Wenzel I.                                       Herzog von Luxemburg (1354-1383)
------------                                      Herzog von Brabant-Limburg (1355-1383)
25.2.1337-8.12.1383
Prag          Luxemburg

Begraben: Abtei Orval
 

Einziger Sohn des Königs Johann von Luxemburg-Böhmen aus seiner 2. Ehe mit Beatrix von Bourbon, Tochter von Herzog Ludwig I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 2192
********************
Wenzel, Graf, seit 1354 Herzog von Luxemburg
----------                         Herzog von Brabant seit 1356
* 25. Februar 1337, + 8. Dezember 1383
Prag                          Luxemburg

Begraben: Abtei Orval

Sohn von König Johann von Böhmen und Beatrix von Bourbon

  oo März 1352 Johanna von Brabant

Obwohl Wenzel nach dem Willen seines Vaters die luxemburgischen Territorien erben sollte, übte sein Halbbruder Kaiser KARL IV. zusammen mit seinem Großonkel Erzbischof Balduin von Trier die Herrschaft in der Grafschaft aus, die fast gänzlich verpfändet war. Erst 1353 konnte Wenzel sich als Graf durchsetzen. Die Grafschaften Luxemburg, La Roche, Durbuy und die Markgrafschaft Arlon wurden 1354 von KARL IV. zum Herzogtum erhoben. In Brabant konnte Wenzel sich erst nach Anerkennung durch die Stände (Joyeuse Entree) und nach verlustreichem Kampf gegen Ludwig von Male, Graf von Flandern, behaupten. Die Luxemburgische Machtballung im Westen - Wenzel war Reichsvikar (1366-1372), Landvogt im Elsaß (1367,1377), verfügte über Reichspfandschaften und Erwerbungen im Raum Lüttich-Köln - rief trotz Landfriedensverträgen Ängste der territorialen Nachbarn und der Gegner des Kaisers hervor. In der Schlacht bei Baesweiler (1371) vom Herzog von Jülich gefangengenommen, wurde Wenzel erst ein Jahr später auf Intervention KARLS IV. freigelassen. Kriegsschulden und territoriale Erwerbungen führten zu Verpfändungen von Landesteilen und Ämtern und zur Einführung von regelmäßigen Beden, denen Adel und Städte ihre Zustimmung geben mussten. Dasselbe gilt für Wenzels Testament. Während Wenzel in Luxemburg das Verdienst zuerkannt wird, ohne großen Aufwand die finanzielle Unabhängigkeit wiederhergestellt und unter anderem mit dem Erwerb der Grafschaft Chiny dem Territorium seine größte Ausdehnung gegeben zu haben, gilt er in Brabant als verantwortlich für den Verlust der Vorherrschaft in den Niederlanden zugunsten Flanderns. Seine Witwe vereitelte die mit KARL IV. und Wenzel für den Fall der Kinderlosigkeit abgemachte Erbfolge des Hauses LUXEMBURG in den Erblanden und in Brabant. Nicht zuletzt ist Wenzels Rolle als Dichter und Mäzen hervorzuheben.

Literatur:
-----------
ADB XLI, 732-734 - BNB XXXVII, 169-178 - NBW II, 935-940 - D. Veldtrup, Zw. Eherecht und Familienpolitik, 1988 - W. Reichelt, Landesherrschaft zwischen Reich und Frankreich, 1993 - M. Paul, Luxemburg auf dem Schachbrett Karls IV., Hemecht 48, 1996, 379-390.



Schwennicke Detlev: Tafel 82
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

WENZEL
--------------
* 25.II.1337, + 8.XII.1383
Prag                Luxemburg

1353 Graf von Metz
13.III.1354 HERZOG von LUXEMBURG
1364 GRAF von CHINY
3.XII.1355 HERZOG von BRABANT und LIMBURG und MARKGRAF von ANTWERPEN

  oo (Kontrakt Damvilliers 17.V., Avignon 8.VIII.1351 Dispens 3°) III.1352
       JOHANNA, 1355 HERZOGIN von BRABANT und LIMBURG, dankt 7.V.1404 ab
       * 24.VI.1322, + 1.XII.1406
                               Brüssel

Begraben: Brüssel Karmeliterkirche

Witwe von Wilhelm IV. Graf von Hennegau und Holland (AVESNES), Tochter von Johann III. Herzog von Brabant, Lothringen und Limburg



