Siegfried IV.                                  Graf von Boyneburg (1107-1144)
----------------                                Vogt der Klöster Korvei, Bursfelde und Helmarshausen
um 1095-27.4.1144
              Arnstein
 

Begraben:Nikolai-Kapelle zu Northeim
 

Einziger Sohn des Grafen Siegfried III. von Boyneburg aus dem Hause NORTHEIM und der Adelheid
 

Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

SIEGFRIED IV.
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* um 1095, + 1144

Siegfried IV. folgte 1107 seinem Vater, beerbte 1117 den Cousin Otto III. von Northeim und hielt damit allen Besitz des Hauses zusammen. Er hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Erzbischof Adalbert von Mainz und Kaiser LOTHAR III. und besaß so starken Einfluß in Sachsen und im Reich. Er beerbte 1122 die mit den WINZENBURGERN verwandten Grafen von Reinhausen mit Leinegau und Diemelgebiet, 1124 die ERPONEN im Waldeckschen Bereich mit Ittergau, Hofgeismar und Warburg. Er hielt zuletzt eine dem Großvater gleich starke Position und erwarb unter anderem die Vogteien Heiligenstadt/Eichsfeld, Flechtheim, Gandersheim, Bursfelde und Helmarshausen. Er stand 1138 im Thronkrieg gegen die STAUFER, die ihm 1138 alle Reichslehen zugunsten des Hauses WINZENBURG absprachen. Er führte gegen dieses Krieg, schlug es zurück und schloß später eine Erbeinigung mit ihm, wodurch alles an WINZENBURG fiel. Er war den WELFEN in Sachsen an Macht und Besitz ebenbürtig.

  oo RICHZA N.
               +

Ihre zweite Ehe: oo Heinrich, Graf von Winzenburg und Northeim, + 1146)



Fenske Lutz: Seite 174,179
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen."

Vor allem hatte der Inhaber der Vogtei, Graf Siegfried IV. von Boyneburg, der letzte NORTHEIMER, die Abtei Korvey schwer geschädigt. Auch er hatte sich in gewalttätiger Weise über die Rechte der Reichsabtei hinweggesetzt, dem Kloster 1143 seinen Halbbruder Heinrich als Abt aufgezwungen und es außerdem wirtschaftlich geschädigt.

Bernhardi, Wilhelm: Seite 386
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III."

Graf Siegfried von Bomeneburg, ein Enkel Ottos von Northeim, war am 27. April 144 gestorben und bei seinen Ahnen zu Northeim beigesetzt worden. Ob seine Ehe mit Richenza, deren Herkunft nicht bekannt isat, kinderlos blieb, läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Die Gräfin Guda von Arnstein kann seine Tochter oder seine Schwester gewesen sein.
Wohl aber hinterließ er einen unehelichen Sohn namens Konrad. Da sein Bruder Heinrich Geistlicher und Abt von Corvey, seine Schwester Judith Äbtissin von Kemnade war, und die Gräfin Guda von Arnstein sich gleichfalls dem klösterlichen Leben gewidmet hatte und keine Kinder besaß, erlosch mit Siegfried von Bomeneburg das altberühmte nordheimische Geschlecht [40 Ann. Palid. (M.G.S.XVI, 81) 1144: Sifridus comes de Boumeneburch obiit. - Ann. Magdebg. (M.G.S. XVI, 187) 1144: Sifridus comes de Bouminiburch etiam obiit, et in ambobus (auch in Rudolf von Stade) cessavit miserabiliter deducta antiquitus prolis successio. - Chron. Sanpetr. Seite 27 (vgl. Ann. Pegav. M.G.S. XVI, 258) 1144: Sigefridus comes de Boemeneburg obiit. - Chron. Mont. Ser. (MGS XXIII, 146) 1144: Sifridus comes de Hamburc obiit. Quidam libri habent de Boumeneburc. - Irrig melden die Ann. Stederburg. (M.G.S. XVI, 207) seinen Tod mit dem des Papstes Coelestin und des Grafen Rudolf von Stade zu 1145. - Seiner Beisetzung zu Northeim gedenkt Henr. Bodo, Syntag. (Meibom. Script. II, 503): Sifridus filius Sifridi ... sine liberis mortuus et in capella cium patribus in Northeim sepultus quiescit. - Necrol. Amelungsborn. (Dürre, Beitr. zur Geschichte von Amelungsb., Progr. d. Gymnas. zu Holzminden 1876, Seite 5): 5 Kal. Maii. Obiit pie memorie comes Sifridus de Homborch, qui de rebus propriis mansterium Amelungsbornenese fundavit. - Der 17. Oktober, den Schrader, Dynastenst. Seite 129, und nach ihm Giesebrecht K.-Z. IV, 211, geben, stammt aus den gefälschten Fasti Corbeienses. Bereits am 10. Juli 1144 nennt Erzbischof Heinrich von Mainz in einer Urkunde für Amelungsborn Siegfried einen Verstorbenen (Schrader, Dynastenst. Seite 232, No. 9). - Über Siegfrieds Verwandte vgl. den Excurs: Graf Sigifrid und Heinrich I., Abt von Corvei.].
Sehr ansehnlich war sein Eigentum in Allodialgütern gewesen, von denen er einen Teil zur Stiftung des Zisterzienserklosters Amelungsborn verwendet hatte. Nicht weit davon lag seine Besitzung Homburg, von der öfter den Namen führte. Außerdem gehörten ihm noch Northeim, Hitfeld, Ninover in der späteren Grafschaft Dassel, Elrichshofen und zahlreiche kleinere und größere Güter. Eine beträchtliche Reihe von Ministerialen war ihm zu Dienst verpflichtet oder zahlte einen jährlichen Zins. Vom Reich trug er die südlich von Eschwege in Hessen gelegene Bomeneburg zu Lehen sowie die Vogtei über das Kloster Corvey, die in seiner Familie erblich gewesen zu sein scheint. Andere Lehen besaß er vom Erzbistum Mainz und vom Bistum Hildesheim.

