Walram IV.                                              Herzog von Limburg (1221-1226)
---------------                                             Graf von Luxemburg (1214-1226)
um 1175-10.6./2.7.1226                           Herr zu Monschau
 

Sohn des Herzogs Heinrich III. von Limburg und der Sophie von Saarbrücken, Tochter von Graf Simon I.
 

Thiele Andreas: Tafel 15
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa

WALRAM IV. VON LIMBURG
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     + 1226

Sohn des Herzogs Heinrich III. von Nieder-Lothringen

Herr von Monschau

Walram IV. nahm am 3. Kreuzzug unter König Richard I. Löwenherz und an der Reichsrebellion gegen Kaiser HEINRICH VI. teil und weilte 1196/97 erneut im Heiligen Land. Er wählte PHILIPP VON SCHWABEN mit, ging aber mit dem Vater zu OTTO IV. über und machte 1206 die Schlacht bei Wassenberg mit, durch die König OTTO aus dem Niederrheingebiet verdrängt wurde. Er unterwarf sich nach der Schlacht bei Bouvines Kaiser FRIEDRICH II. und rettete damit seine Erbschaft Luxemburg, wo er 1214 Graf wurde. Er zog 1217/18 mit gegen Ägypten, machte die Schlacht bei Damiette mit, folgte dem Vater 1221 als Herzog von Limburg-Arlon und versuchte vergeblich, Namur für Luxemburg zu behaupten. Er war ein typischer Vertreter seines fehdereichen, ritterlichen Zeitalters und vereinigte durch seine zweite Ehe Luxemburg mit Limburg, das nach seinem Tode wieder getrennt wurde.

  1. oo KUNIGUNDE VON MONSCHAU
                    + vor 1214

Tochter des Ludwig
 

  2. oo 1214
           ERMESINDE II. VON LUXEMBURG
                     + 1247

Tochter und Erbin des Grafen Heinrich IV. von Namur-Luxemburg 
1226 Regentin von Luxemburg, Witwe des Grafen Theobald I. von Bar



Hoensch, Jörg K.: Seite 20
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Nach Theobalds Tod im Februar 1214 ging die gerade 28 Jahre alt gewordene Witwe Ermesinde - wohl aus Sorge, daß das Haus FLANDERN-HENNEGAU alte, zudem die aus erster Ehe stammenden Söhne Theobald von Bar neue Erbansprüche anmelden und Kaiser FRIEDRICH II. dann die Gelegenheit zur Intervention nutzen könnte - auffallend schnell eine neue Ehe ein und heiratet noch im Mai den LIMBURGER Herzogs-Sohn Walram III., der die Markgrafschaft Arlon als Morgengabe in die Ehe einbrachte. Dieser Gebietserwerb sicherte endlich den räumlichen Zusammenschluß von Durbuy und Laroche mit Luxemburg ab, wodurch sich allerdings dieser jetzt territorial weitgehend abgeschlossen Herrschaftskomplex von der Mittelmosel stärker nach Westen und Nordwesten in die Ardennen hinein verlagerte und in den romanischen Sprachraum ausgriff. Graf Walram, der 1221 zusätzlich die Nachfolge im Herzogtum Limburg antrat, stand fest im staufischen Lager und setzte erfolgreich das Werk der inneren Befriedung und Konsolidierungsowie den Ausbau des luxemburgsichen Lehnshofes durch die Gewinnung neuer Vasallen fort. Mit Bar wurde durch die Heirat der erstehelichen Kinder von Ermesinde und Walram ein Ausgleich erzielt. Zwei Versuche, den links der Maas liegenden Hauptteil der Grafschaft Namur zurückzuerobern, scheiterten 1214 und 1216 jedoch kläglich, so daß sich Walram 1223 zu einer Erneuerung des Friedens von Dinant herbeilassen mußte.
Da Walram III. bereits 1226 starb, fand sich seine Witwe erneut in einer ausgesprochen schwierigen
Lage, weil der Erbe Heinrich V. erst fünf Jahre alt war und eine direkte Erbfolge in weiblicher Linie
nach dem Reichsrecht zudem ausgeschlossen war.

Thorau, Peter: Seite 136-139,143
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"Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I"