Wenzel wurde 1354 Herzog von Luxemburg und Reichsverweser und ab 1355, auch durch den kaiserlichen Halbbruder, Herzog von Brabant-Limburg. Er musste 1356 endgültig eine neue Ständeversammlung zugestehen: "Joyeuse Entree" genannt, die "Magna Charta" Brabants, die die herzogliche Gewalt stark einschränkte. Von Flandern gezwungen, musste er Mecheln und Antwerpen abtreten. Er löste mit Brabanter Mitteln alle luxemburgischen Schulden ab, womit er den Gegensatz zu Brabant, wo er mit seiner Art nie heimisch wurde, verschärfte. Er war politisch unbegabt, im ritterlichen Fehdewesen verhaftet, zu Frankreich neigend und verstand es nicht, seinen gesamten Besitz zu einem abgeschlossenen "Reich" zusammenzufassen. Er förderte die Gilden gegen die Geschlechter in den Städten, was zu einer ständigen bürgerkriegsähnlichen Situation im Land führte. Er war auch mit den Nachbarn total zerstritten, obwohl er etliche Landfriedensbündnisse abschloss, auch um das Raubritterunwesen zu bekämpfen. Er stand besonders gegen Flandern, Geldern und Jülich, verlor 1371 die Schlacht bei Baesweiler und wurde zwei Jahre in Jülich gefangengehalten. 1368-1370 war er erneut Reichsverweser und gewann für Luxemburg Chiny, Valkenburg und Herzogenrath dazu.

Veldtrup Dieter: Seite 259,411-420
*************
„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

Der Böhmen-König habe damals ohne Wissen seiner Söhne mit Ludwig von Ungarn darüber verhandelt, dass Wenzel, sein jüngster Sohn, eine Tochter des Bayern heiraten [Wenzel war zu dieser Zeit noch durch das 1337 Oktober 4. abgeschhlossene Eheversprechen mit Margaretha, Tochter Herzog Friedrichs IV. von Lothringen, verbunden.] und eine Mitgift von 240.000 Mark erhalten sollte; außerdem habe der Kaiser Johann-Heinrich als Entschädigung für Tirol die Lausitz angeboten.
Denn KARLS Halbbruder Wenzel war seit 1352 mit der Erbin Johanns III. von Brabant verheiratet. Wenzel war das einzige Kind aus König Johanns zweiter Ehe mit Beatrix von Bourbon. Er war am 25. Februar 1337 in Prag geboren worden und von seinem Vater noch im selben Jahr der Tochter Margaretha von Herzog Friedrich IV. von Lothringen und der Elisabeth, einer Tochter König ALBRECHTS I., zur Ehe versprochen worden. Diese Verbindung macht die auf Frankreich hin orientierte Politik Johanns deutlich und beweist seinen Willen, die Stammlande dadurch zu stärken, dass er seinen Sohn mit der Tochter eines Nachbarfürsten verband. Nachdem 1342/43 der Plan gescheitert war, Wenzel mit einer Tochter LUDWIGS DES BAYERN zu verheiraten, ließ Johann wenige Wochen vor seinem Tod, das Eheversprechen mit Lothringen erneuern – aber zur Ehe kam es auch diesmal nicht.
KARL ergriff entgegen den testamentarischen Regelungen seines Vaters die Regierung in Luxemburg selbst. Wenzels Mutter Beatrix von Bourbon zog sich mit ihrem Sohn nach Frankreich zurück und schloß sich eng ihren dortigen Verwandten an. Mit ihnen sprach sie auch einen Eheplan für Wenzel ab, der nach Aufgabe des Lothringen-Projekts erwogen wurde: Philipp VI. schloß im Juni 1347 einen Vertrag mit Johann III. von Brabant über die künftige Ehe von dessen ältester Tochter Johanna und Wenzel ab. Johanna war die Witwe des zwei Jahre zuvor im Kampf gegen die Friesen ums Leben gekommenen letzten Grafen von Holland, Wilhelm IV. Aber trotz der recht engen verwandtschaftlichen Beziehungen holte man keine Dispens ein, und drei Jahre später plante man für Johanna eine Ehe mit ihrem Vetter 1. Grades Karl II. von Navarra, für die sogar trotz der nahen Verwandtschaft Dispens erteilt worden war. Doch zerschlug sich dieses Projekt, so daß man wieder auf die alte Beziehung zum Haus LUXEMBURG zurückkam. Am 17. Mai 1351 wurde der endgültige Ehevertrag unterzeichnet; im Laufe des Jahres mußten noch verschiedene Abmachungen ratifiziert werden, die die Bestellung des Leibgedinges für Johanna betrafen, das zum Teil aus dem Witwengut der Königin Beatrix bestand, auf das diese verzichtet hatte. Nach Regelung dieser Fragen konnte man die Dispens beantragen, die der Papst am 8. August 1351 erteilte. Die Heirat fand aber erst im März 1352 statt, invito rege - was jedoch nicht allzu wörtlich zu nehmen sein dürfte. Denn bereits 1349 hatte sich KARL gegen Balduin von Trier verpflichtet, sich nicht in die Heiratsangelegenheiten Wenzels einzumischen; zudem dürfte er die hausmachtpolitischen Vorteile dieser Verbindung sehr schnell erkannt haben: Johanna hatte nämlich, als der Ehevertrag abgeschlossen wurde, nur noch einen einzigen Bruder, der kurze Zeit später ohne Hinterlassung von Kindern starb - damit war sie die Erbin Brabants. Diese Entwicklung eröffnete den LUXEMBURGERN zunächst die Aussicht, im Westen des Reiches ein deutliches Gegengewicht zur wittelsbachischen Herrschaft in Holland und Hennegau zu bilden, zusätzlich aber auch noch die Hoffnung auf einen großen Gebiets- und Machtzuwachs: Denn Wenzels Ehe mit der 15 Jahre älteren Frau war zwar sehr glücklich, blieb jedoch ohne Kinder. Nachdem KARL Ende 1353, dem letzten Willen seines Vaters entsprechend, seinem Halbruder die Grafschaft Luxemburg abgetreten und ihn im folgenden Jahr zum Herzog erhoben hatte, konnte er im Jahre 1357 mit Herzogin Johanna einen Erbvertrag des Inhalts abschließen, dass, wenn das Paar kinderlos bliebe, das Herzogtum Brabant an den jeweiligen Chef des Hauses LUXEMBURG fallen solle.
Die Schwerpunkte von KARLS eigenen Interessen lagen jedoch ganz eindeutig im Osten des Reiches, und da sich später auch sein Sohn WENZEL kaum um die Stammlande kümmerte, führte das dazu, dass die brabantische Erbtante, enttäuscht von dem mangelnden Engagement der Verwandten ihres Mannes, ihr Land schließlich ihrem französischen Großneffen Anton von Burgund vermachte. Luxemburg selbst war durch das Testament, das Herzog Wenzel am 30. Januar 1378 bei dem letzten Besuch seines kaiserlichen Bruders auf der Stammburg errichtet hatte, dem jeweiligen König von Böhmen versprochen worden. Herzog Wenzel von Luxemburg starb am 8. Dezember 1383 auf dem Stammsitz seiner Familie, noch vor seiner Mutter, die ihm nur wenige Tage später, am 25. Dezember, nachfolgte.
 
