Wolf Armin:
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"Die Herkunft der Grafen von Northeim aus dem Hause Luxemburg und der Mord am Königskandidaten Ekkehard von Meißen 1002." in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte Band 69 1997

Wir dürfen hinzufügen, daß Siegfried im Jahre 982 auch eine Grafschaft im Gebiet von Northeim besaß [67 Oben Anmerkung 2.]. Als Domnus Sicco, imperatorius frater, befand er sich mit den Söhnen Heinrich (Hezil) und Siegfried 983 im kaiserlichen Heeresaufgebot [68 Oben Anmerkung 19.]. Vater und Sohn Siegfried nahmen beide am Osterfest 984 in Quedlinburg teil, wo Heinrich der Zänker sich als König ehren ließ. Die LUXEMBURGER bzw. NORTHEIMER blieben aber dem kleinen OTTO III. treu, zogen ab und versammelten sich mit Gleichgesinnten auf der Asselburg bei Wolfenbüttel [69 Thietmar IV 2 (Seite 132). Regesta Imperi II, 3, Nr. t/1, u/1.]. In der Auseinandersetzung zwischen OTTO III., seiner Mutter Theophanu und Hugo Capet einerseits und Heinrich von Baiern und dem westfränkischen König Lothar andererseits geriet Siegfried der Vater 984/85 in Verdun in Gefangenschaft, wurde aber Mitte 985 wieder entlassen. Er wird der comes Sicco sein, den die Kaiserin Theophanu 988 bei der Neuordnung der Finanzverwaltung in Oberitalien mit wichtigen Aufgaben betraute [70 MGH SS 30, 1458. Dazu Uhlirz 1956 (Anmerkung 10) Seite 42.].
Zusammen mit seiner Gemahlin Hedwig ist Siegfried viermal urkundlich belegt: am 17. September 964 mit einem Sohn Heinrich (2) [71 Wampach (Anmerkung 10) Nr. 174, Seite 238-239.], im folgenden Jahr bei einer Stiftung für das Kloster Echternach [72 Wampach Nr. 176, Seite 240.], im Jahr 987 bei der Konsekrierung einer Kirche in Luxemburg [73 Jean-Claude Muller, Zur textlichen Grundlage des  Milleniums der Michaels-Kirche, in: Hemecht 87, 1989, Seite 461-479, hier 463.] und im Jahre 993 bei einer Stiftung für die Abtei St. Maximin in Trier [74 Wamapch Nr. 296, Seite 286-289.]. Diese Stiftung sollte dem Seelenheil des Grafen Siegfried, seiner Gemahlin Hedwig und ihrer Kinder, der lebenden wie der bereits gestorbenen, dienen. Hedwig wird seit dem nicht mehr erwähnt, wird also bald nach 993 gestorben sein.
Siegfried überlebte sie und starb erst 998. Nach seiner Grabinschrift war er wegen des hohen Adels seines Geschlechts nicht der Geringste des Erdkreise (ob culmen generis quondam non infimus orbis) [75 MGH Poetae latini 5, 316.]. Von seinem Bruder Adalbero ist überliefert, daß er sowohl von väterlicher als auch von mütterlicher Seite königlichen Geblüts war [76 MGH SS 4, 438: Adalbero ... cum esset regii quidem paterna simula ac materna stirpe longe retro usque ab hominum memoria sanguinis. Uhlirz 1953/54 (Anmerkung 19) Seite 168 mit Anmerkung 16.]. Von Siegfrieds Vorfahren ist eine Abstammungslinie seiner Mutter bezeugt, die direkt zu den KAROLINGERN zurückgeht [77 Eine aus dem 11. Jahrhundert stammende Tabula Genealogica der KAROLINGER enthält unter anderem die Filiationskette (MGHSS 3, 314):
Karolus rex Franchorum et patricius Romanorum. Primus imperator in Francia.
Hludowicus rex cognomento pius, imperator.
Karolus rex Franciae et Hispaniae.
Hludowicus rex Franciae.
Irmintrud.
Cynigund.
Sigidridus comes.
Cynigund imperatrix.
Vgl. dazu Werner 1967 (Anmerkung 10) Nr. VI 36 mit Anmerkung Seite 460.]. Ein Anteil an deren Erbe machte die LUXEMBURGER zu einem der führenden Geschlechter Lotharingiens.
