Richenza von Boyneburg                Gräfin von Regenstein-Blankenburg
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um 1100-1.2. vor 1145
 

Einzige Tochter des Grafen Siegfried III. von Boyneburg aus dem Hause NORTHEIM und der Adelheid von Schauenburg
 

Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

RICHENZA
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  oo POPPO I., Graf von Regensteuin-Blankenburg
                + 1164

Neffe des Bischofs Reinhard von Halberstadt
Stammeltern dieses Hauses (+ 1599)



Fenske Lutz: Seite 173,178
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Poppos Gattin hieß Richenza. Über ihre Herkunft gibt es nur Vermutungen. Die Kinder aus dieser Ehe trugen die Namen Konrad, Siegfried und Judith. Auf Grund dieser Namen ist gefolgert worden, dass Poppo mit einer NORTHEIMERINverheiratet war, die für eine Tochter Graf Siegfrieds III. von Boyneburg, eines der Söhne Ottos von Northeim, gehalten wird. Sehr viel beweiskräftiger als diese sich nur auf das Namensgut stützende Hypothese ist wohl jene Urkunde Heinrichs des Löwen, nach welcher er 1163 dem Grafen Poppo von Blankenburg und dessen Söhnen ihre Rechte an dem Kloster St. Blasien in Northeim abkaufte, die diesen hereditario iure zugestanden hatten. Die hier gebrauchte Formulierung wäre am ehesten unter der Voraussetzung eines zwischen NORTHEIMERN bestehenden Verwandtschaftsverhältnisses sinnvoll zu interpretieren, das dann wahrscheinlich über die Gattin Poppos, Richenza, begründet worden wäre, die, falls die Vermutung zuträfe, dass es sich bei ihr um eine NORTRHEIMERIN handelt, den Namen ihrer Großmutter, der Gattin Herzog Ottos, getragen hätte. Für eine Verwandtschaft könnte auch sprechen, dass die Grafen von Blankenburg an den Übergriffen gegen das Kloster Korvey beteiligt waren, die vom Inhaber der Vogtei, Graf Siegfried IV. von Boyneburg, einem Enkel Herzog Ottos offenbar nicht verhindert wurden. Auch dieser selbst hatte sich in gewalttätiger Weise über die Rechte der Reichsabtei hinweggesetzt, dem Kloster 1143 seinen Halbbruder Heinrich als Abt aufgezwungen und es außerdem wirtschaftlich geschädigt. Die Forschung neigt heute zu der Auffassung, dass die Gattin Poppos von Blankenburg dem Geschlecht der NORTHEIMER entstammte und wohl als Tochter Graf Siegfrieds III. von Boyneburg anzusehen ist, wenn auch ein endgültiger Beweis nicht erbracht werden konnte. Als Konsequenz ergäbe sich nämlich daraus, dass Richenza, die Gattin Kaiser LOTHARS, und Richenza, die Gattin Poppos, Kusinen gewesen wären, so dass LOTHAR III. mit Poppo einen ihm durch Verschwägerung verwandten Adligen begünstigt hätte. Darüber hinaus wäre eine Blutsverwandtschaft zwischen Heinrich dem Löwen und den Nachkommen Poppos entstanden, für die aber keinerlei Anhaltspunkte gegeben erscheinen.

Lange Karl-Heinz: Seite 126-128
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"Die Grafen von Northeim 950-1144"

