Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1564
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Görz
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Grafschaft, Grafen von Görz und Tirol, Herzöge von Kärnten
Die Abstammung der seit 1107 genannten Grafen Meinhard
und Engelbert von Görz ist im Detail nicht geklärt.
Vom bayerischen Pfalzgrafen Aribo II. und dessen Gattin Luitkard, den Stiftern
der Abtei Millstatt in Kärnten, übernahmen sie die Vogtei über
dieses "von ihren Vorfahren (parentes)" gegründeten Kloster, reichen
Besitz in Kärnten und zeitweise das bayerische Pfalzgrafen-Amt. Die
Leitnamen Meinhard und Engelbert sprechen jedoch gegen eine
direkte Abstammung von den ARIBONEN und verbinden die Grafen
von Görz mit den Grafen von Lurn und der mächtigen
Sippe der SIGHARDINGER, von denen sie umfangreiche Güter in
Kärnten (Eberstein) erbten. Entscheidend für den Aufstieg des
Geschlechtes war die enge Verbindung zum Patriarchat Aquileia, die den
GÖRZERN
wohl
schon unter dem verwandten Patriarchen Sigehard nach 1077 die Erwerbung
großer Lehengüter in Friaul und Istrien, darunter auch des
Stammsitzes Görz, ermöglicht hatte. Die Vogtei über
Aquileia (seit ca. 1122) und seit dem 13. Jh. ihre Stellung als Generalkapitäne
benutzten die GÖRZER
zum zielstrebigen Ausbau ihrer Stellung in Friaul und Istrien,
besonders die restruktiven Bestimmungen des Vertrages von Ramuscello (1150)
revidiert wurden (1202). Brachte die Heirat von Graf Engelbert III.
mit Mathilde von Andechs-Pisino um 1170 zusätzlichen Besitz
in Inner-Istrien an die GÖRZER,
so legte die Ehe Meinhards III. mit Adelheid, der Tochter
Graf Alberts III. von Tirol, den Grundstein zum weiteren Aufstieg. Die
Verluste, die Meinhard III. durch die schwere Niederlage bei Greifenburg
1252 gegen den "erwählten" Salzburger Erzbischof Philipp von Spanheim
in Kärnten erlitt, wurden durch den Anteil am Tiroler Erbe aufgewogen.
Sein Sohn Meinhard II. (IV.) von Görz-Tirol konnte fast ganz
Tirol an sich bringen.
Im Teilungsvertrag mit seinem jüngeren BruderAlbert
behielt sich Meinhard II. 1271 die relativ geschlossene Grafschaft
Tirol vor, während
Albert die Stammburg mit der ("inneren")
Grafschaft Görz, die Besitzungen
in Istrien, Friaul und Kärnten, das Pustertal und die weit verstreuten
Herrschaften östlich der Haslacher Klause erhielt. Die von den Brüdern
abstammende "Meinhardinische" und "Albertinische" Linie des
Geschlechts gingen in der Folgezeit getrennte Wege. Meinhard II. wurde
als engster Parteigänger RUDOLFS I. VON HABSBURG
1286 mit dem Herzogtum Kärnten belehnt und damit Reichsfürst.
Außerdem erhielt er das Herzogtum Krain als Pfandschaft. Von
seinen Söhnen Otto, Ludwig und Heinrich, die gemeinsam
die Herrschaft übernahmen, wurde letzterer 1307 König von Böhmen
und Polen, aber bereits 1310 wieder aus Prag vertrieben. Nach Heinrichs
Tod fielen Kärnten und Krain 1335 wieder an die HABSBURGER,
während HeinrichsTochter Margarete "Maultasch" Tirol
behaupten konnte. Sie trat das Land nach dem Tode ihres einzigen Sohnes
Meinhard 1363 an Herzog Rudolf IV. von
Österreich ab, dem sie 1365 auch die Regierung übergab.
Mit ihr erlosch 1369 die Meinhardinische Linie des Hauses
GÖRZ.
Die Machtbasis der Albertinischen Linie im abgelegenen
Karstgebiet war wesentlich geringer und wurde durch Herrschaftsteilungen
geschmälert. Nach dem Tode Heinrichs von Görz (1332),
der sich zum Herrn von Cividade, Treviso und Padua aufgeschwungen hatte
und Görz 1307 zur Stadt erhob, gab es vom Pustertal bis Istrien 4
Albertinisch-görzische
Grafschaften; deshalb wurden auch die Erbansprüche der machtlosen
ALBERTINER auf Kärnten und Tirol übergangen. Wegen der
Bedrohung der "inneren" Grafschaft Görz durch Venedig verlegten die
Grafen ihre Residenz nach Schloss Bruck bei Lienz, den Mittelpunkt der
"vordern" Grafschaft Görz, wo sie schon seit 1195 Münzen schlugen.
Meinhard VII. erreichte 1365 die Anerkennung als Reichsfürst
durch Kaiser KARL IV., aber sein Bruder
Albert IV. vermachte 1364 die Grafschaft Mitterburg (Pisino) in
Inner-Istrien und den Besitz in der Windischen Mark mit Möttling den
HABSBURGERN.
Heinrich IV. vereinigte
1430 den Restbesitz der Familie und schloss 1437 einen Erbvertrag mit den
Grafen von Cilli. Im Streit um das Cillier Erbe unterlagen die
GÖRZER gegen Kaiser
FRIEDRICH III. und mussten im Frieden von Pusarnitz 1460 alles
Land östlich der Lienzer Klause an diesen abtreten; nur Lienz gewannen
sie 1462 durch einen Aufstand zurück. Leonhard, der letzte
Graf von Görz, suchte zeitlebens vergeblich durch verschiedenste Bündnisse
den verlorenen Kärntner Besitz zurückzugewinnen und schloss erst
kurz vor seinem Tod (1500) einen Erbvertrag mit MAXIMILIAN
I. Dieser trennte die "vordere" Grafschaft Görz endgültig
von Kärnten und schlug sie zu Tirol (heute Ost-Tirol).
Quellen:
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H. Wiesflecker, Die Reg. der Gf.en v. G. und Tirol, I,
1949; II/1, 1952 - F. Klos-Buzek, Das Urbar der vorderen Gft. G. 1299,
Österr. Urtare I/3, 1956
Literatur:
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M. Wutte, Die Erwerbung der G.er Besitzungen durch das
Haus Habsburg, MIÖG 38, 1920, 282-311 - E. Klebel, Die Gf.en v. G.
als Landesherren
in Oberkärnten, Carinthia I, 125, 1935, 59-82, 218-246
- H. Wiesflecker, Die polit. Entwicklung der Gft. G. und ihr Erbfall an
Österreich, MIÖG 56, 1948, 329-384 - J. Weingarten, Die letzten
Gf.en v. G. (Lienzer Buch, Schlern-Schr. 98, 1952), 111-135 - H. Schmidinger,
Patriarch und Landesherr (Publ. des österr. Kulturinst. in Rom I/1,
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Die Gf.en v. G. in ihren Beziehungen zu den Mächten im nö. Italien,
264-1358 [Diss. masch. Innsbruck 1968] - Ch. Thomas, Kampf um die Weidenburg.
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24, 1972, 1-86 - J. Riedmann, Die Beziehungen der Gf.en und Landesfs. v.
Tirol zu Italien bis 1335 (SAW.PH 307, 1977) - W. Baum, Nikolaus v. Kues
und die Gf.en v. G., Der Schlern 58, 1984, 63-85 - J. Riedmann, Das MA
(Gesch. des Landes Tirol I, 1985), 265-661 - W. Baum, Die Gründung
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623-637.