Einer der für Köln gefährlichsten Gegner wurde zu Beginn des 13. Jahhrhunderts Herzog Walram III. von Limburg. Aus Furcht, von seinen mächtigen Nachbarn Köln und Brabant gleichsam zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben zu werden, versuchte er - wie auch schon sein Vater Heinrich III. - durch eine kluge Bündnis- und Arrondierungspolitik das Titular-Herzogtum zu stärken und zu einem Gegengewicht aufzubauen [221 Zu Heinrich III. und Walram III. von Limburg vgl. Schoppmann, La formation, Seite 79-119. Beide gehörten nicht den Reichsfürsten an; vgl. Kupper, Limburg, in: Lex MA 5 (1991), Spalte 1987.]. Unterstützt wurde er dabei von dem Lütticher Bischof Hugo von Pierrepont. Das labile mächtepolitische Gleichgewicht drohte indes zugunsten des LIMBURGERS ins Wanken zu geraten, als Walram nach dem Tode seiner ersten Frau im Mai 1214 Ermesinde heiratete, die Erbtochter des Grafen Heinrich von Namur-Luxemburg und Witwe des Grafen Thiebald von Bar [222 Stubbe/Voet, De Chronologie, Seite 374 und Seite 380; Wampach, Urkunden- und Quellenbuch 2, Nr. 74, Seite 89 mit ausführlichen Quellenverweisen. Vgl. Newcomer, The Grand Duchy of Luxembourg, Seite 68f.; Margue, Luxemburg im Mittelalter und Neuzeit; Seite 34 und Jäschke, Ermesendis comitissa; Seite 277.]. Damit vereinigte Walram III. die Regierung der beiden Territorien in seiner Hand. Gleichzeitig wurde dadurch eine Verbindung nach Ober-Lothringen und zur unteren Saar hergestellt.
Während die limburgischen Gebiete mit Ausnahme der Markgrafschaft Arlon, die als Heiratsgabe an Ermesinde vergeben wurde und zu Luxemburg kam, an die Kinder ihres Gatten aus erster Ehe fallen sollten, wurde Ermesindes und Walrams III. Sohn Heinrich zum Erben der Grafschaft Luxemburg bestimmt. Zur Verankerung dieser Beziehung verheiratete Walram III. seinen Sohn Walram von Montjoie (Monschau) im Jahre 1215 mit Elisabeth Isabella, der Tochter seiner Gemahlin aus deren erster Ehe. Indem Walram von Montjoie die Vormundschaft über seinen Neffen Heinrich bis zu dessen Volljährigkeit im Jahre 1235 ausübte, wurde sichergestellt, daß die Politik Limburg-Luxemburgs auch über den Tod Walrams III. hinaus aufeinander abgestimmt werden konnte. Sein Schwester Jutta verheiratete Walram III. mit Goswin von Heinsberg-Falkenburg. Seine Tochter aus erster Ehe, Mathilde, ehelichte den Grafen Wilhelm III. von Jülich und die andere, Margareta Sophia, den Grafen Friedrich II. von Altena-Isenburg, aus der Nebenlinie der Grafen von Berg. Dadurch schob sich der limburgische Einflußbereich in einer für Köln gefährlichen Weise nach Osten vor. Als zudem noch Walrams III. Sohn Heinrich aus erster Ehe - der spätere Herzog Heinrich IV. von Limburg - um 1215 Irmgard heiratete, die einzige Tochter und Erbin von Engelbrechts Bruder Graf Adolf III. von Berg, drohte dem Erzstift Köln vollends die Einkreisung durch eine Vereinigung des Herzogtums Limburg mit der Köln auf dem östlichen Rheinufer gegenüberliegenden Grafschaft Berg.
Aus Wahrung eben dieser Interessen griff Engelbert schon kurz nach seiner Wahl zu den Waffen und zog gegen die LIMBURGER und ihren Verbündeten, den Grafen Dietrich von Kleve, ins Feld. Wahrscheinlich schon im Frühsommer 1216 zerstörte er eine Burg und den dazugehörenden Marktflecken, die Herzog Walram III. wohl unter Ausnutzung der Schwäche Kölns während des Schismas in ducatu Coloniensi erbaut hatte. Zur Grenzsicherung ließ Engelbert seinerseits unweit der den LIMBURGERN gehörenden Burg von Herzogenrath die Burg Valancia oder Velandshus anlegen.
Auch wenn es bereits im März 1217 zum Friedensschluß zwischen Engelbert von Köln und Walram III. und Heinrich IV. kam, so war damit die Nachfolgefrage bezüglich der Grafschaft Berg noch nicht aus der Welt geschafft.
Die erst vor etwas mehr als einem Jahr beigelegte Fehde zwischen dem Erzstift Köln und Limburg-Luxemburg loderte nach dem Tode Graf Adolfs III. von Berg (+ 7. August 1218) erneut auf. Da Walram III. von Limburg gleichzeitig gegen den Grafen Philipp von Namur im Felde lag, führte er nunmehr einen seine Kräfte wahrscheinlich übersteigenden Zweifrontenkrieg. Zudem musste am 20. Juni 1220 Graf Dietrich von Kleve vor Engelbert kapitulieren. Jetzt gab auch Walram III. den Kampf auf. Im August 1220 willigte er in Köln in einen Vergleich ein demzufolge er sich in seinem Streit mit den Grafen von Namur, Hochstaden und Veldenz dem Schiedsspruch des Erzbischofs beugen werde, den von ihm festgesetzten Grafen von Vianden aus der Gefangenschaft zu entlassen; sein Sohn Heinrich IV. von Limburg werde sich in bezug auf die Grafschaft Berg ganz dem Gutdünken des Erzbischofs von Köln unterwerfen.
 
 
 
 

  1. oo Kunigunde von Monschau, Tochter des Grafen Ludwig
                  - vor 1214

    1214
  2. oo 2. Ermesinde II. von Luxemburg, Tochter des Grafen Heinrich IV.
                7.1186-   1247

        1. oo Theobald I. Graf von Bar
                1158/60-   1214
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Heinrich IV. Herzog von Limburg
         -25.2.1246

  Sophie
         -   1227

  oo Friedrich II. von Berg Graf von Isenburg
              -14.11.1226

  Matilde
        - nach 1.4.1234

  oo Wilhelm III. Graf von Jülich
             -   1218

  Walram V. der Lange Herr zu Monschau
         - nach 20.4.1242

2. Ehe

  Heinrich V. der Blonde Graf von Luxemburg
  1215-24.12.1281

  Katharina
        - 4.1255

 1229
  oo Matthäus II. Herzog von Lothringen
              -24.6.1251

  Gerhard III. Herr zu Durbuy
        - nach 20.12.1298
 
 
 
 

Literatur:
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Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 48,79,84,126,154,157,163 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 20,24 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 15 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 136-139,143,273 A - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 60,62,63,83,85,87,133,134,362,369,371,394 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 300,354,370,380,382 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 32,39,345,346,395,399,402,403,439,451, 467,471,472,473, 483,498 -