pactum Calixtinum genannt, stellte zwar einen Kompromiß dar, doch es erhielt seine Bedeutung als Dokument des Erreichbaren. Das allgemeine Konzil im Lateran, zugleich das erste seiner Art im Abendland, sanktionierte die Errungenschaften des Konkordates und erklärte die Unabhängigkeit der Kirche von allen säkulären Gewalten.
Der Papst hat sich mit seiner Schutzbulle Sicut Judaeis, die bald darauf zu einer Constitutio pro Judaeis erweitert wurde, die größten Verdienste zum Schutz der Juden erworben.
 

Literatur:
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Cawthorne Nigel: Das Sexleben der Päpste. Die Skandalchronik des Vatikans. Benedikt Taschen Verlag 1999 Seite 103,104 -