 
 
 

 1354
  oo 2. Johanna von Brabant, älteste Tochter des Herzogs Johann III.
  x       24.6.1322-1.12.1406
                           Brüssel

Seit 1383 Herzogin von Brabant-Limburg; führte Erbkriege gegen Geldern und war dort zeitweise gefangen. 1388 von Karl VI. von Frankreich auf Veranlassung von Philipp von Burgund befreit, setzte sie ihn aus Dankbarkeit mit seiner Frau als Erben ein.
 
 
 
 

Kinder:
Illegitim

  Wilhelm
        -

  Gilles
        - um 1404

  Johann
        -

  Karl
        -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 45,48 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 87,90,95,98,110,138,153,161,163,165,171,193,195,202,205,240 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 38,55 - Kaiser Karl IV. und die Kultur und Kunst seiner Zeit. Artia Verlag Prag 1978 Seite 13,148,188 - Pfitzner Josef: Kaiser Karl IV. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Potsdam 1938 Seite 86 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 82 - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH&Co. KG München 1994 Seite 106,112,165,230,286,312,346, 347,401 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 1,66, 79,101,105,165,182,221,229,269,305,381,390,394,399 - Sütterlin, Klaus: König Johann. Ritter auf dem Schauplatz Europa. Verlag Markus Knecht 2003 - Thomas, Heinz: Die Ernennung Herzog Wenzels von Luxemburg-Brabant zum Reichsvikar. in: Westmitteleuropa Ostmitteleuropa. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992, Seite 143-153 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 259,411-420 -