Jordan Karl: Seite 33
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"Heinrich der Löwe"

Wenige Wochen nach der Ermordung Rudolfs von Stade starb am 27. April 1144 Graf Siegfried IV. von Boyneburg (bei Eschwege), der letzte männliche Sproß des angesehenen Geschlechts der NORTHEIMER. Er verfügte über einen Herrschaftsbereich, der dem seines Großvaters Otto von Northeim kaum nachstand und der sich hauptsächlich von der mittleren Leine und der Oberweser bis in den Raum von Eschwege erstreckte. Siegfried besaß aber nicht nur einen großen Teil der Allodialgüter seiner Familie, sondern auch fast alle Grafschafts- und Vogteirechte, die die NORTHEIMER im Laufe der Zeit in ihrer Hand vereinigt hatten.
Neben seiner Witwe Richenza waren seine einzige Tochter Guda und seine Schwester Richenza seine nächsten Erben. Aber auch Heinrich der Löwe konnte als Enkel der Kaiserin Richenza, einer NORTHEIMERIN, Erbansprüche auf die Hoheitsrechte Siegfrieds, der sein Großonkel war, anmelden. Wenn er sie damals noch nicht geltend machte, so lag dies zweifellos darin begründet, dass er zu dieser Zeit im Ringen um die STADER Erbschaft stand, die ihm wohl noch wertvoller erschien.
Das Erbe der BOYNEBURGER trat zunächst jene Dynastie an, die neben ihnen im südlichen Sachsen eine starke Machtposition besaß. Das waren die Grafen im Leinegau, die ursprünglich südlich von Göttingen in Reinhausen und auf den Gleichen saßen, die sich aber seit Anfang des 12. Jahrhunderts meist nach der Winzenburg nannten, die sie von den Bischöfen von Hildesheim zu Lehen trugen. Der führende Kopf des Geschlechts war damals Graf Hermann II. Sein jüngerer Bruder Heinrich von Assel vermählte sich bald nach Siegfrieds Tod mit dessen Witwe Richenza und erhielt dadurch einen Teil der Erbgüter. Den weitaus größten Teil des Nachlasses hat aber Hermann, der über große Mittel verfügte, von Siegfrieds Erben käuflich erworben.
 
 
 

  oo 1. Richenza von Immenhausen, Tochter des Grafen Dudo
                 -

       1145
     2. oo Heinrich I. von Plesse Graf von Winzenburg
                    -   1146
 
 
 
 

Kinder:

  Guda Erbin der Allodien
          -17.8. um 1156

  oo Ludwig III. Graf von Arnstein
               -25.10.1185

Sie wandelten wegen ihrer Kinderlosigkeit Arnstein in eine Prämonstratenserabtei um und traten dort beide 1139 ein und starben dort.

Illegitim:

  Konrad
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Magdeburg - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 176 - Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III., Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1883 Seite 69,79,115, 298,328,373,386,408,489,553,937 - Bernhardi, Wilhelm: Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg, Verlag von Duncker & Humbolt Leipzig 1879 Seite 254,349,527, 600,605 - Chronik des Albert von Stade - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 333,335,338,349,361/Band II Seite 491,499 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 174,179 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 33,87, 104,128,144 - Kölner Königschronik - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 149-159 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 70-74,76,94,229,238,240,248,252,254,287 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 171 -