Brüsch, Tania: Seite 78,83,149,218,224,252
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"Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert."

Er berichtet, daß HERMANN nicht einmal an der Unterredung der sächsischen Fürsten teilnehmen durfte, geschweige denn wie ein König handeln konnte. Sicherlich lag es im Interesse des Hersfelder Mönchs, der auf Seiten HEINRICHS IV. stand, die Person des Gegen-Königs erbärmlich erscheinen zu lassen, dennoch kommt ihm in diesem Fall ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit zu, nicht nur weil er als Augenzeuge berichtet, sondern weil er die an HERMANNS Stelle führenden Fürsten benennt: Ekbert und zwei Söhne Ottos von Northeim, wobei er offen läßt, um welche der drei Söhne, Heinrich, Kuno oder Siegfried es sich handelt.
Wenn Ekbert II. diese Beziehungen aktualisierte, indem er gemeinsam mit seinen Schwägern die politischen Geschicke Sachsens bestimmte, so war dies aber nicht nur eine Entscheidung für die angeheiratete Verwandtschaft, zu der ja auch RUDOLF VON RHEINFELDEN gezählt hatte, sondern vor allem eineEntscheidung für den sächsischen (mark)gräflichen Adel.
Der Tod Burchards von Halberstadt war die entscheidende Wende in Sachsen: Erzbischof Hartwig von Magdeburg schloß Frieden mit HEINRICH IV., und spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte auch HERMANN VON SALM Sachsen verlassen haben [206 Vgl. Boshof, Heinrich IV., Seite 101.]. HEINRICH fand nun den nötigen Rückhalt, um in Quedlinburg das bereits erwähnte Verfahren auf breiter Basis gegen seinen Neffen anzustrengen, dem dieser allerdings fernblieb. Wie groß dieser Rückhalt war, zeigt die lange Zeugenliste, die immerhin zwei Erzbischöfe, unter ihnen Hartwig von Magdeburg, sieben Bischöfe und andere, nur zum Teil namentlich genannte Laien umfaßt. Außerdem werden Siegfried, der Sohn Ottos von Northeim und Schwager von Ekberts Schwester Gertrud, sowie Heinrich von Eilenburg, der Bruder von Ekberts Frau Oda, als diejenigen, die das Urteil über Ekbert fällten, genannt. In diesem Verfahren wurden dem BRUNONEN die Markgrafschaft und alle seine übrigen Güter abgesprochen.
Die NORTHEIMER verfügten nicht allzu weit entfernt von Langensalza und dem Kloster Homburg über Besitz in der Gegend um Eschwege und die Boyneburg, nach der sich Heinrichs Bruder Siegfried später nannte [89 Vgl. Lange, Herrschaftsbereich, Seite 90-93.].
Nun schließt sich eine ausführliche Beschreibung des Verfahrens an: Siegfried, der Sohn des einstigen Herzogs Otto, urteilte, daß Ekbert als offenkundiger Feind des Reiches und als Feind seines Herrn, des Kaisers, zu verfolgen sei. Markgraf Heinrich [33 Gemeint ist Heinrich von Eilenburg, Markgraf der Ostmark, mit dessen Schwester Ekbert verheiratet war. Heinrich selbst heiratete 1101 Ekberts Schwester Gertrud die Jüngere.] und die ihm Gleichen (marchio suique equales) urteilten, daß Ekbert die Markgrafschaft und alle seine anderen Güter genommen werden sollten, und sie sprachen diese Güter der Gewalt Heinrichs zu. Diesem Urteil gewährten die in Quedlinmburg anwesenden Fürsten des Reiches ihre Zustimmung.
Die Liste der Zeugen, die beim Prozeß anwesend waren, gibt keinen Aufschluß, da neben zwei Erzbischöfen und sieben Bischöfen nur drei Laien ohne Titel genannt werden. Ebenso bleibt unklar, ob Siegfried, der nur als Sohn des einstigen Herzogs Otto bezeichnet wird, zu den principes gerechnet wurde oder nicht.
Bemerkenswert sind auch die 1089 namentlich aufgeführten Urteiler und Zeugen. Von Siegfried von Boyneburg, dem Sohn Ottos von Northeim, kann man annehmen, daß er auf Seiten der sächssichen Opposition stand [109 Die Führungsrolle der Grafen aus dem Hause der NORTHEIMER durch Otto und seinen Sohn Heinrich den Fetten ist bekannt. Ob einer der beiden im Liber de unitate genannten Söhne Ottos von Nortehim Siegfried war, ist unklar, dennoch spricht nichts für ein Ausscheren aus der politischen Linie der Familie. Liber de unitate II, c. 16, Seite 231; vgl. auch Meyer von Knonau, Jahrbücher IV, Seite 2.], in jedem Fall profitierte seine Familie von dem Urteilsspruch [110 Vgl. Lange, Grafen von Northeim, Seite 83f.]. Bemerlkenswert ist auch, daß die entscheidende sententia über die Aberkennung der Markgrafschaft von dem Mann ausgesprochen wird, der anschließend selbst dieses Lehen erhält.