Graf Siegfried III. von Boyneburg hinterließ einen gleichnamigen Sohn, Siegfried IV. von Boyneburg und Homburg, von dem in einem anderen Zusammenhang die Rede sein wird. Zweifellos besaß er noch eine Tochter, die den Namen seiner Mutter Richenza trug. Auszugehen ist von einer Urkunde Heinrichs des Löwen vom Jahre 1163, die den Aufkauf der Anrechte des Grafen Poppo von Blankenburg und seiner Söhne Reinhard, Siegfried und Konrad am Kloster Northeim durch den Herzog für 100 Mark Silber beinhaltet. Es wird ausdrücklich betont, dass die von den Grafen von Blankenburg erhobenen Ansprüche erbrechtlich begründet seien; folglich müssen enge verwandtschaftliche Beziehungen zwischen ihnen und dem Grafen Siegfried IV. von Boyneburg bestanden haben, da dieser bis zu seinem Tode im Jahre 1144 als Erbe seines Vaters Vogt und Eigenkirchenherr seines Familienklosters Northeim war. Dieses Verwandtschaftsverhältnis hat somit die Rechtsgrundlage für die Forderungen der BLANKENBURGER abgegeben, die offenbar während der Zeit der Übernahme der Gerechtsame Siegfrieds IV. durch Graf Hermann II. von Winzenburg nach 1144 unerfüllt geblieben waren und erst im Jahre 1163 von Heinrich dem Löwen, der im Jahre 1152 das winzenburgisch-boyneburgische Erbe durch kaiserlichen Spruch erhalten hatte, respektiert wurden.
Die Vorfahren Poppos von Blankenburg, der seit der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts wahrscheinlich als Lehnsträger Herzog Lothars von Supplinburg im Harzgau gräfliche Rechte ausgeübt hat und später auch als Lehnsmann Heinrichs des Löwen nachzuweisen ist, sind unbekannt. Das wenige, was sich über ihn und seinen Onkel, den Bischof Reinhard von Halberstadt (1106-1123), aussagen läßt, deutet auf eine fränkische Abkunft des Geschlechts hin. Es ist mithin, auch beim Fehlen von Quellen, äußerst unwahrscheinlich, dass die das Kloster Northeim betreffenden Ansprüche Poppos und seiner Söhne auf diesem Wege vermittelt worden sind. Man hat daher gewiß mit Recht vermutet, dass Poppo eine northeimische Erbtochter zur Gemahlin hatte, deren Ansprüche er im Jahre 1163 vor Heinrich dem Löwen vertrat. Für diese Annahme spricht, dass Poppos Gemahlin Richenza hieß und auch seine Söhne Konrad und Siegfried northeimische Namen trugen. Da Richenza vor 1144/45 gestorben sein muß, kann sie altersmäßig nur eine Enkelin Ottos von Northeim gewesen sein. Als Tochter Heinrichs des Fetten, Kunos von Beichlingen, oder ihrer Schwestern wird man sie deshalb nicht ansetzen dürfen, weil uns über deren genealogische Verhältnisse ausführliche Nachrichten vorliegen und auf diesem Wege keine direkten Ansprüche am Kloster Northeim vermittelt werden konnten. Es spricht daher alles für die Annahme, dass Richenza eine Tochter Siegfrieds III. von Boyneburg war, der nach dem frühen Tode seiner Brüder Heinrich und Kuno alleiniger Vogt und Eigenkirchenherr des Klosters wurde und diese Rechtsstellung auf seinen gleichnamigen Sohn vererbte. Poppo von Blankenburg hat mithin im Jahre 1163 als Schwager des verstorbenen Grafen Siegfried IV. von Boyneburg vor Heinrich dem Löwen gewisse durch seine Gemahlin Richenza vermittelte Ansprüche auf die Abtei Northeim geltend gemacht, denen dieser seine Anerkennung nicht versagen konnte.
Die Lebensdaten Poppos und Richenzas lassen sich nur ungefähr bestimmen. Poppo begegnet in der Zeit von 1123/24 bis 1163 vorwiegend in Halberstädter Urkunden und muß vor 1187 - wahrscheinlich aber schon wesentlich früher - gestorben sein. Seine Geburt würde danach etwa in die Jahre 1100-1110 fallen. Damit stimmt durchaus überein, was von seiner Gemahlin Richenza und deren Kinder bekannt ist. Ihre Tochter Judith ist schon im Jahre 1141 als Äbtissin von Drübeck nachzuweisen und hat dieses Amt etwa bis zum Jahre 1190 innegehabt, wird also kaum vor 1115 geboren sein. Man wird daher annehmen dürfen, dass die Ehe Poppos und Richenzas um diese Zeit geschlossen wurde, sie selbst aber um 1100 oder kurz vorher geboren ist. Siegfried III. von Boyneburg wäre dann etwa mit 40 Jahren der Vater Richenzas geworden. Nach alledem dürfte auch Poppos Geburt auf etwa 1095-1100 anzusetzen sein.
Judith war allem Anschein nach das älteste Kind Poppos und Richenzas; da sie den gleichen Namen wie ihre Stieftante, die Äbtissin Judith von Eschwege, Kemnade und Geseke trug, war sie wohl schon von Kind auf für das geistliche Amt vorbestimmt. Als Äbtissin von Drübeck begegnet sie mehrfach seit dem 18. Oktober 1141 und scheint um 1190 gestorben zu sein. Ihre drei Brüder, Konrad Reinhard und Siegfried, treten zuerst gemeinsam mit ihrem Vater Poppo am 16. April 1142 in einer Halberstädter Urkunde auf. Es kann als sicher gelten, dass die hier gewählte Reihenfolge der Namen auch der Altersfolge entspricht. Konrad, der älteste Sohn Poppos, trat nach 1187 in das Kloster Michaelstein ein, wo er noch 1197 als Laienbruder gelebt hat. Der zweite Sohn, Reinhard, wurde nach dem Onkel Poppos, dem Bischof Reinhard von Halberstadt, genannt, und damit für den geistlichen Beruf vorbestimmt. Er tritt zum ersten Male im Jahre 1142 auf und begegnet in der Folgezeit als Domherr in Halberstadt (1147,1148), Propst des Klosters St. Bonifatii (1148-1174) und Dompropst in Halberstadt (1160-1174). Vor dem 28. Mai 1178 muß er gestorben sei, da zu diesem Zeitpunkt bereits ein Halberstädter Dompropst namens Romarus auftritt, und 1187 wird sein Tod ausdrücklich bestätigt. Der jüngste Sohn, Siegfried, wird zum letzten Male im Jahre 1165 urkundlich erwähnt. Von einer Pilgerreise nach dem Heiligen Land im Jahre 1172, auf der er Heinrich den Löwen begleitete, scheint er nicht zurückgekehrt zu sein. Die Gemahlinnen Konrads und Siegfrieds von Blankenburg sind unbekannt.
 
 
 
 

  oo Poppo I. Graf von Regenstein-Blankenburg
      1095/1100-   1164
 
 
 
 

Kinder:

  Konrad
         - nach 1197

  Siegfried
        -

  Judith Äbtissin von Drübeck (1141-1190)
        -
 
 
 
 

Literatur:
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Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977 Seite 173,178 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 126-128 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 171 -