Siegfrieds Vater ist jedoch ebenso umstritten wie die Eltern seiner Gemahlin Hedwig. Da unter ihren Nachkommen zwischen 1002 und dem Sturze Heinrichs des Löwen 1180 nicht weniger als sechs - mit Otto von Northeim sogar sieben - Herzöge von Baiern waren, wird eine der unbekannten Vorfahrenlinien Siegfrieds oder Hedwigs nach Bayern führen. Eine weitere Vorfahrenlinie wird aus Sachsen stammen. Dies ist auch früher schon vermutet worden, wenngleich die Einzelheiten noch unklar sind [78 Uhlirz 1953/54 (Anmerkung 19) Seite 169 nahm "eine nahe Verwandtschaft zwischen ihm [Siegfried dem Älteren von Luxemburg] und den OTTONEN" an. - Pierre Briere, Les origines de la premiere Maison de Luxembourg (Publications de la section histor. de l'Institut de Luxembourg 79), Luxemburg 1962, Seite 7-22, hier 22 vermutete, daß Siegfrieds Vater Eberhard von Hamaland und dessen Mutter Oda eine Tochter Liudolfs von Sachsen, des Stammvaters der OTTONEN, gewesen seien. Üblicherweise gilt jedoch der lothringische Pfalzgraf Wigerich als Vater Siegfrieds von Luxemburg (Werner 1967, bei Nr. VI 36). Eine sichere Aussage ist über den Vater jedoch noch nicht möglich (Parisse 1981; Seite 19-20). - Über die Eltern Hedwigs stellte Depoin 1904 (Anmerkung 18) die These auf, daß sie eine Tochter Giselberts von Lothringen und Gerbergas von Sachsen, der Tochter König HEINRICHS I. gewesen sei. Er verwies dabei auf einen Memorialeintrag in Remiremont: Dumnus Gislibertus dux, qui pro remedium anime sue et seniori sui dumni Henrici et uxori sue et infantibus suis omnes heclesias sancti Petri nobis restituit. Dumnus Gislibertus dux cum omnibus fidelibus suit. Dumna Girberga. Ainricus. Haduidis ...(fol 6r, jetzt ediert in: MGH Libri Mem. I, 9). Dies fand zunächst allgemein Anklang, bis Renn 1941 Seite 62-64 mit dem Argument widersprach, daß dann die Ehe Kunigundes mit Kaiser HEINRICH II. im verbotenen dritten kanonischen Grade gestanden hätte:
                                      König HEINRICH I.
Gerberga oo Giselbert                          Heinrich I. von Baiern
Hedwig oo Siegfried                            Heinrich II. von Bauiern
Kaiserin Kunigunde              oo           Kaiser HEINRICH II.

- Ferdinand Geldner; Vorfahren und Verwandte der Kaiserin Kunigunde, in: Ders. Tatsachen und Probleme der Vor- und Frühgeschichte des Hochstifts Bamberg (Bamberger Studien zur fränkischen und deutschen Geschichte 2) Bamberg 1973, Seite 29-52, kehrte Seite 40-45 zu dem Vorschlag von Depoin zurück und wies Seite 43 auf ein Zeugnis Rodulf Glabers um 1045 hin: "Da er [Kaiser HEINRICH II.] sah, daß er von ihr [Kunigunde] keine Kinder erhalten könne, entließ er sie nicht deshalb, sondern übertrug das ganze Erbgut, das den Kindern zustand, Christus (Ex qua etiam cernens non posse suscipere liberos, non eam propter hoc dimisit, sed omne patrimonium, quod liberis debebatus, Christi ecclesiae contulit)": HEINRICH II. und Kunigunde hätten "das Problem der Verwandtenehe auf ihre Weise" gelöst "ohne öffentlichen Prozeß, ohne Kirchenbann und ohne Verstoßung der Gattin" durch eine Lebensgemeinschaft "wie Bruder und Schwester" als eine "Tat tiefer Gläubigkeit und hohen Menschentums". - Nach einer noch unpublizierten Vermutung von Christian Settipani (Brief vom 7. November 1994) war Hedwig die Tochter einer weiteren Hedwig und diese die Tochter Odas, einer Schwester König HEINRICHS I.]. Wenn nun die NORTHEIMER zu den Nachkommen Siegfrieds von Luxemburg und Hedwigs gehörten, so spricht auch dies für eine solche sächsische Abkunft, sei es Siegfrieds, den Rodulf Glaber einen dux Saxonum nannte [79 MGH SS 7,62], sei es Hedwigs, deren Namen auf die Mutter König HEINRICHS I. verweist, - oder gar beider.