Prokop                                           Markgraf von Mähren (1375-1405)
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1350/60-24.9.1405
             Brünn
 

Jüngster Sohn des Markgrafen Johann Heinrichs von Mähren aus seiner 2. Ehe mit der Margarete von Troppau-Jägerndorf, Tochter von Herzog Nikolaus II.; Neffe des Kaisers KARL IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 245
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Prokop, Markgraf von Mähren
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* nach 1355, + 24. September 1405

Jüngster der drei Söhne Markgraf Johann Heinrichs, erhielt 1375 neben dem Markgrafentitel nur einen kleineren Anteil an der Herrschaft. Dennoch spielte der ehrgeizige Prokop in den jahrzehntelangen Auseinandersetzungen innerhalb der luxemburgischen Familie nach dem Tode KARLS IV. eine bedeutende Rolle. In mehreren kriegerischen Fehden widersetzte er sich dem Versuch JODOKS, in Mähren die Alleinherrschaft zu gewinnen. Mit dem Bischof und dem Domkapitel von Olmütz geriet er mehrmals in heftige Besitzstreitigkeiten. 1385 unterstützte er mit JODOK ihren Vetter SIEGMUND finanziell und militärisch bei der Gewinnung der Krone Ungarns. An der von SIEGMUND an JODOK übertragenen Pfandherrschaft über Brandenburg nahm auch Prokop teil. Gegen die wechselnden Koalitionen , die JODOK und SIEGMUND miteinander, mit den HABSBURGERN und WETTINERN und besonders mit der böhmischen Adelsfronde gegen WENZEL schlossen, hielt Prokop zum König. Nach dem Tod Johanns von Görlitz war er der Hauptverbündete WENZELS und wurde von ihm 1397/98 zum Regenten in Böhmen bestimmt. Mit geschickter Diplomatie gelang es ihm nach der Absetzung WENZELS als deutscher König, einen Kriegszug König RUPRECHTS nach Böhmen zu verhindern. Nachdem sich SIEGMUND 1402 des Königs bemächtigt hatte, nahm er unter Bruch seines Versprechens auch Prokop gefangen. Erst 1405 aus dem Gefängnis in Preßburg freigelassen, starb Prokop an den Folgen der Kerkerhaft in Brünn.

Literatur:
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F. M. Bartos, Ceske dejiny II, 6, 1947 - Bosl, Böhm. Länder I [F. Seibt] - I. Hlavacek, Brünn als Residenz der Mgf.en v. Mähren (Fsl. Residenzen im spätma. Europa, 1991 [= VuF 36]) - J. Valka, Dejiny Moravy I, 1991.


Bei der Luxemburgischen Erbteilung erhielt Prokop zusammen mit seinem Bruder JOBST die Markgrafschaft Mähren. Er stand diesem schroff gegenüber und wurde daher jeweils mit WENZEL gefangengenommen.

Veltrup Dieter: Seite 365-368
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

Auch für den jüngsten Bruder Prokop hatte KARL noch in einem seiner letzten Lebensjahre eine eheliche Verbindung ins Auge gefaßt, die in mancher Hinsicht Rätsel aufgibt. Am 14. Mai eines ungenannt bleibenden Jahres - wahrscheinlich jedoch 1378 - ließ er nämlich durch seinen Neffen JOST dem domino honorato Gaiethano comiti Sundorum den Vorschlag, Prokop mit dessen Tochter Jacobella zu verheiraten. Hinter dem Adressaten des Briefes verbirgt sich Onorato Caetani, Graf von Fondi, der Großneffe von Papst Bonifaz VIII.
Die Verbíndung zwischen Jacobella und Prokop kam jedenfalls infolge des Ausbruchs des Schismas und des Todes des Kaisers nicht zustande: Die Gräfin heiratete im folgenden Jahr Herzog Balthasar von Braunschweig-Grubenhagen, und auch ein lange nach des Kaisers Tod verfolgtes weiteres Eheprojekt für Prokop verlief wieder im Sande. Im Jahre 1390 wurde nämlich erwogen, ihn mit Johanna, einer Tochter König Johanns I. von Aragon (1387-1395), zu verehelichen, die zuvor bereits für eine Verbindung mit seinem verwitweten Vetter WENZEL ins Auge gefaßt worden war; aber auch dieser Plan wurde nicht weiter verfolgt, so dass Prokop bis zu seinem Tod am 24. September 1405 unverheiratet blieb.
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 170,193,195,205,212,214,217,220,233 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 54,57,59,72,78,94,96,99.103,105,107,110,115,152,554,558 - Stoob Heinz: Kaiser Karl IV. und seine Zeit. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 391 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 Seite 365-368 -